15. Vonitsa

Preveza, 8.Juni, vor Anker

Wir bekommen Besuch von Seglern, die diese wunderschöne  Mistral 33 bewundern…und sich bedanken für mein abendliches Flötenmusik-Ständchen.Da wir hier noch das Internet der Marina nützen können, senden wir den blog, die Fotos, und dann geht’s los.Ankerauf und davon.
 

Sonnenuntergang_uber_preveza

Gleich packt uns eine steife Brise, Gerhard refft die Genua ganz klein und dann saust die EOS mit 6 kn Fahrt durch die Gischtwellen. Ich steuere von Hand an der Pinne, folge exakt jeder Bö. Sportlich legt sich der Rumpf ins lebendige Meer. Kräftig Gegenruder legen … es macht Spaß. Es ist wie am Chiemsee in dem ersten Jahr meiner Segelzeit, 1974, auf den Jollen. Die Region am Ambrakischen Golf erinnert auch ein wenig an den Bodensee. Fast wie der Blick zum Pfänder auf die grünen Höhenrücken des Bregenzerwaldes.

Nach 3 Stunden herrlichem Ritt laufen wir ein in eine Bucht Nähe VONITSA. 6 Segler sind schon vor Anker, heftiger Wind. 2 x ankern wir, dann greift er! Mit 2000 Umdrehungen/min „fahren wir den Anker ein“. Es bläst ein steifer 6er, 7er ! Den ganzen Nachmittag steht er durch.
Nach 7 Stunden flaut er ab, man kann hoffen, daß die Gasflammen am Kocher nun nicht mehr ausgepustet werden. Ich koche Spaghetti pesto mit Parmiggiano und viel Salat. Schwül- heiß und drückend. Am Ufer weiden Kühe mit bimmelnden Kuhglocken. Weiße Reiher schreiten majestätisch wm Ufer.

Das_fort_in_vonitsa

Um 21 Uhr gehen plötzlich disco-blaue Leuchten an der neuen Fußgängerbrücke an, die man aus Naturstein mit 6 Bogentoren über das Flachwasser zu einer kleinen, auch angestrahlten Kapelle im Wäldchen auf der Insel erbaut hat, eine Verbindung von der Nehrung zur Insel. Ich spiele Mundharmonika unter dem gelben Halbmond und einem Sternenzelt, das einen beten läßt aus Dankbarkeit.
Über VONITSA erstrahlt die trutzige Burg aus dem 17. Jh., von den Venezianern auf byzantinischen Mauern errichtet. Unsere Bucht wurde benannt nmit einem für die griechische Zunge aussprechbaren türkischen Wort, Karavanserei, genannt nach den Zeiten türkischer Belagerung, Koukouvitsa.
 

In_der_backerei_1

Am Morgen des 9. Juni …

…paddelt Gerhard an Land und bringt köstliches, frisches Brot mit vom Joggen nach Vonitsa. Seine Fotos sind wieder mal ein Leckerbissen.

 Um 10 motoren wir nach Vonitsa und ankern neben der stattlichen Heidelberger „Wallonia“ (41Fuß, ein Spezialbau aus Spanien) am Kai. Das Ehepaar ist über 80 und bestens in Form! Fast gemütlich die Promenade der Kleinstadt, unaufdringliche Tavernen…

 Ab 14 Uhr wieder heftige bissige Böen!! Wir gehen einkaufen, sogar 6 Päckle Marlboro für evtl. Helfer in Albanien, wo wir die Sprache nicht beherrschen 🙂
Wir haben Internet an Bord, dank „Café Tropical“. Michael von der Dunarea kann uns via Skype geduldig und fachmännisch helfen bei einigen Fehlren in der email-Bearbeitung. Dankeschön, super!(Firefox wurde statt thunderbird eingerichtet im googlemail).

Ich erfahre die Frohbotschaft aus Kiew, daß Anyas Mann Volodya virenfreies Blut hat nach einem Jahr böser Hepatitis-C und schwieriger Behandlung…Gottseidank.
 Große Freude auch über die politische Großtat in Deutschland: Der Atomausstieg ist BESCHLOSSEN!!!

 Am Freitag,10.Juni ist es erfrischend kühl, die Schwüle ist überstanden.

HANDWERKER-TAG

Gerhard konnte Teile für eine energie-sparende LED-Lichtquelle (mit Warmlichtton und nur 1,5 Watt!) für den Salon zum Zeitunglesen am Abend auffinden, in einem Laden „für alles Technische“(Stahlwaren, Farben, Elektro…)  und er baut wie ein patenter Handwerker an Bord alles um für den „Ausstieg aus dem Glühbirnen-Zeitalter!“
 

Schneiderei

Ich nehme mir ein von 30 Jahren UV-Bestrahlung und Hitzeeinwirkung morsch gewordenes Top vor, aus feinstem Batist, grün-magenta-blau gemustert, aus Indien. Ein Lieblingsstück, zu dem ich noch eine rockartige Bermuda und einen Crincle-Rock habe im selben Stoff. Ich trenne die beiden Hosentaschen aus der Bermuda, trenne die Doppelnähte auf, setze die entstandenen halbrunden 4 Flicken auf vordere und hintere Schulterpartie auf und nähe sie feinsäuberlich mit Rückstich und Saumstich auf. 2 Stunden brauch ich.:-( aber es sieht wieder tragbar auf. Einfach toll, wenn man die Fertigkeit im Gymnasium gelernt hat. Aus einem Taschentuch nähe ich eine neue Hosentasche in die Bermuda. Fertig.

Übrigens haben wir für Musestunden in der Marina
Preveza wieder 15 Bücher „getauscht“ am Regal „deutsch“, Viele haben Stempel drin von den Segelyachten der Vorbesitzer.

Die Bilder:

14. LEFKAS- WANDERTAG ( Gerdi), 6.Juni

LEFKAS- WANDERTAG ( Gerdi), 6.Juni

Am 2. Tag vor Anker im Hafenbecken von Lefkas/Stadt planen wir einen Wandertag in den Bergen. Uns gefällt Lefkas schon 28 Jahre lang, von Segeltagen mit der jkeineren „Marion“ mit unseren 3 kleinen Kindern( 1 ½ bis 8 J.), vom Landurlaub mit dem Auto, immer fühlten wir uns in dieser „normal gebliebenen“, lebhaften, schönen Stadt mit den engen Gassen und den vielen Blumen, umgeben von fruchtbarem Ackerland, so wohl. Das tiefgrüne Hinterland mit den Wäldern auf den Hügeln, die großen Olivenhaine, die reizvoll am Hang gelegenen Bergdörfer…ganz klar:da müssen wir noch mal hin!!

Gerhard erkundigt sich am Busbahnhof, wann ein öffentlicher Bus hochfährt nach KARIA.

Dann planen wir: 16 km Wandern,von Karia runter in den Urlauberort NIDRI, ca. 400 Höhenmeter, dann im Bus zurück.

(1987 machten wir diesen Ausflug mit unsren 2 kleinen Buben, großes Lob noch heute an euch zwei, diese Strecke im heißen August, klaglos, tapfer! Und Gerhard schnitt einen jungen Zypressenstamm ab, der uns als Bootshaken jahrelang gute Dienste leistete.)

Um 6 stehn wir auf, die Rucksäcke sind vorbereitet( 1 Souflaki-Spieß von abends, 1,5 l Wasser, 2 Äpfel, Sonnenhut), kleines Frühstück im Cockpit mit Joghurt und Nescafé. Dan rudern wir vom Ankerplatz an den Kai der Hafenmauer. Noch ruht die Stadt um 6.30 Uhr, einige kleine Cafés öffnen gerade.

Wir laufen 1 km zum neuen, modernen Busbahnhof. Um 7 fährt der Bus nach Athen, alle Altersklassen sind vertreten, bis zur Oma mit 85. Dann kommt unser Bus nach Karia, ein fast neuer schicker Mercedes! Nach 30 Minuten erreichen wir nach sehr vorsichtiger Langsamkeit und durch viele enge Kurven und Serpentinen das Bergdorf Karia.

Ein gemütliches Dorf, saubere Häuschen, viele bunte Blumen in großer Vielfalt, in den kleinen Vorgärten prächtige Rosen in allen Farben, Weinlaub als Schattendach, unzählige Zitronen vollreif, Birnen noch ganz klein, duftendes Geißblatt und Jasmin überm Gartentor. Liebenswert.

Dichter Misch-Wald umgibt das Dorf, Zypressen ragen wie dunkelgrüne Kerzen aus dem Silbergrün der Olivenhaine.

Urwald

Hier oben ist es noch Frühling: Wie Hecken säumen üppig gelb blühende Ginsterbüsche die Straße, auf der kein Auto kommt, grad mal 2 Taxen. Zauberhafte Schmetterlinge landen auf rosa Blüten oder gaukeln auf magenta-roten Lichtnelken. Wunderschön jede Art.

Falter_3
Der_zitronenfalter
Unbekannter_falter_2

 

Hoch über uns im Bergwald singen uns die Vögel ein vielstimmiges Konzert! Amseln, Nachtigall, Lerche? Im Tal am Meer unten hört man fast nur die munter zwitschernden Schwalben, das Gurren der Türkentauben, das Schwätzen der Spatzen! Am Himmelsblau zieht ein großer Greifvogel seine Kreise. Ein Adler? Ruhe. Ungestörte Natur.

Der helle karstige Fels des Berges wurde für die Straße gesprengt, in den freigelegten senkrechten Felswänden entdecken wir bizarre Tropfsteine!

Bis_jetzt_im_erdinneren_verborgen_nun_sichtbare_tropfsteine

Bei den ersten Kilometern öffnete sich der Blick auf das sehr fruchtbare, wassergesegnete Ackerland, von dem zur Zeit längliche hellgrüne Paprikaschoten, Salat, Zwiebeln, erste Kartoffeln, kleine Zucchini an Pflanzen mit riesigen gelben Blüten geerntet werden. Die berühmten Linsen von Lefkas kommen erst später.

Die_ebene_unter_karia

Alles sieht aus wie ein Garten Eden. Im 2. Wegabschnitt finden wir unter üppigen Platanen eine große Quelle mit historischem Waschplatz mit Steinbecken. Nah bei der Quelle ein kleines Kloster… und immer mal rauscht unter Brombeerdornen-Gestrüpp Wasser.

Wir biegen ab zum Bergdorf VAFKERI, ein winziges Dorf mit einer griechisch-orthodoxen großen Kirche, die auf Zeiten mit mehr Dorfbewohnern schließen läßt. Im weiträumigen Hof breitet eine riesige uralte Platane mit stammdicken Ästen ihr gewaltiges Blätterdach über den Platz, Laternen am Zaun, alles wunderbar geeignet für ein Gemeindefest …

Die_dorfplatane_in_vafkeri

Aber die Bürger sind weggezogen, viele verlassene einfallende Natursteinhäuser sind stumme Zeugen, vom üppigen Grün ganz zu gewachsen wie ein Dornröschenschloß! Die hübschen Ferienhäuschen der ins hochgelegene Dorf verliebten Neu-Bürger, meist Engländer retten Vafkeri. DAnk einer liebevoll gestalteten neuen Taverne einer Engländerin finden wohl doch Besucher hier herauf in diese Einsamkeit. Die Terra
sse hat Säulen, die von Jasmin überwuchert sind, ein Kiwibaum breitet seine Äste als Natur-Dach über die Tische. Sehr einladend und anspruchsvoll die handgemalte Speisekarte! Leider ist Ruhetag. Umwerfend der weitschweifende Blick aufs Meer mit den vielen kleinen Inseln, die wie Juwelen aus grüner Jade im azurblauen Meer schwimmen mit all den weißen Segelschiffen! Ein Traum…

Englische_taverne_leider_geschlossen

Nidri_und_die_inseln

Nach 5 Stunden Wanderung machen wir eine kurze Rast im Schatten eines Ölbaumes. Wasser, Grillfleischwürfel, 1 Tomate…das Brot haben wir leider vergessen  

Ab 12 Uhr ist es sommerlich heiß, obwohl es ja noch 15 Tage dauert bis zum Sommeranfang!

Talblick

Mein UV-Schutz-Sonnenhut schützt den Kopf. Wieder viel Wald, Weingärten, in denen Bauern mit einem kleinen Handpflug die Flächen unter den Olivenbäumen umpflügen.

Der Abstieg zieht sich gnadenlos in die Länge, wenn auch die schöne Aussicht die Mühe reichlich belohnt: Astokos, Skorpio, Meganisi…- herrliche jonische Inseln. Viele Segler lassen sogar im Winter in den Waldbuchten vor Nidri ihr Schiff vor Anker.

Nach 6 Stunden erreichen wir Nidri auf Meereshöhe. Viele Ferienwohnungen, britische Autos, aber auch welche aus Serbien, Rumänien, Kroatien, vor einfacheren Etagen-Ferienwohnungen. Alle Urlauber sind nun mit Badesachen unterwegs.

Um 14 Uhr gönnen wir uns in einem Café frisch gepressten Apfelsinensaft mit Eiswürfeln und ein kühles Bier vom Faß. Dann kommt der Bus nach Lefkas. Erschöpft von der Hitze erledigen wir noch den Einkauf. Halsgrat-Steaks, Rindfleisch für ein Bohnen-Kartoffel-Stew( es mundete uns köstlich!), Joghurt, Kalamata-Oliven.

Im Cafézinho erfrischt uns ein unbeschreiblich italienischer Espresso und weckt die Lebensgeister. An Bord der EOS lassen wir uns die gekühlten dunkelroten Kirschen schmecken. Am Abend unter dem zunehmenden Mond riecht es nach grünen Bohnen…Ein wunderschöner Tag. Wir bleiben noch 1 Nacht.

Die Bilder:

 

 

13. Fahrt mit Erinnerungen (Gerhard)

Von Astakos, der angenehmen Stadt vor dem Berg nach Mythika treibt uns leichter Wind nordwärts. Rechts die hohen Berge, knapp 1000 Meter hoch, links die Insel Kastos und dahinter die Insel Kalamos.

Leichter_wind_von_achtern

EOS segelt vor dem Wind

Da kommen Erinnerungen an eine Segelreise mit unserem früheren Schiff MARION auf. Martin und Joachim waren in der ersten und zweiten Schulklasse, Erika, 1 ½ J., konnte gerade laufen.  Marions Motor lieferte statt Kraft am Propeller nur schwarzen Rauch aus dem Auspuff. Keinerlei Wind und Marion wurde immer mehr zum felsigen Ufer getrieben. Schließlich waren es nur noch ein paar Meter dort hin. Ich ruderte den halben Nachmittag mit aller Kraft mit unserem Zodiac-Schlauchboot, um die 5-t-„Marion“ von den Felsen wegzuschleppen, bis uns ein wenig Wind erlöste. Dann brach die Nacht herein. Alle schliefen und ich widmete mich dem Volvo-Benzinmotor. Immer wieder versuchte ich zu starten bis zum Wummm. Die Benzindämpfe hatten sich bei einer Verpuffung entzündet, der Motor stand in Flammen. Er befand sich im Salon unter dem Esstisch!!! “Feuer im Schiff“ rief Gerdi. Alle waren sofort hellwach. Die Buben flüchteten mit Schwimmweste im Arm durchs vordere Luk am Bug nach draußen, Gerdi zerrte Klein-Erika am Füßchen aus ihrer Hunde-Koje. Ich riss den Feuerlöscher von der Wand und im Nu war das Feuer gelöscht. Es war schon kurios: Alle 4 standen mit schreckgeweiteten Augen in dunkler Nacht im Cockpit und im Salon sah alles weiß aus als hätte es geschneit. Es duftete nach Bratkartoffeln, denn unterm Tisch bewahrten wir in einem Netz die Kartoffeln auf , die angeräuchert wurden! Nach oberflächlicher Reinigung setzten wir die Segelei fort und liefen unter Segel in den nachtschlafenden Hafen von Kastos ein.

Diesmal haben wir mehr Glück. Ohne Probleme ankern wir neben dem kleinen Hafen Mytika. Wir hätten auch im Hafen Platz, aber ankern ist schöner. Die Luft zieht durchs Schiff, wir haben wechselnde Aussicht, weil sich die EOS bewegt und der Anker hält sicher. Wir drücken ihn mit 2000 Motorumdrehungen  in den Schlickboden.

Die_kirche_in_einer_hohle

Die Kapelle im Fels

Anderntags wandern wir zu einer kleinen Kapelle im schneeweiß gekalkten Fels auf halber Bergeshöhe. Gläubige haben am Hang in früheren Zeiten eine kleine natürliche Felsenhöhle vorne zugemauert. Der sakrale Raum im Inneren ist arg verkommen. Die Sicht auf Berg, Stadt und Meer ist grandios.

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Blick auf Mytika

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 Überhaupt gefällt uns diese typisch griechisch gebliebene kleine Stadt Mythika. Die Hauptstraße ist belebt, kaum Touristen und an 2 Seiten das azurblaue Meer. Ringsherum hohe Berge und hohe Inseln. Wie im Tessin! Erinnerungen treiben uns anderntags nur 2 Seemeilen weiter zum kleinen Hafen in Episkopi auf der Insel Kalamos,  Hier segelte Martin mit der 2m-Klapp- Banana. Eine kräftige Böe ließ das Mahagoni-Schifflein auf die Hafenmauer zuschießen. Der kleine Steuermann rief um Hilfe, die BANANA kenterte rechtzeitig, der Bub fiel mit Schwimmweste ins Wasser. Papa eilte im Gummiboot zu Hilfe.

Nun, 24 Jahre später,  geht alles glatt. Stephania und ihr Mann haben mittlerweile eine Taverne mit Mountainbike-Verleih (1 Stunde = 1 Euro) eröffnet, manche Häuser sind verfallen, manche dienen als Ferienwohnungen. Der Ort wirkt bescheiden, hat aber einen schönen Wald im Hintergrund, in den Gärten reifen Aprikosen, Mirabellen und Walnüsse, und morgens kräht der Gockel.

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Aprikosenbaum in Episkopi

 Wir lernen Joannis kennen, Chef der Marina in Mytilini ganz nah an der türkischen Küste. Er  hat in Deutschland studiert. Er lädt uns ein. Bei griechischem Kaffee in seinem Ferienhaus bitten wir um seine Ansicht, wie er die Wirtschaftskrise seines Heimatlandes sieht und wie die Griechen derzeit zu den Deutschen stehen.

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Im Garten bei Ioannis

Abends erfahren wir von der Ankunft einer Fähre anderntags ganz früh. Um Platz zu machen, drängen sich al
le drei Gastyachten in den hinteren Hafenteil. Die Fähre kommt aber nicht und die wenigen Fahrgäste ziehen mit Sack und Pack auf Schubkarre wieder ab. Wir wandern abends noch zu einem verfallenen Kloster und einer Quelle durch schönen, feuchten üppigen Wald. Anderntags legen wir noch einen Stopp in einer Bucht auf Meganisi ein. Charterjachten haben die Insel voll im Griff. Nichts wie weg. Mit beiden Segeln ausgebreitet wie ein Schmetterling steuert uns der Autopilot auf den Kanal von Levkas zu, einer schmalen ausgebaggerten Wasserrinne durch flaches Lagunengebiet.

Damals 1987,ankerten wir (unser Motor war ja immer noch kaputt) und nahmen Schlepphilfe durch einen holländischen Segler in Anspruch.  Uns zieht heute der Wind mit maximal erlaubter Geschwindigkeit durch den Kanal und wieder ankern wir im Hafen von Levkas, der umtriebigen Stadt. Für Marions Motor kam hier damals ein Fachmann zur Hilfe: Der Verteiler hatte sich gelöst und die Zündkerzen lieferten zum falschen Zeitpunkt den Zündfunken. In 10 Minuten war alles erledigt.

 Jetzt ankert EOS frei im Hafenbecken. Wir nutzen  den Tag zum Tanken, Wäsche-waschen-lassen und Einkaufen. Abends sitzen wir 2 Stunden im Internet-Café für den blog und lassen uns Souflaki und Gyros- Pita schmecken.

Morgen möchten wir mit dem Bus ins Inselinnere fahren und von dort nach Nidri runter wandern.

Die Bilder:

 

 

12. Zakynthos…(und weiter nach Norden)

 

Schöne grüne Insel…

 …die letzten 4 Tage im Mai

Gerdi, rückblickend

 

Nach dem 1. Frühstück im Cockpit (früh war’s immer noch kühl!), mit Duftrose, frischen Apfelsinen, Joghurt mit Honig und Zimt, legen wir ab in dem alten“ früheren, vor sich hin rottenden Hafenbecken. Auch die große Fähre nach Kefalonia tutet zum Start.

Ruhige wunderschöne Sternennacht. Gerhard besteigt früh den Hügel (über der gr. Geierhöhle) mit Bergstiefeln und bringt mir kleine blaue Kornblumen mit und rosa Windenblüten. Frühstück mit Vivaldis „4 Jahreszeiten“ von der CD. Dann segeln wir mit ganztägigem temperamentvollen Wind bis vor die Stadt Astokos, Festland.

Eos_in_ihrem_element

Wir ankern frei. Die kleine Stadt, unverfälscht griechisch geblieben, gefällt uns richtig gut.

Astakos-_der_fruchtladen

Astakos-_die_freundliche_bedienung_im_minimarkt

Die ersten dunkelroten Kirschen und gelben Aprikosen leuchten in den Körben, 3,20€/kg. Urige kleine Fachgeschäfte, Metzger, spezielle Hühnergeschäfte, in denen es nur „Kokinos“ zu kaufen gibt, im Ganzen oder zerteilt. Daneben der Bäcker, Kleiderladen, Schreibwarenladen, Fliesenleger, Schuster, Schneider (in der Reinigung), urige überfüllte Schlossergeschäfte mit Ziegenglocken (immer doppelt, eine kleine in der großen), Ketten, Grillrosten, Schrauben, Karabinerhaken, Schäkeln, Schläuchen, Eimern. Nur an der Kai-Promenade gibt es Bars und leere Tavernen. Gemütlich. Vorsaison.

Astakos_stadt_zwischen_meer_und_gebirge

 

Im Schlauchboot paddeln wir zurück, und nach 1 Stunde duftet es an Bord nach meiner deftigen Hackfleischsoße mit Spitzpaprika, roten Zwiebeln in Olivenöl gedünstet, Petersilie, Origano und Knoblauch, zu „Spaghetti Bolognese nach Art der EOS“.  Als Dessert die kalten Kirschen aus dem Kühlschrank.

Von 20 Uhr bis nach Mitternacht hören wir die nach außen übertragene „Sing-Messe“ eines stimmgewaltigen griechisch-orthodoxen Popen, dessen Gesang irgendwo aus den Zypressen und Pinien eines verborgenen Klosters aufsteigt und nie endet. Es wird für uns ein Schlaflied und ich denke dabei an die Zeit im Juni 1981, als wir auf unsrer Hochzeitsreise (mit dem Faltboot und dem Zelt, bei Sibenik an der Krka) auf dem süd-kroatischen Inselchen Visovac einer 3-stündigen Morgen-Messe beiwohnten und ich im 5. Monat schwanger war.

Die Bilder:

11. BORDLEBEN UND LIEGE-PLATZ-VIELFALT

 GERDI am 29.Mai 2011, Agios Nikolaos, Insel Zakynthos

Die_redakteurin

Lebt man ein halbes Jahr für immer am Boot, ist das Schiff das Zuhause, das einzige „Daheim“ – anders als eine gemietete Ferienwohnung auf La Palma oder ein Hotelzimmer auf Norderney, die Berghütte in der Schweiz, ein weißblaues griechisches Häuschen von Jassu-Reisen oder ein einfaches Zimmer im Olanda hoch über Locarno. Man kann nicht „weg“- und man ist fast täglich „woanders“ als am Vortag. Nach meinen ca. 15 Mittelmeertörns seit 1974 auf der Sindra( kroatische Adria..bis Malta), Gipsy(rund Korsika), Sunrise(Korinth-Brindisi), Marion(Venedig- Aegina-GR) und Eos(Nizza-griech.Inseln-Türkei) kenne ich schon manche der Inseln, Ankerplätze, Häfen des östlichen Mittelmeers- und manchmal sind es Erinnerungen an Zeiten mit kleinen Yachten, wenigen Touristen, nur vereinzelten Tavernen …Der Tourismus hat kräftig zugenommen.

Unsere EOS ist ein gemütliches Schiff, eine 6mx 2m kleine Ein-Zimmer-Wohnung, mit dunkelblauen Ledercouchen, einem großen Klapptisch im Salon. Es gibt Porzellangeschirr, handgetöpferte Tassen, Bierkrügle und Gläser ( kein Plastik!), 8 Schubladen, eine Navigationsecke mit Laptop, einen kleinen Kühlschrank (Strom von der Solarzelle), und eine Spülschüssel mit mechanischer Wasser-Fußpumpe), einen alt-ehrwürdigen (aussterbenden) Optimus-Petroleumkocher, kl. WC und eine 3. Koje im Vorschiff am Bug. Wir haben Fotos an den Mahagoni-Wänden vom Bodensee und den 3 Kindern, einen Kalender mit Bildern von Skitouren, Frühlingswanderungen, Bergtouren, dem Ägäis-Törn bis zur südlichen Türkei…, wir haben viele Bücher für die Muse-Stunden und einen 20 cm hohen Stoß großer Seekarten zum Planen der Reise-Strecke.

Unsere kleine schwimmende, immer schwankende Wohnung halten wir gemeinsam sauber und aufgeräumt, alles seefest verstaut.

Was sich täglich  ä n d e r t , ist die Aussicht, sowohl beim Segeln als auch beim Ankommen und „Liegen“, wenn wir die Eos ankern lassen oder sie an einer Hafenmauer mit Leinen „festmachen“.

Innen_duftende_rosen_joghurt_mit_honig

Ist der Hafen in einer Stadt, ist er am Nachmittag ruhig, wird aber am Abend immer lebendiger. Dann haben wir oft wenige Meter neben uns viele Tavernen und Passanten, die uns fotografieren und wohl auch beneiden. Oft aber ist der kleine Hafen am Ende eines Fischerdorfs, ein nicht touristisch „hergerichteter“ Ort, Sandflächen mit Unkraut, alten Trailern, defekten Fischerbooten, alten Mopeds, rostigen Mülltonne, vielen Angelhaken am Boden, Reste von Leinen und Drahtseilen, Abfall, Dosen, dazwischen Katzen aller Farbkompositionen, herrenlose Hunde(nie kastriert), Tauben, Möwen, sicher auch Ratten des Nachts…Aber es wirkt für einen Segler nicht abstoßend, denn es ist ein Rest naturbelassener Natur, ein Zusammenleben von Tier und Mensch, von alten einsamen Männern mit ihrer Angelschnur, stoisch in ihrer Ruhe, und den Seglern, ein Stück Freiheit und Ungebundenheit auf diesen abgelegenen Flächen, es riecht nach Fisch und manchmal auch nach Brot in einem Backofen… Da denke ich so manches Mal an das Buch von John Steinbeck: „Straße der Ölsardinen“, eine wunderbare „Fallstudie“.

Nähern sich neue Yachten, springt Gerhard an Land und übernimmt die Leinen, hilft beim Belegen an Land. Man macht small talk, italienisch, französisch, meist englisch. Woher? Wohin? Lebt ihr am Schiff? Charteryacht? Urlaub? Wie lange? Mal fragt einer nach der „Seekarte vom Kanal von Korinth“ oder nach einem Schiffsausstatter, einer Werkstatt, nach Benzin, Wasser, Supermarkt. Die Segler sind eine große Familie. Noch fehlen die großen Motoryachten im Mai.

Am Morgen weckt uns die Sonne, wir klettern über die Badeleiter am Heck und schwimmen im meist kristallklaren Meer, herrlich, türkisblau, Fische, Seesterne am Grund. Gerhard bereitet täglich das Frühstück vor, brüht mir 1 Tasse Filterkaffee oder Pfefferminztee auf, stellt sich eine Kanne grünen Tee hin, es gibt frische Blumen am Tisch, Joghurt mit Honig und Zimtzucker, dann sitzen wir wie am eignen Balkon – nur mit 360° Panorama.

Vor uns Kirchtürme, rote Ziegeldächer, blau gestrichene Fensterläden, üppige rote Geranien, cyclam-rosa Bougainvilea, weiße Mäuerchen, blühender Oleander, Orangen- und Zitronenbäume mit leuchtenden Früchten und gleichzeitig parfümartig duftenden Blüten.

Farbenfulle_vor_schlichten_mauern

Ist man am Abend in einem Hafen, wird es nach der Siesta-Zeit immer lebendiger. Mütter mit Kinderwagen, sich neckende Teenager, flanierende Touristen, gemächlichen Schrittes, suchend nach Tavernen, vor denen eifrig um sie werbende Kellner lauern: „Italian?“ fragen sie mich meistens, wegen der dunklen Locken. „English? German?“ versuchen sie es beim bärtigen Gerhard. Dann folgt die ganze Menü-Liste vom griechischen Salat über Oktopus, Kalamar, Gyros, Souflaki vom Grill, Moussaka, fresh fish bis Kleftiko und Stifado, was Lamm- und Rindsgoulasch ähnelt, mit viel Nelken, Lorbeer und Zimt.

Nach 23 Uhr ebbt das Gewoge ab. Ruhe kehrt ein. (Im Juli /August wird das ganz anders sein in Italien!!! Da geht’s um 11 erst richtig los mit Disco-Musik und Karaoke-Gesang aus vollem Rohr..)

Grungrungrun-zakynthos

 Sind wir vor in einer einsamen Bucht, dann dreht sich die EOS lautlos um ihren Anker, die Perspektive ändert sich ständig, mal offenes Meer, mal K&u
uml;ste. Dort umgibt uns unberührte Natur, Felsen, undurchdringbare dornige Macchia. Früh krähen um 6 die Hähne, Schafe blöken, auf den Felsen meckern Ziegen, und Zicklein springen übermütig zwischen Bock und Geiß, in braun, weiß, schwarz.

Dann sitzen wir am Abend unter Sternen. Ich suche meinen geliebten „Skorpion“ mit dem flackernden hellen Antares, träume unter dem Großen Wagen, spiele mit der Flöte Abendlieder. Dann ist die Welt in Ordnung. Und die Schuldenkrise der Griechen ist genauso weit weg wie Angela Merkel und der Atomausstieg, Ghadafi und Berlusconi….

 

 

9. Überfall !

In den Sommermonaten beginnt der Überfall am Morgen. Dann steuern ein oder zwei große Kreuzfahrtschiffe den Hafen an. Eine Wand aus Balkonen, Bullaugen und Rettungsboten bewegt sich ganz langsam an den Kai für die Riesenschiffe.

 

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Wohl geordnet setzt sich auch der Pulk aus Taxis und klimatisierten Bussen in Bewegung und steuern den Ankömmling an.

Noch ruht der Ort . Die Souvenirläden beginnen, ihre Warenständer auf die Straße zu rollen. Die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff genießen wohl noch ihr Frühstück. Am späten Vormittag ergießt sich ein Strom von Menschen aus dem Schiff. Sie werden an der Gangway von einem stilecht antik gekleideten Griechen (mit Lorbeerkranz und Turnschuhen) empfangen und wer will, posiert vor dem Fotografen.

Jetzt läuft das Geschäft in den Tavernen, Cafés und Souvenirläden an. In den Straßen schlendern die Ankömmlinge, bestaunen die Auslagen der Juweliere, der Boutiquen und der Souvenirshops. In einer Taverne wird ein Kurs im Sirtaki- Tanzen genutzt. Ein Bus nach dem anderen verlässt den Kai in Richtung Olympia. Einen Teil der Kreuzfahrer treffen wir dort, erkennbar an einer Nummer und dem Schiffsnamen auf einem Sticker. Im Laufe des Nachmittags signalisiert das Kreuzfahrtschiff seine Abfahrt durch dreimaliges Hornsignal. Schön hallt es über den Ort. Langsam und vorsichtig wie es eingefahren ist, verlässt es den Hafen wieder.

Gerdi und ich gehen nochmals in den Ort und – er ist leer! Kein Auto, kein Bus, alle Läden geschlossen, nur ein paar Gäste noch in Cafés. Katakolon pulsiert im Takt der Kreuzfahrtschiffe. Kein Schiff, kein Gast, kein Leben: Tote Hose.

Die Bilder:

http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157626695063181/