28. Impressionen von Crotone

Crotone. Gerdi am 16. Juni, wir warten auf den Starkwind- vor Samstag kein Weiterkommen. Neben uns schaukelt das schöne der MARION so ähnliche Segelschiff, so schöne Linien, eine deutsche Rebell 34:

Scheinheilig das Meer. Zwei Ankerlieger wagen die Weiterfahrt, wenn sie das Kap runden, wird sie der Seegang begrüßen :-;

Am Mittwoch bummeln wir erneut los, diesmal in die andre Richtung. Einige Schnappschüsse am Wegesrand fange ich euch ein, die originell gestutzten Platanen z.B. : in der Mitte schnitt man eine quadratische Lücke, durch die man das Himmelsblau sieht. Oben soweit gekürzt, daß die Hausbewohner ab dem 1. Stock drüber sehen können.

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Die mittelalterliche Castellmauer ist ein scharfes Eck, es erinnert an den Neubau Metz-Quartier in FN. Daneben die 0815-Mietblocks. In den Läden oft geschneiderte Abendkleider, dann reizvolle Blumenläden. Wunderbar schattig sind die Alleen, neben der hohen Burgmauer ist ein Kindergarten, beim Spielen sind die Kinder am Spielplatz auch im Hochsommer in absoluter Kühle.

An den Boulevards mit den Säulenarkaden stehen wohl Asylanten, dunkelhäutig, mit Tapeziertischen auf 4 Rädern, die Basecaps, Handyhüllen, Gürtel ihrer Auslage passen in 2 Bananenkisten. Kaum ein Kunde will was davon. Parken in absoluten Halteverbotszonen oder auf dem Randstein in der Kurve ist hier eine Sache des (Macho)-Selbstbewußtseins. Lässig ziehen die Signori mit geschleudertem Schlüsselbund von dannen, scheren sich nicht um ein Verbot oder daß nun der Stadtbus kaum mehr um die Ecke kommt in der Einbahnstraße, die im abendlichen Stadtverkehr gedrängt voll sind, man hupt laut, gestikuliert für des Vorausfahrers Rückspiegel, ruft durchs offne Autofenster, schon ein südliches Temperament. Am Steuer zu telefonieren und zu rauchen und zu fahren- normal! Kein Kind hat einen Kindersitz, nur Rent-a-bike-Fahrer tragen Helm. Mich beeindrucken die Rentner! In 3er und 5er-Grüppchen spazieren sie durch die Stadt, palavernd, es geht um Partei und Fußballclub, um die Moglie(Ehefrau) oder die Filii, die ragazze oder den Hund, der oft dabei ist. Keiner ist allein!! Die Teenager sind draußen, aber erst ab 7! Dann füllen sie Gehsteige und Strand, man schäkert und stupst, man hat 10-12mm-Absätze mit Glitzerperlen dran, sehr kurze röcke und der Busen wird üppig zur Schau gestellt, wer so aussieht, darf das gerne. Es ist lebendig unter der Bluse…:-)! Jene, die die Üppigkeit eher an „Bauch, Bein, Po“ haben, tragen fast ausnahmslos schwarze hautenge Leggings und auffallende Big-Shirts. Aha, schwarz macht schlank…Wer einen Buggy mit Baby schiebt, kommt nicht weit. Sofort gibt es Bacio links, bachio rechts. Umringt von Damen jedes Alters regnet es Komplimente, jeder herzt und hebt das Kleine, deckt es zu unter einem Schwall von Mit-Freude. Bei uns in Deutschland selten, meist werden die Kleinen im Auto transportiert und die Verwandten wohnen eh woanders. Keiner läuft ohne Smartphone, der Blick schräg nach unten auf das ALLGEGENWÄRTIGE bläuliche Display. Ein Wunder, daß die „Handy-Blinden“ nicht zusammenstoßen. An den Hausecken und in Passagen warten die Rendezvous-Partner, die Mädchen schlitzen ihre langen Röhrenjeans mehrmals auf und lassen das ganze Bein nackt sehen. Komische Mode. An den Füßen sind hohe Plateau-Sandaletten, so wird die kleine süße Italienerin zur Frau mit Modelgröße.. Aus dem Teatro erklingt Rossini-Orchesterklang. Wir gehen rein, die 4-7-jährigen Eleven einer Balettschule zeigen ihr Können, viele Eltern spenden Applaus. . Dann Hiphop-Musik und die Größeren führen abgehackte Breakdance-Zuckungen aus. Dann CARMEN, eine viel zu junge Dame im Tütü läßt sich waagrecht hochheben und tänzelt auf Spitzen zu einer Arie. Heiß ist’s hier, keine Klimaanlage imm Saal mit rotem Plüsch wie im Cuvillée-Theater in München. Vergangener Charme, kein Ensemble mehr? Kein Programm kündet von einer „normalen“ Theateraufführung am ABend, im Juni….

Die Stadt hat eine Form wie eine Hand, also eher dreieckig, und auf einmal sind wir wieder fast bei der EOS, am Porto anticho. Eine Spremuta d’arancia= frisch gepresster Orangensaft am alten Hafen, dahinter ein uns schon von 2011 bekannter toll gemalter Hai!

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Wir kaufen in einem Samlumeria e formaggio-Laden Salami, einen traumhaft schmelzzarten Parmiggiano, Pinienkerne, und ein Stück mit Chilipuder gesalbten durchwachsenen Speck für die Bohnen. Melone, Petersilie, große rot-violette Zwiebeln wandern auch noch in den Rucksack… Erfolgreicher Landgang.-)

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Bohnen-Eintopf

Zurück an Bord beginne ich mit dem Schnippeln aller Zutaten für den Bohneneintopf, in der Enge der Kombüse doch eine Art Projekt-Planung:-).

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19.45 Uhr: Erst alles waschen, dann auf diversen Brettern schneiden, in Schüsseln und Tellern separat bereitstellen, Herd vorglühen, Flamme am Petroleumkocher erfolgreich entzünden, dann alles in korrekter Folge anbraten… würzen..Zitrone auspressen…Pfeffermühle…(die ist grad dann immer leer aber mein Smutje-Gehilfe füllt sie schon)- zum Garen braucht mein Wundertopf(Fissler-Dampfdrucktopf 4,5l) nur 4-5 Minuten, Start 20.55 Uhr. Fertig.Gerhard hat schon den Cockpittisch aufgebaut, die Lampe aufgehängt, die Tischdecke und das Geschirr raus. Um 21 Uhr sitzen wir mit einem „Salute“ zum letzten kühlen geschenkten kroatischen Bier in der inzwischen windstillen (!)schwülen Abendluft und lassen uns den deftigen, pikanten Bohnentopf schmecken.

 

Ab 2 Uhr nachts jault wieder der Wind, genau wie die Wettervorhersage es uns unkte. Schnaken … Am Donnerstagmorgen, 15.6., schönes Frühstück an Bord und Martins Botschaft:

Ich hol die Mama am Flughafen MUC, sie übernachtet 1x bei uns, fährt im Zug nach Hause zur Chorprobe am Donnerstagabend und am Freitag kommen wir 3 nach und…:-) Erika und Jojo kommen auch an den Bodensee! Schön…. Und Emil hat dann wohl schon 4 Zähnle!

Und hier kommt Gerhards Flickr-Album mit Bericht+Fotos: Klick

 

26. Crotone. Kalabrien Süd

Gerdi schreibt zum 14. Juni

Waltraud sandte die Tageslosung: sie passte gut:

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Psalm 37,5

Wir sind froh, gut und sicher im Hafen von Crotone zu liegen, 2 Moorings, 2 Bugleinen, morgen soll es stürmen. Wir gehen müde noch in die Altstadt, hoch zur Festung- ein ruhiges Wohngebiet, keine Villen, nur Etagenblocks, wenige Läden, die Wäsche flattert an Leinen direkt unterm Fenster, dann über Marmorpflaster  runter in die Altstadt. Viele Boutiquen, Schuhgeschäfte. Wir finden einen Vodafone-Shop und kaufen eine neue italienische simcard für Meteo und Blogs/Internet.

Eines der vielen Kirchenportale in Crotone Festung Crotone (1)Festung Crotone (2)IMG_0820

Am Abend machen wir uns an Bord Spaghetti mit Parmesan und Thunfisch f.Gh.

Mittwoch, 15.Juni

Nach ruhiger erholsamer Nacht gibt’s eine warme Dusche im Club Lega Navale. Es stürmt, es heult, die EOS reißt an Mooring und Tauen, Schräglage am Liegeplatz, es erinnert an den ewigen Starkwind in der Ägäis, wo uns 2015 der Meltemi traktierte…. Zum Frühstück holt Gh. Parmaschinken und Mortadella in einem engen, zauberhaften Laden mit Salumeria und knusprigem Brot. Statt Lebekäs-Semmeln holen sich die Leute hier ein panino und klemmen sich eine Scheibe Parmaschinken rein. Hohes Pfeifen und Winseln erfüllt die Luft….IMG_0823

Ein schönes Gefühl im Hafen sicher zu liegen. Die Rentner waten zum Frühsport mit hochgeschobenen Hosen am Sandstrand im flachen Meer, andere legen sich nach dem Schwimmen zum Trocknen auf die warme Hafenmauer. Der Blick vom Heck der EOS geht über die nahen Hübel, ca. 200 m hoch, in Sarande waren sie viel höher, Blau und gischtweiß das Meer von Kalabrien. Wir hoffen, daß wir „eines Tages“ wieder mal ohne diesen Lärm, die schlagenden Fallen, die hin und herrasende Pinne, das Knarren in 4 Tauen wieder einfach schön segeln können. Gerhard sieht in der „findship“-App die SY Intrepit am Weg nach Leuca, mit mehr als 7 kn. Auch in meiner Segelnacht ritt die EOS mit 7,2 und 7,6 sm/h die Seen ab… 37 kn Wind, das ist Windstärke 7, 50kmh. Nein danke. Nur warten….IMG_0821

24. Nachtrag: Von Leuca nach Gallipoli

11.6. Gerdi, Leuca

Start um 9.30 Uhr. Ab halbzwölf legt der Wind zu. Eine Schildkröte, ca. 50 cm groß, kommt im Gegenverkehr!

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Um 12 Uhr der gr. Leuchtturm vor der „Trockenen Ebene“, also seichte Stelle über Kilometer: Leuchtfeuer Secche di Ugento querab. Kurs West, immer höher die Wellen, 4 Bft. – Groß und Genua. Vor 14 Uhr Reff ins Groß. Gut, daß der Wind und die Wellen von achtern aufs Boot treffen… Wind bald mit 5-6 bft. Dieses Jahr haben wir fast immer das Ölzeug an… Tapfer sticht EOS ihre Nase in die Seen, schnell ist sie, schon ein wundervolles Schiff. EOS meistert alles, hätte sie die Bohrlöcher der türkischen Decksverlegung vom Herbst 2014 nicht, wäre es eine Pracht mit ihr auf dem auch stürmischen Meer zu fahren. Aber dadurch lassen wir uns die gute Laune und Segelfreude nicht verderben, höchstens trüben…:-). Wir genießen die vorm Wind ausgestellten 2 Segel, und die EOS sieht aus wie ein riesiger Schmetterling.

Heftige hohe Dünung, gut aufpassen, auch vor Gallipoli sind ausgedehnte gefährliche Untiefen! Kaum ein weiterer Segler unterwegs. Gegen 15.30 steuere ich nach stb und gleich wird das Meer zahm, statt 6 nur 3 bft. Sicher biege ich zum Hafen nach rechts und umschiffe den dicken großen roten Leuchtfeuerturm. Drinnen zeigt die Logge 30 Seemeilen an, mehr als die Hälfte unter Segeln. Brave EOS, gute eingespielte Crew. In beiden angefragten Seglerhäfen weist man uns ab, belegt, voll. So tuckern wir ins hinterste Eck, Porto Darsena Fontanelle, geschützt, eine kleine Werft dabei, fast nur große Motoryachten.

Sofort nach Anmeldung im Officio gehen wir auf die Suche nach einer Möglichkeit, unsere Wäsche nach 4 Wochen wo zu waschen(Bettzeug, Frottées, Geschirrtücher, also 60°) . Wir müssen durch ein stockdinkles Tunnel mit  1,80 m Höhe laufen, es stinkt nach verwesendem Fisch, es sprudelt Wasser aus einer defekten Leitung, drüben wieder hoch, nun hat man den Bahnhof unterquert. Auf zur prachtvollen von Bäumen gesäumten Magistrale, typisch italienische Boutiquen, Mode, Nippes, Bambini-Konfektion…

Man schickt uns nach Süden und Norden, jeder weiß eine andere Piazza, mal Roma, mal Cantucci. Ein ehem. in Deutschland arbeitender attraktiver Italiener begleitet uns ein Stück, er sieht aus wie Vico Torriani in seinen besten Jahren, dabei sei er 70!!! Um 19 Uhr ist die Blue Ballo-Lavanderia (Münzapparate) gefunden, aber ich hab kein Waschmittel dabei. Also spurtet Gh. zurück zur EOS und bringt meine Neutralseife mit.. Ob am Samstag länger offen ist ? Keine Ahnung… Dann füttere ich nach Anleitung nur in ital.Sprache sowohl die Maschine als auch den Geldautomaten. Warten. Inzwischen holt Gh. eine italienische Vodafone-Simcard, 2 Doppelrollen für den Flaschenzug am Heck, der unsere Gangway, ein 2m-Holzbrett, hochzieht wie eine Zugbrücke. Er läßt sich zu einem Laden leiten, der Petroleo bianco führt, also haben wir endlich wieder Brennstoff für unseren Optimus-Kocher! 5 Liter. Sein Ausrutscher auf dem glatten Marmorstein bleibt ohne Verletzung…Gottseidank. Als ich den Trockner fülle, kommt eine ältere Dame, sehr redselig, alles nur italienisch. Sie hat auch einen Sohn in Dtld, eine Tochter in Polen. Als ich ihr im Hy meine Weihnachts-Biscotti/Lebkuchen zeige, schreibt sie mir ihr Lieblingsrezept auf, wohl Schokoladekugeln. Rezept d. Luci aus d.Waschsalon Der Rückweg durch das nachtschwarze Tunnel wird ab und zu erhellt von grellen Lichtfingern, Autoscheinwerfern, die Autos passen so grade durch die Engstelle, wohl eine Abkürzung.

Gallipoli, Tunnel ohne Licht unter Bahngleisen
Düster, ohne Beleuchtung nachts, kaum Stehhöhe, Autos kommen auch entgegen…

Denn inzwischen ist Corso angesagt, 1000e von fein gekleideten Bürgern gehen spazieren, Kinder, Buggys, Omas, Rentnergruppen sitzen rauchend in den Straßencafés, Schlangen vor der großen Eisdiele(man bekommt nach dem Zahlen eine Nr., die leuchtet hinter der Eistheke auf, wenn man drankommt!Gallipolis Gelati+Pasticceria (4)

 

Gallipolis Gelati+Pasticceria (2)Gallipolis Gelati+Pasticceria (1)Gallipolis Gelati+Pasticceria (3)

Total von Autolawinen verstopfte Nebenstraßen, unglaublich, wie so ein Verkehr funktioniert! Die Magistrale ist eine Einbahnstraße und endet als Sackgasse am Castell. Es ist heftige Wahlwerbung, viele Lautsprecher- rumoroso- in fahrenden Autos blöken die Namen der Politiker. Touristen lassen sich in Blumengirlanden-geschmückten Dreirad-Autos durchs Centro fahren.

 

Endlich finden wir Zeit für das erste Gelato! Mmmmh. Gelato piccolo 2 €. Gerhard findet Lakritze im Caramelle-Shop:

Inzwischen ist stürmischer Wind, um 21 Uhr finden wir die nette Pizzeria „Pizza che Mamma“ hinter dem 2. Fußgängertunnel (kennen wir von 2011, Rückfahrt vom Marmarameer/Türkei/Peloponnes…Marseille…). Es bläst aber die knusprige Pizza Capricciosa ist schnell verspeist, köstlich.

Sonntag, 12. Juni: 2.Tag Gallipoli

 

junge Katzen unten
12 Meter tief unten warten die jungen Katzen, die Mutter kletterte die Mauer hoch….

 

Starkwind 6. Das Meer prescht an die Felsen, 10 m hoch. An einer der hohen Schutzmauern sehen wir tief unten in den begischteten Felsen viele junge Katzen, die Katzenmutter erklimmt die Mauer und legt sich oben zum Trocknen. Alle Lokale sind leer, die Plastikrollos sollen schützen, keinen zieht es an der Windseite rein. Aber die Möwen betteln gierig in einer etwas windgeschützeren Lokal über dem Strand und landen zwischen den Fackeln und Gläsern und Tellern auf der Mauer. Frech und groß. Die Fußgänger sind beim Gehen eingeschränkt, auf der Festung soll man die Kinder an der Hand führen. Wir hören viele Glocken läuten, das Castell wurde in nur 6 Monaten 2014 zugänglich gemacht und mit Informationstafeln bestückt. Bei der Lega Navale macht man uns klar, daß sie wohl keinen aufnehmen.

Am Abend sehen wir in einer Mini-Pizza-Bäckerei die deutsche Fußballmannschaft mit den Ukrainern einlaufen. (2:0) Die Pizza kommt mit Laufschritt an Bord.Der Wind soll mit 6 zunehmend anhalten.

Montag, 13. Juni Gallipoli

Wir bummeln wieder zur Lega Navale, ohne Erfolg. Neben der Burganlage lassen wir uns eine Menta mit Eiswürfeln munden. Zurück an Bord mach ich Nudelsalat, aus dem Rest Fussili, Paprika, Tomaten und Ketchup aus Turgut Reis in der Türkei.

 

Am Abend wollen wir zum Einkaufen. Da sehe ich, daß das Meer keine Riesenwogen mehr hat. Ich schlage spontan vor: Laß uns doch fahren, eine Nachtfahrt.

Und so zahlen wir die 80€ und 15 Min. später starten wir um 19 Uhr. Ziel 70 Seemeilen Crotone, ca. 130 km und ca. 14 Stunden Nachtfahrt…

Der Segelbericht ist einen Artikel später hier drin zu sehen.

 

 

 

 

25. Nachtfahrt 130 km: In 14 Std. von Gallipoli nach Crotone, von 19 bis 9 Uhr

Gerdi schreibt rückblickend am 14.6.

Crotone. Als wir am gestrigen Abend, Montag, den 13., in die Stadt Gallipoli gehen wollen, um einzukaufen, sieht das Meer ziemlich beruhigt aus… Spontan bleib ich stehen und schlage vor: Lass uns doch noch heute lossegeln!…? Übermorgen kommt wieder so viel Wind…

Und Gerhard bleibt stehen, checkt noch mal den Meteo. Das könnten wir machen. Also los, bezahlen (80€ für 2 Nächte) und schon sind wir umgezogen und es heißt Leinen los, Mooring frei und ich steuere zum großen Hafen, Arrivederci Porto Fontanella… Ciao Gallipoli!

70 Meilen Nachtfahrt erwarten uns. 19 Uhr…Noch blitzt es Richtung Leuca, bizarr erhellt sind die Wolken. Und dann beginnt es schon zu regnen. Ölzeug, Südwester, Gummistiefel. Dann rollen von stb die ersten hohen Wellen heran. Die Kämme der langen Wogen, die an Bug und Seite schlagen, verdecken die Kimm… Immer wilder rollen sie heran… Ich spreize die Füße waagrecht in den Niedergang, angegurtet mit der Lifeline an unsrem Rundum-Stahlseil… Gerhard macht die Navigation, „füttert“ das GPS-Gerät, wir reffen das 1. Mal das Groß. Geduckt hinter der Sprayhood, eingekeilt und fest mit einer Hand am kleinen Handgriff sitze ich an Steuerbord. Um 19.50 setzen wir den Motor als Hilfe ein, um Kurs halten zu können, das Segel schlägt, halber Wind, schralend,nur nicht einschlafen bei der Schaukelei, fast 30 ° nach der rechten, dann nach der linken Seite. Die Wolken werden lichter, der Halbmond wirft seine Lichtstraße aufs bewegte Meer. Mare molto mosso! Um 20.45 legt sich Gerhard hin, Freiwache. Ich werde jetzt 5 Stunden alleine im Cockpit steuern und Ausguck halten, zum Reffen bitte ich den Skipper aber zu Hilfe. Als Gh. mal kontrolliert, wo Wasser eindringt, sehen wir, daß überm Stb-Bett viel reinkommt, beim Akten-Fach, die Gläser im Geschirrfach laufen voll trübes salziges Meerwasser. Gh. schöpft aus der Bilge vorm Motorraum 3 Eimerle Seewasser, ich befördere es zurück ins Meer…. Oh ihr türkischen Bootsbauer in Bozburun, hättet ihr aufgepasst und nicht die GFK-Decke an so vielen Stellen durchbohrt und zerlöchert… Wo ein Loch ist, läuft es rein. Glück hab ich mit meiner Bärenhaut im Schrank. Auch meine Bug-Koje bleibt leidlich verschont.

Die Eos hat ab 1 Uhr mein Lieblings-Sternbild, den Skorpion, ist mein Ziel vorm Bug, zur späten Nachtstunde neigt er sich fast waagrecht zur Seite, an Stb hängt träge der große Wagen…. Ein paar trockenen Cracker gegen die Müdigkeit- um hlabzwei bitte ich Gh. sich noch 1x den im Meer versinkenden orange-gelben Halbmond anzusehen, Seemannsromantik. Und dann ist es finstere Nacht.

Nachtwache an der Pinne, wir segeln mit halbem Wind , er dreht auf raumen Wind, mal nur unter Segeln, mal mit Motor als Stütze. Dann ist es 2 Uhr, 7 Stunden sind wir inzwischen auf dem unruhigen Meer. Meine Wache endet, Gerhard schlüpft ins Ölzeug und löst mich ab. An Schlaf ist vor 4 nicht zu denken, wild gebärdet sich das Schiff, hoch und nieder, schlagend… Der Spinnakerbaum, längs am Mast fixiert, ruckt und schlägt, auch eine Deckenrolle und 2 Kissen stabilisieren beim Liegen nicht genug… Um halbvier frag ich den Rudergänger draußen: „Ist unsere Bugleiter eigentlich drin- oder noch vorn am Bug??? Es klappert was…!“

Sie hielt sich tapfer da vorne, 9 Stunden in den den anpreschenden Wellen. Stahl, Bavaria-Wertarbeit aus Deutschland, Gerhard klinkt sich die Lifeline ein und hangelt sich vor zum Bug, um sie abzubauen und zu bergen. Als sie aufgeräumt ist im Heck, kann ich endlich eine Runde schlafen. Irrlichter schwirren in wachen Momenten hinter dem kleinen Fenster, Sterne, sausen wie im Kreis, die EOS ist sehr unruhig. Gh. stopft Frottéehandtücher an die Stellen, wo das Wasser- leider mehr als sonst- reinläuft. (Die in Bozburun haben davon keine Ahnung!!!)

 

Um 8 Uhr kommt Gh. in die Bugkoje: Du, wir sind in einer halben Stunde in CROTONE…!

Schnell ist man angezogen, nun ohne Ölzeug, strahlender Sonnenschein, Wind 2-3 bft… Scheinheilig still das Meer beim Einiegen in den Hafen. Ich lege an der Tankstelle an. Eine 45er Bavaria aus Wien auch, der Skipper fragt, ob wir mit dme Rollreff (im Baum, nicht im Mast) zufrieden sind… Ja, zu 80%, das letzte Stück zieht Gh. am Mast stehend von Hand hoch, weil es seit heuer schwer hochgeht.

Buon giorno! Ich fahre vorsichtig den Steg vor Lega Navale an. Einer der STUFF hilft, mit den 2 Moorings und unsren Festmacher-Leinen, sehr freundlich. Gh. meldet mit unsren Schiffspapieren die EOS an, 25€, ab der 2. nur noch 20€. Das ist passabel. Leider bekommen wir – wie in Gallipoli- eine Absage für die Mitgliedschaft in der Lega Navale. So schade. Wir sind noch 2 lange Monate in Italien, es wäre preisgünstiger als Mitglied, in den Häfen.

Dann schnell umziehen, Stb-Koje aufklappen zum Trocknen, ich spüle alle salzwasser-vollen Tassen+Gläser…. Dann ziehe ich zur Feier der Nachtfahrt erstmals ein Kleidle an, stecke mir eine Blume ins Haar- Gh. lädt mich ein zu einem Cafè lungo im Club-Restaurant. Ein großes Croissant, ein Glas Wasser, und ein junger Cantieri an der Bar, sicher Student, mit derart blauen Augen, daß ich wegsehn muß, um kein Kompliment zu outen.;-) Wir sitzen wie Crotoner Bürger auf der Terrasse, etliche ital.Rentner auch, daneben sind Schulkinder 1.+2.Klasse, die Segelunterricht bekommen und ihre Opti-Boote vorbereiten.

Zurück an Bord frischt der Wind merklich auf, wir wischen die nassen Schapps aus. Dann überfällt Gh. die Müdigkeit nach der langen Nachtfahrt. Er liegt auf seiner Koje und ganz schnell hör ich ihn neben mir schlafen:-[..;-). Ich tippe den Blog in meinen surface-Laptop, mit Hy-Internet kann ich evtl. auch versenden. Draußen erstrahlt die Stadt vor den inzwischen braunen Bergen im Morgensonnenlicht, wir finden, sie ähnelt der albanischen Stadt Sarande, davor das Blau des „scheinheiligen“ Meeres…. Neben uns ist eine formschöne Yacht, von der deutschen Werft Rebell, ca. 9 m, so ähnlich wie unsre ehem. Stahlyacht „Marion“ (Typ Skorpion, Holland), 2 große und 2 kleiner Fenster wie die Marion sie hatte, ein niedriges Cockpit mit Eichenholzumfassung, aber mit Achterkajüte am Heck. Sehr schön, 30 Jahre alt.

Crotone muß noch ein wenig warten auf uns, der Jetlag nach einer 14stdg. Nachtfahrt hat uns erwischt. Draußen heult der Wind.

24. Leuca

9.Juni, Gerdi. Eine wieder mal sportliche Überfahrt… Lifebelt, Ölzeug. Reffen… Nach 10 Std. steuern wir in kabbeliger See den mächtigen Leuchtturm von Leuca an. Der Außenplatz hinter der Hafeneinfahrt schaukelt quer zur Welle genauso wie draußen.

Einkaufen erst am 10.Juni… Ich kaufe Fussili (gedrehte Nudeln), Parmesan gerieben ganz fein pudrig und Sahne für die Soße. Bei einem Glas Menta und dem köstlichsten ersten Espresso sind wir dann endlich „angekommen“ in Bella Italia. Modisch die Mädchen, geschniegelte Haare die Männer. Noch kaum kurze Hosen.

Nach dem festlichen Mahl (Käsesoße+Pasta) spazieren wir über die kunstvoll angelegten Stege, die die Fußgänger über die scharfkantigen, bizarren Felsen laufen lassen. 300 Stufen müssen wir erklimmen, um zur berühmten hohen Säule mit der Madonna di Leuca zu kommen. Eine Klosterkirche lädt ein zum Dankgebet, über mir schwirren Schwalben, in der Krone eines Kronleuchters ist ihr Nest. Dann gehn die Lichter an, die Scheinwerfer beleuchten die Piazza, der Leuchtturm strahlt… die Stadt glitzert, die Musik startet ihre Disco-Beschallung. Wir wandern die 300 Treppenstufen neben der Felscascada wieder hinunter und klettern an Bord. Der Gewürztraminer mundet köstlich.

Morgen wollen wir weiter an der Innenseite des italienischen Stiefelabsatzes, Ziel Gallipoli, Apulien.

Bizarre zerklüftete Felsenküste LEUCAIMG_0736IMG_0737Kapern-Blüten (1)Kapern-Blüten (2)Kapern-BlütenLa sera...Leuca v. oben (1)Leuca v. oben (2)Leuca v. oben (3)Leuca, FelsküsteLeucas Madonna+FaroLeuchtturm LeucaLeuchtturm v. Leucamassive Bauweise-Steg LEUCAMaurer-Handwerk Stein auf Stein (1)Maurer-Handwerk Stein auf Stein (2)Reizvoller Laden