79 Motor Nummer 2

Schon seit geraumer Zeit zeigte sich weißlicher Rauch an EOS‘ Auspuff, Tendenz verstärkend. Motordefekt? Wir müssen noch einige 100km flußauf!

Kontrolle von Kühlwasserpumpe und Motortemperatur: Negativ. Damit sind meine Möglichkeiten erschöpft. Wir steuern am Mittwoch, 24. August den Hafen von Bandol an.

Tests durch den Fachmann: Einspritzpumpe: Negativ, Motordrücke: Positiv. Zylinder 3 hat kaum Kompression! Zylinderkopf wird abgenommen und zeigt Ausbrüche am Ventilsitz. Weiteres Schadensbild: Zylinder 2 keine volle Kompression, Zylinder 1: Erhebliche Aushöhlungen auf der Kolbenoberseite. Alle Laufflächen weisen Schäden auf, leichtes Leck zwischen Motor und Getriebe.

Ursache: Wasser in den Verbrennungsräumen durch falschen Einbau des Wassersammlers. Am Bodensee mit Süßwasser macht sich nicht so stark bemerkbar, im Salzwasser des Mittelmeeres aber erheblich.

Wie sollen wir vorgehen? Neuer Zylinderkopf muss sein, Änderung Wassersammler auch. Eine spätere Überholung am Bodensee sollte dann sein. Ich will ja ein zuverlässiges Schiff! Alternative: Neuer Motor. Grund: Tausch Zylinderkopf und Überholung werden schlussendlich teurer als der neue Motor. Es ist der zweite Motor im Leben der EOS aber eigentlich der dritte. Nur von dessen Existenz haben wir keine Unterlagen mehr. Wir entscheiden uns für den neuen Motor und bleiben dafür eine Woche im Ort Bandol.

Die Einzelteile (800x533)

Der alte Motor wird teilweise zerlegt und in einem Kraftakt in ein Hafenboot gehoben. So verlässt das treue Stück die EOS. Traurig. Bei starkem Wind verholen wir mit Hilfe des Hafenbootes an den Kranplatz. Der neue Motor verschwindet im Bauch der EOS. 2 Tage Montage. Auch die Lage des Wassersammlers ändert der Handwerker. Eine Freude, wie fleißig und sicher unser Fachmann, der junge Guillaume, 29, arbeitet. Dann Probefahrt und Überprüfung. Wir erkennen keine Mängel. So wie’s aussieht, eine gute Arbeit des Mechatronikers von Mecabateaux!

Am Nachmittag tauft Gerdi den neuen Volvo auf den Namen „Bandol“ mit der Bitte um Gottes Segen, alllzeit gute Fahrt und langes Leben an unsrer Seite auf der EOS.

Inzwischen etliche internationale Neulinge an Bord: die große Persenning vom Albaner Julian, Aug. 09 in Glifada/Piräus, die neue Sprayhood+Bimini+neue Matratze Bug(Karabulut, Schwarze Wolke) und klappbares Küchenfenster(Ibis) aus Marmaris/Türkei, das Iroko-Deck aus Bosburun/Türkei, die Bierkrügle aus Naxos/Griechenland, der Clodeckel und die Wasserpumpe am Spülplatz aus Marmaris, das Leergutfäßle für Dosen aus dem Ambrakischen Golf, der neue Mac Murdo aus Nizza.

Alle Bilder dieser Arbeit: Klick

Transplantation eines Motors…

BANDOL, Côte d'Azur. Montag/Dienstag, 29.+30.Aug.16-7.Tag
(leider sind die ganzen Zeilen nicht komplett lesbar)
Bevor Gerhard diese ganze Motor-Aktion in einem fachmännischen Bericht beschreibt,
kommt heute der laienhafte von der Bordfrau Gerdi:
Wir liegen immer noch in Bandol, einem 7000-Einw.-Ort an der Küste, Sandstrand, 
Boutiquen, Restaurants, Marktstände mit Olivenöl, Käse, Schinken, Obst.An der
Promenade nur noch 2/3 der Souvenir- und Schmuckstände, fast keine Touristen 
mehr, die Saison geht zu Ende, etliche Lokale und Modeläden bleiben schon ganz zu.

Gestern hievte ein Kran unseren neuen Volvo durch den engen Niedergang, vorher 
schob ein kl. Kahn unser motorloses Schiff vom Heck her die lange Gasse der 
Schiffe vor bis in die Nähe der Hafeneinfahrt, dort eine Haarnadelkurve 
und bei inzw. 5 Windstärken Einschwenken in das schmale Kranbecken, an dem sonst 
ein Travellerkran die Boote herausliftet. 
Dann rollte ein kleine Autokran (niedr. LKW mit dem Kranarm u. Haken waagrecht vorn dran) heran. 
Die Mecatroniker hängten am Werkstattauto an Schlaufen den 170 kg-Motor an den Kran.
Der rollte Richtung Schiff und dann schwenkte er vorsichtig das Monstrum über unsere Bordwand und 
Reling, mm-genau über den Schiffseingang und nach Kommando der 
Mechaniker senkte er das Teil dann ab Richtung Kiel, wo er über einer 
Art Wanne auf 2 Schienen an 8mm-Schrauben angeschraubt wird. Je 2 dicke 
Muttern an den 4 Füßen. Der 2. Mechaniker mußte mit scheußlichem Geräusch neue 
Löcher bohren, was einem im Herzen weh tut, wenn das unterhalb der Wasserlinie 
passiert...

Unser Salon sah aus wie ein Warenlager, denn alles, was in der breiten 
tiefen Hundekoje, das ist das 5. Bett, unter der linken 
Cockpit-Sitzbank, gelagert war, mußte raus, um an die Elektrik und 
Schalthebel zu kommen: Die schwere Kunststoff-Plane fürs gesamte Schiff 
im Hafen von FN und im Winterlager, das Sturmsegel, die Fock, die 
Hafenhandbücher der ganzen Reise (Donau, Schwarzmeer, Türkei, Ägäis, 
Peloponnes, Jonische Inseln, Albanien,Apulien, Kalabrien, Sizilien, 
Sardinien, Korsika... Unglaublich, welches Volumen man da reinpackt, 
wobei wir seit Messina die Rettungsinsel von innen verlegten und
an Deck festgezurrt haben neben dem Mast...

Eine Schiffsnachbarin, ma voisine, (man lebt ja eng wie auf einem Campingplatz, hört 
sich schnarchen, lachen, kochen, pokern, schimpfen...;-)) schenkte mir 
aus ihrem Garten Tomaten, 1/2 Zucchini, eine große Ochsenherztomate. 
Sofort brühte ich Couscous auf und fing an, 2 Zitronen aus zu pressen, 
Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, rote Paprika und das Gemüse klein zu 
schnippeln, nach 15 Minuten war eine große Schüssel Taboulé fertig- 
orientalisch gewürzt mit Zimt, Nelken, Kardamom, Sumak, Chili und 
Olivenöl. Zuletzt noch Oliven drüber und Pfeffer- ein Traum. Die 
Bootsnachbarin war begeistert. Man kann aber ausschließlich französisch 
kommunizieren, denn hier gibt es NUR Franzosen, auch die Boote haben nur 
Franzosen, keine Italiener, keine Deutschen, wenn man Glück hat, spricht 
mal ein Mann etwas Englisch, aus der Zeit als Berufstätiger, sind eh 
alles Rentner!! Falls Sabine mal wen an einen schönen Sandstrand in 
Bandol schicken will (7000 Einw., eher dörflich als städtisch) dann muß 
einer in der Familie etwas Französich sprechen. Aber für Kinder ist 
natürlich das Karussell, Jg. 1900, ein einmaliger Spass. Diese 
Beschaulichkeit, dieses langsame Im-Kreis-Fahren, diese schönen Tiere 
und Figuren (auch eine Montgolfière ist dabei, dieser erste fliegende 
Ballon mit Passagieren).
Wir fühlen uns wohl,gestern war wieder mal Starkwind mit gischtweißem Meer draußen,
 was die Surfer und Jollensegler erfreute: sie flitzten über die hohen Wellen.
 Am Abend war ein Gewitter mit Blitzen rund um die Bucht (!)
und Donner, die 2 Wörter orage und éclairs hörte ich nie im Leben. 
Nun hoffen wir, daß Giullaume alle Schläuche, Kabel, Tanks und Highriser 
installieren kann in der Enge dieses Motorraums, er schlängelt sich katzengleich 
in der Koje und über dem neuen Motor und arbeitet wie ein Chirurg!Motor neu, 30.8.16

Der Strand am Sonntag-ein Magnet

Sonntag zum Strand (1)
Schon um 10 Uhr sehr beliebt, die Damen in modischen Bikinis-alle! Kein FKK.

Die Betuchteren schwimmen im hoch oben auf der Hotel-Terrasse gelegenen Pool…

Übrigens haben wir seit 2 Wochen draußen keine andre Sprache als Französisch gehört,keine deutschen Touristen,keine Briten, NUR FRANZOSEN. Allmählich taucht mein Schulwortschatz wieder aus 50 Jahren Tiefe ans Licht…In Griechenland gab es Regionen, wo alle Englisch sprachen, auch die Touristen.

Es hat 35°. Alle suchen den Schatten, die Bars sind voll, wenn die Markisen gut sind.Wir probieren zur Brotzeit was Kaltes: Schinken in Aspik.

Sonntag zur Brotzeit Schinkenaspik

Süßigkeiten, Limo, Cola und Fruchtsaft gibt’s nicht bei uns, wir bevorzugen Wasser und am Abend zu zweit ein Bier. Aber gerade lese ich, wie schlecht es um die übrigen Leute geht:

Zucker, Fett & Co. – Wenn Essen krank macht | foodwatch

700 Millionen Euro im Jahr für Süßigkeiten und Schokolade stehen 20 Millionen Euro für Obst und Gemüse gegenüber. Das alles hat einen einfachen Grund: Die höchsten Gewinne versprechen zuckerhaltige Getränke, Süßwaren und Zucker, Fett & Co. – Wenn Essen krank macht | foodwatch

Das ist das Problem

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt von einer „globalen Fettleibigkeitsepidemie“, deutsche Ärzte vor einem „Tsunami der chronischen Krankheiten“: Wenn es um den starken Anstieg ernährungsmitbedingter Gesundheitsprobleme geht, überbieten sich Mediziner mit dramatischen Bildern. Und das zu Recht: Laut WHO sind weltweit 41 Millionen Kinder unter 5 Jahren übergewichtig oder fettleibig. In Deutschland sieht es nicht besser aus: 15 Prozent der Kinder und etwa 60 Prozent der Erwachsenen gelten als zu dick. Sie haben ein höheres Risiko für chronische Krankheiten wie Herzerkrankungen oder Diabetes Typ II. Das verursacht nicht nur individuelles Leid der Betroffenen, sondern auch erhebliche gesamtgesellschaftliche Kosten: Die Folgekosten allein durch Adipositas in Deutschland belaufen sich Schätzungen zufolge auf etwa 63 Milliarden Euro – jedes Jahr.

Snacks – Obst und Gemüse „lohnen“ sich nicht für die Lebensmittelwirtschaft.


Gerhard nützt den ventilator-verwandten Rückenwind am Schiff und putzt den leeren Motorraum gründlich. Das Nest für den neuen Motor!!

76 Die Stadt im Rhythmus

Bandols Promenade lebt abends mächtig auf. Verkaufsstände wachsen aus dem Boden, Bars und Restaurants füllen sich, der Geräuschpegel nimmt zu, Musikanten und Gaukler zeigen ihr Können, Laternen und Gebäude wechseln rhythmisch die Farben der LED-Beleuchtung. Kurz vor Mitternacht ist der Höhepunkt, auch der Lautstärke erreicht. Um 24 Uhr ist Schluss. Alle Musik stirbt ab. Nur noch gleichmäßiges Hintergrundgeräusch von Mensch und Automotor. Wache  ich um 3 Uhr auf (ich schlafe im Cokpit), dann hat die Stille ihren Höhepunkt erreicht. Allgemeine Schlafenszeit.

Um 5 Uhr macht sich der neue Arbeitstag bemerkbar. Einzelne Autogeräusche, das Rattern des Müllautos und das Scharren des Sandglätters am entfernten Strand. Dann um 7 Uhr beginnt das allgemeine Leben. Die ersten Restaurants bereiten Tisch und Stuhl vor, Lieferautos blockieren Straßen, Marktstände werden aufgebaut. Auch die Hunde dürfen an der Leine nach draußen und die ersten Gäste genießen ihren Kaffee

Frühstück

Der Runner

Und die ersten Roadrunner nutzen die kühlen Morgenstunden. Noch überwiegt die angenehme Kühle, aber die Sonne zeigt sich bereits ab 7 Uhr mit ihrem milden, gelben Licht. Die Stunde um den Sonnenaufgang empfinde ich als die schönste des Tages.

Im Laufe des Tages zeigt die Sonne dann was sie um diese vorgerückte Jahreszeit noch kann. Am Nachmittag raubt sie mir jede Energie. Schon beim Denken bricht der Schweiß aus. Die wenigen Gäste in den Bars nippen schläfrig an ihren bunten Drinks. Erst am Abend erwacht der Ort und das Leben beginnt erneut. Ein toller Kreislauf.

Eine der engen Gassen

http://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157672018739982 (Sehr schöne Impressionen)

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75 In den Gassen von Bandol…

Freitag 26./Sa. 27.August, Gerdis Eindrücke

An der Promenade drängen sich die Touristen, die vielen Lokale sind gut besetzt, auch Einheimische fliehen aus den heißen Altbauwohnungen und Appartements und wissen genau, wo man am kühlsten im Schatten der Markisen und Häuser dösen kann bei einem Glas Rosé. Dieser sanft rosa-orange-farbene Wein der Côte D’Azur und der Provence ist auf jedem Tischlein, man genießt.

Wir weichen aus in die Nebengassen, entdecken kleine üppige Obstläden, spähen durch die Hintertür in die dunklen schmalen Küchen der Lokale an der Seaside, wo fleißige Köche und Helfer all die Köstlichkeiten zubereiten, die auf den Schiefertafeln aufgeschrieben sind und eifrig bestellt werden. Ob Dorade oder Hummer, Muscheln in Sahnesauce (!) oder Garnelen, Octopus oder kleine Calamari, ob Entre-côte oder Auberginen überbacken, Ente,Poulet entier oder Lamm und natürlich Pizza. Es duftet himmlisch aus düsteren Backstuben, in denen tausendfach die Baguette-Stangen gebacken werden, die die Franzosen oft zehnfach im Arm heimtragen. In vielen Pâtisserien liegen kleine Törtchen, Anisschifflein und Torten in der Auslage. An den kleinen Tischlein der Bars klirren die Eiswürfel in Cola, Cidre und Schweppes, viele essen Fleisch mit Pommes frites, aber auch Thai-Gerichte aus dem Wok oder indisch-gelbes Curry. Am Platz mit dem Brunnen werden geradezu riesige 1,5 kg-Poularden am Dreh-Spieß gegrillt(rôti) à 16€, hinter Glasscheiben werden vielerlei Vorspeisen in kleinen Schalen offeriert, Meeresfrüchte, getrocknete Tomaten, Hummus, Cuscus, Schnecken, Oliven, Risotto, Nudelsalate aller Art. Salade nicoise ist immer dabei, Garnelen, Sardinen…

Bummel durch Bandol,27.8 (17)

Gestern abend spazierten wir hoch zum Bahnhof am Hügel, wo die rasenden Schnellzüge(Marseille, Toulon, Nizza) mit ohrenbetäubendem Lärm und irrsinnig schnell direkt vor der Nase vorbeisausen, aber ein WC gibt’s nicht mehr für die wartenden Fahrgäste… Am Weg folgen wir dem Duft des lodernden Holzofenfeuers und kehren ein in ein schattiges Lokal unter Bäumen: „La bleue cigale“-die blaue Grille“.Alles ist vorreserviert, klar, Wochenende. Für uns 2 haben sie einen kleinen „Katzentisch“;-). Wir bestellen aber keine Pizza, sondern schlemmen nach einem Pastis fein Gekochtes aus der Küche: Ich wähle Lammschulter geschmort mit Thymian, butterzart, Gerhard wagt den Kalbskopf (gerollte Außenhaut mit Fleisch) mit einer Art Majonnaise.

Abendessen
Gerdi mit nassem  Lockenkopf beim „Èpole d’agneau“(zart wie ein Schäufele in Nürnberg), Gh mit „Tête de viande“

Bummel durch Bandol,27.8 (2)

Zum Abschied von unsrem alten Volvomotor gibt’s feierlich sogar Dessert: Soupe des fraises(Erdbeeren (passiert) mit 1 Kugel Zitronen-Sorbet und für Gh. gebackenen Ziegenkäse in Olivenöl mit Honig. Ein Espresso als Finale, dann wandern wir wieder hinab zum Meer, inzwischen sternklarer Himmel über uns, mit jedem Schritt wird es wärmer.

Am Samstagmorgen geht Gerhard mit Umwegen zum Sandstrand zum Brotholen. Nach dem Frühstück bringen wir die Sandalen zum Neu-Besohlen zum Schuster(;-)hier kein Türke!) und erkunden die Gassen der Oberstadt und die in der 2. und 3. Reihe. Als ich einer Frau durch die Scheiben zusehe, wie sie Tortellini formt, ruft sie mich herein und ich darf ihre Kunstfertigkeit  neben der Nudelteigmaschine von nah betrachten. Wie kürzlich bei unsrer Erika: 6x durch die „Bügelmaschine“ walzen, mit einem Weinglas ausstechen, füllen, wie einen Beutel schließen…

Bummel durch Bandol,27.8 (8)Bummel durch Bandol,27.8 (9)Bummel durch Bandol,27.8 (10)Bummel durch Bandol,27.8 (11)

Ich darf die italienischen Ur- und Großeltern auf dem Foto kennenlernen (aus dem nordöstl. Teil  Italiens an der Adria)und kaufe 2 Portionen der frisch befüllten Teigtäschlein. 9€- aber top-frisch. Im Casino-Markt kaufen wir noch Wasser, Roséwein, Butter, Eier fürs Sonntagsfrühstück… dann geht’s „heim“ zur EOS, die zwar in der Sonne schmachtet, aber von einem wundervoll achtern schräg einströmendem Wind gekühlt wird. Alle Duschtücher landen als Schattenspender auf den seitlichen Deckflächen u. ein altesr Bettbezug (2x2m Länge aufgeschnitten) spendet weiteren Schatten unter unsrem 6x4m-Markisen-Dach. Ein schöner Warte-Platz für die Motortransplantation…:-)

73 Von Toulon nach Bandol: herrliches Segeln und Motorfefekt

Mehrmals am Tag schlucken die Fähren die Sehnsuchtstouristen für die Inseln Korsika und Sardinien und spucken die erholten Heimkehrer braungebrannt wieder aus. Am Mittwoch hat die Schaukelei für unsre EOS ihr Ende und wir verlassen den kleinen Hafen an den Hochhäusern.

Wir erleben einen der schönsten Segeltage dieses Törns! Blauer Himmel, schöner raumer Wind mit 3-4 kn Fahrt, Küste ganz nah, keine irren Raser mehr. Da unser liebes Schiff beim Anlassen immer mehr weiß-bläulichen Rauch /Dampf ausstößt, verzichten wir auf unsere Grillfreuden in einer Ankerbucht und suchen schon um 15 Uhr den sehr ordentlichen Hafen in Bandol auf. K4, ein Gastliegeplatz, und der Volvo-Monteur kommt um 5… Einspritzdüse? Zylinderkopf? Oder schlimmer…Kompression? Ob der 200 kg-Volvo aus dem Boot geliftet werden muß?

Es hat schon lange nicht mehr geregnet, aber wenn, dann spucken spassige Regenfallrohre das Wasser auf den Gehweg, in der 2. Reihe sind fast keine Touristen mehr. Da sind die Küchen der Promenadenlokale, die Sozialstation, die Hebammen, und hinter der Kirche am Hügel ein Lycée Maternelle, ein Institut für Erzieherinnen. Und Frisöre, Schuster…

Regenfallrohr BandolAm Abend gibt’s mal ein schlichtes Vesper im Cockpit, Käse, Tomaten, Zwiebele. Dann bummeln wir die lange Promenade vor. Dort herrscht ein buntes Treiben, ein idealisierter Jüngling mit Flöte stellt wohl PAN dar, drei geölte muskulöse Brasilianer oder Jamaikaner trommeln wie eine Steelband vor einem Restaurant flotte Salsamusik und vollführen mit 30 m Anlauf Flicflacs mit Salto auf dem Gehweg… eine kleiner Mann jongliert mit 6-8 Bällen… eine Art Kulturufer mit zahllosen schön dekorierten Ständen lockt die Touristen mit Schmuck, geschnitzten duftenden Seifenblumen, Räucherstäbchen, Klangschalen, Tatoos, die wohl typischen frischen Leckereien wie Spritzgebäck gepritzte Teigschlangen, die in siedendem Fett fritiert werden, Chuccos/Chichis.

Auf einer großen Freifläche spielen 6 Gruppen im Sand Boule. Daneben 2 Lkws mit Marionettenbühnen. Ein Stand verkauft diese Folien-Steck-Lampenschirme, die Martin im Bad hat!

 

IMG_1576Die vielen riesigen hochglanz-polierten Motoryachten leuchten lila, pink, grün, rot, denn die hohen Straßenlampen haben wie Abakus mit vielen „Kugeln“(Leuchten) mit changierendem Licht. So erstrahlt am Hügel auch der Glockenturm neben der Kirche, die schon am Abend ihre Glockentürme in die Marina sandte. Ein großes Kinderkarussell erinnert sehr an unsre Nürnberger Volksfeste als Kinder, ich liebte die Schaukelpferde.

Mit einer Tüte gebrannter Erdnüsse melden wir uns beim Sécurité-Mann am Eingang zu den Ponton-Stegen. Bis 00.00 Uhr gibt es Live-Musik, dann singen alle ein Lied mit Text, wohl eine Art Regional-Hymne, und dann ist totale Ruhe…!!! Auch auf den Booten wird nicht gefeiert, laut gelacht oder geplaudert, absolut rücksichtsvoll, RUHE- unvorstellbar in Italien, Griechenland oder in einem deutschen Hafen… Kompliment den Franzosen!

Der Käptn hat wieder kurze Haare… er hat ja die Privat-Friseurin an Bord

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Am Abend kommt der Monteur, er baut Teile des Motors aus, der Zylinderkopf muß neu sein… am Donnerstag stellt sich heraus, daß die Reparatur ca. 4000€ kosten würde… ein neuer Motor aber doppelt so viel. Hier gibt es den Kran, um den Altmotor (25 J. alter Volvo) herauszuheben. Wir prüfen die Posten der Rechnung, wägen ab… die Überholung in Deutschland wäre eh fällig. Ihr könnt erraten, welche Entscheidung wir trafen. Bis Mittwoch sind wir hier „gefangen“ im Hafen von Bandol. Am 1. Sept. setzen wir die Reise fort, die Calange lockt.

Noch etwas Text und ein Gerhards Bilder: Klick

Hier die Reisestrecke von Toulon hierher: Klick