Die Karte:
57 Von Siziliens Küste weiter nach Norden, Sardinien!
Ein schöner Platz
Von Cagliari nach Villasimius sind es etwas über 20 Seemeilen. Auf dem Weg dahin bricht die Tasche einer Segellatte. Etwas knifflig war das Bergen der Latte an Saling, Wanten und Fallen vorbei. Auch ohne diese Latte war EOS schnell. Am Ankerplatz dann türkis farbenes Wasser und bester Sandgrund. Wir befestigen EOS an einer der dort schwimmenden Ankerbojen. Draußen an Land das lebhafte Treiben der Badegäste. Eine Dünung macht das Liegen schauklig. Wir haben eingekauft und möchten Grillen, ohne dass das Meer uns das Fleisch wegnimmt. Es gelingt. Abends wird es still am Strand. Die Sonnenschirme sind eingeklappt, nur noch wenige Gäste schlendern am Strand. Wieder geht die Sonne am roten Himmel unter. Ich schlafe auf der Luftmatratze im Freien.
Der Wind neckt uns
Am anderen Tag starten wir bei bestem Rückenwind. EOS fliegt nur so dahin. Aber Kaps haben manchmal ihre Tücken. Von einem Moment auf den anderen bleibt der Wind weg und die weißen Schaumkronen enden 200 m hinter uns. Jetzt sorgt der Volvo für Vortrieb. Mit einem Mal sind die Schaumkronen nur mehr 50m hinter uns. Motor stopp. Tatsächlich holen uns die ersten Windböen ein und füllen die Genua. Aber nur für ein paar Minuten, dann sehen wir die Schaumkronen wieder hinter uns. Wir warten, bis uns der Wind wieder einholt. Das tut er auch, aber wiederum nur für ein paar Minuten. Dann ist endgültig Motorzeit für einige Meilen. Schließlich bietet sich der Wind doch wieder an. Die Augsburger setzen Groß und Genua. Das machen sie gut. Und so geht’s bis vor den Hafen von Corallo. Ein ruhiger Ort, weit weg von der Stadt.

Arbatax und weiter

Wieder bei bis zu 5 Bft hart am Wind. Fast alle Segel stehen und EOS pflügt stundenlang durchs Wasser. Bestes Segeln. Gischt spritzt am Bug aber wir in der Plicht sitzen im Trockenen und lassen den Automaten(Autopilot) arbeiten. Er macht seine Sache gut und hält eisern Kurs. Seine Mahlzeiten bestehen aus Strom von der Solarzelle am Heck.
Arbatax, der Hafen, der funktioniert. Ein Anruf auf VhF 9, kein Warten, ok, no problem. Einweisung und Hilfe vom Ponton aus, die 2 Moorings sauber und nicht voller Schmutz und Muscheln. Ausgabe von Müllsäcken für die verschiedenen Fraktionen, Großzügiger Sanitärbereich, alles funktioniert. Brauch- und Trinkwasser getrennt und Waschmaschinen und Trockner stehen zur Verfügung. Alles für 36 Euro, hier der preisgünstigste Hafen. Respekt! Wäsche ab in die Waschmaschine und in den Trockner.

An Arbatax schließt sich eine eindrucksvolle Steilküste an. Felsnadeln, 100 m hohe senkrechte Steinwände unmittelbar aus dem Wasser. Zahlreiche Gäste in Schlauchbooten und Ausflugsschiffen bestaunen diese Küste .

Ab Capo die Monte Santu queren wir den Golfo di Orosei. Das Land weicht zurück und wir setzen Segel. Segeln können wir bis Punta Neru, ein flaches Kap, davor ein langer Sandstrand. Bester Ankersand.
Nacht an offener Küste
Ein wenig Dünung ist an so einem freien Ort immer da. Aber die stört wenig. Keine Gefahr für das Grillgut. Sonderbare Kohlen sind das, die ich in der Bilge finde. Sie lassen sich kaum entfachen. Nach viel hin und her nehmen sie doch Glut an. Und jetzt entwickeln sie eine schöne Hitze und halten diese stundenlang. Unser Grillmeister zaubert saftiges Fleisch und der Mann in der Kombüse gute Pellkartoffeln.

Dazu gibt’s noch gemischten Salat. Dann verschwindet die Sonne hinter den westlichen Bergen und die ersten Sterne zeigen sich.
Heute ist Wunschkonzert via Smartphone.

Jeder wünscht sich ein Musikstück und das hören wir dann auf YouTube. So geht das reihum. Die Nacht wird mild, der Wind bläst angenehm vom Land und ich schlafe wieder draußen unter dem klaren Sternenzelt. Eine wunderbare Nacht.
Mehr Bilder seht Ihr dort: Klick
Und hier der Standort der EOS: https://www.google.com/maps/@40.84072,9.7199184,17z
57 Die große Tour der EOS in 3 Jahren
Info am 26. Juli, 16 Uhr: Inzw. ankert die EOS zw. Arbatax und La Caletta
Gerdi am 24.Juli 16:

Heute ist die EOS-Crew in Corallo..2009 war die EOS mit uns beiden schon dort, am Weg via Italien, Korfu, GR…Chalkidiki …in die Türkei und zum Marmarameer, 2011 am Heimweg ab Lefkas(GR) wieder, via Italien +Korsika nach Marseille und zur Rhône… sie findet fast von selber heim 2016 🙂
Mit allen Segeln voll gegenan
Corallo ist im untersten Fünftel der Ostküste…und schon morgen wird die Crew in Arbatax ankommen, wenn der Wind günstig ist.
Hier mal der Link zur google map, ihr könnt euch die Küste mit dem – heranziehen (Minussymbol)….
56 Spaziergang in Cagliari
Von Capo Carbonara bis Cagliari sind es 20 Seemeilen. Günter navigiert, Rainer steuert. In Cagliari ergattern wir wieder einen Liegeplatz am Steg der Lega Navale. Für den nächsten Tag sagt Lamma, unser Wetterbericht ungünstige Winde auf der Fahrt und am vorgesehenen Bojenplatz voraus. Wir bleiben noch einen Tag. Die Basilika sendet vor jeder Stunde ihr Glockenspiel zu uns.
Der Straßenkünstler

Er schwingt seine Keulen während die Ampel für die Autofahrer Rot zeigt. An den Ampeln verkaufen die einen Sonnenblenden, Sonnenbrillen oder reinigen die Scheiben. Aber Keulenschwingen, das überrascht doch. Vor der Grünphase verbeugt sich der Künstler galant und läuft mit dem Sammelhut die Reihen der Autos ab. Ich habe den Eindruck man gibt.
Auf der Zitadelle
Cagliari breitet sich auf einem Hügel auf. Wir könnten auch zu Fuß hoch laufen, aber ein Aufzug erlaubt eine Sicht die sich in wenigen Sekunden ausweitet. Er hebt und senkt sich im Freien. Die Basilika ganz oben spricht meine Sinne nicht an. Viel zu wuchtig die Säulen im Inneren, mehr Macht als Glaube vermittelnd. Ganz oben auf dem Hügel der Turm. Auf 3 Seiten Mauern, die 4. Seite gewährt freie Sicht über die Stadt. Wir zahlen und steigen hoch. Auf der 2. Plattform überwältigt mich die Höhenangst. Die Augsburger steigen weiter. Ich: Umkehren? Ich steige noch eine Plattform hoch, dann noch ein paar bis oben der Himmel zu sehen ist. Dann stehe ich doch auf der obersten Plattform. Jetzt schweift der Blick über das ganze Rund der Stadt, die Häuser, den großen Hafen, die Lagune mit den Salzpfannen.

Abwärts wählen wir die engen Gassen auf der anderen Seite zum Hafen und unterbrechen den Spaziergang für einen Kaffee und Weißbier und dann nochmals in der wohl besten Gelateria am Ort.

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Auf Nr. 53 ist die Mitternacht-Ansteuerung Sardiniens am 20.7.


Gh konnte früher nichts bloggen, kein Internet auf hoher See:-)
55 Letzte Station und Inselwechsel
Immer noch Sizilien!
Noch 20 Seemeilen bis Trapani. 19.Juli
Kein Wind, da muss der Volvo helfen. Die Stadt schiebt sich auf einer flachen Landzunge ins Meer. Wir tanken Kraftstoff und suchen Lega Navale. Auf einem Schlauchboot ruft man uns zu „Canale 8“. Ich melde mich mit dem Funkgerät und ersuche um einen Liegeplatz. Ein Mitarbeiter winkt uns am Steg, weist uns ein und hilft beim Anlegen. Wieder können wir kostenfrei bleiben., dank unsres Jahresbeitrags als Mitglied im ital.Segelverein.
Ein schöner Berg überragt die Stadt auf der Landzunge. Man könnte mit einer Seilbahn hochfahren. Draußen schwimmen die Egidischen Inseln. Wir fühlen uns in der Stadt wohl und der Wetterbericht sagt für morgen noch günstigen Wind für den Schlag nach Sardinien voraus.
Inselwechsel

Trapani wird achteraus kleiner. Inseln liegen links unseres Kurses. Marettimo, der letzte Außenposten Siziliens, reizt zu einem Besuch, aber der Wind ist günstig und wir segeln vorbei. Am späten Nachmittag verschwindet Sizilien im Dunst. Marettimo löst sich erst nachts auf. Ab 22 Uhr wechseln wir uns mit der Wache ab. (Zum ersten Mal steht nicht Gerdi an der Pinne in der Nachtschicht:-)
Der Mond zieht als volle Scheibe am samtschwarzen Himmel seine Bahn. Kaum ein Schiff zeigt sich durch seine Lichter. Dann kommt meine Schicht: Ab 4:30 deutet sich ganz schwach die Dämmerung an. Die Kimm färbt sich langsam dunkelrot, die Schwärze der Nacht verschwindet. Um 6:10 steigt die Sonne aus dem Meer. Eine Weile hält sich noch der Wind, dann schläft er ein. EOS verfolgt als roter Pfeil auf dem Smartphone den Leitstrahl zum Kap Carbonara. Wie flüssiges Blei schwappt das Meer. Die Hitze wird fast unangenehm. Schon am Vormittag taucht Sardinien im Dunst auf, kommt aber unendlich langsam näher. Am Abend wieder das gewaltige Schauspiel des Sonnenuntegangs. Die Berge liegen wie ein Scherenschnitt vor dem roten Horizont.

Die Leuchttürme am Kap senden ihre Lichtblitze. Im Handbuch wird auf das neue Naturschutzgebiet hier hingewiesen. Ankern sei nicht mehr erlaubt, es lägen aber Bojen aus( Das kennen wir schon von Ustica 2011! Prima f.d.Natur). Es wird Nacht. Langsam tasten wir uns um die Untiefen herum. Ganz schwach sehe ich im Fernglas den Umriss eines Schiffes. Noch ein Kap umfahren, dann erkennen wir die Bojen. Um 23:30 sind wir am Ziel. 39 Stunden hat die Überfahrt gedauert.
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54 Palermo und weiter westwärts
Abschied von Palermo, nach 1 Woche
Palermo, die quirlige Millionenstadt. Wir wechseln den Liegeplatz vom Steg der Lega Navale Palermo Centrale zu Sitimarina, weil wir die Gastfreundschaft „unseres“ neuen Vereins nicht überstrapazieren möchten. Danke für den Liegeplatz!. In Sitimarina liegen wir unter der mächtigen Silhouette zweier Verladebagger, deren Funktion nicht mehr benötigt wird.

Gemütlich durchstreifen wir die Altstadt, nicht um Zeugen der Vergangenheit zu ergründen, sondern um das Leben in dieser Stadt in uns aufzunehmen. Die kühlen Temperaturen erleichtern das.

Am nächsten Tag arbeiten wir uns mit Motor zum Kap Gallo hoch und können dann mit allen Segeln (und der neu gesetzten Genua) hart am Wind bis San Vito Cabo segeln. Ein angenehmer Segeltag. Eine Dünung am Anker stört wenig. Grillen gelingt und der rote Sonnenuntergang beschert uns einen schönen Übergang in die Nacht.

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