Rückblick: GERDI

Steuerfrau vor 1. Moschee-TÜRKEI
Bosporus! Auf nach Istanbul!

Mitte Juli bis Mitte Oktober 2014: Es war ein gutesVierteljahr für mich, voller tiefer Eindrücke von vielen wechselnden Landschaften, mit herzlichen einfachen Menschen, den fröhlichen Ungarn, den bescheidenen Serben in all ihren noch misslichen Lebensumständen, schlechten Wohnungen, rostigen Autos, den selbstbewußten kleinen Unternehmerinnen in den Läden, den naturverbundenen Rumänen– nie klagend, nur freundlich und hilfsbereit. Das Donaudelta mit den unbeschreiblichen stillen Tagen im Schilf, das rauscht, mit den Seerosen, Reihern und Kranichen…. Die Begegnungen mit den Fischern, die heranruderten, wenn die EOS im Strom festgekrallt lag …die 2 großen lebendigen Hechte, der große weiße Wels…Der Forstmann  Georghe, der meine diatonische Mundharmonika als Geschenk erhielt. Die streng-gläubigen russisch-orthodoxen  Lipowaner, blaue Augen, blondes Haar, in ihren kleinen schmucken himmelblauen Häuslein, Blumen drum herum, viele Kinder. Die üppig mit Gold bedeckten russisch-orthodoxen Kuppelkirchen, die Frauen mit leuchtend rotem Rosenmuster auf den russischen Kopftüchern, die Männer mit langem, weißem Karohemd und Gebetskordel um die Taille, die von 3 Männern gesungene Andacht in der Gebetsstunde im Schein der kleinen Öl-Lampen in den Hängeampeln. Die Zigeuner mit ihren kohlschwarzen Pferden, in deren Schweif rote Satinbänder eingeflochten waren, die Brotbacköfen in den Gärten neben den niedrig hingeduckten winzigen Häusern, Kinder davor, barfuß alle, nie haben sie  Schule, immer frei. Pferdekarren mit Schrott oder tonnenschweren Wassermelonen.

Auf der 2700 Jahre alten Festung über Bozuk Büki (1000x750) IMG_8503

Wir haben 100 Tage auf unsrer kleinen EOS gelebt, zu zweit auf  nur außen 10 m  und max. 5 m innen. So lange, wie schon 5x früher mit unsren 2 und später 3 kleinen Kindern auf der Adria mit dem 8m-Stahl-Schiff „Marion“, 1983-90.

Rauschende Meerfahrt (1125x1500)

EOS, die Halberg-Rassy Mistral 33, Baujahr 1974 in Schweden,  ist unser Heim-auf-Zeit seit 2006. Vor 40 J. begann ich mit dem Segeln! Jetzt ist das Schiff 40 Jahre alt. Und dieser Törn ist schon der 4. mit ihr! Wenn wir so einfach leben, alles gemeinsam machen, die Aufgaben verteilen, die stillen Abende nach dem Essen- mit einem Glas Wein und ein paar Pistazien und meinen Abendliedern auf der Flöte… dann glaubt man oft, in der Stille, das läßt sich nicht überbieten an Ruhe und Sorglosigkeit. Tobt aber der Sturm und reißt höllisch am Anker, Tag und Nacht, oder wie in Foca(„Fodscha“) gleich 3 Nächte mit Getöse und Gerassel, dann heißt es Geduld haben, Angst überwinden, beten, sich gegenseitig Kraft geben, vertrauen, nicht zagen und jammern, sondern den Naturgewalten trotzen und gewissenhaft tun, was nötig ist, auch bei einer einsamen Nachtfahrt zwischen Rumänien und Bulgarien… wenn man 4 Stunden da draußen sitzt im Ölzeug, mit Schwimmweste und eingehakter Lifeline, und der Partner schläft bis zum Ruderwechsel früh um 2 oder 3 Uhr in finsterer Nacht, …aber  zur Kartenarbeit und GPS-Prüfung muß er immer wieder aufstehn…. Man muß sich vollkommen auf den andren verlassen. Ist kein andrer da- und weglaufen geht nicht.

Drei zauber-hafte Vollmonde haben wir erlebt, dieses Licht am Sternenhimmel, der so unbeschreiblich viele Sterne funkeln läßt, daß man den Atem anhält vor all der Schönheit…

Gott bewahrte uns erneut vor Unfall und Havarie, nicht aber vor Gefahren. Die mußten wir schon meistern! Doch Seegang und Windgebraus, störrische Segel-Reff-Manöver in Sturmgeheul und Nachtgewühl am umtosten Meer, auch ein 3-cm-Tau in der Schiffsschraube(!) haben wir überstanden- mit Gottes Hilfe und der nötigen Zuversicht. Unsere Kinder freuten sich über unsere Berichte und die Fotos im Blog, wenn auch diese „Hausaufgaben“ oft mit viel Zeitaufwand und auch Ärger verbunden waren (Internet war oft eine sehr „brüchige“ Verbindung) .

An der Sandinsel DANKE Dunarea veche f.d. Sunset (5) Karges Frühstück ..letzter Einkauf vor 15 Tagen in BrailaFoto anklicken, dann wird’s groß, danach auf „zurück-Pfeil“

Nun blicken wir zurück auf unvergessliche Erlebnisse, 4200 km, davon 2550 km auf der Donau, diesem großen erhabenen Fluß Europas(mit 2-3 m mehr Wasser wegen der Hochwasserlage,die Bäume waren im Wasser fast verschwunden, Inseln auch), dann ab dem Schwarzen Meer noch über 1600 km Segeln am Meer…die windreichen Tage hinter Nessebar, im Bosporus, bei Istanbul  und nördlich von Samos und Cesme/Izmir…

Nun aber wurden wir auch belohnt mit den 2 Wochen schönem Segeln zwischen Gözek  und Bozburun in herrlich blauen Buchten, die wohl die krönende Bezeichnung „PARADIES“ verdient haben. Manchmal sitze ich im Cockpit, habe die Bibel auf dem Schoß, lese einen Psalm und singe vor mich hin: Gute Nacht, Kameraden, bewahrt euch diesen Tag,..“ Oder „Nun danket alle Gott“ und „Großer Gott, wir loben dich“. Und es steigt aus tiefem Herzen empor… denn wir beide wissen, daß es ein Geschenk von oben ist, die Nähe auszuhalten, diese wundervollen Morgen am Boot zu erleben, die Sternenfülle am tiefschwarzen geheimnisvollen Nachthimmel auf dem offenen Meer zu erblicken, die gewaltige Bewegung des Meers zu fühlen und auch auszuhalten, das Schiff in seiner Kraft und Fähigkeit zu bestaunen, das mit Wellen und Wind diese Fahrten möglich macht zu neuen Gestaden, zu fremden Inseln, zu Völkern so verschiedener Sprache und Glaubensrichtungen. Wir fühlten uns beschenkt, wie schon  2009+10+11… zwischen Rhein+Rhône, Sardinien, Sizilien, Italien, Albanien, Griechenland, Troja und Türkei. Wir sind voller Dankbarkeit und auch froh, daß wir uns „aushalten“- demütig und frei, in aller Angewiesenheit auf solch einem Segeltörn über Monate.

Schon denkt man an Weihnachten, und es ist schon nah. Die Quitten warten aufs Marmeladekochen. Der ÖDP-Parteitag rückt näher. Das Gospelkonzert in Langenargen, das Kirchenchor-Singen beim Festkonzert am 14. Dezember. Vorher aber mal wieder unsre Kinder treffen, Erika nach 7 Monaten auf Klettertour mit dem VW-Bus von Spanien bis zum Nordlicht der Lofoten….Jojo+P. mit dem Bike rund Kreta, Martin+L. mit dem neuen Lastenfahrrad von Dijon zum Bodensee und nach Venedig. Wir sind wieder neugierig auf daheim. Und doch erwärmt uns auch schon die Vorfreude auf den 2.Teil der Segelreise, Mai 2015 bis in den November?

„Hast du nie Angst?“ fragen mich manche. Doch…Dazu lese ich im Logbuch Gedanken wie diese:

Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird kommen?

Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vor hat.

Auch ist mir der Psalm 31 gegenwärtig:

Seid stark und mutig,alle, die ihr eure Hoffnung auf den Herrn setzt.

Warum macht ihr das denn schon wieder? auch so eine Frage…

„Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst,

sondern wenn du es ausprobierst“

Beim Segeln habe ich einen Wahlspruch geschätzt:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann

und die Weisheit, das eine vom andren zu unterscheiden.

Das gilt auch für unsere EHE. Seit 33 Jahren.

So planen wir voll Vertrauen den nächsten Törn, wie seit 1983!

Seid gegrüßt. GERDI

Wandern: 3x auf den Hügeln von Bozburun

Abendbummel am Ufer in Bozburun (1), 16.Okt. GERDI

Die Eos ankert in der Bucht, nur noch wenige Segler steuern Bozburun an, die Saison geht zu Ende.

Hier ein paar Fotos vom Dorf und seinen Bewohnern, Mensch und Tier. Von Gerdi.

Meine Bildunterschriften kannst du lesen, wenn du mit dem Cursor aufs Bild wanderst!

Die Bilder von Gerdi: Klick

 Wandern über die felsigen Hügel hinter Bozburun /Felsenhafen(2)

Gerdi, am 17. Okt.14

Wenig Wind. Wir lassen die Eos vor Anker schwojen, tuckern mit dem Schlauchboot in den nahen Hafen und wandern gemütlich hinterm Dorf hoch in die Hügel. Nachts war ein großes Segelboot gekommen, das die Polizei aufgegriffen hat beim Versuch, 50 Emigranten aus Syrien zur griechischen Insel Simi zu schmuggeln… Der Bug beschädigt, das Holz der Planken zerschunden…in 5 kleinen Bussen wurden die Enttäuschten abtransportiert… Noch stehen Polizisten in Uniform mit Waffe am Hafen. Wir wandern hinters Dorf und freuen uns am sonnigen Morgen! In Deutschland kehrt der Herbst ein und hier hängen die prallen Früchte reif am Baum: Zitronen, Orangen, blaue und grüne Oliven, rotbackige Granatäpfel, süße Weintrauben in grün-rosé und blau… Der Blick schweift weit über die zackigen Felsgipfel und über die blaue Meeresbucht . Kein Fuß-Gänger, nur Mopeds und Roller. Ein Widder mit gedrehten Hörnern bockt, stolze bunte Gockel krähen (das hör ich soo gern am Morgen, noch bevor der Muezzin sein Lied in alle Täler und Gassen singt. Disteln und grüne Kohlblätter genügen den Ziegen, dunkelgrüne Steineichen säumen die Straße nach nirgendwo. Und dann erheben sich fast senkrecht die Felswände neben uns, bizarr steigen sie direkt aus dem blauen Meer! Kleine Fischerboote tauchen auf, mit handgeknüpften Teppichen wird das Holz an Deck abgedeckt.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Ein kleiner Schutzhafen, Naturfels, Steine, Beton- und davor dieses unbeschreibliche Meer so blau! In der Schlucht tapfere Büsche und unten in Felsnischen die untergestellten staubigen Motorräder der Fischer… Der Rückweg wieder mit ganz neuen Ausblicken. Was für ein schöner Ausklang für unseren Segeltörn. Die EOS hat einen pittoresken Platz zum Überwintern, die Werft liegt in einer anderen ebenso schönen Felsenbucht, 8 km mit dem Fahrrad… Wenn das alte Teakdeck abgerissen wird, will Gerhard noch 2-3 Wochen am Boot wohnen und einige Arbeiten erledigen- und ein Auge auf die Bootsbauer und Schreiner werfen…

Am Abend hole ich frisches Rindfleisch beim Metzger, bei dem die Tierkörper an Haken sichtbar im Schaufenster hängen…Gerhard darf wählen: Fleisch-Soße Bolognese+Nudeln oder Fleischküchle türkisch (Köfte)mit griechischem Tomatensalat und Kartoffeln. Der Strom wird schwach, also speisen wir romantisch beim gelben Schein der Petroleum-Lampe. Als Dessert gibt’s rote Wassermelone und süßes Halva natur.
Tipp fürs Foto-Album v. Flickr:
Wenn ihr mit dem Cursor auf ein Foto wandert, könnt ihr die Bild-Unterschrift lesen!

Die Bilder: Klick

Spaziergang auf der Bergstraße hinter Bozburun(3)

Samstag, 18.Okt.2014- GERDI

Heute ist noch Starkwind 5-6 angesagt. Nach dem Frühstück am Ankerplatz bringt uns die kleine „micro eos“ ins Dorf. Wir lassen das türkische Telefon mit 4 MB aufladen und wandern hinaus aus dem Tal in die Berge. Dornig, distelig, staubig. Aber die Olivenbäume tragen schöne Früchte, die Ernte beginnt. Wir folgen der Straße Richtung Nordost, nach Selimiye. Fast allein sind wir, nur einige VW-Transporter und Pritschenwagen mit Gemüse sind unterwegs in die abgelegenen kleinen Bergdörfer. Schafe, Hammel, ein Esel, Ziegen mit gedrehten Hörnern und lustigen Ziegenbärten. In den Dörfern erstaunlich „stattliche „ große Häuser, alle Balkon- u. Treppengeländer aus makellosem glänzendem Edelstahl, flotte neue Autos unter ordentlichen Schattenmarkisen, überall wird angebaut, Wand gemalt, Zaun befestigt und zementiert an den Hauseingängen. Fast wie ein Puppenhaus wirkt da ein aus alter Zeit noch übriges, nicht verändertes kleines Natursteinhaus, vor dem eine Oma ihre Wäsche einweicht. Katzenkinder drängen sich um ihre Beine, das Kopftuch schützt vor der noch sommerlichen Hitze. Leuchtend magenta-rot blühen üppig Geranien, reife Granatäpfel hängen schwer an den müden Ästen. Im Schatten einiger Ölbäume setzen wir uns auf Felsen, beäugt von Schafbock und 2 Schafen. Ein Dorfbewohner spendet uns frisches Brunnenwasser, dann treten wir den Rückweg an, immer diese Berge im Blick, die mich manchmal an das Paschtunenland im Norden Afghanistans erinnern. Unvorstellbar, mit welcher Mühe die früheren Generationen in dieser steilen Felslandschaft diese Terrassen geebnet und von Steinen befreit haben, um Brotgetreide anzubauen. Gesättigt von den wunderbaren Ausblicken erreichen wir das Tal. Ich will nicht in ein Restaurant… der Wind frischte bereits kräftig auf, man wird sicher nass im Schlauchboot… So kaufe ich Auberginen, Zucchini, Tomaten und Paprika für ein Ratatouille in der Pfanne. Gerhard entdeckt den guten Wein „Angora“ aus dem Anbaugebiet um Bodrum. Wir werden im Cockpit sitzen und auf den Wind warten. Morgen soll er mit 6 Beaufort blasen… Am Montag soll die EOS in der Werft sein und mit dem Traktor aus dem Wasser gezogen werden, da wird er abflauen… Abends müssen wir nach Marmaris. 1 Nacht im Hotel in Dalaman. Früh um 8.35 Uhr startet mein Flieger, mit der Gulet-Crew und Jan, mit dem wir schon 2x Ende Oktober hier im Gulet die herrlichen Buchten besuchten…

Die Bilder: Klick   (immer auf dieses Wort klicken, dann kommen die Fotos von selber)

Ruhige Ankertage in Bozburun

In Bozburun (750x1000) In Bozuk Bükü (1000x750)

Seit 7.Oktober hatten wir beschauliche Ankertage, frei schwojend in der Bucht vor einem ruhigen Dorf, weit weg vom dazugehörigen kleinen engen Hafen, in dem täglich neue Mietyachten einlaufen und nach Strom, Wasser, Restaurant, Läden, Souvenirs und Wein verlangen…Mal 12  gleiche Nelson-Orange.Fock.Yachten in 1 Stunde…wer die 50 Lire nicht berappen will, bleibt „draußen“ in der runden Bucht- und das sind nicht wenige. Hier kreisen auch mal „besondere“ Segelschiffe um ihre Anker, solche mit Rettungsinsel, 2-4 Solarzellen, Windräder f.d. Generatoren an Bord für die Stromerzeugung, mit alten Schlauchbooten, die Sonnenschutz-Mäntel haben und mit Fahnen, die nicht USA (Delaware-aus Steuerflucht-Gründen) zeigen, sondern England, Schweden, Dänemark, Südafrika, Schweiz oder Neuseeland. Heute dankte ein Ehepaar aus Bremen für mein Abendlieder-Ständchen auf der Flöte. Die haben ihre weiße Yacht schon vom Mittelmeer durch Rhône, Mainkanal usw. bis nach Bremen gebracht und vor 2 Jahren durch die Donau und hierher an die südliche Küste der Türkei. Große Gelassenheit strahlen diese Paare aus, sie leben am Boot- für Monate… anders als die Hektik der Hanseaten-Familien, die nun mit Kind und Kegel hier schnell mal für 8 Tage eine 53-Fuß-Yacht mieten und die Herbstferien hier verbringen. Die Jungs röhren in jeder Bucht sofort mit den Schlauchbooten los und jagen sich in Wettrennen…

Nachdem wir hier drei Tage die Ruhe genossen, haben wir bei einigen Besuchen bei der Werft am Ende der Bucht die Fertigung eines neuen Teakdecks bestellt (samt Auswassern, sauber abstrahlen,Auto-Kran zum Mastlegen in Marmaris bestellen, Halle zum Abbruch des alten Decks mieten, Verkleben der alten Schraubenlöcher, Aufbringen eines Sperrholzdecks, Draufkleben der Zucht-Teakholz-Leisten usw.(kein Regenwaldbaum muß sterben!!), Winterlager, Maststellen…).

Am 11. Oktober zieht es uns aber doch hinaus aufs Meer! Um 9 Uhr früh hievt die (seit heuer elektr.) Winsch unseren tapferen 24 kg-Anker hoch, ein letzter Besuch bei der Schiffswerft. Dann ist es endlich wieder soweit: wir setzen die Segel. Blau das Meer, drüben die Berge blaugrau im Morgenlicht, wie hintereinander geschlichtete Stoffkulissen… Zauberhaft faßt der leichte Wind in unsere Genua und schon rauschen wir hinaus auf die leicht gewellte blaue Pracht. Im Logbuch notiert Gerhard kurz „Fahrt nach Sicht, Genua/Groß „Lust-segeln“!

Mit wenigen Wendemanövern nähern wir uns dem ersten Kap. Immer wieder überraschend, wie der Wind der Küstenlinie folgt, man schnell die Segelstellung ändern oder den Kurs wechseln muß. Friedlich segeln wir entlang der felsigen Küste, einige „Brocken“ liegen im Meer, aufgepaßt! Dann gegen 14 Uhr rum ums 2. Kap, Kap Karaburun. Zwischen 75 und 150 m Wassertiefe… Wir steuern die traumhaft geformte Bucht BOZUK BÜKÜ an, Ziel vieler Yachten. Ganz am Ende der von hohen Bergen gesäumten Bucht fällt unser Anker auf 6 m. 20 Seemeilen Tagesetappe, insgesamt aber sind wir ab Sulina, wo die Donau mündet ins schwarze Meer, doch schon 880 km gesegelt. Also 2550 km Fluß +1680km am Meer! Das sind knappe 4200 km …

Traumhaft die Kulisse, einfach unbeschreiblich schön. Fast lautlos, um uns die steilen Berge, als wäre man nach einer 5 Stunden-Bergtour in den Dolomiten kurz vorm Gipfel.

Bucht-Erlebnis: Spaghetti mit Käfer!

Bozuk Bükü, Traumbucht. Die Dünung rollt herein vom Meer und es wird recht schaukelig: also keine Pfannkuchen heute. Gerhard freut sich auf Spaghetti, läßt die in Varna/Bulgarien bei Kaufland gekauften Nudeln ins kochende Wasser gleiten, reibt Parmesan. Als ich den Teller voll häufe, frage ich ob da Pfeffer aus der Mühle drauf ist. Nein. Oh oh, dann…. Dann sind das 5, 10, 30 Getreidekäfer oder was diese 3mm-Tierlein sind, 6 Beine, hart wie Ameisen. Nach dem kurzen Mahl verschwinde ich in der Kajüte, klappe das Steuerbordbett hoch und räume dieses einzige Vorratsfach total leer. Nudeln, Linsen, Couscous, Pinienkerne,Graupen, Kaffee, Glasnudeln, Pürree, Basmatireis, Pilav-Reis, alles muß raus. Dann auswischen, alle 3 neuen türkischen Nudelpäckle inspizieren- nur in dem 2. Kaufland-paket war Tierbesuch… Alles wieder rein, Abenteuer überstanden.

Alles landet in Dosen. Die Nacht bleibt schaukelig. Am Morgen paddelt Gh. an Land und besteigt den kargen Felsberg. Um 11 Uhr kommt die SMS von Jan,der mit 9 Freunden wieder Gulet-Urlaub macht wie mit uns 2012+13. Sie kommen mit der Harnikarnaslim  gerade ums Kap in die Bucht. Obwohl erst seit 1 Tag an Bord, sind alle begeistert vom bequemen Schiffsurlaub auf dem großen Holzsschiff. Wir werden zum Essen eingeladen, und die mit Käse überbackenen Auberginenscheiben mit Nudeln schmecken wie 2012 mit uns vorzüglich. Der „Angora“-Wein mundet auch- welch nette Überraschung.Herzliche Umarmung mit Käpt’n Nebil und Koch Shalach. Dann wieder märchenhaftes Schwimmen im türkisblauen glasklaren Meer, 24° hat es immer noch. Am Nachmittag verlegen wir die EOS zu dem mittleren Restaurant, bekommen eine Mooringleine am Steg und fahren mit

In Bozuk Bükü (1000x750) Auf der 2700 Jahre alten Festung über Bozuk Büki (1000x750) Aus Heikells Hafenhandbich (1000x750)

dem Schlauchboot rüber in die Nachbarbucht. Wir wandern  hoch zu dem Kastell, das aus großen Felsquadern gebaut ist, laut Wikipedia 700 v.Chr.! Die Aussicht von hier oben läßt sich kaum mit Worten beschreiben, weit geht der Blick übers etwas dunstige Meer, nur 2 Kaps grenzen den Blick seitlich ein, und auf die anderen Seite der Landzunge aus schroffem hellem Fels erstreckt sich diese zauberhaft kobalt-blaue Bucht Bozuk Bükü, in die wohl alle Segelschiffe aus Marmaris herein kommen. Riesige Schiffe legen noch neben der EOS an, 4 jüngere Briten mit 53 Fuß-Boot, ein gigantischer von 50 Lichtern erhellter türkischer Katamaran, einige Sunsail-Mietschiffe, Bavarias. Der Wirt erwartet natürlich, daß man zum Abendessen kommt. Er hielt Gh. am Morgen für einen syrischen Flüchtling. Na, das wollen wir als Ehepaar schon klarstellenJ. Die 8 Vorspeisen sind lecker, Ezme (Chili-Zwiebel-Knoblauch-Petersilie), Auberginen in Mehlteig, mit Reis gefüllte Paprikaschoten, Couscous pikant, Knoblauch-Joghurt wie griech.Tzatziki,Nudelsalat,… Aber die Köfte (Lamm-Frikadellen) find ich dann nicht so gut wie meine eigenen, für die ich in Bozburun bei „unsrem“ Metzger (2010) leckeres frisches Lamm bekam. Neu aber sind ganz scharfe Salatblätter, die schmecken wie Radieschen oder Rettich, dunkelgrün. Die kaufte ich mir gleich nach unsrer Rückkehr im Laden. In der Biokiste hatte ich diese rundlichen gebuchteten Blätter mal, hieß es Rauke? Oder Barbarakraut?

Der scharfe Blattsalat, evtl. Rauke

Die 2. Nacht in der Zauberbucht sternklar, aber über der griechischen Insel Rhodos erhellen heftige Blitze die Nacht, rosa bis hagelgelb leuchten Gewitterwolken wie Türme auf, wir aber bleiben verschont von Kapriolen des Windes.

Nach einem köstlichen Morgen-Schwimmen gehen wir am Montag, den 13.Oktober Anker auf. Wohl unsere letzte Segeltour mit dem alten Deck. Gerhard gibt mir die Chance, unter seiner Anleitung mal mehrere Rückwärts-Anlege-Manöver unter Motor an die Boje zu üben. Die EOS fährt sehr eigensinnig rückwärts, also nicht „auf Befehl“ in einer Linie, sondern in doch etwas boshaften Schlingerkurven, die mir nicht geheuer sind, wenigstens in engen Häfen überlasse ich diese Manöver gern dem Kapitän und bleib vorn am Anker… Vorwärts bei den 2000 km Donau war ich aber fit, kein Problem beim Anlegen, auch im 4-6km-Strom und an abenteuerlichen Anlegestellen. Nun also „EOS rückwärts an die Boje“. Ich schaffe es wohl gar nicht mal so schlecht, denn Gh. zeigt mir auf dem GPS-Gerät später meine Fahrlinien, die doch ziemlich gut getroffen haben ohne allzu abenteuerlich „Ausschläge“. Ein gutes Gefühl…

Dann segeln wir mit leichtem Wind ums Kap. Ich leg mich sogar mal an Deck in die Sonne… UUUUURLAUB. Gegen 16 Uhr passieren wir unter Segeln die Werft. Da steht eine halbfertige 150m-Segelyacht im Bau, die ein „reicher“ (?) Ukrainer sich bauen lassen wollte- und nun kommt kein Geld mehr. Tückisch für eine kleine türkische Werft!!! Und gemein…

Wir legen für 1 Stunde im Hafen von Bozburun an, ein liebenswertes Städtle, dessen Muezzin mehrfach am Tag seine Sure vom Minarett in alle Richtungen schallen läßt, mit einem Echo von den Bergen, das fast 1 Sekunde verzögert zurück hallt- bei der Melodie dieser Rufe exotisch. Wir tanken Wasser, kaufen ein. Und schon sind wir (20 Lira trotzdem zu zahlen) wieder in der großen Ankerbucht, in der einige uns bekannte Boote immer noch liegen. Sternenhimmel, Wetterleuchten hinter den Bergen, Cumuluswolken. Wir grillen Lamm-Spießle und der mit jenen scharfen Blättern gewürzte Bauernsalat schmeckt köstlich, als Nachtisch gibt’s das süße türkische Sesam-Honig-Halva. Dann spiele ich auf der Flöte Abendlieder- schon etwas wehmütig, denn unser Segelulaub geht zu Ende: am 20.Oktober kommt die EOS in der Werft aus dem Wasser! Wir lassen es beschaulich ausklingen. Ich vermesse die eingerissene Persenning des Schlauchboots, räume die Körble schön ein mit T-Shirts, Shorts und Faserpelz für Mai 2015… Gerhard tuckert noch 1x zur Werft. Wenn ich einen Flug bekomme, werde ich wohl alleine heimkehren an den Bodensee, mit Turkish Airlines Dalaman-Istanbul und nach Friedrichshafen. Und mein Schatz ist wie soo oft am Geburtstag fern der Heimat, am Meer. Da ist es sogar im November noch 15-18°warm und die Handwerker arbeiten im T-Shirt.

Die Reisestrecke:Klick

Stimmungsbilder am Ankerplatz

Morgenstimmung, 11.Okt. - vor der Werft (1500x773)
Zauberhafte blaue Berge am Morgen des 11.Oktobers…Nähe Werft

...zwei Regenbögen! (1500x1125) Biblisch schön (Noah) (1500x1125) Bizarre Wolken über Bozburun (1500x1125) Bozburuns Gulet-Parade (es gibt 170) (1500x1125) Gewitterstimmung hinterm Ankerplatz (1500x1125) Letzte Sonnenstrahlen (1500x1125) Regen beim Lammkotelett-Grillen (1500x1125) Regenbogen (1125x1500) Regenhimmel (1500x1125) Unser Wanderberg im Abendllicht (1500x1125)

Der 10. Oktober überraschte uns in unsrer so friedlichen Ankerbucht von Bozburun mit einem fast dramatisch schönen Regenbogen, der vom Gewitter kündete. Unser Wanderberg strahlte hell auf, die Guletparade strahlte im Abendlicht… Als es regnete, nahm Gerhard den Schirm als Dach über den Grill, um die Lammkoteletts zu braten 🙂

Am Samstagmorgen zogen wir nach 3 Tagen den Anker hoch, besuchten noch kurz die Schiffswerft, um unser Kommen für den Einbau des neuen Teakdecks zu organisieren. Dann segelten wir mit weißen vom Wind geblähten Segeln 5 Stunden über das „offne“ Meer hinüber zu unsrem südlichsten Punkt dieses Törns: Hinter das Kap südwestlich von Marmaris, und im Dunst zeigten sich zart die Umrisse der griechischen Insel RHODOS…

In einer felsigen Bucht, Bozuk Bükü, schaukelte die Eos in der Dünung…. Morgen wollen wir nach Ciftlik zu den 2 Busen-Bergen.

Wandern statt Segeln

9.Okt: Unsere Berg-Wanderung über BOZBURUN (Gerdi)

Morgenbad im Meer… Frühstück… um 10 machen wir uns auf zum Wandern. Mit dem Schlauchboot tuckern wir beide in den nahen kleinen Hafen, in dem viele Mietboote und Gulets ankern. Oleander blüht, in pinkrosa Kaskaden hängen die Bougainvillea-Blüten an den Häusern. Kürbisse liegen schwer in den Gärten, Ziegen meckern, in ihren Harems krähen die stolzen Gockelhähne… Die Oliven sind reif und werden von Frauen geschüttelt. Auf Planen lagern sie unter den ausladenden Baumkronen und zupfen die dunkelblauschwarzen Früchte ab… Meraba! Günaydin!

Dann wenden wir uns auf die rotbraune sandige Bergstraße, auf der die Mopeds der Bauern im Leerlauf herunter rasen. Ein Hirt treibt seine 50 Ziegen zum Stall zum Melken, groß sind sie, schlank, mit gedrehten Hörnern! Weiße, schwarze und kastanienbraune herrliche Tiere, so genügsam im Futter. An den Hängen der Berge sehen wir horizontal angelegte Felder, schmale Terrassen mit Naturstein-Mauern, wohl früher Brotgetreide. Ich erkenne einige kreisrund von Stein eingefasste Dreschplätze, die wir vom Peloponnesurlaub kennen. In der Mitte wurde ein Ochse angebunden und im Kreis geführt, so wurden die Ähren gedroschen.

Eine ehemals fruchtbare Ebene, jetzt verweist (1000x750)

Wir wandern bergan und können uns nicht satt sehen an den Ausblicken auf Fels und Meer, auf immer neue Hügelketten und Küsten… Dann wieder weit unten Bozburun, die ankernden großen Gulets. So friedlich das Bild, fast biblisch… An Farben nur felsweiß, sandbraun und grün von den Distelbüschen und Olivenbäumen, meterhoch aber unzählige Zwiebelblütenstengel, die weiß blühen wie bei uns die Lupinen. Diese Wege werden als Berg-Rad-Wege ausgeschildert und ein Radler würde wohl an unsrem Rastplatz unter der rieseigen Krone einer Steineiche (mit Eicheln) hinab ins andere Tal fahren, zu einem Fischerdorf in einer andren Bucht. Stumm vor Begeisterung versinkt mein Blick in diesem friedvollen Berg-Ketten-Rund, zu beiden Seiten menschenleere Flächen, einst Kulturland, teils auch mit neuen Ölbäumen.

Wir beide rasten (1000x750)

Die Glöckchen der Ziegen bimmeln, sie stürzen sich wie Gemsen die Felsen hinunter auf der Suche nach frischen Gräslein, die nur eine Ziege findet in der trockenen Wüste hier… Nach 3 Stunden Aufstieg wenden wir uns zurück und alles sieht wieder ganz neu aus aus der „umgedrehten“ Perspektive. Ein wunderbarer Ausflug… Im Tal unten beschließen wir, noch einen Tag zu bleiben. Weil es so schön ist…. Sommer. Schlafen mit offnem Luk, Gh sogar an Deck unterm Sternenhimmel. Vollmondschein. Herz, was willst du mehr. Morgen schreibt Gh den Vertrag fürs neue Teakdeck. Eine Sorge weniger.

Im Frühtau zu Berge… (Gerhard)

Es liegt Tau auf der EOS und ich rudere mit dem Schlauchboot an Land um auf einem der Hügel die Gegend von oben zu sehen. Vielleicht 300 oder 400 Höhenmeter liegen vor mir. „Mein“ Berg scheint nicht steil zu sein, wohl bewachsen mit niederem Gras und von vielen Felsen durchsetzt, in der Karte ohne Namen.

Ich laufe durch Bozburun, nur wenige Leute sind unterwegs aber von überall her gackert es. Kleine Hühner auf langen Beinen picken vom Boden. Bergwege gibt’s hier nicht, so verlasse ich die Strasse und laufe querfeldein dem Gipfel zu. Die grünen Büsche erweisen sich als hartes Gesträuch und die Grasflächen stellen sich als stacheliges Gestrüpp heraus. Auf dem rauen Fels haben die Schuhe prächtigen Halt. So komme ich immer höher, den harten Büschen und dem stacheligen Sträuchern ausweichend, so gut es geht. Der Blick weitet sich immer mehr. Ich erreiche den Grat und unerwartet fällt die andere Bergseite fast senkrecht bis ins Meer abwärts. Klettern ist das jetzt noch nicht, ich muss nur beide Hände benutzen, denn der Grat wird steiler. Ein angenehmer Wind kühlt. Oben blicke ich in die Runde.

Die Bucht von Bospurun (1000x750)

Buchten, Inseln, das Dorf, ringsum trockene Berge und unter mir eine wilde, felsgerahmte Bucht mit einem kleinen Bootshafen.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Schön, hier zu sitzen. Der Wind schmeichelt der Haut, kein Laut, kein Tierchen. Irgendwie ausgestorben. Nur scheinbar, denn Losung und braune Erde auf den Steinen lassen die Anwesenheit von Ziegen vermuten. Menschen kommen wohl ganz selten hoch, nicht die kleinste Müllspur. Abwärts geht’s leichter als rauf. Vorsichtig steige ich von Fels zu Fels. Weiter unten steht noch Stachelbusch- Gürtel im Weg, dann bin ich unten beim kleinen Fischerhafen. Noch die Strasse zurück und ich bin wieder im Ort bei den Yachten und unserem Schlauchboot.

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Samos-Bozburun 3.Okt – 10.Okt: Rückblick v.GERDI

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3.Okt. Sarpendare East creek (Gerdi)

Am deutschen Nationalfeiertag wenden wir uns nach Süden! Erstmals unter 4 Windstärken (was sich amMeer anfühlt wie Windwarnungsstufe am Bodensee!!). Wir sehnen uns nach jenen stillen blauen Ankerbuchten der türk.Halbinseln, in denen wir Ende Okt. 2012+2013 mit dem Gulet waren! Uuuurlaub! Viel Dünung den ganzen Tag, erst ab 15 Uhr nachlassend. Wunderschön taucht aus dem bläulichen Dunst die griechische Insel SAMOS auf. Als wir uns nähern, erkennen wir das am Kamm weiß leuchtende Bergkloster, zu dem Erika mit Papa 2010 am frühen Morgen hochwanderte.  Wir biegen ein in die kobaltblaue schmale Meeresstraße zwischen Samos und der Türkei. Hohe Gipfel! Seit langem mal einige Segler mit uns! Die erste kleine Kirche nach Wochen. Dann suchen wir uns eine Bucht für die Nacht. San Nikola bietet Wellen und fauchenden Wind. Wir versuchen es in der Nachbarbucht…Auch hier gepeitschte Wellen, Windböen… kein Bad im Meer…Durch die Engstelle aber funkeln die Lichter der griech.Hafenstadt Pythagorea…Heller Mond.

4.Okt.: Ich sende Erika zum 26.Gebtg eine MMS mit einer fotografierten Super-Torte…Von 9 bis 15.30 segeln wir 30 Seemeilen (fast 50 km) teils mit Motor. Die Halse- u.Reffmanöver gelingen. Müde von der Dünung legen wir an in der Didim-Marina Turgutreis. Es ist BAYRAM-Fest, viele Türken sind in gr. Gruppen in den Restaurants. Wir finden eine empfohlene Taverne, in der wir den Fisch selber auswählen können, teilen uns eine Dorade v.Grill, als Starter genießen wir Octopussalat und marinierte Auberginen. Lecker.

5.Okt. Weiter nach Süden, Richtung Datca-Halbinsel, vorbei an KOS

Vorbei an der langen griechischen Insel Kos steuern wir das Kap der alten Griechen an: KNIDOS, Tempel des Altertums. Stolz grüßt der weiße hohe Leuchtturm auf dem steilen Felsengipfel.

vertikale Felswand,75m,davor 75m tiefes Meer

Es düst im Hafen, Fallwinde- ich will weiter. Senkrechte Felsen ragen 100 m aus dem 75 m tiefen royalblauen Meer…Bizarr! Hinter einem langen Felsenrücken, der aussieht wie ein schlafender Saurier ankern wir nach 32 sm in der breiten Bucht von Palamut. Baden. 24° imMeer… Vollmond versilbert das Meer…

Am Morgen erwache ich im pinkrosa Morgenschein, rot geht die Sonne auf, perlmuttfarben schimmert das Meer… Sanft schaukelt die EOS auf den Wellen…die ersten edlen Gulets laufen aus, um gegen 8 in einer neuen Bucht das Frühstück zu kredenzen…

Dienstag, 7.Okt: Im Paradies! BOZBURUN (3 Tage lang)

Und dann landen wir im Paradies. Der scharfe Wind blieb hinter CESME und Samos. Viele weiße Segel um uns, die Crews in Bikini u. Badehose, Sonnensegel und Biminis schützen vor der sommerlichen Hitze…. Sanfte Dünung, Wonnesegeln. 30 Seemeilen segeln wir und können unser Glück kaum fassen. 35° in der Kajüte. Kaffee im Cockpit. Türkis leuchtet das Meer. Wir segeln auf die kegelförmige griechische Insel Simi zu, nur 3 m Wassertiefe sind in der Engstelle zwischen den 2 Ufern. Ich setze die blauweiße griechische Gastflagge unter der Saling und spiele auf der Flöte die griechische Nationalhymne.

Da kann man durchsegeln...! BLAU - 3m tief

Und dann rum ums Kap von BOZBURUN, das wir schon kennen. Englische, schwedische, norwegische, deutsche, holländische, französische, schweizerische Fahnen…

Wir ankern und genießen die himmlische Ruhe. Gerhard trifft einen Teakschreiner, erfährt, daß man hier in einer kleinen Werft auch Teakdecks anfertigt.

Naid-der türk.Teakdeck-Meister (1500x1125)

Auf geht’s, wir fahren hin und der Meister Nain kommt an Bord. Man verhandelt, man findet sich sympathisch. Das sieht gut aus. Wir sind so erleichtert, daß wir in der Bucht bleiben. Eine Laundry-Madam wäscht meine 60°-Wäsche, herrlich. Ich bewundere die königsblauen Porzellankacheln mit den bezaubernden Ornamenten, die kunstvolen Faillance-Muster…an den Säulen vor der Moschee, an dem kleinen Waschtempel davor. Noch liegen einige rosa Engländerinnen auf den Liegen am Meeresufer, vor den Appartements, Katzen streichen mir um die Beine, es riecht nach Lammfleisch am Grill und nach frisch gebackenem Fladenbrot. Wir kehren im Schlauchboot zurück zur EOS und ich koche selbst was Feines, Ohne Starkwind, ohne Sorgen, noch ein gutes Buch und ein Glas Rotwein, eine Scheibe süßes Halva (Sesampaste mit Zucker verkocht). Gerhard knabbert die türkischen in der Schale gesalzenen Erdnüsse und getrocknete Aprikosen. Ach, wie schön ist so ein Herbsturlaub mit Sommer auf der Haut und Meersalz in den Haaren… Wir sind sehr dankbar, und wenn der Muezzin grad nicht aus dem Lautsprecher zum Gebet ruft, flöte ich „Wem Gott will rechte Gunst erweisen den schickt er in die weite Welt“ und „Wer nur den lieben Gott läßt walten“. Wir danken von Herzen für Bewahrung und diese wunderbaren Tage…

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Zu Gast in der Heimat und Ein Tag in der Parallelwelt

In der Marina Turgutreis: Fällt Ihnen an den Bildern die türkische Gastflagge an diesen Schiffen auf? Müsste sie nicht am Heck wehen?

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Ist es möglich, dass so viele Gäste aus Amerika hier in der Türkei segeln? Die Heimathäfen Delaware, Rod Harbour, Willmington und die amerikanische Flagge am Heck lassen diesen Schluss zu. Das sehe ich bei der Hälfte der Jachten in türkischen Häfen. Dort wo die Gastflagge aufgezogen wird, flattert die türkische Nationale.

So beliebt sind türkische Gewässer bei den Amerikanern nun auch wieder nicht. Viel mehr steckt eine Optimierung der Bootssteuer dahinter. Das Boot „gehört“ auf dem Papier einer Strohfirma in Wilmington, Rod Harbour oder sonst einer Firma oder Person in einem dieser fernen Länder. Der erhält dafür eine Aufwandsentschädigung (ist ja nur eine Papier- Arbeit), der ferne Staat geht auch nicht ganz leer aus und der Bootsbesitzer braucht im Heimatland Türkei keine Steuern zu entrichten. Warum nicht so handeln, die Berufsseefahrt macht’s ja genauso? Der türkische Eigner braucht also ein Transitlog wie wir mit unserer EOS auch, verlängert das durch einen Stempel beim Zoll jährlich und muss allerdings alle 5 Jahre einmal das Land verlassen. Nur die 10 Seemeilen rüber auf eine griechische Insel, dort einklarieren, wieder ausklarieren und sich bei der Rückkehr ins Heimatland ein neues Transitlog für die nächsten 5 Jahre beschaffen. So einfach spart der sparsame türkische Bootsfreund Steuern.

Uns fällt das in den großen Marinas auf. Wir mit unserer 10 Meter langen EOS ordnen uns jetzt in der absoluten Kleinstklasse ein. Neben den ganz großen Megajachten fährt der „Normaleigner“ eine weiße Kunststoffjacht von 12 bis 17 Meter Länge oder einen entsprechenden Katamaran. Bugstrahlruder, Plotter, AiS, Funk, Warmwasser, Duschen usw. Gelegentlich treffen wir Segler unserer Art, aber selten.

Wir melden uns beim Anlaufen einer Marina über Funk an, ein „Mooring- Asistend“ nimmt uns mit seinem Schlauchboot in Empfang, geleitet uns zum Liegeplatz und buxiert uns in die Parklücke, befestigt die Mooringleine und ein zweiter „Asistend“ übernimmt die Leinen am Steg. Bei der Anmeldung erhalten wir einen Transponder mit dem wir den Zugang zu Strom und Wasser öffnen können. Alles außerordentlich professionell. Der Sanitärbereich klinisch sauber, großzügig, alles funktioniert. Kein Fetzelchen Papier am Boden, kein Schmutz, Mülltrennung.

Um den Hafen hat sich ein Gürtel von edlen Restaurants, Cafés und Boutiken angesiedelt. Man kann Schiffe und Ferienhäuser kaufen. Nachts erstrahlen Gebäude in bunten, wechselnden Farben. Dahinter beginnt das normale Leben. Geschäften, landestypische Restaurants, Kioske, die Moschee, wie man sich eben einen Ort in der Türkei vorstellt.

Umsonst bekommt man diesen Luxus nicht. Er ist teuer: 30 bis 50 € kostet der Bootsplatz für eine Nacht. Unsere Welt ist das nicht und wir meiden diese feinen Orte, aber gelegentlich sehnen wir uns doch nach einer warmen Dusche und einer ruhigen Nacht. Auf der Donau und im Schwarzen Meer haben wir das Gegenteil von Luxus kennen gelernt. Über diese Schere macht man sich schon seine Gedanken.