8. Ruhige Tage bei Butrinti

Das hellgrüne Wasser fällt bei der Einfahrt in die Lagune sofort auf. Nicht mehr das Blau des Meeres. Nur zwei kleine Stangen markieren die Einfahrt. Man muss sie aus südwestlicher Richtung vorsichtig anfahren und sich dann scharf nach rechts wenden. Auf der linken Seite glotzen die beiden Schießscharten Enver Hodxas Einmannbunker an (das Wasser hat sie mittlerweile unterspült) und gegenüber erinnert das Fort der Sultans an den Einfall Napoleons.
Wir fahren noch etwas in der Lagune weiter und ankern in diesem stillen Wasser. Die Gegend vor dem Butrinti-See liegt abseits der Seglerrouten. Wir tun heute nichts mehr außer uns wohl fühlen.

EOS hinterm Sultanspalast (800x533)
Am nächsten Tag: mit unsrem Schlauchboot MICRO EOS besuchen wir das Fort und bekommen von den hohen Mauern einen Überblick. Wasser, flaches Schwemmland, die Örtchen Xari und Mursi auf Hügeln etwas abseits. Dahinter die noch grünen Berge und auf der anderen Seite die Gebirge Korfus. Dann trägt uns MICRO EOS zu den Bunkern auf der anderen Seite.

Der Hirte und seine Herde (800x533)

Ein schüchterner Hirte mit seinen Schafen grüßt durch kurzes Heben der Hand. Zwei Frauen vertreiben sich die Zeit, während die Männer in Taucheranzügen gegenüber Muscheln vom flachen Boden abkratzen. Wohl arme Leute, die Zeit hat sie nicht bevorzugt. Aber sie lachen fröhlich, singen die albanische Hymne mit Gerdi und genießen den Sonntag.

Das Schicksalsgesicht (800x743)

Frühlingswiese (800x533)

Noch blüht es am Wegesrand in allen Farben. Ein paar Wochen später wandelt sich der Boden in ein dürres Braun. Am Nachmittag verlegen wir EOS näher zu den Weltkulturerbe-Ruinen um im Restaurant Mails und Blogs zu erledigen und um etwas Brot zu bitten. Viele Busse bringen Gäste hin und fort. Die alte, quadratische Seilfähre auf 6 rostigen Pontons versieht ihren Dienst immer noch. Dann verlegen wir EOS zurück zum Fort. Die ersten Lichter auf Korfu leuchten, der Vollmond steigt rot über den Bergkamm während Jupiter als heller Punkt schon hoch am Himmel steht. Wir erwarten eine ruhige Nacht.

Hier alle Bilder: Klick

7 Ksamil, Flucht und ein wunderbarer Ankerplatz

Gut versorgt verlassen wir Sarande in Richtung Süden bis zu den beiden Inselchen hinter denen sich das Örtchen Ksamil noch verbirgt. Es regnet beim ankern auf gutem Sandgrund zwischen den Inselchen und dem Ort. Der Nachmittag liegt noch vor uns und so widmen wir uns via Internet Mails und Blogs. Solange bis unser Hotspot unerwartet den Dienst versagt und uns eine griechisch verfasste Sms mit rotem Ausrufezeichen erreicht. Kontoguthaben aufgebraucht? Lesen, abends Reste essen, lesen, schlafen bei angenehmen sanften Schaukeln.

Anderntags regnet es Bindfäden und wir spüren keine Lust weiterzufahren. Lesen geht nicht lange. Die Stille und das Schaukeln lassen bald die Lieder zufallen. Gerdi übt griechische und französische Aussprache, ich entrümple den Ersatzteilkoffer.  Gerdi bietet eine gute Tomatensuppe zu Mittag an. Lesen, durch regenfeuchte Scheiben sehen was draußen los ist. So gut wie nichts, höchstens  entfernt ein paar Schiffe. Der Betonmischer rattert nicht mehr. Kamil, der seelenlose, regellos und bunt bebaute Ferienort liegt wie verlassen hinter dem Regenschleier. Aus der Entfernung gar nicht mal hässlich. Natürlich lässt sich niemand an den Badestränden blicken.

Nach wie vor fehlt (mir) das Internet. So kehren alte Zeiten zurück, als diese Verbindung noch unbekannt war. Gar nicht übel, diese lange Weile. Verbindung besteht nur zur EOS und dem wenigen, das man sieht. Jede Eile ist fern.

Abends brutzeln 2 Halsgrats auf dem Heckgrill und wir können sie noch mit Genuss essen während sich im Südwesten ferne Gewitter zeigen und der Wind von der sicheren Nordseite auf die unsicher Nordostseite dreht und kräftig zulegt. Die Gewitter rücken näher und erinnern uns an eine Sturmnacht vor dem Acheron. Wir legen auf der elektronischen Seekarte die Route nach Ag. Nikolaos an. Es sind nur 3 sm. Ganz legal ist das nicht, verlassen wir doch ein nicht EU-Land ohne Abmeldung. Aber Gerdis Kalenderspruch von heute lautet „ Wenn man sich an alle Regeln hält, verpasst man den ganzen Spaß“.  Mit GPS-Hilfe ist es einfach, auch in eine enge Bucht einzulaufen. Man folgt einfach der angelegten Route, muss nur vor lauter Blick auf GPS und Tiefenmesser aufpassen, um nicht einen schwach beleuchteten Ankerlieger zu rammen.

Nachtfahrt - Kopie (800x533)

 

Mittlerweile ist es stockdunkel. Anker ab und fertig. Dann hat uns die Gewitterfront auch schon erreicht. Es prasselt und EOS neigt sich im Wind. Am alten Platz wär’s jetzt äußerst ungemütlich.

Im Regen - Kopie (800x533) - Kopie

Nach ein paar Stunden beruhigt sich das Wetter wieder.

Anderntags wieder, nicht ganz legal zurück nach Albanien. Am Berghang dreht sich das Radarauge. Ziel ist der Vivar Kanal, der den Butrinti See mit dem Meer verbindet Die Leute sagen, die Einfahrt sei zu flach. Eine Zeichnung bietet aber 2,3m Wassertiefe an. Mit großer Vorsicht nähern wir uns und stellen fest, der Fluss ist auf der Barre mindestens 3m tief. Vorbei, ganz langsam am Verfallenen Palast des Sultans und einiger Einmann- Bunkern aus üblen Zeiten und dann ankern wir inmitten einer wunderbaren, stillen, von Bergen umgebenen Flusswelt. Einer DER schönen Plätze, wo man nur schweigen kann.

Hier alle Bilder: KLICK

6. Mein Geburtstag auf See, Butrinti-Albanien

Gerdi schreibt, in Albanien

19.-21. Mai


Ein ganzer Tag Regen, kühle 15°C. Wir sind von Sarande über die große Bucht gesegelt und vor einem neu erstehenden Hotelstrand vor Anker gegangen. An dem verregneten Tag schreiben wir Blog und Emails- und leeren unbewußt unser Internetguthaben vom Cosmote-frog! Als am 20. eine Regenpause entsteht, würze ich eilends die 2 Steaks und Gerhard wirft den Grill am Heck an: gut, die Kohlen blieben trocken:-) Teils unterm Regenschirm gelingt das Grillen, ich dünste flugs im Wok Aubergine, Spitzpaprika und Tomaten, mit Wein und Zitrone und ganz frischem Origano.

In der Nacht vor meinem Geburtstag aber blitzt es heftig, der Wind brist auf, die Wellen schlagen an den Schiffsrumpf. Um 20 Uhr ziehen wir in geübter Bordroutine binnen 5 Minuten Ölzeug, Gummistiefel und Südwester an und los geht’s: mit Motor zum uns schon bekannten geschützteren Ankerplatz vor Ayos Stefanos(GR) Noch 2x die blauweiße griechische Gastflagge hissen. Es weht und schaukelt. 3 Boote im Regen… Leere Tavernen.

Gerdis Gebtg  (2)
Am Morgen hab ich Geburtstag und Gerhard malte mir einen Blumenstrauß. Er paddelte an Land und holte frisches Brot! Der Kalenderspruch von Ktherine Hepburn ist einfach schön, den kleben wir in den Salon. Ich bat Gh., mal ein paar Fotos von mir zu machen:

Am Mittag motoren wir vorsichtig in den Zugang nach Butrinti… 2011 mit dem Bus, heute auf eignem Kiel!

Gerdis Gebtg (2)
Einsam schaukelt die EOS vor Anker in der Strömung

 

Die EOS vor Anker in der Strömung, hinten ist die archäolog. Stätte Butrinti

Herzlich gratulieren wir dir zu deinem Geburtstag,
an dem du glücklich und bester Laune sein sollst!
Bleib gesund und munter, neugierig, aber auch vorsichtig. I+H

 Losung aus Psalm  84,12: 

Gott der Herr ist Sonne und Schild.
Wir wünschen Dir, dass Du diese Erfahrung, 
wie der Psalmist erfahren darfst 
und wünschen Dir alles Gute 
für das neue Lebensjahr.W+H

5. Albanien, wir kommen! Sarande wächst modern

Nach einer wunderbaren ersten Nacht vor Anker vor Ayos Stefanos/Küste Korfu- kühl bei 16°C – segeln wir nach gemütlichem Frühstück um 10 früh los und peilen Sarande, die schöne sonnen-beleuchtete große Küstenstadt in Albanien an. Bald müssen wir aufkreuzen, die Autohelm-Selbststeuerung wird getestet. Die GPS-Seekarte zeigt uns die Staatsgrenze: Flaggenwechsel, die griechische runter, die Albanienfahne und die gelbe Einklarierungsflagge hoch.

Sarande zeigt sich mit moderner Skyline, viele neue Hotels und 10stöckige Wohnblocks!

Sarande  Albanien 1 (3)Sarande  Albanien 1 (5)

Im Gegensatz zu 2011 Ende Juni sind wir nicht allein, auch 4 andere Segler- unter englischer, holländischer und australischer Flagge- steuern Sarande an! Ein ganz neues Amtsgebäude ist im Bau, der umgebaute Kai ist irgendwie „tiefer gelegt“ worden und blitzende Edelstahlringe laden ein zum Festmachen. Ich lasse erstmals den Anker fallen, stoppe ab mit der elektrischen Winde, lasse weitere Meter laufen, Gerhard bittet unsre Old Lady rückwärts zu fahren bis an die Kaimauer… Es klappt, mühsam. Helfende Hände an Land, eine fesche Zollbeamtin erbittet auf gutem Englisch unsere Schiffspapiere und Pässe, „half an hour, ok?“ Ich singe majestätisch die albanische Nationalhymne, die Dame staunt!

Sarande (5)

Port of Sarande, security level 1“ und „corruption stop“ – das steht auf den Schildern, 2 Zollbeamtinnen in Uniform wachen über uns.

Sarande (6)
Korfu… so nah…

Zwischen Neubauten auch unfertige Bauruinen, kleine Gärtlein, winzige Häuslein, liebevoll von Gartengemüse und Blumen umgeben.

Sarande (9)Sarande (8)

Sarande (10)
Mein erster roter Mohn 2016
Sarande (7)
Aha, der Lieferwagen war mal ein Bayer, aus dem Ammergau

Von 13 bis 18 Uhr machen wir einen ausgedehnten Spaziergang, rasten in einem der vielen Cafés an der langen Promenade, trinken einen Frappé, erkennen einen Lieferwagen der Schaukäserei Ammergau ;-), finden einen deutsch anmutenden Metzger, einen Bio-Käseladen. In der Markthalle werden die letzten heimischen Früchte und frisch geerntete Gemüse angeboten, draußen am Straßenrand die berühmten Butrinti-See-Muscheln, abgefüllt in leere Wasserflaschen, wie vor 5 Jahren. Die Stadt wird hoch auf die Hügel witer gebaut, fast wie Mallorca und die spanischen Küstenorte, viele Hochhäuser, aber auch viele Ruinen, mitten im Bau gestoppt, gigantische 10-stöckige Neubauten in hellblau oder ziegelrosa wuchsen wie Pilze aus dem Hang hinter dem Meeresstrand. Hotels, Apartmenthäuser zum Verkauf… Es gibt aber auch noch einige der ganz primitiv gebauten Mietblocks, an denen die Wasserleitungen, Stromkabel und Antennen gebündelt an Balkons hoch gebunden sind. Supermärkte, Getränkekiosks, Bäcker- und primitive Waschplätze für die ewig staubigen Autos. Übrigens nicht mehr zu 90% Mercedes! Es fahren auch viele Kleinwägen rum, Hyundai, Opel, VW-Golf,… Wir laufen bis ans „Ende“ wo der alte Pescatore-Fischerhafen, wo die Müllcontainer stinken und die Katzen mager herum streifen, wo die Fischerboote von Hand kalfatert werden und viel Wäsche auf den klapprigen Balkons flattert… Unter zusammengeflickten Wellblechdächern auf knapp 2m hohen 1-Zimmer-Wohnungen gibt es wohl viele kleine Kinder… Vor den ganz kleinen Häuschen wird Gemüse angebaut, Löwenmäulchen und Mohnblumen, Rosen und gelbe Kapuzinerblüten zieren Haus und Hof. Die inzwischen gerichteten Straßen wurden mit Bäumen bepflanzt am Rande, das wird nach Fertigstellung eine schöne Wohngegend sein. In Baulücken tief drunten wohnen aber auch Leute, zwischen leer in den Himmel ragenden Betontreppen hat einer 6 Waschmaschinen im Freien stehen, die Puppe liegt in der Mikrowelle… Grotesk. Aber Lolita stellt uns stolz ihre 2 Kinder vor und sie grüßen uns mit höflichem Handschlag.

Ein Eis krönt den Wandernachmittag, dabei erfahren wir, daß Albanien keine griechische Ortszeit hat, also OEZ, sondern wie in Deutschland oder Italien „nur“ die MEZ, also müssen wir unsere Uhren um 1 Stunde zurückstellen und hungrig warten, bis es 19 Uhr ist.

Dan laufen wir hoch zu Fredi’s TAVERNE. Natürlich essen wir nach der Fischsuppe die frischen kleinen Muscheln aus dem Butrinti-See, trinken das erste Birra Tirana. Die englische Crew freut sich über ein Tor der Liverpooler Fußballer gegen Sevilla. Ein bürgerlicher Abend geht sanft zur Neige, unser erster in Albanien. Morgen noch Brot und Obst kaufen, dann peilen wir eine Ankerbucht an. Gekocht ist schon;-): der Rest vom Pot-au-feu mit Rindfleisch ist noch im Kühlschrank. Müde sind wir, die 23 Uhr auf der Uhr sind in uns noch auf griechische Zeit eingestellte Körper ja Mitternacht beim Blog-Schreiben und Fotos laden. Gute Nacht. Miro pacim.

Hier Gerhards Bilder und Bericht: Klick

(auf das kleine Wort klick clicken :-)-Die Fotos sind sehr eindrucksvoll-:-)

Also unbedingt anclicken. Wenn man auf die einzelnen Fotos surft, kann man die Bildertitel lesen. Wer geschickt ist, kann auch die Diashow finden…. dann laufen sie nacheinander ab…

 

Abendlicht

 

4. Corfu adieu: Gerhards Bilder/flickr

Fahrt ins Wasser
Pause nach der Arbeit am Schiff
  • Um das Album zu sehen, erst auf das große Bild clicken.
  • Unter Gerhards Titel kommt sein Text. Wo das Wort „mehr“ steht, drauf clicken, um den Aufsatz weiter zu lesen
  • Um die Bildunterschriften zu sehen, wieder auf jedes einzelne Foto wandern mit dem Cursor.
  • Viel Glück! Wer’s 1x gelernt hat, kann es im folgenden Blog-Verlauf 🙂

3. Die EOS segelt – erste Ankerbucht: nach Korfu: Ayos Stefanos

Am 16.Mai, unserem letzten Abend auf Pfählen, noch ein Stadtgang, viele Fachgeschäfte haben in Griechenland am Montag zu. Im Supermarkt kann Gerhard die  griechische Simcard aufladen, ein Glas frisch gepresster Orangensaft. Eine Trachtengruppe tanzt in Folklorekleidern einen griechischen Volkstanz!

Einkaufen. Am Abend das Abschiedsessen in der Fischtaverne: Octopussalat, eine rosa Paste auf geröstetem Weißbrot, eine Art kleiner Thunfisch  in scharfer Paprikasoße, Spinat, frisch gefangener rot gepunkteter Kalamari fritiert, ein Bier, ein Espresso. Griechenland ade, Jassu Hellas!

Dienstag, 17.Mai: Corfu Shipyard. 8 Tage lang unser „Zuhause“ zwischen zahllosen andren Schiffen! Ganz schnell noch eine 30-min-Wäsche in der Waschmaschine, früh um 7, die Polierlappen, die Putzlappen, die Frottées… Draußen am Cruiser-Quai drängen sich bald 5 Mammutschiffe, es mögen wohl 12000 Touristen über die Stadt herfallen!!

Um 11 ruckelt es heftig, die Zugmaschine kommt angerattert und schon fallen die Holzpfähle zu Boden und der Kiel steht auf dem Schlepper. Lefteris kurbelt, der 2. Albaner klemmt den Schiffsrumpf in den alten Slipwagen( Traktor und Slipgerät haben sicher schon 1987 unsere gute alte Marion hochgezogen… dann läßt Lefteris die Seilwinde locker und das Heck rutscht sanft ins Meer- endlich schwimmt unser Schiff wieder ;-). Noch die Fixierleinen lösen, die beiden klettern rüber auf das Brett und winken fröhlich: Miro Pacim! Falimendérit (fürs Trinkgeld), Auf Wiedersehen! Gute Reise!…- und dann schwenke ich die deutsche Fahne und stecke sie am Heck ein. Der Törn beginnt!! Der Motor sprang brav an, das Bord-WC pumpt Seewasser zur Spülung (nach 7 Tg. Leiterklettern und alle auf 1 Arbeiterclo…:-[)

Gerhard gibt mir den Kurs, wir setzen beide Segel und die EOS hebt und senkt sich sanft auf den Meereswellen in Richtung Albanien. Sarande leuchtet im Sonnenlicht unter hoch aufgetürmten weißen Cumuluswolken über den Bergkämmen, die uns seit 33 Jahren so vertraut sind! Gegen 1 frischt der Wind auf, weiße Schaumkronen auf blauer See. Wir kreuzen auf, mal Hotelküste, mal unbebaute grüne Hänge. Um 15 Uhr laufen wir bei böiger Brise in die Bucht vor Ayos Stefanos ein und ankern vor Fels und Strand. Ein zum Touristen- und Tavernenort mutiertes kleines Fischerdorf. Bald ankern wir zu viert, Engländer, Franzosen, wir… Ich spüle meine verschimmelte Kunststoff-Flöte gründlich und blase die Hymnen, auch die schöne albanische!

Gegen 17 Uhr beginne ich zu kochen: Krautsalat, Rindfleisch mit Zwiebeln, Lauch, Karotten, Kartoffeln, Petersilie, vielen Gewürzen! Erst nach 45 Minuten im „Schnell“Kochtopf ist das Kuhfleisch zart genug… Es schmeckt lecker! Um 21 Uhr wird es dunkel, die kleine Eule ruft ihren monotonen Schrei: ü…ü..ü

Leise schaukelt die EOS, v.a. die großen Kreuzfahrtschiffe senden hohe Wellen in die verträumte Bucht… Wir müssen vorsichtig sein beim 1. großen Abspülen! Um 21 Uhr wird es dunkel. Ein silberner Halbmond glänzt zwischen ersten Sternen am Firmament. Ja, nun dürft ihr Blog-Leser uns beneiden! Ich hol meine Bloickflöte und denke an euch, wenn ich „Kein schöner Land in dieser Zeit“ flöte. Und danach griechische Hirtenlieder:

Prowatàkia stin playà- wenn die Schafe am Strand…

Leider haben wir noch keine Botschaft von Gjergji aus Albanien. Bald klarieren wir dort ein.

EOS an Land, 7.Tag Shipyard

Corfu boatyard +Sarande (6)Corfu boatyard (4)mit Rah-Segler am KaiKorfu shipyard, Pfingst-Wochenende 14.+15.Mai 2016

Ganz ruhig ist es auf der EOS, ein guter Platz hier direkt am Ufer, freier Blick zur Hotel-Küste Korfus und bis nach Albanien. Sarande in er Sonne. Die ersten Charteryachten ziehen ihre Bahn von der edlen Komfort-Marina Gouvia Richtung Sivota, weiße Segel, erste Gischtkämme auf blauem Meer. Wir genießen das Inselgefühl, müssen aber über 3 Meter auf der Leiter hoch klettern und über die Reling grätschen, um „heim“ zu kommen oder immer zum Clo oder zur Dusche (1!) zu laufen zwischen den vielen Pfählen der aufgebäumten Schiffe. Wasser füllen wir mit dem Schlauch in unsren Bordtank, Strom liefert unsere Solarzelle.

Corfu boatyard (1)Zw. Pfählen auf die Leiter
Über Pfähle zur 4m-Leiter

Corfu boatyard (8)Antifouling gestrichenBilgeputz nach Wasser im Schiff (3)Bilgeputz nach 15 cm Wasser im Schiff (2)Bilgeputz nach Wasser im Schiff (1)

 

 

 

Corfu boatyard (5)
Die Eos reckt ihr Heck übers Meer

 

 

 

Allmählich „finden“ wir mit gegenseitiger Erinnerungshilfe wieder, was wir grad suchen. Die Bord-Routine stellt sich ein. Aber es ist witzig:-): „Weißt du, wo die Kehrschaufel ist?“ „Du, ich bräuchte ne neue Zahnpasta-wo?!“ „Haben wir noch einen Rest Ouzo vom Herbst? -Ja.- In der Bilge oder im Barfach?““Ah, guck, da ist ja der Sonnenhut! Er war überm Kiel unter den Bodenbrettern;-)!““Das griechische Wörterbuch? Das mit den Zeige-Bildern zum Einkaufen… wo?“ Wie heißt „Auf Wiedersehn“ auf Albanisch? Ah, da ist der kleine gelbe Merkzettel: miro pacim, Lefteris! „Der Messerschärfer? Im Essig-Öl-Ständer neben dem Balsamico…“Korfu Bummel im Hafendorf, 1. Frappée14 (2)Korfu Bummel im Hafendorf, unser Laden Dimitra

Gleich nach dem Frühstück laufen wir am Hafen vorbei in die alte Vor-Stadt. Einkaufen beim Tante-Emma-Laden, dem „Dimitra“, in dem das Fußvolk kauft und alles, alles in Plastikbeuteln gewogen und verpackt wird!!! Es gibt köstliche pflaumen-kleine Nektarinen,reife süße Birnen, winzige 4cm-Zitronen, Tomaten, Spitzpaprika und erdbraune Kartoffeln aus Larissa/ Nord-Griechenland, leckere kleine rote Zwiebeln, Feta, die typische grobe 4cm-Salami mit den ganzen Pfefferkörnern, Autan, und auffällig neu: Sonnenschutz mit UVF 50!

Wir rasten für einen Frappée auf kleinen Metallstühlen vor einer winzigen Kneipe-direkt an der kleinen Dorfstraße, hier machen auch die albanischen Werftarbeiter ihre Pause.Korfu Bummel im Hafendorf, 14 (4)

 

Katzen lungern herum, paaren sich 2m vor uns mitten auf der Straße … mehrmals, rotweißgrau-gefleckte Katze, rabenschwarzer Kater mit grünen Augen. Beim Weiterbummeln säumen viele Ruinen den Weg, innen zugewachsen von Feigenbäumen, lose hängende Fensterläden, verlassene Wohnungen, zugeklebte Schaufensterscheiben, verdörrte Blumenkästen. An verfallenden Naturstein-Treppen hängen an alten Bäumen nie geerntete gelbe duftende Zitronen, über die Zäune der bewohnten kleinen Häuslein aber ranken sich herrliche Blumen, orangene Kapuzinerblüten, Bougainvillea-Bögen, duftender Jasmin, pinkrote Zitronen-Geranien, gelbe Margeriten(?) und blaue Natternwurz.

Korfu Bummel im Hafendorf, Zitronen14 (1)Korfu,Stadthafen-Verfall-pittoresk

 

 

Zurück am Schiff streicht Gerhard das ganze Unterwasserschiff der EOS mit kupfer-rosa Spezialfarbe. Kiel, Ruder, Schraube sehen aus wie neu! Ich mache mich über die gelenzte Bilge her, in Bauchlage schrubbe ich die Wasserränder von den lackierten runden Wänden, fummle den Schlammrand aus der Flaschenkiste, Fach für Fach, bürste den noch nassen Mahagoni-Rost sauber und trage alles an Deck zum Trocknen.. Siehe Fotos vorher-nachher…

Am Abend schmeckt uns der Rest Spaghetti+Sauce Bogognese zu griechischem Salat wunderbar. Ein Glas Wein, Lesen, um 22.30 sind wir müde und freuen uns auf die Koje, noch schwankt und schaukelt unser Bett nicht…;-)- die EOS steht fest auf Holzpfählen.

„EOS an Land, 7.Tag Shipyard“ weiterlesen