40. Vom Kap Orlando bis Santa Agata

Von Milazzo segelten wir mit 3-4 Wind gemütlich die lange Zunge vor – Blick auf den Stromboli, auf die Vulkkaninseln vor Lipari… dann rundeten wirdas Kap Milazzo- ein Zauber, nun plötzlich auf der Rückseite dieser hübschen Stadt und hinter dem mächtigen Castell auf dem Hügel zu ankern. Vor uns ein endloser Kiesstrand… Anker ab, er hält. Die Aussicht ist phänomonal: Die Vulkanberge. Und der erste Sonnenuntergang im Meer.

Am Morgen gegen 9 Anker auf. Anfangs noch mäßiger Wind, dann aber plötzlich heftiger Seegang von achtern. Reffen. Dazu voll in die Wellen halten, abfallen. Wir beschließen,nicht bis Cefalo durch zu fahren, sondern versuchen es bei der Großbaustelle Hafen Kap Orlando… Hier entsteht ein riesiger neuer Hafen, wohl auch für die Touristen-Schiffe zu den Liparischen Inseln, guckt euch das mal im Google an: Porto Kap Orlando. Bei hohen Wellen wage ich das Einbiegen, gleich sieht man: keine Anlegemöglichkeiten, das ist eine Riesenbaustelle. Die Fräser beißen die alte Hafenmole in Stücke, die Bagger schaffen Unmengen Steine heran, ein gr. Baggerschiff häuft Füllmaterial an, 8 Arbeiter befüllen eine 8m hohe Spuntwand mit flüssigem Beton… Sehr eimsig alle! Ein Ingenieur kommt im Schlauchboot zu uns und bittet uns, wieder rauszufahren, aber vor dem Hafen dürfen wir ankern.

Morgen mehr. Gh. hat tolle Fotos geschossen.

Wir segelten heute nur 3 Std., geborgen sind wir im Hafen von Santa Agata, am ewig langen Strand gelegen, unter spitzen Hügeln, Kegeln und bebauten Kuppen.

IMG_1103
Kap Orlando
IMG_1104
Die Wellen von achtern…

IMG_1105IMG_1106

IMG_1107
Orlando
IMG_1108
Gib eine Beschriftung ein
IMG_1109
Santa Agata

Heute ist das Fußball-Spiel Italien:Deutschland…!!!!

38. Scilla & Charybdis verschonten uns

Gerdi am 28.Juni 2016

Palmi hinter Str.v (2)Palmi hinter Str.v (3)

Heute gilt’s!!! Heute fahren wir durch die Meerenge hinter Messina, ab 11 soll der Strom „für uns günstig“ sein, also nordwärts Richtung Thyrrennisches Meer. Noch ein Frühstück mit frischem Brot aus Sizilien, dann lösen wir die Leinen am schaukeligen Kai. Der Wind brist auf, wir verlassen kunstvoll den Hafen, werden fast auf die andren Segelboote gedrückt. Auf dem hintersten steht ein Papa, das winzige Baby in seinem Arm ist 6 Wochen alt, an Land hüpft das 2 jährige Brüderchen. Dann schwenke ich die Pinne Richtung Meerenge, Gehrard hat am GPS die genaue Fahrrinne links vom Verkehrstrennungsgebiet. Container-Riesen, ein MSC-Kreuzfahrt-Giga-Schiff, die Schnellboote der Ustica-Line, die 4 Schwertfischerboote mit ihren Spießen vorn am Bug, doppelt so lang wie die Bootslänge, der Mast mit Ausguckkorb für 4 Männer 15 m hoch. Exotisch. Die Schwertfische schlafen tagsüber knapp unter der Meeresoberfläche, eine leichte Beute, die Menschen sind heimtückische Jäger. nachts schwimmt der schöne Raubfisch 30 m unter Wasser…

Schwertfisch-Fischerei

Gleich vor uns die weißen Gischtkämme auf spitzen Höckern, total kabbelig im blauen Meer, aufgepasst, Pinne festhalten, der Gegendruck durch die Currente (Strömung wie Gezeiten) ist enorm. Die EOS prescht mit fast 6 Knoten, geschoben vom Gezeitenstrom, voran. Wir halten uns zum linken Ufer der Meerenge, vor mir der gewaltige hohe Mast der ehem. Stromleitung über den Sund, ich nenn die beiden Erzengel, sie stehen da wie Wächter. Dem Eiffelturm sind die beiden Pylonen nicht unähnlich.

Am Sandstrand der schmalen Nehrung am Kap vorne baden die Touristen. Als wir „um die Ecke“ sehen können, gischtet das Meer draußen- ha, wir fahren nach rechts! Brausemeer, du kannst mich mal!!! Gleich sind Fock und Groß, noch gerefft, hochgezogen- und dann braust die EOS, als wär sie glücklich den Strudeln entronnen, mit 5,6 sm/h nach Nordosten. An der kalabrischen Küste sieht man schon die Felsen vor Scilla. Im Heikell-Führer steht, daß ein schweres Erdbeben 1783 „altered the local typography „und das mäßigte wohl auch den gewaltigen Strudel. Auch Charybdis zieht heuzutage keine großen Schiffe mehr in die Tiefe. Die 6 Häupter der Scilla geiferten heute nicht und wir durften unbeschadet raus ins freie Meer segeln.

WONNE-SEGELN

Seit 38 Tagen erhoffte ich solch einen Tag auf See: blaues Meer, segelbarer Wind ohne Reffs, kein Ölzeug, aber Bikini und auch mal an Deck auf dem Kajütdach sitzen und fotografieren. Heute erst gelang das, was für ein Wunder. Ich danke Gott, Neptund und Poseidon dafür. Drei köstliche Stunden lang genießen wir dieses Urlaubsgefühl, unsere liebe EOS ohne Schläge der harten Wogen und ganz ohne Wassereinbruch übers kobaltblaue Meer zu segeln.

Wonnesegeln bis Palmi (8)Wonnesegeln bis Palmi (9)

aaah-mal-wir-2-im-bild-1024x683

Am Küstensaum leuchtet diese unbeschreibliche grünblau, das die Farbe der Eilat-Edelsteine hat, die Mutti aus Israel mitbrachte. Das kann man nicht fotografieren.

Wonnesegeln bis Palmi (1)

Wonnesegeln bis Palmi (6)
Die Autobahn benötigt bei den vielen steilen Tälern und Karen zahlreiche kühne Viadukte, mal aufgehängt,mal abgestützt…

Der Pylon der Meerenge zwischen Thyrrenischem und Jonischem Meer ist nur noch ein ferner Turm, auf zu neuen Ufern!

Die grüne Steilküste an Steuerbord erinnert an Irland! Wir steuern Palmi an, das wir von 2011 noch kennen. Leider erfahren wir gleich, daß der Biobauer und Azienda-Herr Trachini wohl nicht mehr zum köstlichen kalabrischen Abendessen einlädt. er ist nur noch Bauer, auch die Stege sind in neuem Besitz, heißen nach der Küste „Costa viola“. Ich geh zum 2. Mal in fast 40 Tagen im Meer schwimmen, auch wenn’s nur im Hafen von Palmi ist! Wun-der-bar.

Am Abendlaufen wir am Strand hinter massiven Schutzmauern zu den ersten Häusern, finden einen sehr ordentlich aufgeräumten Laden, können bissele einkaufen, auch köstliche chili-scharfe grüne Oliven mit viel Prezzomolo (Petersilie), eine Melinzane viola, diese kugelrunden pinkrot-violetten Aubergienen der Costa viola, Parmaschinken und „hot!“ Chili-Salami. Als wir gegen 21 Uhr an der wohl einzigen kleinen Pizzeria vorbeikommen, baumeln dort 20 bunte Luftballone: Tanti Auguri. Ein kleines sehr hübsch frisiertes Mädchen im rosa Tütü-Spitzenrock ist wohl die Hauptperson: sie hat ihren 7. Geburtstag und sieht aus wie 12 mit der tollen Hochfrisur mit Glitzerperlen und Silberkettchen. Sehr sehr selbstbewußt, die kleine bella Alessia. Mindestens 20 Kinder sind da und Tanten, Opa, Oma- eine wohl 50 Personen-Gästeschar, sie essen Pizza mit Pommes und Ketchup. Wir eine knusprige schlichte Vegetariana und eine deftige Diabolo. Zurück im Seglerhafen noch duschen- dann zählen wir Sterne.

Hier Gerhards Flickr-Album mit den Bildern v. Geb.tag: Klick

https://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157669358178600k

37. Messina

Gerdi am 27.Juni:

Aber: Seht euch die Bilder an, ich füge sie erst am 2. Juli ein, Internet am Anker ging nicht. Am Ende dieses Blog-Artikels.

Blauer Himmel, blaues Meer, weiße Schaumkronen. Der Hafenmeister wirft mir 2 frische Croissants zu, als ich um 9 die Vorleinen löse in Reggio Calabria. Ölhose, Lifebelt- und schon segeln wir die 8 sm in einem Haken weiter, erst die Küste hoch, gegen den Wind motoren, dann 90° zur bb-Seite abfallen, Fock und Großsegel mit halbem Wind segeln -quer über die Str. v. Messina, zwischen Containerschiffen, Fähren, Kreuzfahrtschiff und Schnellboot Ustica. Nach knapp 3 Stunden sind wir drüben und legen längsseits am Kai in Messina an. Schaukelig!!!60€ p.Nacht. 8 Fender und 5 Leinen sichern unsere schwimmende Wohnung gegen das wilde Auf- und Nieder. Nach dem allerletzten Ouzo und den 2 Croissants gehn wir einkaufen.

IMG_1016

Am Nachmittag brist es auf, die kabbeligen schnellen Wellen deuten auf schnellen Strom hin, der Current der Stretto della Messina…. Mich fegt es fast vom Ponton, denn die Wellen spülen voll drüber, als ich vom Duschen komme.

Beim Stadtbummel gefallen mir die schattigen Alleen, wie in Budapest und Belgrad bei unsrer Donau-Reise mit der EOS. Aber es gibt auch die in die Stadtmauer hineingebauten Notwohnungen… und übervolle Müllcontainer in Schmuddelecken. Heute aber ist Hochstimmung: Italien gewinnt das Europa-Spiel gegen Spanien 2:0. Vor dem Theater edel gekleidete Gäste…

Beim Stadtbummel gefallen mir v.a. die Alleen, wie die Champs Élyssées oder Unter den Linden…, wie Budapest und Belgrad, schattenspendende hohe Bäume, auch in den Wohnstraßen. Die Boutiquen extra-vagant, die Lokale immer leer vor 21 Uhr… Aber heute ist Hochspannung: Italien gegen Spanien, und dann hopt und schreit es überall: 2:0 siegt Italien beim Europa-Cup. Am Samstag geht’s gegen Deutschland.

IMG_1032

Als es dunkel wird, kehren wir ein im edlen Hafenrestaurant, fein, Slow Food. Ich wähle Spirelli+Pulpo-Ragout, Gerhard Schwertfisch-Röllchen. Das Bier kostet 8€ pro Tulpenglas, aber das haben wir dank LegaNavale-Rabatt schon gespart. Das Dessert ist exquisit für Auge und Gaumen: Cassata mit frisch gebackener Waffel und Sizilianische Limone-Käse-Torte, als Mäusle dekoriert:

 

 

IMG_1041
leckere knusprige Waffelblätter…

Morgen früh geht’s weiter, auf der Straße zw. Messina und Kalabrien. Wir sehen schon den Riesenmast, nachts blinkt er mit vielen roten Lichtern, wie ein Wäschter steht er an der Meerenge. Ab 11 setzt der mächtige Strom mit 5 kn oder schneller in unserer Richtung: nordwärts. Wir werden uns dem Strudel der Charybdis stellen und hoffen, auch an Scilla wohlbehalten vorbei zu segeln. Schon leuchten die nicht allzu fernen Lichter von Palmi, das hoch oben am Hügel liegt, drüben an der Gegenküste. Da waren wir schon 2011, im damals nagelneuen kl. Hafen der Taucherfamilie und Öko-Azienda Trachini! Wär schön, wenn wir nochmal so delikat dort oben im Olivenhain speisen könnten. Ob sie sich an die EOS erinnern??

ZumSchluß noch was Originelles: der Prospekt von Messina ist spiegelverkehrt gedruckt, auch die lateinische Zeile auf dem Wahrzeichen des Hafens:

Wer kann Lateinisch?

IMG_1042

 

Vos et ipsam civitatem benedicimus…-??? begnadete Bürger?

Hier Ghs Album + Text: Klick

Seht euch die Bilder an, ich füge sie erst am 2. Juli ein, Internet am Anker ging nicht.

34. Auf den Ätna… und Taormina/Castellmola

Gerdi schreibt…aber  Gerhards Fotos kommen am Ende dieses Artikels 😉– 23.6./24.6.

IMG_0956

IMG_0957IMG_0958

Auch heute winselt der Wind und die nicht gebändselten Fallen schlagen klirrend gegen den Mast an manchem der Nachbarboote… Es dürften schon 200 da liegen, auch mit norweg., schwed. und belg.Flagge dran. Die Eos kuschelt sich mal links und rechts an so kleine Geschwister wie sie selbst, 31-35 Fuß kurz.

Dieses nette Grafik-Bild von Rent-a-car soll auch die Leser zum Schmunzeln bringen. aber unser kleiner weißer Ford war etwas länger:-)

IMG_0960

Gestern haben wir  einen kleinen Ford 2-Türer gemietet und dann „mußte“ ich 120 km die italienische Fahrweise ertragen die einem fast den Glauben an die eigne Fahrkunst raubt. Überall steht das Schild: 50 oder 30 und dazu der Schutzmann als Bild, der mit Kamera-Überwachung Strafen androht. Überall steht an der rechten Fahrbahnseite das absolute Halt- und Parkverbot, dazu das Bild mit dem Abschleppwagen und dem Auto am Kranhaken. Und alles alles ist total zugeparkt, auch mal quer in die Lücke oder ganz schräg, wenn einer in die Enoteka will und Wein braucht oder nen Kumpel sieht und ihn umarmen muß, subito-sofort.

27855665086_d831240da3_z

Ich mußte mich durch engste Gassen eher wie eine Schlange durchzwängeln und wurde von hinten böse behupt, von vorne mit wilden Gestikulierungen für hoffnungslos unfähig erklärt, man deutete mit den Händen, daß es zu eng sei wo ich hin will, aber kein Ausweg bot sich an…Geschickt und damenhaft rücksichtsvoll wich ich allen Dränglern aus, gewährte Damen das Einfahren, ließ Stoßstangen ganz und beschimpfte keinen Macho, wenn ich rechts dem Parker auswich und leicht nach links steuerte, oft schoß ein Motorradfahrer oder Roller schneidig  aufheulend und fast auf Tuchfühlung am Seitenfenster meines Leihautos vorbei… Daß nichts passiert ist, grenzt an ein Wunder.

2016-06-23

27890625925_4fca4d77ff_c27855655946_331a042892_z27890656115_ca647e387f_z

27890641595_c0ee6ca300_z

Dann folgte ich meinem Guide Gerhard und den vielen braunen Verkehrsschildern: ETNA SUD. Und schließlich begann der Berganstieg zum Vulkan! Steil, viele Kurven. Teils nur im 1. und max. im 2. Gang. Wohl eine Stunde höchste Konzentration am Steuer, dann erreichten wir wohlbehalten die Touristen-Ebene auf 1950m Höhe mit den großen Bussen (Kreuzfahrer, Urlauber aus Sizilien, lokale Busse), der Parkplatz voll von vielen Leih-PKWs. Stände mit Honig, Vino dell’Etna, Bibite… Alles wird vermarktet, sogar das Clo kostet 80 c.. Wir kaufen 2 Tickets für die Funivia, eine Kabinenbahn mit kleinen Gondeln für je 6 Personen. 30€/Person. Die Gäste sind international, alle in festen Schuhen,langen Hosen, Pullover, am Ausstieg auf 1930 m Höhe verleiht man Anoraks. Als wir zu der winzig kleinen Rifugia Sapienca laufen über schwarze Lava und braune erstarrte Brocken, lese ich erstaunt, daß die Skilift-Sesselbahn 2009 von Doppelmayer, Joachims Firma, erstellt wurde. Schon 3x wurde sie samt Touristenstation, Straße und Gondelbahn völlig verwüstet durch die Lavaströme, zuletzt 2001 und ganz schlimm 2002.Binnen weniger Tage war alles zerstört.

Das Panorama bis zum Meer ist atemberaubend, der Blick zurück zum Etna geht hoch hinauf auf 3350 m. Nur erfahrene Fahrer dürfen die Mercedes-Benz-Unimog-Geländewagen bis zur noch erlaubten Kraterregion lenken.

Wir bewundern die Marienkäfer auf den federleichten Lavasteinchen, die Korbblütler in weiß und rosa, die kreisrunde Blüh-Inseln bilden, die pinkrosa Blüten der Steingartengewächse wie Steinbrech &Co. Am ganzen Lavahang blühen diese bis 1/2 Meter hohen zauberhaften Blüten. Ich bring sie unsrer EOS mit an Bord;-)

IMG_0962.JPG

Dann nimmt uns die Gondel wieder auf zur Talfahrt. Ein Espresso, ein Stückchen Birnenkuchen in einer Bar am Nebenkrater von Vulkano Silvestri… Dann heißt es wieder aufpassen, denn die Leitplanken, die vor dem gnadenlosen NICHTS retten an den engen Kurven, fehlen auch an manchen Stellen…

27890590805_57e566acde_z

Im Tal wenden wir uns nordwärts, um an die malerische Hügelstadt Castelmola zu gelangen. Mörderisch die super engen, steilsten Serpentinen, autobreit die Durchfahrt zwischen Planke und Autoparkern. 13% Steigung – und keine Serpentine macht Hoffnung auf ein Ende dieser Höllenfahrt zum Gipfel-Dorf. Kein einziger Parkplatz zu finden, also mutig umkehren und runter- puh!!! Ein geradezu „irre“ an den Hang gepresstes Hotel-Konglomerat schmiegt sich braun wie Fels um den natürlichen Hang.. Riesige rund um die Klippe gefügte *****Paläste, Appartements mit nur 2m breiten  Betonterrassen mit Kunstrasen – hoch über dem Meer. Unten eine fast runde Bucht hinter den pittoresken Felsen: „Isola Bella“!! Wie Capri! Aber die Badegäste müssen steilste Treppen vom Strand-Rund hochsteigen und dann wie wir an der stark befahrenen Straße entlanglaufen…  Wir wandern unter einer schweizerisch anmutenden Steingalerie (Straße im Fels) zurück zum Parkplatz. Hier kann man senkrecht hinab sehen auf die Ankerbucht. Einer unser Mitsegler (Rüdiger mit Seepferd III) kommt von Roccela Jonico grade mit geblähten Segeln rein, ein Katamaran hängt an einer Boje und hat einen gebrochnen Mast und das Großsegel hängt vom Stumpf an Stb. ins Meer… Oje. Zu spät gerefft…??

Wir sind froh, bald wieder normal-breite Fahrbahnhälften zur Verfügung zu haben. Drei Autobahnen werben um uns, Palermo, Siracusa, Messina. Ich fahre lieber die kleine Landstraße…Endlich fand sich eine Farmacia, die mir für meinen inzw. auf 8 cm Durchmesser geschwollenen halbzentimeter-hohen Insektenstich am Arm(und 2 ähnliche am Bein) eine Salbe mit 0,5% Cortison verkauft…

IMG_0955

Zurück in Riposta: Juhuu! …ein freier Parkplatz vor dem frischen Obst und Gemüse. Stopp!!! Ich kaufe rote Ciliegii (Kirschen), goldgelbe albicochi(Aprikosen), Nektarinen, karminrote Äpfel, violett-rosa 12 cm große längliche Zwiebeln, Zucchini, kleine längliche Tomaten…

IMG_0964

Daneben würde der frische Fisch locken(Ghs Fotos ansehen!!! Toll! Unten auf das Wort Klick clicken.), aber jetzt um 8 haben wir keine Lust auf Pfanne und Kochtopf. So suchen wir noch die Lavanderia, man bringt die Wäsche um 9 und bekommt sie fertig nachm. um 4 pomeriggio.

27890667575_5258778ef5_z

Ein ausgedehnter Spaziergang durch fast ausgestorbene Gassen, von orangenen Straßenlampen wenig erhellt, führt uns an geradezu barock verzierten alten Prachtbauten vorbei, wohl Villen aus reichen Zeiten von Handel und Wohlleben. Vergangen, 80% stehen leer, Gerhard fotografiert in ein offnes Fenster hinein, wunderschöner Stuck und reiche Deckenverzierungen- wie in Florenz in den Palästen der Medici…

In Hafennähe betreten wir ein Restaurant, fein gedeckt mit echtem Tuch. Sehr gut besucht ist die überdachte Terrasse direkt am Sandstrand. Gh. bekommt eine 30cm-Calcone, mir genügen Linguine alla Scampi-ich schaff nur die Hälfte. Dazu ein Vino bianco della Casa. Armomatisch wie ein Frankenwein! Dann bläst uns ein kalter Nordwind zum Boot zurück, eine köstlich Dusche (mit 20cm-Regen-Brausekopf wie in der Sauna in Meersburg)- es schwankt, draußen ist wieder Squillace-Seegang…

Wir bleiben noch 1 Tag, nicht nur um unsre Wäsche waschen zu lassen.(Hier liegen 100 dickste Winter-Zudecken, auch mit Schaffell:  frisch gereinigt in gr. Tüten zum Abholen. Die haben wohl keine Heizung im Winter in den Häusern?)

Auch die Aufnahme in die Lega Navale geht voran. Um 17 Uhr kommt ein Offizieller des edlen Clubs an Bord. Wir fragten in Englisch: Honest Mr. President… Heute half eine deutschsprechende Italienerin beim Vermitteln eines Vertragsgespräches samt Bargeldübergabe…. Als Dank schenken wir ihr natürlich ein „Regalo“: Lemoncello, den gelben Limonen-Likör.

Zitat aus der Email:

Gentile sig.Gerhard, abbiamo ricevuto il suo interesse per L’iscritione alla Lega Navale….Cordiali saluti, Antonio Messina, Tesoriere

Hier kommt Gerhards-Foto-Album: Klick

Unbedingt anschauen, schon der Fische wegen!

32. Letzte Stationen auf dem Festland.

Von Gerhard! 21. Juni 2016

Delphine!

Heute sende ich Gerhards Eindrücke und seine Fotos vom Flickr-Album. Unter seinem Titel auf „mehr“ klicken und lesen:-)

Nach einem prachtvollen Segeltag von Roccela Jonico bis fast an die italienische Fuß-Spitze wirft uns nun die Dünung in unruhigem Seegang hin und her…

Wir schaukeln gerade mächtig mit 70-90° Ausschlag ankernd vor einem langen Sandstrand. Er liegt vor dem letzten Kap, bevor wir hinein fahren in die Straße von Messina! Noch schüttelt uns die hohe Dünung des ganztägigen Scirocco aus Afrika durch. Unser südlichster Punkt der langen Reise. Dann geht’s nach Sizilien, wohl mit dem angekündigten Nordwind morgen, Ziel: Taormina. Da waren wir noch nie.

Hier das Album: Klick

28. Impressionen von Crotone

Crotone. Gerdi am 16. Juni, wir warten auf den Starkwind- vor Samstag kein Weiterkommen. Neben uns schaukelt das schöne der MARION so ähnliche Segelschiff, so schöne Linien, eine deutsche Rebell 34:

Scheinheilig das Meer. Zwei Ankerlieger wagen die Weiterfahrt, wenn sie das Kap runden, wird sie der Seegang begrüßen :-;

Am Mittwoch bummeln wir erneut los, diesmal in die andre Richtung. Einige Schnappschüsse am Wegesrand fange ich euch ein, die originell gestutzten Platanen z.B. : in der Mitte schnitt man eine quadratische Lücke, durch die man das Himmelsblau sieht. Oben soweit gekürzt, daß die Hausbewohner ab dem 1. Stock drüber sehen können.

IMG_0832

IMG_0834

IMG_0835

Die mittelalterliche Castellmauer ist ein scharfes Eck, es erinnert an den Neubau Metz-Quartier in FN. Daneben die 0815-Mietblocks. In den Läden oft geschneiderte Abendkleider, dann reizvolle Blumenläden. Wunderbar schattig sind die Alleen, neben der hohen Burgmauer ist ein Kindergarten, beim Spielen sind die Kinder am Spielplatz auch im Hochsommer in absoluter Kühle.

An den Boulevards mit den Säulenarkaden stehen wohl Asylanten, dunkelhäutig, mit Tapeziertischen auf 4 Rädern, die Basecaps, Handyhüllen, Gürtel ihrer Auslage passen in 2 Bananenkisten. Kaum ein Kunde will was davon. Parken in absoluten Halteverbotszonen oder auf dem Randstein in der Kurve ist hier eine Sache des (Macho)-Selbstbewußtseins. Lässig ziehen die Signori mit geschleudertem Schlüsselbund von dannen, scheren sich nicht um ein Verbot oder daß nun der Stadtbus kaum mehr um die Ecke kommt in der Einbahnstraße, die im abendlichen Stadtverkehr gedrängt voll sind, man hupt laut, gestikuliert für des Vorausfahrers Rückspiegel, ruft durchs offne Autofenster, schon ein südliches Temperament. Am Steuer zu telefonieren und zu rauchen und zu fahren- normal! Kein Kind hat einen Kindersitz, nur Rent-a-bike-Fahrer tragen Helm. Mich beeindrucken die Rentner! In 3er und 5er-Grüppchen spazieren sie durch die Stadt, palavernd, es geht um Partei und Fußballclub, um die Moglie(Ehefrau) oder die Filii, die ragazze oder den Hund, der oft dabei ist. Keiner ist allein!! Die Teenager sind draußen, aber erst ab 7! Dann füllen sie Gehsteige und Strand, man schäkert und stupst, man hat 10-12mm-Absätze mit Glitzerperlen dran, sehr kurze röcke und der Busen wird üppig zur Schau gestellt, wer so aussieht, darf das gerne. Es ist lebendig unter der Bluse…:-)! Jene, die die Üppigkeit eher an „Bauch, Bein, Po“ haben, tragen fast ausnahmslos schwarze hautenge Leggings und auffallende Big-Shirts. Aha, schwarz macht schlank…Wer einen Buggy mit Baby schiebt, kommt nicht weit. Sofort gibt es Bacio links, bachio rechts. Umringt von Damen jedes Alters regnet es Komplimente, jeder herzt und hebt das Kleine, deckt es zu unter einem Schwall von Mit-Freude. Bei uns in Deutschland selten, meist werden die Kleinen im Auto transportiert und die Verwandten wohnen eh woanders. Keiner läuft ohne Smartphone, der Blick schräg nach unten auf das ALLGEGENWÄRTIGE bläuliche Display. Ein Wunder, daß die „Handy-Blinden“ nicht zusammenstoßen. An den Hausecken und in Passagen warten die Rendezvous-Partner, die Mädchen schlitzen ihre langen Röhrenjeans mehrmals auf und lassen das ganze Bein nackt sehen. Komische Mode. An den Füßen sind hohe Plateau-Sandaletten, so wird die kleine süße Italienerin zur Frau mit Modelgröße.. Aus dem Teatro erklingt Rossini-Orchesterklang. Wir gehen rein, die 4-7-jährigen Eleven einer Balettschule zeigen ihr Können, viele Eltern spenden Applaus. . Dann Hiphop-Musik und die Größeren führen abgehackte Breakdance-Zuckungen aus. Dann CARMEN, eine viel zu junge Dame im Tütü läßt sich waagrecht hochheben und tänzelt auf Spitzen zu einer Arie. Heiß ist’s hier, keine Klimaanlage imm Saal mit rotem Plüsch wie im Cuvillée-Theater in München. Vergangener Charme, kein Ensemble mehr? Kein Programm kündet von einer „normalen“ Theateraufführung am ABend, im Juni….

Die Stadt hat eine Form wie eine Hand, also eher dreieckig, und auf einmal sind wir wieder fast bei der EOS, am Porto anticho. Eine Spremuta d’arancia= frisch gepresster Orangensaft am alten Hafen, dahinter ein uns schon von 2011 bekannter toll gemalter Hai!

27630872691_8ee350fefd_c

Wir kaufen in einem Samlumeria e formaggio-Laden Salami, einen traumhaft schmelzzarten Parmiggiano, Pinienkerne, und ein Stück mit Chilipuder gesalbten durchwachsenen Speck für die Bohnen. Melone, Petersilie, große rot-violette Zwiebeln wandern auch noch in den Rucksack… Erfolgreicher Landgang.-)

IMG_0843 - Kopie

 

Bohnen-Eintopf

Zurück an Bord beginne ich mit dem Schnippeln aller Zutaten für den Bohneneintopf, in der Enge der Kombüse doch eine Art Projekt-Planung:-).

IMG_0844

19.45 Uhr: Erst alles waschen, dann auf diversen Brettern schneiden, in Schüsseln und Tellern separat bereitstellen, Herd vorglühen, Flamme am Petroleumkocher erfolgreich entzünden, dann alles in korrekter Folge anbraten… würzen..Zitrone auspressen…Pfeffermühle…(die ist grad dann immer leer aber mein Smutje-Gehilfe füllt sie schon)- zum Garen braucht mein Wundertopf(Fissler-Dampfdrucktopf 4,5l) nur 4-5 Minuten, Start 20.55 Uhr. Fertig.Gerhard hat schon den Cockpittisch aufgebaut, die Lampe aufgehängt, die Tischdecke und das Geschirr raus. Um 21 Uhr sitzen wir mit einem „Salute“ zum letzten kühlen geschenkten kroatischen Bier in der inzwischen windstillen (!)schwülen Abendluft und lassen uns den deftigen, pikanten Bohnentopf schmecken.

 

Ab 2 Uhr nachts jault wieder der Wind, genau wie die Wettervorhersage es uns unkte. Schnaken … Am Donnerstagmorgen, 15.6., schönes Frühstück an Bord und Martins Botschaft:

Ich hol die Mama am Flughafen MUC, sie übernachtet 1x bei uns, fährt im Zug nach Hause zur Chorprobe am Donnerstagabend und am Freitag kommen wir 3 nach und…:-) Erika und Jojo kommen auch an den Bodensee! Schön…. Und Emil hat dann wohl schon 4 Zähnle!

Und hier kommt Gerhards Flickr-Album mit Bericht+Fotos: Klick