der Ort kann von Land nur zu Fuß auf Pfaden erreicht werden. Er liegt versteckt in wunderbarer Felslandschaft. Früher ein Ort für Outlaws? Jetzt sehr beliebt bei Bootsleuten. Eng an eng liegen die Schiffe an Bojen.
Wir ankern weiter draußen in „Freiheit“. Der Ort selbst: Ein paar Häuser am Hang und am Ufer nur Restaurants und ein Laden.
Nach ruhiger Nacht starten wir um 6:60 Uhr.
Die Farbe ROT
Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten die Felsen und tauchen sie in ein kräftiges Rot. Wild, kantig und spitz, durchsetzt mit Löchern. In denen mit den weißen Flecken wohnen wohl Adler. Wir sind im Naturschutzgebiet. Noch niemand außer uns ist unterwegs; so haben wir die Schönheit der Durchfahrt zwischen dem Festland und der Insel Gargalofür uns und brauchen uns wegen Gegenfahrern und Nachfolgern nicht zu beeilen. Wir können die wilde Landschaft in aller Ruhe genießen. Nur 10m breit ist die Durchfahrt und umgeben von senkrechten Felsen. Das Felsenriff auf der rechten Seite trägt ein Gesicht wie Rübezahl mit seinen Vogelfreunden im Nest davor.
Ab hier öffnet sich die Landschaft wieder und wir steuern Kap Revellata mit der Stadt Calvidahinter an. Am Abend haben wir die Stadt mit der stolzen Burg erreicht, unsere letzte auf der Insel. Morgen geht es ans Festland…
Calvi am AbendAm Morgen des 9.8. startet die Crew zur Überfahrt ans Festland… letzter Blick zurück auf die letzte der vielen Inseln mit der EOS auf unseren sechs Halbjahres-Törns! seit 2009
Wind und Dünung legen sich und der Motor treibt EOS nach Norden Kap Rosso der rundgeschliffene, rote Fels, markiert den Eingang zur wohl schönsten Küstengegend dieser Insel. Das ruhige Meer lässt eine Rundfahrt in der kleinen Bucht mit den senkrechten Wänden an diesem Kap zu. Kühl ist die Luft in diesem Schattenloch.
Mächtige, zackige rote Felsen und dahinter die 2000er des Zentralgebirges. Eine wuchtige Landschaft.
Wuchtig wird auch der Wind, der aus der Bucht von Porto weht, wieder gegenan. Wir reffen immer weiter und nähern uns im Zickzackkurs der Bucht von Girolata. Wurde EOS jemals so unter Segel beansprucht? Sie hält sich hervorragend und neigt sich bis zum Süll. Gischt spritzt hoch.
Mehr geht nicht an Krängung…Fenster fast im Wasser
Irgendwann bringt uns das Hin- und Herfahren kaum noch vorwärts und wir holen die Segel ein. Viel Stoff ist eh nicht mehr einzuholen. Das Großsegel weigert sich noch, aber mit einiger Mühe lässt es sich doch ganz in den Baum aufrollen. In Girolata haben wir dann die Wahl, im Pulk vieler anderer Yachten an 2 Bojen festzumachen, oder etwas weiter draußen zu ankern. Wir ankern und die Böen blasen EOS mächtig durch, legen sich aber in der Nacht. Und: Der gewaltige Sternenhimmel über uns.
Schöner Segelwind nach der Ausfahrt aus Ajaccio und um die anmutigen Inselchen Sangunaires. Aber dann schläft er und macht einer Dünung Platz, die immer stärker wird. Mächtig schiebt sich eine Woge nach der anderen unter EOS durch. Segeln ist nicht mehr möglich. Sie geigt von einer zur anderen Seite. Unser Ziel, die Bucht von Sagone scheint ausreichend Schutz zu bieten. Die Dünung denkt aber nicht daran, an diesem Liegeplatz vorbei zu laufen. Sie schwenkt mit Macht herein. EOS liegt zwar an einer kräftigen Boje sicher, aber wirft sich von einer Seite auf die andere.
Am Heck grillen? Unser Grillmeister schafft das mit einem neuen Verfahren. Wir legen zwar rutschfeste Decken auf den Tisch, aber es wird dennoch ein schöner Abend vor dem breiten Tal und dahinter den zackigen hohen Bergen.
Ich schlafe auf der schmalen Bank in der Plicht und stelle fest: Auch im Schlaf kann man sich festkrallen. Und ich schlafe nicht schlecht. Nur in einem Alpträumchen gehe ich im Takt der Schaukelbewegungen. 3 Schritte schnell, dann bremsen mich die nächsten 3 Schritte und so fort. Meine Freunde waren von dieser Nacht nicht begeistert.
Samstag. Wenig Wind, noch Dünung. Wir laufen aus und in der Ferne werden Schaumkämme sichtbar. Von einer Minute auf die andere sind wir im Windbereich. 5 Bft (= 7 Clubhaus Bft) aus nördlicher Richtung, in die wir wollen. Eine kräftige Dünung hat sich aufgebaut. Wie ist das erst, wenn wir ums Kap und dem Wind voll ausgesetzt sind. Wir haben kein Zips darauf und steuern Cargese an. Die Bucht davor bietet Schutz vor der Dünung und wir ankern in türkisfarbenem, klaren Wasser. Sandstrand am Ufer. Ein schöner Platz! Immer wieder fegen Böen fast mit Sturmstärke vom Berg vor uns. Dann erzittert EOS und schwenkt sich schnell am Anker. Unser Koch zaubert eine tolle Fleischkreation in der Pfanne, bisher ohne Namen trotz der Dünung.
Und die folgende Nacht? Schaukelig wie die vorige.
Das Feuerwerk am Abend über Bonifatio war grandios. Auch durch die knalligen Farben der illuminierten mächtig aufstrebenden Bastion. Die Stadt schläft noch lange nicht. Warum am Montag den 1. August ein Feuerwerk und einige Kapellen? Wir bringen es nicht in Erfahrung.
Wer denkt, am anderen Morgen schläft der Ort noch, der irrt. Als wir um 10 Uhr ausfahren, stauen sich die Schiffe. Megajachten blockieren beim Ablegen die Ausfahrenden im engen Hafenschlauch. Schnelle Tripboote drängen sich vor. Wellen werfen uns hin und her. Draußen löst sich das Chaos auf und es bleibt nur die Dünung des abgeklungenen Mistral.
Bucht an Bucht
Schwacher Wind, Dünung, der Motor treibt uns vorwärts. Kaps mit vorgelagerten Riffen müssen umfahren werden. Kein Problem mit GPS. Da und dort ein ankernder Segler in einer Bucht. Dahinter die mächtigen Berge, fast ganz mit undurchdringlicher Maccia bedeckt. Wie unterscheiden sich doch die Berge hier zu denen in Sardinien! Dort frei mit niederem Bewuchs, einladend zum Bergwandern, hier nahezu unbegehbar durch den dichten Bewuchs. Tizzano, die schlauchartige Bucht, steuern wir an. Schon am Eingang hemmt uns Flachwasser. Wir ankern auf Sandboden. Das gesamte Ufer ist in Privatbesitz, auch die Burg wenige Meter dahinter. Ein Ausflug mit MICRO EOS bringt mir wenig.
Porto Pollo
Porto Pollo (Hühnchenhafen). Warum heißt er so? Wir binden EOS an einer der vielen Bojen an. Mein Ausflug mit dem Schlauchboot bringt wieder wenig, auch ein Spaziergang in die Höhe bietet keine Sicht auf Meer und Umgebung. Villen oder Maccia stehen im Weg. Der Eigentümer einer Villenbaustelle gestattet mir nach eingehender Gesten-Diskussion, seine Baustelle mit Meersicht um weitere 5 m zu betreten.
Die zweite Fahrt mit MICRO EOS an Land gelingt nur in Schleichfahrt. Das Schiffchen ist mit 3 Personen -gewichtmäßig -überladen. Die Fahrt gelingt mit nassen Hosenböden .Wir kaufen ein und ich kann in einer Bar mit Internet endlich meine Nachrichten abrufen.
Der Bord-Grillmeister grillt wieder einwandfrei und der Salatmeister zaubert gemischten Salat. Genuss-Essen während die untergehende Sonne die Berge am Horizont und die entfernte Stadt Propriano in ein zauberhaftes rotes Licht taucht. Später bedeckt das Sternenzelt – wie schon so oft vorher – den Himmel. Immer wieder ein göttliches Wunder, das mich draußen in den Schlaf begleitet
Die Hauptstadt der Insel. Voller Leben, abends die Kneipen im Zentrum voll besetzt.
Ich bin wieder mit der Welt verbunden: SIM-Card machts möglich. Großeinkauf und nächtlicher Bummel und als Abschluss Weißwein im Straßencafe.
Wetterprophet Lamma droht
„Lamma rete“ ist unser bevorzugter Wetterbericht. Er sagt Starkwind voraus, von Westen. Ab Ajaccio motoren, segeln. Um die Inseln Sanguinaires, die markanten Vorposten auf dem Weg nach Ajaccio brist der Wind auf 5-6 Bft auf. Gerefft saust EOS mit halbem Wind vorwärts.
Viel Wind, viel Wellen-die EOS mit Maximaltempo-und nass
Wunderbares Segeln – bis dem Wind die Puste ausgeht. Aber jetzt baut sich aus Westen eine Dünungauf, die an Macht immer mehr zunimmt. Ich kontaktiere Lamma, den Wetterbericht. Das Display zeigt an: Blutrot im Westen, Bft 7, daher die Dünung! An der Boje in der Bucht von Sagone läuft die Dünung auch genau herein. Und packt die EOS…Ein schaukeliger Platz.
Dies ist der Ankerplatz vor Cargèse, Samstag-Mittag, 6.8.:Sehr starke Böen hier vor Anker. Eigentlich wollten wir weiter kommen, aber der Wind ist stark und dagegen.
Enormer Schiffsverkehr an diesem Sonntagabend. Alle laufen wieder nach dem Wochenende in den Hafen ein, oder auch wegen des bevorstehenden starken Mistrals? Die Einparkhelfer in ihren schnellen Flitzerbooten haben alle Hände voll zu tun. Es entsteht ein richtiger Bootsstau. Aber jeder findet schließlich seinen Platz. Nach den Zirren am Himmel fängt der Wind zu blasen an. Das Sonnensegel darf nicht länger aufgespannt bleiben. Unser Koch zaubert, ja was zaubert er? Eier sind drin, Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln und obendrauf Tomaten. Es schmeckt jedenfalls gut.
Sie Stadt auf der Klippe
Die ADAC Straßenkarte sagt dazu: „Der wellenumtoste Fels vor der Küste löste sich vor 800 Jahren von der Felsklippe. Für die Bewohner der halsbrecherisch nah am Klippenrand gebauten Häuser der Oberstadt eine ständige Warnung“. Stimmt. Manche Häuser stehen praktisch über Luft.
Früh am Morgen, die Sonne steht erst kurz am Himmel, besuche ich die Klippe. Ein schöner Naturweg führt an ihr entlang und bietet Aussicht auf Meer und Hafen. Auf der anderen Seite drücken sich die Häuser eng aneinander, die ersten Waren werden angeliefert, Ladenbesitzer, vorwiegend Souvenirverkäufer , beginnen, Ihre Waren zu präsentieren. In den ersten der vielen Restaurants werden Tische und Stühle nach außen getragen. Eine behäbige Ruhe. Am Mittag gehen wir alle zusammen in die Oberstadt. Jetzt ist von der morgendlichen Ruhe nichts mehr zu spüren. Jeder Tisch ist besetzt, die Ober wetzen, in den Gassen schieben sich die Menschen im Besichtigungstempo übers Pflaster. Der Ort lebt von den Gästen.
Im Hafen treffen sich Megajachten, alle liegen nebeneinander.
Auf dem Achterdeck wird getafelt. Früh am Morgen bereiten die Matrosen das Frühstück (meist Müsli) für die Herrschaft vor, bringen den letzten Glanz auf die Chromteile und saugen Böden. Ein Tag mit Glanz für Eigner und Gäste kann beginnen…
Hier nun Gerhards Original-Bericht(61 war als Interim von Gerdi daheim)
Bei Maddalena, Sardinien:
… Tagsüber ist in der Bucht Santa Maria „der Bär los“. Yachten, Tripboote, Schlauchboote um uns.
Zu wenig, die Insel nur vom Wasser aus zu sehen. MICRO EOS bringt mich an Land. Dann ist der wunderbare harzige Geruch der Maccia um mich. Keine Blume hat bei dieser Hitze noch die Kraft zu blühen. Um mich stumpfes Grün, Grau und das Grau der schönen, runden Felsen. Natürlich kein Mensch unterwegs. Die andere, westliche Buchtseite, dem Seegang ausgesetzt spült Holz und Unrat auf den Strand. Ein Felsen bietet etwas Übersicht über die Insel. Unsere Vase am Heck der EOS blieb seit langem leer, es gibt in der Hitze einfach keine haltbaren Blumen. So breche ich Gräser und bin überrascht über die Vielfalt. Sie stecken jetzt als Trockenstrauß in der Vase.
Gegen Abend zieht sich eine Verwandlung durch. Die Boote verlassen unseren Ort, das letzte Tripboot an der nahen Boje ruft die Schwimmer auf Deck zurück und rauscht ab. Die Sonne nähert sich dem Horizont und verliert an Kraft. Eine wunderbare Ruhe kehrt ein. Unser Heckgrill heizt, der Tisch ist gedeckt, das Essen schmeckt. Auch der letzte rote Streifen verschwindet im Westen, stattdessen zeigen sich die Sterne in ihrer Pracht.
Möwen, oder sind es andere Tiere stimmen einen leisen Gesang an, als würden Kinder streiten. Da passt so recht der Rotwein und als einmalige Zugabe eine Zigarre bis die Augen müde werden. Ist diese Nacht nicht zu schade um in der Plicht durch zu schlafen? So bin ich gar nicht böse, wenn ich immer wieder aufwache.
Der Wind schläft über Nacht vollkommen ein. So überfahren wir die Grenze zwischen Italien und Frankreichmit Motor. Der letzte Leuchtturm in Italien und drüben der erste in Frankreich.
Die neue Insel, ein neues Land: Frankreich! Vor Bonifacio schaukeln uns die schnellen Ausflugsschiffe mächtig durch und im langen Hafenschlund gibt es so etwas wie einen Schiffsstau. Rechts, links, quer, überall haben große und kleine Schiffe ihr Ziel. Wir winden uns durch und mit Unterstützung der freundlichen Einweiser liegen wir bald am Steg.
Von Olbia nach La Maddalena bläst uns der Wind entgegen, mit 4-5 Bft (= Clubhaus 6-7 Bft). Die gesamte Strecke von 30 Seemeilen kreuzt EOS hart am Wind mit allen Segeln. Wir kommen schnell voran, trotz zick-zack fahren. Eigentlich steuert wieder der Automat. Als ich kurz vor dem Ziel die Pinne selbst in die Hand nehme, merke ich, welche Kräfte er zum Steuern aufbringt! Da an den Stegen der Lega Navale nur kleine Boote liegen und die Wassertiefe nicht ausreicht, weichen wir zur Cala Mangiavolpe aus. Das sind üble Bürschlein dort.
La Maddalena, viele Gäste, viele Boote, das Zentrum der naturprächtigen Inseln mit den abgerundeten Granitfelsen rundum.
Insel und Bucht Santa Maria liegt voll im Mainstream. Yachten, schnelle Schlauchboote und viele Tripboote. Einiges ist von der früheren Schönheit ist verschwunden. Halt: Schön ist sie immer noch, lediglich die vielem Boote, große und kleine, stören. Aber wir sind ja auch so ein „Störer“ für andere. Und das klare Wasser über dem hellen Sandgrund ist auch noch da.
Der starke Wind mildert die Hitze und die blaue Sonnenpersenning lässt es an Deck fast kühl werden.
Eben gab’s Kaffee und Hörnchen und heute Abend werden wir grillen.
Nach Bonifacio auf Korsika ist es nicht weit, 18 sm etwa, die möchten wir morgen zurücklegen. Dann werde ich mir eine französische SIM-Karte besorgen. Die italienischen Antennen können wohl nicht bis nach Frankreich strahlen. Es könnte sein, dass einige Zeit keine Internet- Verbindung möglich ist. … à bientôt! Bis bald.