Strombauten mit EU- Hilfe

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Wir hatten ja ganz oben zwischen Straubing und Deggendorf große Probleme mit dem Tiefgang. Dort darf die Donau den naturgegebenen Weg wählen und ist zeitweise flach. Ähnlich hier zwischen km 500 und km 300. Ganz besonders  nach Stromkilometer 345. Hier zweigt ein riesiger Flussarm ab, der Bala- Arm, der nach 75 km wieder in die Donau mündet. Den nehmen die Schiffe bei wenig Wasser, wenn sie zu den Seehäfen nach Braila und Galati wollen. Unglücklicherweise nimmt die Donau einen Umweg nach Norden, bis sie bei Sulina ins Meer mündet. Cheaucescu hat darum einen Kanal geschaffen, der den nördlichen Umweg abschneidet und Binnenschiffen erlaubt bis nach Constanta ans Meer zu fahren. Dort werden die Waren von Seeschiffen vom Mittelmeer kommend auf Binnenschiffe umgeladen. Das spart 240 Flusskilometer. Jetzt müssen die Seeschiffe nicht mehr 150 km bis Galati oder Braila die Donau hochfahren, außerdem können größere, für die Donau nicht geeignete Seeschiffe im Seehafen Constanca umgeladen werden.

Aber: Der Tiefen- Engpass durch auf der Donau unter der Abzweigung zum Bala- Arm bleibt. August 2009 hätte es dort nur 30 cm Wasser gegeben, so informiert die Flusskarte! Darum fallen uns die vielen großen Baggerschiffe und Sandschuten auf.

Baggerarbeiten (2000x1500)

Und auch die Tafeln mit den blauen Euro- Sternen. Jetzt wird, wie auch im Oberlauf der Donau auch, ein Flussarm abgeschnitten und die Zufahrt zum Bala Arm verengt. Dadurch soll mehr Wasser dem Hauptarm der Donau zugeführt werden und so die Wassertiefe erhöht werden und damit die Abladetiefe über das ganze Jahr erhöht werden. Bei den riesigen Maßen der Donau hier im Unterlauf kostet das viel Geld und das wird auch mit unserer Finanzhilfe ermöglicht.

Gerade dieser Stromabschnitt mit seiner seeartigen Ausdehnung hat seinen besonderen Reiz. Wir haben ihn bei vollkommener Windstille erlebt. Ein Pelikan, viele Möwen, gelegentlich Silberhreier und anb und zu mal eine Boje.

 Auch Vögel gehen auf Reise (2) (2000x1500)

Bojen fangen das Treibholz (2000x1500)

Giurgiu bis Bukarest – von Gerdi

Zur Flusskarte gehts hier

Noch 500 km bis zum Delta… (Rückblick am 15. Aug. )GERDI

Fragt mich wer nach Höhepunkten, so wird die Antwort bescheiden…: Wir haben einen Silberreiher in 3m neben uns stlzen sehn beim Ankern neben einer im Hochwasser fast versunkenen Sandinsel. An einer roten Untiefentonne sonnte sich ein großer Pelikan… Ein Highlight im dauergleichen Flußab-Fahren zwischen grünen Laubufern und so seltenen roten Walmdach-Häuser-Dörfern in Bulgarien drüben.. Der Fluß ist die Grenze.

Wir bekamen 6 frisch geangelte Flußfische geschenkt. In Giurgiu durften wir bei den Hafenarbeitern deren köstliches Trinkwasser holen, im Kanister. Ohne Chlor, also Kaffee und Tee wie daheimJ. Bei 41°C besuchten wir die quirlige Hauptstadt Rumäniens – unbeschadeit … Wir sind unfallfrei 2000 km die Donau runter geschippert und außer dem abendlich traditionellen Schnakenüberfall gab’s keine gesundheitliche Beeinträchtigung. Wir haben nie Durchfall, obwohl unser Wasser ja oft 6 Tage lang im Kanister und dem 40l-Beutel unter der Cockpitbank dümpelt, bei 35° in der Kajüte, aber mit Micropur-Tabletten (Silberjod) 1 auf 5 l.

Daheim brate ich Bodensee-Felchen in der Pfanne. Saibling und Lachsforelle essen wir bei unsren EOS-Ausflügen vom Grill. Hier ist der Fisch, dessen Namen wir nicht kennen, mit 5mm-breiten Tigerstreifen überm Rücken oder auch gleichmäßigen Silberschuppen wie bei uns Barsche, etwas fad im Geschmack, hat nach dem Zitronebad aber ganz weißes festes Fleisch. Da ich 6 auf 1x bekam, kochte ich eine Fischsuppe, was ich daheim selten mache: Gut, wenn man Wurzelgemüse in Tupperware-Dosen an Bord hat, eigentlich für Eintopf. Karotte, Sellerieknolle und –Grün, Zwiebeln mit 3 Nelken drin, 2 Petersilienwurzeln, 1 Tl Korianderkörner, Senfkörner, 3 Lorbeerblätter, ½ Zitrone, 1/8 Rosé-Wein, Salz, Olivenöl, Dill, Petersilie, 3 Wacholderbeeren, Pfefferkörner,  Chili, 1 Ochsenherztomate, 2 Paprikaschoten, etw.Zucker, 3 Würfel Hühnerbrühe. Aufkochen, die 2 Fische in 4 cm-Stücke schneiden. Im Schnellkochtopf in 10 Min. fertig. Lecker.

Die restlichen 4 Fische, teils 30 cm lang, wanderten in das kleine Gefrierfach unsres nur teilweise noch dienenden Kühlschranks, der Elektronikregler ist kaputt, der Thermostat fiel aus(er liefe also wohl auf Stufe 5 ohne Pause durch, was die Batterie stark belastet. So bringt er ca. 18°C und im TK-Fach(-18°C) bleibt der Fisch ein paar Stunden eisgefroren) Wir stellen nun den Kühlschrank, wenn wir an Bord sind, 6-7 Std. an und dann wieder aus. Die Butter und die Milch „überleben“ also. Gemüse wandert unter die Bodenbretter über den Schiffskiel…

Die 4 großen Fische hat Gh. geschuppt, ich marinierte sie in Zitrone, füllte sie mit Dill, Fischgewürz, Knoblauchscheible, Pfeffer und 1 Tl Butter, wickelte sie in geölte Alufolie und Gh.. grillte sie am Heck der EOS.

Seit Giurgiu, gegenüber der bulgar. Stadt Rousse (eine Brücke führt hinüber) ist lebhafter Schiffsverkehr, ca. 160 m lange Schubverbände fahren rauf und runter. Sind sie unter ukrainischer Flagge, winken und hupen sie fröhlich. Sie wissen nicht, daß wir eigentlich Odessa und die Krim, Anya und Bogdan besuchen wollten bei Beginn der Reiseplanung. Kommen Zöllner längsseits und kontrollieren die Papiere und Pässe, spiele ich den Rumänen die Europahymne auf der Mundharmonika vor und sie freuen sich, wenn  wir „Welcome in EU and good luck!“ wünschen.

In der deutschen Presse lesen wir ja oft von den vielen wilden Hunden. Wir sehen es hier bestätigt, im Hafenbezirk leben unzählige Mischlinge, die Weibchen haben Junge, dicke Zitzen und man sieht auch die Welpen aller Farben, zutraulich und niedlich. Die Hafenarbeiter geben wohl vom eignen Suppentopf die Knochen ab, die Hunde schlafen im Schatten ohne verjagt zu werden. Auf der Straße aber Revierkämpfe, die Tiere gehen über die Fahrbahn, bleiben- auch nachts!!- unvermittelt in der Mitte stehen und die Autofahrer bremsen, hupen, man weiß nie, auf welche Seite der Hund sich wenden wird. Nachts sind Radfahrer ohne Licht unterwegs, Helm trägt keiner. Im Taxi gibt es vorne Gurte (die nur der Gast anschnallt) aber am Rücksitz sind die Schlösser „weg“ hinter der Rückenlehne, nie benützt. Im Omnibus (Girgiu-Bukarest) sind zwar am Sitzpolster Gurtschlösser, die Gurte fehlen. Aber es gab Klima-Anlage, die 20° im vollbesetzten Bus fühlen sich aber wie 30 an…

Sehr geduldig und ihrem Schicksal ergeben sitzen die Rumänen Körper an Körper, beladen mit Einkaufstragetaschen, oft Kinder am Schoß, schweißnass aber brav, nur die Babies quengeln, auch in den Lokalen, es ist einfach zu heiß. Sehr freundlich und an Gesprächen interessiert alle Erwachsenen, stolz auf kleine Englisch-Kenntnisse, kauderwelschend im Vodafone-Shop, beim Bäcker(sie schüttelte gleich bei 4 Sorten Keksen den Kopf „nu, nu!“ und empfahl wohl ihre Lieblingssorte), will ich nicht den 20cm-großen Kohlkopf, räumt sie   1m-hohen Sack aus und sucht einen kleineren… Und immer ein leuchtendes Gesicht bei der Frage: „You like ROMANIA????“ Und wir bejahen begeistert.

Motoren wir an rumänischen Sanduferstränden vorbei, stehen hinter den bunten Sonnenschirmen meist ziemlich neue dicke Autos. Waren es in Serbien noch verrostete uralte Yugo, Fiat 500, Ford und Opel der 60er Jahre, kann man sich im Rumänien dieser Tage ein Auto leisten. In Bukarest auf den 3 spurigen Boulevards und den Autoschlangen hinter den Ampeln fast nur „neue“ Autotypen wie bei uns, im Regierungsviertel dicke Mercedes, deren Fahrer jeden Vogelschiß ansprayen und die Stäubchen wegpolieren. Die Ober in der Hauptstadt in Schwarz-weiß, die Speisekarte international, die Innen-Salons eiskalt auf 18° gekühlt, die Toiletten mit Clobrille und erstmals einer verriegelbaren Tür eine Oase der Entspannung, mit Seifenspender, Musik, sauberem !!  Kachelboden. Hinter der Kirche (beim OmnibusStopp)am Friedhof dagegen war’s echt ganz orientalisch: ein Loch im Boden, sirrendes Fliegenheer, Gestank… Erinnerung an Omas Bretterhäusle mit dem Plumpsclo und dem runden Deckel, aber da gab’s noch Zeitungspapier an der Schnur aufgefädelt… hier natürlich nicht.

Kirchentor 1 (1200x1600)

A propos orthodoxe Kirchen: Sie glänzen in Gold und Silber, die Ikonen zu Hunderten wohlgepflegt, Lüster mit Muranoglas, enorme Kuppeln voller Gemälde, Engel ohne Zahl, auch schon in der Eingangshalle, den Bögen zwischen den Rundsäulen. Ein Ort der Stille voller Prunk und Himmelssehnsucht, der Pope Andreas  mit langem Pferdeschwanz in schwarzer bodenlanger Kutte, aber mit modernem neuestem Modell VW-Limousine wie ein Mercedes…

verborgene Architektur (1580x933)

Bukarest! Eine 2 Mio-Hauptstadt, der Triumpfbogen wie in Paris wird gerade renoviert, die vorgehängten Tücher zeigen seine Eleganz. Es gibt einen Place-de-Gaulle-Platz, große Museen in renovierten historischen schmuckreichen Gebäuden, man weist uns (auf Englisch nur) im Doppeldeck-Bus auf die sehr alten Viertel der Türken, Griechen, Juden hin, einst prächtige Häuser, aber in ganz engen Gassen, nun dem Zerfall preisgegeben. Ciaocescu wollte diese prachtvolle Vergangenheit wohl auslöschen. Vor dem riesigen Präsidentenpalast Busse und Heere von Touristen, die hineinwollen. Ich will nicht. Ich stelle mich in die Sprühkaskaden der Rasensprenger, um die Hitze zu ertragen.

Das Parlament von Bukarest (2000x1500)Über den Palast des Volkes kann ich nur staunen. Ein Gebäude, das in seinen Dimensionen alles Vernünftige sprengt. - Kopie

Im Bus alle Sitze belegt. Nach 1 Std Bus und Taxizurück im Hafen… (da mußte uns nachts der Nachtwächter auf Zuruf und Klopfen das mit rostigem Draht zugebundene Tor am Hafen öffnen), wieder über alle Schiffe klettern und  dann trau ich mich in die „…“-Brühe ins Hafenbecken steigen, Schweiß abwaschen, Nescafé und 1 Glas Wasser, dann fahren wir los, weg zu einem Ankerplatz 11 km hinter der Insel Albina, früh um 8 weiter…die Marina zum Maststellen gibt’s nicht mehr, nach fast 80 km Anker ab auf fast 8m WT am Hochwasserufer der Donau. Viele Schiffe nachts, Sternenhimmel über uns, wir schlafen im Cockpit im Wind unterm Schnakennetz… Noch 400 km bis zum Delta!

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Impressionen von fremder Sprache, Stimmungsbilder bei Nacht und Tag(Gerdi)

7.-11.August.

Da mein Gespür für Sprachen eher über Klangfarbe und Vokale Emotionen auslöst, notiere ich heute mal einige besonders musikalische Insel- und Ortsnamen aus diesem mir fremden Rumänischen. Eindeutig verwandt ist es zur romanischen „Sprachfamilie“, wenn ich auch kein Wort auf rumänisch sagen kann (auch kein Wörterbuch habe oder gar eine Art Lautschrift mir sagt, wie z.B. dieses flotte „Guten Tag“= „Buna ziua“ ausgesprochen wird!!), kann ich doch mit einigen französischen Wörtern und Sätzen oder italienischen Begriffen mich verständlich machen, ein Leuchten im Gesicht, ein Auflachen zeigen, dass das Gegenüber, ebenfalls keiner Fremdsprache mächtig, verstanden hat. Ein netter hilfreicher Selbstversuch! Frigatore defetto, der Kühlschrank ist kaputt. Merci=Danke, Cu plâcere=bitte, Mi piace=ich mag…es gefällt mir(ital.) Scuze=Entschuldigung.(Im Italienischen ruft man den Ober auch „Scusi!“ Ciao= Auf Wiedersehn, Tschüss(oder „la riverdere“ wie im Italienischen.

Gestern wollte ich mit einem Glas Apfelsaft(der Hafenbeamte verweigerte Schnaps und Bier=Alkohol im Dienst) dem andren zuprosten, also „Naroc!“ auf rumänisch. Großes Gelächter! Naroc nur bei alkoholischen Getränken, aber – hahaha!-doch nicht bei Saft oder Limo!! „Da!“ heißt“ ja!“ wie im Russischen+ Serbischen und „Nu“ nein. „Ajutor!“ Wie im Ital. Ajutare für Hilfe! „Cât costa“ Was kostet es? Weltsprache „nota“ für Geldnote oder „Zahlen bitte“. Intrare=‘Eingang, aber Ausgang ganz anders: Jesire.

In Vidin sah man  hinüber nach bulgar. Simeonovo/Botevo. Wie Musik! Noch einige Inselnamen:  Belene, Milka, Berzina Mica, Goliama Berzina, Gradina, Cioara, Papadia. Im bulgar. Oriahovo ließ man uns nicht ohne vorher in Rumänien auszuklarieren an Land. Also werden wir nur noch ankern auf der bulgar.Seite, die Donau ist internationale Wasserstraße! Die letzte Anlegestelle hieß ZIMNICEA!

Im Stromarm Papadia hatten wir auf 7,5 m Wassertiefe ankerten wir mitten im Strom. Es rauschte wie ein Wasserfall um die EOS, obwohl sie vor Anker ja „still steht“ wie auf einem Parkplatz. Die Strömung war mit 4 kmh derart stark, daß man schon sehr aufpassen musste an der Badeleiter beim Baden, festgekrallt an den runden Stahlstäben! Ein unbedachter handgriff, eine Wespe die sticht, man wär im Nu weg getrieben, der Partner könnte den Anker aufholen, wenden, Motor an und in die Richtung des abtreibenden„Verlorenen“ nachfahren… Ein Schreckensbild… Im Stromarm abseits der von langen Frachtern befahrenen Fahrrinne zu ankern, ist immer ein großartiges Erlebnis! Die Ufer oft steil und düster, beim Hochwasser stehen die Baumstämme im Strom. Fast immer ruft der Pirol seinen typischen Septim-Ruf mit dem neckischen Auftakt. Als ich klein war, lernte ich in der eisig kalten fränkischen Schwarzach das Schwimmen, Höhlen im Prallufer, auch da der Pirol in den Kiefernkronen. Das Gebüsch ist mit allerlei nur hörbarem Getier bewohnt, Schlangen wären lautlos, aber die Frösche, die unvermittelt alle auf einmal ihr Quak-Konzert starten oder die nimmermüden Grillen, die hoch tasteten unsrufenden eleganten Seeschwalben, die sich am Mast der EOS die dicksten Spinnen holen , ein Häher, ein Reiher im Ufergrün…

Unvermittelt kann aber das Donau-Ufer plötzlich seine eintönige Buschufer verwandeln: steile Sandfelsen, senkrecht wie beim Kloster Weltenburg, rötlich oder weiß wie die Kreidefelsen auf Rügen oder vor Dover(gesehen bei der Studien-Ende-Fahrt 1970). Sogar eine Kapelle entdeckte ich in einer 10 m überm Felsfuß gelegenen Felshöhle, mit Glasfenster. Die rumänischen Strände erinnerten an Sardinien+Italien: laute Discomusik, Autos, Sonnenschirme. Ruhe dagegen am bulgar.Ufer… Wir tasteten uns am 9.8. bedachtsam hinter ein Inselchen, tuckerten auf 5-6m Wassertiefe grad so weit vor, bis wir einen traumhaften Ausblick auf diese pittoresken steil aus der Donau aufragenden Felsen hatTauben flatterten mit rasselndem Flügelschlag auf, der Pirol rief, flinke Schwalben umschwirrten unsre EOS. Draußen im Fahrwasser zieht das schon mehrfach gesehene Kreuzfahrschiff AURELIA unter der roten Schweizer Flagge vorbei… Dann erhob sich wie aus dem Meer der riesige silberne Vollmond! Ein schmales glitzerndes Lichtband wanderte über den Fluß zu uns. Ein Zauber! Kein Laut mehr, nur kurz die Frösche im mindestens 1 m im Wasser stehenden Laubwald der Insel. Wären nicht die lüsternen Schnakenheere, wäre solch eine Nacht ein Traum…Ganz schnell das große Moskitonetz ausbreiten und am gelegten Mast fixieren…!!!!!!

Km 590! Keine 600 km mehr zum Delta! Große Strudel kreiseln um das Schiff, heben und senken es im Trudel als würde ein Wassergeist den Kiel heben… Gespenstisch. Viele Untiefen und Inselchen, die Flußkarte „stimmt nicht mehr“, ganz neue Fahrrinnen wurden gelegt mit an ganz andren Stellen gesetzten Untiefentonnen. Plötzlich muß man südlich um die langgestreckten Donau-Sand-Inseln herum oder ganz nah an ein Waldufer fahren und fast 80° an einer Tonne wieder abbiegen… Fährt ein langer Frachter vor mir, sieht es aus, als läge er „quer“ und versperrt die Wasserstraße völlig…!! „Ändert sich oft! Nur Tagfahrt!!“ schrieb der Flußkapitän schon 2008 in die handgezeichnete Flußkarte.

Bäume „fahren“ mit uns, etwas langsamer als die EOS. Peng! macht es am Bug, wenn ein kleiner Ast mal unter Wasser noch an seinem Stamm hängt!! Es braucht schon riesige Bagger und Kräne, um die Donau schiffbar zu halten! Vor Zimnicea ankerte ein großer Schubverband, am frisch weiß lackierten (statt toatal rostig-braunen) Kajütaufbau erkennt man sofort, wenn es ein deutscher, österreich. oder niederländ. Frachter ist. An Deck der „KREMS“ stand ein wohl 25 m hoher neuer gelber Kran!

In Zimnicea kündete das Handbuch von einem Anleger. Alles belegt durch 3 Polizeiboote, eine große weiße Yacht und eine ähnlich edle gepflegte 15m-Motoryacht… Als ich deshalb in heftiger Strömung an einem Rostfrachter anlegte(immer ein Nervenkitzel, weil am Bug ja 2m lang der Mastfuß vorsteht!!!)und alle 8 Fender „rollten“, folgte ich meinem Skipper mit bangem Blick, als er von Bord kletterte und an Land zum Polizeiposten lief. EOS tänzelte wie ein Araberhengst in der aggressiven Strömung von vorn, Pinne legen, zurück, ein Kampf. Aha, wir müssen da weg, aber an der großen Yacht, die wohl dem Agro-Magnaten gehört, dürfen wir längsseits gehen. Gewagt, gewagt… doch der für all die Schiffe verantwortliche Capetan versteht seinen Job, er hilft fachmännisch, die EOS zu vertäuen, daß der Mast NICHT in das edle silbernglänzende Relinggestänge spießt…Er besorgte uns Voda potabile, denn Trinkwasser gibts hier nicht. Mit dem Auto bringt er Skipper und 2 20l-Kanister zur Tankstelle und zurück. Uns fährt er noch zum Supermarket. Auf dem breiten Boulevard promenieren die Einheimischen, es gibt nur ein einziges Lokal wo man was essen kann. Nur Spaghetti… Da der Ober keine Telefonverbindung zum Taxi hinkriegt, laufen wir von 21 bis 22.15 Uhr im Stockfinstern eine enge Straße zum Hafen, bedrängt von kolossalen Erntefahrzeugen… Gespenstisch. Und schwülheiß.

Fische auftauen Flußfische in Alu f.d.Grill, mit Butter+Dill Gemüse rüsten f.d.Fischsuppe Gut gewürzt, auch am Schiff Leckere Fischsuppe zu Mittag

Zum Abschied schenkt uns der Hafenmann 6 Fische. Früh um 9 koche ich Fischsuppe, köstlich. Um 4 tauen wir die restl. gefrorenen Fische auf, sie wandern in Alu auf den Grill…

Nichts für Eilige…

Die Flusskarte, da könnt Ihr unsere Reise verfolgen: Hier

Auf dem Strom hier, einige Hundert Kilometer vor seiner Mündung und nur mehr 20m über dem Meer fühlen sich ungeduldige Menschen nicht wohl (Ausnahme, wer mit einem schnellen Flitzer Zeit und Strom durchmessen will). Wir sind den Landverkehr gewohnt, Autos eilen, Radler auch, Züge ebenso.

Wir liegen hier abseits der Fahrrinne an einer der seltenen Sandinseln (Der Strom führt gerade Hochwasser).

Wir ankern weit abseits des Fahrwassers

Träge, im Fußgängertempo wälzt sich das braune Wasser vorbei. Auch draußen im Strom treiben Äste, Wurzelwerk, ja, ganze Bäume vorbei. Aber alles langsam.

Reisende Möwen auf Treibholz

Dennoch ahne ich die Kraft, die hinter dieser Gemächlichkeit steckt. Wehe dem Skipper, der auf Grund gerät. Sein Schiff wird erbarmungslos auf Sand gedrückt. Kommt ein Bergauf- Fahrer um die Kurve, dann scheint es, er würde stehen. Aber er verschiebt sich ganz langsam gegen den Hintergrund. Besonders eindrücklich erscheint mir das bei einem Schubverband. 3, 4, oder gar 6  flache Schuten nebeneinander! Das macht bis zu 66m! In der Mitte hinten das Schubschiff. Das sieht aus als käme eine riesige Pistenraupe auf mich zu.

Powerschub-Bis zu 64 m breit

Es kann eine Stunde dauern, bis er wieder verschwindet. Anders die Talfahrer: Gegenüber dem Bergfahrenden eilen sie. In ein paar Minuten sind sie den Blicken wieder entschwunden. Dennoch spielt sich alles ganz langsam ab.

Gesten habe ich einen Verband mit 3 Schuten, hochbeladen mit Schrott beim Wenden beobachtet. Auf meiner Höhe hat er durch Rückwärtsfahrt gebremst. Ca. 300m weiter hat er sich zu drehen begonnen und in etwa 1 km Entfernung hat er das Manöver beendet. Der Vorgang hat etwa 20 Minuten gedauert. Das anschließende Anlegen dann nochmals fast eine Stunde.

Auch EOS darf beim Anlegen keine Eile zeigen. Erst mal am gewählten Anleger zweihundert Meter vorbei,  Leinen und Fender vorbereiten, dann einschwenken und sich gegen den Strom dem Anleger nähern. Fast parallel zum Anleger mit 1 oder 2 Meter  Abstand auffahren und nun gaaaanz langsam sich fast quer dem Ponton nähern. Vorsicht. Der Mast steht 3m vorne über dem Bug vor! Leider haben wir vorgestern zu spät bemerkt, dass unmittelbar am Ponton der Strom gegen die Flussrichtung steht. So schnell konnten wir gar nicht reagieren und schon hat die Mastspitze die EOS wenig sanft an einem Holzpfosten des Anlegepontons abgebremst. Rainer, danke für die stabile Mastverzurrung!

Hier, 500 km vor dem Meer, verbreitert sich die Donau auf 1 bis 3 km. In unserem Handbuch steht die Anmerkung “ Hier wird die Navigation spannend!“ Das stimmt. Der Strom verzweigt sich und bildet viele große Inseln. Die Kilometermarken am Ufer werden selten, die Bojen ebenfalls. Sie sind oft nur mit dem Fernglas auszumachen. Uns kommt aber der hohe Wasserstand zugute(danke für den tagelangen Regen im Nordwesten).

So ists auf unserer  Reise. Wir wissen nicht, was uns hinter der nächsten Kurve oder am nächsten Anleger erwartet.

Ein ganz normaler Tag im Fluss

 GERDI

Die Ankerkette knarrt, die EOS krallt sich hinter der Spitze einer schmalen bewaldeten Flußinsel fest. Ein Pirol ruft im Laubgewirr. Dann quietscht vertraut die Badeleiter am Heck: Gerhard badet, 1 Hand an der Leitersprosse, 1 Hand zum Waschen, die Strömung rauscht am Körper vorbei. Ich klettere aus der Bugkoje, nehme das Mahagonidreieck mit dem Matratzenkeil aus der Mitte, öffne das Bug-Luk über mir, hänge an Bändseln mein Kopfkissen in den Morgenwind. 7 Uhr. Die Zudecke habe ich mit langen Bändseln versehen, damit ich sie irgendwo aufhängen kann zum Lüften. Baden am Heck, Gh. Kriecht mit Schaufel und Besen im Salon und kehrt die Brösel auf, wir haben keinen Staubsauger. Dann zischt der Petroleunkocher, Gh. Kocht jeden Morgen 1 l Grüntee und filtert für mich 1 Tasse Kaffee. Tischdecken, Weißbrot, Margarine, Marmelade, nur Sonntags 1 weiches Ei. Frühstücksroutine.Abspülen. Alle feuchten Tücher an der Reling zum Trocknen anklammern, das Bettzeug verstauen, Sonnenbrille auf, die digitale Karte (Tablet)  und das GPS-Gerät(Standortangabe, Geschwindigkeit, zurückgelegte km)  vor dem Steuermann fixieren, papierne Flußkarte neben den Steuerplatz legen, Fernglas dazu, Foto auch.

Eintrag ins Logbuch: Anker auf um 8 Uhr…“Bist du klar? Dann starte den Motor!“ Der Käptn holt mit der seit heuer elektr.Ankerwinsch den (neuen)24 kg-Ankerhoch, mehr als die Norm vorgibt, am Meer wog er 16 kg. Kräftig Gas geben und schon lege ich die Pinne um, denn vor Anker guckt der Bug immer „zurück“ in die Donau, denn das Schiff wird von der Strömung zurückgetrieben, wohl 5,5 kmh! Schneller als ich beim Walking!

Die Arbeit an der Pinne geht pro Steuermann je 1 Std., dann Ruderwechsel. Man guckt ständig nach den grünen und roten Bojen, auch Wracks sind nur mit einer kleinen roten Tonne gekennzeichnet. Am Ufer zwischen den Büschen sieht man weiße km-Schilder, mit km-Zahl (so weit bis zum Delta). Kontrolle mit Donau-Buch, Flußkarten (elektronisch v. „Doris“, die handgetippte und hand“gemalte“ ist von einem belgischen Flußkapitän.

Bug-Luk üb.meinem Bett, undichter Lüfter (1125x1500)

10 Uhr. Inzwischen widmet sich Gh. dem undichten Bug-Luk, bei dem es reinregnet überm Bett: Mit Schraubenzieher und Feingefühl –erst Zerlegen, dann Zusammenschrauben von außen. Er soll ja nur Luft durchlassen…J. Dann ist Gh dran am Ruder. Ich soll den gesamten Kleiderschrank ausräumen, damit er im Schrank den undichten ehem. Absaugstutzen vom Fäkalientank an Deck abschrauben und dichten kann. Immer 8 Kleiderbügel binde ich mit Seil zusammen. Als hinterm Clo alles ausgeräumt ist (auch 3 Schirme, Feuerlöscher, Schuhputzzeug, 2 Nähzeugdosen, Putzmittel, Fettlöser, Schmierseife „hausen“ hier!)- kann ich alles mit Sagrotan u. Neutralseife auswischen. Das weitet sich aus in einem Generalputz für Ledersofas, Messinglampen, Holzleisten und Boden, alles staubig nach 2 Tagen.

Gh baut den alten Absaugstutzen v.Bodenseebetrieb aus (1125x1500) Kühlschrank Bj.2013 defekt,Gemüse in Dosen... (1125x1500)

11 Uhr früh ist eine spezielle Zeit: Captain’s hour= mit 1 cm Schnaps stoßen wir an auf weiterhin gute Fahrt am Fluß. Ruderwechsel. Nun kann der Ingenieur seine Feinarbeit fortsetzen, mit Schraubenzieher, Schmirgelpapier zum Säubern, Aceton, Fett für die Verschraubung…und v.a. Sicaflex, denn die klebrige schwarze Dichtmasse soll ihr Wunderwerk tun!

13 Uhr. Mittagessen: Gh bekommt grünen Tee, ich mach mir immer 1 Kanne Wasser mit 8 Scheibchen frischem Ingwer am Morgen. Dazu Apfel, Nektarinen, 8 Zwieback mit Marmelade: der Zwieback ist noch von der Rhône-Heimfahrt im Okt.2011! Fundsache, noch gut Ich wasche in der Schüssel Frottée, Gh’s rote Bermuda muß gebürstet werden, ein verschwitztes Hemd wandert in duftende Neutralseifenlauge, gespült wird in Donauwasser. Bedacht den Platz zum Trocknen wählen und alles windfest anklammern. Gerhard schreibt Emails an Freunde daheim.

Kurz vor 15 Uhr: Ich mache jedem 1 Tasse Nescafé, dazu 6 Kekse des jeweiligen Landes, immer eine Überraschung… Noch die 20 Kleiderbügel zurück in den hoffentlich regendichten Schrank! Ruderwechsel. Gh. sucht auf der Karte eine Möglichkeit zum Anlegen. Leider ist alles von Schuten und Schleppern belegt am Hafen von Oreahovo. Der 1. Schlepper mit deutscher Flagge hinter den arbeitenden Riesenkränen am bulgarischen Ufer. Leider keiner an Bord, wir funken vergeblich auf Navigationskanal 16. Also weiter, trotz der 6 Stunden Tagespensum. Wir müssen sehr wachsam an einer vom Hochwasser total überspülten „Platte“ vorbeisteuern und an der roten Tonne, an der lapidar in der Flußkarte „Wrack“ steht…

Leo schleppt (1500x1125)

16 Uhr: Ganz nah führt nun die Fahrrinne ans rumänische Ufer. Dort lockt uns eine schmale Flußinsel, in einen Nebenarm der Donau einzufahren. Durch das Hochwasser ist die Wassertiefe leider nicht 4-6 m, sondern 9-12. Starke Strömung! Die Steilufer mit unterspültem Wurzelwerk, die Weiden tief im Wasser, teils der Naturdamm ausgespült, wie damals an der fränkischen Schwarzach, wo Vati uns das Schwimmen beibrachte!! Überall gefallene Bäume, die Stämme fast versunken oder wie Skelette aus dem Strom ragend, winkend und schaukelnd…

Die Strömung um mich rauscht wie ein Wasserfall (1500x1125)

17 Uhr. Sorgfältig tasten wir beide Ufer ab, keine Chance, nur in der Mitte findet sich eine Stelle mit weniger als 8m: 6m WT.Anker ab! Ordentlicher Eintrag ins Bordbuch. Insel Papadia. Fluß-Kilometer 664 (rund 650 km zum Delta), 80 km Tagesstrecke in 9 Stunden, durchschnittl. Geschwindigkeit 11 kmh.

 Wie viele km wohl die Ukraine-Kohleschiffe fahren am Tag? Heute grüßten uns 4 Schubverbände unter ukrainischer Flagge. Eines heißt Dnjeprpetrovsk, sicher mit Kohle aus dem Doneszkbecken…wir haen seit Budapest vor 4 Wochen keine politischen Nachrichten mehr vernommen. Flußschifferglück!

Inzw. Haben wir die bulgarische Gastflagge gesetzt am Bug. Wir wechseln ständig die Staaten auf dem internationalen Gewässer! Gerhard setzt sich gleich an den PC, Fotos hochladen. Ich flicke sein Poloshirt, die Faserpelzjacke, einen Aufhänger am Geschirrtuch, einen Bikiniträger. Alles sofort wieder an seinen Platz, das A und O einer Fluß- und Segelfahrt!!! Wind kommt auf, ich verstaute inzw. alle Gemüse in Dosen, denn der Kühlschrank funktioniert nicht mehr. Butter, Milch Krautkopf, Bier, Wein, alles wandert wie früher (1980-2006) unter die Bodenbretter über die Bilge. Da hat es statt 33°C nur 25°C…

Inzwischen hab ich meine Fotos, die Gh auf den PC hochgeladen hat, beschriftet, diesen Blogartikel in das Notebook getippt, sitze im Cockpit im anrauschenden Gewitterwind, trinke 1/8 warmes BierL und überlege, was ich heute koche. Gh. wird gleich das Moskitonetz über Sprayhood und Cockkpit spannen, beschwert mit Holzklötzen auf dem Teakdeck, eines der allerwichtigsten Schutz-Utensilien am Fluß! Kaum sinkt die Sonne, kommen Miriaden von Plagegeistern, Schnaken aller Rassen, blutrünstig und gemein… Autan hilft dann nicht mehr!!! Sie wären im Salon, wo man schlafen will, im WC, im Bug… Früh um 5 kommen die Schnaken ein 2. Mal, man wird gnadenlos wachgestochen und aus ist‘s mit Erholungsschlaf. Ich lege abends ein ringsum mit Bleiband benähtes Fliegennetz über mein waagrechtes Bug-Luk.

19 Uhr: Hunger! Was „muß weg“? Ich kontrolliere alle Vorratsdosen, ohne Kühlschrank beginnt viel schnell zu faulen. Köstlich wird der Salat aus Bauerngurke (die Kerne u. die Schale raus, bekömmlicher), kleiner Paprikaschote, 3 Tomaten, weißen jungen Zwiebeln, Dill. Dazu koche ich die Budapester Spaghetti zur Sauce Arrabiata. Gemütliches Abendessen unterm Moskitonetz im Cockpit.

20 Uhr. Wasser mit der Fußpumpe in die Spülschüssel pumpen(nicht elektrisch und nie Warmwasser, 1 ½ l maximal, wir haben zw. 40 u. 60 l an Bord, da muß man haushalten!), Haka-Neutralseife dazu (die „schafft“ auch kalt Olivenöl und Töpfe), Spülen, Abtrocknen, alles in die Schapps und Schubladen räumen- das kann ich nach 6 Jahren sogar im Dunklen.

 Die Grillen geben ein Konzert, ein Käuzchen ruft, ein Fuchs bellt… Kein einziges menschliches Licht ist zu sehen. Scheu versteckt sich sogar der Mond hinter Wolken, der Wind hat abgeflaut, aber um 1 oder 2 kann uns wie so oft ein Gewitterregen wecken. Oft gehen wir um halbzehn in die Koje, denn zu viel Strom wollen wir nicht verbrauchen. Manchmal spiele ich auf der Mundharmonika ein paar Abendlieder, z.Zt. ist fast Vollmond. Der Anker hält unsere EOS sicher, auch in der Strömung, als würden wir segeln!!! Nur die seitlich angehängte LED-Leuchte kündet von der EOS, die da mitten im Fluß ankert. Ganz still hängt sie am Anker, trotz der 5 kmh Strömung bewegt sie sich fast nicht, Gh. prüft: sie schwojt nur um 7°. Gespenstisch. Würde man ein Video drehen, sähe es aus, als wäre das Schiff in voller Fahrt…Liegt man innen in der Koje, meint man, sie parkt an Land in einem Shipyard!!

Flußleben. Meist geruhsam. Fast immer still. Auch wir Schiffer sind meistens ruhiger als daheim oder bei einem doch aufregenden Segeltörn…Selbst bei Schiffsbegegnungen winkt man nur, selten ein kurzes Hupen. Meist, wenn die Kapitäne die deutsche Flagge am Heck sehen, da sind sie schon fast vorbei gefahren. An Land winken die Angler, die Kinder sind begeistert, deutsch heißt da „Weltmeister im Fußball“. Brasilien wirkt noch nach….  GERDI

Calafat, Stadt der Kontraste (Gerdi)

 

Die Flusskarte: Klick

Mittwoch, 6.August: GERDI

 Die EOS liegt vertäut am himmelblauen kleinen Capitania-Ponton. Gerhard kann den Kühlschrank-Klotz hochwuchten und zum Auto des Beamten schleppen. Gegenüber der finsteren niedrigen schmutzigen „Werkstatt“(!!!) reihen sich marode Plattenbauten aneinander, die Balkons hängen zerbrechend schräg herab, die Fenster teils zusammengekleistert. Aus den Küchen ragen dicke kaputte Rohre, über mehrere Meter mit Alufolie umwickelt. Ofen-Heizung?

Kleine Läden säumen die beidseitig von alten Bäumen gesäumten Straßen, das Wegpflaster ist  lückenhaft, aufpassen!! Bei einer Metzgerfrau kaufe ich 500 g Hackfleisch, aber es ist wohl schon als Cevapcici gewürzt! Am Hafen erklärt mir eine in Deutschland lebende Rumänin, daß Pasta mista ganz fett ist und nur am Grill geröstet schmeckt, nie in der Pfanne gebraten. Ohne Würze heißt es Toccata.. Als ich erkläre, daß Toccata klassische Musik sei, müssen alle herzlich lachen. ( Ich esse übrigens nix am Abend, das Fleisch „müffelt“, ich hab da ein zu feines Gespür, wohl vom Hygiene-Vati( Milchwirtschaftler) als Gen vererbt.

Am Abend heiß-schwül, ich verpacke mangels Kühlschrank alles Gemüse in Dosen, dann duschen wir am Heck unter unsrer Kanisterdusche- und dann versuchen mich dicke schwarze Schnaken tot zu stechen. Flucht ins Vorschiff, voller dicker Beulen am ganzen Leib. Sch….ißmoskitos. Nachts wieder Regen…

Donn., 7.August

Früh um 9 suchen wir ein Internetcafé. Beim Saalbau klappts nicht, bei einer kleinen froschgrünen „Pensiune“ arbeiten wir 2 Stunden an Fotos und Blogberichten von 2 Wochen. Die visuellen Kontraste sind groß: Fassaden, prächtige Gebäude mit fast barocken Simsen, Balkons, Portalen und Stuck und Säulen, daneben verfallende kleine Häuser mit verwilderten Gärten, mal liebevolle Rosenrabatten an den Alleen, mal bröckelnder Verputz an kaputten Fenstern…Mich faszinieren die schmiede-eisernen filigranen Spiralen und Zinnen an den Flügeltoren! Die große Kirche St. Nikolaus mit ihren silberglänzenden Kuppeln steht nahe einem Saalbau, in dem die Galerie zum Feste-Feiern ein, unten hochglänzender Steinboden zum Tanzen unter Lüstern. Auch der Garten bietet eine Galerie über dem unteren Platz, wie mag man hier gefeiert haben, Hochzeiten, Geburtstage, Firmenjubiläen? An einem Kreisverkehr ein Schild, das es den Pferdegespannen verbietet, hier zu fahren! Wir begegnen 2x einem Karren mit Roma-Familie am Kutscherbock. Wir laufen die Alle bergab Richtung Hafen. Wie Berlins „Unter den Linden“ oder die Champs-Elyssées in Paris mutet der Boulevard an, nur fahren heute Mercedes und Lieferwagen statt feiner Droschken und Pferdekutschen auf und ab. Die saftig grünen Laubbäume spenden Schatten und erzählen von alten besseren Zeiten. Ich pflücke mir ein kleines rotes Röslein und steck’s mir hinters Ohr, ein Souvenir von Calafat.

Seht euch meine Fotos an und lest die Bild-Texte darunter!

Um 13 Uhr legen wir ab und ich steuere über den Fluß rüber zur bulgarischen Stadt Vidin. Bis 15 Uhr hat Gh. den undichten Lüfter über meinem Bug-Bett abgedichtet und die Gummistropps am Sonnensegel ersetzt, das auch als Regenschutz überm Vorschiffluk dient des Nachts. Ich koche von 3-4 mit dem nun un-gekühlten Gemüse vom Markt eine leckere deftige Suppe, viel Sellerie, Kohl, Lauch, Karotte, Petersilie…Um 17 uhr Insel Nebuna im Fluß, viele Untiefen und Wracks erfordern unsere Aufmerksamkeit, nach fast 60 km suchen wir uns einen Ankerplatz vor der bulgar.Stadt LOM. Kastell, Hafen, Plattenbau-Hochhäuser.

Gerdis Bilder: Klick