Београд Nicht ganz einfach, Strassennamen in kyrillisch, der Stadtplan in lateinischen Buchstaben.
Belgrad: Hauptstadt der Serbischen Republik, dort wo die Save in die Donau mündet, 1,3 Millionen Einwohner. Verwirrend als Neulinge.
Ducan bietet EOS einen Liegeplatz an seinem Ausflugsschiff an. Das hängt mit einem anderen Reparaturschiff an einem Barschiff. Alles zusammen etwas unfertig.
Uns plagt das Problem mit dem Echolot. Ein Pünktchen auf dem Bildschirm entwickelt sich langsam zu einem Geschwür und es droht der Verlust der Informationen. Wir brauchen ein neues. Ducan fährt uns in seinem Rasekahn zu 2 Firmen. Nichts. Dann mit seinem Auto zum Garmin- Shop. Ok. Ist aber 1/3 teurer als zu Hause. Wir kaufen und ich baue es ein. Schweißtreibend bei dieser Hitze.
Wir erkunden Belgrad mit Tram und Bus. Strassennamen in kyrillischen Buchstaben, der Stadtplan zeigt lateinische. Aber wir kommen zurecht. Schön, wie die Tram über die Schienen rattert. Ich glaube, sie fahren nicht nach Plan. Drinnen sitzt man in Reihen, Sitz hinter Sitz. Aber es gibt auch neue, wie bei uns. Uns beeindruckt das größte Gotteshaus auf dem Balkan, Der Kathedrale der Hl. Sava.
Mich dort der Gerüstebau im Inneren. Sie wird gerade ausgebessert. Holzbohlen,teilweise ohne Geländer, alles ca 30 m hoch. Parlamentsgebäude und andere Prachtbauten wie in anderen Metropolen auch, riesige Säulen, gewaltige Portale, Macht ausstrahlend. Das Save Ufer: belebt durch schwimmende Restaurants, weiter oben ein langes Lagerhaus, jetzt sind die angesagten Restaurants dort drinnen. Voller junger, schöner Menschen. Anschließend der Anleger für Kreuzfahrtschiffe. Alles sehr sauber und dann kommt der Schrottplatz der Stadt. Verrostete Schuten, Frachter, Schubschiffe.Auch ein alter Raddampfer. Diese Schiffe bieten Platz für Leute, die dort wohnen, aber ganz einfach.
In der Innenstadt brummt das Leben und ein “Künstlerviertel” Lokal an Lokal auch in einer ehemaligen Fabrik, die Wände schön bemalt. Die Fremden bewundern diese Strasse. Natürlich werden auch die Kreuzfahrer hierher geführt (man erkennt sie an dem Informationsverstärker mit dem Logo der Reederei und dem Knopf im Ohr, aber auch am interessierten Blick.
Ducan bringt uns Brot und Obst vom Markt. Er bemüht sich angenehm um uns. Sehr freundlich sind die Leute zu uns. Wir haben aber den Eindruck, dass sie weniger lachen, als würde sie etwas bedrücken. Die Leute sind halt etwas ernster hier. Von unserem Platz aus sehen wir, was sich auf der Save bewegt. Kleine Fischerbötle, Fracht- und Schubschiffe Saveauf- und ab, Superlange Kreuzfahrschiffe. Sie kommen am Morgen und verlassen Belgrad am Abend. Tagsüber wird besichtigt. So versuche wir einen Eindruck von Land und Leute zu erhalten. Wir können nur anritzen.
Mit dem Schnellbus fahren wir nach Zemun. Ist viel älter als Belgrad und liegt an einem Hügel neben der Donau. Quirliges Leben auch hier. Abseits Ruhe. Alles gekrönt vom Milleneumturm. Den wir hinaufsteigen und den Rundumblick genießen.
Belgrad, eine interessante Stadt, aber nicht zu vergleichen mit Wien oder Budapest, die wohl organisierten Städte. Alles ist da, es öffnet sich dem Gast aber nicht so einfach und schnell. Man muss organisieren können und muss über manches drüber weg sehen können. Gerade das bereichert diese Donaureise.
Was war so schön in Novi Sad(das heißt „Neue Saat“)? Es gab dort KEINE Schnaken, wohl via Flugzeug totgesprüht wie in Mohacs. Die schattenspendenden hohen Laubbäume in den düsteren Mietwohnung-Straßen, die netten kleinen Bäckereien…
Montag, 21.Juli 2014.
Wir laufen bei 35° Hitze tapfer in die Stadt und finden tatsächlich den (einzigen?) Technikladen, der den Inverter hat. Ein Taxi bringt uns zum Fuß der wieder aufgebauten Burg, das Hotel Leopold strahlt die guten alten Zeiten der Habsburger aus: roter Plüsch, Gobelins, Damast, edles Porzellan, riesige Baldachinbetten auf den Fotos. Wir genießen den überwältigenden Blick auf die Donau tief unter uns und die Hügelketten, da fährt grad die kleine Yacht der 2 Wiener vorbei!
Blick von der Burg Petrovaradin nach Novi Sad
Um halbdrei legen wir ab und die EOS tuckert weiter auf der Donau: Badestrände, Touristenanlagen, Boote…dann eine Kuppelkirche des Nikolausdoms und ein stattliches Hotel am Ufer: Sremski Karlovici. Karlowitzer Frieden von 1699 zwischen Österreich-Polen-Türkei-Venedig: da wurde Österreich zur Großmacht auf dem Balkan.Wir ankern hinter einer grünen Insel abseits der Fahrwasserrinne und grillen 2 Koteletts, die ich lecker mariniert hatte. Schnaaaaaaken. Gerhard spannt das Bett-Moskitonetz auf, wir baden festgeklammert an der Badeleiter in der schnellen Strömung. Ich begeb mich ins schnakenfreie 2 m³-Bug-Abteil… Nachts eine sonderbare Mischung. Die Strömung zieht nach hinten, der doch kräftige Wind bläst das Schiff nach vorn…
Dienstag,22.Juli:um 9 kommt mal ein Segelschiff mit gelegtem Mast vorbei. Deutsche. Gruß via Funkkanal 16. Am rechten Ufer weiden Kuhherden, Pferde suchen den Schatten der Bäume, Esel rufen, eine Herde falber Kühe mit ganz langen gedrehten hochstehenden Hörnern liegt am Strand..Dann die Mündung der Theiß! Ein Leuchtturm sogar. Stari Slankamen. Die Theiß verbindet Ungarn u. Serbien auf 545 km. Wir haben viel Wind. Dann säumen unglaublich hohe Sandwände, 30 m? das Ufer, oben thronen Häuser, in den senkrechten Sandmauern unzählige Bruthöhlen von nistenden Mauerseglern, drüber kreisen Greifvögel. Wir suchen uns 8 km vor Belgrad einen lauschigen Ankerplatz am linken Ufer, daneben ein Altarm mit Seerosen. Nachtigall und Pirol rufen. .Bad im Fluß. Schnakennetz. Spaghetti Arrabiata.
Unser Ankerplatz vor Belgrad
Mittwoch,23.Juli: Bei km 1181 (Entfernung bis zum Schwarzen Meer): Anker auf um 8.45 Uhr, wir queren rüber zu den senkrechten Sandküsten, unterfahren eine ganz neue noch nicht fertige gr.Brücke, deren Spannweite noch weit ins Überschwemmungsgebiet gebaut wird. Um 10 passieren wir den Bootshafen Znamen. Weiter oben biegen wir in die SAVE ein.
Belgrad! An Arbeitsschiffen wird renoviert und Farbe gepinselt, ein Mann winkt uns freundlich heran u. wir legen längsseits an. Andi, ein junger Österreicher aus der Wachau b.Krems verlegt seinen Motorflitzer nach hinten. Ducan will uns mit seinem schmalen Beiboot zu einem Marine-Ausstatter fahren, denn wir suchen ein neues Echolot (Display-Defekt). Vergeblich im 1.Shop.Sehr freundlicher Helfer (aus Ljubliana) der fließend Englisch spricht 13 J. Australien! Wir laden ihn ein zum Essen, er legt an einem urigen Ponton-Restaurant an. Fischsuppe, Hirtensalat,Wels-Steak mit Grillgemüse und Salbei, Wassermelone, Espresso. 30€ für alle 3 zusammen.
Wir essen mit Ducan
Mit dem Auto zum 2.Shop, Der Fishfinder v. Garnim kann bestellt werden. Am Abend Bummel am Kai zur Stadt, verrostende alte Schiffe, 2 ehemals wunderschöne Schaufelrad-Dampfschiffe sterben, ein Zementschiff liegt da, es diente im 2. Weltkrieg als Lazarett der Deutschen… Beim Anleger der Kreuzfahrtschiffe erstaunlich schicke Cafés und gestylte Mädels in Highheels beim Rendezvous. Überraschung: ein Maxi-Market, unvorstellbar überfüllt mit Waren, wie eine Messie-Wohnung. Brot, Kleider, Spielzeug, Kekse, offne Bonbons, Schuhe, Ventilatoren, Zigaretten, Bier,… Letzteres ist wohl ein Lebenselixier, massenweise steht es auf den Tischen und neben den Anglern…Gemütlich zum Schiff zurück. Regen. Noch 2 Segelboote haben in der Nähe angelegt!
Serben haben wenig moderne Fahrräder. Ich fühle mich gelegentlich in meine Jugendzeit zurückversetzt. Hebelbremse fürs Vorderrad, die rote Torpedo- Dreigang- Nabenschaltung, eine der ersten überhaupt. Am Fabriktor der Brauerei lehnen die Räder übereinander, wie früher bei uns auch. Der Zweiradmarkt hat Potential nach oben!
15.Juli2014: Nach einem gemütlichen letzten Frühstück in Ungarn verabschieden wir uns vom netten Anleger-Meister(…und bemerken erst in Serbien, daß wir vergessen haben, ihm den Türschlüssel zurückzugeben!!!)
9.10 Uhr gegen den Strom zurück zum Zollanleger und zur Wasserschutzpolizei. Sehr nette junge Männer, sehr freundliche Beamte, die sich in Englisch und Deutsch bemühen, uns von Amtsstube zu Amtsstube zu schicken..Um 10.15 ist alles wunderbar erledigt und wir sind bereit, die EU zu verlassen. Leider…
Alle SMS kosten nun richtig viel Geld. Wieder begleiten uns die Laubwaldufer, die Reiher, sogar ein adler-großer Greifvogel zieht seine Kreise. Wir steuern das gegenüberliegende Ufer an, das Motorschiff „Erika“ macht Platz für uns. Einklarieren in BEZDAN/Serbien! Welch großer Unterschied! Die Sekretärin spricht weder Deutsch noch Englisch… aber pausenlos stellt sie Fragen auf flottem Serbisch :-; Total zerschlissene Polsterstühle, ein Kachelofen als Heizung im Büro, aber im TV läuft die Europameisterschaft Wasserball D-Serbien und Schwimmen!
Vier große Seiten füllt sie aus, dann kommt ein „Agent“ zu Hilfe,der Englisch und etwas Deutsch kann. Wir eilen von
Büro zu Büro, treppauf,treppab, müssen 70 € bezahlen und nach 1 Stunde kehren wir mit wichtigen Papieren und Stempeln zur EOS zurück. Die 10€ für das Liegen längsseits zahlen wir aber nicht! Eine halbe Stunde später wird der Gewitterhimmel hinter den hohen Cumulustürmen anthrazitgrau und hagelgelb. Schnell das große 6m-Markisendach zusammengerollt und flugs die Öljacken und Südwester rausgekramt…. Und schon entlädt sich der Himmel in wilden Hagelschlägen und es gießt wie aus einer riesigen Brause. Der Wind peitscht über den Strom, die Hagelkörner dreschen aufs Teakdeck, innen ist im Nu der ganze Teppich nass, die Eiskörner peitschen auf den Herd, auf die Stufen des Niedergangs… Kaum noch Sicht, Gerhard tropft, triefnass Hose und Gummijacke… Schwarz der Himmel, Windstärke 6, 15.20 ist dem Käptn das zu gefährlich hier im engen Fahrwasser. „Wir ankern!!!“ höre ich die Anweisung, und schon legt er die Pinne um und wir steuern das andre Ufer an bis auf 2,5m Wassertiefe. Gerhard huscht zum Bug, drrrrrrch, Anker ab. 2,8 m WT. Die EOS steht im Strom! Km 1409… Nach 30 min sehr starkem Regen und Graupel lichtet sich der düstere Himme.. 15.50 Anker auf, erneut in die Fahrrinne, Nach 1 Stunde immer in der Mitte auf der Grenze zwischen Kroatien und Serbien biegen wir vor Apatinnach links ab in den Kanal zum Anleger gegenüber Polizei u. Tankstelle. Rechts grüßt majestätisch die serbisch-orthodoxe Kuppelkirche! Km 1401. 52 km/Tag. Insg. 988 km.
Der Ausflug in die Stadt ist irgendwie traurig. Trübe und grau, die Fassaden zerbröckeln, die Gesichter lächeln nicht. Nur Bierkneipen, kein einziges Lokal bietet um 19.30 Uhr was zum Essen an. Zerfall, marode Häuser, kaputte Fensterscheiben, teils aber Reste v0n prunkvollen barocken Fensterumrahmungen und schönen alten Portalen, nun bröckeln die Balkons herab, die Treppen fallen ein, die Dächer sind undicht…die Leute sehr einfach bekleidet, oft nur Leggings, Sandalen und Billig-Shirts aus China… Wir finden einen kleinen Gemüseladen hinter der (leeren) Markthalle, kaufen einen Kopf Weißkraut, Erdnüsse und offene Trockenaprikosen, dann laufen wir die ganze Strecke zurück ohne Höhepunkte… Aber Bäcker gibt es noch…Lebensnerv der Stadt ist die große Brauerei JELEN (d.h. Hirsch), hier stehen massenweise uralte Fahrräder aufgereiht, die Sättel mit Wollstoff bezogen mit Fischgrat-Muster oder Schottenkaro – es weckt Erinnerungen an meine frühe Kindheit, auch die Kindersitzle, nur gebogener Draht, die Rückenlehne aus Sperrholz, rosa oder hellblauer Stoff draufgeklebt. Am Lenker diese kleinen Sitzschalen für den Kinderpopo, ähnlich einem Traktorsitz! Um 8 noch ein nettes Gespräch auf Deutsch mit Leuten am Hafen, dann koche ich Weißkohl mit Speck und Kartoffeln. Köstlich wenn man Hunger hat nach dem langen Tag.
Im Schiff hängen die nassen Klamotten (auch die im geschlossnen Schrank nass gewordenen…), der Teppich ist wie ein Schwamm. Aber was soll’s- uns geht’s gut.
Am Morgen laufen wir in die Stadt, um eine neue serbische Flagge (Zastava) zu kaufen, die andre fiel ins Wasser…:-( Bei einem Supermarkt mit gr. China-Import-Ware im 1. Stock finden wir eine: 60×40 cm, riesig für eine Gastland-Fahne…Am Randstein verknackse ich mir den Knöchel, aber weiter geht’s! Am neuen Hafenkai kehren wir auf ein kühles Bier in einem kleinen Gartenlokal ein, um halbzwölf bestellen wir das 1. serbische Essen in der Goldenen Krone (altehrwürdig, Lampen aus Hirschgeweihen (Jelen-Bräu= Hirsch-Bier, im Glaskasten ein gewaltiger präparierter golden schimmernder Wels von fast 70 cm Länge und 26 kg schwer). Wir kosten die Fischsuppe (aus Karpfen, rot vom Paprikapulver, serviert im Kessel.
Wir fahren gegen Mittag weiter auf dem mächtigen Fluß und ankern um 16.15 in einer Kurve mit vielen Anglern in ihren kleinen Booten. Dieser Teil Sloweniens auf der andren Uferseite ist erst 1995 an Kroatien zurückgegeben worden. Wir grillen 2 Koteletts, dann besuchen uns gierige schwarze große Schnaken, ich flüchte genervt ins Vorschiff und Gh. spannt überm Cockpit das Bett-Moskitonetz auf, aber die lüsternen Blutsauger sind schon „drin“.Nähe Seva Ada . km 1392
Donnerstag, 17. Juli: Arbeitstag, Steuern, Käsebrot zu Mittag, auf zu neuen Ufern, alle sind grün von Erlen, Pappeln, etliche große Stämme liegen umgefallen vom Hochwasser im Strom. Aufpassen!
Freitag,18.Juli:
6.10, wir passieren die Mündung der Drau in die Donau. Vogelgezwitscher wie Nachtigallen, Silberreiher, Seeschwalben, der Pirol ruft.Herrlicher Morgen Um 7 Uhr Frühstück vor Anker. Um 8 Uhr entdecke ich beim Steuern hinter den Brücken von BOGOJEVO die kleine Segelyacht der 2 jungen Wiener Donaufahrer! DALI bei km 1848, trüb, kühl, bewölkt, etwas Regen, auf der kroatischen Uferseite Dörfer mit roten Ziegeldächern und sehr deutsch anmutenden barocken Zwiebeltürmen auf stattlichen Kirchen, Bezirk Vukovar. Das im Donaubuch empfohlene Cârdas(kl. Lokal auf Stelzen) können wir nicht anfahren, Hochwasserschäden am Ufer und Terrasse. Hinter den hohen Deichen lugen später nur die Dächer kleiner Häuser hervor, Weinberge.
HALBZEIT: die Hälfte der Donaureise ist geschafft, brave fleißige EOS!
Stolz passieren wir die km-Tafel 1300. Jetzt ist die EOS schon 1200 km in der Donau gefahren, die halbe Strecke zum Schwarzen Meer ist zurückgelegt. 110 km Tagesstrecke! Zur Kaffeezeit um 14.30 ankern wir,in einem kleinen Cârdas esse ich den köstlichsten Zander der Welt, klein und frisch wie von der Angel. Zurückpaddeln im Schlauchboot, Flucht in mein Bug-Verlies: SCHNAKEN!!!
Samstag, 19 Juli 2014:. Steuern im breiten Strom weiter, Ziel Novi Sad. Und plötzlich öffnet sich der Blick nach vorn auf Hügel, Weinberge und hohe Berge, welch ein Erlebnis!!! Es ist wie der Blick ins Paradies, schlimm, daß hier vor 19 Jahren ein Krieg wütete. Zauberhaft, fast wie am Bodensee oder im Tessin! Ich lese von vorzüglichen Weinen. Am Ufer weiden friedlich Kühe, rotbuntes Fleckvieh wie in meiner Heimat Franken!
Um 14.30 steuere ich vorsichtig zwischen 4 riesigen Betontrümmern der 4 Brückenpfeiler durch, die bis zu ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg die historische Donaubrücke unter der grandiosen Burg trugen. eine schlichte sehr niedrige Stahlbrücke ersetzte sie.Die 2.neue Brücke wird gerade gebaut, wenn sie fertig ist, wird die mächtige Bogenkonstruktion über die Donau „geschoben“ und verankert, eine Meisterleistung der Ingenieure..
Ich lege am Polizeiponton an. Anmelden.Freundliche versierte Polizistin, die Englisch nur von den Touristen lernte. Unterhaltung mit einem Agenten vom Kreuzfahrerschiff nebenan, ein Silberkoffer mit 150 deutschen Pässen und Ausweisen. Er kann Englisch, früher Bankangestellter, nun wesentlich interessanter und in eleganter weißer Uniform :-). Um 16 Uhr fahren wir erneut unter der Donaubrücke durch und biegen gegen die Strömung ein in einen Wasserarm zum SKV Segelclub Vojwodina. Der Kellner kann Englisch(Waiter in London). Gerhard bekommt von andren Schifflesfahrern Tipps für Inverter, Donauroute am Eisernen Tor, ein gutes Fischlokal. Am Deich gibt es mittig die Flanierpromenade, rechts eine rote Tartanbahn für die Jogger, links ein Radweg. 400m stadtwärts essen wir in einem Fischlokal über dem Fluß Zander und Wels(Steak). Krönung ist ein Stück sündhaft gute schokoladige Sachertorte(ich wollte was ohne Sahne und dachte an ein Eis…Überraschung!)
Im kleinen Clublokal spielen 2 Life-Musik auf 2 Gitarren, die ungarischen und serbischen Schlager singen viele mit. Von allen Ufern Musik und um 23.20 ein grandioses Feuerwerk!
Sonntag, 20. Juli: Bad im Fluß. Wir laufen zum Bauernmarkt in der Stadt, Blumen, Nektarinen, Aprikosen, Himbeeren, Auberginen, Gurken, Tomaten in Mengen, scharfe Peperoni, Schwarzbeeren, alles was man im Haushalt braucht und billige Klamotten. Im Taxi fahren wir an die Stadtgrenze zum Flohmarkt oder Zigeunermarkt, aber einen Inverter (Stromwandler von 12 V auf 230 V) finden wir nicht. Einer fährt im Schubkarren voll Wasser und Eis Voda und Cola durch die engen Gässlein zwischen den Ständen, es piepst bei Entlein und Küken, junge Hunde fiepen in Bananenkisten, es gibt alles Armaturen für Clo, Spüle, Waschbecken und 100 Handy-Ladegeräte, Schuhe, 60 Jahre alte Röhrenfernseher, Schrauben, alles fürs Fahrrad, und wir finden ein grünes Seil für den Flaschenzug zum Zu-Wasser-Lassen unsres kleinen Außenbordmotors fürs Schlauchboot. Am Rückweg betreten wir den großen supermodernen MERCATO, einen Ladenpalast wie unsre deutschen Bahnhöfe. Heiß ist’s, 35° sind im Juli normal. Ein kaltes Cola kühlt und ein Bad an der Badeleiter, dann gibt’s Tomatensalat. Wenig Unternehmungsgeist bei der Hitze, also Blog-Tippen, muß ja sein. GERDI
In Baja versorgen wir uns und kehren mit schwerem Rucksack heim. „Massenhaft Donaufahrer“: Eine große Motorjacht aus Deutschland, ein englischer Segler und das junge Paar mit dem winzigen Segelboot. Die passen mit gesetztem Mast unter den Brücken durch. Wir biegen wieder nach der Kanalfahrt (Baja liegt etwas abseits der Donau) in den Strom ein. Die Häuser bleiben achteraus und uns umfängt wieder die Natur. Im Laufe der Zeit wurde der Strom seiner Nebenarme beraubt und in sein jetziges Bett gezwängt. Steinschüttungen an der Prallseite, gegenüber Sandbänke oder Buhnen. Hier badet eine Gruppe, dort liegt ein Kahn versteckt oder ein Angler versucht sein Glück. Gelegentlich eine Verladestelle für Kies, Getreide, Öl. So windet sich die Donau und unterstützt uns beim Vorwärtskommen. Würden nicht viele diese lange Reise als langweilig empfinden? Ganz falsch ist das nicht. Wir sind ja auch eine lange Weile unterwegs und da fällt alle Hast ab, wenn der Motor gleichmäßig tuckert, das Wasser wellenlos arbeitet und sich das Umfeld ganz langsam verschiebt. Ab und zu ein Blick auf die Flusskarte oder mit dem Fernglas die nächste Boje finden. Abwechslung bringt gelegentlich einer der riesigen Schubverbände oder ein Kreuzfahrtschiff. Das Starren auf das Echolot hat aufgehört, die Wassertiefe bewegt sich zwischen 3 und 10 Metern (hoffentlich bleibt das so).
Dann sehen wir im Fernglas voraus die Anleger von Mohacs. Ein Plätzchen wäre an einem Ponton noch frei, ist aber arg kurz. Ganz vorsichtig scheren wir uns an den Anleger ran um nicht vorne mit dem Mast eine Persenning aufzuspiesen oder hinten einen anderen Anker zu berühren. Dann liegen wir sicher und Gellert, dem der Anleger gehört, meint, wir können hier überall Deutsch reden, viele Leute sind ja Donauschwaben. Ein Doppeldecker versprüht Gift, um die Mückenbrut zu töten. Wir verschaffen uns einen Eindruck vom Dorf . Die schönen stabilen Häuser deuten auf Wohlstand hin. Wir essen ausgiebig und nobel am Ufer. Das Restaurant versprüht einen etwas angestaubten Scharm. Die hübschen Bedienungen stehen steif am Eingang und warten auf die Wünsche der Gäste. Vater und Sohn (?), beide ältere Herren übernehmen den Kontakt zu den Stammkunden. Aber es war nett und gut.
Während des Essens wird es Nacht und es wird ruhig auf der Donau. Die große Fähre neben uns stellt ihren Betrieb ein, keine kleinen Flitzer mehr auf dem Wasser. 3 Schubverbände drehen zum Ankern gegen die Strömung und ihre Anker fallen blechern scheppernd ins Wasser. Die vielen Lichter auf den Ankerern werden immer deutlicher mit zunehmender Nacht. Im Süden Blitze, aber hier ohne Regen. Nachts fahren noch hell erleuchtete Kreuzfahrschiffe vorbei. Morgen warten ja neue Sehenswürdigkeiten auf ihre Passagiere. Am Anleger sind wir die einzigen Schlafgäste. Getränke stehen im Kühlschrank zur Verfügung. Den Obulus legt man in eine Blechbüchse. Nichts ist abgeschlossen.
Und „Du bist hier in meinem Land“ So heißt das Motorboot vor uns, dem unsere vorstehende Mastspitze beim Anlegen gefährlich nahe kam. Was will der Besitzer damit sagen? Vielleicht; Das ist auch mein Land, auf das ich stolz bin? Oder: Sei anständig in meinem Land?
Wir beide jedenfalls schlafen gut, auch wenn die wenigen Vorbeifahrer EOS mächtig zum Schaukeln bringen.
Dank sagen in der KircheDer Kanal in die fröhliche Stadt BayaAbend in MohacsEin Schubverband vor AnkerStrandlebenAm Anleger beim Gellert in MohacsDie meisten Frachter ankern nachts
12.Juli 2014, Budapest adieu! Um 9 Uhr gleite ich-mit der EOS- zum ersten Mal ins strömende Wasser der Donau! Einmalig, am imposanten Parlament (790 Zimmer!) vorbeizufahren, auf dem eignen Boot. Eindrucksvoll die Kulisse zu beiden Seiten!! Die Kirchen in ihrer Pracht, die stattlichen Gebäude, unter den Brücken durch, wo oben die Autos fahren und die Straßenbahnen.
Wir lassen die Stadt und ihre Lebhaftigkeit hinter uns und geben uns der unberührten grünen Natur hin…
Wir wechseln uns alle Stunde ab am Ruder. Nach 80 km/Tagesstrecke ankern wir neben der Einmündung eines Altarms neben dem üppigen dichten Auenwald. Mein 1. Bad in der DONAU,aber nur auf der Badeleiter und mit Sicherheitsleine samt Fender für den „Notfall“-die Strömung ist tückisch. Das Halsgrat von der Markthalle mariniere ich pikant und stecke es mit Zwiebeln, Speck und Paprika auf 4 Spieße, die der Käptn am Heck grillt. Mmmmh! Wir blicken auf eine elegant geschwungene neue Bogenbrücke(Autobahn). Erika schreibt via SMS, daß sie in Südnorwegen ihr Zelt einweihen, nach einer 500m-Klettertour…
Nachts um 3 überholt uns ein Kreuzfahrschiff (120 m lang?) und die EOS schaukelt wie am Meer
13.Juli: Anker auf um 7.30 Uhr. Unberührte Natur, alle Arten von Grün, dichter Laubwald. Immer wieder münden schmale Alt-Arme in den großen Strom, dort tummeln sich große weiße Watvögel, wohl Silberreiher. So graziös im Flug. Auf Schwemmholz balancieren See-Schwalben in geradezu elegant anmutendem schwarz-weißem Federwams. Im Donaubuch lese ich von schwarzen Störchen, Milanen, von Wildschweinen und Bibern, von delikaten Zandergerichten in den Gasthöfen.
Stunde um Stunde suchen wir auf der elektronischen Karte am Tablet-Display einen Pfad für unser Schiff zwischen den Bojen, die die Fahrrinne rot und grün abgrenzen zu den zu flachen Uferzonen. Einmal hören wir über Funk die Stimme eines Kreuzfahrer-Kapitäns: „Kleines Schiff!! Ich komme rechte Seite!“ Aber er will nicht rechts von uns überholen, sondern er kommt mit seiner RECHTEN SEITE an uns vorbei.
PACS verschwindet hinter der Biegung, am Anleger von Kalosca liegt ein weißes Traumschiff. K. ist bekannt durch seine Volkskunst, bestickte Tischdecken, Blusen, mit Blumen bemalte Möbel und Keramik. Die Hälfte aller ungarischen PAPRIKA wird in Kalosca geerntet und verarbeitet.
Gegen 15 Uhr ziehen zu beiden Seiten düstere Gewitterfronten auf. Wir sind kurz vor BAJA, biegen nach links in den Duna-Seitenarm ein…und dann schüttet es, Gewitterregen, Blitz und Donner, noch bevor wir den kleinen Sportboothafen erreicht haben. Ölzeug, Südwester, Luken dicht! Vor uns taucht die kleine 7,50m-Yacht der jungen Wiener auf, die mit gestelltem Mast in 3 Monaten „Auszeit“bis Sulina ins Schwarze Meer wollen. Schnell ist die EOS am Steg vertäut, eine Wasserschlange lugt durch die Ritzen! Wir hören, daß das WM-Fußball-Finale Dtld-Argentinien um 21 Uhr beginnt. Gaaaanz weit weg von uns.
Um 7.21 Uhr Start Bhf Eriskirch, um 18.49 Uhr Ankunft Bhf Budapest-Keleti.
Eine lange Reise, aber so schön! Der Chiemsee- da lernte ich das Segeln!! Salzburg…Wien…, die Donau…Der Railjet ist zwar laut und ruckelt und schnarcht(!), aber er eilt und bringt mich gut ans Ziel. Gerhard steht am Bahnsteig im prächtigen Keleti-Bhf und dann bezaubert mich die K&K-Städteromantik von Budapest. Hohe reich verzierte Fassaden, Säulen, Statuen, Jugendstil-Dekoration, schöne Spitzbogen-Fenster wie in gotischen Kirchen, ja sogar die Kanalisationsdeckel sind mit hübschen Mustern geschmückt. Was für ein Lebensstil. Ich freue mich über ein Budweiser Bier und später in einem Straßenlokal übers erste Gulasch… Die Metro-Rolltreppen jagen mir einen gehörigen Schrecken ein, denn sie rasen zu Tal und man muß echt aufpassen den gelegten Mast gebreitet hat wie einen Baldachin.
Am Morgen eine Dusche an Land, ein liebevolles Frühstück..Dann machen wir uns wieder auf in die Stadt. Rasant saust die U-Bahn und schon empfängt uns die ganze städtebauliche Herrlichkeit – fehlt nur noch daß der Kaiser mit der Kutsche um die Ecke biegt. Überwältigend das riesige Parlamentsgebäude im Zuckerbäckerstil, direkt am Donauufer. Wir schlendern durch die Gassen, fahren mit der Funicular auf die Fischerbastei.
Atemberaubend der Rundblick. In den windigen Arkaden spielt eine 3-Mann-Kapelle ungarische Cardasmusik. Der Geiger kommt an den Tisch, Ave Maria für Madam! Der Cimbal-Solist spielt in schwindelerregendem Tempo…. Durch schattige Alleen wandern wir bis zum Abend und erreichen müde und glücklich die EOS.
am 11.Juli fahren wir mit 4 Metros, traditionelle und moderne, ich lasse mich bezaubern von dem Kuppelbau im Gellertbad, finde den goldstrotzenden Dom zu monströs, bin begeistert von der Markthalle. Ein überbordendes Angebot an Waren, aber die ungarischen Worte sind wie Hieroglyphen…Noch eine heiße Schokolade und ein Meinl-Espresso, dann mahnen finsterschwarze Wolken, Blitz und Donner zum Heimgehn.