37. WARTEN

Gerhard:

Internetwetter 05. August: Mistral im Löwengolf vor Südfrankreichs Küste. Windstärke 8.

Das Tief zieht ostwärts und wird auch der Westseite von Sardinien Starkwind senden. Wir bleiben im Südosten Sardiniens unter Landschutz. 3 Tage später finden wir Schutz in der Bucht Malfatana.

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Der Hügel über unserer Ankerbucht teilt die Windrichtung. Mal kommt er von Norden, mal von Westen. Alle Schiffe geigen hin und her. Sandgrund, ein Tauchgang und das „Einfahren“ mit Motor bestätigt: Der Anker wird halten, auch bei starken Böen. Die kommen auch, der Mistral hat uns mit voller Stärke erreicht. Unser norwegischer Nachbar ankert ungünstiger, sein schönes, altes Schiff driftet. Ich mache ihn auf das Missgeschick aufmerksam. Mit viel Mühen und 2 Ankern findet auch er nach mehreren Versuchen Halt. 

Wetterbericht 07. August abends: Windstärke 7 in unserem Bereich, übermorgen abnehmend.

Wir warten hier in der Bucht auf weniger Wind. Bei diesem Wind gegen an fahren belastet Schiff und Mannschaft. Wir haben Zeit. Warten kann schön sein. Eine hübsche Gegend, ringsum Hügel, ein Sandstrand, lustiger Strandbetrieb, mit angenehmer Musik untermalt, es ist Ferienzeit. Abends steige ich auf einen der Hügel, der Übersicht wegen. Fehlanzeige: Alles Macchia, meine Beine werden arg zerkratzt. Oben keine besondere Sicht wegen hoher Büsche, die Kamera streikt. Da freue ich mich auf Gerdis Abendessen: Auberginengemüse und Reis.

Abends lässt der Wind stark nach und sendet Böen aus allen Richtungen. Die Boote nähern sich unangenehm und um 2 Uhr nachts stößt Norwegers Boot an EOS. RRummsss! Sternenklar, Sternschnuppen (man darf sich was wünschen, muß aber schweigen). Eigentlich eine herrliche Nacht. Wir vereinbaren, dass der junge Norweger noch 20 Meter Ankerkette mehr gibt, damit er hinter EOS kommt. Das klappt und der Rest der Nacht bleibt friedlich. Morgens schöner Wind. Ich traue dem Frieden nicht, die nächtlichen Böen lassen mich an den vorhergesagten schwächeren Winden zweifeln. Nochmal einen Tag und eine Nacht in der stark belegten Bucht warten? 

Um halb 7 wecke ich Gerdi und wir verlassen den Ankerplatz.  Noch schläft der Mistral. 270°, nur ein Katzensprung zur Zafferano Bucht, eine Seemeile nördlich vom südlichsten Punkt Sardiniens. Auf halbem Weg zeigt der Mistral, was er kann, genau von vorne. Wir aber kommen bald in den Schutz der Bucht. Wunderbares türkisblaues Wasser und bester sandiger Ankergrund erwarten uns. Die Gegend erinnert an Griechenland, felsige, teils kahle Berge, kein Haus zu sehen, kein Badebetrieb (klar, die Gegend ist Schießgebiet für die italienische Marine, aber im August für allgemeinen Betrieb freigegeben. Der Wind faucht im Rigg.

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SMS Wetterbericht 10. August, vormittags: Wind abnehmend, Stärke 3, morgen 2. Amtlicher italienischer Wetterbericht zur gleichen Zeit: Stärke 8, morgen auch Stärke 8. Wem sollen wir glauben? Egal, die Gegend ist so schön, Wasser und Essen haben wir noch. Gerne warten wir einen weiteren Tag.

34.Versteigerung in Palermo

Gerdi und ich schlafen gut im Hafen von Palermo. Kein wildes Schaukeln wie vor den Küsten der Äolischen Inseln.

Etwa um 4 Uhr wecken mich laute Stimmen von der gegenüberliegenden Hafenseite. Streithähne? Betrunkene? Dazu waren die Stimmen zu gleichmäßig, zu regelmäßig und auch zu melodisch. Auch als es dämmerte, änderte sich nichts. Da müssen mündliche Geschäfte im Gange sein! Fischhandel? Auktion?Gemüse?

Ich stehe auf und laufe um den Hafen herum. Nur wenige Menschen unterwegs. Bis zur großen Halle. Da ist der Teufel los. Lkw´s, Gabelstapler, Dreiradwagen, Handkarren. Kräftig gebaute Männer schleppen Kisten mit sortierten Fischen, große Schwertfische an Haken. Fische und Schalentiere aller Art. Mich und mein Fotoapparat nimmt niemand zur Kenntnis. Plattformen sind aufgebaut. Ein Mann nennt die Fische vor ihm, andere antworten, ein tolles Durcheinander! Aber nur für mich. Da wird gesteigert! Laut und mit geröteten Gesichtern, voller Konzentration. Im Sekundentakt werden Angebote gerufen.  Einer -der Käufer!- schnappt sich die Ware, erhält vom Versteigerer einen Zettel und nach 5 Sekunden wird schon das nächste Angebot ausgerufen.

Schade, ich erlebe nur noch die letzten Angebote mit. Es wird ruhiger. Verschämt zählt der eine oder andere seine Geldscheine. Der Markt beruhigt sich, man raucht, trinkt einen Caffè zusammen. Die letzten Fuhren werden abgefahren.

Als die Sonne aufgeht, ziemlich genau um 6 Uhr, ist alles ruhig wie die Stadt selbst um diese morgendliche Stunde.

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35. STERNEN-ZAUBER AUF SEE…48 Stunden Überfahrt nach Sardinien

Gerdi, nachts zwischen 1. und 2. August 2011  

 

Um 9 Uhr früh starteten wir vor der Lava-Küste der Insel mitten im Meer, USTICA. Kurs 270 °.
Nun geht es nach Westen. Und „nie mehr“ nach SÜDEN  !!

 

 

Wenn man so lange völlig alleine auf dem Meer schwimmt und in der hohen Dünung schwoit, wenn der Blick ausnahmslos ewig weit über die Wasserfläche geistert, auf der es keinen einzigen Punkt gibt, kein Schiff, keine leere Wasserflasche, nur 3 Riesen-Schildkröten, die uns neugierig beäugen, torkelnd im Seegang, dann rückt man ab von der Welt der Landbewohner, der Alltagspflichten, der Tagesschau, kein Auto, nur noch blinkende Flugzeuge in der Nacht…und das endlose Sternenzelt.

 

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Ein sanfter roter Sonnenuntergang (beim Reis-Käse-Mortadella-Tomaten-Oliven-Salat ) abends um halbneun, dann Vorbereitung auf die Nachtfahrt: Schwimmweste,^McMurdo, das Notsignallicht prüfen, das man im Notfall einem Über-Bord-Gegangenen samt ohnmachtssicherer kragen-ähnlichem Rettungsring nachwirft… Den eignen Lifebelt, (der an der selbstaufblasbaren Schwimmweste hängt), einklinken in das Rund-um-die-Eos-Stahlseil, Stirnlampe, MP3-Player, 1/2 l Wasser für die lange Nacht…mein Buch.

 

Gerhard legt sich um 10 nach der akribischen Navigationsarbeit in die Koje. Meine Wache wird friedlich, der angekündigte 3-4er Wind bleibt aus. Schade. Nur das Groß ist hochgezogen als Stützsegel in der Dünung. Wie bei der Nachtfahrt in der großen ital. Bucht von Taranto stöpsele ich die gute Jazz-Musik in die Ohren, die mir Erika vor 3 J. aufgespielt hat. So höre ich das ratternde ewige laute Motorengeräusch unsres zuverlässigen, braven VOLVO nur noch gedämpft.

 

Sternklar…Un-beschreiblich.

 

Bei NEUMOND ist die Nacht überm Meer, das 2-3 km tief ist, so un-glaublich dunkel! Die Abermillionen Sterne leuchten viel heller als sonst, es sind auch viel viel mehr als je gesehen.

 

Die MILCHSTRASSE ist in voller Länge zu sehen. Ein gespannter Bogen zu beiden Seiten des Schiffs. Sie sieht tatsächlich so aus wie verschüttete Milch ! Kein Berggipfel engt sie ein (wie auf der Arflina vor der Ski-Hütte), kein Inselkap grenzt ihre Breite ein. Ein Zauber. Sie „bewegt sich“!!! Sie zieht sich wie ein Schal nach oben, sinkt drüben, wird versetzt nach Westen, zum Bug hin…Stundenlang bestaune ich das Schauspiel.
In meinem Lieblingssternbild, dem SKORPION mit dem goldgelben, hellen Leitstern ANTARES, tauchen bei dieser tiefschwarzen Finsternis ganz „neue“ Sterne auf. Schräg unter dem 2. und 3. Stern des rechten Bogens…
Hinter mir erhebt sich fast zum Erschrecken plötzlich wie eine Pergamenttüte über einer Kerzenflamme groß und mächtig der sonst so schüchterne Sternenhaufen der Plejaden aus dem schwarzen Meer und spiegelt sich sogleich darauf!!!…Wo vorher gar kein Stern zu sehen war.

 

Auch der helle JUPITER beschert mir beim Ausguck nach Schiffslichtern einen kurzen Schrecken: wo kommt denn dieses helle Top-Licht auf einmal her??? Aber als ich das Fernglas hole, steigt das Licht wie von Riesenhand gehoben bereits hoch in den Himmel, mit einer Lichtgasse auf dem Meer als wäre es ein Mond…Kein Schiff. Kein Ufo…
Der GROSSE WAGEN hing bei Einbruch der Dunkelheit schräg am Himmel, die Deichsel nach links oben, Richtung Milchstraße. Im Laufe der Nacht „saß“ er dann fast waagrecht mit den Rädern über der Kimm, um dann gegen 2 oder 3 sein Hinterende anzuheben nach oben rechts, um erneut „schräg“ über dem Meer zu „schweben“…Geheimnisvoll. Erstaunlich…Ich male mir in Gedanken eine Linie unter seine Bahn…und summe gedankenverloren das uralte Gospel meiner Chorzeit mit Doris: „SWING LOW, SWEET CHARIOT, coming for to carry me home….“
Im Ende der daneben sich über die kaum zu erkennende Kimm nach oben „ziehende“ Milchstraße leuchtet nun das große mächtige W, meine Initiale als geborene Wagner-Tochter. Die CASSIOPEJA.

 

Und über mir das Dreigestirn des ORION.
 Schade, daß ich mir keine weiteren Sternbilder angeeignet habe in all den durchwachten Nächten meines 6 Dekaden langen Lebens. Die Nachtwanderungen mit Vati in Leutershausen, wo wir auf dem warmen Asphalt am Rücken lagen, den Blick in den Himmel. Die sternhellen Nächte vor Gibraltar 1973 bei meiner ersten VW-Bus-Reise, Tarifa, Südspitze Spaniens, Kroatientörns, auch im Winter! Die Schweden-Norwegen-Reisen, die Korsika-Umsegelung Aug.’80,die Hochzeitsreise im Faltboot 81 auf der Krka in Kroatien, die Familientörns 83-91 auf der Adria, die Wohnmobilreisen in Schweden+Norwegen und die Ostseeküste bis vor Polen, diese 3 Halbjahres-Segeltörns….

 

Es ist bei den unzählbar vielen, blitzlichthellen STERNSCHNUPPEN fast, als flöge man durchs Weltall. Der große Weltraum ist dicht „besiedelt“ von Sternen, die vor Urzeiten bereits erloschen und vergangen sind. In den Galaxien sausen sie oft wie die glänzenden Messer der Messerwerfer im Zirkus oder Varieté waagrecht, 1 Sek. lang, über den Himmel, eine helle Bahn. Andere explodieren mit einem Riesenpunkt, daß man meint, es stürzt ein Jumbo ab. Gespenstisch auch die senkrecht oder schräg über den Himmel flitzenden langen Schweife Richtung Meer….bevor sie verglühen…lautlos…gespenstisch allemal.

 

Man sitzt als Wach-Habender 4-5 Stunden angeleint im Cockpit, mutterseelenallein, und man darf NICHT EINSCHLAFEN !! Der Zweite schläft ja innen in seiner „Freiwache“und verläßt sich 100%ig auf den Partner. Das GPS-Display leuchtet mit seinen kleinen 5×4 cm matt bläulich. Am Heck leuchten die Farben rot und gelb von der deutschen Flagge auf, sonst nur Finsternis. Bei wenig Wind spiegeln sich die Sterne wie
Irrlichter auf dem Meer, tanzen, verschwimmen…Der Schaum der Bugwelle glitzert neben einem weiß auf. Springt ein DELPHIN 2 Meter neben mir hoch, so kichert er frech und quietscht laut vor Vergnügen, wie bei einer Begrüßung, silberhell der weiße Bauch, grau die spitze Schnauze mit dem lachenden Auge…Es hört sich an wie wenn wir als Kinder mit dem Daumennagel über den Kamm „ratschten“ als Rhythmus zum Singen. Wie Musik.

 

Gerhard prüft um 3 nachts den Standort. Alles ok. Nochmal 24 Stunden….Einsam. Nur 1 Segler, in der Gegenrichtung. Ich weiche aus, könnt‘ ja sein, daß es ein „einsamer Wolf“ ist, so ein Skipper ohne Crew, die schlafen immer 30 min. , dann klingelt der programmierte Wecker, kurzer Ausguck, weiterschlafen…Man kann ja nie wissen, in welcher Phase er grad ist…!

 

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Dann löst mich der Kapitän der EOS ab. „Gut gemacht. Dankeschön.“  „Gute Wache, bis um 8…!“
Der im Meteo angekündigte Wind kam nicht. Motooooooren. Ich schlafe bei offnem Luk und Gerhard genießt nun lauter neue Sternschnuppen…

 

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PS: Die Eos erreichte nach fast 400 km auf offnem Meer in der Nacht um 3 die Südspitze von SARDINIEN: CAPO CARBONARA. Glückliche Ankunft, der Anker fällt auf 5m Wassertiefe in der riesigen Badebucht mit dem tags türkisgrün leuchtenden Wasser, wie wir es von 2009 im Juni in Erininnerung haben…

 

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Nur 1 Motoryacht ankert. Der starke helle Strahl des Leuchtturms, auf den ich seit 21 Uhr 30 Seemeilen lang zugefahren bin, wirft seinen kreisenden Lichtarm über uns. Ein Grappa, ein Glückwunsch, eine Umarmung. Ab in die Koje. Schlafen.

 

 

Beim Frühstück um 9 Wind, Wellen, türkisblaues Meer auf Sandgrund, am goldnen Strand erste Sonnenhungrige. In Deutschland hat es seit Tagen kalte 12-15°, Regen, Heizung an….

 

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33. ROMANTISCHER ABEND IN PALERMO…und weiter zur Insel USTICA

Gerdi,29.-31.Juli 2011

Unser 2.Tag in PALERMO,  der großen Stadt am Meer.

Am frühen Morgen wird Gerhard wach von lautem Rufen, ja Schreien. Er macht sich auf die Suche nach der Quelle der ungewohnten Stimmen: Fisch-Auktion! Ein Erlebnis der besonderen Art für einen Binnenland-Bewohner!
Später bummeln wir wieder durch die engen Gassen mit den dicht beieinander stehenden hohen uralten, verwohnten Häusern, oft 4-6 Stockwerke, die kleinen Wohnungen mit schmalen Balkons, die auf je 12 schmiedeeisernen zu Schnecken gedrehten Eisenträgern ruhen, oft dicht berankt mit Kletterpflanzen oder bestückt mit Blumenpötten, auch Basilikum, davor flatternde Wäsche. Jeder kann dem Nachbarn reinschauen, und sicher auch alles mit-hören… In den ältesten un-sanierten, oft baufälligen  Altbauten (ohne Verputz, die Abflußrohre und Stromkabel außen an der Mauer befestigt), hausen sehr alte oder auch  sehr junge Leute, kinderreiche Familien, und viele dunkelhäutige Zuwanderer…Manche Fahne zeugt von deren ferner Heimat… Ob sie hier Arbeit fanden? Und bleiben können?

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Auf freien Mauern viel Graffiti, ähnlich wie in den Hausbesetzer-Zeilen in Hamburg oder in Ur-Kreuzberg…
Fröhlich aber die Bürger, flanierend zwischendrin die italienischen Touristen. Vom 1. August an schließen fast alle italienischen Firmen, Büros, Fabriken ihre Tore, wie in Frankreich, und das Land macht gemeinsam Betriebsferien! Wir werden es zu spüren bekommen in Sardinien!
Zauberhaft das bunte abwechslungsreiche Durcheinander:
Spezialitätenläden, Vinotheken, Metzger, Geflügel+Eier, viele Motorrad-Werkstätten(unter freiem Himmel, dahinter eine 2 m schmale uralte Garage im engen „Haus“, das oft drüber leer, verfallend, unbewohnt ist.Zur „Siesta“-Zeit am Nachmittag  von 1-5 wird ein alles verbergendes Stahlrolltor runter gerollt, ein dickes Vorhängeschloß versperrt, man sieht nicht mehr, was sich dahinter am Abend präsentiert. Ein Schreibwarenladen, Second-hand-Klamotten, Fisch, Gemüse?

Die paradiesischen Obststände sind in italienischer Manier farbenfroh und appetitlich aufgebaut, sehr ordentlich, sehr einladend. Im Moment Gebirge von grünen, rotfleischigen Anguria, Wassermelonen, 40 cm lang, und gelbe süße kleine Birnen, orangen leuchtende Pfirsiche, reife rote Tomaten, meist die kleinen Strauchtomaten, die hier billig sind! Oliven aller Sorten in Fässern, geschälte rohe Kartoffeln in Wasser-Tonnen, Bündel von Origano, köstlich süße rot-violette Zwiebeln im Zopf geflochten, schneeweiße oder lila Knoblauchknollen, große gelbe Zitronen, Kokosnüsse, gelbe Honigmelonen…Himmlisch. Die Italiener wissen genau, in welche Cafés oder Bars man zu welcher Tageszeit geht, bei knallheißer Sonne drängen sie sich unter dicht belaubte Bäume in den herrlichen Schatten, der mit riesigen Marmorblöcken gepflasterte Gehsteig und die ebenso befestigte Straße davor wird mit dem Wasserschlauch blitzsauber gehalten und gekühlt! Auch vor den Läden! Man kauft mit Plastiktragetüten ein. Touristen erkennt man am Rucksack :-)…
Wir bummeln durch die Shoppingmeile, mit Läden wie in N.Y. oder Paris. In Hafennähe pulsiert der Wochenendverkehr über die Küstenstraße, an der eine Extraspur für Jogger und eine für Fußgänger abgeteilt ist. Auf der Landseite viele Bars, Gelateria, Pizzeria,…Am Abend wollen wir noch was Nettes finden für den Abschied von Sizilien.

Am Abend spazieren wir vorbei am nagelneuen Hafenareal, wo immer noch puppenhafte Bräute und die Olà-Welle der Hochzeitsgäste fotografiert werden…Der Rollrasen wird pausenlos mit Wasser besprengt, Kinder kugeln sich fröhlich die kleinen Abhänge am ultramodernen Ruder-Clubhaus herunter.
Gerhard hat am frühen Morgen ein romantisches Gartenlokal in der Altstadt vor einer Kirche entdeckt. Dahin wird er mich ausführen 🙂 und wir reservieren nach ital. Sitte rechtzeitig  für „alle otto una tavola per due persone“, al giardino.

Die Gasse wieder mit Marmorpflaster, ein Gehsteig daneben, ausgespart immer die Einfahrten zu den 6 m hohen Toren, in die früher die Fuhrwerke und Kutschen einfuhren. So manches Portal offenbart einen ‚Blick in ganz edle Treppenhäuser, hohe Wände, feine eichene Treppengeländer, Lüster. Oder ein Innenhof mit Kreuzgewölbe wie ein Kloster oder eine große Pfarrei.

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Dieses ur-alte Restaurant, eine FOCCACCERIA, gegründet 1832, ist eine echte Überraschung. Fein gedeckt, Gläser, Porzellan. Wir wählen als Antipast 3 verschiedenen Foccacce, mit Büffelmozarella, blattdünnen gegrillten Kalbsleberscheibchen, und Auberginen-Röllchen mit Füllung und Parmesan. Für mich kommt dann ein Escalope Palarmese, ein Kalbsschnitzel mit saftiger (!)Zitronen-Semmelbrösel-Panade, dazu ein Löffelchen gebratener Kartoffel- u. Auberginewürfel. Gerhard wählt dreierlei Fisch, gerollt vom Grill. Lecker. Als der Dessert-Koch auf einem Klapptischlein seine delikaten 8 Dolce präsentiert, werden wir schwach. Gerhard löffelt Wassermelonen-Gelee, ich ein Schälchen Zabaione mit eiskalten Erdbeeren….Noch ein Caffè- der Es
presso macht uns munter für den Heimweg durch die dunklen Gassen, wo an manchen Straßenecken sogar der Müll abgefahren worden ist!

An der Hafenpromenade unterm Sternenhimmel bummeln die Leute mit Kind und Kegel.
Palermo – am Abend nehmen wir Abschied. Mit freundlichen Gefühlen.

INSEL USTICA
 Am Sonntag segeln wir von 7 bis um 16 Uhr nach USTICA, einer einsamen unter Naturschutz stehenden Insel im Meer, am Weg nach SARDINIEN.

 

Auf_der_uberfahrt_nach_sardinien

Wir banden unsre EOS an einer der 35 roten Bojen am Steilufer fest, stiegen die vielen Stufen einer rostigen leiterartigen Treppe hoch und liefen zwischen hellgrünen Pinien und riesigen Hasen-Ohren-Kakteen auf braunen Wanderpfaden und auf schwarzem Lava-Stein-Pflaster zum Dorf. Reizvoll die kleinen Fincas, atemberaubend der Blick übers wirklich end-lose , azurblaue Meer.

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Gebadet haben wir mal nicht. orange-rote Medusa-Quallen bevölkern die Bucht, die hinterlassen
schmerzhafte brennende Hautirritationen! Aber hübsch anzusehen sind sie.

Medusa-qualle

Ich schreibe im schwankenden Schiff, hohe Dünung, seit 11 Stunden sind wir unterwegs nach WESTEN, auf dem offnen Meer, fast einsam. 4 Fischer(nach 8 Std.), 3 große Meeres-Schildkröten, 3 Segler in der Ferne, Kurs nach Süden…

31. Äolische Inseln, Teil 2- Inseln des Windes…Vulkane

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Lipari hat uns 4 Tage. West-Nordwestwind 5/6 Bft. Wir könnten schon weiterfahren, aber Wind gegenan und keine geschützten Ankerplätze mehr auf den westlichen Inseln (außer einem sündteuren Hafen auf der Insel Salina)?Lieber nicht… Oder ist es die Menge an Zeit, die eine gewisse Trägheit hervorruft? Also verholen wir uns an eine stabile Boje, deren 5 cm-Tau unter der Wasseroberfläche trieb…. 2000 Upm gegenan und eine Tauchbesichtigung überzeugen vom guten Zustand. Lesen, abends in die lebendige Stadt gehen,typisch sizilianisch essen, das köstliche Eis! An Bord mal deftige Fleischküchle, mal Steaks vom Heckgrill mit viel Kartoffelsalat füllen die Tage aus.  Einmal kommt auf Gerdi’s Flötenlieder am Abend eine „Antwort“ von 2 Block-Flöten von einem Balkon am Hang gegenüber…:-)

 

 

Heftige Böen vom Berg können uns nichts anhaben, aber ein Kissen geht beim Lüften über Bord und wird salzwassergefüllt wieder an Bord gezogen. Neben uns ankern Wasserschiffe. Die vielen Gäste überfordern bei Weitem die Wasserkapazität der Inseln. Die Tankschiffe kommen tief im Wasser liegend an, pumpen mit Getöse über Nacht ihre Wasserfracht in unsichtbare Zisternen und am Morgen ragt das Schiff 2 Meter höher aus dem Wasser, bevor es für den nächsten Transporter Platz macht. Auf keiner der Äolischen Inseln plätschert ein Bach.

 

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Für 26. Juni sagen alle Wetterberichte ein Nachlassen des Windes voraus. Wir brechen nach Salina auf und segeln, obwohl der Wind nicht weiß, aus welcher Richtung er blasen soll. Die Berge stören ihn. Da, ein Knall: Der neue Großbaum springt vom Mastbeschlag. Eine Schraube hat sich gelöst und der gasdruckgefederte Niederholer drückt ihn mit Macht nach oben. Mit 3 Seilen und viel Kraft kann ich ihn wieder in Ausgangsposition bringen und sichern. Bei viel Wind – und meistens geschieht Unangenehmes gerade dann – wäre das ein echtes Problem geworden!

 

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Wir setzen erneut Segel und nähern uns Salina, der grünen Insel mit einer Kuppe aus Kiefernwald. Dazwischen Weingärten auf steilen Hängen. Unser Ankerplatz hat eine passable Wassertiefe von 5 Metern, ist aber mit kräftigem Seegras bewachsen. Es wogt im Takt hin und her und der Anker liegt darauf, kann sich nicht eingraben. Da hilft nur eine lange Kette und kein starker Wind nachts.

 

Abendlicher_blick_zuruck_zur_insel_lipari_von_salina_aus

 

So genießen wir den Abend. In der Ferne hustet der Stromboli, blutrot färbt sich der Horizont. Auf den Yachten ringsum leuchten die Ankerlichter. Gestört wird der Abend nur von den Schnellfähren. Sie fahren die Inseln alle halbe Stunden mit Hochgeschwindigkeit an, bremsen kurz vor dem Hafen und nach ein paar Minuten fahren sie, eine braunschwarze Rußwolke ausstoßend, weiter, „lustig“ schaukelnde Yachten zurücklassend.

 

Melanzane_viola_weifleischig_innen_violett_auen_furs_ratatouille

 

Gerdi kocht auf am Herd  festgezurrten Kochtöpfen Ratatouille. Schmeckt gut, Die Nacht bleibt friedlich. Anderntags segeln wir die Insel nach Westen entlang. Sie erinnert an das Lied „Eine Insel mit 2 Bergen…“ Rechts der Berg mit der bewaldeten Kuppe, links ein ganz ebenmäßiger, steiler grüner Kegel. Dazwischen malerisch das Dorf in einer Senke.

 

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Das_felsentor_im_nordwesten_der_insel_salina

 

Alle Inseln haben ihren besonderen Reiz. Sie sind steil und schroff, aber durch die grünen Hügel und die schmucken Dörfer doch wieder lieblich. Viele steile und aufgelassene Terassenfelder deuten auf frühere intensivere, äußerst mühsame  landwirtschaftliche Nutzung hin. Die hat heute das Gastgewerbe ersetzt. Die Fähren spucken genügend Gäste aus, zumindest in der Sommerzeit. 

 

Filikuda, unser nächstes Ziel erreichen wir wieder unter Segeln! Schöner, gleichmäßiger Nordostwind treibt EOS voran, gesteuert vom Selbststeuer-Automaten. Nur unter Vorsegel. Das Groß bleibt unten, wir müssen nicht schnell sein. Auch in Filikuda ein steiler, ehemaliger Vulkankegel, auch dort Weinfelder und alte Terrassen. Der Ankerplatz fordert uns. In Ermangelung eines Besseren fällt der Anker in 12 m Wassertiefe zwischen Felsen. Wir ankern in einem Gewirr von mächtigen Felsen, was ein Tauchgang in diesem glasklaren Wasser zeigt. Wenn sich der Anker oder die lange Kette in dieser Tiefe zwischen den Blöcken verkeilt, dann wäre ich mit meinem Latein am Ende. Es duftet nach Tomatensoße mit Zucchini, Wein, Kapern, Zitrone, Spaghetti.

 

Eine Sternenpracht am dunklen Nacht-Himmel, Neumond,  die weißliche Milchstraße, Sternschnuppen horizontal über den Himmel….Am Horizont das ferne Lichtermeer von Sizilien. Abendlieder auf der Mundharmonika…

 

Am_abend_vor_anker

 

Ich schlafe draußen und darf mir bei jeder Sternschnuppe etwas wünschen. 5 Uhr anderntags: Es dämmert, erstes Morgenrot…der Anker lässt sich ohne Probleme bergen, Gott sei Dank. Kompasskurs 230° nach Termini Imarese. Geschätzte Zeitdauer 12 Stunden.

 

*Foto Gerhard. Morgenröte Filikuda beim Aufbruch

 

 6 Uhr: Die Sonne steigt neben dem Strombolikegel aus dem Meer. Die Äolischen Inseln liegen hinter uns. Auf nach Sizilien!

 

32. Buongiorno, SICILIA!

Gerdi, rückblickend am 30.Juli in PALERMO

Sonnenaufgang_um_6_uhr_neben_der_insel_stromboli

Am 27. Juli startet Gerhard im allerersten Morgenlicht vor unsrer letzten Vulkaninsel, früh um 5 Uhr. Mit 4 Windstärken jagt die EOS nun auf die Küste von Sizilien zu. Erst um 15 Uhr muß der Motor helfen. Es regnet. Donnergrollen. Gewaltige Blitze vom hohen Himmel bis ins offne Meer hinab, ein Schauspiel von Naturmächten, wie man es nur auf dem Meer erlebt. Wolkenvorhänge vor den hohen Bergen der Küste SIZILIENS…wie weiße Mützen oder Schals.Und ein wenig wie am Bodensee…

 

Der_schone_berg_hinter_termini_imarese

Wir steuern TERMINI IMARESE auf Sizilien an, wie 2009…12 lange Stunden haben wir gebraucht! ca. 100 km Strecke…Die EOS gab ihr Bestes! Ruhig empfängt uns die Bucht vorm Hafen. Wir ankern um 17.30 Uhr und genießen einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt am Hügel mit ihrer mächtigen Basilika.

 

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Die Stadt leuchtet im milden rosa Abendschein, der das Meer verzaubert in eine Fläche wie Perlmutt, zartviolett, später ganz türkis… Vom starken, kabbeligen Seegangs am nächsten Morgen ahnen wir noch nichts.
Nachtgedanken: In 8 Wochen landet mein Flugzeug in Stuttgart….Deutschland. Der See. Eine Wohnung. Nachbarn. Ein stilles Bett. Die Geige. Ein Besuch bei Vati in Nürnberg??

Freitag, 28.Juli, 6 Uhr früh…
Termini, Anker auf früh um 6… und schon wirft mich der aggressive Seegang fast an die Decke im Vorschiff. Ohne Vorwarnung wird die EOS draußen vorm Hafen „angegriffen“, die 5 Windstärken haben das Meer aufgewühlt. Auf der Stb-Koje im Salon bleibe ich noch 1 Stunde fast benommen von den Schlägen „liegen“…Mittschiffs ist die Auf- und Ab-Bewegung etwas milder, die im Bug wohl 1-1,5 m ausmacht.
Viel Wind. 4-5 bft aus Nordwest…

Kap_zaferano

Erst beim Capo ZAFFERANO können wir den Kurs etwas günstiger legen und sehen bald das Häusermeer und die riesigen Kranen und Schiffsdocks der Großstadt..6 Stunden, fast 30 sm Distanz…

Ziel ist die große berühmte Stadt PALERMO.

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Große Kreuzfahrschiffe, seit Griechenland gab’s keine mehr. Wir schwenken in ihrer Nähe ein in einen der kleineren Yachthäfen, die unter 50 ?? pro Nacht kosten…- diesmal am südlichen Ende der Küstenstadt!
Sehr freundlich berät uns ein gut englisch sprechender Rumäne, ein wendiger, fleißiger junger Mann, der  auf dem schmal bemessenen Marina-Areal ständig putzt, hilft, den Wasserschlauch bringt,den winzigen Toilette&Dusche-Container öffnet, sein privates Modem fürs Internet anbietet…

LANDGANG. Etwas wacklig auf den Beinen…Der Seegang wirkt noch nach  :-)!

Heftig pulsierend der Autoverkehr an der Uferstraße, eine Spur für Jogger und Radler, eine für eilende Fußgänger. Drängelnde Leute drüben am Gehsteig, die ein Ziel haben, einkaufen, notebooks unterm Arm, geschäftig, ganz ganz anders als die Griechen…

Noch völlig un-gewohnt nun die feinen Modegeschäfte, alle Damen tragen eine schrill pinkfarbene lackartig glänzende Papiertüten, „shopping“ total. Keine ohne Ziel. Am Bahnhof nun auch Inder mit Turban, Zigeunerinnen mit 4-5 kleinen Kindern im Wagen und im Schlepp, graziöse Afrikaner, langbeinig, hochgewachsen…
Wir suchen einen Schiffsausstatter auf, kaufen eine neue deutsche Nationalflagge, da die alte (von Insel KOS 2010) zerschlissen ist…Die Fockschotleine allerdings mit fast 5 ?? pro Meter ist uns bei den benötigten 30 m aber dann doch zu teuer mit 150 ??…Die sicher 12 Jahre alte Fockschot der EOS ist von der Wanten-Berührung aufgescheuert…Auf der Suche nach einem Carrefour-Supermarkt( es gibt sehr wenige Läden im Südviertel) driften wir ab in die alte, verwohnte, müllreiche Altst
adt.

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Hohe, eng stehende mehrstöckige ziemlich verkommene Häuser, Fensterläden oft am Zerfallen.. Schmiedeeiserne 50 cm schmale zimmerlange  Balkons, Blumentöpfe, Wäsche auf Drähten. Die am schlimmsten zerfallenen Fronten hatten ein Schild, das besagt, daß es ein Altersheim oder Pflegeheim per invalidi ist…Hinter einer Kirche (!) türmt sich unbeschreiblich viel Sperrmüll, Matratzen, kaputte Möbel, wohl über 20x5x3 Meter Müll..immer wieder neue Halden.es „riecht“!!!…

Hinter_der_kirche

Direkt daneben parken Nobelkarossen, reihen sich edle Juweliere aneinander mit Gold und Silber, Diamanten, Edelstein. Ein Kontrast! Es ist wohl nicht realisierbar, sich zusammen zu schließen und diese Müllberge und un-appetitlichen Hinterlassenschaften anderer Leben beseitigen zu lassen. Wir wollen nicht „richten“ aber es ist un-vorstellbar, daß die Bürger so leben müssen.
Endlich finden wir den großen( klimatisierten!) Supermarkt und kaufen nach Liste das Nötige und tragen es in 2 vollen Rucksäcken zur EOS.

Erneut zur Stadt. Wir biegen ab in noch engere Gassen, „rinnovare“ oder „ristrutturare“ steht auf Schildern. Man saniert die Altbauten. Aber es sind sooo viele. Verfallen. Ohne Verputz. Sie sind oft in den oberen Etagen bereits unbewohnt, wohl auch geräumt. Schiefe Türen und Fensterflügel mit Schnur gesichert hängen in den Höhlen…Unkraut wuchert auf Fensterbrettern und aus maroden Dachrinnen, aber im Parterre sind „Garagen“, in denen Moped-Reparaturen erledigt werden, kleine „alimentari“-Geschäfte Lebensmittel anbieten, Obst auf Tischen, alte Männer als Verkäufer, längst im Rentenalter.

Fruchte

Fische auf blanken Metallbänken verkauft werden. Dazwischen tollen kleine Buben mit ihren Rädern, verschwinden auf den Ruf der Nonna in den Tiefen von dunklen Kellereingängen, die Tür tiefer als der Gehsteig,  wo man sich fragt, wo wohl das Zuhause dieser Kinder ist… und zu wie vielen sie dort hausen?

Auf Zimmerstühlen sitzen alte Frauen vorm Haus, schauen dem Treiben auf der Gasse zu. In einem Hof wabern  dicke Rauchschwaden von offnen Holzkohle-Feuern. Man bereitet das Feuer auf Grillflächen vor für irgendwelche aufgespießte Innereien oder Hammelgenitalien….? Auf Eis liegen Fische bereit, Garnelen, Muscheln, die Leute warten in Schlangen davor wie bei uns bei McDonalds oder Burger King….

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Dazwischen fein gekleidete Damen und Herren im schwarzen Anzug, schneeweißes Hemd, schwarze Krawatte, hochglänzende Schuhe mit 3 cm-Absatz und überlanger Schuhspitze…Man beschreibt uns den Weg zu einem Foto-Geschäft, aber da gibt es 100 Uhren, Wanduhren, Armbanduhren…So finden wir keine neue Kamera für Gerhard. Andre Fotoläden bieten 100 Bilderrahmen an, und riesige Fotos der Kinder und Famiglia….Sehr gepflegt der Botanische Garten, auf Plakaten zählen wir 21 Museen,  6 Theater und 6 Puppentheater.  Ein Gegensatz von Kultur und einfachstem Leben.

Am Marinehafen reihen sich monumentale gigantische Protzbauten vergangener Epochen, Schlösser? Verwaltungsgebäude? Kolosse, Foro Umberto, Corso der Schönen.
Ein neues Club-Gebäude steht wohl vor der Eröffnung, man hat zahllose Rollrasen-Bahnen ausgelegt, man montiert noch Lampen, Kunst-Sofas, Oleanderbäume, Buchs,… 
Eine pompös gewandete Braut samt fast „verkleidet“ wirkender Hochzeitsgesellschaft mit Brautjungfern und „Pinguin“-Herren lagert in künstlicher Stellung vor dem Fotografen im „Gras“ vor den Segelmasten… 

In der 150 Jahre alten Gelateria machen wir Pause…Ein Eis, ein Espresso…Verwirrte Gefühle…Natürlich hat diese Altstadt ihren Reiz, man möchte ihr keinen Vorwurf machen für ihren Zustand der großen Gegensätze. Banken, eine bombastisch riesige „Post“, ein kolossaler Bahnhof, breite Straßen, auf denen der Verkehr pulsiert und auch ohne Fußgängerüberwege irgendwie funktioniert. Feine Schuhgeschäfte ohne Zahl mit den dazu passenden Damen in hochhackigen Stilettos…Dazwischen unscheinbare Chinesinnen, bronzefarbige Pakistani, Inderinnen im Sari von feinster Seide…Hellblonde, sommersprossige Studentinnen in hautengen Jeans und schulterfreien Tops…Eine andere Welt. Was ich nie sah: muslimische Kopftücher…

Turbulent und laut die Nacht. Ein Geschmack von Fisch, Rauch, Autoabgasen, und der Charme einer Stadt, die zwischen Europa und Afrika, zwischen dem westlichen Spanien u. Frankreich und dem „östlichen“ Griechenland flimmert….als würde sie den Atem anhalten. Und von unsichtbaren Augen ständig beobachtet werden….

Wir bleiben noch 1 Tag. Palermo soll Zeit haben, auf uns zu wirken….
Morgen, am letzten Tag des Juli, brechen wir auf nach Nordwesten…
 48 Std. offnes Meer bis SARDINIEN. Oder nur bis zur Insel USTICA…?

30+31: INSELN DES WINDS: EOLI – LIPARISCHE INSELN

kunst_in_der_kirche_daniele_fortuna_29-scaled1000VULKAN STROMBOLI + LIPARI…
Vicolo di fronte della pasticceria, Gäßlein vor dem Konditor.Gi Blick von der Burg,Lipari, zum Vulcano.Gi Leo rosso, in roter Wolle,info@danielefortuna.com paradiso dei frutti di Lipari Der rauchende Stromboli, 10 Std. segelten wir darauf zu.Und dann gleich wieder weg!!!Starkwind. Der Vulkan raucht, Stromboli! Gi.Die Objekte eines jungen Künstlers in Liparis Kirche „?“
Überfahrt zu den Inseln des Winds: äolische Inseln
Freitag, der 22. Juli:
Um 6 starten wir, wogender Seegang, Dünung nach 3 Tagen starken Windes. Un- angenehm. Wild wird die EOS hin und her geworfen. Die Segel bleiben nicht gut stehen, der Motor muß anfangs wieder ran 😦
An Backbord sieht man nun SIZILIEN, vor uns das Ziel des Tages: der Stromboli. Immer wieder stößt er graue Wolken aus seinem Kamin, auch mal weißer Dampf wie aus einem Molkerei-Kamin. Fast 10 lange Stunden steht er mächtig vor unserem Bug.
Kurz vor 4 machen wir fest an einer Boje vor dem schwarzen Sandstrand, dahinter doch malerisch der kleine Ort. Gerhard paddelt an Land, sichert sich einen Platz in einer geführten Wander-Tour am Abend.
Noch bevor er um 5 zurückkehrt, legen bei der EOS Taucher an und warnen sehr eindringlich vor dem „Very,very strong wind of the East! Go away from that boye, immediately! Don’t wait for your husband. Your boat will be damaged! Hurry, go now. The wind will come next 60 minutes.“
Ich telefoniere nach Gerhard, und er hat sein Mobiltelefon an! Schade, keine Wanderung. Er kommt eilends zurück, rudert zur Eos, und schon segeln 6 Yachten gleichzeitig los!! Noch 4 Stunden bis Lipari! Der Seegang wieder aggressiv, sehr unruhig. Es hätt‘ uns grad gereicht nach den 10 Stunden heute. Der VOLVO ist ein braver Arbeiter, mit 2000 Umdrehungen legt er sich mit seinen 29 PS mächtig ins Zeug, die gereffte Genua trotzt dem Wind, wir hoffen noch beim letzten Tageslicht anzukommen. Um 21 Uhr fällt auf 7 m Wassertiefe vor dem Hafen in der stark welligen Bucht unser Anker. Noch 5 weitere Yachten schwojen mit heftig pendelnden Masten in der Dünung, die Schnellfähren und Motoryachten verursachen mächtig Schwell.
Nach 30 Minuten speisen wir im wackligen Cockpit: die letzten griechischen Spaghetti, alla arrabiata, con olio aglio ( ich fritierte Knoblauchscheiben und Chili-Samen im Wok).
Müde. Um 1 weckt mich böses Bauchweh. Die erste Diarrhoe. Fieber. Ich schlaf auf Gerhards ruhiger Koje den Rest der Nacht, denn überm Kiel im Salon schaukelt es nicht so heftig. Der Skipper ruht und wacht auf der mit Brettern auf 70 cm verbreiterten Cockpit-Sitzbank mit 5 cm-Luftmatratze, das Echolot ist auf „anchor watch“ eingestellt, das die Tiefenveränderungen mit Warn-Pieps meldet.
Am Morgen paddeln wir an Land. Die Touristenstadt umwirbt uns heftig…Keramik, Lava-Schmuck, Mode, Kapern in Salz, Früchte aus Marzipan, paradiesische Obst-Stände, köstliche duftende Brioche, Kuchen, Krapfen, Cornetti, reizvolle Cafés in engen Gäßlein, hoch oben die Burg.
In einer barocken Kirche ist eine moderne Kunst-Ausstellung! Der junge 1981 geborene Künstler ist sehr mitteilsam, will in Berlin ausstellen. Interessante, provokante Kunst, originell:
Wer will, kann ja mal auf Daniele Fortunas Website schauen.