Käptns Kontrollbesuch in der Werft

Fein verlegt vor der Bug-Kajüte
Fein verlegt vor der Bug-Kajüte

Ein wenig „Aufsicht“ bei den letzten Werftarbeiten ist schon sicherer, so flog Gh nochmal in den Süden. Die notwendigen „Öffnungen“ im neuen Teakdeck sind eine heikle Sache: Exakte „Löcher“ müssen gesägt werden für Wassertank-Füllstutzen, Ankerwinsch, Lüfter im Achterluk, Fäkalien-Absaugstutzen, Lenzlöcher im Teakdeck, Klampen… Er will dabei sein! Er hat diesmal sogar ein Fahrrad geliehen bekommen vom Sattler, der in Marmaris inzwischen die neue grüne Stoff-Persenning fürs Schlauchboot genäht hat!

 

Am Bug
Am Bug

unter der Winch

Am Heck an der Festmacher-Klampe
Am Heck an der Festmacher-Klampe
Teakdeck an backbord
Teakdeck an backbord

Zur Einstimmung hier die National-Hymne der Türkei: 

Nur auf den link clicken!

http://de.wikipedia.org/wiki/%C4%B0stikl%C3%A2l_Mar%C5%9F%C4%B1

Die Strasse der Ölsardinen

Da lebe ich jetzt mittendrin. Es ist keine Ölsardinenfabrik, wie in John Steinbecks fröhlichem Roman, sondern die Werft bei Bozburun. Es wird fleißig gearbeitet, traditionell. Hölzerne Gulets zu reparieren, dazu bedarf es keiner filigranen Werkzeuge. Es genügen Kettensäge, Schreinerhammer, Hobelmaschine, Bandsäge und noch ein paar Werkzeuge und Maschinen mehr. Ja, es wird gearbeitet, an Schiffen. Aufräumen wird nicht als Arbeit angesehen, vielleicht wird es nicht bezahlt? Rund um EOS und 3 weitere Objekte stauben Surfbretter, eine alte Bandsäge, irgendwelche Bootsteile und vieles mehr ein. Mustafa benutzt zum Einschalten der Hallen-Beleuchtung im Verteilerkasten eine Stange. Keine Möglichkeit, den Kasten anders zu erreichen. Staubsauger sind viele da, irgendwo auf einem Haufen alter Dinge. Nachteil: Sie sind kaputt. Aber das Wunderbare: Mitten in einem Berg aus Abfallholz und Spänen entstehen wunderbar geschwungene Schiffe, teilweise über 20m lang. Die Kielbögen, vielfach laminiert mit edlem S- Bogen am Bug und aufgebogenem Steven. Es riecht aromatisch nach Holz und es klingt überall nach Hämmern, Hobeln und Sägen. Werkstattmusik.

Schöne, geschwungene Tormen (1500x1125) (1000x750)

Draußen werden die Schiffe an Land gezogen, dann stehen sie da, aus vielen läuft das Meerwasser wieder zum Meer zurück. Kräftige Hammerschläge zeigen, wo der Rott sitzt. Die Kettensäge macht mit den Planken kurzen Prozeß, das schwere Stemmeisen bricht die letzten Reste weg.

Blicj ins Innere (1500x1125) (1000x750) Der Mitarbeiteiter trennt die Außenhaut (1500x1125) (1000x750)

Ein paar Tage später ist plötzlich ein Spant ersetzt, dann eine Planke nach der anderen PASSGENAU eingesetzt und mit wuchtigen Hammerschlägen festgenagelt. Mit dem Elektrohobel abrunden, kalfatern, verspachteln. Erstaunlich schnell wird die kranke Stelle wieder verschlossen. Eine traditionelle, wunderbare, kleine Welt der Arbeit. Als Kunde wär’s mir mit weniger Unordnung viel lieber. Unverständlich für die anderen.

Die Arbeiter dort passen dazu.  Sie sind fröhlich, lachen gerne, erzählen mir viel über die Arbeit (viele können englisch). Pausen macht man  natürlich unter einer abgestützten Gulet, mit Zigarette und Nescafé. Mal spendiert einer eine Runde Döner, dann gebe ich einen Kuchen aus. Eine rabenschwarze Katzen- Großfamilie, 3 Hunde und eine Schar Hühner aller Altersklassen samt Hahn fühlen sich mit uns wohl.

Der Pausenraum (1000x750) (1000x750)

Da ist der Chef, heute im schwarzen Anzug. Gelassen weicht er den Pfützen aus. Er schaut zu wie gearbeitet wird. Arbeit ist wichtig, nicht das Umfeld! Vorgestern hatte er sogar eine Schaufel zum Abgraben in der Hand. Das hat aber nicht so recht geklappt. Sein knappes Kopfnicken zu mir könnte ein Gruß gewesen sein.

Der Transportfachmann: Rote Hose, blaues Hemd, Adiletten. klein und quirlig. Unter seiner Führung verlassen die Boote das Wasser.  Wenn er nicht aufpasst, dann droht die Katastrophe. Schrammen am Boot beim Aufpallen gehören hier dazu. Er macht alles mit frohem Lachen.“ I do it today!“, sein einziger englischer Satz. Ich warte aber schon 2 Wochen auf das Ausflicken des Kratzers.

Er weist das Zugfahrzeug an (1000x750)

Der Mann am Spill: Die Einheit in Weiß, schwarzgrau. Er führt ein langes, dickes Stahlseil in mehreren Windungen um das Spill, so eine Art Seilwinde, und auf Pfiff des Transportfachmannes  schaltet er den Motor zu und zieht den Slipwagen im Schneckentempo aus dem Wasser. Ob er wohl mal seine Kleidung wechselt? Das ölige Seil färbt ab und so dunkelt die Kleidung ein.

Er bedient das Werftspill (1000x740)

Der Taucher und Vorderlader-Fahrer: Wenn der Slipwagen ins Wasser fährt, fährt er im Taucheranzug mit und dirigiert das Schiff zwischen die Stützen. Keine ungefährliche Unterwasserarbeit. Gulets wiegen oft über 100 Tonnen. Seine Hand ragt aus dem Wasser und signalisiert dem Adilettenmann oder dem Steuermann an der Schiffsmaschine, was zu tun ist. Ist das Schiff aus dem Wasser, dann steigt er (mit Taucherbrille und -anzug) auf sein riesiges Fahrzeug und drückt den Slipwagen in die Parkposition. Sein Nachtlager hat er auf einem Sofa im Aufenthaltsraum aufgeschlagen.

Er richtet die Stützen (1500x1125) (1000x750)

Attila: Seit neuem in sauberem, knallrotem Overall mit verwegener Piratenmütze. Gerade schiebt er Bretter in die Hobelmaschine. Mal hilft er dort, mal da, dann wartet er auf Arbeit, zwischendurch ist er ein paar Tage weg. Auch immer fröhlich. Er hatte einen Motorradunfall und sei seither etwas komisch.

Attila (1500x1125)

Der Fischhändler: Es ist mir nicht gelungen, seine Funktion in der Gruppe zu ergründen. Er gehört nicht zum Stamm, ist irgendwie Gast. Er kommt abends mit seinem Lieferwagen, übernachtet darin und wenn er am Morgen einen Anruf bekommt, holt er irgendwo Fische ab. Er nimmt mich gelegentlich mit in Richtung Marmaris oder Bozburun zum Markt. Ein netter Kerl. Wenn ich in sein Auto steige, gibt’s einen Schuß Kölnisch Wasser auf die Hände. Das soll den Fischgeruch vertreiben.

Und das Dreamteam, Nail und Mustafa: Sie bauen mein Teakdeck auf. Es gibt keine Probleme, das Deck wird 1000 Jahre dicht sein und sie sind die absoluten Fachleute. Sie haben auch wirklich was los. Das ruppige Umfeld setzt sich leider auf der EOS fort. Wie kann man nur arbeiten und gleichzeitig so viel reden? ? Türken reden überhaupt gerne, auch über große Entfernungen hinweg.

Nail und Mustafa (1500x1125) (1000x750)

Neben „meinem“ Duo arbeiten noch eine ganze Reihe freiberufliche Bootsbauer. Es gibt ja im Winter viel zu tun, weil aus vielen Gulets Wasser rinnt. Im Sommer fahren einige die Gäste oder sie arbeiten an einem Neubau.

Pause beim Schweißer (1500x1125) (1000x750)

Alle haben ihr Netzwerk. Wenn man möchte, erfährt man viel. Wer zu viel für eine Reparatur bezahlt hat… Welche Gulet nichts taugt, welche schnell segelt . Welche einen nächtlichen Abstecher mit gut zahlenden „Reisenden“ in die ganz nahe EU unternommen hat und dass deren Besatzung nun einsitzt.

Abends sitzen gelegentlich kleine Grüppchen  zusammen, grillen, trinken Bier, rauchen. Eine fröhliche Gemeinschaft. Alles passt auf eine besondere Art zusammen und lässt schöne Schiffe entstehen. Wäre John Steinbeck hier, sein Roman würde sich um die liebenswerten Leute hier drehen.

Die Erde hat Gott auch aus dem Chaos erschaffen…. „und Er sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut

Die Schiffswerft auf dem Lande

Auf traditionelle Weise an Land

Drei Werften haben sich hier an einer Bucht südöstlich von Boznurun angesiedelt. Zwei ähnliche und eine vorzügliche in der großen Halle nebenan. Bei den zwei ersten brummt die Arbeit, die dritte musste Mitarbeiter nach Hause schicken (Siehe Blog …..). Im Sommer zeigen sich nur ein paar Schiffe hier, aber im Herbst, wenn die Gulet- Saison ihrem Ende zugeht, dann füllt sich der Platz. Wie mir Nail versichert, ist dann kein Platz mehr frei. Dann stehen sie nebeneinander auf Holzklötzen, in der Senkrechten durch schräg verkeilte hölzerne Pfähle gehalten. Das sieht zwar unsicher aus, scheint aber durch die bauchige Rumpfform doch sicher zu sein. Schon das an Land bringen, dieser weit über 100 Tonnen schweren Schiffe ist abenteuerlich und traditionell. Je nach Schiffsgröße stößt ein Schaufellader den Slipwagen ins Wasser, ein Taucher positioniert es und spannt die Wangen und dann geht’s gaaaanz langsam, entweder mit dem Schaufellader wie bei uns kleinem, oder mit fester Winde bei schweren Gulets an Land. Anmerkung: Während der Schaufellader ohne Fahrer  den Wagen im Schleichgang zu Wasser schiebt zieht er sich seinen Taucheranzug  an. An Land und in „Parkposition“ hebt ei hydraulischer Drücke das Schiff an, es wird unterpallt und abgestützt. Der Wagen fährt aus. Fertig.

Bilder hier

Hier geht’s ans Grobe

Sportboote, so wie unsere EOS sind wenige hier. Hier überwintern fast nur große Gulets. Frisch auf dem Trockenen zeigen sich bei den meisten kleine Rinnsale, die dem Kielbereich entspringen. Eine gewisse Undichtigkeit scheint üblich zu sein. Nicht jedes Schiff schläft hier still den Winter über. Nach technischer Begutachtung geht’s dann oft ans Grobe. Bei 5 cm starken Planken richtet die Stichsäge nichts au s. kommt  Da kommt Mehmet mit dem Roller an, die Kettensäge zwischen den Beinen, reißt sie an und trennt schadhafte Planken mit einem Stemmeisen  heraus. So öffnet sich ein Blick in den inneren Rott. Aber auf einmal ist das Schiff wieder zu, die Planke eingenagelt und wartet aufs Schleifen, kalfatern und anstreichen. Doch nicht alles geht so einfach… Einem Schiff fehlt fast das gesamte Heck.

Bilder!

Auch Chaos schafft Schönes

Hätten uns die beiden Bootsbauer, die an EOS arbeiten und deren Musterdeck und auch der Preis nicht überzeugt, wir hätten den Platz sofort verlassen. Ungewöhnlich primitive Verhältnisse in jeder Beziehung. Was nicht unmittelbar gebraucht wird bleibt liegen und wird von Staub bedeckt oder rostet oder fällt in sich zusammen. Das Erstaunliche: Inmitten dieser Umgebung arbeiten fröhliche, hilfsbereite Leute und ich versteh mich (außer der Sprache)mit ihnen bestens. Und ebenso erstaunlich: Hier entstehen schöne, elegante große Holzschiffe! Gerdi und ich, wir wünschen uns, dass EOS dicht und in alter Schönheit diesen Platz verlässt und dann nichts wie weg.

Nochmal Bilder

Shopping in Marmaris

Die Bucht von Bospurun (1000x750)
Bozburun, nur 1 von vielen Buchten!

Es beginnt schon am Abend zuvor. Mit dem Fischhändler von Bozburun und einigen anderen sitze ich im Werftbüro. Er will mich morgen um 7 Uhr bis zur Abzweigung nach Daca mitnehmen. Dort erwartet er eine Ladung Fische, die er in Bozburun verkaufen will. Ich kann dann mit der Dolmusch(kl.Bus) weiterfahren.

An dieser Abzweigung kehren wir ein, essen einen Teller Suppe (in der Früh, das machen viele Leute hier), bevor jeder seine Wege fährt. Dolmus: Man streckt, wenn ein Kleinbus vorbei kommt, die Hand raus und er hält an, falls noch Platz ist. Vorher kommt aber sein Freund vorbei und mit ihm fahre ich bis Marmaris. Eine kurvenreiche Straße. Runter zum Meer, dann wieder rauf in die Höhe und wieder ans Meer. Wunderbare Ausblicke.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Die letzte Bergkuppe öffnet dann unerwartet den Blick tief unten nach Marmaris. Schön liegt die Stadt, überschaubar mit ihren 31000 Einwohnern am Scheitel der herrlichen Bucht. Viele Schiffe ankern, 2 Cruising- Schiffe liegen am Kai. Alles umgeben von bewaldeten, felsigen Bergen. Schon von hier oben: Eine Stadt, übersichtlich, zum Wohlfühlen.

Ich habe meinen großen Rucksack dabei,  um einiges an der EOS zu reparieren und Defektes ersetzten  zu können. Hier hat alles seine Straßen. Die Straße der Schiffsausrüster, die ich als erstes ansteure, die der Edelstahlschmiede, die der Autowerkstätten und dazwischen immer wieder ein kleiner Döner-Salonu.  Schlauch, Toilettendeckel und Bilgenfarbe bekomme ich beim ersten und auch etwas „Rabatt“. Keine 20 Meter weiter gibt’s den Keilriemen, den Feinfilter, den Kohlefilter und den Impeller, natürlich auch mit Rabatt. Der Laden um die Ecke hat die Wasserabläufe fürs neue Deck, leider nur mit zu hohem Wulst. Nur die Torx- Schrauben gibt’s hier nicht, für die werde ich 2 Kilometer weiter ins Industriegebiet geschickt, zu den Edelstahlschmieden. Vorher kaufe ich aber noch genau gegenüber 5 m Elektrokabel und einen Stecker Beim Elektriker nebenan finde ich dann ein kleines LED- Licht und Kabelschuhe. Alles  keine 200 m im Umkreis. In Friedrichshafen gibt’s halt nur den Schiffsausrüster Kösling. Kein Wunder, dass wir viel im Internet kaufen. So lerne ich die Stadt kennen und erhalte in einer größeren schummrigen Garage meinen Sack voll Schrauben. Da kommt mir die Idee: wenn ich schon bei den Edelstahlleuten bin, könnten mir die in den Wulst der Wasserabläufe eine kleine Rinne einfräsen . Also unterhalte ich mich mit dem Edelstahlmann genau gegenüber in seiner Werkstatt. Das ist auch eine größere Garage. Schleif- und Polierbock und Schraubstock stehen im Freien. Die Drehbank dahinter vor dem Büroverschlag. In allen diesen winzigen Büros sitzen immer Leute und reden. Die Türken reden überhaupt gerne, auch laut über die Straße hinweg. Immer wieder eilen junge Burschen oder ältere Herren mit Teegläsern auf den besonderen „hängenden“ Tabletts in irgendwelche Büros.Elegant balancieren die Träger die dampfenden 5-8 Gläslein Chai von A nach B. Mein freundlicher Edelstahlmann stellt seine Drehbank ab, fräst mit der Flex die gewünschten Rinnen, glättet sie mit dem Fräskopf und poliert sie schließlich am Schwabbelbock. Alles glänzt wunderbar, als hätte ich es so gekauft. 4 kleine Meisterwerke.

Zum Busbahnhof laufe ich mit einen knappen Kilometer mit meinem gesammelten „Schatz“ im Rucksack, denn ich habe jetzt alles bekommen, und ich freue mich auf einen Wrap mit Kebab, bevor der Dolmusch losfährt. Aber der startet gleich. Schade. Jetzt geht’s wieder die schöne, nun bekannte Strecke zurück. An der Abzweigung zur Schiffswerft, bitte ich den Fahrer zu halten und bezahle umgerechnet 4 € für die 50 km. Ich will nicht gleich wieder zurück und setze mich noch mit einer Cola und einem süßen Riegel auf ein altes Schiffspolster  vor einem wirklich winzigen Minimarkt.

Ehe ich’s vergesse: Die Partnerstadt von Marmaris heißt Fürth. Neben Nürnberg!

Bozburun, das Ende der Träume?

Bozburun, das Ende der Träume?

Bozburun liegt auf der Halbinsel mit gleichem Namen, dort hört die asphaltierte Straße auf. Es geht noch ein paar Kilometer die Schotterstraße weiter, dann ist Schluss. 9 km über dem Meer beginnt Europa mit der griechischen Insel Simi.

Wir anken in der schönen großen Bucht vor  dem Hafen. Beim Einkaufen sehe ich mich auf einmal mehreren Polizisten mit Maschinengewehren und einer Reihe von Bussen gegenüber. Völlig ungewöhnlich an diesem friedlichen Ort. Ein Segelboot, kein Seelenverkäufer, mit 50 Migranten wurde von der Coastguard aufgebracht und hierher zurückgebracht. Da sitzen sie nun in den Bussen, still, traurig. Was mögen sie denken. Nur noch 9 km fehlen bis ans Ziel Europa. Sehr viel Geld bezahlt, eine lange ungewisse Reise hinter sich, umsonst, zumindest vorläufig.

Das „Schleppen“ hat sich zu einem Geschäft entwickelt mit einem eigenen Netz der Kontakte. Die Kapitäne der Schiffe seien international, auch hier, Türken, Engländer, Deutsche. 2000 bis 5000€ zahlt ein Flüchtling alleine für die Überfahrt. Ein hervorragendes Geschäft für den Kapitän, wenn’s klappt. Wenn nicht, stehen der Schiffsverlust und eine mehrjährige Gefängnisstrafe in Aussicht. Nail erzählt mir beinahe jeden Tag, wo wieder ein Schiff aufgebracht wurde: In Selimiye, in Orhaniye. Aber es seien die wenigsten, deren Reise in einer nächtlichen, stillen Bucht beginnt –  aber nicht am Ziel endet. Der Traum ist die EU! Jetzt ist mir auch klar warum mir an diesem ländlichen Ort so viele Polizisten und Uniformen auffallen. So enden im beschaulichen Bozburun  nicht nur die Wege, sondern auch viele Träume.

EOS steht in der Werft ca. 6 km weit weg vom Dorf, von senkrechten Pfählen gehalten und unter Dach. Draußen stehen lauter große Gulets, unter anderem die „LADY SOVEREIGN II“, auch ein ehemaliges Boot für illegale Geschäfte in dunkler Nacht. Die Handwerker machen Ihre Sache gut, aber der Werft selbst mangelt es gewaltig an Ordnung und Sauberkeit. In unmittelbarer Nachbarschaft ist eine riesige, saubere Halle entstanden.

Hier drinnen entsteht das größte hölzerne Segelschiff der Welt

Nail möchte dort das Holz für EOS‘ Teak -Deck kaufen, weil es trockener sei, als das aus Istanbul. Der Bootsbauer dort lädt mich zu einem Rundgang ein. Das größte hölzerne Segelboot ist hier im Entstehen, 158m lang und daneben zwei weitere, kleinere. Welch eine Arbeit! Geländer so dick wie ein Menschenkörper. Keine Schäftung ist zu erkennen. Die Kajüte: ein Traum in Holz, allerfeinste Arbeit, innen unvorstellbarer Luxus. Hier waren wohl nur die allerbesten Profis am Werk, Edel-Handwerker. Der Bootsbauer zeigt seinen Stolz. Allein der Bau der leeren Halle hat 12 Millionen Euro gekostet. Über den Preis der Schiffe schweigt er. Fotografieren nicht erlaubt. So öffnet sich mir ein kurzer Blick in die andere Welt der überaus Reichen. Der Haken an der Sache: Es ist zu still in der Halle, nur 2 Arbeitern begegne ich. Diese Werft hat eine russische Gesellschaft gebaut, wie ich einem Zeitungsartikel entnehme. Alle 3 Schiffe wurden von schwer-reichen Ukrainern in Auftrag gegeben. Jetzt stockt die Bezahlung, wie man sagt, wegen der Kriegswirren dort. Darum wird derzeit nicht weiter gearbeitet. Die ursprüngliche Aufbruchsstimmung ist verraucht. Viele Fachleute wurden entlassen. Vielleicht geht es nach einiger Zeit wieder weiter. Vielleicht ist aber auch hier der Traum für die Arbeiter der Werft zu Ende.

Alle Träume enden irgendwann. Wir aber hoffen, dass das Werk von Nail und Mehmet gelingt und wir unseren Traum von einem weiteren Sommer mit EOS auf dem Meer fortsetzen können.

EOS in der Werft

Durch das Deck unsrer Yacht dringt bei heftigem Regen oder hohen Wellen Wasser ins Schiff. Das Teakdeck hat mit 40 Jahren sein Lebensende erreicht. Das ist auch bei andren Schiffen dieses Typs so! Damit wir nächstes Jahr mit dichtem Deck die Reise fortsetzen können, lassen wir diese Arbeit hier in der Türkei ausführen. Der Preis ist sehr günstig, aber wie wird das Ergebnis ausfallen? Wir sehen uns eine Arbeit von Nail, dem Bootsbauer an und meinen: Dieses Deck ist o.k. Sauber verlegt, fachgerecht aufgeklebt und optimal abgedichtet. Außerdem gefällt uns das ruhige und freundliche Wesen des Bootsbauers, er spricht gut Englisch, mankann sich gut verständigen. Die Zustände auf dem Gelände sind allerdings -für uns Deutsche- erschreckend. Unordnung, die sanitären Verhältnisse verlottert. 1 kaputtes Clo für alle.(Nach 4 Tagen hier wurde tatsächlich ein neues installiert:-)

Auch das Ausfahren aus dem Wasser geschieht auf abenteuerliche Weise mit einem rostigen Slipwagen, gezogen von einer riesigen Baggerraupe. Senkrecht gehalten wird alles von Holzstützen, so wie alle Schiffe hier. Das Manöver geht auch nicht ganz ohne Kratzer ab. Die sollen aber wieder in Ordnung gebracht werden.
Gerdi fliegt am 21.10.heim und ich bleibe während der Arbeiten hier. Nach 3 Tagen sind alle Beschläge und Relingteile entfernt, das alte Teakdeck abgebrochen, Hunderte von Schrauben gelöst und alles abgeschliffen. 2 Tage braucht es, um eine Sperrholz- Zwischenschicht anzupassen und mit Epoxi- Kleber zu befestigen.

Die Zwischenschicht aus Sperrholz ist angebracht

Als nächstes werden dann die 5 cm breiten Roco- Stäbe mit gelbem Sikaflex aufgeklebt. Echtes Teak ist mittlerweile kaum noch zu bekommen und sündhaft teuer. So greift man auf Iroko zurück. Mit Schrauben befestigt man diese Decks schon lange nicht mehr. Ich bin gespannt auf die Fertigstellung und werde mit wachen Augen über die Ausführung wachen.
Die beiden Bootsbauer arbeiten schnell. Vormittags eine Viertelstunde Pause, nachmittags ebenso und mittags 30 Minuten. Da wird immer viel gelacht und ich fühl mich mitten drinnen.

Der Pausenraum

Es macht auch Freude. Die Arbeit geht wesentlich schneller voran, als ich gedacht habe. Sie arbeiten mit einfachen Werkzeugen und ich muss schon aufpassen, dass nichts am Kajütdach oder den Kajütwänden zerkratzt wird. In ein Paar Tagen weiß ich mehr.

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