122 Mulhouse Kultur: Vokalensemble, Textildruckmuseum, Indisch essen

Nachdem wir gestern fast alles am Schiff für den LKW-Transport erledigt hatten und am Abend ganz lieben Besuch aus Basel hatten, konnten wir heute,nach 3° kalter Nacht, entspannt in die Stadt laufen. Die Sonne schien, kein Nebel, unter der Brücke flitzten die Bisamratten im Wasser, die gefüttert wurden. Wir streiften durch die Gassen der Altstadt, ab 11 lebhaft vom Shopping-Publikum an einem Samstag!

Am Café République scheint warm die Morgensonne auf die Sitze, wir nehmen Platz und können Schal und Anorak ausziehn zu einem Espresso. Amüsiert lese ich wieder die Straßen-Namen auf elsäßisch – originell. Wilhelm Tell heißt hier Guillaume. Das Rathaus ist rosa, die Sprossenfenster an den schöen Häusern gefallen mir ebenso gut wie das Schaukelpferd am Karussell von 1900!

Da uns in Augsburg das Textilmuseum begeistert hat, gehn wir auchh hier in das Musée d’étoffes et impressions. Wunderschön die Blumenmuster der alten Zeit. Arbeitsaufwendig die geschnitzen Druckstöcke aus Holz! Ein Reich der chemischen Wunderwerke die Farbenherstellung!

Die große mehrtürmige reformierte Kirche St. Étienne bietet jeden Samstag ein Konzert an, kostenlos. Ein A capella-Chor aus Basel war angekündigt, der www.kammerchor-notabene.ch

Wir sind erstaunt: die Kirchenbänke sind voll besetzt! Der 25köpfige Chor (11 Männerstimmen!) singt v.a. zeitgenössische Werke und einen Monteverdi. Danach bummeln wir noch in die Henriette gass und kehren ein im indischen Lokal Le Tajmahal! Tandoori Hühnerbrust und Lamm+Reis aus dem Wok. Dazu die traurig klingende Musik der Cita, dem Streichinstrument mit 1-3 Saiten…

Am Schiff ist es kalt, 11° im Bug… Wir lassen den radiateur soufflant noch laufen und füttern den PC mit den letzten Erlebnissen von Mulhouse. Morgen am Sonntag geht’s mittags durch die letzte Schleuse und zum Kran-Kai…

121 Großputz und Mast sichern für LKW-Transport…

Gerdi am 23.Okt.:

Heute startete der Großputz nach einem schönen Frühstück mit Blumen am Tisch, frischer Tischdecke, Heizlüfter. Meine neue katzenfellweiche Decke wärmte mich nachts wunderbar.   Gh. legte den Mast an Deck LKW-passend tiefer, montierte die Solarzelle ab, verstaute Beiboot, Großbaum, Spinnaker anders usw. Ich nahm mir die Zahnbürste, einen weichen Lappen und Schmierseifenlauge vor: 100 Knöpfe in ihren Lederfältchen bürsten, denn da sitzt Salz vom Meer und feinster Sand und Staub im dunkelblauen Leder der Sofa-Lehnen…

Dann den Teppich fegen und abreiben, Mahagoniböden wischen, staubwischen auf Bilderrahmen, Messinglampen, Bücherbord usw., Küchenvorräte prüfen, in Dosen verstauen, Spülplatz grundreinigen, Gläser polieren, Edelstahltöpfe entkalken,…  Schön ist unsre EOS wieder!! Aber auf die Reha in der Werft muß sie noch warten: am Montag kommt sie nach Konstanz,(vielleicht auch gleich nach FN, wenn es vor 17 Uhr ist….). An Ghs 69. Geburtstag ist er ohne Boot!

Am Dienstag wird sie an unsrem Club-Kran in FN in den Bodensee gekrant, dort muß sie im Hafen 10 Tage warten, denn unser Werftmann hatte vor 2. Nov. keinen Sliptermin frei. Der Sattelschlepperfahrer wagt es nicht, durch die sehr engen Kurven in Seemoos runter zu fahren… Auch recht, dann räumen wir alles in FN aus und verladen das ins Auto… und Gh. kann am Mittwoch gleich sein obligatorischen Weißwurstessen an Bord mit den Freunden genießen.

Morgen wird unser Großer 35. … Und wieder einmal sind wir auf dem Wasser mit dem Schiff….

Schon hier herzlichen Glückwunsch.

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119 Mulhouse, am Ziel einer langen Reise

Gerdi am 19. und 20.Okt.:

Wir sind am Ziel angekommen. Eine lange Reise hat ihr Ende (fast) gefunden.

153. Tag seit Korfu im Mai. 28. Flußtag…

Wir sind sehr dankbar, erfüllt von Erinnerungen, Abenteuern, traumhaften schönen Tagen, unbeschreiblichen sternklaren Nächten auf dem Meer, herrliche Ankerbuchten, viel Wind- wochenlang- bis Messina, tropenheiße Zeiten, das unterschiedliche Leben und Essen der Regionen,… die Ruhe im Fluß, der Wandel der Jahreszeiten…

Wir werden erst daheim alles verarbeiten in Herz, Kopf und Seele, all die fremden Stationen wie Albanien,  die so vom starken Wind beherrschten Strecken zwischen Ericousa und Apulien, das viele eindringende Salzwasser im Schiff, die leckeren Spezialitäten in Kalabrien, die täglich über 40° kletternden Temperaturen, Palermo mit seinen Gegensätzen, die 4 Wochen Segeln mit der Männercrew bis Nizza. Meine Rückkehr dorthin mit der erneuten Segelfreude, all die Küstenorte der Côte d’Azur…Der meuternde altersschwache Volvo, der bläuliche Rauch am Auspuff, der ganz neue Motor in Bandol, Marseille, Mastlegen mit dem Kran in St.Louis …und dann die 90 Tage am Fluß und im Kanal, das Aufsitzen auf den Felsen am Doubs, die konzentrierte Steuerarbeit genau nach Karte… Die schönen schon herbstlichen Städte der Provence! Das überraschende Lyon, Dôle,die immer engeren Kanäle… auch hier nur 0,5 m WT unterm Kiel… und auch weniger. Wir durften so viele nette Menschen kennen lernen. Edle Motoryachten, auf denen Schweizer monatelang mit jedem Komfort leben wie Dusche, Heizung, Tk-Truhe, Pedelec, aber auch eine winzige kleine Holzyacht aus Amsterdam… Immer wieder gab man sich wertvolle Tipps… Zuletzt begleiteten uns VNF-Mitarbeiter- und einer erinnerte mich so sehr an  meinen Großvater Paul Schaaf…Das Gesicht, die Sprache,…

 

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Heute sind wir nach fast 15 Schleusen glücklich in Mulhouse angekommen.

Gott sei Dank für alle Bewahrung… Ich danke auch meinem Mann, daß er mir immer genug zutraute, mir Mut machte, wenn ich am Verzagen war, wenn die EOS auf Grund fest saß… Er hatte immer Ideen, sie frei zu bekommen, mit Ankerwinsch und Muskelkraft im Beiboot, wenn ich betend im Cockpit saß und um ihn bangte.

Es hat geregnet am letzten Tag, alles im Ölzeug, mit Gummistiefeln und Wollmütze, wie richtige Fährleute eben. Ich füge nun die Bilder an von den letzten Kilometern, wo uns auch wieder der farbenprächtige türkis leuchtende Eisvogel begleitete und so viele Graureiher vor uns aufflogen… Wunder der Natur.

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Am Abend suchten wir noch einen Waschsalon auf und wuschen und trockneten die Wäsche. In einem urgemütlichen Alt-Elsässer Lokal (Vinstub Henriette) ließen wir uns ur-deutsche Gerichte wie bei der Großmutter schmecken, ich ein Schäufele gepökelt, Gerhard eine Art Maultaschen mit Bratkartoffeln.

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Heute am Donnerstag fuhr uns ein Taxi die ca. 9 km zu dem Ort, wo der Kran die EOS am Montg aus dem Wasser heben wird. Auch besichtigten wir  die Anlegestelle, hinter unserer letzten Schleuse Nr. 41 ( Nr. 42 Niffer führt nur noch in den Rhein), um am Sonntagnachmittag alles vorzufinden, auch Strom für den Heizlüfter ließen wir uns am Kai reservieren.  Montagmorgen 8.30 Kranen und Aufladen auf den Sattelschlepper , wir mit dem Zug heim via Basel nach Friedrichshafen.

Zu Fuß liefen wir fast 2 Stunden zurück nach Mulhouse, wo ich eine deftige Reissuppe in Hühnerbrühe kochte, denn es war kalt, als Gh. m it einem kräftigen Helfer den schweren Mast tiefer legte, indem er die beiden gekreuzten Maststützen  absägte und für den Sattelschlepper anpasste. In der Stadt entdeckten wir einen entzückenden Kinder-Laden. Endlich bekam ich für EMIL zwei bunte Rumba-Rasseln. Die warme Kuscheldecke aus dem nahen Geschäft ist mein Souvenir dieses Törns:

Am Abend gab’s Bratkartoffeln mit Elsässer Mettwurst….zum Schnurren des Heizlüfters, der hier „Chauffage Souffleur“ heißt:-)

117 Auf der Wassertreppe abwärts bis Dannemarie im Elsaß

Früh um 8 fahren wir zur allerersten Schleuse, die uns ab heute „hinunter“schleust, also abwärts zum Rhein. Ein vnf-Mitarbeiter (voies navigables de France) kommt im Auto und schaut zu, wie wir erstmals die Leinen zum Hinunterfahren festmachen am Boot. Ich geb Gas und die EOS hält sich brav weg von der Mauer mit ihrem langen Mast vorne. Das Wasser sinkt schnell…Schon löst der Mann mit der Fernsteuerung die Öffnung des vorderen Tores aus, kaum Zeit, die Leine zu lösen… und ich fahre zartfühlend raus. Die nächste Schleuse ist 200 m nah. Schon wieder reintasten, stoppen, Leine… diesmal mittig, nach dem Rat der flußerfahrenen Schweizer von der edlen MY TASCO… Aus Versehen aber fixiert Gerhard diese Leine nicht nur an der Aufhänge-Öse, sondern auch an der Klampe. Also zwei Fixpunkte, statt ein Ende frei laufend in der Hand zu halten zum Anpassen an die sinkende Wassserhöhe….

Ein verhängnisvoller Fehler, denn GH unterhielt sich schmunzelnd mit dem englisch-sprechenden netten Schleusenmann. Da bemerkte ich am Heck, an der Pinne, daß ich seltsam nach links „hing“… immer mehr… das Schiff bekam schnell Schlagseite, EOS krängte wie beim Segeln, denn sie hing fest…an der Steuerbord-Klampe … mit der Festmacherleine, die oben an der Mauer um den Poller hing…. ! Wie eine Hängematte… Durch das große Gewicht (nicht mehr im Wasser schwimmender Rumpf) hatte sich im Nu das Seil total festgezogen an der Klampe… Keine Chance, es zu lösen. Ich schrie: „Stoooopppp! „Die beiden Herren konnten nicht gleich verstehen, was die Lady hat. Ich zeigte verzweifelt auf die Klampe, die Schräglage nahm schnell zu, da das Wasser ja schnell sank… da begriffen sie: Oh…!! Nun rannte der Mitarbeiter der vnf zum Schaltschrank, stoppte das Wasser-ablassen.  Es dauerte bange 2 Minuten, bis das Wasser nun wieder in die Kammer einlief. Erst als der Rumpf endlich  im Wasser schwamm, ließ sich die Leine am 2. Fixierpunkt von der Klampe lösen… Nun alles von vorne und schön die Leine fieren, locker lassen mit abnehmendem Wasserstand. Bei der nächsten Schleuse nahmen wir nun wieder 2 Leinen, eine am Bug, eine am Heck. Ich vorn, Gh. hinten… Das passiert uns nicht nochmal… Glück gehabt. Heute 14, morgen 30 Schleusen, dann ist diese Art Abenteuer abgeschlossen. Wir werden Mulhouse erreichen!


Angekommen in Dannemarie bekam der Schleusenmann ein Trinkgeld („Au revoir, à demain à neuf heure!“und wir machten am Ponton fest.Viele Winterlieger sind hier. Teils schöne Wohnboote.Keine Dusche…

Dannemarie im Elsaß, im SUNDGAU. Das Heimatland meines Großvaters!!!

Wir machten Brotzeit und eine Sonnenpause im Cockpit  bei 18° C! Das Wasser hat 12° im flachen kleinen Hafen.  Ich lüftete die Betten, die feuchten Klamotten, das Ölzeug, trockne den Schirm…Gerhard holte das beim Regen wieder durchs undichte Deck in die EOS gelaufene Wasser aus den Tiefen bei Kiel und Heckraum. Dann spazierten wir ins Dorf.

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Stattliche Fachwerkhäuser sind lebendige Zeugen der deutschen Vergangenheit! Farbenfrohe Hausfarben, lila, hellblau, gelb, rosa. Üppige rote Geranien in Kästen, ganz deutsch. Ich bemerke die deutschen Straßennamen (Kirch Gass, Markt Stross) die Namen an den Türklingeln, der Pfarrhausname.

Und dann öffnet sich der Blick zum Gebirge: die Vogesen!! Beim Bäcker gibt es ab 4.30 früh schon Brot!! Die Buchhandlung „Il était une fois...“- „Es war einmal“ hat leider keine deutschsprachigen Romane. Wir haben alle von den Häfen am Meer eingetauschten Bücher ausgelesen… Aber der Buchhändler zeigt uns begeistert deutsche Reiseführer für Basel, einen zweisprachigen Band Schiller und ein Buch von Kafka. Nein danke, nicht im Urlaub. Zurück vom Spaziergang brate ich 10 Fleischküchle, dazu gibt’s Pellkartoffeln… und ein Bier.

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Wir sind in Dannemarie/ Alsace!

Gerdi am 18. Oktober:

Wir haben die ersten 15 Schleusen abwärts geschleust.

Nun sind wir in Dannemarie, an der Pforte zum Elsaß. Viele deutsche Straßennamen (Gass, Stross), Fachwerkhäuser, Blumengärten… das Land meines Großvaters mütterlicherseits…

Ein Wunderwerk der Technik, auf 40 Schleusenkammern wie auf einer Wassertreppe hinunter gelassen zu werden.

Aber aufregend ist es… man darf nicht aus Versehen die Leine fixieren auf der Klampe…Denn  wenn das Wasser abgelassen wird, hängt das Boot sonst frei und schräg an der Klampe… das hatten wir heute 1x… !!!!! Eine Katze hat 7 Leben, wie viele hat ein Segelboot??

Habt Geduld, das Internet will grad nicht. Auch für die gestrige Fahrt nach Montreux folgen noch schöne Fotos.

Wir haben mächtige anthrazitgraue Regenwolken am Himmel… Morgen müssen wir 30 Schleusen meistern… DANN sind wir in Mulhouse, am Ziel.

118 Zum Scheitelpunkt der Flußreise, 341,5 Meter ü.M.+Montreux

Gerdi am Montag, den 17.Oktober

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Hinter der EOS ist ihre Spur im Wasser des Kanals

Heute sind wir nochmal 4 Schleusen „hoch“-gefahren, das war gemein: man muß bei einer 4,5 m hochschleusenden Kammer ganz wahnsinnig schnell (sofort wenn man hinter die Schleusenportale gefahren ist, vom Bootsdach aus ein ca. 16m langes Seil nach oben werfen und da soll es genau auf einem von unten gar nicht sichtbaren Poller landen und ohne Schlingen brav wie ein Kragen schön hinter dem Poller landen. Lassowerfen ist viel einfacher, da hat man vorn eine Schlinge, den beschwerenden Knoten und kann 3-4x kreisen damit und dann zielen. Bei uns aber hat Gh. in  j e d e r  Hand einige Kauschen Seil und muß das mittlere lose Teil als runde Bucht hochwerfen…(das zw. den beiden Seilhälften). Dann bleiben nur noch Sekunden, um das eine Ende, das vorher ja noch nicht an der Bootsklampe belegt ist, vorn am Bug rasch festzumachen, dann gehn schon hinter einem die Stahltore zu. Heute verfehlte das geworfne Seil 3x den Poller, das Boot schwingt nach hinten, die Portale beißen fast in den 2 m hinten am Heck überstehenden Mast mit Radarreflektor und Toplampe… Grausig. Gh warf nochmal, dann verhedderten sich oben 2 Schlingen hinterm Poller. Der Schleusenmann guckte gar nicht, er hätte gut herlaufen können(er stand auf den vor dem Schiff geschlossenen Toren…) und er hätte gut das Seil fangen und um den Poller legen können. Wenn die Schleusenkammer niedriger ist (3m) sieht man auf dem Bootsdach stehend die Poller, so nicht.

Bisher haben wir ca. 80 Schleusen per Fernsteuerung selbst geöffnet und halt erst die Tore geschlossen (da schiebt man eine blaue Stahlstange in der Mauer nach oben und löst die Schließung der hinteren Tore selber erst aus, wenn das Boot sicher vertäut ist.

Heute sind wir am Scheitelpunkt unsrer 800 km langen Flußreise angekommen, in Montreux vieux (vorher kommt die Stadt Montreux Chateau), 341,5 m sind wir durch die Schleusen hochgepumpt worden. Für die 800 km brauchten wir 29 Tage. Nun geht es abwärts, morgen und übermorgen wie auf Treppen 40 Schleusen nach Mulhouse „hinunter“. Ein Monsieur l’èclusier wird mit dem Auto neben dem Kanal vorausfahren und die Schleusen bedienen mit der Steuerung, es warten hier 7 Boote, teils Richtung Süden. Wir sind das einzige Segelboot und mit unsrem 13 m langen gelegten Mast ein Hingucker. Kaum einer dieser Flachlandbewohner kann sich vorstellen, daß wir vom Meer kommen… und gar schon 6 Monate am Wasser leben in dem kleinen Schiff- seit Mai.

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Am Ufer duftet es wunderbar nach dem letzten Heu, in großen Ballen gerollt wird das letzte gemähte Gras in Folie verpackt, wie Kugeln, als Winterfutter. Die Häuser sehen inzwischen „deutsch“ aus, schützende Walmdächer, oft mit kleinem dreieckigem Krüppel-Walmdach am Firstgiebel. Noch steht die Maisernte an, die Äpfel werden wohl oft zu Most verarbeitet, ich liebe den Cidre! Die Kartoffeläcker sind geerntet und umgepflügt. Es riecht nach feuchter brauner Erde, Herbst. Auch die schnell zunehmende Färbung des Laubs der Bäume verblüfft, gelb, orange, rot. Wir sind nach dem heißen Sommertörn doch erstaunt, daß dies fast winterlichen Vorboten uns einholen, die Spaziergänger haben Daunenjacken an und Mützen, Schal und Handschuhe, Stiefel…

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Immer wieder stolziert ein majestätischer Graureiher am Ufer, wartet auf die EOS, fliegt voraus. Ein Schauspiel. Welch ein rassiger Vogel, groß wie ein Storch, elegant auffliegend mit beachtlicher Flügelspannweite. So hübsch die Farbzeichnung am Kopf, kräftig der Schnabel zum Fischefangen!

Der Himmel ist bedeckt, kein Blau wie gestern am Sonne-Sonntag. Ich hol das Ölzeug, grau in grau nun der Fluß, das Ufer...Es regnet. Aber bisher hatten wir echt großes Glück, denn es hat nie so heftig geregnet, daß es innen wieder durch unser undichtes Teakdeck in die Kajüte reinläuft. Bis Mulhouse sind es nun nur noch 33 km.

Gleich nach dem Festmachen an der kleinen Anlegestelle (mit Stromsäule an Land) hab ich um 3 Uhr Pfannkuchenteig gerührt und meinen Käptn zum Kaffee mit leckeren dünnen Pfannkuchen mit Orangenmarmelade und Zimtzucker beglückt. Er nahm mir dafür den Einkauf ab: Im Regen mit Schirm tigert er ins Städtle, um Äpfel und Butter, Bier und Trauben, Cidre und Hackfleisch für Frikadellenzu holen. Heute abend gibt’s Spaghetti von gestern, ich mach eine Sahnesoße mit Steinpilzen, die ich schon „eingeweicht“ habe. Gut, daß der Heizlüfter läuft: sonst kriegte ich all die nassen Anoraks, Ölzeugjacken, Mützen, … gar nicht trocken. Leider ist das Internetguthaben aufgebraucht (jaja, die vielen Fotos hochladen…)- so können wir die schönen Bilder noch nicht senden.

Was ich vermisse? Eine klitzekleine Dusche mit Warmwasser zum Haarewaschen, einen Backofen zum Brotbacken, eine wärmere Zudecke für nachts (da schweigt der Heizer), Das Walking, die Sauna, das Fitnessprogramm, verfügbares Internet. Gh. vermisst eine Leberkässemmel. Und sein Fahrrad.

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eine Schleuse nach der andren
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Ah, gut, Strom für den Heizlüfter
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vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 12