Gegen 15.30 Uhr treffen am Nachbarschiff, einem behäbigen belgischen Motorsegler, 5 auffällig geschminkte schöne junge Mädchen ein, Bikini, bald weinrote Lack-Badeanzüge, alle haben weiße lange weiße durchsichtige Chiffonmäntel an, im Wind wehen die langen Mähnen- aufreizend bewegen sie sich zur Discomusik. Am Heck ist eine Maschinerie von Filmkameras aufgebaut, alles spricht italienisch… Die EOS bleibt neidlos und ich steuere sie an den Nofretete-gleichen Schönheiten vorischtig aus dem Hafenmäander… Draußen frischt der Wind sofort auf. 4 ? Gerhard refft die Fock zwei Mal, ich laß mir die Öljacke bringen und den Südwester, schräg legt sich die EOS zur Seite, es spritzt bis ins Cockpit… Mein Käptn peilt die nahe Küste an, in 3 km Abstand ist die U-Boot-Werft, 3 graue Kriegsschiffe davor, eine Leichtmetall-Halle. Als wir in der Nähe einer vermeintlich verlassenen Militärbaracke einen Ankerplatz suchen, wirft ein kleiner Fischer genau vor uns sein Fischernetz aus. Also zurück. Am neuen Platz kommt ein andrer Fischer, sie grüßen freundlich, werfen wieder vor unsrem Bug ihr Netz ins Meer. Wieder drehen wir ab und fahren zurück Richtung Strandhäuschen. Auf 4 m WT fällt der Anker.
Da düst auf dem Strandweg mit Staubwolke und Motorgeheul ein Militär-Laster, ein Mannschaftswagen mit Plane, heran. Er stoppt ab, 2 Soldaten springen ab, bauen sich hinter ihrem Laster auf, gestikulieren mit beiden ARmen, pfeifen laut, rufen albanisch herüber… Mein Skipper steht am Bug an der Ankerkette, deutet an, daß er verstanden hat, zeigt mit beiden Armen über Kreuz „Stopp!“ „Verboten?“ Gerhards Daumen nach oben zeigt den Militärs: ok, verstanden, wir verschwinden!
Schon surrt die Ankerwinsch, die Kette knarrt, Anker frei! Ich lege sofort die Pinne hart nach backbord und lenke die EOS aufs offne Meer. Weg von hier. Langsam suchich mir einen Pfad zwischen den vielen kleinen „Bojen“, kleine Ölkanister oder Waschmittelflaschen. Dann fällt unser 24 kg-Bügel-Anker ein 3. Mal. Wassertiefe 3,5 m, ich fahre ihn mit 1500 U/min ein. Da uns beiden immer noch der Appetit fehlt nach Virus? Darmgrippe? – und ich seit 4 Tagen nix oder nur Suppe esse, koche ich nun eine in Butter braun geröstete Grießsuppe! Das macht einen guten Magen.
Wir stoßen mit einem Glas Retzina(Peter Schmidt sagt, der schmeckt nach Terpentin!) auf das kleine Abenteuer an und schlafen himmlisch bis um 7. -wir wollen einen weiteren Tag vor Anker vor dieser dicht bewaldeten Küste bleiben, in einer kleinen Ausbuchtung nahe bei einem Kai, der Polizist sagte, das sei gut zum Ankern für 1 Nacht…
Am 29. Mai klarieren wir aus in der >Marina> Orikum, mit der Lizenz für die EOS zum Segeln bis Sarande. Zum ersten Mal lasse ich das Vorluk (der waagrechte, klappbare Deckel über meinem Bett im dreieckigen kleinen Vorschiff) über Nacht offen. Nur das Moskitonetz zieht einen leichten Schleier vor das wunderbare Sternenzelt am Himmel. 114 Meter über mir leuchtet blaßblauweiß das Toplicht an der Mastspitze, daneben glänzt der Radar-Reflektor(damit uns andre Schiffe sehen und orten können nachts)…
So liege ich, die EOS schwankt in den sanften Wellen, das Masttop-Licht auch, nur die Sterne stehen still- aber im Liegen auf der Koje meint man, es sei umgekehrt. Dann orte ich, was ich sehe: Der große Wagen!!!
Als würde die Eos mit ihrem langen Finger nach den Sternen greifen wollen, als würde das Licht fern da oben eine Kreide sein, mit der die Eos den Großen Wagen nachzeichnen will am nachtschwarzen samtigen Himmel. Der Wagen…- dasselbe Sternbild sehe ich daheim am Bodensee auch über unserem Hausdach, wenn ich spät zu Bett gehe, muß ich mich rückwärts übers Balkongeländer beugen…
Als wir weiter im Süden in der Türkei segelten, 2014 und 2015, stand das Sternbild niedriger, eher am Rande, oft hinter Berg und Inselrücken. Da suchte ich nachts mein Lieblings-Sternbild: den Skorpion. Ich glaube, den sehe ich heuer gar nicht mehr, er verschwand schon im Herbst nach dem Kanal von Korinth…
Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem großen Himmelszelt?
Ehrfurcht und Andacht erfüllen mich, bevor ich einschlafe…
Morgen segeln wir weiter, zu einer ganz kleinen Bucht, ankern vor weißem Kieselstrand, vor einem Naturschutzzentrum.
Nachdem ich den 1. Tag fieberfrei bin, aber noch matt und ohne jeden Appetit, stoppen wir den Bus nach Vlores. Keine Sicherheitsgurte… Aber ein netter Fahrer, eher griechisch als deutsch kann. Dann steigt ein Ehepaar zu, sie erkennt sofort: Deutsche! Grüß Gott, wie gefällt es euch in Albanien? Sie war in Garmisch-Partenkirchen, hat via Film und TV Deutsch gelernt (studierte BWL), ihr Mann ist Lehrer und er lernte Deutsch mit dem Schulbuch. Fantastisch, wir können uns unterhalten. Liebenswert, aufmerksam, freundlich! In Vlores suchen wir für Gh. eine neue Bermuda, die Verkäuferin ist Studentin, Tatjana, auch eine kleine Herren-Umhängetasche hat sie.
Dann suchen wir Hilfe für die Internet-Probleme mit meinem Tablet, erst in einen Vodafone-Shop, im zweiten kann man uns weiterhelfen: erst mit einem ganz neuen Passwort für Ghs Samsung-Hy mit alban. Sim-Card klappt endlich die Connection mit meinem Surface-notebook! 30 min- Probiererei, dann endlich Erfolg. Er will kein Geld, also 200 Lek auf die Hand. Sehr hilfsbereit, die Albaner. Findige junge Leute!
Gewöhnungsbedürftige Einfachheit…
Abwassserkanal zum StrandVilla zwischen einf.HäusernWege zum Strand, VloresSuche nach Brauchbarem
Beim Spaziergang zum Strand, der hier sehr flach ist, betrachten wir erstaunt die zahllosen neuen Hochhäuser, bunt, individuell und teils witzig in ihrer Architektur. Am Meer dann einfachste niedrige „Häuser“, hohe Eisentore davor, dahinter Blumen, viel Wäsche flattert sauber im Wind. Teils Paläste mit Ballustraden wie an einer Villa, daneben stinkige Abflußrinnen…Ein Mann sucht im Müll nach Brauchbarem.
Gute Hühnersuppe mit Reis à la Mama
Gegen halbzwei kehrt Siesta-Ruhe ein. Wir setzen uns vor eine kleine Taverne, die Köchin mit weißer Haube bietet mir Hühnersuppe mit Reis an, Gh. bekommt Kalbfleisch mit Pilav, 2 kleine Bier, ein türkischer Kaffee. Die Suppe schmeckt „wie bei Mama“ und ich bekomm einen 2. Teller. Mit frischer Zitrone.
Noch ein kleiner Einkauf beim Carrefour, Zwieback, 1 Banane, Joghurt, Mandarinen, Zitrone, Kekse. Nach mehr als 1 Stunde vergeblicher Warterei am angeblichen Bus-Halteplatz (immer ohne jedes Hinweisschild!) fragen wir einen Polizisten, der uns in bestem Englisch gerne weiterhilft und sogar hinter her läuft, um zu sehen, ob wir an der Kurve an der richtigen Stelle warten. Ja, da steht der kleine weiße Bus- er fährt nach Orikum, eine reizende ANILA, 27 Jhr. wie Erika, unterhält sich mit uns auf Italienisch +Englisch, sie ist Lehrerin für die ital.Sprache, ihr Bruder klassischer Tenor an der Oper.
Gewöhnungsbedürftige Einfachheit…Gib eine Beschriftung ein
Große Wäsche von Hand, OrikumOrigineller Durchblick, Orikaum,Marina
In der Marina übergebe ich dem Chef der Marina meine Zeichnung mit den 3 defekten Duschen …mit nackten Damen unter n´der nach allen Seiten spritzenden Brause, über die Tür, an die Kachelwand, über die Kleider, das Clo – nur nicht auf die Shampoo-Frau. Er verspricht, sich darum zu kümmern.Morgen holt er einen Installateur…!(?) Na bitte… ein Brausekopf kostet 3€… und den mit rostigen Klammern an die Wand genagelten Duscheschlauch (ohne Stange) verzeihen wir Damen ja gerne… An Bord bekommt unsere EOS frische Blumen, eine Vollwäsche mit dem Schlauch und dem Schwamm. Ich wasche von Hand die 2. Wäsche seit Korfu, in 3 Schüsseln: Unterwäsche, Shirts, Hosen und erste verschwitzte Hemden ( in Dtld. hat es 6-10°C…hier schon 25°)- bald flattert alles an den aufgespannten Leinen vom Bug zum Mast. Leider hat der Wind auf „vom Land“ gedreht und es stinkt erbärmlich nach Aas und altem Fisch…. Morgen werden wir zu einer Ankerbucht nach Süden „zurück“-segeln. Gerhard hat errechnet, daß wir für die Überfahrt nach Otranto u. Italien zu früh dran sind, so kehren wir nochmal um nach Palermo und segeln dann wie zu Zeiten mit den kleinen Kindern nach Erikousa, Griechenland!
Gerhard schreibt gerade seine Eindrücke auf sein Flickr-Album, er hat schöne Fotos gemacht. Siehe Ende des Blogs bei Klick anklicken, wenn man mit dem Cursor über die Fotos fährt, haben sie auch Titel.
Gerdi schreibt nachträglich am 27.Mai, gesendet in Vlores
Erikousa, Griechenland, so oft unser 1. Ziel nach der Adriaüberquerung mit der Marion!
1990 Letzter Tag Schule an Bord, Monopoli-Erikousa, auf unsrer „SY Marion“
Wir wollten von Sarande bis Palermo segeln, aber dann entschlossen wir uns, doch weiter zu fahren. Himara empfing uns mit gräßlichem Seegang, der beim Anlegen an dem viel zu hohen Kai eine derart heftige Stoßbewegung auf die Festmacherleinen ausübte, daß es bei einem Schlag die vordere Steuerbordklampe zerriß, das 3cm dicke Teakrundholz zerbrach wie ein Streichholz, die Stahlklammer riß aus dem neuen Teakdeck, Gottseidank hielt wohl das GFK-Deck stand…(10 große Traktorreifen schützen da die Fischerkutter, aber die kleine niedrige Eos liegt dann fast unter dem Betonkai. Keiner half, der Offizielle in Uniform wollte gleich die Papiere, anstatt uns zu helfen beim Befesstigen der 4 Leinen….. Nur mit Mühe kam Gh. so hoch hinauf auf den Kai um festzumachen, ich steuerte die EOS an die Mauer…..)
Nach dem Bruch rief ich: „Mach wieder los, sonst wird noch mehr kaputt! „Und 5 Min. später ankerten wir frei, vor der gerade im Neubau befindlichen Promenade. Zwei riesige Bagger buddelten große Felsbrocken aus dem Meeresgrund, 3-4 m tief, , ein Mammutlaster nach dem andern fuhr beladen mit Tonnen von Meeresboden weg.Eine neue Stadtpromenade?
Gh. lag mit 38,6°C Fieber im Salon, Darmgrippe. I
Ich legte Wadenwickel an, kochte Hühnersuppe. Da wußte ich noch nicht, daß ich 1 Tag später genauso litt an Erbrechen und Durchfall. Ein Virus? Mist! Grad wenn man einen Besuch bei jemand daheim im fremden Land macht.
23.Mai: Wir segeln in 9 Stunden nach Orikum
Himara, 24. Mai. Früh am Morgen Anker auf um 5 Uhr. Die zauberhaft grüne, völlig menschenleere mit dichter Macchia bewachsene Hügelküste ist wunderschön. Wir können segeln, nach der Rundung des von Einmannbunkern übersäten Kap setzen wir Groß und Bullentaille und die Fock- wie ein stolzer weißer Vogel nähert sich die Eos dem roten Ziegelbau der uns schon bekannten Marina Orikum, die einzige an der Küste.(toll geplant, ital.-alban., wenig dahinter, defekte rostige Duschen+ WCs ohne Deckel, Brache rundum statt Grünanlage, kaum Schiffe am großen Landplatz…Schade!) Die netten jungen Australier sind auch da, die hatten eine furchtbare Sturmnacht vor Butrinti in einer dem Sturm ausgesetzten Bucht- mit drehendem Wind… und mußten nachts die Ankerbucht verlassen und zurück nach Sarande motoren, klagte eine der Mädchen.Wir fuhren ja nachts nach Ayos Stafano…
Gleich nach dem Anlegen backe ich frische Pfannkuchen zum Kaffee. Gh. ist im Büro, 1 Nacht kostet 40€+ 40€ für die Behörden!!!Am Abend gibt’s meine frische Gemüsesuppe…aber ich kann keinen Bissen essen. Übelkeit, Diarrhoe, Fieber, Bett…
Kap vor Oricum gerundet, jetzt Butterfly-Segeln vorm Wind, herrlich
Unser Freund Gjergji, den wir im kleinen albanischen Küstenhafen Palermo 2011 als Helfer beim Festmachen kennen gelernt hatten, holte uns mit seinem Volvo ab. Über schlagloch- und rinnenreiche alte Straßen(Umleitung wegen Baustellen) und neue Autobahnstücke fuhren wir durch das schöne Hinterland zwischen Orikum und Tirana. Weinberge, Gärten, Olivenhaine…Viel Neues wird gebaut, wenig landwirtschaftlich bewirtschaftete Felder. Gj. erzählt uns, dass die Bauern lieber schnelles einfaches Geld wollen, ihr Land verkaufen und dann entstehen überall Häuser – und Gemüse und Getreide muß Albanien dann im Ausland dazukaufen. Verrückte Welt. Es werden Wohnblocks und Fabriken, Möbelhäuser, Supermärkte gebaut. Aber in den Städten pulsiert das quirlige lebendige Leben. Viel mehr junge Leute als in Deutschland, aber auch Alte, Arme, nur mit klapprigen Mofas und defekten Karren. Man sitzt gern im Café. Die Mädchen oft sehr hübsch und modisch kokett angezogen, Highheels, Décolleté…In Tirana spazieren die Leute unter herrlichen grünen Bäumen, an Boulevards, in Parks. Viele Autos, geschäftiges Treiben. Die Zeugen der Hodscha-Ära werden vernichtet, Albanien sucht einen Neu-Start, das ist gut so. Interessante, abwechslungsreiche Architektur, keine Lochfassaden wie bei uns, originelle Balkons, viele Rundbauten, bunte Fassaden! Spielerische Formen an Wohnblocks und neuen Geschäftsbauten. Hotels, Restaurants. Gj. führt uns um 2 in ein Strand-Restaurant, in dem mir die großen Störche (Skulpturen) gefallen, die Leleks. Fischsuppe, fritierte Calamari, Salat.
Bei Gjergi in seiner Wohnung ist es gemütlich, er hat aus dem Arbeitszimmer ein Gastzimmer gezaubert, Bettzeug mit Spitze, neue Frottées, Hausschuhe! Am Tisch stehen Kekse, Wein, Sekt, Erdnüsse, wie bei uns vor 40 Jahren für hohen Besuch….Es gibt gebrühten türkischen Kaffee mit Satz.
Die Mama Niqi ist eine ganz liebe kleine Frau, 83, Witwe. Leider können wir keine Frage beantworten, aber Gjergi spricht gut deutsch und ist unser Dolmetscher. Nach einer Stadtrundfahrt bummeln wir zu dem imposanten „Platz Genscher“, zu der Universität, dem Rathaus, dem Regierungssitz, wir sehen Gjs Arbeitsstelle bei der Universität(er ist Chemiker im Speziallabor und lehrt Studenten).
Grüme Alleen an den BoulevardsUni f. Politische Wissenschaften
So hübsch, grüne Augen, Topfigur, wie viele junge Albanerinnen!
In einer auf Touristen gemünzten feinen Pizzeria treffen wir den Bruder mit Gattin, er ist Onkologe und hat viel Ärger mit ständig defekten Tomographen… Ein Jammer. Mir reicht eine Hühnersuppe, Gh. speist Pizza capricciosa. Dessert Limone-Parfait.
Nach einer geruhsamen Nacht (ich habe nun aber auch 38.6° Fieber und kann nix essen!) gibt es eine heiße Milch mit Zucker zum Frühstück und eine Scheibe Weißbrot mit Feta. Gj. brutzelt über der Gasflasche in der Pfanne ein Ei mit Käse für Gerhard. Der Backofen steht am Balkon, die Mikrowelle auf er Küchenanrichte.
Dann fahren wir um 8 los und sehen Dürres. Dort finden wir ein Taxi am Buswarteplatz, das nimmt uns beide und einen Italiener mit nach Vlora. Unterwegs viel Abbruch, Abrißbagger zertrümmern alle ohne Konzession erbauten Gebäude, kleine Shops, Autoreparatur, Waschplatz, Bäcker, Café, wo am Boulevard entlang nur diese windigen niedrigen Baracken standen, entsteht nun eine Allee, mit Blumenrabatten, Gehweg, Fahrradweg und breitem Bürgersteig- dahinter nur die Hochhäuser mit vielen Läden. Ein neuer Anfang. Aufbruch. Aber auch ganz große Hotels am Strand werden eingerissen, man schüttet gleich den Strand mit den Trümmern auf und errichtet eine feine Riviera. Nur vereinzelt „überlebten“ Strandcafés und Hotelanlagen diese gegen Korruption gerichtete Vernichtung. Gegen 13 Uhr erreichen wir unsere EOS. Einräumen, Blogschreiben. Ausruhen für die noch kranke, aber bald fieberfreie Gerdi. AmSamstag, 28.5. fahren wir mit dem Sammelbus nach Vlores, und wir lernen ein sehr nettes Ehepaar kennen, die beide deutsch gelernt haben und große Freude haben, es nun zu sprechen, sie Betriebswirtschaft, er Lehrer. Hoffentlich schreiben sie uns mal eine Email:-)
Hier die Bilder und der Bericht aus Gerhards Flickr-Album bis Orikum: Klick
Das hellgrüne Wasser fällt bei der Einfahrt in die Lagune sofort auf. Nicht mehr das Blau des Meeres. Nur zwei kleine Stangen markieren die Einfahrt. Man muss sie aus südwestlicher Richtung vorsichtig anfahren und sich dann scharf nach rechts wenden. Auf der linken Seite glotzen die beiden Schießscharten Enver Hodxas Einmannbunker an (das Wasser hat sie mittlerweile unterspült) und gegenüber erinnert das Fort der Sultans an den Einfall Napoleons.
Wir fahren noch etwas in der Lagune weiter und ankern in diesem stillen Wasser. Die Gegend vor dem Butrinti-See liegt abseits der Seglerrouten. Wir tun heute nichts mehr außer uns wohl fühlen.
Am nächsten Tag: mit unsrem Schlauchboot MICRO EOS besuchen wir das Fort und bekommen von den hohen Mauern einen Überblick. Wasser, flaches Schwemmland, die Örtchen Xari und Mursi auf Hügeln etwas abseits. Dahinter die noch grünen Berge und auf der anderen Seite die Gebirge Korfus. Dann trägt uns MICRO EOS zu den Bunkern auf der anderen Seite.
Ein schüchterner Hirte mit seinen Schafen grüßt durch kurzes Heben der Hand. Zwei Frauen vertreiben sich die Zeit, während die Männer in Taucheranzügen gegenüber Muscheln vom flachen Boden abkratzen. Wohl arme Leute, die Zeit hat sie nicht bevorzugt. Aber sie lachen fröhlich, singen die albanische Hymne mit Gerdi und genießen den Sonntag.
Noch blüht es am Wegesrand in allen Farben. Ein paar Wochen später wandelt sich der Boden in ein dürres Braun. Am Nachmittag verlegen wir EOS näher zu den Weltkulturerbe-Ruinen um im Restaurant Mails und Blogs zu erledigen und um etwas Brot zu bitten. Viele Busse bringen Gäste hin und fort. Die alte, quadratische Seilfähre auf 6 rostigen Pontons versieht ihren Dienst immer noch. Dann verlegen wir EOS zurück zum Fort. Die ersten Lichter auf Korfu leuchten, der Vollmond steigt rot über den Bergkamm während Jupiter als heller Punkt schon hoch am Himmel steht. Wir erwarten eine ruhige Nacht.
Gut versorgt verlassen wir Sarande in Richtung Süden bis zu den beiden Inselchen hinter denen sich das Örtchen Ksamil noch verbirgt. Es regnet beim ankern auf gutem Sandgrund zwischen den Inselchen und dem Ort. Der Nachmittag liegt noch vor uns und so widmen wir uns via Internet Mails und Blogs. Solange bis unser Hotspot unerwartet den Dienst versagt und uns eine griechisch verfasste Sms mit rotem Ausrufezeichen erreicht. Kontoguthaben aufgebraucht? Lesen, abends Reste essen, lesen, schlafen bei angenehmen sanften Schaukeln.
Anderntags regnet es Bindfäden und wir spüren keine Lust weiterzufahren. Lesen geht nicht lange. Die Stille und das Schaukeln lassen bald die Lieder zufallen. Gerdi übt griechische und französische Aussprache, ich entrümple den Ersatzteilkoffer. Gerdi bietet eine gute Tomatensuppe zu Mittag an. Lesen, durch regenfeuchte Scheiben sehen was draußen los ist. So gut wie nichts, höchstens entfernt ein paar Schiffe. Der Betonmischer rattert nicht mehr. Kamil, der seelenlose, regellos und bunt bebaute Ferienort liegt wie verlassen hinter dem Regenschleier. Aus der Entfernung gar nicht mal hässlich. Natürlich lässt sich niemand an den Badestränden blicken.
Nach wie vor fehlt (mir) das Internet. So kehren alte Zeiten zurück, als diese Verbindung noch unbekannt war. Gar nicht übel, diese lange Weile. Verbindung besteht nur zur EOS und dem wenigen, das man sieht. Jede Eile ist fern.
Abends brutzeln 2 Halsgrats auf dem Heckgrill und wir können sie noch mit Genuss essen während sich im Südwesten ferne Gewitter zeigen und der Wind von der sicheren Nordseite auf die unsicher Nordostseite dreht und kräftig zulegt. Die Gewitter rücken näher und erinnern uns an eine Sturmnacht vor dem Acheron. Wir legen auf der elektronischen Seekarte die Route nach Ag. Nikolaos an. Es sind nur 3 sm. Ganz legal ist das nicht, verlassen wir doch ein nicht EU-Land ohne Abmeldung. Aber Gerdis Kalenderspruch von heute lautet „ Wenn man sich an alle Regeln hält, verpasst man den ganzen Spaß“. Mit GPS-Hilfe ist es einfach, auch in eine enge Bucht einzulaufen. Man folgt einfach der angelegten Route, muss nur vor lauter Blick auf GPS und Tiefenmesser aufpassen, um nicht einen schwach beleuchteten Ankerlieger zu rammen.
Mittlerweile ist es stockdunkel. Anker ab und fertig. Dann hat uns die Gewitterfront auch schon erreicht. Es prasselt und EOS neigt sich im Wind. Am alten Platz wär’s jetzt äußerst ungemütlich.
Nach ein paar Stunden beruhigt sich das Wetter wieder.
Anderntags wieder, nicht ganz legal zurück nach Albanien. Am Berghang dreht sich das Radarauge. Ziel ist der Vivar Kanal, der den Butrinti See mit dem Meer verbindet Die Leute sagen, die Einfahrt sei zu flach. Eine Zeichnung bietet aber 2,3m Wassertiefe an. Mit großer Vorsicht nähern wir uns und stellen fest, der Fluss ist auf der Barre mindestens 3m tief. Vorbei, ganz langsam am Verfallenen Palast des Sultans und einiger Einmann- Bunkern aus üblen Zeiten und dann ankern wir inmitten einer wunderbaren, stillen, von Bergen umgebenen Flusswelt. Einer DER schönen Plätze, wo man nur schweigen kann.
Einsam schaukelt die EOS vor Anker in der Strömung
Ein ganzer Tag Regen, kühle 15°C. Wir sind von Sarande über die große Bucht gesegelt und vor einem neu erstehenden Hotelstrand vor Anker gegangen. An dem verregneten Tag schreiben wir Blog und Emails- und leeren unbewußt unser Internetguthaben vom Cosmote-frog! Als am 20. eine Regenpause entsteht, würze ich eilends die 2 Steaks und Gerhard wirft den Grill am Heck an: gut, die Kohlen blieben trocken:-) Teils unterm Regenschirm gelingt das Grillen, ich dünste flugs im Wok Aubergine, Spitzpaprika und Tomaten, mit Wein und Zitrone und ganz frischem Origano.
In der Nacht vor meinem Geburtstag aber blitzt es heftig, der Wind brist auf, die Wellen schlagen an den Schiffsrumpf. Um 20 Uhr ziehen wir in geübter Bordroutine binnen 5 Minuten Ölzeug, Gummistiefel und Südwester an und los geht’s: mit Motor zum uns schon bekannten geschützteren Ankerplatz vor Ayos Stefanos(GR) Noch 2x die blauweiße griechische Gastflagge hissen. Es weht und schaukelt. 3 Boote im Regen… Leere Tavernen.
Am Morgen hab ich Geburtstag und Gerhard malte mir einen Blumenstrauß. Er paddelte an Land und holte frisches Brot! Der Kalenderspruch von Ktherine Hepburn ist einfach schön, den kleben wir in den Salon. Ich bat Gh., mal ein paar Fotos von mir zu machen:
Am Mittag motoren wir vorsichtig in den Zugang nach Butrinti… 2011 mit dem Bus, heute auf eignem Kiel!
Einsam schaukelt die EOS vor Anker in der Strömung
Die EOS vor Anker in der Strömung, hinten ist die archäolog. Stätte Butrinti
Herzlich gratulieren wir dir zu deinem Geburtstag, an dem du glücklich und bester Laune sein sollst! Bleib gesund und munter, neugierig, aber auch vorsichtig. I+H
Losung aus Psalm 84,12:
Gott der Herr ist Sonne und Schild.
Wir wünschen Dir, dass Du diese Erfahrung, wie der Psalmist erfahren darfst
und wünschen Dir alles Gute für das neue Lebensjahr.W+H