95 Hinauf: 16m -Schleuse bei Arles

Gemütlich geht unsre EOS „amont“- hinauf auf der Rhône, gegen die Strömung, viel geringer ist sie als auf der Donau. Am Ankerplatz aber muß man beim Morgenbad schon mit der Hand an der Badeleiter bleiben… Wir genießen die Langsamkeit, die Unabhängigkeit von Meteo und Starkwind-Vorhersagen… Es gibt aber kalten Mistral, wohl Stärke 4-5, Anorak und Kapuze, Wollsocken und lange Hosen… Das ist nu doch ein recht plötzlicher „Klimawandel“ -wir sind auf Höhe Sibenik, Genua, Rimini, Belgrad-aber es ist nordisch kalt. Wir halten uns an die in der Karte sichtbare Schifffahrtsstraße, beim Steuern steht man an der Pinne und beachtet die Seeezeichen: links rote Pfosten, rechts grüne Pfosten. An Land zeigen sich die ersten Hügel, Kalkfelsen wie in der Alb oder der Fränkischen Schweiz, grün ist alles, noch ungewohnt nach den heißen Wochen am Meer.

 

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Filigrane technische Meisterleistung

Wir können am 17.9. nirgends anlegen, den früheren Anleger hat 2004 der Fluß weggerissen. Der Ponton ist für uns als Bateau de plaisir zum Anlegen verboten. Also keine Besichtigung der berühmten Arena von Arles, schade.

Dann steuere ich hinter einem breiten Flußkreuzfahrer die Schleuse an, wir warten in der Strömung 20 Minuten, dann schiebt sich die dicke Countess hinein in die Kammer, wie ein Stöpsel, sie mußten alle oberen Relinggeländer u. Rettungsringe abbauen! Die kleine C.Cool mit Manuel und Julita bindet vor uns an, dahinter wirft Gerhard die Seilschlinge über den Poller in der Mauer. Das hintere Tor wird geschlossen, Gh. hält mit einem Ast die EOS frei von der Mauer, sir werden gehoben, von 3m auf 17 m, ich halte am Heck mit dem Bootshaken ab…nach 30 Minuten fahren wir 16 m höher als vorher aus der Schleusenkammer hinaus… Bald ankern wir in Mistral und Strömung, knapp neben den roten Pfosten. Im neuen Artikel seht ihr die Bilder vom Sonnenuntergang…

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94 Meer adieu, Rhône amont!

Heute ist der 16. September. Kalt, Wollsocken, erste lange Hose, Faserpelz, Schwimmweste (Vorschrift in Schleusen) Dann führte ich das erste Gespräch mit der Schleuse- in französischer Sprache!!…Und um 8.45 Uhr fuhr ich in die Schleuse ein, als die Tore sich öffneten, verließen wir endgültig das Mittelmeer, das Salzwasser, wir fahren auf dem Fluß Rhône. Es werden  von km 323 bis 0 hoch, insg. bis nach Mulhouse aber 50 km mit 135 Schleusen.Ich hatte die ersten 2 Stunden Steuerzeit, dann um halbelf: Dunkle Regenwolken öffneten ihre Schleusen, es regnete in Strömen, 1 Stunde lang.  Also Ölzeug.Die Urwälder an den Ufern, der dichte Baumbestand, immer wieder die Wasserentnahme-Rohre für die Landwirtschaft… Milane kreisen, Kormorane hocken auf den roten und grünen Pfosten der Fahrrinnen-Begrenzung, Kühe muhen, wenige Schubverbände und Binnenfrachter(mit Autos an Deck und Kran dazu) begegnen uns. Eine Ruhe und Gemächlichkeit wie die 80 Tage auf der Donau, 2014, von Kelheim bis ins Schwarze Meer…img_1852

Um 15 Uhr nach meiner 2. Schicht ankern wir neben der Fahrrinne mitten im Fluß, der hier ca. 300 m breit ist. Wenn man rausschaut, meint man, wir fahren, aber das ist nur die strömende Rhône.

Auch unsere neuen Freunde Manuel und Julita kommen gegen 19 Uhr, da ist unser Lammkotelett am Grill schon fertig.

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93 Der Mast ist gelegt

Heute am 15.Sept. haben wir den stolz in den Himmel ragenden Mast mit dem Kran ans Seil gehängt und auf die Maststützen an Bord waagrecht aufgelegt… Das Toplicht ist nun am Heck, steht 1 m über, der Mastfuß mit der Elektrik ragt über den Bugkorb hinaus…mit orangenen Frottées als Warnwimpel dran.

2016-09-15

Ein junger Segler, der 3 Jahre mit seiner 9m- Segelyacht unterwegs war (mit seiner reizenden Frau Julita  aus Guatemala) half uns, denn mein Arm will nicht heben und stützen seit dem Sturz in Martigues…

Als Dank luden wir die beiden zu uns auf die EOS ein, ich hatte Risotto mit weißen Bohnen, Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Zucchini, Hähnchenbrust gekocht.  Es war sehr interessant und lebendig erzählt, was Manuel an Abenteuern schilderte… er wanderte durch Afrika, er plante die Anlage einer Kakaofarm für Ritter-Sport auf Nicaragua, er war in Guatemala, er will mit dem Fahrrad mal bis Indien fahren… aber erstmal nach 3 Jahren wieder so richtig arbeiten, diesmal in Basel, für Riccola-Kräuter-Bonbons. Er hat Wirtschaftsmathematik studiert, Julita ist Krankenschwester und Pharmaziefachfrau. Sie lernt fleißig Deutsch…

Morgen früh um 8.30 Uhr werden wir in die 1. Schleuse (von 130) und in die Rhône einfahren… Am Samstag sind 9 Windstärken angekündigt… am Meer.

Gott bewahre uns auch auf dem letzten 850 km-Törnabschnitt auf den Binnengewässern vor Schaden und Unbill…Wir sind so dankbar, daß wir mit dem Segen bis hierher kommen durften!

Ein zuverlässiger Kranführer, eine tapfere Deutsche, die als Nachbarin das Hochhieven erlernte, ein guter Preis mit 125€, von 10 bis halbzwölf… DANKE, Raymond Jean können wir empfehlen:

92 Port St.Louis mit viel Wind+grauen Regenwolken,Mastlegen verschoben

Mittwoch, den 14.September:23° kalt, stürmisch, Regen, Krängung im Hafen

Unser 1. Tag in langen Hosen, Gh. trägt zum 1. Mal das windfeste langärmelige dunkelblaue Finkenwerder Fischerhemd!!!  Um 8 früh hätten wir den Mast legen wollen, aber Rasmus, der Windherrscher, hat was dagegen, Die ganze Nacht stürmte es, die EOS klappert und klirrt, wird an die Hafenmauer gepresst, der hohe Mast vibriert enorm, man wacht immer auf. Der ganze Rumpf schüttelt sich..

Die Waschmaschine in der Capitanerie wusch unsre Frottées und Shirts, aber der Sècheur war auch nach 40 min noch alles feucht…Also hing die Wäsche im Salon…Heute morgen flatterte alles waagrecht im Wind-da wanderte ich erneut zum Waschraum und gab für neue 60 min alles in die Trocknertrommel.

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Hier am Hafen gibt es sehr schöne neue Bauten, wohl den Speicherhäusern nachempfunden, gerade bohrt und baggert man eine neue gr. Felsenfläche auf, um den „Balcon du port“ zu bauen…

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Warten. Geduld haben. Drüben öffnete sich die Hebebrücke in die Schleuse, dann kommen 50 m Kanal- und dann käme schon die Rhône…Gerhard läuft los und sucht 3m-Äste für unser blaues großes Dach, das wohl nun öfter als Regendach fungiert… Die Vignette haben wir inzwischen, ist immer ein gr. Aufwand, weil das Internet zu langsam ist, die Website nicht erreichbar ist,  die Bankdaten zur Überweisung (111€)nicht klappen…

Inzw. ist die Wäsche -beim 2.Maschinen-Durchgang heute früh!!- trocken,

Die EOS lärmt und liegt schräg, …

91 Aufklaren zum Mastlegen, St.Louis

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Fein gefaltet u. aufgerollt: die Genua, kommt in die Hundekoje
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Gh. löst die elektr. Kabel zum Toplicht
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Die Gabelstützen für den 15m-Mast

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Bald sieht die Eos wieder aus wie auf der Donau, hier 2014 in Mohacz,Ungarn/Serbien-Grenze

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Während Gh. die ganzen schweren Arbeiten erledigt, koche ich einen Linseneintopf mit Beluga-Linsen, schwarz wie Perlen.

90 Ein letztes Mal ankern und schlafen auf dem Mittelmeer-vor Port St.Louis

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am Ankerplatz auf dem Meer holen wir die Genua herunter…
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Industrieanlagen, nachts hohe helle Feuerflammen, Arbeiten…

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beim Ankern noch ein Abenteuer vor der Nehrung bei Courtages: ein gesunkener Zweimaster auf der Sandbank…

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Nach dem Grillen zauberte der Himmel einen Sonnenuntergang übers Meer zu unsrem Abschied, bevor wir in die Flüsse einfahren bei Port St. Louis. Gerhard schläft ein letztes Mal im Mondschein draußen im Cockpit!!

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Die Fockschot hat nun Pause, tapfer war sie …!!!!

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89 Carre-Martigues… und Carnevale Veneziano

Wir ließen die weißen Kalkfelsen hinter uns und erreichten das Cap Carro, ankerten vor dem Strand in der Bucht Carre. Ein letzes Bad im Meer?

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Am Morgen segeln wir als Schmetterling bis vor den Kanal, der bis Martigues geht. Erinnerungen an unsere Donaufahrt!

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Ob wir die Segel wohl nochmal setzen???

 

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Zwischen 2 und 5 suchten wir jemanden, der uns im Hafen einen Platz anweist. Mittagszeit, nur Französisch auf dem Ponton, der vorne mit Stahltor versperrt ist zur Stadt…, schwierig. Dann erreichen wir Simon, der Englisch spricht. Wir verlegen vom1. Platz an einen andren Kai. Inzwischen sind meine Pfannkuchen aber kalt-lecker schmeckten sie trotzdem… mit Schwarzbeer-Marmelade.

Am Abend bekommen wir den Tipp, ins Dorf zu laufen. Klein-Venedig heißt diese Ecke, malerisch die Häuser am Ufer. Dann eine Menschenmenge, italienische Opera-Melodien. Es ist Festival mit Venezianischer Maskerade!! Ein Spektakel: 150 aufwändige üppige Ball-Kleider mit irren Hutdekorationen, Handtäschchen, Sonnenschirmchen, ein Pfau, der Rad schlägt, der Winter mit glitzernden Diamanten wie Eiskristalle und Schneebällen, der Frühling zu Vivaldis Musik mit Vögelchen und viel Grün und Blütenschmuck, feine  Seide, Gold-Brokat, drapierter Tüll und Glitzerperlen, Pailletten und Schmuck.

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Gerhard hat fotografiert. Leider stolpere ich am Rückweg unter einer finsteren Brücke über einen Kanaldeckel und stürze längs auf den linken Arm. Schürfwunden, der Oberarm schmerzt… Hoffentlich heilt es, den Arm brauch ich in den 135 Schleusen…

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http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157673713644795

Weitere Bilder  (es sind noch einige von den Iles de Frioul dabei) und die Carneval-Kostüme von Martigue: Klick