82 Von der Felsenbucht ins schöne La Ciotat

Ankerbucht La Moutte > Hafenstadt La Ciotat

GERDI schreibt:

Nun hat der September begonnen, das war so oft mein Schulbeginn, als Kind und als Hauptschul-Lehrerin;-)… Hier ist spürbar Saisonende, denn Franzosen und Italiener haben oft alle gemeinsam im August Ferien oder ihr Betrieb bleibt 4 Wochen zu. Die Schulkinder laufen mit Rucksack heim, Fastfood und Cola in der Hand, sie haben ja bis spät am Nachmittag Schule! Auch die Temperaturen sind nur noch so um 30°, aber die letzte Nacht vor Anker in der Felsenbucht La Moutte war kalt, bei 19° brauchten wir beide die Decke-und ich auch Wollsocken.

Bei uns an Bord gab’s gesunden griechischen Salat und Tzaziki aus Joghurt und Gurke zu Lammkeule-Scheiben vom Grill.

.Tzatziki +griech.Salat zum Lamm v. Grill

Donnerstag, 1. September: Nach sehr verschaukelter sternklarer Nacht in der starken Dünung am Anker…. begrüßt uns ein wunderschöner Urlaubsmorgen. Zum Schwimmen im nun blauen Meer nehme ich mir Zeit- es ist herrlich kühl und die Wellen wiegen einen beim Schwimmen… Die Wellen stürmen an die senkrechten orange in der Morgensonne aufleuchtenden Felsen. Ein gleichmäßiges Rauschen und Schweigen. Die netten Motoryacht-Nachbarn aus dem Hafen in Bandol fahren in die Bucht herein und fragen, ob alles gut geht mit dem neuen Motor. Gerhard putzt den Wasserrand am Bauch der EOS, der moosigen leicht-grünlichen Bewuchs hatte. Wellness für das Schiff. Nachdem wir wohl wegen der Dünung sicher am Abend alleine sind, beschließen wir, eine 2. Nacht zu bleiben, trotz Schaukelei…Schon mittags koch ich Hörnchennudeln für einen Nudelsalat.

Freitag, 2. September: unser 105. Törn-Tag

Um 9 Uhr brechen wir auf, zum Segeln fehlt heute der Wind. Wolkenlos. Wir freuen uns am Meer und der Küste, grün, viel Wald, mich erinnert es an die Adria, Kroatien, Höhe Peljecac, Hvar, Brac, Orebic, damals mit den Kindern Richtung Kotor… Schon vor 11 Uhr schwenken wir bei den großen Kränen der Werft Charlie Vivra in den weiten fast  runden Hafen von La Ciotat ein, imposant die (romanische?) wuchtige Kirche und der Turm an der Einfahrt, an der Promenade. Wir werden an die modernen Neubauten gelotst, vor den Club-Restaurants Sur les Quais, ähnlich wie in Konstanz „Steg 4“. Der Hafen erinnert an  Nizza, die Schiffe direkt vor den Häusern.

La Ciotat (2)La Ciotat (1)

Wir gehn gleich in die Altstadt zum Einkaufen beim Carrefour. Leider gibt es den Laden für Ghs Mobiltelefon-Aufladung nicht mehr, wir hatschen 2×3 km weit hinaus an den Stadtrand… Staubig, Auspuffabgase… Hier sind die Ladenzentren, Einkaufsmöglichkeiten, die Parkpätze, Kliniken, die Gymnasien, Sportanlagen, der Campingplatz, Mc Donalds, die Wohnsilos und feineren Wohnstraßen. Zurück in der Stadt kaufen wir ein Stück Schweinebraten (Sellerie u.Möhren hatte ich bereits). Dann nehmen wir bei einer jungen Chinesin vorgekochtes mit: Glasnudeln mit Mu-Err-Pilzen und scharfe Rindfleischpfanne mit Bambus und Gemüse. An Bord koche ich Basmatireis dazu.

 

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Die Schwüle ließ nach, so machen wir uns auf zu einem Altstadtbummel. In den engen Gassen ist es menschenleer, die schwarzen Müllbeutel liegen ordentlich zur Abholung vor den schmalen Türen. Sehr sauber auch hier, keiner wirft mutwillig oder gedankenlos was weg. Täglich hört man ab 5 die Müllautos und die Kehrmaschinen. Die Bewohner sind oft Migranten, alle Arten. Manche sitzen mit Küchenstühlen vor derEin- oder Zwei-Raum-Wohnung, mit Baby und Oma, Rollator und Rollstuhl, Kinderwagen und Laufrädle. Die heruntergelassenen Rolläden (Stahl-Jalousien, einbruchsicher)vor den Geschäften sind mit realistischen Bildern bemalt oder gesprayt, uns gefällt’s!

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Gh. hat einige Fotos  der Gemälde im Album, anschaun:-)am Artikelende!

Wir fühlen uns erinnert an die ähnlich engen Wohngassen in Venedig, Nizza, Palermo. Die Bewohner sind freundlich, einer der Maler will fotografiert werden vor seinem Werk. Bei den Kirchen öffnen sich schräge Ebenen, Plätze zum Versammeln, bei der großen Basilika wundere ich mich, daß an der Front neben dem Portal ein riesengroßes Kruzifix außen an der Fassade hängt!! Der Gekreuzigte Jesus vor der Kirche. An der andren Seite ist über dem Seiteneingang eine Madonna mit Kind, auch außen. Sonst ist die Kirche schmucklos, wie eine Trutzburg. Man sieht aber, auch nachts, daß es bunte Glasfenster sind. Inzwischen sind die Bars an der Hafenpromenade gut besetzt, man trinkt Roséwein, Longdrinks, Bière blonde. Beim MAMARA gibt’s Döner , alle 200 m raucht ein Holzofen: Pizza Au feu de  Bois, bei den Eisdielen Gelati alla Italia.

IMG_1632Wir trotten zurück zum Boot, duschen den Straßenstaub weg und dann folgt wie angeschrieben auf dem Restaurant-Schild : Café, Concert, Spectacle! Spectacle, ja…laute Musik non-stop… Hip-Hop, ausschließlich in französischer Sprache!!! Die ganze Nacht bis früh um 3 Uhr.. Vollbesetzt alle Stühle, man amüsiert sich, auch nur in reinstem Französisch, es gibt wohl keine anders-sprachigen Touristen mehr im September. Angenehm aber die Temperatur: nicht über 25°.

Samstag, 3. September 2. Tag in La Ciotat

rôti de porc

Nach gemütlichem Frühstück mit inzw. schon gewohntem frischem Baguette beginne ich, den Schweinsbraten zu zu bereiten. Zwiebel, Sellerie, Möhren, Majoran, Zimt, Senf,Pfeffer,  Paprika, 1 Tl Kümmel, Pfefferkörner, Wacholderbeeren, Lorbeer, Nelken, Knoblauch…Es duftet sooo lecker. Wir entschließen uns, die 2.Nacht hier zu bleiben. Und morgen vielleicht nach Cassis oder in die schmale Bucht Port-Miou, ein Wasserarm wie ein Fjord. Aber der Meteo kündigt Windstärke 6+ für Montag an… Abwägen!

Samstag: Wir blieben da, fanden um 6 abends noch einen Tunesier aus Djerba, der in seinem Obstladen Kartoffeln verkauft, tranken ein Schweppes und ein Achtele Wein in einer Eck-Bar, speisten Schweinsbraten, erkundeten neue Gassen in nächtlicher Beleuchtung. Eindeutig Date-Abend, der Samstag, die Bars vollbesetzt!

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Wir steigen die Treppen zum Quai-Restaurant oben hoch und Gh. fotografiert die EOS von oben und die Eisschlecker, deren Bank zum Hafen gedreht ist, nett. Beim Denkmal für die Stahlarbeiter der großen Werft stell ich mich dazu. Neben unsrem Schiff erstrahlt auch heute der große Kran in rot und blau im Wechsel, ein Spektakel, aber stumm. Im Club gibt es heute Salsa und Samba, durch die Scheiben kann ich dem braunen Tänzer zusehen, einfach schön…

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http://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157673276213086

Hier die Fotos aus Ghs Flickr-Album: Klick

81 Weiter mit gutem Motorklang

Der Motorfachmann von Mecabateaux in Bandol hat gute Arbeit geleistet. Mit gesundem Klang verlassen wir den Hafen, setzen Segel und bergen sie erst wieder kurz vor Baie de la Moutte.

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Wieder ein Abend und eine Nacht, wie sie nicht schöner sein könnten. Die Lammscheiben vom Grill zart und gut (gegart nach System Schnierle in der Folie), Satziki ebenfalls, süffiges Bier und Brot von heute. Wir liegen in der Bucht. Sie ist gebogen wie ein Hufeisen. Steile, hohe Felswände, üppige Kiefernwälder um uns und nur ein Haus oben.

Felsen-Springer!
genau mittig steht ein Springer in blauer Bermuda,sprangen auch von links oben!..

Farbe des Meeres

Buben nutzen einen hohen Felsen um ihren Mut durch einen 10m Sprung (oder höher?) zu beweisen. Tagesgäste kommen mit ihren Motorbooten und ab Abend genießen wir die Bucht ganz alleine.

Das schöne Haus (800x533)

Und dann die Nacht! Sie macht die Sterne nach und nach leuchtend. Mars verschiebt sich immer weiter zwischen Saturn und Antares nach hinten, als würde er in einem Wettrennen schwächeln. Vega steht fast senkrecht über uns, ein treuer Begleiter unserer Reise, ganz oben am Firmament. Großer Wagen, Schwan, Scorpion, Kasiopeia wandern langsam gen Westen. Die  Sichel des zunehmenden Mondes wandert noch unter dem Horizont. Gut so, sie überstrahlt nicht die zarten Sternbilder.

50m höher gewährt ein Blick durch eine Baumlücke den Blick auf die beleuchteten Fenster der vorbeihuschenden Züge. Laut rattern die Nahverkehrszüge und dezent leise die TGW‘s. Der Wind schläft ein, sanft schaukelt EOS, leise rauscht die Brandung am Ufer. Ich werde jetzt mein Lager draußen in der Plicht aufschlagen.

Die wunderbare Natur umgibt uns und wir bleiben noch einen Tag hier. Bordwand putzen, Unterwasser fotografieren, lesen, essen. War keine so gute Idee, die ganze Nacht kräftige Dünung und damit schaukelt EOS lustig und sehr kräftig in alle Richtungen. Die Sterne fliegen nur so hin, her, vor und zurück.

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Hier alle Bilder (und Unterwasseraufnahmen) dieser schönen Bucht: Klick

Zum Schluss noch die Reisestrecke bis hier her: Klick

Motortaufe und Feiern

Bandol, 30. August:von Gerdi

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Am Nachmittag des vorletzten Tages im August fahren wir den neuen Volvo mit fast voller Kraft  vor dem Hafen in der Bucht, alles klappt…(mehr als 2000 U/min soll er nicht fahren, die Schraube (für die Donau eingebaut) ist zu schwer gängig für den dafür etwas zu kleinen Motor). Der excellent arbeitende Guillaume bekommt ein Trinkgeld und dann rollt der Werkzeugwagen ratternd davon, begleitet von Gerhard mit Papieren und dickem Geldbeutel:-) Nun müssen wir nicht mehr Vorglühen mit fest gehaltenemHebel und beim Abstellen nicht mehr die kleine Heck- Klappe öffnen und den Dieselhebel ziehen.

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Bei der Rückkehr des Skippers gilt der Trinkspruch beim kleinen Gin dem Neuen, dem Motor. Feierlich taufe ich ihn auf den Namen BANDOL, mit der Bitte um Gottes Segen für Motor und Schiff und Crew, um allzeit gute Fahrt. Dann schiebt Gerhard die Mahagoni-Treppe und Abdeckung am Niedergang vor unser neues „Familienmitglied“ und er verschwindet, als wäre nichts gewesen.

Am milden Abend wandern wir noch einml hoch zu dem Lokal „Cigale bleue“ beim Bahnhof und feiern mit einem Gläsle Rosè, einem trüben Pastis, einer Pizza Bergère (Schäferin, mit Speck, Ziegenkäse und rosa Zwiebeln) und Pizza quatre fromages bei einem kühlen Bier unsre Neuerwerbung.

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Kaum noch Touristen in der Stadt, die Gassen sind leer, etliche Lokale sind bereits geschlossen und die vielen Stühle und Tische sind weg geräumt. Saison-Ende! Die Erwachsenen müssen wieder arbeiten ab September, auch die Schulen beginnen.

Um 13 Uhr segelt die Eos endlich am 8.Tag aus Bandol los, erstmals mit neuem Motor, zur Ankerbucht Baie de la Moutte hinter Les Engraviers…Felsküste. Auf geht’s.“He-ho, he-ho, alle  Männer her an Bord. Setzt Segel, kappt das Tau, he-ho, he-ho“ hieß mein Kanon aus Lehrertagen…

 

79 Motor Nummer 2

Schon seit geraumer Zeit zeigte sich weißlicher Rauch an EOS‘ Auspuff, Tendenz verstärkend. Motordefekt? Wir müssen noch einige 100km flußauf!

Kontrolle von Kühlwasserpumpe und Motortemperatur: Negativ. Damit sind meine Möglichkeiten erschöpft. Wir steuern am Mittwoch, 24. August den Hafen von Bandol an.

Tests durch den Fachmann: Einspritzpumpe: Negativ, Motordrücke: Positiv. Zylinder 3 hat kaum Kompression! Zylinderkopf wird abgenommen und zeigt Ausbrüche am Ventilsitz. Weiteres Schadensbild: Zylinder 2 keine volle Kompression, Zylinder 1: Erhebliche Aushöhlungen auf der Kolbenoberseite. Alle Laufflächen weisen Schäden auf, leichtes Leck zwischen Motor und Getriebe.

Ursache: Wasser in den Verbrennungsräumen durch falschen Einbau des Wassersammlers. Am Bodensee mit Süßwasser macht sich nicht so stark bemerkbar, im Salzwasser des Mittelmeeres aber erheblich.

Wie sollen wir vorgehen? Neuer Zylinderkopf muss sein, Änderung Wassersammler auch. Eine spätere Überholung am Bodensee sollte dann sein. Ich will ja ein zuverlässiges Schiff! Alternative: Neuer Motor. Grund: Tausch Zylinderkopf und Überholung werden schlussendlich teurer als der neue Motor. Es ist der zweite Motor im Leben der EOS aber eigentlich der dritte. Nur von dessen Existenz haben wir keine Unterlagen mehr. Wir entscheiden uns für den neuen Motor und bleiben dafür eine Woche im Ort Bandol.

Die Einzelteile (800x533)

Der alte Motor wird teilweise zerlegt und in einem Kraftakt in ein Hafenboot gehoben. So verlässt das treue Stück die EOS. Traurig. Bei starkem Wind verholen wir mit Hilfe des Hafenbootes an den Kranplatz. Der neue Motor verschwindet im Bauch der EOS. 2 Tage Montage. Auch die Lage des Wassersammlers ändert der Handwerker. Eine Freude, wie fleißig und sicher unser Fachmann, der junge Guillaume, 29, arbeitet. Dann Probefahrt und Überprüfung. Wir erkennen keine Mängel. So wie’s aussieht, eine gute Arbeit des Mechatronikers von Mecabateaux!

Am Nachmittag tauft Gerdi den neuen Volvo auf den Namen „Bandol“ mit der Bitte um Gottes Segen, alllzeit gute Fahrt und langes Leben an unsrer Seite auf der EOS.

Inzwischen etliche internationale Neulinge an Bord: die große Persenning vom Albaner Julian, Aug. 09 in Glifada/Piräus, die neue Sprayhood+Bimini+neue Matratze Bug(Karabulut, Schwarze Wolke) und klappbares Küchenfenster(Ibis) aus Marmaris/Türkei, das Iroko-Deck aus Bosburun/Türkei, die Bierkrügle aus Naxos/Griechenland, der Clodeckel und die Wasserpumpe am Spülplatz aus Marmaris, das Leergutfäßle für Dosen aus dem Ambrakischen Golf, der neue Mac Murdo aus Nizza.

Alle Bilder dieser Arbeit: Klick

Transplantation eines Motors…

BANDOL, Côte d'Azur. Montag/Dienstag, 29.+30.Aug.16-7.Tag
(leider sind die ganzen Zeilen nicht komplett lesbar)
Bevor Gerhard diese ganze Motor-Aktion in einem fachmännischen Bericht beschreibt,
kommt heute der laienhafte von der Bordfrau Gerdi:
Wir liegen immer noch in Bandol, einem 7000-Einw.-Ort an der Küste, Sandstrand, 
Boutiquen, Restaurants, Marktstände mit Olivenöl, Käse, Schinken, Obst.An der
Promenade nur noch 2/3 der Souvenir- und Schmuckstände, fast keine Touristen 
mehr, die Saison geht zu Ende, etliche Lokale und Modeläden bleiben schon ganz zu.

Gestern hievte ein Kran unseren neuen Volvo durch den engen Niedergang, vorher 
schob ein kl. Kahn unser motorloses Schiff vom Heck her die lange Gasse der 
Schiffe vor bis in die Nähe der Hafeneinfahrt, dort eine Haarnadelkurve 
und bei inzw. 5 Windstärken Einschwenken in das schmale Kranbecken, an dem sonst 
ein Travellerkran die Boote herausliftet. 
Dann rollte ein kleine Autokran (niedr. LKW mit dem Kranarm u. Haken waagrecht vorn dran) heran. 
Die Mecatroniker hängten am Werkstattauto an Schlaufen den 170 kg-Motor an den Kran.
Der rollte Richtung Schiff und dann schwenkte er vorsichtig das Monstrum über unsere Bordwand und 
Reling, mm-genau über den Schiffseingang und nach Kommando der 
Mechaniker senkte er das Teil dann ab Richtung Kiel, wo er über einer 
Art Wanne auf 2 Schienen an 8mm-Schrauben angeschraubt wird. Je 2 dicke 
Muttern an den 4 Füßen. Der 2. Mechaniker mußte mit scheußlichem Geräusch neue 
Löcher bohren, was einem im Herzen weh tut, wenn das unterhalb der Wasserlinie 
passiert...

Unser Salon sah aus wie ein Warenlager, denn alles, was in der breiten 
tiefen Hundekoje, das ist das 5. Bett, unter der linken 
Cockpit-Sitzbank, gelagert war, mußte raus, um an die Elektrik und 
Schalthebel zu kommen: Die schwere Kunststoff-Plane fürs gesamte Schiff 
im Hafen von FN und im Winterlager, das Sturmsegel, die Fock, die 
Hafenhandbücher der ganzen Reise (Donau, Schwarzmeer, Türkei, Ägäis, 
Peloponnes, Jonische Inseln, Albanien,Apulien, Kalabrien, Sizilien, 
Sardinien, Korsika... Unglaublich, welches Volumen man da reinpackt, 
wobei wir seit Messina die Rettungsinsel von innen verlegten und
an Deck festgezurrt haben neben dem Mast...

Eine Schiffsnachbarin, ma voisine, (man lebt ja eng wie auf einem Campingplatz, hört 
sich schnarchen, lachen, kochen, pokern, schimpfen...;-)) schenkte mir 
aus ihrem Garten Tomaten, 1/2 Zucchini, eine große Ochsenherztomate. 
Sofort brühte ich Couscous auf und fing an, 2 Zitronen aus zu pressen, 
Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, rote Paprika und das Gemüse klein zu 
schnippeln, nach 15 Minuten war eine große Schüssel Taboulé fertig- 
orientalisch gewürzt mit Zimt, Nelken, Kardamom, Sumak, Chili und 
Olivenöl. Zuletzt noch Oliven drüber und Pfeffer- ein Traum. Die 
Bootsnachbarin war begeistert. Man kann aber ausschließlich französisch 
kommunizieren, denn hier gibt es NUR Franzosen, auch die Boote haben nur 
Franzosen, keine Italiener, keine Deutschen, wenn man Glück hat, spricht 
mal ein Mann etwas Englisch, aus der Zeit als Berufstätiger, sind eh 
alles Rentner!! Falls Sabine mal wen an einen schönen Sandstrand in 
Bandol schicken will (7000 Einw., eher dörflich als städtisch) dann muß 
einer in der Familie etwas Französich sprechen. Aber für Kinder ist 
natürlich das Karussell, Jg. 1900, ein einmaliger Spass. Diese 
Beschaulichkeit, dieses langsame Im-Kreis-Fahren, diese schönen Tiere 
und Figuren (auch eine Montgolfière ist dabei, dieser erste fliegende 
Ballon mit Passagieren).
Wir fühlen uns wohl,gestern war wieder mal Starkwind mit gischtweißem Meer draußen,
 was die Surfer und Jollensegler erfreute: sie flitzten über die hohen Wellen.
 Am Abend war ein Gewitter mit Blitzen rund um die Bucht (!)
und Donner, die 2 Wörter orage und éclairs hörte ich nie im Leben. 
Nun hoffen wir, daß Giullaume alle Schläuche, Kabel, Tanks und Highriser 
installieren kann in der Enge dieses Motorraums, er schlängelt sich katzengleich 
in der Koje und über dem neuen Motor und arbeitet wie ein Chirurg!Motor neu, 30.8.16

Der Strand am Sonntag-ein Magnet

Sonntag zum Strand (1)
Schon um 10 Uhr sehr beliebt, die Damen in modischen Bikinis-alle! Kein FKK.

Die Betuchteren schwimmen im hoch oben auf der Hotel-Terrasse gelegenen Pool…

Übrigens haben wir seit 2 Wochen draußen keine andre Sprache als Französisch gehört,keine deutschen Touristen,keine Briten, NUR FRANZOSEN. Allmählich taucht mein Schulwortschatz wieder aus 50 Jahren Tiefe ans Licht…In Griechenland gab es Regionen, wo alle Englisch sprachen, auch die Touristen.

Es hat 35°. Alle suchen den Schatten, die Bars sind voll, wenn die Markisen gut sind.Wir probieren zur Brotzeit was Kaltes: Schinken in Aspik.

Sonntag zur Brotzeit Schinkenaspik

Süßigkeiten, Limo, Cola und Fruchtsaft gibt’s nicht bei uns, wir bevorzugen Wasser und am Abend zu zweit ein Bier. Aber gerade lese ich, wie schlecht es um die übrigen Leute geht:

Zucker, Fett & Co. – Wenn Essen krank macht | foodwatch

700 Millionen Euro im Jahr für Süßigkeiten und Schokolade stehen 20 Millionen Euro für Obst und Gemüse gegenüber. Das alles hat einen einfachen Grund: Die höchsten Gewinne versprechen zuckerhaltige Getränke, Süßwaren und Zucker, Fett & Co. – Wenn Essen krank macht | foodwatch

Das ist das Problem

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt von einer „globalen Fettleibigkeitsepidemie“, deutsche Ärzte vor einem „Tsunami der chronischen Krankheiten“: Wenn es um den starken Anstieg ernährungsmitbedingter Gesundheitsprobleme geht, überbieten sich Mediziner mit dramatischen Bildern. Und das zu Recht: Laut WHO sind weltweit 41 Millionen Kinder unter 5 Jahren übergewichtig oder fettleibig. In Deutschland sieht es nicht besser aus: 15 Prozent der Kinder und etwa 60 Prozent der Erwachsenen gelten als zu dick. Sie haben ein höheres Risiko für chronische Krankheiten wie Herzerkrankungen oder Diabetes Typ II. Das verursacht nicht nur individuelles Leid der Betroffenen, sondern auch erhebliche gesamtgesellschaftliche Kosten: Die Folgekosten allein durch Adipositas in Deutschland belaufen sich Schätzungen zufolge auf etwa 63 Milliarden Euro – jedes Jahr.

Snacks – Obst und Gemüse „lohnen“ sich nicht für die Lebensmittelwirtschaft.


Gerhard nützt den ventilator-verwandten Rückenwind am Schiff und putzt den leeren Motorraum gründlich. Das Nest für den neuen Motor!!

76 Die Stadt im Rhythmus

Bandols Promenade lebt abends mächtig auf. Verkaufsstände wachsen aus dem Boden, Bars und Restaurants füllen sich, der Geräuschpegel nimmt zu, Musikanten und Gaukler zeigen ihr Können, Laternen und Gebäude wechseln rhythmisch die Farben der LED-Beleuchtung. Kurz vor Mitternacht ist der Höhepunkt, auch der Lautstärke erreicht. Um 24 Uhr ist Schluss. Alle Musik stirbt ab. Nur noch gleichmäßiges Hintergrundgeräusch von Mensch und Automotor. Wache  ich um 3 Uhr auf (ich schlafe im Cokpit), dann hat die Stille ihren Höhepunkt erreicht. Allgemeine Schlafenszeit.

Um 5 Uhr macht sich der neue Arbeitstag bemerkbar. Einzelne Autogeräusche, das Rattern des Müllautos und das Scharren des Sandglätters am entfernten Strand. Dann um 7 Uhr beginnt das allgemeine Leben. Die ersten Restaurants bereiten Tisch und Stuhl vor, Lieferautos blockieren Straßen, Marktstände werden aufgebaut. Auch die Hunde dürfen an der Leine nach draußen und die ersten Gäste genießen ihren Kaffee

Frühstück

Der Runner

Und die ersten Roadrunner nutzen die kühlen Morgenstunden. Noch überwiegt die angenehme Kühle, aber die Sonne zeigt sich bereits ab 7 Uhr mit ihrem milden, gelben Licht. Die Stunde um den Sonnenaufgang empfinde ich als die schönste des Tages.

Im Laufe des Tages zeigt die Sonne dann was sie um diese vorgerückte Jahreszeit noch kann. Am Nachmittag raubt sie mir jede Energie. Schon beim Denken bricht der Schweiß aus. Die wenigen Gäste in den Bars nippen schläfrig an ihren bunten Drinks. Erst am Abend erwacht der Ort und das Leben beginnt erneut. Ein toller Kreislauf.

Eine der engen Gassen

http://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157672018739982 (Sehr schöne Impressionen)

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