76 Die Stadt im Rhythmus

Bandols Promenade lebt abends mächtig auf. Verkaufsstände wachsen aus dem Boden, Bars und Restaurants füllen sich, der Geräuschpegel nimmt zu, Musikanten und Gaukler zeigen ihr Können, Laternen und Gebäude wechseln rhythmisch die Farben der LED-Beleuchtung. Kurz vor Mitternacht ist der Höhepunkt, auch der Lautstärke erreicht. Um 24 Uhr ist Schluss. Alle Musik stirbt ab. Nur noch gleichmäßiges Hintergrundgeräusch von Mensch und Automotor. Wache  ich um 3 Uhr auf (ich schlafe im Cokpit), dann hat die Stille ihren Höhepunkt erreicht. Allgemeine Schlafenszeit.

Um 5 Uhr macht sich der neue Arbeitstag bemerkbar. Einzelne Autogeräusche, das Rattern des Müllautos und das Scharren des Sandglätters am entfernten Strand. Dann um 7 Uhr beginnt das allgemeine Leben. Die ersten Restaurants bereiten Tisch und Stuhl vor, Lieferautos blockieren Straßen, Marktstände werden aufgebaut. Auch die Hunde dürfen an der Leine nach draußen und die ersten Gäste genießen ihren Kaffee

Frühstück

Der Runner

Und die ersten Roadrunner nutzen die kühlen Morgenstunden. Noch überwiegt die angenehme Kühle, aber die Sonne zeigt sich bereits ab 7 Uhr mit ihrem milden, gelben Licht. Die Stunde um den Sonnenaufgang empfinde ich als die schönste des Tages.

Im Laufe des Tages zeigt die Sonne dann was sie um diese vorgerückte Jahreszeit noch kann. Am Nachmittag raubt sie mir jede Energie. Schon beim Denken bricht der Schweiß aus. Die wenigen Gäste in den Bars nippen schläfrig an ihren bunten Drinks. Erst am Abend erwacht der Ort und das Leben beginnt erneut. Ein toller Kreislauf.

Eine der engen Gassen

http://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157672018739982 (Sehr schöne Impressionen)

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75 In den Gassen von Bandol…

Freitag 26./Sa. 27.August, Gerdis Eindrücke

An der Promenade drängen sich die Touristen, die vielen Lokale sind gut besetzt, auch Einheimische fliehen aus den heißen Altbauwohnungen und Appartements und wissen genau, wo man am kühlsten im Schatten der Markisen und Häuser dösen kann bei einem Glas Rosé. Dieser sanft rosa-orange-farbene Wein der Côte D’Azur und der Provence ist auf jedem Tischlein, man genießt.

Wir weichen aus in die Nebengassen, entdecken kleine üppige Obstläden, spähen durch die Hintertür in die dunklen schmalen Küchen der Lokale an der Seaside, wo fleißige Köche und Helfer all die Köstlichkeiten zubereiten, die auf den Schiefertafeln aufgeschrieben sind und eifrig bestellt werden. Ob Dorade oder Hummer, Muscheln in Sahnesauce (!) oder Garnelen, Octopus oder kleine Calamari, ob Entre-côte oder Auberginen überbacken, Ente,Poulet entier oder Lamm und natürlich Pizza. Es duftet himmlisch aus düsteren Backstuben, in denen tausendfach die Baguette-Stangen gebacken werden, die die Franzosen oft zehnfach im Arm heimtragen. In vielen Pâtisserien liegen kleine Törtchen, Anisschifflein und Torten in der Auslage. An den kleinen Tischlein der Bars klirren die Eiswürfel in Cola, Cidre und Schweppes, viele essen Fleisch mit Pommes frites, aber auch Thai-Gerichte aus dem Wok oder indisch-gelbes Curry. Am Platz mit dem Brunnen werden geradezu riesige 1,5 kg-Poularden am Dreh-Spieß gegrillt(rôti) à 16€, hinter Glasscheiben werden vielerlei Vorspeisen in kleinen Schalen offeriert, Meeresfrüchte, getrocknete Tomaten, Hummus, Cuscus, Schnecken, Oliven, Risotto, Nudelsalate aller Art. Salade nicoise ist immer dabei, Garnelen, Sardinen…

Bummel durch Bandol,27.8 (17)

Gestern abend spazierten wir hoch zum Bahnhof am Hügel, wo die rasenden Schnellzüge(Marseille, Toulon, Nizza) mit ohrenbetäubendem Lärm und irrsinnig schnell direkt vor der Nase vorbeisausen, aber ein WC gibt’s nicht mehr für die wartenden Fahrgäste… Am Weg folgen wir dem Duft des lodernden Holzofenfeuers und kehren ein in ein schattiges Lokal unter Bäumen: „La bleue cigale“-die blaue Grille“.Alles ist vorreserviert, klar, Wochenende. Für uns 2 haben sie einen kleinen „Katzentisch“;-). Wir bestellen aber keine Pizza, sondern schlemmen nach einem Pastis fein Gekochtes aus der Küche: Ich wähle Lammschulter geschmort mit Thymian, butterzart, Gerhard wagt den Kalbskopf (gerollte Außenhaut mit Fleisch) mit einer Art Majonnaise.

Abendessen
Gerdi mit nassem  Lockenkopf beim „Èpole d’agneau“(zart wie ein Schäufele in Nürnberg), Gh mit „Tête de viande“

Bummel durch Bandol,27.8 (2)

Zum Abschied von unsrem alten Volvomotor gibt’s feierlich sogar Dessert: Soupe des fraises(Erdbeeren (passiert) mit 1 Kugel Zitronen-Sorbet und für Gh. gebackenen Ziegenkäse in Olivenöl mit Honig. Ein Espresso als Finale, dann wandern wir wieder hinab zum Meer, inzwischen sternklarer Himmel über uns, mit jedem Schritt wird es wärmer.

Am Samstagmorgen geht Gerhard mit Umwegen zum Sandstrand zum Brotholen. Nach dem Frühstück bringen wir die Sandalen zum Neu-Besohlen zum Schuster(;-)hier kein Türke!) und erkunden die Gassen der Oberstadt und die in der 2. und 3. Reihe. Als ich einer Frau durch die Scheiben zusehe, wie sie Tortellini formt, ruft sie mich herein und ich darf ihre Kunstfertigkeit  neben der Nudelteigmaschine von nah betrachten. Wie kürzlich bei unsrer Erika: 6x durch die „Bügelmaschine“ walzen, mit einem Weinglas ausstechen, füllen, wie einen Beutel schließen…

Bummel durch Bandol,27.8 (8)Bummel durch Bandol,27.8 (9)Bummel durch Bandol,27.8 (10)Bummel durch Bandol,27.8 (11)

Ich darf die italienischen Ur- und Großeltern auf dem Foto kennenlernen (aus dem nordöstl. Teil  Italiens an der Adria)und kaufe 2 Portionen der frisch befüllten Teigtäschlein. 9€- aber top-frisch. Im Casino-Markt kaufen wir noch Wasser, Roséwein, Butter, Eier fürs Sonntagsfrühstück… dann geht’s „heim“ zur EOS, die zwar in der Sonne schmachtet, aber von einem wundervoll achtern schräg einströmendem Wind gekühlt wird. Alle Duschtücher landen als Schattenspender auf den seitlichen Deckflächen u. ein altesr Bettbezug (2x2m Länge aufgeschnitten) spendet weiteren Schatten unter unsrem 6x4m-Markisen-Dach. Ein schöner Warte-Platz für die Motortransplantation…:-)

73 Von Toulon nach Bandol: herrliches Segeln und Motorfefekt

Mehrmals am Tag schlucken die Fähren die Sehnsuchtstouristen für die Inseln Korsika und Sardinien und spucken die erholten Heimkehrer braungebrannt wieder aus. Am Mittwoch hat die Schaukelei für unsre EOS ihr Ende und wir verlassen den kleinen Hafen an den Hochhäusern.

Wir erleben einen der schönsten Segeltage dieses Törns! Blauer Himmel, schöner raumer Wind mit 3-4 kn Fahrt, Küste ganz nah, keine irren Raser mehr. Da unser liebes Schiff beim Anlassen immer mehr weiß-bläulichen Rauch /Dampf ausstößt, verzichten wir auf unsere Grillfreuden in einer Ankerbucht und suchen schon um 15 Uhr den sehr ordentlichen Hafen in Bandol auf. K4, ein Gastliegeplatz, und der Volvo-Monteur kommt um 5… Einspritzdüse? Zylinderkopf? Oder schlimmer…Kompression? Ob der 200 kg-Volvo aus dem Boot geliftet werden muß?

Es hat schon lange nicht mehr geregnet, aber wenn, dann spucken spassige Regenfallrohre das Wasser auf den Gehweg, in der 2. Reihe sind fast keine Touristen mehr. Da sind die Küchen der Promenadenlokale, die Sozialstation, die Hebammen, und hinter der Kirche am Hügel ein Lycée Maternelle, ein Institut für Erzieherinnen. Und Frisöre, Schuster…

Regenfallrohr BandolAm Abend gibt’s mal ein schlichtes Vesper im Cockpit, Käse, Tomaten, Zwiebele. Dann bummeln wir die lange Promenade vor. Dort herrscht ein buntes Treiben, ein idealisierter Jüngling mit Flöte stellt wohl PAN dar, drei geölte muskulöse Brasilianer oder Jamaikaner trommeln wie eine Steelband vor einem Restaurant flotte Salsamusik und vollführen mit 30 m Anlauf Flicflacs mit Salto auf dem Gehweg… eine kleiner Mann jongliert mit 6-8 Bällen… eine Art Kulturufer mit zahllosen schön dekorierten Ständen lockt die Touristen mit Schmuck, geschnitzten duftenden Seifenblumen, Räucherstäbchen, Klangschalen, Tatoos, die wohl typischen frischen Leckereien wie Spritzgebäck gepritzte Teigschlangen, die in siedendem Fett fritiert werden, Chuccos/Chichis.

Auf einer großen Freifläche spielen 6 Gruppen im Sand Boule. Daneben 2 Lkws mit Marionettenbühnen. Ein Stand verkauft diese Folien-Steck-Lampenschirme, die Martin im Bad hat!

 

IMG_1576Die vielen riesigen hochglanz-polierten Motoryachten leuchten lila, pink, grün, rot, denn die hohen Straßenlampen haben wie Abakus mit vielen „Kugeln“(Leuchten) mit changierendem Licht. So erstrahlt am Hügel auch der Glockenturm neben der Kirche, die schon am Abend ihre Glockentürme in die Marina sandte. Ein großes Kinderkarussell erinnert sehr an unsre Nürnberger Volksfeste als Kinder, ich liebte die Schaukelpferde.

Mit einer Tüte gebrannter Erdnüsse melden wir uns beim Sécurité-Mann am Eingang zu den Ponton-Stegen. Bis 00.00 Uhr gibt es Live-Musik, dann singen alle ein Lied mit Text, wohl eine Art Regional-Hymne, und dann ist totale Ruhe…!!! Auch auf den Booten wird nicht gefeiert, laut gelacht oder geplaudert, absolut rücksichtsvoll, RUHE- unvorstellbar in Italien, Griechenland oder in einem deutschen Hafen… Kompliment den Franzosen!

Der Käptn hat wieder kurze Haare… er hat ja die Privat-Friseurin an Bord

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Am Abend kommt der Monteur, er baut Teile des Motors aus, der Zylinderkopf muß neu sein… am Donnerstag stellt sich heraus, daß die Reparatur ca. 4000€ kosten würde… ein neuer Motor aber doppelt so viel. Hier gibt es den Kran, um den Altmotor (25 J. alter Volvo) herauszuheben. Wir prüfen die Posten der Rechnung, wägen ab… die Überholung in Deutschland wäre eh fällig. Ihr könnt erraten, welche Entscheidung wir trafen. Bis Mittwoch sind wir hier „gefangen“ im Hafen von Bandol. Am 1. Sept. setzen wir die Reise fort, die Calange lockt.

Noch etwas Text und ein Gerhards Bilder: Klick

Hier die Reisestrecke von Toulon hierher: Klick

Spécialités Toulonnaises

Hier mal unsre ganze 3-Jahres-Tour von Regensburg via Donau, Istanbul, Türkei, Ägäis, Korfu, Italiens Süden, Sizilien, Sardinien, Korsika und nun Nizza-Toulon-Marseille bis zur Rhône! In Marseille brauchen wir einen Volvo-Motor-Fachmann, denn beim Starten haucht die EOS am Heck weiß-bläulichen Rauch… Zylinderkopf undicht? Vor den 850 km gegen den Strom müssen wir das reparieren lassen…..

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Gleich am Morgen bummelten wir in die Altstadt und gondelten durch den Wochenmarkt in der Fußgängerzone. Die teils barocken Häuserfronten erinnern an Italien, wir sind auf Höhe Florenz! Gutes üppiges Angebot an langen Tischen unter Sonnenschirmen.Frisches Gemüse, Salat, Obst, riesige Melonen, junge Kartoffeln, Gewürze,Schinken, Käse, Oliven, Nüsse … viele Läden für die vilelen Menschen aus dem Maghreb. Es gibt frisches  Halal-Fleisch, frisches Lamm, Falafel, Crêpes, Eis, Kaffee, überall sitzt man im Freien, am Tisch der Cafés frische Blumen. Bunt und fröhlich die Leute, auch verhüllte Musliminnen, fein geschminkt, unbeschreiblich  hübsche dunkelhäutige Kinder aus Afrika, das Kraushaar zum frechen Pferdeschwanz oder Zöpfchen gebunden. Viele Kinder gehen an der Hand geführt auch noch mit 6. Viele junge Männer sind allein und in Gruppen -oft mit Tatoos am ganzen Körper .

Ein Mann bäckt im offnen Holzkohleofen „Cade“, eine Art dicken riesigen Zwiebelpfannkuchen:

Bei einem Stand duftet es wie in unsrem Garten in Leutershausen: Äpfel! Goldrenetten, Reigne d’or- wir hatten sie immer ein halbes Jahr im Keller auf  dem Holzrost liegen, mit glänzender Wachsschicht hielten sie sich als Schulvesper!

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Erfrischend die Brunnen auf den Plätzen

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Unser schaukeliger Liegeplatz, die vordere Yacht berührte dabei fast unsre Saling… 

Die schönste Meldung: M+L+E sind gut in Venedig angekommen im Hotel in Mestre in der Via Monte Nero. Der Opel funktionierte…Da freu ich mich!!!

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Am Abend gab’s Butter-Petersilien-Kartoffeln (noch aus Korsika), grünen Lollo-Salat mit rosa Charlotte-Zwiebelchen, Zitrone und viel Petersilie, für GhToulon-Art, Nektarinen, Birnen und süße Trauben. Dann ein goldgelber Sonnenuntergang, die   Fähren aus Sardinien und Korsika werden entladen und füllen sich mit Hunderten neuer Autos… um Mitternacht kommt noch eine Spätfähre, die zahllose LKWs mitnimmt, die in einem Art Labyrinth Schlange stehen vorher…

72 Toulon 22.8.16

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Flott voraus! Im Miramar-Hafen von La Londe des Maures in der großen Bucht von Hyères suchten wir am Samstag und Sonntag Schutz vor den gemeldeten 6-7 Windstärken, die uns dann auch beutelten… Doch EOS lag sicher zwischen vielen Booten.

DSC04288Wir machten Strandspaziergänge, aßen zu zweit einen Salade Nicoise mit kalten ca. 12 Garnelen, Octopus und Lachs in gerollten Galettes…(Die Franzosen genießen, trinken Apéritif, immer Wein, essen Eis, dann Mokka)…

Der Wind blies den Sand wie Nebel quer über Strand, Appartement-Siedlung und Bootshafen (der knallevoll war).

Wir segeln flott nach Toulon (3)
Ansteuerung von Toulon

Wir segeln flott nach Toulon (1)

Wir segeln flott nach Toulon (3)

Nach flotter Segelei, teils als Schmetterling, teils mit halbem Wind steuerten wir zwischen Küste und Inselchen am Montag, 22.August, Toulon an. Der Hafen preist sich „Port de Plaisance“… aber er ist eine nicht allzu „vergnügliche“ wilde Schaukel, in dem die Masten im Himmel rühren wie Kochlöffel in Aktion, Ein Wunder, daß der Mast der Nebenyacht mit breiter Saling nicht unsere Saling oben berührt!!! Die Hochhäuser, platzsparend und reich an Wohnungen, bieten ein für naturverwöhnte Langzeitsegler sehr un-gewohntes Panorama:

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Toulon, port de plaisance

Am Abend holt Gerhard viande hachée du boef und ich schnippele in der Zeit Gemüse für ein deftiges Ratatouille! Aubergine, Zucchini, grüne+rote Paprika, Tomaten, Zwiebel, Knoblauch, Sumak, Zitrone…Kräuter der Provence…und dazu ein 8%iges dunkles Bier!

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Leider haben wir andre Sorgen: unser alter Opel Zafira (101.500km) funktioniert gar nicht: wir liehen ihn unsrem Sohn M. und er hat nur Ärger: erst die Zündspule neu (in Augsbg), dann auf der Anreise nach Italilen ein andres wichtiges Motorteil, das bestellt werden muß und nicht am Montag kam… Zurück zum Elternhaus, warten, die junge Familie muß in 3 Tg. des kostbaren Urlaubs Eriskirch bleiben… statt am Comersee  und in Venedig zu sein gehn sie ins Kressbronner Strandbad… Sooo schade! Dabei ließ ich für 2300€ den ganz gr0ßen Kundendienst machen vor 14 Tagen…Tut uns arg leid….

 

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…und jetzt noch die letzte Reisestrecke in Google Maps: Klick

71 Im Reich der Raser

  1. August: 7 Tage lag EOS in Nizza, der lebendigen und schönen Stadt am Ende des weiten Buchtenbogens. Jetzt segeln Gerdi und ich wieder gemeinsam weiter. 15 Seemeilen bis zur Insel Sainte Marguerite. Den größten Streckenteil treibt uns der Wind. Viele Ankerer. Es ist Urlaubszeit. Blitze zucken, halten sich aber auf Abstand. Es fällt sogar etwas Regen, es reicht für einen Regenbogen von unserer Insel bis zur nahen Stadt Antibes. 1.Ankerbucht, RegenbogenGelb sinkt die Sonne hinter den Bergen und nur noch wenige bleiben hier. Ruhe kehrt ein. Noch lange hält der westliche Horizont seinen hellblauen Streifen. Der Vollmond steigt über dem Meer auf und ist nach kurzem nur als diffuser Fleck hinter einem Wolkenschleier zu sehen. Antibes drängt sich mit seinem überhellen Lichterstreifen über der schwarzen Meeresfläche auf.

Abendstimmumg bei St. Tropez

  1. August: Disney Magic, Kreuzfahrer, 300m lang ankert vor Cannes, kommt wohl aus Amerika rüber, „Einhorn“, so nennen wir das Plaisierschiff, 76 m lang, mit geschwungenem Rumpf, 3 Ebenen über dem Rumpf und einem hölzernen Spriet, 3 m lang. Sieht lustig aus, ein modernes Schiff mit einem Hauch falscher Nostalgie. Die Fahrt in die Rade d‘ Agay, nur 16 Seemeilen: Viele große und kleine Raser sorgen für Wellen und machen bei dem wenigen Wind Segeln unmöglich. Unser Ankerplatz in der Rade d‘ Agay ist ganz nett. An Land ein Örtchen, zum Ferienort mutiert. Ziemlich viel los an den Stränden. Wir nehmen den Weg hoch zum Belvedere d‘ Batterie, 137 m hoch. Überraschend öffnet sich der Blick hinunter auf das rotfelsige Cap du Dramont. Eine wilde Gegend. Eine schöne Gegend in der wir segeln, aber durch die vielen Raser und die arg bebauten Hänge doch nicht das Beste für uns.
  1. August. Die große Bucht Anse de Canebies: Es gibt noch genügend Platz, aber der Grund ist mit dichtem Seegras bewachsen. Erst beim zweiten Versuch greift der Anker. Der Wind weht ziemlich kräftig, aber unser Anker hält sicher. Das scheint bei einem Motorboot vor uns nicht der Fall zu sein. Rufe von Nachbarbooten machen uns aufmerksam. Das Motorboot treibt auf uns zu. Wir halten es von der Bordwand ab und langsam driftet es an uns vorbei, aber seine Ankerkette liegt mit unserer über Kreuz. Sie schrammt an EOS‘ Bordwand vorbei. Der Anker des Motorbootes gleitet an unserer Kette hoch und ich versuche ihn mit einer Seilschlinge zu lösen. Mittlerweile hat das Motorboot um unser Heck die andere Seite eingenommen und der Anker gleitet bevor ich ihn fassen kann an unserer Kette wieder tiefer. Wir befürchten, daß die Kette an unserem Ruder zerrt…Das gäbe großen Schaden… Das Beiboot einer Megajacht prescht heran und der Skipper bietet Hilfe an. Aber wunderbarerweise löst sich der Driftanker von selbst und das Motorboot kommt frei und fährt davon. Schäden? Keine, es hätte aber übel ausgehen können.Kein „Pardon“, kein Adressentausch… husch- weggefahren!

Erkenntnis:

  • Anker mit Motor einfahren (da sind wir eine der wenigen, die das durchführen).
  • Nachbarn machen auf drohendes Unheil aufmerksam und bieten Hilfe an
  • Beteiligten erst nach der Schadensbegutachtung und Notieren von Name+Nr. ziehen lassen (haben wir versäumt, ärgert mich)
  1. und 21. August. Wetter- Lamma sagt 7 Bft Westwind, Mistral voraus. Da verdrücken wir uns lieber in einen Hafen. Port de Miramar liegt günstig. 50% Motor und 50% Segeln und wir erreichen den Hafen. Der erste angewiesene Platz, zu flach, wir bleiben im Mudd stecken. Der zweite angewiesene Platz. Gleiches. Dann liegen wir längsseits neben der Tankstelle. Viel Betrieb hier an diesem Wochenende. Benzindunst umwallt uns gelegentlich. Nachts heizt eine Gruppe den Feriengästen musikalisch und wortreich ein. Um Mitternacht wird die Marseillaise gespielt und alle singen sie mit! Der Ort: Reiner Touristenort, nur Ferienwohnungen und Feriensiedlungen, rosa, grüner Park drumrum. Da gibt’s nichts zu berichten, weder in Wort noch in Bild.Zw. St.Tropez+Hyeres

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Abendstimmumg bei St. Tropez

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