19. Bucht Stefanos-Sarande/Alban. zum 2.Mal- Ayos Stefanos!!

Samstag, 3.Juni 2016 Gerdi schreibt:(am 4.5.)

Ayos Stefano
Genau in der Mitte liegt die kleinste Yacht, unsre EOS vor Anker

Friedliches Erwachen in der Ferienbucht vor Ayos Stefano, morgendliche Sonnenstimmung. Frühstücken können alle im Freien. Gegen 10 holen wir den Anker hoch und runden das Kap. Wir sehen den schmalen Pfad von der hoch oben kurvenden Teerstraße durchs Gebüsch hinab zu einer Badebucht. Grün wie nur im Mai und Oktober! Vorsichtig umfahren wir die 2 Untiefen und segeln bald mit Kurs auf die große von der Morgensonne durchflutete Stadt Sarande. Mittags lassen wir uns nach schönem Segeln einen Platz an der Mole anweisen.

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Am Nachbarschiff nette Österreicher, aus dem derzeitigen Katastrophengebiet des überschwemmten Simbach! Sie filmen auf den Spuren der Seefahrt der österreichischen historischen Kriegsflotte, Mare vostrum: Christian gibt uns seinen link:

Hier ein Link zu unserer homepage wo ihr alles über das Projekt Mare Vostrum findet:

www.ycbs.at

Witzig: Gerhards Frau heißt wie ich Gerdi und sie kennen Herrn Wesener, einen ZF-Kollegen von Gerhard, der im Württ.Yachtclub in Friedrichshafen aktiv ist und der auch die Vorträge von Gerhard und Christian zeigt. Was für ein Zufall. Sie kommen an Bord, sehr sympathisch, belesen, die ganzen historischen Daten im Kopf! Wir tauschen die Blog-Adressen! Sie fliegen morgen heim, ich am 13.Juli ab Palermo:

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Wir bummeln zum Carrefour, finden unsere in Vlores entdeckten leckeren 6-Korn-Kekse aus Italien, Obst… Bei unsrer schon bekannten Tante Emma gibt’s frische grüne Bohnen und 9 Liter Wasser. Nachdem ich an Bord alles verstaut habe, ziehe ich mich erstmals „fein“ an, den langen Rock, ein rotes Shirt, Kette, Blumen im Haar.

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Dicker fetter Katamaran, 3x so breit wie die EOS

Dann bittet uns ein Polizist, die EOS vom Kai weg zu fahren, da kommt das Glitzer-Musik-Boot hin um 22 Uhr. Den Riesen-Katamaran und das Schweizer Boot bittet er nicht, keiner da.Also losmachen von der sicheren Hafenmauer und rausfahren, drehen, ankern. Die 2 Schweizer vom Vierwaldstättersee helfen beim Leinen-übergeben.

 

Gerdi in Sarande 1
Mal mit Rock und Blumen im Haar… So selten.(Im Schlauchboot hinderlich:-)

Gerdi in Sarande 2Gerdi in Sarande 3

Auf der Promenade tummeln sich viele Spaziergänger, oft mit Kindern, die Mädchen in rosa Tüllkleidchen, die Jungs frisch vom Frisör. Viele Smartphones.Nur 1 einziges Kopftuch mit bodenlangem Mantel und langen Ärmeln entdecke ich am Spielplatz!!! Grad mal 1 Papa ist dabei, sonst nur Frauen! Der Muezzin ruft, keiner reagiert. Beim Luna-Park dürfen die Kleinen Autoscooter fahren, die Teenager haben echt heiße Hotpants an, Nabel gepierct, dekorierte Fingernägel, toll geschminkt, kesse sehr knappe Shirts oder bauchfreie Tops, Glitzergürtel, goldene Sandalen mit 8 cm Keilabsatz. Man macht sich schön, wie in Italien beim Wochenend-Corso: man zeigt sich und was man „hat“. In einem kleinen Lokal am Anfang der langen Promenade kehren wir ein, bestellen ein gutes Tirana-Bier, für Gh. eine Weiße-Bohnenkern-Suppe mit einem Stück Rindfleisch, ich wähle mit Reis gefüllte grüne Paprika-Schoten aus dem Backofen. Neben uns grüßt uns ein Schweizer(Gattin aus dem Kosovo, seine Eltern zu Besuch in Vlores), der sich in Vlores niedergelassen hat. Nettes Gespräch-auf Deutsch.

Auf ein Glas Wein setzen wir uns noch auf die über dem kleinen Hafenbecken gelegene Bar-Terrasse des nahen Hotels mit Blick in die illuminierte große Bucht.. Nachts um 1 Uhr Unruhe, Stöße, die EOS „fährt“ trotz Anker und Leinen plötzlich fast 2 m „hin und her“. Schock. Mit einem Satz sind wir beide an Deck, Gerhard holt den Anker dicht, das Gangwaybrett ratscht schon über den Kai, ein scheußliches Geräusch. 4 Hände tun was sie können. Wir können nicht ergründen, was die Ursache war, Vielleicht hat das Dickschiff Klea II doch unsren Anker verschoben und er lag nur noch ohne eingegrabene Flunke im Grund dort unten…Immer gut, wenn man daheim ist, das Heck hätte am Kai Schrammen bekommen können.

Der neue Wonnemorgen lädt uns aber nicht zum weiteren Verweilen ein- obwohl wir mit dem Taxi auf den höchsten Berg mit 250 m hochfahren wollten und mit Panoramablick runterlaufen. Wir bitten um das offizielle Ausklarieren, Pässe, Papiere, immer ein bürokratischer Akt. Die Helferin des Agenten ist sehr freundlich.

Sarande ade, Albanien, miro pacim-es war schön bei euch. Wir wünschen weiterhin fleißigen Aufbau und Touristen, die das nötige Geld dazu bringen.

Sonntag, 4. Juni, Sarande. Anker auf um 10.15 Uhr in Sarande. Bald holen wir zum letzten Mal den schwarzen Doppelkopfadler auf blutrotem Grund ein und hissen die blau-weiße griechische Flagge. Uhren umstellen, Sommerzeit in OEZ! Ungewohnt noch die nun wieder gültige OEZ: 1 Stunde vorstellen. Grad war’s noch 19 Uhr, und dann gleich 20 Uhr. Der Kopf begreift’s, der Magen noch nicht. Beim Essen ist es fast 9…beim Bettgehen Mitternacht.

Noch segeln wir zur Insel Erikousa
Noch vor uns Erikousa…Ich bin die Steuerfrau an der Pinne, Ölzeug, Schwimmweste, Lifebelt…

Wir peilen Erikousa an, die Wellen werden immer höher, dann Wind und Dünung voll dagegen. Segeln unter Fock, gerefft. Als das Schiff wild schlägt und heftig schaukelt, wird das Pinnesteuern immer mühseliger. Ich hab im Nu das Ölzeug an, beide klinken die Lifebelts ein. Das Meer spritzt die schäumende Gischt übers Deck. Nach 1 Stunde gegenan, um 13.30 Uhr, meint mein Skipper: „Die EOS fährt nur noch mit 1-2 Knoten… Zuviel Seegang. Wir könnten auch umkehren… und nach Ayos Stefano zurück. Im Moment sind wir in der Mitte der Strecke nach Erikousa…!“ Warum nicht… Ich steuere eine Halse, und dann kommen die hohen Wellen von hinten aufs Heck statt mit Macht auf den Bug, vorm Wind segelt die EOS mit 4 bis 5 Seemeilen/Std, schneller als unter Motor. Um 17 Uhr begleitet uns die schöne deutsche Yacht RASMUS, eine edle Najad. Langzeitsegler. Er zeigt das Funkgerät. Aha, es sind Hamburger, leben seit 7 Jahren am Boot! Umsegelten die halbe Weltkugel, Haus u.Auto verkauft. Ihnen fehlt nichts. Sie genießen ihre Unabhängigkeit, planen, segeln, bleiben. Sehen die Welt. Sogar USA auf den Flüssen und Kanälen!!! Zur Hochzeit der Jüngsten fliegen sie schnell mal heim. Für unsere nicht-segelnden Mitmenschen unvorstellbar. Für Wohnmobilisten eher.

Beide ankern wir in der Bucht, sie kommen an Bord, interessante Lebensgeschichte. Zuletzt war ihr Lebensmittelpunkt in Trondheim(Er für Umwelt und Wasser an der Uni, sie Sozialarbeit mit Migrationskindern aus Vietnam) – mutig: von der Schweiz umgezogen samt 3 Kindern. Mit dem Tipp für uns, der Lega Navale beizutreten, rudern sie zurück, sie zum Gulasch, ich mach meine frische Bohnensuppe.

Der ital.Wetterbericht kündet von Di-Do Starkwind… Ach, wären wir schon drüben in Leuka oder Otranto!!!

Hier Gerhards Flickr-Album: Klick

 

17. Die EOS küsst den Sandboden vor Butrinti

Schönes Segeln am 2. Juni, der Regen des Vortags ist vergessen, das Ölzeug getrocknet. Wir tasten uns vorsichtig in die Lagunen-Einfahrt vor Butrinti. Das hat die EOS schon 2x gut gemeistert. Ich an der Pinne wundere mich, wie gebirgig zerklüftet der Meeresgrund ist: 60 m, 40 m, 7,5 m, 4,5 m, 2,8 m-… und da steht unser Schiff…!!! Grundberührung. Trotz GPS, Aufpassen, langsam motoren, Ausguck. Türkis leuchtet es unter uns, man sieht den Grund. Vorher nicht!

Gerhard holt den 5 Meter langen Bootshaken, der am Mast entlang angeklemmt ist. Er versucht, die EOS abzudrücken, aber 6 Tonnen sind keine leichte Masse. Dann holt er vom Bug den dort an Deck befestigten Stock-Anker, senkt ihn behutsam in unser kleines Beiboot, ich mache die Leine am Heck fest, Gh. steigt über die Reling in die Micro Eos und rudert samt Anker ca. 10 m weg vom festsitzenden Schiff. Zurück an Bord versuchen wir, die EOS an der Ankerleine zu verholen, sie dreht sich, aber verharrt.Leichtes Gas-Geben, vorwärts, rückwärts, Ziehen an der ausgebrachten Ankerleine- ein stilles Gebet… Und dann zeigt das Echo-Lot 0,4m, 0,8m, 1,2 m, ich weiß wohin ich „zurück“ muß- man sieht noch unsre Kiellinie. Gespannte Aufmerksamkeit… Und bei 4,8 m Entspannung. Ich will nicht mehr in das wunderschöne Lagunen-Paradies, nein, weg, lieber an die so nah u sehende griechische Korfu-Küste. Gleich setzen wir beide Segel und segeln voller Freude mit ein paar Wenden ins blaue Meer hinaus. Hinter uns Albanien und Ksamil, unser nächtlicher Ankerplatz.

Ksamil, alban.
Albanischer Urlaubsort Ksamil, unser Ankerplatz 1. Juni
Ayos Stefano
Bucht vor Agios Stefanos, GR

PS: Vor Anker buchten wir meinen Rückflug Palermo-München am Mittwoch, den 13. Juli, 16.15 ab Palermo, Ankunft 18.05 in München. Die beiden Augsburger Freunde reisen mit Zug und Fähre als neue Crew am 13. an.

16. Bücher auf See

Zur Taufe unsres 1. Enkelkindes schenkte mir die Großmama Nr. 2 das Buch von Rafik Schami: Das Geheimnis des Kalligraphen, 550 S.

Ein Genuß, so ein gutes Buch zu lesen, ein Geschenk, so viel Zeit zu haben. Damit ihr daheim einen kleinen Einblick in diese große Kunst haben könnt, füge ich einige Fotos bei, die von dieser hohen Kunst und Kultur zeugen:

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15. Porto Palermo-Sarande-Ksamil +Ankerbucht

Am 1. Juni 2016, Gerdi schreibt in Albanien (Blick auf Korfus Küste)

2011 hatten uns bissige scharfe Fallböen, die von den 1800 m Bergen herab stürmten, drangsaliert, alle verfügbaren Leinen hatten wir über das (innere) Hafenbecken gespannt, zwei große Fischkutter aus Italien lagen mit uns- eine ungemütliche Nacht. Diesmal aber war es eine ganz friedliche, windstille Nacht unter Sternenmeer und Hundebellen- und das echoartige Glucksen des Meeres unter den hohlen Kai-Teilen..

Am Morgen zwitscherten die Schwalben ihre Reportagen, wir lösten kunstfertig unsere 4 Leinen vom Schiff aus von der hohen Mauer über uns, höher als Großbaum und Bimini! Die flinken Schwalben bleiben zurück, flitzende Flugkünstler allemal. Hier meine gemalte Seite aus unsrem Logbuch:

Schwalben+Kai in Palermo 31.5 (2)Schwalben+Kai in Palermo 31.5 (3)Schwalben+Kai in Palermo 31.5 (1)
Es nieselte leicht. Bedeckter Himmel. Ich steuerte langsam aus der großen Bucht. Wie erwartet, blies der Wind mit 2 bft von vorn, also motoren. An Stb zeigten sich bald die 3 griechischen Inseln Erikousa, Othoni und Mandraki mit der Felsklippe davor- gestern nur schemenhaft zu sehen. Mittags gab’s die restlichen Oliven vom Markt in Sarande, dann schlug ich vor, die Segel zu setzen. Mit Fock und Groß sind wir genauso schnell wie unter Motor, herrlich. Die Anek-Lines-Fähre brummte hinter uns an dem Felseninselchen vorbei, tückisch schaut davor ein Stein 1 m über die wellige Wasseroberfläche… Nur 1 einziger Segler außer uns…! Nach einer Stunde schönem Segeln bog ich ein in die Bucht vor dem Badeort Ksamil, da ankerten wir schon vor 10 Tagen. Noch sind keine Touristen in den Hotels, aber man werkelt eifrig an Häusern, Gartenanlagen, Strand. Große Sandhaufen hatte ein Laster angeliefert, mit der Schaufel verteilt ein Mann geduldig den feinen Sand neben dem Strand, für die Fläche der Liegen und Sonnenschirme (aus Riedstroh) der Touristen. Wir ankerten um hlabvier. Es regnete wieder…
Um 17 Uhr pumpte Gh. das Schlauchboot auf, mit Rucksack und Schirm paddelten wir zu einem Badesteg am Strand. Die Restaurants und Gärten der Pensionen werden angelegt, gerodete Flächen werden durch Frauenhände mit rotbrauner Blumenerde zu Beeten, die üppigen Feigenbäume werden von den Männern radikal beschnitten, damit man darunter sitzen oder liegen kann. Bananenstauden, Geranien, duftender Jasmin über den Zäunen, schneeweiß gekalkte Mauern, frisch gestrichene Geländer. Die Straße noch wie ein Feldweg, frischer Teer glänzt über verlegten Kanalrohren zu neuen Gebäuden. Es gibt schon viele Hotels, nun öffnen kleine Fast-Food-Kneipen, Crèperie, Patisserie, Dönerstuben- im Regen kehrten wir in eine ein, trinken ein Tirana-Bier und Gh. gönnt sich einen Döner, das ist eine „offene Pita“ für 180 Lek., ca. 1,50 €. Auf unserem Regen-Spaziergang sahen wir in 15 Minuten 5 Supermärkte. Im kleinsten in Nähe Strand war es dunkel. „Open or closed?“ frage ich. Die Verkäuferin lacht: „… open“… und dann knipste sie das Neonlicht im Laden an. Kleines Angebot, aber es gibt das Alltägliche, Clopapier, Küchenrolle, Hühnerbrühwürfel, Bier, Joghurt, H-Milch, Shampoo, Wasser, eine Wurst. Eier aber nur lose-ohne schützenden Karton. Ab 7 früh kommt frisches Brot!

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Vor einer Pasticceria hängt ein Firmenschild, das aussieht wie unsere Lackbildchen im Poesiealbum vor 60 Jahren…
Beim Müll finde ich zwischen gelbblühenden Disteln und hellblauen Wegwarten ein paar Blumen für unsre EOS, im Haar hab ich schon den Duftjasmin, den ich so liebe.


An Bord suchte ich unter der Steuerbord-Liege den türkischen Pilav-Reis. Mit Zwiebel, Knoblauch, Paprikaschote, 2 Tomaten, Hühnerbrühe, Nelken, Sumak, Chili-Samen, 2 Tl Paprikapulver vom Markt in Sarande kochte ich einen köstlichen Pilav, ein Risotto ohne Wein. Es regnet. Schnaken an Bord… Ein ruhiger Abend wie auf der Hütte, die EOS liegt ganz still.

Hier füge ich noch Gerhards Flickr-Album von Porto Palermobei:Klick (schöne Fotos!!!Schwalben, Kai + Landgang in Porto Palermo)

(Ich wagte das Auf-die-Mauer-klettern nicht, obwohl die am Poller aufgehängte Bugleiter eine Hilfe gewesen wäre…)

 

14. In 9 Std. bis Porto Palermo

Heute ist der 31.Mai, unser 15.Törntag, der letzte Tag im Wonnemonat Mai. Wir hatten eine friedliche Nacht vor Anker. Gerhard geht um 5 Uhr früh Anker auf, wir haben eine weite Strecke vor uns! Immer entlang der menschenleeren Küste der langgezogenen Halbinsel, Naturreservat, Peninsula Karaburun.

Eine der vielen SchluchtenGebirge bis 1800m hochSegeln mit gerefftem Vorsegel

Ein Kleinod: kein Müll, auch nicht am Felsstrand, kein Haus, nur Bäume bis zur Baumgrenze hoch über uns. Macchia, Steineichen, in tiefen Schluchten ewig im Schatten dunkelgrüne Vegetation, die Rippen der Faltung teils 30° oder gar senkrecht… Erdgeschichte zum Anschauen. Keine Antenne, keine Tierställe, nur einzelne Fischer auf dem Meer…Unberührte Natur, grün, grün, grün. Das Auge aalt sich in all der Urlandschaft. Die Berge bis fast 2000 m hoch gleich neben uns, Wassertiefe bis zu 120 m. Landschaftlich fühlen wir uns an die Fideriser Heuberge erinnert. An die Allgäuer Alpen weiter oben, ohne saftige Weiden freilich. Unten teils eingestürzte Grotten, vom Meer ausgespült, senkrechte braune Felsen, abgesprengte Felsmauern stürzten irgendwann ins Meer oder warfen unter sich eine Geröllschütt auf.

9 Std Segeln bis Porto Palermo

 

Wir schweigen, die EOS fährt in der rollenden Dünung brav voraus, Wind voll gegenan, viel segeln wir nicht. Die Dünung kennen wir schon von unsren Zeiten mit unsrer stählernen postgelben 8,60m-MARION und den sechs je 12-Wochen dauernden Törns auf der Adria…mit unsren kleinen Kindern 1983-91…

Mittags gibt’s die letzten 2 saftigen Mandarinen, Oliven vom Markt in Sarande und Käse. Gegen 13 Uhr nach 8 Std. Küstentraum Himara querab. Kein Bedarf zum Anlegen an dem mörderischen Kai…dann die ersten Häuser, eine riesige Brache, gerodeter Wald, ganz neue Straßen, brutal in den Berg gebaut, daneben die ersten Hotels im Werden, da kommt noch mehr!!! Noch stehen vereinzelte Camper am weißen Strand, wie mag das in 3 Jahren wohl aussehen? Die Infrastruktur ist schon fertig… Laster, Betonmischer, Kräne, Gerüste… Schnell weiter fahren! Um 14. Uhr biegen wir ein in die große Bucht vor Porto Palermo, wo ein nicht mehr benützter 600 m langer Stollen im Berg die albanischen U-Boote-verbarg! Die Hafenbeamten und der Polizist von Orikum (und auch von Sarande!) sagten uns, da kann man problemlos hin und ankern, es sei ein Kai da, Soldaten? Vorbei! Aber da täuschen sich die Herren! Als wir ganz behutsam hinfahren und uns dem Kai nähern, stapft ein Soldat von der am Hang gelegenen Militärbaracke (eher Ruine) herab,schwarze Uniform, Gewehr über der Schulter, Hund dabei. Er bedeutet mit Gesten: Verboten! Weg! Also müssen wir doch an den schrecklichen maroden „Kai“, einem Betonmonster hoch über der Deckshöhe der EOS. Wir bringen alle Fender an die Stb-Seite, auch die mit Teppich umhüllten Gabelstapler-Reifen, alle Leinen, auch eine Sicherungsleine in der Mitte… Wie soll man denn da ohne Helfer an Land eine Festmacher-Leine hinauf bekommen??? Ich steuere das Schiff unter Motor mit der rechten Seite fast an den Kai, noch mehr kaputt als 2011… Damals half uns  ein Fischer. Kein Mensch da! Nun also Lasso-Werfen! Gerhard zielt auf den großen Poller und trifft. er zieht uns hin, neben mir glucksend diese grausigen schwarzen Löcher, die unter dem straßenbreiten Kai offen sind. Gh. wagt es, mit der rechten Fußspitze auf einem Relingstütze zu balancieren, das bringt ihn 40 cm höher… dann ein mutiger schwungvoller Schritt mit links und er war oben. Ich hielt die Eos nah am Betonkai, übergab die weiteren 3 Leinen… fast 1,5m hoch oben legten wir die Leinen so, daß wir sie „auf Slip“ notfalls fieren und wegfahren könnten. Am T-Poller, der für gr. Fischer gedacht ist, legte Gh. die Leinen um die seitlichen „Arme“, aber sie waren in Gefahr: Schamfieling nennt das der Seemann, Durchscheuern an der Mauerkante bei der Schiffsbewegung in Welle und Wind. Wir wickeln Frottéelaken um die Festmacher, binden sie fest, alles Routine.

Porto Palermo, Kai brutal (2)Porto Palermo, Kai brutal (3)Porto Palermo, Kai brutal (4)Porto Palermo, Kai brutal (5)Porto Palermo, links eine orthod.Kirche

Froh bin ich, als Gh. auch wieder den tiefen Abstieg aufs Boot schafft. Dann hängt er die neue (Patras 2015) Edelstahlleiter kunstvoll an den Poller, sie hängt also an der Mauer runter Richtung Schiff. Mein Wanderer klettert nun „sicherer“ auf die hohe Ebene draußen und läuft rüber zum Fort aus venezianischer Zeit, fast baugleich mit der Festung in Butrint! Es duftet nach Salbei, der in einem Haus meterhoch lagert wie vor 5 Jahren! Vom Boot aus sieht man eine orthodoxe Kirche. Gjergji erzählte, daß viele noch aktive gläubige Christen sind, auch daheim war eine Kerze an vor Ikone und Madonna, aber die Muslime halten schon 65% in der Bevölkerung.

Porto Palermo, Agaven am Hang

Porto Palermo, Blick zu Salbeilager+Sender+Leuchtfeuer

Porto Palermo, Fort Ali Pasha of Tepelena,1804, venezianisch wie in Butrint

Ein Schauspiel sind die Schwalben, sie zwitschern auf unsren Festmacherleinen wie Journalisten oder TV-Redakteure, ein lustiges pausenloses „Deklamieren“, ein eiliges Flattern und elegantes Fliegen unter den dunklen Tunneln, wo wohl die Nester verborgen sind. Rotbraun die Kehlen, türkisblaugrün das Köpfchen, ganz lange gegabelte Schwänze, die wie eine Perlenkette zauberhaft schöne dunkle Punkte auf weißen Federn haben wie die schönsten Schmetterlinge, z.B. der Admiral! Wir sitzen 1 Stunde im Cockpit, die Schwalben 50 cm neben mir auf einem rostigen Vorsprung oder auf der Achterleine… Viel schöner als Fernsehen und Radio. Ein Konzert und Augenschmaus.

Schwalbe auf dem Festmacher

Am Abend koche ich albanische Hörnchennudeln und Steinpilzsoße mit Milch, Butter und Pfeffer. Traumhaft windstill die hereinbrechende Nacht. Pollux und Castor, Jupiter, Regulus… Der große Wagen. Die berüchtigten Fallböen von den 1800 Meter hohen Bergen gleich neben uns bleiben heute- Gottseidank-aus. Friedlich sitzen wir am Notebook und tippen für euch unsre Erinnerungen… Dabei knabbern wir die Sonnenblumenkerne, die mir die nette junge Italienischlehrerin Anila im Bus geschenkt hatte. So nett, die Albaner, echt!

 

13. Ankern im Natur-Reservat Karaburun

13. Ankern vorm Naturschutzgebiet Karaburun,14.Tag

Montag, 30. Mai: In der Bucht von Vlores

Bucht von Vlores, Peninsula Karaburun, Naturreservat, 31.5 (1)Bucht von Vlores, Peninsula Karaburun, Naturreservat, 31.5 (2)Böige 4 bft hinter Orikum (1)

Windvorhersage 3-4, Frühstück vor Anker um halbacht, Anker auf um halbneuen. Bedekcter trüber Himmel. Ich steh am Steuer, kaum sind die Segel oben, legt sich die EOS in den Böen schräg zur Seite… Ölzeug, Südwester, es spritzt bis ins Cockpit. 2x Reffen der Fock, Groß runter. 4 Beaufort. Weiße Gischtkämme, böig, aufpassen! Mit schönem Ausblick auf das Kap der Peninsula steuere ich unser Schiff schräg auf die Küste zu, auf die Mitte zwischen Orikum und Kap. Der ehemalige Militär-Kai ist uns noch in Erinnerung vom Herfahren. Daneben ein heller Strand. Um 11 läßt der Wind hier etwas nach, wir ankern vor einer gerade im Aufbau befindlichen Taverne, neue Bäumchen, bei der Terrasse der Holzhäuschen Zitronenbäumle. Eine Herde Ziegen mit Zicklein zieht bimmelnd vorbei, Kühe weiden im Laufen. Man schaufelt, hackt und hämmert, ein Generator gibt Strom. Ich mache einen knackigen Bauernsalat, Gurke, Tomate, Paprika, Oliven, rote Zwiebel, Origano, Zitrone, Olivenöl. Gerhard befestigt die Solarzelle besser, ich flicke, fädle mir aus gefundenen Holzperlen eine neue Kette. Dann kommt von Erika ein Hangout: sie hat das erste Kletter-Topp mit Bustier selbst genäht! Fantastisch! Und erst ihre Muskeln auf dem Foto! Endlich gelingt es Gh, mir mein Prepaid Hy via Internet aufzuladen. Dann bläst er das Beiboot auf und wir paddeln an den Strand: schneeweiße Kiesel wie auf der Insel Kefalonia an dem so berühmten weißen Strand von Myrta!

Eine große Tafel informiert: Mit UN-Hilfe wurde hier 2010 das Naturreservat Karaburun eröffnet. Ein Kai wurde nach vergangenen Militärzeiten etwas hergerichtet, damit wohl Natur-Touristen anlanden können. Ein Paradies, aber undurchdringliche dichteste grüne Vegetation, Büsche Bäume, Bienen, Schmetterlinge, grünglänzende große fliegende Käfer an den Blüten (kennen wir vom Mai in der Buffalo Bay, westlich von griech. Halbinsel Euböa (Evvia)…
Wir sitzen, schauen, träumen. türkisblau das Meer über den weißen glatten Kieseln, ein Mauersegler, dann der Delphin-elegant und wie in Zeitlupe hebt er sich im Bogen aus dem Meer und taucht gleitend wieder ein, und wieder, und wieder- bis zur Fischzuchtanlage…

Zurück an Bord hoble ich die 4 kleinen Zucchini (von Sarandes Markt noch), 1 Zwiebel, Knoblauch, Curry, Haferflocken, Grieß, Salz, Pfeffer, 2 Eier.. Mehl. Im heißen Fett brutzeln bald 15 Gemüseküchlein goldbraun und nun haben wir beide endlich wieder Appetit! Gerhard badet zum 1. Mal im Meer, duscht sich im Cockpit(seine in den Wasserballon eingebaute kleine elektr.Pumpe aus Marmaris/Bozburun bewährte sich wieder). Wir setzen probeweise das Großsegel, dessen Niederholer Gh. gestern etwas heckwärts zur Nock versetzt hat, um den „Bauch“ und die Schrägfalten zu minimieren. Ein Glas Retzina, uns erwartet hoffentlich eine ruhige Nacht. Noch sind wir Rekonvaleszenten. Wir grüßen euch daheim, auf BR hörten wir von Unwetter- u. Hochwasserschäden, Verwüstungen… Ansbach, Neustadt-Aisch, Bad Windsheim, Baden-Württemberg. Sogar Schulbusse konnten Schulen nicht anfahren. Klingt wie Juli 2015… als wir auf der Donau 3-4 m mehr Wasserstand hatten…. wegen der Fluten aus dem Norden.

Am Schluß noch 2 Fotos von meiner Lieblings-Sternchen-Hose, die 1988 meine Umstandshose an Bord war. Inzw. sind beide Knie durchgewetzt, und ich fand in Eriskirch dasselbe Schwarze Schaf als Aufnäh-Flicken wie vor Jahren: Nun sind es 2 Schäfle, wie Geschwister.