Ruhige Ankertage in Bozburun

In Bozburun (750x1000) In Bozuk Bükü (1000x750)

Seit 7.Oktober hatten wir beschauliche Ankertage, frei schwojend in der Bucht vor einem ruhigen Dorf, weit weg vom dazugehörigen kleinen engen Hafen, in dem täglich neue Mietyachten einlaufen und nach Strom, Wasser, Restaurant, Läden, Souvenirs und Wein verlangen…Mal 12  gleiche Nelson-Orange.Fock.Yachten in 1 Stunde…wer die 50 Lire nicht berappen will, bleibt „draußen“ in der runden Bucht- und das sind nicht wenige. Hier kreisen auch mal „besondere“ Segelschiffe um ihre Anker, solche mit Rettungsinsel, 2-4 Solarzellen, Windräder f.d. Generatoren an Bord für die Stromerzeugung, mit alten Schlauchbooten, die Sonnenschutz-Mäntel haben und mit Fahnen, die nicht USA (Delaware-aus Steuerflucht-Gründen) zeigen, sondern England, Schweden, Dänemark, Südafrika, Schweiz oder Neuseeland. Heute dankte ein Ehepaar aus Bremen für mein Abendlieder-Ständchen auf der Flöte. Die haben ihre weiße Yacht schon vom Mittelmeer durch Rhône, Mainkanal usw. bis nach Bremen gebracht und vor 2 Jahren durch die Donau und hierher an die südliche Küste der Türkei. Große Gelassenheit strahlen diese Paare aus, sie leben am Boot- für Monate… anders als die Hektik der Hanseaten-Familien, die nun mit Kind und Kegel hier schnell mal für 8 Tage eine 53-Fuß-Yacht mieten und die Herbstferien hier verbringen. Die Jungs röhren in jeder Bucht sofort mit den Schlauchbooten los und jagen sich in Wettrennen…

Nachdem wir hier drei Tage die Ruhe genossen, haben wir bei einigen Besuchen bei der Werft am Ende der Bucht die Fertigung eines neuen Teakdecks bestellt (samt Auswassern, sauber abstrahlen,Auto-Kran zum Mastlegen in Marmaris bestellen, Halle zum Abbruch des alten Decks mieten, Verkleben der alten Schraubenlöcher, Aufbringen eines Sperrholzdecks, Draufkleben der Zucht-Teakholz-Leisten usw.(kein Regenwaldbaum muß sterben!!), Winterlager, Maststellen…).

Am 11. Oktober zieht es uns aber doch hinaus aufs Meer! Um 9 Uhr früh hievt die (seit heuer elektr.) Winsch unseren tapferen 24 kg-Anker hoch, ein letzter Besuch bei der Schiffswerft. Dann ist es endlich wieder soweit: wir setzen die Segel. Blau das Meer, drüben die Berge blaugrau im Morgenlicht, wie hintereinander geschlichtete Stoffkulissen… Zauberhaft faßt der leichte Wind in unsere Genua und schon rauschen wir hinaus auf die leicht gewellte blaue Pracht. Im Logbuch notiert Gerhard kurz „Fahrt nach Sicht, Genua/Groß „Lust-segeln“!

Mit wenigen Wendemanövern nähern wir uns dem ersten Kap. Immer wieder überraschend, wie der Wind der Küstenlinie folgt, man schnell die Segelstellung ändern oder den Kurs wechseln muß. Friedlich segeln wir entlang der felsigen Küste, einige „Brocken“ liegen im Meer, aufgepaßt! Dann gegen 14 Uhr rum ums 2. Kap, Kap Karaburun. Zwischen 75 und 150 m Wassertiefe… Wir steuern die traumhaft geformte Bucht BOZUK BÜKÜ an, Ziel vieler Yachten. Ganz am Ende der von hohen Bergen gesäumten Bucht fällt unser Anker auf 6 m. 20 Seemeilen Tagesetappe, insgesamt aber sind wir ab Sulina, wo die Donau mündet ins schwarze Meer, doch schon 880 km gesegelt. Also 2550 km Fluß +1680km am Meer! Das sind knappe 4200 km …

Traumhaft die Kulisse, einfach unbeschreiblich schön. Fast lautlos, um uns die steilen Berge, als wäre man nach einer 5 Stunden-Bergtour in den Dolomiten kurz vorm Gipfel.

Bucht-Erlebnis: Spaghetti mit Käfer!

Bozuk Bükü, Traumbucht. Die Dünung rollt herein vom Meer und es wird recht schaukelig: also keine Pfannkuchen heute. Gerhard freut sich auf Spaghetti, läßt die in Varna/Bulgarien bei Kaufland gekauften Nudeln ins kochende Wasser gleiten, reibt Parmesan. Als ich den Teller voll häufe, frage ich ob da Pfeffer aus der Mühle drauf ist. Nein. Oh oh, dann…. Dann sind das 5, 10, 30 Getreidekäfer oder was diese 3mm-Tierlein sind, 6 Beine, hart wie Ameisen. Nach dem kurzen Mahl verschwinde ich in der Kajüte, klappe das Steuerbordbett hoch und räume dieses einzige Vorratsfach total leer. Nudeln, Linsen, Couscous, Pinienkerne,Graupen, Kaffee, Glasnudeln, Pürree, Basmatireis, Pilav-Reis, alles muß raus. Dann auswischen, alle 3 neuen türkischen Nudelpäckle inspizieren- nur in dem 2. Kaufland-paket war Tierbesuch… Alles wieder rein, Abenteuer überstanden.

Alles landet in Dosen. Die Nacht bleibt schaukelig. Am Morgen paddelt Gh. an Land und besteigt den kargen Felsberg. Um 11 Uhr kommt die SMS von Jan,der mit 9 Freunden wieder Gulet-Urlaub macht wie mit uns 2012+13. Sie kommen mit der Harnikarnaslim  gerade ums Kap in die Bucht. Obwohl erst seit 1 Tag an Bord, sind alle begeistert vom bequemen Schiffsurlaub auf dem großen Holzsschiff. Wir werden zum Essen eingeladen, und die mit Käse überbackenen Auberginenscheiben mit Nudeln schmecken wie 2012 mit uns vorzüglich. Der „Angora“-Wein mundet auch- welch nette Überraschung.Herzliche Umarmung mit Käpt’n Nebil und Koch Shalach. Dann wieder märchenhaftes Schwimmen im türkisblauen glasklaren Meer, 24° hat es immer noch. Am Nachmittag verlegen wir die EOS zu dem mittleren Restaurant, bekommen eine Mooringleine am Steg und fahren mit

In Bozuk Bükü (1000x750) Auf der 2700 Jahre alten Festung über Bozuk Büki (1000x750) Aus Heikells Hafenhandbich (1000x750)

dem Schlauchboot rüber in die Nachbarbucht. Wir wandern  hoch zu dem Kastell, das aus großen Felsquadern gebaut ist, laut Wikipedia 700 v.Chr.! Die Aussicht von hier oben läßt sich kaum mit Worten beschreiben, weit geht der Blick übers etwas dunstige Meer, nur 2 Kaps grenzen den Blick seitlich ein, und auf die anderen Seite der Landzunge aus schroffem hellem Fels erstreckt sich diese zauberhaft kobalt-blaue Bucht Bozuk Bükü, in die wohl alle Segelschiffe aus Marmaris herein kommen. Riesige Schiffe legen noch neben der EOS an, 4 jüngere Briten mit 53 Fuß-Boot, ein gigantischer von 50 Lichtern erhellter türkischer Katamaran, einige Sunsail-Mietschiffe, Bavarias. Der Wirt erwartet natürlich, daß man zum Abendessen kommt. Er hielt Gh. am Morgen für einen syrischen Flüchtling. Na, das wollen wir als Ehepaar schon klarstellenJ. Die 8 Vorspeisen sind lecker, Ezme (Chili-Zwiebel-Knoblauch-Petersilie), Auberginen in Mehlteig, mit Reis gefüllte Paprikaschoten, Couscous pikant, Knoblauch-Joghurt wie griech.Tzatziki,Nudelsalat,… Aber die Köfte (Lamm-Frikadellen) find ich dann nicht so gut wie meine eigenen, für die ich in Bozburun bei „unsrem“ Metzger (2010) leckeres frisches Lamm bekam. Neu aber sind ganz scharfe Salatblätter, die schmecken wie Radieschen oder Rettich, dunkelgrün. Die kaufte ich mir gleich nach unsrer Rückkehr im Laden. In der Biokiste hatte ich diese rundlichen gebuchteten Blätter mal, hieß es Rauke? Oder Barbarakraut?

Der scharfe Blattsalat, evtl. Rauke

Die 2. Nacht in der Zauberbucht sternklar, aber über der griechischen Insel Rhodos erhellen heftige Blitze die Nacht, rosa bis hagelgelb leuchten Gewitterwolken wie Türme auf, wir aber bleiben verschont von Kapriolen des Windes.

Nach einem köstlichen Morgen-Schwimmen gehen wir am Montag, den 13.Oktober Anker auf. Wohl unsere letzte Segeltour mit dem alten Deck. Gerhard gibt mir die Chance, unter seiner Anleitung mal mehrere Rückwärts-Anlege-Manöver unter Motor an die Boje zu üben. Die EOS fährt sehr eigensinnig rückwärts, also nicht „auf Befehl“ in einer Linie, sondern in doch etwas boshaften Schlingerkurven, die mir nicht geheuer sind, wenigstens in engen Häfen überlasse ich diese Manöver gern dem Kapitän und bleib vorn am Anker… Vorwärts bei den 2000 km Donau war ich aber fit, kein Problem beim Anlegen, auch im 4-6km-Strom und an abenteuerlichen Anlegestellen. Nun also „EOS rückwärts an die Boje“. Ich schaffe es wohl gar nicht mal so schlecht, denn Gh. zeigt mir auf dem GPS-Gerät später meine Fahrlinien, die doch ziemlich gut getroffen haben ohne allzu abenteuerlich „Ausschläge“. Ein gutes Gefühl…

Dann segeln wir mit leichtem Wind ums Kap. Ich leg mich sogar mal an Deck in die Sonne… UUUUURLAUB. Gegen 16 Uhr passieren wir unter Segeln die Werft. Da steht eine halbfertige 150m-Segelyacht im Bau, die ein „reicher“ (?) Ukrainer sich bauen lassen wollte- und nun kommt kein Geld mehr. Tückisch für eine kleine türkische Werft!!! Und gemein…

Wir legen für 1 Stunde im Hafen von Bozburun an, ein liebenswertes Städtle, dessen Muezzin mehrfach am Tag seine Sure vom Minarett in alle Richtungen schallen läßt, mit einem Echo von den Bergen, das fast 1 Sekunde verzögert zurück hallt- bei der Melodie dieser Rufe exotisch. Wir tanken Wasser, kaufen ein. Und schon sind wir (20 Lira trotzdem zu zahlen) wieder in der großen Ankerbucht, in der einige uns bekannte Boote immer noch liegen. Sternenhimmel, Wetterleuchten hinter den Bergen, Cumuluswolken. Wir grillen Lamm-Spießle und der mit jenen scharfen Blättern gewürzte Bauernsalat schmeckt köstlich, als Nachtisch gibt’s das süße türkische Sesam-Honig-Halva. Dann spiele ich auf der Flöte Abendlieder- schon etwas wehmütig, denn unser Segelulaub geht zu Ende: am 20.Oktober kommt die EOS in der Werft aus dem Wasser! Wir lassen es beschaulich ausklingen. Ich vermesse die eingerissene Persenning des Schlauchboots, räume die Körble schön ein mit T-Shirts, Shorts und Faserpelz für Mai 2015… Gerhard tuckert noch 1x zur Werft. Wenn ich einen Flug bekomme, werde ich wohl alleine heimkehren an den Bodensee, mit Turkish Airlines Dalaman-Istanbul und nach Friedrichshafen. Und mein Schatz ist wie soo oft am Geburtstag fern der Heimat, am Meer. Da ist es sogar im November noch 15-18°warm und die Handwerker arbeiten im T-Shirt.

Die Reisestrecke:Klick

Stimmungsbilder am Ankerplatz

Morgenstimmung, 11.Okt. - vor der Werft (1500x773)
Zauberhafte blaue Berge am Morgen des 11.Oktobers…Nähe Werft

...zwei Regenbögen! (1500x1125) Biblisch schön (Noah) (1500x1125) Bizarre Wolken über Bozburun (1500x1125) Bozburuns Gulet-Parade (es gibt 170) (1500x1125) Gewitterstimmung hinterm Ankerplatz (1500x1125) Letzte Sonnenstrahlen (1500x1125) Regen beim Lammkotelett-Grillen (1500x1125) Regenbogen (1125x1500) Regenhimmel (1500x1125) Unser Wanderberg im Abendllicht (1500x1125)

Der 10. Oktober überraschte uns in unsrer so friedlichen Ankerbucht von Bozburun mit einem fast dramatisch schönen Regenbogen, der vom Gewitter kündete. Unser Wanderberg strahlte hell auf, die Guletparade strahlte im Abendlicht… Als es regnete, nahm Gerhard den Schirm als Dach über den Grill, um die Lammkoteletts zu braten 🙂

Am Samstagmorgen zogen wir nach 3 Tagen den Anker hoch, besuchten noch kurz die Schiffswerft, um unser Kommen für den Einbau des neuen Teakdecks zu organisieren. Dann segelten wir mit weißen vom Wind geblähten Segeln 5 Stunden über das „offne“ Meer hinüber zu unsrem südlichsten Punkt dieses Törns: Hinter das Kap südwestlich von Marmaris, und im Dunst zeigten sich zart die Umrisse der griechischen Insel RHODOS…

In einer felsigen Bucht, Bozuk Bükü, schaukelte die Eos in der Dünung…. Morgen wollen wir nach Ciftlik zu den 2 Busen-Bergen.

Wandern statt Segeln

9.Okt: Unsere Berg-Wanderung über BOZBURUN (Gerdi)

Morgenbad im Meer… Frühstück… um 10 machen wir uns auf zum Wandern. Mit dem Schlauchboot tuckern wir beide in den nahen kleinen Hafen, in dem viele Mietboote und Gulets ankern. Oleander blüht, in pinkrosa Kaskaden hängen die Bougainvillea-Blüten an den Häusern. Kürbisse liegen schwer in den Gärten, Ziegen meckern, in ihren Harems krähen die stolzen Gockelhähne… Die Oliven sind reif und werden von Frauen geschüttelt. Auf Planen lagern sie unter den ausladenden Baumkronen und zupfen die dunkelblauschwarzen Früchte ab… Meraba! Günaydin!

Dann wenden wir uns auf die rotbraune sandige Bergstraße, auf der die Mopeds der Bauern im Leerlauf herunter rasen. Ein Hirt treibt seine 50 Ziegen zum Stall zum Melken, groß sind sie, schlank, mit gedrehten Hörnern! Weiße, schwarze und kastanienbraune herrliche Tiere, so genügsam im Futter. An den Hängen der Berge sehen wir horizontal angelegte Felder, schmale Terrassen mit Naturstein-Mauern, wohl früher Brotgetreide. Ich erkenne einige kreisrund von Stein eingefasste Dreschplätze, die wir vom Peloponnesurlaub kennen. In der Mitte wurde ein Ochse angebunden und im Kreis geführt, so wurden die Ähren gedroschen.

Eine ehemals fruchtbare Ebene, jetzt verweist (1000x750)

Wir wandern bergan und können uns nicht satt sehen an den Ausblicken auf Fels und Meer, auf immer neue Hügelketten und Küsten… Dann wieder weit unten Bozburun, die ankernden großen Gulets. So friedlich das Bild, fast biblisch… An Farben nur felsweiß, sandbraun und grün von den Distelbüschen und Olivenbäumen, meterhoch aber unzählige Zwiebelblütenstengel, die weiß blühen wie bei uns die Lupinen. Diese Wege werden als Berg-Rad-Wege ausgeschildert und ein Radler würde wohl an unsrem Rastplatz unter der rieseigen Krone einer Steineiche (mit Eicheln) hinab ins andere Tal fahren, zu einem Fischerdorf in einer andren Bucht. Stumm vor Begeisterung versinkt mein Blick in diesem friedvollen Berg-Ketten-Rund, zu beiden Seiten menschenleere Flächen, einst Kulturland, teils auch mit neuen Ölbäumen.

Wir beide rasten (1000x750)

Die Glöckchen der Ziegen bimmeln, sie stürzen sich wie Gemsen die Felsen hinunter auf der Suche nach frischen Gräslein, die nur eine Ziege findet in der trockenen Wüste hier… Nach 3 Stunden Aufstieg wenden wir uns zurück und alles sieht wieder ganz neu aus aus der „umgedrehten“ Perspektive. Ein wunderbarer Ausflug… Im Tal unten beschließen wir, noch einen Tag zu bleiben. Weil es so schön ist…. Sommer. Schlafen mit offnem Luk, Gh sogar an Deck unterm Sternenhimmel. Vollmondschein. Herz, was willst du mehr. Morgen schreibt Gh den Vertrag fürs neue Teakdeck. Eine Sorge weniger.

Im Frühtau zu Berge… (Gerhard)

Es liegt Tau auf der EOS und ich rudere mit dem Schlauchboot an Land um auf einem der Hügel die Gegend von oben zu sehen. Vielleicht 300 oder 400 Höhenmeter liegen vor mir. „Mein“ Berg scheint nicht steil zu sein, wohl bewachsen mit niederem Gras und von vielen Felsen durchsetzt, in der Karte ohne Namen.

Ich laufe durch Bozburun, nur wenige Leute sind unterwegs aber von überall her gackert es. Kleine Hühner auf langen Beinen picken vom Boden. Bergwege gibt’s hier nicht, so verlasse ich die Strasse und laufe querfeldein dem Gipfel zu. Die grünen Büsche erweisen sich als hartes Gesträuch und die Grasflächen stellen sich als stacheliges Gestrüpp heraus. Auf dem rauen Fels haben die Schuhe prächtigen Halt. So komme ich immer höher, den harten Büschen und dem stacheligen Sträuchern ausweichend, so gut es geht. Der Blick weitet sich immer mehr. Ich erreiche den Grat und unerwartet fällt die andere Bergseite fast senkrecht bis ins Meer abwärts. Klettern ist das jetzt noch nicht, ich muss nur beide Hände benutzen, denn der Grat wird steiler. Ein angenehmer Wind kühlt. Oben blicke ich in die Runde.

Die Bucht von Bospurun (1000x750)

Buchten, Inseln, das Dorf, ringsum trockene Berge und unter mir eine wilde, felsgerahmte Bucht mit einem kleinen Bootshafen.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Schön, hier zu sitzen. Der Wind schmeichelt der Haut, kein Laut, kein Tierchen. Irgendwie ausgestorben. Nur scheinbar, denn Losung und braune Erde auf den Steinen lassen die Anwesenheit von Ziegen vermuten. Menschen kommen wohl ganz selten hoch, nicht die kleinste Müllspur. Abwärts geht’s leichter als rauf. Vorsichtig steige ich von Fels zu Fels. Weiter unten steht noch Stachelbusch- Gürtel im Weg, dann bin ich unten beim kleinen Fischerhafen. Noch die Strasse zurück und ich bin wieder im Ort bei den Yachten und unserem Schlauchboot.

Alle Fotos: Hier

Samos-Bozburun 3.Okt – 10.Okt: Rückblick v.GERDI

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3.Okt. Sarpendare East creek (Gerdi)

Am deutschen Nationalfeiertag wenden wir uns nach Süden! Erstmals unter 4 Windstärken (was sich amMeer anfühlt wie Windwarnungsstufe am Bodensee!!). Wir sehnen uns nach jenen stillen blauen Ankerbuchten der türk.Halbinseln, in denen wir Ende Okt. 2012+2013 mit dem Gulet waren! Uuuurlaub! Viel Dünung den ganzen Tag, erst ab 15 Uhr nachlassend. Wunderschön taucht aus dem bläulichen Dunst die griechische Insel SAMOS auf. Als wir uns nähern, erkennen wir das am Kamm weiß leuchtende Bergkloster, zu dem Erika mit Papa 2010 am frühen Morgen hochwanderte.  Wir biegen ein in die kobaltblaue schmale Meeresstraße zwischen Samos und der Türkei. Hohe Gipfel! Seit langem mal einige Segler mit uns! Die erste kleine Kirche nach Wochen. Dann suchen wir uns eine Bucht für die Nacht. San Nikola bietet Wellen und fauchenden Wind. Wir versuchen es in der Nachbarbucht…Auch hier gepeitschte Wellen, Windböen… kein Bad im Meer…Durch die Engstelle aber funkeln die Lichter der griech.Hafenstadt Pythagorea…Heller Mond.

4.Okt.: Ich sende Erika zum 26.Gebtg eine MMS mit einer fotografierten Super-Torte…Von 9 bis 15.30 segeln wir 30 Seemeilen (fast 50 km) teils mit Motor. Die Halse- u.Reffmanöver gelingen. Müde von der Dünung legen wir an in der Didim-Marina Turgutreis. Es ist BAYRAM-Fest, viele Türken sind in gr. Gruppen in den Restaurants. Wir finden eine empfohlene Taverne, in der wir den Fisch selber auswählen können, teilen uns eine Dorade v.Grill, als Starter genießen wir Octopussalat und marinierte Auberginen. Lecker.

5.Okt. Weiter nach Süden, Richtung Datca-Halbinsel, vorbei an KOS

Vorbei an der langen griechischen Insel Kos steuern wir das Kap der alten Griechen an: KNIDOS, Tempel des Altertums. Stolz grüßt der weiße hohe Leuchtturm auf dem steilen Felsengipfel.

vertikale Felswand,75m,davor 75m tiefes Meer

Es düst im Hafen, Fallwinde- ich will weiter. Senkrechte Felsen ragen 100 m aus dem 75 m tiefen royalblauen Meer…Bizarr! Hinter einem langen Felsenrücken, der aussieht wie ein schlafender Saurier ankern wir nach 32 sm in der breiten Bucht von Palamut. Baden. 24° imMeer… Vollmond versilbert das Meer…

Am Morgen erwache ich im pinkrosa Morgenschein, rot geht die Sonne auf, perlmuttfarben schimmert das Meer… Sanft schaukelt die EOS auf den Wellen…die ersten edlen Gulets laufen aus, um gegen 8 in einer neuen Bucht das Frühstück zu kredenzen…

Dienstag, 7.Okt: Im Paradies! BOZBURUN (3 Tage lang)

Und dann landen wir im Paradies. Der scharfe Wind blieb hinter CESME und Samos. Viele weiße Segel um uns, die Crews in Bikini u. Badehose, Sonnensegel und Biminis schützen vor der sommerlichen Hitze…. Sanfte Dünung, Wonnesegeln. 30 Seemeilen segeln wir und können unser Glück kaum fassen. 35° in der Kajüte. Kaffee im Cockpit. Türkis leuchtet das Meer. Wir segeln auf die kegelförmige griechische Insel Simi zu, nur 3 m Wassertiefe sind in der Engstelle zwischen den 2 Ufern. Ich setze die blauweiße griechische Gastflagge unter der Saling und spiele auf der Flöte die griechische Nationalhymne.

Da kann man durchsegeln...! BLAU - 3m tief

Und dann rum ums Kap von BOZBURUN, das wir schon kennen. Englische, schwedische, norwegische, deutsche, holländische, französische, schweizerische Fahnen…

Wir ankern und genießen die himmlische Ruhe. Gerhard trifft einen Teakschreiner, erfährt, daß man hier in einer kleinen Werft auch Teakdecks anfertigt.

Naid-der türk.Teakdeck-Meister (1500x1125)

Auf geht’s, wir fahren hin und der Meister Nain kommt an Bord. Man verhandelt, man findet sich sympathisch. Das sieht gut aus. Wir sind so erleichtert, daß wir in der Bucht bleiben. Eine Laundry-Madam wäscht meine 60°-Wäsche, herrlich. Ich bewundere die königsblauen Porzellankacheln mit den bezaubernden Ornamenten, die kunstvolen Faillance-Muster…an den Säulen vor der Moschee, an dem kleinen Waschtempel davor. Noch liegen einige rosa Engländerinnen auf den Liegen am Meeresufer, vor den Appartements, Katzen streichen mir um die Beine, es riecht nach Lammfleisch am Grill und nach frisch gebackenem Fladenbrot. Wir kehren im Schlauchboot zurück zur EOS und ich koche selbst was Feines, Ohne Starkwind, ohne Sorgen, noch ein gutes Buch und ein Glas Rotwein, eine Scheibe süßes Halva (Sesampaste mit Zucker verkocht). Gerhard knabbert die türkischen in der Schale gesalzenen Erdnüsse und getrocknete Aprikosen. Ach, wie schön ist so ein Herbsturlaub mit Sommer auf der Haut und Meersalz in den Haaren… Wir sind sehr dankbar, und wenn der Muezzin grad nicht aus dem Lautsprecher zum Gebet ruft, flöte ich „Wem Gott will rechte Gunst erweisen den schickt er in die weite Welt“ und „Wer nur den lieben Gott läßt walten“. Wir danken von Herzen für Bewahrung und diese wunderbaren Tage…

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Die Reiseroute: Klick

Zu Gast in der Heimat und Ein Tag in der Parallelwelt

In der Marina Turgutreis: Fällt Ihnen an den Bildern die türkische Gastflagge an diesen Schiffen auf? Müsste sie nicht am Heck wehen?

Steueroptimierer (2) Steueroptimierer (3) Steueroptimierer (4) Steueroptimierer

Ist es möglich, dass so viele Gäste aus Amerika hier in der Türkei segeln? Die Heimathäfen Delaware, Rod Harbour, Willmington und die amerikanische Flagge am Heck lassen diesen Schluss zu. Das sehe ich bei der Hälfte der Jachten in türkischen Häfen. Dort wo die Gastflagge aufgezogen wird, flattert die türkische Nationale.

So beliebt sind türkische Gewässer bei den Amerikanern nun auch wieder nicht. Viel mehr steckt eine Optimierung der Bootssteuer dahinter. Das Boot „gehört“ auf dem Papier einer Strohfirma in Wilmington, Rod Harbour oder sonst einer Firma oder Person in einem dieser fernen Länder. Der erhält dafür eine Aufwandsentschädigung (ist ja nur eine Papier- Arbeit), der ferne Staat geht auch nicht ganz leer aus und der Bootsbesitzer braucht im Heimatland Türkei keine Steuern zu entrichten. Warum nicht so handeln, die Berufsseefahrt macht’s ja genauso? Der türkische Eigner braucht also ein Transitlog wie wir mit unserer EOS auch, verlängert das durch einen Stempel beim Zoll jährlich und muss allerdings alle 5 Jahre einmal das Land verlassen. Nur die 10 Seemeilen rüber auf eine griechische Insel, dort einklarieren, wieder ausklarieren und sich bei der Rückkehr ins Heimatland ein neues Transitlog für die nächsten 5 Jahre beschaffen. So einfach spart der sparsame türkische Bootsfreund Steuern.

Uns fällt das in den großen Marinas auf. Wir mit unserer 10 Meter langen EOS ordnen uns jetzt in der absoluten Kleinstklasse ein. Neben den ganz großen Megajachten fährt der „Normaleigner“ eine weiße Kunststoffjacht von 12 bis 17 Meter Länge oder einen entsprechenden Katamaran. Bugstrahlruder, Plotter, AiS, Funk, Warmwasser, Duschen usw. Gelegentlich treffen wir Segler unserer Art, aber selten.

Wir melden uns beim Anlaufen einer Marina über Funk an, ein „Mooring- Asistend“ nimmt uns mit seinem Schlauchboot in Empfang, geleitet uns zum Liegeplatz und buxiert uns in die Parklücke, befestigt die Mooringleine und ein zweiter „Asistend“ übernimmt die Leinen am Steg. Bei der Anmeldung erhalten wir einen Transponder mit dem wir den Zugang zu Strom und Wasser öffnen können. Alles außerordentlich professionell. Der Sanitärbereich klinisch sauber, großzügig, alles funktioniert. Kein Fetzelchen Papier am Boden, kein Schmutz, Mülltrennung.

Um den Hafen hat sich ein Gürtel von edlen Restaurants, Cafés und Boutiken angesiedelt. Man kann Schiffe und Ferienhäuser kaufen. Nachts erstrahlen Gebäude in bunten, wechselnden Farben. Dahinter beginnt das normale Leben. Geschäften, landestypische Restaurants, Kioske, die Moschee, wie man sich eben einen Ort in der Türkei vorstellt.

Umsonst bekommt man diesen Luxus nicht. Er ist teuer: 30 bis 50 € kostet der Bootsplatz für eine Nacht. Unsere Welt ist das nicht und wir meiden diese feinen Orte, aber gelegentlich sehnen wir uns doch nach einer warmen Dusche und einer ruhigen Nacht. Auf der Donau und im Schwarzen Meer haben wir das Gegenteil von Luxus kennen gelernt. Über diese Schere macht man sich schon seine Gedanken.

Von Cesme nach Altinkum (Marina Didim)

CESME…zum 4. Mal schon! Feine luxuriöse Marina. Diesmal eng, voller Boote. Schon beim Tanken Probleme mit dem Rückwärtsfahren (Eos hat bei starkem Wind ihren „eigenen Willen“). Dann geriet auch noch ein Tau in die Schraube, peinlich. Ein Spaziergang in der Stadt beruhigt die Nerven.

Seit dem Marmara- Meer bleibt uns der  starke Meltemi von achtern treu. Immer weiße Schaumkronen, Segel immer gerefft, Bullentalje gespannt. Von Cesme dann ostwärts in die Sarpdere Bucht. Hier ankern wir in klarem Wasser umgeben von Bergen, eine Schlucht vor uns. Endlich ruht sich der Wind auch aus. Mit dem kleinen Schlauchboot MICRO EOS und dem neuen Motor (2 PS) unternehmen wir eine kleine Tour ins Dorf am anderen Buchtende. Kein Mensch zu sehen. Den Abend krönen gegrillte Lammscheiben und natürlich das Glas Rotwein.

Lammfleisch f.d.Grill
Lammfleisch f.d.Grill

 

Nachts wölbt sich das Sternenzelt über uns und nur kleine Wellen schlagen ans Schiff. Immer wieder tönt ein Glöckchen. Ziegen oder Schafe grasen unsichtbar für uns. Eine angenehme Nacht. Anderntags steige ich auf einen Berg um diese schöne Gegend auch von oben zu sehen.

Kleine Wanderung auf den Hügel (1500x1125)
Wanderung auf den Berg im ersten Morgenlicht

 

Nach dem Frühstück holen wir den Anker ein. Nach ein paar Seemeilen entdeckt uns der Meltimi und zeigt wieder, was er kann. Immer wieder verkleinern wir unsere Segel. Eine arge Schaukelei, wenn wir dazu „in den Wind“ gehen müssen. Die See rollt und bildet eine Dünung.  In der Meerenge zwischen dem türkischen Festland und der griechischen Insel Samos lässt der Wind nach.

Flottes Segeln neben d.griech. Insel Samos
….hinter mir Samos, zu dem Kloster wanderte Erika m.Papa 2010

Doch wir freuen uns zu früh. Die hohen Berge auf beiden Seiten pressen den Wind wie eine Düse und wir sind wieder von Schaumkronen umgeben. Wir suchen unseren Ankerplatz auf. Schöne Gegend. Links eine schützende Insel und rechts die hohen türkischen Berge. Der Anker fällt, zur Sicherheit fahren wir ihn mit 2000 upm ein Er hält. Da kann uns kein Wind losreißen. Das ist auch notwendig, denn die ganze Nacht bleibt uns der Meltimi treu und rüttelt an der EOS. Wir haben keine Lust zum Schwimmen. Am anderen Morgen mäßigt sich der Wind erst, als wir die Düse durch die hohen Berge hinter uns gelassen haben. Unser Automat steuert das Schiff angenehm und wir genießen die flotte Seereise bis vor den Hafen bei der Stadt Altinkum, umgetrieben von der Fa. Didim.Edle Marina für höchste Ansprüche, ungewohnt für uns!!  Ein angenehmer Ort, großzügig. Es wäre ein guter Platz zum Überwintern. Aber wir möchten schon noch etwas weiter in den Süden.

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…und hier die weitere Reisestrecke. Klick

PS: Die Türken unterschlagen in der Google- Karte, auf der wir unsere Reiseroute darstellen manche Gebiete, v.a. griechische! So fehlen einige Inseln, die wir besuchten

Stürmische Tage bei Foca

FOCA [fodscha], 28.September 2014, EOS liegt schaukelig vor Anker, Höhe Izmir. Küste, Regen,Starkwind- GERDI

Hallo „DAHEIM“!
Heute ist Sonntag- das merkt man am Morgen am weichen Ei zum Frühstück …und natürlich am Simplify-Kalender. Der Abreißkalender hängt über Erikas schönem Fotokalender mit den Allgäubergen. Auf der rechten Seite der Tür zum Vorschiff hängt gerade Joachims Sept-Kal.Blatt „Monte Gamborogno/Tessin, mit den blauen Bergen und dem feurigen ersten Morgenlicht vorm Zelt. Drüber baumelt am Messinghaken die Strickjacke(!!), ich hab Skiunterwäsche (Langarm, Langbein) an und der Faserpelz liegt bereit, falls ich ins Cockpit geh. Die Füße wärmen die dicken Schafwollsocken und sogar der wettergegerbte Gerhard suchte seine rote Faserjacke und die Bordschuhe hervor….Ja, es ist kalt, denn der Meltemi, der eigentlich ab 15.Sept. vorbei sein sollte(mit Schulbeginn in der Türkei) gebärdet sich wild und kommt ja aus Norden. Eisigkalt empfindet man das nach den warmen 2 Monaten davor.
Ich lasse es mir aber nicht nehmen, im Meer zu baden, zumindest früh am Morgen, nur heute war das Meer windgepeitscht, der 5er heult und pfeift und solche Wellen machen es schwer, an der Badeleiter am Heck wieder an Bord zu steigen. Auch ist das Meer extrem salzhaltig, so daß man doch nach 1-2 Tassen Süßwasser verlangt zum Abspülen. Im Wind an Deck eine ungemütlich kalte Prozedur.
Rasch ein Rückblick ab Bozcaada:

Bozcaada, der Hafen Ehem.griech.Tenedos, Ausg.pkt. des Angriffs auf Troya
Am Donn. 25.Sept. brachen wir vom sehr schaukeligen Kai in Bozcaada, wo EOS an der Mooring riß und einen in der Koje „zackig“herumwarf, gerne nach 6 Uhr früh auf! Ziel war Ayvalik, aber nach fast 12 Stunden  Segelei (52 sm also x1,852 km) fiel der Anker dann auf der Insel Ciplak. Eisigkalt der Morgen, Handschuhe, Wollmütze, Schal, Ölzeug- erst ab 10 Uhr am Morgen war’s wärmer….Wir sind halt nicht im Süden wie bei unsren 2 Gulet-Törns im Oktober! Wunderschön aber am Abend der Sternenhimmel, die Milchstraße so hell, der Skorpion, den wir in Dtld. nie sehen.
Am Freitag,26.SeptCiplak… wieder war’s nachts ab 3 Uhr wild wellig, das Schiff ist sehr unruhig, auf und nieder, hin und her… Düstergrau und der Himmel bedeckt mit Regenwolken. 10 Uhr Anker auf.

Bft4

Das geliebte LESBOS blaugrau in Wolken, Griechenland! Wir weihen angesichts der griechischen Meeresküste die neu genähte Tischdecke ein, rot mit blauen Blümchen. Mit gerefften Segeln bei 3-5 Bft segeln und motoren wir auf sehr kabbeligem unruhigem Meer und starkem Wind 20 sm bis BADEMILI, es duftet nach Eukalyptusbäumen, sehr flach überall, wieder mal Grundberührung… Ich schwimme im Meer, 22°C wie die Luft. Da die neu gekaufte Grillkohle feucht ist, gibt’s mit der Hühnerbrust Souflakis-Spieße aus der Pfanne . Erika meldet Seekrank-Gefühle von der Hurtigrouten bei 7 Windstärken….und schreibt : „Vom Schifflefahrn ham wir erstmal genug!“
Ich backe Pfannkuchen, dazu gibt’s Apfelmus.

Gerdis dünne Pfannkuchen!!Ankerplatz-Mahl
Samstag, 27.Sept.:Unsere Gedanken gehn zurück: gegenüber wär die griech. Bucht von Mythilini! Wir haben ungemütliche hohe Dünung gleich beim Start, die EOS wird stark auf die Seite gelegt, die Segel schlagen wild… Als wir das Groß im Roll-Container bergen wollen, springt beim Niederholen die Reffleine aus der kleinen Spule, nix geht mehr, mühsam kann ich das Schiff im Wind halten…Motor dazu, ..immer ein aufregender Akt in starkem Seegang…

Kein einziger Mooringplatz frei! 6-7bft, Regen,ankern
Stundenlang quält sich unser Schiff durch diese langen hohen Wellen, die ihre Macht zeigen… nur nicht 1 Moment un-aufmerksam sein beim Steuern an der Pinne.Am Abend hab ich Muskelkater und Schulterweh im rechten Arm! Der Autopilot schafft solche starken Wellen nicht mehr. Im Ölzeug stehn wir im Regen…

Wir beide im Regen

Kaum glaub ich dem Meteo, daß es nur 4 bft sein sollen…. Nach 5 Stunden steuern wir das Hafenrund von Foca an, die Festung grüßt, das Minarett- aber kein einziger Mooring-Platz ist frei, die haben wohl alle den Wetterbericht gehört!!! Wir müssen frei ankern, auf 15 m WT!!! Es schüttet, es wütet, es stürmt. Ich koch schnell eine Suppe mit Pfannkuchen-Flädle … Als es um 15 Uhr eine Regenpause gibt, pumpt Gh. das Schlauchboot auf, denn wir müssen an Land, Brot, Gemüse, Obst kaufen…Kaum drüben, regnet es wieder in Strömen. Die Türken tragen Anoraks und lange Hosen!! Große Pfützen überall, die Hunde und Katzen rollen sich eng zusammen unter Planen und Balkonvorsprüngen…Die Läden hängen alles mit Plastikplanen zu, auch das Gemüse verschwindet unter Persennings. Wir warten im Laden, trinken fröstelnd einen Cai in einer Bar, wo Einheimische unbeirrt Backgammon spielen, im Pullover…
Eine kleine Regenpause erlaubt das Heimpaddeln, der Rucksack unter einer Mülltüte geschützt. An Bord gibt’s eine große Schüssel mit Griechischem Salat mit Schafskäse…

Nachts werden wir mit 6-7 Windstärken recht scheußlich geschüttelt… Wenig Schlaf… Früh verläßt kein einziges Schiff den Kai, also bleibt uns nix andres übrig, als Anker auf zu gehn und zu verlegen an die dorf-ferne Felsküste bei den Surfern und Seglern. Keiner da…. Es schaukelt weniger, aber es soll noch mehr Wind geben als gestern…

Nachtrag zu den 3 Tagen und 3 Nächten in Foca:

Der Starkwind kam mit Macht! Keine Pause, immer noch eine Windstärke mehr zerrte an unsrem 27kg-Anker. Ein höllisches Geheul draußen, irre schnelle Wellen, die das am Anker schwojende Schiff überholen. Eos schwankt an 50 m Stahlkette, es lärmt, pfeift und rattert, es heult und rauscht. Wir bleiben eine 3. Nacht, kein Schlaf, Ankerwache im Cockpit, kalt, windgepeitscht. Wirre Träume. Ich kann kaum glauben, daß in einem derartigen Sturmgebraus ein 6 t-Schiff am Anker „stehen bleibt“.

Unser fixer Orientierungspunkt- Ankern vor Foca,3 Tg Starkwind

Aber die gelbe große Boje hinter uns, die sonst den Surfschülern als Wendemarke dient, ist ein guter Kontrollpunkt. Vor uns die flache Nehrung zw. Den 2 Inselteilen. ..ein Urlaubsparadies, jetzt sturmverblasen. Gegen 5 Uhr läßt der Wind nach…1. Schlaf… und nach dem Frühstück Anker auf.

Draußen vor den Inseln gleich wieder hohe Dünung, lange wilde Wellen.

Die Eos übt „instabile Seitenlage“, Ölzeug, Lifebelt, Schwimmweste… aber wir schaffen das!!! Tapfer wird gerefft (in den Wind gehen…!), gesteuert und unser Ziel hinter der IZMIR-Bucht, Insel Karaada, die Eselzüchterinsel, ist um 16.30 Uhr erreicht! Blau und türkis, wie 2009 und 2010. Der Eselbauer ist nicht da, aber 4 große Fischerboote. Ich spiele wieder mal Flöte in der Bucht. Dann koche ich Ratatouille und Pilav. Müde sind wir… um 21 Uhr in die Koje.

PS: 1. Oktober, wir sind inzwischen in Cesme.