52. Fahrt zum Festland und ein Abschied

Unser_letzter_sonnenaufgang_in

Unser Ankerplatz vor Calvi´s Kulisse war wohl der schönste der ganzen Reise. Hohe, felsige Berge, die Stadt mit ihrer Festung, davor der elegante Strandbogen und unter uns kristallklares, türkisfarbenes Wasser. Dazu die klare Luft nach der abgezogenen Wetterfront. Der GPS- Pfeil zeigt 315° nach Nizza an, bei 4 Knoten Geschwindigkeit meldet es 24 Stunden Fahrtzeit. Mäßiger Wind aus West macht einen Kurs hart am Wind gerade noch möglich. Mal schwächelt der Wind, dann hilft der Motor, dann geht´s wieder ohne Motor.

Zwischen_tag_und_nacht

Für unsere letzte Überfahrt zeigt der Sonnenuntergang all seine Pracht. Das Grau geht in ein flammendes Feuerrot über und erfüllt den gesamten westlichen Himmel. Dann wird der prächtige Streifen immer schmäler und der Himmel wandelt sich in ein dunkles Graublau bis der Horizont in Schwärze versinkt. Das GPS weist uns die Richtung und meldet Abweichungen vom Zielkurs. Wir korrigieren dann den Autopiloten.

Gerdi übernimmt die erste Wache. Es gibt nicht viel zu tun, mal den Kurs korrigieren, mal die Segelstellung verändern. Gelegentlich ein paar Lichter weitab. Ein Segler auf Gegenkurs passiert uns. Er und wir schaukeln ziemlich stark in der Dünung, die noch vom vergangenen Starkwind herrührt. Das ist auch der Grund, warum wir bei schwachem Wind den Motor zur Hilfe nehmen. Die Segel schlagen hin und her und können den Wind nicht fangen. Ab 2 Uhr nachts löse ich Gerdi ab. Sie wird wohl wenig Schlaf bei der Schaukelei finden. Keine besonderen Ereignisse. Einmal vermindere ich die Geschwindigkeit, als die EXZELSIOR, ein mächtiges Kreuzfahrtschiff knapp vor uns passiert. Es ist nicht ganz einfach, nachts zu erkennen, welchen Kurs so ein großes Schiff nimmt. Wie weit ist es weg? Kommt man noch vor ihm vorbei? Radar und Automatisches Identifikations- System (AIS) würde da Klarheit schaffen. Haben wir aber nicht.

Schon 3 Stunden vor dem Landfall kann ich den Blitz des Leuchtfeuers auf Kap Ferrat auszählen. Unser Kurs führt weiter geradeaus. Im Zeitalter der elektronischen Schiffsnavigation haben diese altehrwürdigen Leuchtfeuer an Notwendigkeit eingebüßt. Sie werden kaum mehr angepeilt um den eigenen Standort festzustellen und den Kurs eventuell zu korrigieren. Leuchtfeuer stehen jetzt als Satelliten unsichtbar am Himmel und der Peilkompass ist als Pfeil im GPS integriert.

Das erste dunkle Antrazit kündet den Morgen an. Es wird heller und nach einer Stunde treten die Landkonturen hervor. Ich entschließe mich, den Kurs nicht nach Nizza zu nehmen sondern um Kap Ferrat herum in eine Bucht. Um 7 Uhr verlöschen allmählich die Lichter an Land, um 7.30 zeigt sich die Sonne und etwas später schwenke ich in die Ankerbucht ein. Wir sind wieder bei den Megajachten, die hier ankern. St. Tropez, Cannes liegen ein paar Seemeilen westlich, Nizza liegt neben uns, Monaco, Imperia und San Remo sehen wir auch. Da ankern die schönen Riesenschiffe und sind unter sich. Die EOS ist auch dabei. Der Anker fällt vor einem Hügel, durchsetzt mit großartigen, alten Villen. Fleißige Hände sind dort zu Gange, öffnen die Fenster zur See, wässern die Gärten, bereiten Liegen und Getränke am privaten Badeplatz für die Herrschaft vor.

1

Für Gerdi und mich liegt ein Abschied in der Luft. Sie wird in 4 Tagen heim fliegen, Gute Freunde aus Augsburgs Jugendzeiten werden mich dann weiter begleiten. Gerdi und ich hatten herrliche gemeinsame Sommer auf der EOS verbracht. Ich bin unserem Herrgott dankbar, dass er mir diese Zeit mit meiner Frau geschenkt hat. Ich werde sie auf der restlichen Reisestrecke vermissen. Die weitere Reise ist ein kleiner Neubeginn, bis unsere EOS in Mulhouse im Elsass festgemacht hat und dort auf den Landtransport an den Bodensee wartet.

 

50. Abendmusik in der Kathedrale auf der Burg Calvi

VOKALMUSIK IN DER KATHEDRALE

Am Montagabend entdecken wir ein Plakat, das auf ein Konzert mit der berühmten „polyphonen Vokalmusik“ in der Kathedrale St. Jean Baptiste auf der Festung hinweist. Um 21.30 Uhr, wunderbar!

Img_3290

Der Regen hat aufgehört, wir wandern nach einem deftigen Mahl an Bord (mit grünen Bohnen, Butterkartoffeln und korsischer Leberpastete) vom Fischerhafen unter dem runden Turm hoch zur Burganlage. Romantisch mit gelben Laternen beleuchtet das Pflaster aus runden glatten Steinen, die engen Gäßlein, die Torbögen, die Treppen…Vor der Kirche mit der runden Kuppel hocken schon 50 erwartungsvolle Musikfreunde auf den Stufen…“Neuf-cinqe!“ (Das Portal wird erst in 45 Minuten geöffnet!“)

Geduldig warten alle, man unterhält sich gedämpft auf holländisch, amerikanisch, englisch, deutsch, bayrisch, aus Amerang:-), die Fahrer der schmucken Harley-Davidson-Motorräder ebenso wie die in feines Leinen mit Mohairpulli und Perlenkette gewandeten Hotelurlauber…
Dann strömen ca. 150 neugierige Hörer in das Kirchenschiff.
Kerzenbeleuchtung. Andachtstille…2 Minuten…Dann in Schwarz die 5 Sänger. Eine diatonische Harmonika, eine Laute, eine Viola, eine Konzertgitarre

Img_3304

.
Ein Traum – diese Harmonie in Polyphonie der 3 Männer-Stimmen…ein Genuß….viel Leidenschaft bei den Liebesliedern, verträumt bei den Schäferliedern. Sonor der tiefe Bass!!! Der elegische Tenor, der hingebungsvolle sanfte Gitarrist…ein wundervoller Dreiklang bei den Schluß-Akkorden…Das I-Tüpfelchen auf dem Korsika-Segeltörn! Danke, danke…

Hier findet Ihr ein Video mit Musik von dem Konzert: http://goo.gl/zTCIR

49. CALVI IM REGEN, grau in grau…

Sonntag, 18. September. GERDI

GRAU IN GRAU: CALVI im REGEN…

Kap_revelata_vor_calvi

Am Samstag ankert neben uns wieder die kleine SY des Engländers aus Devon, 24 feet, die „Tankard“. Er kommt uns besuchen, weil er sich für das Flötenkonzert am Abend vorher in der stillen Bucht bedanken will. Ein Busfahrer( In Dublin), 1 Jahr arbeiten, 2 J. segeln. Ein erfrischender semmelblonder Abenteurer, 32 J. alt, fast wie Joachim…

 

Skipper_der_klGewitterhimmel_in_calvi

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker mit einem traumhaften Blick auf den beleuchteten Burgberg fügen wir uns dem Wetterbericht, der Südwest-Wind der Stärke 8 ankündigt: Wir verlegen die EOS rüber in den Hafen. Man weist uns als kleines 10 m-Schiff in den vor der Burgmauer gelegenen Fischerhafen ein. Als Gerhard zur Capitainerie läuft, nähert sich wie eine Riesenwand die „Mega Express“-Fähre Corsica-Sardegna…nur der 2 m schmale Kai trennt uns von dem Monster!!! Ein Bootsnachbar ruft auf französisch „MADAME!!! Vite, vite!“ – und schon seh ich keinen Himmel mehr! Der Franzose hält mit beiden starken Armen den Bug vorne ab, ich hätte die dicke Mooringleine niemals dichter holen können…Eos wird heftig hoch- und niedergehoben. Am andern Hafenrand sammeln sich Passanten, äugen herüber, bangen mit mir um das Schiff. Die Fotos mögen zeigen, was für ein Riese so eine Fähre ist…

Mega-fhre_korsika-sardinien

Als die armdicken Festmacher-Taue an Land geworfen und um die mächtigen Poller genau vor unsrem Bug gelegt sind, kommt mein Skipper zurück…Eos liegt schräg schlingernd im Hafen, beim Abfahren fällt dem Fähremann sein Handy(„portable“ auf französisch) ins Hafenbecken…

Dieses Schauspiel haben wir nun 2 mal täglich…Und das Internet geht auch nicht in dem etwas vom Marinehafen fern gelegenen Fischerhafen…(Vor Anker war’s einwandfrei!)

Wir gehen zum SPAR, einkaufen, Brot, Milch, Tomaten, 2 escalopes de viande, Kekse, Butter, Camembert, Roquefort, Bier, Schinken…Am Bahnhof erfahren wir, daß der Zug nach Pont Lecce nur hin, nicht zurück fährt an 1 Tag !! Ein Apero im Café, teuer! 1/8 Wein 5 ??, das kl. Bier 4,50! Da essen wir heute am Schiff….

REGEN

Nun regnet es seit 5 Stunden, seit 15 Uhr. richtig dunkel ist es, tief hängen die Wolken über dem grandiosen Gebirge hinter Calvi, der Stadt mit der stolzen Festung auf dem Hügel…

Gerdis_aquarell
Ich malte gestern mein 1. Aquarell dieses Segeltörns, in aufkommender Abschiedsstimmung…
Es ist wie immer, ich male nur, wenn ich irgendwie Abschied nehme, das war damals vor 31 Jahren so, als ich mit Gerhard, den ich erst 6 Wochen kannte, diese Insel umsegelte, in Locarno/Monti nach dem 1. Urlaub ohne Kinder –  in der kleinen „Pensione Olanda“, in Dimitrios beim 1. Land-Urlaub in Griechenland, beim Abschied von Nürnberg 1980…Das gemalte Bild zeigt nun diese Hügelburganlage; es hängt seit heute im Salon der EOS! Wir werden mal ein Foto machen gelegentlich, beim Frühstück.
Gewaltig gebärdete sich stundenlang ein Gewitter, mit Blitzen über’m Meer, taghell vor finsteren Regenwolken, Donnerschläge, die ich wie Vibrationen körperlich fühlte, als ich mich im fast nachtdunklen Schiff zur Siesta hinlegte und das Knie an der Mahagoniwand lehnte im Vorschiff…
Eine griechische Charteryacht läuft ein, die Fock zerfetzt…Draußen stürmt es…

 


Nass_die_fassaden_im_regen
Die Fassaden, eh schon marode und kalkrieselnd, waren im Nu patschnaß und dunkel verfärbt, dann 2x Stromausfall, die Bewohner hielten die offenen Sonnenschirme fest, die das Naßregnen der wohl nicht dichten Balkonklapptüren verhindern sollten… Die Palmen sch&uum
l;ttelten sich im Wind, tropfnaß die Wedel, die Touristen mit Kaputzenjacken, drunter Shorts, Windjacken, Regenschirme…ein un-gewohntes Bild! Wir sitzen im Schiff und hören eine Klassik-CD, die „ELISE“ von Beethoven, und ich nehme mit der CANON als Erinnerung  Regenguß und Klaviermusik auf als V
ideo 🙂 !

Wir sitzen im Schiff, draußen plätschert der Regen…

Noch 9 Tage bis zum Flug ab Nizza. Am Dienstag wollten wir an die Festlandküste segeln…hoffen wir, daß der hohe Seegang nachläßt, leider kommt dann wohl der Wind aus Nord, auf die Nase der EOS….


Nocturne_magnifique

 

 

48. Zu den Roten Felsen, Korsikas Naturschutzgebiet

GERDI

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker südlich der Bucht von Cargese starten wir am 15. September zum Naturschutzreservat GIROLATA.
Ein Westwind bläht Großsegel und Fock…

Rotbraun leuchten die fast senkrechten, porösen Felsen in der Sonne, eine unbeschreibliche Kulisse! Die Fotos geben nur einen schwachen Eindruck davon, wie mächtig und bizarr diese Felsküste auf uns wirkt. Wohl 80 m hoch ragen diese Wände überm Wasserspiegel hoch, höher als der Kirchturm in Eriskirch!

Solitaire

Wir tasten uns in verschiedene Felsenhallen, wie Dome, oder wie ein Mausoleum ohne Dach…Liegt schon eine Yacht vor Anker, verlassen wir das felsbewehrte Rund und nähern uns dem nächsten Einschnitt im Fels.

Unser_1

 Nach 5 Stunden fällt der Anker  um halb drei auf 14 m Wassertiefe in einer engen Nische bei  einem Katamaran. Die Crew taucht. Gerhard bringt eine Landleine und Kette aus zu einem Felsen.
Am frühen Abend verlegen wir die EOS in die Nachbarbucht Calla Vecchia, wo wir auf 9 m frei ankern können, sogar einen Sandfleck finden wir! Der Anker wird „eingefahren“ mit 2000 U/min. Draußen hat es 60 m Wassertiefe.

Eos_vom_beiboot_aus

Gespenstisch, vor den siena-rot leuchtenden Felswänden zu übernachten. Roter Sonnenuntergang! Wir grillen, um 9 geht der Vollmond auf, die Sterne wandern über dem zackigen Kamm des Berges…In der Nähe ein kleines Dorf, das keine Straßenverbindung hat…Wenige Lichter. Einsamkeit. Das Meer schlägt gegen die löchrige Felswand, dumpf, rhythmisch, unheimlich…

Am Freitag 16. September lese ich früh die FAZ: Wie beim Törn 2010 hat es derzeit an der türkischen Südküste immer noch 37-40 °C Hitze, das Meer in Antalya 30°C. Die 30°-Linie geht von Mallorca über Kalabrien, Albanien, jonische Inseln,  Dardanellen. Bei uns hier in Korsika angenehme 25-27°, am Heck halten sich erstmals wieder tapfere Blumen in der Hängevase 🙂
Erika meldet nachts, daß sie 2 Tage mit dem Zelt allein ihren 1. Dreitausender erklimmt…Den FURGLER, Samnauen.Und Di/Mi den Jubiläumssteig auf der Zugspitze…Tolle Kondition! Alles Gute!

Um 9 Uhr früh segeln wir mit mäßigem Nordwestwind los zum Golf von SOLANA. Abenteuerlich wird die enge Durchfahrt zwischen den Felsen am Kap!
Ile de GARGALO, île Garganello, unglaublich beeindruckend.

Reger_ausflugsverkehr

 Ein Ausflugsschiff jagt mit zu hohem Tempo in der engsten Stelle zwischen den Felsen hinter dem Heck der kleinen EOS heran, hupt, wütend gestikuliert der Kapitän-Macho auf seinem hohen Steuerstand, weg da!!! Aber bei 2,30 m Wassertiefe lassen wir uns nicht abdrängen…

Adieu_reserve_naturelles
Mittags segeln wir  am breiten „Golfe de Galeria“ entlang, ein breiter Sandkiesstrand. Noch wirken die fantastischen Bilder der roten Felsen im Kopf nach, da breitet sich vor dem Bug der 500 m lange menschenleere Strand der „Baye de  CROVANI“… Wie ein regelmäßiges Atmen hört sich das Anschlagen der Wellen auf dem Kies an….4 einsame Sonnenanbeter sind da…Dahinter der Monte Martino, 425 m hoch, mit 8 Windflüglern. Die höheren Gipfel haben 850 Meter.

Ein_bad_neben_klippen
Baden im Meer…Das letzte Mal? Bald sind wir in CALVI. Und es kommt ein Tief mit Mistral 6-? Also noch eine letzte Warteschleife auf Korsika, bevor wir die 2-tägige Überfahrt zum französichen Festland, Nähe CANNES oder Nizza bewältigen. Am 27.9. geht’s heim für mich….

LeuchtturmGolfe_de_girolata

47. BONJOUR, LA CORSE: Ajaccio und Zugfahrt nach Corte

Montag, 12. September:

Segeln nach AJACCIO von 7 bis 13 Uhr

Ein kurzes Wegstück zur Stadt AJACCIO, das die Franzosen A-schak’sjo  aussprechen, mit stimmhaftem sch, 3. Silbe betont. Riesige Bauten an Land, hügelan, im Hafen das monströse Kreuzfahrschiff „Grand Princess“, die Aida, die gelbe Fähre aus Nizza: „Cruisiere Corsica Sardegna“…Leider ohne Erika :-(heute kam die Absage von unsrer Tochter: Erika kommt heuer nicht mehr zum Segeln zu uns. Sie klettert dafür alpin im Stubai-Gebirge..)

Terminal

ßes SchiffStill ist es hier im Hafen, kaum Autoverkehr, keine Musik oder Animation, im Terminal der Cruiser steht sogar ein Schild „SINGEN VERBOTEN!“ Nachsaison. Kaum mehr Bikinis u. Flipflops an Land, die Sachsen aus Dresden von der AIDA knöpfen die Strickjacke zu…

Wir laufen zum „Gare“. Am Bahnhof erfahren wir, daß nach längeren Gleis- u. Reparaturarbeiten am Dienstag, 12.9 erstmals wieder der berühmte Zug AjaccioBastia fährt. Wunderbar, also fahren wir bis CORTE, im Herzen des Gebirges im Landesinnern. Wandern an einem Gebirgsfluß!! Vorher noch ein langer Marsch zum SPAR, einkaufen…

Dienstag, 13. September:

Zugfahrt nach CORTE

Abfahrt_des_frhzugs_ajaccio-co
7 Uhr früh: Der Bahnsteig ist voller Engländer, eine 10-tägige Zug-Reise einer Gruppe Senioren. Der Waggon vollbesetzt. Gleich rattert der Zug auf seiner Schmalspur durch enge Täler, zwischen Wäldern, über hohe Brücken, Blick frei auf hohe fast senkrechte Felsstöcke, steile Wände, baumlose Gipfel, an die 2500 m hoch ragen sie in den blauen Himmel…Um 10 sind wir in Corte.
Am Ziel holen wir uns ein Croissant vom Bahnhofsbäcker. Ständig wird hier Baguette gebacken, 5 cm dünne Stangen, fast jeder Kunde klemmt sich 3 Stück unter den Arm und strebt heimwärts…

Grne_wasser
Durch den lebendigen Ort wandern wir unter der Veste zum Flußtal. Riesige rundgeschliffene Felsen liegen im Fluß Restonica, das Gebirgswasser plätschert munter um sie herum,. Teils grün leuchten kleine ruhige „Seen“ vor ganz kleinen Sandinseln, wo Franzosen auch baden. Am Straßenrand finden sichKletterfelsen mit Metallschrauben…Steil ragen oben die Felswände auf…Gangs von Motorradfahrern dröhnen bergwärts, mit viel Gepäck, Zelt, Isomatten hoch aufgeschnallt, meist zu zweit auf der Maschine.

Felsen-trme

.

Maroni
Maronibäume, Buchen, hohe Kiefern, eine Sennerei mit rehbraunen Kühen und Ziegen, man verkauft Käse, teuer…

Schner_platz_fr_die_brotzeit
Steil ist der schmale Trampelpfad, den wir hinabklettern zum Fluß tief unten. Es gibt Baguette mit Schinken und Quellwasser…alles  sieht aus wie im Tessin an der Maccia hinter Locarno, im Centovalli..

Stadtbummel in CORTE.Ein Café au lait, ein kaltes „Bière à la pression“ (vom Faß)

Caf_au_lait_croissant
Gerhard steigt noch zur Festung auf. Ich bedauere die Bewohner der baufällligen ungepflegten Mietshäuser, außen verlegte dicke Abflußrohre, freihängende Stromkabel, das Clo nachträglich auf den Balkon gemauert…Wie in Bastia 2009 gesehn…Da fehlt wohl das Geld auf der Insel.

Corte
An den bröckelnden Fassaden Parolen wie „Freiheit den Korsen“,“ Wer die Sprache mordet, der mordet das Volk“. Die Straßennamen sind immer mit den alten italienischen Schildern, daneben die in französisch. Bäcker, Metzger, Bars, Schneiderei, sie haben alle Namen und Schriftzug in der eigenen Sprache der Korsen, eine eher italienisch anmutende Sprache, viele u am Wo
rtende:“…u fragnu, a farina, u panatteru, di u Granu a u pane,La Sampiero“ liest man auf der Bäckertüte.

Korsiche_sprache_bckertte
Erst um 7 geht der einzige Zug zurück nach Ajaccio. Eine lange Wartezeit am Bahnhof. Erst um 9 sind wirzurück an Bord. Der Rest Ratatouille vom Vortag mundet, dazu Honigmelone. Am Mittwoch kauft Gerhard noch Brot, 3 maisgelbe Bio-Hühnerschlegel und 2 Halssteaks. So sind wir gerüstet für 2 Ankerbuchten, danach geht’s nach CALVI. Der Mistral 6 wartet schon auf uns…am Wochenende. Da paßt ein Hafen…

Ausblick: am Mittwoch segeln wir mittags weiter, blau das Meer, wolkenlos der Himmel. Wir werden ankern. Wir sind „autark“ und brauchen weder Dusche noch Restaurant. Ab Donnerstag lockt das wohl sehenswerteste Küstenstück, steile Felsen, kleine Fjorde…

46. ARRIVEDERCI, SARDEGNA! BONJOUR, LA FRANCE!

ABSCHIED VON ITALIEN

Rückblick von GERDI, am Mittwoch, 14. Sept. hinter Ajaccio

Gerhard geht es wieder besser! Der Arzt hat ihn gut beraten.

Am Freitag, 9. September 11 segeln wir mit  Ostwind und 5-6 Windstärken raus aus dem geschützten Gemeindehafen von La Maddalena. Ziel ist eine Bucht zum Ankern, „Passo Cerra di Morto“. Die Genua, gereffft, zieht uns knapp 2 Stunden 6,6 sm weit. Wieder , ein letztes Mal, liegen wir im Archipel Maddalena an einer der gelben Bojen, mitten im türkis-blauen Felsengarten. Er ist auch das Ziel vieler Tages-Touristen und Kinder auf den Ausflugsschiffen. Noch sind Schulferien in Italien, auch Schwäbisch und Bayrisch ist zu hören. Mit großen floßähnlichen Booten werden sie ans Sandufer gebracht, um in den „piscine naturale“ zu baden und zu schnorcheln. Dann gibt’s Mittagessen und weiter geht’s zur nächsten Bucht…

Archipel_la_maddalena_2

Der Seemeilenzähler zeigt inzwischen über 1800 sm an…ca.3500 km Törnstrecke in  4 Monaten seit Mai. Unter Segeln gut 3/4 !

Wir lassen uns meinen Salat aus Hühnerbrust und vollaromatischen Kirschtomaten schmecken…Lesen…Die „Zeit“, ein Genuß fürs Hirn.

Aussicht_vom_ankerplatz_aus

Am Abend verschwinden fast alle Yachten, wir bleiben in vollendeter Stille zurück…Der Vollmond wirft sein Licht breit aufs Meer und läßt die Silberwellen tanzen…Etwas wehmütig schaue ich einer griechischen, weißblauen Flagge am Heck einer Charteryacht aus Piräus nach. Italien konnte meine „Sehnsucht“ nach griechischen Gestaden und der lässigen Lebensart nicht „umpolen“…!
Wir genießen eine fernöstliche curry-scharfe Reis-Huhn-Suppe. Hausrezept gegen Erkältung 🙂 Dem Skipper geht’s erstmals besser.

Ein Gulet-Kapitän sandte per email  Fotos von unsrer EOS unter Segeln, schön!

Dscn3409

10. Sept. Wir starten zum letzten Mal in Italien , auf nach Korsika

Früh um 9 brechen wir auf zu unserer letzten Tour in italienischen Gewässern. Ciao, Italia! Wir holen die Gastflagge mit den 4 Mohren und die italienische Trikolore von der Saling und setzen die französichen Farben, blau, weiß, rot! Darunter flattert nun die korsiche Flagge mit dem einen Mohren und der Stirnbinde, wie ein Pirat…

Mittag_in_korsika

 Zuu Mittag gibt’s aber nochmal die ital.Farben bei Tomaten,Mozzarella, Basilikum!

BONJOUR, la France !

Ich muß mein Schul-Französisch in Erinnerung rufen, von vor 45 Jahren am Gymi !!! Dabei ging grad mein Italienisch ganz gut…

Neue_gastflaggen_frankreich_ko

Um 12 Uhr ist BONIFATIO;die stolze Festungsstadt an der weißen Steilküste querab. Wir segeln vorbei…Wunderschön begrüßt uns mit Felsen und einem dicken Turm eine grün bewaldete Ankerbucht mit kleinemSandstrand…“Figari Bay“ – Bucht der Frisöre!
Sonnenbad an Deck. Ich koche abends ein ungarisches Gulasch, mmmh!

Bonjour_la_france_-baya_di_fig

11. Sept. 2011, Segeln nach Porto Pollo

Gedenkfeiern weltweit zum 9/11…NY…2001 !

Um  9 Uhr Anker auf. Zarte Pastelltöne über dem Felsenrund im Meer:Zauberhaft.

Felsengarten

Ich steuere an der Pinne, blicke hoch zur Genua …- da! Ein Loch! Das Segel ist erneut aufgerissen neben der Nahtstelle, die der Schuster in Sardinien geflickt hat…Wir reffen sie ein bis zu der schadhaften Stelle, auch das Groß gerefft…Flottes Segeln bis um 15 Uhr.  PORTO POLLO: Wir fassen uns eine der Bojen. Segelbergen, 10 m störrisches Tuch, 2/3 zerre ich in den Salon, hebe es über den Tisch…Sofort beginnen wir mit der Reparatur, Segelnähen mit doppelter Vorstichnahtm mit gewachstem Spezialgarn… 1,5 Stunden Handarbeit. Der Wind „reißt“ es uns fast aus der Hand.beim Zusammenlegen in Bahnen und beim Aufrollen für den Segelsack…Dann scheren wir die kleine Fock ein.
Passend zum Ortsnamen Porto pollo kräht ein Gockelhahn. Landgang. Das erste dünne Baguette! „Bonjour, Madame!“ Ah, ich bin keine Signora mehr.