38. CARLOFORTE und die "Dienstleister"

EPISODEN IN EINER STADT AM SÜDENDE SARDINIENS

Die „Dienstleister“- oder „wer wo wem was hilft!“

Gerdi am Sonntag, 14.August 2011

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Wir liegen gerade für 1 Nacht vor Anker in der Sandstrand-Bucht Porto Pino, südl. v. Carloforte,der Ostwind pfeift und schüttelt die EOS und wirft nervöse Wellen auf die sonst türkisblaugrüne See…Unser Blick geht auf eine ausgedehnte Sanddüne! Traumhaft gestern der Sonnenuntergang, die Rindfleischbrühe (mit Ossobuco, „Beinscheiben“ ganz frisch vom Metzger) und der Aufgang des Vollmondes über dem oberen Saum der rötlich-golden schimmernden Düne war zauberhaft. Bella Sardegna!

1. DIE KUNST ZU LEBEN – auf Sardiniens Süd-Spitze
Früh am Morgen segelten wir zurück zur Stadt CARLOFORTE…
Samstagmorgen. 10 Uhr früh. Der Schuster „Niki“ ist noch nicht fertig mit der Näh-Hand-Arbeit an unserem im Starkwind gerissenen Genua-Vorsegel.
Er braucht 5 neue Nadeln, und nochmals 3 Stunden für die vielen Stiche…Stoff und Faden hat Gerhard schon gestern abend in diversen kleinen Läden gesucht und gefunden:-)

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Zeit zum Bummeln durch die Gassen. Wochenende. Urlaubszeit. Sommerfreude.
Unter 4 ausladenden Gummibäumen plaudern auf der großen Piazza die Einheimischen auf schattigen Rundbänken, 10 Meter Durchmesser im Rund: Muttis mit ihren Babies, stillend, stolze Papas mit Buggies, aber auch ganz betagte, auch Rollstuhl-Leute. Wunderbar, diese Aufnahme in die Gemeinschaft, auch im hohen Alter.

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Auch für uns heißt es mal:Zeit für eine stille Stunde im Café…!
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Wo die Sonne auf die Stühle scheint, sitzt kaum einer. Aber in den Cafés auf der schattigen Seite der Gassen ist kaum ein Platz frei! Menschen jeden Alters genießen unter Bäumen und Schirmen den Morgen, man begrüßt sich mit 3-fachem Wangenkuß, bestellt einen süßen, goldgelben „Vin‘ Santo“, einen „Caffè corretto“(mit einem Schuss Grappa), einen „Caffè ristretto“ (Espresso, besonders stark) oder einen mit schaumiger Milch, den „Caffè macchiato“, meist mit einem warmen braunen Cornetto dazu auf die Hand (Croissant mit Aprikosen-Marmelade).
Die Bedienungen sind gerade am Morgen ausgesprochen liebenswürdig! Ohne sie ginge das gar nicht, dieses Hinsetzen und alles kommt von selbst, dieses kleine Glück am Morgen, vor der Hitze…Grazie …

DIENST-LEISTER“ –  ein so wichtiger Beruf, egal in welcher Branche. Erika hat uns das mal so schön erklärt: „Er muß dem Kunden/Gast jeden Wunsch von den Augen ablesen und immer lächeln, gute Laune machen, der Gast soll sich wohl-fühlen!„…Ich fühle mich auch wohl: bei einem Stand an der Lungomare fand ich ein Kleidchen in froschgrün, reines kühlendes Leinen, mit Häkelpasse am kleinen Ausschnitt, made in Italy. Der Verkäufer war ein ca. 18 jähriger schlanker „ganz schwarzer“ Junge. „Sono Tedesca! E tu?“ Erstaunt guckt er mich an. Wohl selten fragt ihn, den Dienstleister, den einfachen Verkäufer, ein Kunde nach seiner so fernen Heimat.
 „ Io???  Sono di SENEGAL!“ Vom „Bauch“ an der Westküste, im oberen Drittel von Afrika. Im Süden von  Mauretaniens riesigen Wüsten. „Do you feel homesick?“hake ich nach. Ein fast wehmütiges Lächeln huscht über das Gesicht… „Oooh….YES, I do….!“

2. Episode:
Die fesche Servier-Dame im „Due Palmi“

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Schon am Abend wurden wir so reiz-voll bedient von der attraktiven Dame in der Pizzeria „Due Palmi“ am Hafen, unter Palmen. Sie war bezaubernd, südländisch, schlank, sportliche Figur, Kurzhaarschnitt, und mit einem wundervollen sonoren tiefen Timbre in der Stimme, wow! Ich bestellte mir Muscheln, Gerhard eine „Pizza quadro stagioni“, und ich korrigierte die Aussprache schmunzelnd, da es ja sinn-entstellend ist mit „tz“… Da erklärt sie dem Signore äußerst charmant, daß es nicht „stazioni“ mit z (Bahnhaltestelle) heißt sondern Sta-dsch-ioni mit stimmhaften dsch!
Die Muscheln schmeckten köstlich…

3. Episode:
Der singende Schuster und das Segel 

In der Via Napoli fand Gerhard am Vorabend in einer schmalen Gasse jenen Schuster, der „auch Segel flickt“. Er braucht Segeltuch, Faden, Nadeln. Also fragt sich der Skipper durch von Stoffladen zu Handarbeitsgeschäft, zum Heimwerker- u. Haushaltwarenladen…Er bringt dem alten Mann, Niki, alles hin, und der schätzt mal so 8-9 Stunden Handstichelei….Welch markantes Gesicht. Wie Charles AZNAVOUR…Ob er auch so gut singt? Die titel der Oldies und Ohrwürmer auf einer Zeitungskopie an der Wand der Werkstatt deuten es an…

Wir laufen aus und segeln mit gutem Wind hinüber zur Insel Isola Piana, grillen Spieße mit Zwiebeln, roter Paprika u. Schweinefleisch, erleben vor Anker um Mitternacht ein brillantes Feuerwerk am Gegenufer…An Geld mangelte es den Veranstaltern nicht, 30 Minuten vom Feinsten. Auftakt zu der 3-tägigen Fiesta, FERRAGOSTA, Mariä Himmelfahrt. In den Kirchen von Carloforte waren die Altäre mit weißen unzähligen Lilien geschmückt, deren Duft so betörend ist.

Der Flickschuster nähte am Abend  die Nacht, er nähte früh um 10 immer noch…“Quando finito??“

„Mezzogiorno. Dodici + trenta minuti!“
Niki sitzt auf der engen Gasse gegenüber von seiner kleinen Werkstatt, die 12 Meter lange, störrische Genua hat er vor sich als weißen Haufen, und er näht Stich für Stich, erst die gerissene Naht, dann näht er einen meterlangen 15 cm breitenStoffstreifen über das abgerissene Achterliek. Er hat zuerst dieSegeltuchstreifen aufgeklebt, wie ein Verband :-), danach stichelt er mit Vorstichen…. Jetzt tut ihm sicher die Näh-Hand enorm weh!!! Eine anstrengende, einseitige Belastung! In seiner Werkstatt mit den Schuhen hängen an der Wand Zeitungsausschnitte, wo er mit dem Mikrofon in der Hand steht und Canzone singt, teils wohl selbst erdachte, aber auch Ohrwürmer wie „Ramona“, „Marina“, „Amore“, Qu’è sera,sera? Capri u.a. Ich singe einige Lieder an und er „begleitet“ mich mit seiner kraftvollen wundervollen Tenorstimme. Ein Hochgenuß!
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Nach unsrer gemütlichen Café-Pause ist das Segel um 1 fertig! Zu dritt breiten wir das Riesendreieck in ganzer Größe auf der Gasse aus, die Autos müssen kurz warten, legen die 15m-Bahn zu Dritteln in Bahnen und klappen alles wie eine Ziehharmonika zusammen, bis es in den Segelsack 1,20 x 50 passt. „Quanto costa, Signor?“ – Pause. „Aaaah, cento Euro!“ Molto lavoro !!! Dieci ore!“
„Capito! – Va bene!“ Ein Handschlag, eine herzliche Umarmung, bacio, bacio!

4. Episode:

 SCHUH-MACHERIN à la mode: ESPADRILLOS in Handarbeit

In direkter Nachbarschaft zum Schuh-Flicker hat eine ganz junge Schuh-Handwerkerin ihre Werkstatt. Man wählt aus dem Regal die passenden Schuh-Sohlen, geht zu den Bändern, Riemchen, Knöpfen, Schleifen, Blüten und Perlen in allen Farben und wählt nach Laune oder Farbton des Sommerkleides aus. Auch für kleine Signorinas gibt es viele Accessoires.

 Dann reicht man das Gewünschte an die Leder-Bastlerin, und schon beginnt sie die kunstfertige Arbeit. Sie stanzt Löcher oder Schlitze in das cm-dicke naturbelassene Leder, fädelt die Riemen ein, befestigt sie, schmückt sie nun nach Wunsch, setzt Blumen oder Schleifen, Perlen oder Holzstückchen, Korallen oder Knöpfe auf, bunt und fröhlich. Jedes Latschenpaar ein handgefertigtes Unikat aus Leder (biologisch) …

5. Episode: SMUTJE AN BORD

GERDI , DIE  SUPPEN-KÖCHIN 

Wir bummeln durch Carloforte auf der Suche nach einem Metzger. Eng sind die Gäßchen, mal bloß 1 Meter schmal, und düster! Manchmal steckt ein Brief ganz sonderbar senkrecht in einem winzigen Schlitz zwischen Haustür und Mauerwerk! 1x ist erklärt, wie das funktioniert und ich fotografiere es: „Posta“! Einfach in den Schlitz in die Wohnung schieben. Geht aber nur bei einem einfachen Brief und Postkarten. Originelle Idee.

Bei einer versteckten Macelleria kaufe ich 2 Scheiben Ochsenbein, Ossobuco mit Knochen, für eine Rindfleischbrühe. In einem mit Waren vollgestopften, südländischen Negozio finde ich statt Brot die letzten Panini(Brötchen), kleine „Crema caramella“, frischen Salbei, saftige Pfefferminze(die Sardinier machen Pesto damit,  zum Fisch! Ich mach Pfannküchlein)
Ich entdecke versteckten Rosmarin, Zitronen mit Ast und Blättern, Prezz`émolo= Petersilie, das allerletzte Sträußchen heute!…(vor den 3 lande
sweiten nationalen Feiertagen müssen alle Frauen wie bei uns an an Weihnachten für 3-4 Tage und meist ein Festessen mit Verwandten einkaufen. An der Wurst- u. Käsetheke zieht man eine Nummer und stellt sich an, bis man aufgerufen wird. Ruhe, geduldiges Warten. Die Bedienung ist freundlich, die Leute fröhlich. Man plaudert. Ein Nachbarschafts-Treffpunkt.
Draußen Sonnenschein, viele Autos heute, Parkplatzsuche, Roller…Badehandtuch über der Schulter, Wasserflasche leger in der Hand…

 Volle Cafés, Gedränge auf den Boulevards mit den hübsch dekorierten Läden, den Gioielli (Juwellieren) mit der großen Auswahl an Korallenschmuck, den Souvenirshops mit handgeflochtenen sardischen Korbwaren und handbemalter Keramik. Urlauber und Einheimische mischen sich.Wir laufen zum Kai, wo die EOS längsseits schaukelt. Und dann nütze ich den milden Seegang und koche meine (von der ganzen Familie gerühmte typische MAMA-Rindfleisch-Suppe, auch eine Art „Dienstleistung“

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MEIN REZEPT:

Knapp 2 l Wasser
1 Tl Salz, 2 Brühwürfel Biorind oder WELA-paste
1 Tl Zucker
2 mit 3 Nelken gespickte Zwiebeln, geschält, im ganzen
3 Knoblauchzehen
1/2 Zitrone im ganzen
2 gr. Lorbeerblätter
1 Strauß frischen Salbei
8 Basilikum-Blätter
1 Zweig Rosmarin
6 Wacholderkörner
6 Korianderkörner
8 Pfefferkörner, schwarz
1 Msp Chili-Samen
Muskat, gerieben
etwas Kurkuma oder Safran zum Gelbfärben
2 Eßl Worcestersauce
1 Tl Balsamico-Essig
Origano od. Majoran
4 Kirschtomaten, 1/4 rote Paprika(oder Karotten)
1-2 Kartoffeln in Würfeln
Selleriegrün?
1/2 Tasse Olivenöl
1 Tasse  feinen Weißwein

1.Behutsam das Wasser mit den Gewürzen zum Kochen bringen.
2.Vorsichtig die 2 dicken Scheiben Ossobuco vom Rind oder Kalb einlegen.

Im Drucktopf auf Stufe 2 in 35 Min. butterzart und deftig im Geschmack.

Mittags setzen wir Segel und verlassen den Transit-Platz längsseits am Kai. Wir segeln mit gutem Wind und Schräglage flott (mit für die EOS‘ max. 6 kn!) – nur mit Groß und „kleiner“ Fock – wieder Richtung Süden und um die Insel Antioco herum zur großen Sandbucht Porto Pino. Eine helle Düne, türkisblaues Meer.Strandleben. Musik. Motorboote, die fullspeed um uns herumdüsen.
Wir verspeisen die feine Suppe und im Mondschein gibts noch die Karamel-Crème!!!
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Als die Suppe fertig ist, sinkt rot der Sonnenball ins Meer bei der Vogelinsel…und aus der Düne erhebt sich der riesige gelbe Vollmond. Ich muß schon ein wenig resolut sein, damit Gerhard 1/3 der Fleischbrühe auch wirklich übrig läßt 🙂 für den nächsten Tag! Als Dessert gibt es im Mondenschein Crème Caramel! Savoir vivre auf der EOS ! 

Meteo meldet weiterhin Mistral, 4-6, also starke Nordwinde. Da ändern wir unsren Plan: statt der West-Küste nun eben doch die Ost-Küste hoch !

Ab 23 Uhr lebhafte Urlaubsstimmung mit Musik für die Jugend an Land. Bis um 3 früh.

PS: Nachts um 23 Uhr SMS von Erika: „Wow, Oslo.was für eine Stadt! Sonne,18°C noch um 9 abends, Vollmond überm Hafen, junge internationale Menschen, endlos viele Bars. Oslo beeindruckt.“
Das freut uns. Auch wenn die Jotunheimen-Tour wohl mal privat gewandert werden „muß“…

37. WARTEN

Gerhard:

Internetwetter 05. August: Mistral im Löwengolf vor Südfrankreichs Küste. Windstärke 8.

Das Tief zieht ostwärts und wird auch der Westseite von Sardinien Starkwind senden. Wir bleiben im Südosten Sardiniens unter Landschutz. 3 Tage später finden wir Schutz in der Bucht Malfatana.

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Der Hügel über unserer Ankerbucht teilt die Windrichtung. Mal kommt er von Norden, mal von Westen. Alle Schiffe geigen hin und her. Sandgrund, ein Tauchgang und das „Einfahren“ mit Motor bestätigt: Der Anker wird halten, auch bei starken Böen. Die kommen auch, der Mistral hat uns mit voller Stärke erreicht. Unser norwegischer Nachbar ankert ungünstiger, sein schönes, altes Schiff driftet. Ich mache ihn auf das Missgeschick aufmerksam. Mit viel Mühen und 2 Ankern findet auch er nach mehreren Versuchen Halt. 

Wetterbericht 07. August abends: Windstärke 7 in unserem Bereich, übermorgen abnehmend.

Wir warten hier in der Bucht auf weniger Wind. Bei diesem Wind gegen an fahren belastet Schiff und Mannschaft. Wir haben Zeit. Warten kann schön sein. Eine hübsche Gegend, ringsum Hügel, ein Sandstrand, lustiger Strandbetrieb, mit angenehmer Musik untermalt, es ist Ferienzeit. Abends steige ich auf einen der Hügel, der Übersicht wegen. Fehlanzeige: Alles Macchia, meine Beine werden arg zerkratzt. Oben keine besondere Sicht wegen hoher Büsche, die Kamera streikt. Da freue ich mich auf Gerdis Abendessen: Auberginengemüse und Reis.

Abends lässt der Wind stark nach und sendet Böen aus allen Richtungen. Die Boote nähern sich unangenehm und um 2 Uhr nachts stößt Norwegers Boot an EOS. RRummsss! Sternenklar, Sternschnuppen (man darf sich was wünschen, muß aber schweigen). Eigentlich eine herrliche Nacht. Wir vereinbaren, dass der junge Norweger noch 20 Meter Ankerkette mehr gibt, damit er hinter EOS kommt. Das klappt und der Rest der Nacht bleibt friedlich. Morgens schöner Wind. Ich traue dem Frieden nicht, die nächtlichen Böen lassen mich an den vorhergesagten schwächeren Winden zweifeln. Nochmal einen Tag und eine Nacht in der stark belegten Bucht warten? 

Um halb 7 wecke ich Gerdi und wir verlassen den Ankerplatz.  Noch schläft der Mistral. 270°, nur ein Katzensprung zur Zafferano Bucht, eine Seemeile nördlich vom südlichsten Punkt Sardiniens. Auf halbem Weg zeigt der Mistral, was er kann, genau von vorne. Wir aber kommen bald in den Schutz der Bucht. Wunderbares türkisblaues Wasser und bester sandiger Ankergrund erwarten uns. Die Gegend erinnert an Griechenland, felsige, teils kahle Berge, kein Haus zu sehen, kein Badebetrieb (klar, die Gegend ist Schießgebiet für die italienische Marine, aber im August für allgemeinen Betrieb freigegeben. Der Wind faucht im Rigg.

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SMS Wetterbericht 10. August, vormittags: Wind abnehmend, Stärke 3, morgen 2. Amtlicher italienischer Wetterbericht zur gleichen Zeit: Stärke 8, morgen auch Stärke 8. Wem sollen wir glauben? Egal, die Gegend ist so schön, Wasser und Essen haben wir noch. Gerne warten wir einen weiteren Tag.

36. VIVA SARDEGNA! Ankunft in CALGHIARI und weiter zum Südkap

GERDI’s Rückblick am 9.August 11

 

Wir bleiben nach der langen Nachtfahrt noch einen Tag vor Anker in der weiten Bucht „Porto Giuneo“, deren türkis-blaues hell leuchtendes Wasser einfach unbeschreiblich ist. Schon 2009 staunten wir über den Farbton in grün und blau, wo sieht sonst nur ein Swimmingpool aus. Allerdings schaukelten die hier ankernden Schiffe enorm… wenig Schlaf in unsrer schönen Schiffschaukel…
Am 4. August genießen wir einen flotten herrlichen Segeltag, von 9 – 16 Uhr…gereffte Genua, 4-5 bft, wunderbar 🙂 !
Dann taucht sie auf, die Schöne:
CAGLIARI, die stolze Stadt am Hügel, mit Festung, Kirchtürmen und der Kuppel der Basilika.
große Wellenbrecher schützen die Stadthäfen, die Hafeneinfahrt ist 400 m breit!

 

Die „Marina del Sol“ kennen wir schon, schlicht, Mooringleinen, derbe Holzbalken als Steg, ein Einkaufswagen für die Mülltüten,nur 28 ?? pro Tag, im Zeltling 1 WC und 2 Mini-Duschen, die Bar unter Zeltplanen, der „Opa“ mit weißem Vollbart, der Tisch voller Bücher(leider nur 3 deutsche, wir bringen nun 12 neue). Es liegen hier mal einige „kleinere“ Yachten wie die EOS!!

 

Man weist uns einen Liegeplatz an, mein Italienisch wird verstanden:-).Blick auf die Stadt und die andren Marinas, die Kreuzfahrtriesen. Alle 3 Minuten röhrt ein Touristen-Flieger hin oder weg. Die Wasserball-Polo-spieler in ihren Kanus, die seelenruhigen Angler mit ihren geduldigen Frauen, daneben das Mofa.
Nachts lauschen wir der hervorragenden Musik aus der nahen Arena: Das Musical „Der Glöckner von Notre Dame“- stimmgewaltig, dramatisch. (3x sind wir Zuhörer ohne Billet!) Es ist fast wie bei den Bregenzer Seebühne…

 

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Auf geht’s mit Rucksäcken zum SUPERMARKET ROMANA, ein „Hatsch“ von ca. 2 km in praller Sonne. Hier gibt es alles! Fein sortiert, liebevoll drapiert. Aprikosen, Birnen, Nektarinen, Melone, Salat aller Sorten, frische Basilikumblätter 🙂 und Tomaten und Mozzarella, Eissalat, Broccoli, Aubergine viola, Salbei und Rosmarin für das frische Huhn! Milch, zu unsrer gr. Freude sogar den geliebten GRIECHISCHEN Joghurt, denn in Italien gibt es fast gar keinen Joghurt naturale, alles nur süß und mit Frucht.
In Bedienung holen wir uns dann leckere Mortadella und Salami :“sottile, sottile“, ganz dünn aufgeschnitten. Man amüsiert sich, daß eine deutsche Signora den Fachausdruck kennt.“Brava, brava!“ freuen sich die Damen.
Amüsiert lese ich auf einer lacchsrosa Tube französischer „Pâté“ mit Kaviar-Creme diesen Satz: „Voulez-vous pâté avec moi?“ Witzige Werbe-Idee in Erinnerung an den Siegersong der 2 kleinen Russinen bei einem Songcontest „“Voulez vous coucher avec moi?“ 

 

Auch die einzige „Lavanderia“ für unsere Wäsche finden wir endlich in einer winzigen Gasse bei einer Kirche. Ein Glücksgriff, gut, daß ich genug Italienisch kann, um durch Befragen einiger Leute dieses Versteck zu finden. Mit Bettzeug und 5-6 Frottées, Shorts und Shirts und Spültüchern ist die 60°-Wäsche nach 3-4 Wochen doch nötig!

 

Wie Esele schleppen wir unsre Schätze heim und laufen erneut los: wir brauchen eine neue Fockschot! Sie kostet mit 3 ?? pro Meter nur halb so viel wie in Palermo, bei 30 m doch ein Vorteil.

 

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Am Abend wandern wir in die (ferne) Stadt und hoch zum Castell. Immer bergan. Bis zur hohen „Burgmauer“ und rüber zum Schloß oder wie man das riesige Bauwerk nennt:  Wuchtige Mauern, große Treppen, eine riesige Piazza mit hohen Palmen und zum Rasten einladenden Bänken, Fare niente am endlich kühleren Abend, auf glänzendem Marmor spielen Kinder Fangen und Ball…Wer die innerstädtische „Bergtour“  🙂 körperlich oder altersbedingt nicht mehr schafft, kann den Lift nehmen!! So können auch in die Jahre gekommene Bürger/innen ihren vom Wind durchlüfteten wunderschönen Lieblingsplatz mit Blick über Stadt und Meer noch lange genießen am Abend über Cagliari…

 

 

 

Fein gekleidete Damen und Herren mit Stola und Jacke stolzieren zum Konzert, Mozart wird gegeben, auch in einer Kirche ertönt nach dem Chor Beifall. Junge Liebespaare turteln auf der umlaufenden Marmor-Sitzbank an der Ballustrade. Im warmen gelben Lichtschein der großen Kandelaber ein wirklich romantischer Abend…

 

 

 

 Ich fotografiere erstmals im „Dunkeln“ mit meiner Canon IXUS 8015 – und bin erstaunt, daß es Fotos gibt!
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Am Rückweg durch die Arkaden mit feinen Läden, vielen Bars, einer Eisdiele, in der wohl 100 Kunden geduldig in Schlange anstehen, ihren Bon kaufen, wieder 10 Minuten anstehen, – und dann das beste Eis der Welt bekomm
en: „Gelato artigianale“ , handwerkliche eigene Eis-Herstellung verheißt das Schild. Manche kaufen den Liter in der Styroporkiste à 16 ??, andere sitzen auf den Holzbänken im Freien und schlecken genüßlich ihr Lieblingseis im „Corno“ (Waffel-Hörnchen) oder „Coppa“ (Becher+Löffele)…Ein Schauspiel. Alle Altersklassen und Gehaltsgruppen friedlich vereint im Genuß! Bella Italia!

 

Freitag, 5.8.: Wir wandern um 9 früh in die Stadt, finden das Internet-Café Underground(wie 2009) in der Via Napoli, senden den blog von der Überfahrt.

 

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Im Kühlschrank sind Tramezzini vorbereitet, diese typisch italienischen in Dreiecke geschnittenen 15×15 cm großen hellen Weißbrotbrotscheiben, die mit gekochtem Ei und Krabben oder Schinken und Majo oder Lachs und Rukkola gefüllt werden.Ein Kommen und Gehen der Internet-Nutzer, Pärchen im Urlaub, die nach Hause schreiben, auch afrikanische tiefschwarze junge Männer mit weißblitzenden Zähnen wie Perlen und einem bezaubernden Lächeln in den schwarzen Augen, hinter denen die ganze Fluchtgeschichte verborgen schlummert…oder „brennt“….

 

( 2. Teil!) gerdi

 

 

 

NOSTALGIE – EIN LADEN, DER SCHÖNES UND ALTES BEWAHREN HILFT

 

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NOSTALGIE –  IN LÄDEN; DIE SCHÖNES UND ALTES  BEWAHREN HELFEN
Wir finden einen Elektroladen mit „antiker“ wunderschöner Einrichtung, mit 4m hohen Holz-Vitrinen mit Glasfronten, einer wohl 100 Jahre alten Trittleiter zum Hochklettern, einem der ersten großen Radios mit „magischem Auge“ und einem Platttenspieler hinter Hochglanzholzfronten.
 Die Auswahl originaler alter Steckdosen und Schalter ist umwerfend, es gibt nostalgische Kabel und Leitungen, die verspielten Lampen mit Glasschirmen entzücken wohl nur Italiener…

 

 

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Nebenan, in vicino, ist die Taverna „LA PIRATA“, davor ein ganz niedriger Oldtimer, ein Unicum von Auto! Es gehört dem Chef der Kneipe, er legt Elvis Presley’s alte schmalzige elegische Schnulzen auf, zum Schmelzen…Und Beatles…Nach dem Espresso tanzen wir ein paar Takte Langsamen Walzer an der Theke….:-)

 

  

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Zurück am Schiff koche ich um 4 trotz der gr. Hitze, 40°…Scirocco! 4-6 bft.

 

HUHN ORIENTAL:

 

1 Zwiebel + 6 Knoblauchzehen
2 große ganze Hühnerschlegel, 6 Std. in Gewürzen mariniert.
2 Zwiebeln, rote, mit 3 ganzen Nelken gespickt
1 rote Paprika in Streifen à 1 cm
1 Zimtstange
3 Stengel frischer Salbei
2 Stengel Rosmarinnadeln
1 Lorbeerblatt
Currypaste hot, 1-2 Tl
5 Pfefferkörner
1 Tl Chili-Kerne
1 Tl Sumac
2 Würfel Hühnerboillion
2 Kartoffeln in Würfeln
1 kl. Glas Wein

 

In heißem Öl die Hühnerschenkel anbräunen, raus nehmen
Zwiebelwürfel und grobe Knoblauchscheibchen in Olivenöl und Zucker karamelisieren.Falls das Fett zu braun wurde, im frischen Öl! Kräuter und Gewürze kurz dazu.
Mit 1 Tasse Wasser und Wein ablöschen, das Huhn zufügen, die gespickte Zwiebel, die Currypaste+ Hühnerbrühe dazu.

 

Drucktopf auf Druck bringen, 20 min auf kl. Flamme garkochen, sofort öffnen.
Es schmeckte himmlisch, auch noch am nächsten Tag…!!!

 

Am Samstag holen wir die frisch gewaschene Wäsche, heiße 39°..

 

Rosa leuchtend fliegen immer mal wieder Geschwader von FLAMINGOS in Formation am Himmel. Sie haben ihr Revier in der Lagune und dem großen See.

 

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Am Abend wandern wir erneut von 19 – 24 Uhr, wohl 10 km, Altstadt, Festung, …
Eine Straße, menschenleer, hinter dem Torre Elefantis, sieht aus wie eine Kulisse aus einer italienischen Oper, irre im Schein der Laternen…

 

Nacht-Straße oben am Turm Elefantis

 

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Mezzanotte: Wir genießen 1 Teller HUHN als Mitternachtsmahl an Bord.

 

 

*********NEUER BLOG NACH CAGLIARI*********

 

WONNE-SEGELN  

 

Sonntag, 7.8.: Ein Segeltag wie aus dem Bilderbuch. Wind, blaues Meer, moderate Wellen. Genua gerefft, Großsegel, voll gegenan…An stb die Küste Sardiniens, Berge, grün und oben siena-braun. Wir kreuzen den ganzen Tag auf, 20 Seemeilen auf der Kreuz, herrlich. Mittags gibt’s bei Schräglage frisches Obst, dann nähern wir uns den „torre“, den markanten dicken Türmen und ankern in der Bucht bei Capo Pula beider antiken  Stadt Nora aus der Römerzeit,. Ein Badeparadies. Touristisch. Alles Italiener. Viele Kinder, die viel lachen und oft singen. Urlaubshochsaison. Bei den Yachten nun auch Korsen und Franzosen.

 

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 AUF ZUM SÜD-KAP (Gerdi)

 

Am Montag. 8.8. eine SMS vom Jojo vom Kajak-Urlaub auf den Alandinseln vor Finnland, zw. Turku und Stockholm, zuviel Wind zum Paddeln…Erika meldet, daß sie die erhoffte 3-Wochen-Trekking-Tour via Gletscher und  Jotunheimen/Norwegen nun nicht führen „darf“, sondern eine Tour mit „viel Museen“ leiten „muß“ in Schweden…

 

Nach einem Landbummel, halbgefrorener Limettenlimo (+glücklicherweise gab’s auch Ciabattabrot in der Taverne) machen wir uns um 11 auf zum wilden Capo Spartivento. Sofort aufbrisender kräftiger Wind, 5-6 bft, traumhaftes Aufkreuzen unter gereffter Genua und vollem Groß…Hart am Wind, mal 150°, mal 260 ° Kompaßkurs, viel Ruderdruck. Sportliche Krängung, Wasser über, das ganze Deck salznass…

 

Ich steuere von Hand an der Pinne und es ist ein Traum….Am Kap aber dann doch heftiger, aggressiver Seegang, kabbelige spitze Brecher.
Der Bug bäumt sich steil auf, saust ins Wellental. Ach, es ist wie in Griechenland 2010…Flotte Fahrt gegenan. Mit  6 – 6,5 kn, das ist Eos‘ maximale Geschwindigkeit. Starke Krängung, herrliches Segeln!!! Mistral vom Feinsten, voller Temperament, aber segelbar.

 

„Kiter“ mit einem irren Tempo rasen mit ihrem Brett vor unsrem Bug quer rüber, wenden, zirkusreif, ein Sieg der Physik, ein Wahnsinns-Sport! Nach 4 Stunden bei Windstärke 6 entlasten wir unser doch schon fast 40 J. altes tapfer kämpfendes Schiff, nehmen die Segel im Starkwind herunter ( ein Lob dem neuen Baum-Reff!)  und bitten den Motor um Hilfe. Mit 2000 Umdrehungen gegen den Wind quält sich der Rumpf durch die Kap-Wellen, weiß nur noch die hohe Gischt am Bug, ein uns überholender Motoryachtler zeigt uns mit dem Victory-Zeichen seine gr0ße Anerkennung. Über 2 Stunden in Salzgischt und wilder Bewegung steuern wir in die Ankerbucht …es sind schon viele da.

 

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17 Uhr: die Badebucht „Porto Malfatano“, hinter der kl.Insel TUAREDDA: malerisch! 2 Felsenkliffs ragen aus dem umtosten Meer, dahinter fast „still“! Wir ankern, 23 Seemeilen waren es heute.

 

 

 

 2 Norweger sind neben uns, Vater im Alu-Traum-Schiff( wohnen drauf in Neapel mit Adoptivtochter), Sohn in Daddy’s nostalgischer völlig renovierter 30 J. „alten“ GfK-Yacht, die aussieht wie die Eos, nur ohne Mahagony oben.
Ich fotografiere mal das türkisgrüne Meer, senkrcht neben der Bordwand- und es sieht aus wie unsere Seekarte von hier. Irre. 🙂
Nach dem Nachtmahl spiele ein kleines Nachtkonzert auf der Blockflöte, International. Applaus…! 🙂

 

Ganz ruhig die Nacht.Für morgen sind 7-8 Windstärken gemeldet…Mistral….

 

Am Dienstag-Morgen um 9 erhascht er uns. Die wilden Böen zerren an allen Ankern der Yachten, unsrer hält, manch andrer nicht. Ein Teufelstanz in den Böen….Die Schiffe jagen um ihre Anker wie wilde Tiere. Wir bleiben lieber noch 1 Tag. Das nächste Kap zum offnen Westen ist da nicht grad so verlockend zum Umschiffen….

 

 

 

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34.Versteigerung in Palermo

Gerdi und ich schlafen gut im Hafen von Palermo. Kein wildes Schaukeln wie vor den Küsten der Äolischen Inseln.

Etwa um 4 Uhr wecken mich laute Stimmen von der gegenüberliegenden Hafenseite. Streithähne? Betrunkene? Dazu waren die Stimmen zu gleichmäßig, zu regelmäßig und auch zu melodisch. Auch als es dämmerte, änderte sich nichts. Da müssen mündliche Geschäfte im Gange sein! Fischhandel? Auktion?Gemüse?

Ich stehe auf und laufe um den Hafen herum. Nur wenige Menschen unterwegs. Bis zur großen Halle. Da ist der Teufel los. Lkw´s, Gabelstapler, Dreiradwagen, Handkarren. Kräftig gebaute Männer schleppen Kisten mit sortierten Fischen, große Schwertfische an Haken. Fische und Schalentiere aller Art. Mich und mein Fotoapparat nimmt niemand zur Kenntnis. Plattformen sind aufgebaut. Ein Mann nennt die Fische vor ihm, andere antworten, ein tolles Durcheinander! Aber nur für mich. Da wird gesteigert! Laut und mit geröteten Gesichtern, voller Konzentration. Im Sekundentakt werden Angebote gerufen.  Einer -der Käufer!- schnappt sich die Ware, erhält vom Versteigerer einen Zettel und nach 5 Sekunden wird schon das nächste Angebot ausgerufen.

Schade, ich erlebe nur noch die letzten Angebote mit. Es wird ruhiger. Verschämt zählt der eine oder andere seine Geldscheine. Der Markt beruhigt sich, man raucht, trinkt einen Caffè zusammen. Die letzten Fuhren werden abgefahren.

Als die Sonne aufgeht, ziemlich genau um 6 Uhr, ist alles ruhig wie die Stadt selbst um diese morgendliche Stunde.

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33. ROMANTISCHER ABEND IN PALERMO…und weiter zur Insel USTICA

Gerdi,29.-31.Juli 2011

Unser 2.Tag in PALERMO,  der großen Stadt am Meer.

Am frühen Morgen wird Gerhard wach von lautem Rufen, ja Schreien. Er macht sich auf die Suche nach der Quelle der ungewohnten Stimmen: Fisch-Auktion! Ein Erlebnis der besonderen Art für einen Binnenland-Bewohner!
Später bummeln wir wieder durch die engen Gassen mit den dicht beieinander stehenden hohen uralten, verwohnten Häusern, oft 4-6 Stockwerke, die kleinen Wohnungen mit schmalen Balkons, die auf je 12 schmiedeeisernen zu Schnecken gedrehten Eisenträgern ruhen, oft dicht berankt mit Kletterpflanzen oder bestückt mit Blumenpötten, auch Basilikum, davor flatternde Wäsche. Jeder kann dem Nachbarn reinschauen, und sicher auch alles mit-hören… In den ältesten un-sanierten, oft baufälligen  Altbauten (ohne Verputz, die Abflußrohre und Stromkabel außen an der Mauer befestigt), hausen sehr alte oder auch  sehr junge Leute, kinderreiche Familien, und viele dunkelhäutige Zuwanderer…Manche Fahne zeugt von deren ferner Heimat… Ob sie hier Arbeit fanden? Und bleiben können?

Stille_gasse_nachts

Auf freien Mauern viel Graffiti, ähnlich wie in den Hausbesetzer-Zeilen in Hamburg oder in Ur-Kreuzberg…
Fröhlich aber die Bürger, flanierend zwischendrin die italienischen Touristen. Vom 1. August an schließen fast alle italienischen Firmen, Büros, Fabriken ihre Tore, wie in Frankreich, und das Land macht gemeinsam Betriebsferien! Wir werden es zu spüren bekommen in Sardinien!
Zauberhaft das bunte abwechslungsreiche Durcheinander:
Spezialitätenläden, Vinotheken, Metzger, Geflügel+Eier, viele Motorrad-Werkstätten(unter freiem Himmel, dahinter eine 2 m schmale uralte Garage im engen „Haus“, das oft drüber leer, verfallend, unbewohnt ist.Zur „Siesta“-Zeit am Nachmittag  von 1-5 wird ein alles verbergendes Stahlrolltor runter gerollt, ein dickes Vorhängeschloß versperrt, man sieht nicht mehr, was sich dahinter am Abend präsentiert. Ein Schreibwarenladen, Second-hand-Klamotten, Fisch, Gemüse?

Die paradiesischen Obststände sind in italienischer Manier farbenfroh und appetitlich aufgebaut, sehr ordentlich, sehr einladend. Im Moment Gebirge von grünen, rotfleischigen Anguria, Wassermelonen, 40 cm lang, und gelbe süße kleine Birnen, orangen leuchtende Pfirsiche, reife rote Tomaten, meist die kleinen Strauchtomaten, die hier billig sind! Oliven aller Sorten in Fässern, geschälte rohe Kartoffeln in Wasser-Tonnen, Bündel von Origano, köstlich süße rot-violette Zwiebeln im Zopf geflochten, schneeweiße oder lila Knoblauchknollen, große gelbe Zitronen, Kokosnüsse, gelbe Honigmelonen…Himmlisch. Die Italiener wissen genau, in welche Cafés oder Bars man zu welcher Tageszeit geht, bei knallheißer Sonne drängen sie sich unter dicht belaubte Bäume in den herrlichen Schatten, der mit riesigen Marmorblöcken gepflasterte Gehsteig und die ebenso befestigte Straße davor wird mit dem Wasserschlauch blitzsauber gehalten und gekühlt! Auch vor den Läden! Man kauft mit Plastiktragetüten ein. Touristen erkennt man am Rucksack :-)…
Wir bummeln durch die Shoppingmeile, mit Läden wie in N.Y. oder Paris. In Hafennähe pulsiert der Wochenendverkehr über die Küstenstraße, an der eine Extraspur für Jogger und eine für Fußgänger abgeteilt ist. Auf der Landseite viele Bars, Gelateria, Pizzeria,…Am Abend wollen wir noch was Nettes finden für den Abschied von Sizilien.

Am Abend spazieren wir vorbei am nagelneuen Hafenareal, wo immer noch puppenhafte Bräute und die Olà-Welle der Hochzeitsgäste fotografiert werden…Der Rollrasen wird pausenlos mit Wasser besprengt, Kinder kugeln sich fröhlich die kleinen Abhänge am ultramodernen Ruder-Clubhaus herunter.
Gerhard hat am frühen Morgen ein romantisches Gartenlokal in der Altstadt vor einer Kirche entdeckt. Dahin wird er mich ausführen 🙂 und wir reservieren nach ital. Sitte rechtzeitig  für „alle otto una tavola per due persone“, al giardino.

Die Gasse wieder mit Marmorpflaster, ein Gehsteig daneben, ausgespart immer die Einfahrten zu den 6 m hohen Toren, in die früher die Fuhrwerke und Kutschen einfuhren. So manches Portal offenbart einen ‚Blick in ganz edle Treppenhäuser, hohe Wände, feine eichene Treppengeländer, Lüster. Oder ein Innenhof mit Kreuzgewölbe wie ein Kloster oder eine große Pfarrei.

Das_gute_restaurant_in_palermo
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Dieses ur-alte Restaurant, eine FOCCACCERIA, gegründet 1832, ist eine echte Überraschung. Fein gedeckt, Gläser, Porzellan. Wir wählen als Antipast 3 verschiedenen Foccacce, mit Büffelmozarella, blattdünnen gegrillten Kalbsleberscheibchen, und Auberginen-Röllchen mit Füllung und Parmesan. Für mich kommt dann ein Escalope Palarmese, ein Kalbsschnitzel mit saftiger (!)Zitronen-Semmelbrösel-Panade, dazu ein Löffelchen gebratener Kartoffel- u. Auberginewürfel. Gerhard wählt dreierlei Fisch, gerollt vom Grill. Lecker. Als der Dessert-Koch auf einem Klapptischlein seine delikaten 8 Dolce präsentiert, werden wir schwach. Gerhard löffelt Wassermelonen-Gelee, ich ein Schälchen Zabaione mit eiskalten Erdbeeren….Noch ein Caffè- der Es
presso macht uns munter für den Heimweg durch die dunklen Gassen, wo an manchen Straßenecken sogar der Müll abgefahren worden ist!

An der Hafenpromenade unterm Sternenhimmel bummeln die Leute mit Kind und Kegel.
Palermo – am Abend nehmen wir Abschied. Mit freundlichen Gefühlen.

INSEL USTICA
 Am Sonntag segeln wir von 7 bis um 16 Uhr nach USTICA, einer einsamen unter Naturschutz stehenden Insel im Meer, am Weg nach SARDINIEN.

 

Auf_der_uberfahrt_nach_sardinien

Wir banden unsre EOS an einer der 35 roten Bojen am Steilufer fest, stiegen die vielen Stufen einer rostigen leiterartigen Treppe hoch und liefen zwischen hellgrünen Pinien und riesigen Hasen-Ohren-Kakteen auf braunen Wanderpfaden und auf schwarzem Lava-Stein-Pflaster zum Dorf. Reizvoll die kleinen Fincas, atemberaubend der Blick übers wirklich end-lose , azurblaue Meer.

An_der_boje_vor_ustica_vor_der_uberfahrt_nach_sardinien

Gebadet haben wir mal nicht. orange-rote Medusa-Quallen bevölkern die Bucht, die hinterlassen
schmerzhafte brennende Hautirritationen! Aber hübsch anzusehen sind sie.

Medusa-qualle

Ich schreibe im schwankenden Schiff, hohe Dünung, seit 11 Stunden sind wir unterwegs nach WESTEN, auf dem offnen Meer, fast einsam. 4 Fischer(nach 8 Std.), 3 große Meeres-Schildkröten, 3 Segler in der Ferne, Kurs nach Süden…

35. STERNEN-ZAUBER AUF SEE…48 Stunden Überfahrt nach Sardinien

Gerdi, nachts zwischen 1. und 2. August 2011  

 

Um 9 Uhr früh starteten wir vor der Lava-Küste der Insel mitten im Meer, USTICA. Kurs 270 °.
Nun geht es nach Westen. Und „nie mehr“ nach SÜDEN  !!

 

 

Wenn man so lange völlig alleine auf dem Meer schwimmt und in der hohen Dünung schwoit, wenn der Blick ausnahmslos ewig weit über die Wasserfläche geistert, auf der es keinen einzigen Punkt gibt, kein Schiff, keine leere Wasserflasche, nur 3 Riesen-Schildkröten, die uns neugierig beäugen, torkelnd im Seegang, dann rückt man ab von der Welt der Landbewohner, der Alltagspflichten, der Tagesschau, kein Auto, nur noch blinkende Flugzeuge in der Nacht…und das endlose Sternenzelt.

 

Lohn_der_ersten_12_std

 

Ein sanfter roter Sonnenuntergang (beim Reis-Käse-Mortadella-Tomaten-Oliven-Salat ) abends um halbneun, dann Vorbereitung auf die Nachtfahrt: Schwimmweste,^McMurdo, das Notsignallicht prüfen, das man im Notfall einem Über-Bord-Gegangenen samt ohnmachtssicherer kragen-ähnlichem Rettungsring nachwirft… Den eignen Lifebelt, (der an der selbstaufblasbaren Schwimmweste hängt), einklinken in das Rund-um-die-Eos-Stahlseil, Stirnlampe, MP3-Player, 1/2 l Wasser für die lange Nacht…mein Buch.

 

Gerhard legt sich um 10 nach der akribischen Navigationsarbeit in die Koje. Meine Wache wird friedlich, der angekündigte 3-4er Wind bleibt aus. Schade. Nur das Groß ist hochgezogen als Stützsegel in der Dünung. Wie bei der Nachtfahrt in der großen ital. Bucht von Taranto stöpsele ich die gute Jazz-Musik in die Ohren, die mir Erika vor 3 J. aufgespielt hat. So höre ich das ratternde ewige laute Motorengeräusch unsres zuverlässigen, braven VOLVO nur noch gedämpft.

 

Sternklar…Un-beschreiblich.

 

Bei NEUMOND ist die Nacht überm Meer, das 2-3 km tief ist, so un-glaublich dunkel! Die Abermillionen Sterne leuchten viel heller als sonst, es sind auch viel viel mehr als je gesehen.

 

Die MILCHSTRASSE ist in voller Länge zu sehen. Ein gespannter Bogen zu beiden Seiten des Schiffs. Sie sieht tatsächlich so aus wie verschüttete Milch ! Kein Berggipfel engt sie ein (wie auf der Arflina vor der Ski-Hütte), kein Inselkap grenzt ihre Breite ein. Ein Zauber. Sie „bewegt sich“!!! Sie zieht sich wie ein Schal nach oben, sinkt drüben, wird versetzt nach Westen, zum Bug hin…Stundenlang bestaune ich das Schauspiel.
In meinem Lieblingssternbild, dem SKORPION mit dem goldgelben, hellen Leitstern ANTARES, tauchen bei dieser tiefschwarzen Finsternis ganz „neue“ Sterne auf. Schräg unter dem 2. und 3. Stern des rechten Bogens…
Hinter mir erhebt sich fast zum Erschrecken plötzlich wie eine Pergamenttüte über einer Kerzenflamme groß und mächtig der sonst so schüchterne Sternenhaufen der Plejaden aus dem schwarzen Meer und spiegelt sich sogleich darauf!!!…Wo vorher gar kein Stern zu sehen war.

 

Auch der helle JUPITER beschert mir beim Ausguck nach Schiffslichtern einen kurzen Schrecken: wo kommt denn dieses helle Top-Licht auf einmal her??? Aber als ich das Fernglas hole, steigt das Licht wie von Riesenhand gehoben bereits hoch in den Himmel, mit einer Lichtgasse auf dem Meer als wäre es ein Mond…Kein Schiff. Kein Ufo…
Der GROSSE WAGEN hing bei Einbruch der Dunkelheit schräg am Himmel, die Deichsel nach links oben, Richtung Milchstraße. Im Laufe der Nacht „saß“ er dann fast waagrecht mit den Rädern über der Kimm, um dann gegen 2 oder 3 sein Hinterende anzuheben nach oben rechts, um erneut „schräg“ über dem Meer zu „schweben“…Geheimnisvoll. Erstaunlich…Ich male mir in Gedanken eine Linie unter seine Bahn…und summe gedankenverloren das uralte Gospel meiner Chorzeit mit Doris: „SWING LOW, SWEET CHARIOT, coming for to carry me home….“
Im Ende der daneben sich über die kaum zu erkennende Kimm nach oben „ziehende“ Milchstraße leuchtet nun das große mächtige W, meine Initiale als geborene Wagner-Tochter. Die CASSIOPEJA.

 

Und über mir das Dreigestirn des ORION.
 Schade, daß ich mir keine weiteren Sternbilder angeeignet habe in all den durchwachten Nächten meines 6 Dekaden langen Lebens. Die Nachtwanderungen mit Vati in Leutershausen, wo wir auf dem warmen Asphalt am Rücken lagen, den Blick in den Himmel. Die sternhellen Nächte vor Gibraltar 1973 bei meiner ersten VW-Bus-Reise, Tarifa, Südspitze Spaniens, Kroatientörns, auch im Winter! Die Schweden-Norwegen-Reisen, die Korsika-Umsegelung Aug.’80,die Hochzeitsreise im Faltboot 81 auf der Krka in Kroatien, die Familientörns 83-91 auf der Adria, die Wohnmobilreisen in Schweden+Norwegen und die Ostseeküste bis vor Polen, diese 3 Halbjahres-Segeltörns….

 

Es ist bei den unzählbar vielen, blitzlichthellen STERNSCHNUPPEN fast, als flöge man durchs Weltall. Der große Weltraum ist dicht „besiedelt“ von Sternen, die vor Urzeiten bereits erloschen und vergangen sind. In den Galaxien sausen sie oft wie die glänzenden Messer der Messerwerfer im Zirkus oder Varieté waagrecht, 1 Sek. lang, über den Himmel, eine helle Bahn. Andere explodieren mit einem Riesenpunkt, daß man meint, es stürzt ein Jumbo ab. Gespenstisch auch die senkrecht oder schräg über den Himmel flitzenden langen Schweife Richtung Meer….bevor sie verglühen…lautlos…gespenstisch allemal.

 

Man sitzt als Wach-Habender 4-5 Stunden angeleint im Cockpit, mutterseelenallein, und man darf NICHT EINSCHLAFEN !! Der Zweite schläft ja innen in seiner „Freiwache“und verläßt sich 100%ig auf den Partner. Das GPS-Display leuchtet mit seinen kleinen 5×4 cm matt bläulich. Am Heck leuchten die Farben rot und gelb von der deutschen Flagge auf, sonst nur Finsternis. Bei wenig Wind spiegeln sich die Sterne wie
Irrlichter auf dem Meer, tanzen, verschwimmen…Der Schaum der Bugwelle glitzert neben einem weiß auf. Springt ein DELPHIN 2 Meter neben mir hoch, so kichert er frech und quietscht laut vor Vergnügen, wie bei einer Begrüßung, silberhell der weiße Bauch, grau die spitze Schnauze mit dem lachenden Auge…Es hört sich an wie wenn wir als Kinder mit dem Daumennagel über den Kamm „ratschten“ als Rhythmus zum Singen. Wie Musik.

 

Gerhard prüft um 3 nachts den Standort. Alles ok. Nochmal 24 Stunden….Einsam. Nur 1 Segler, in der Gegenrichtung. Ich weiche aus, könnt‘ ja sein, daß es ein „einsamer Wolf“ ist, so ein Skipper ohne Crew, die schlafen immer 30 min. , dann klingelt der programmierte Wecker, kurzer Ausguck, weiterschlafen…Man kann ja nie wissen, in welcher Phase er grad ist…!

 

Nachts_auf_der_uberfahrt

 

Dann löst mich der Kapitän der EOS ab. „Gut gemacht. Dankeschön.“  „Gute Wache, bis um 8…!“
Der im Meteo angekündigte Wind kam nicht. Motooooooren. Ich schlafe bei offnem Luk und Gerhard genießt nun lauter neue Sternschnuppen…

 

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PS: Die Eos erreichte nach fast 400 km auf offnem Meer in der Nacht um 3 die Südspitze von SARDINIEN: CAPO CARBONARA. Glückliche Ankunft, der Anker fällt auf 5m Wassertiefe in der riesigen Badebucht mit dem tags türkisgrün leuchtenden Wasser, wie wir es von 2009 im Juni in Erininnerung haben…

 

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Nur 1 Motoryacht ankert. Der starke helle Strahl des Leuchtturms, auf den ich seit 21 Uhr 30 Seemeilen lang zugefahren bin, wirft seinen kreisenden Lichtarm über uns. Ein Grappa, ein Glückwunsch, eine Umarmung. Ab in die Koje. Schlafen.

 

 

Beim Frühstück um 9 Wind, Wellen, türkisblaues Meer auf Sandgrund, am goldnen Strand erste Sonnenhungrige. In Deutschland hat es seit Tagen kalte 12-15°, Regen, Heizung an….

 

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31. Äolische Inseln, Teil 2- Inseln des Windes…Vulkane

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Lipari hat uns 4 Tage. West-Nordwestwind 5/6 Bft. Wir könnten schon weiterfahren, aber Wind gegenan und keine geschützten Ankerplätze mehr auf den westlichen Inseln (außer einem sündteuren Hafen auf der Insel Salina)?Lieber nicht… Oder ist es die Menge an Zeit, die eine gewisse Trägheit hervorruft? Also verholen wir uns an eine stabile Boje, deren 5 cm-Tau unter der Wasseroberfläche trieb…. 2000 Upm gegenan und eine Tauchbesichtigung überzeugen vom guten Zustand. Lesen, abends in die lebendige Stadt gehen,typisch sizilianisch essen, das köstliche Eis! An Bord mal deftige Fleischküchle, mal Steaks vom Heckgrill mit viel Kartoffelsalat füllen die Tage aus.  Einmal kommt auf Gerdi’s Flötenlieder am Abend eine „Antwort“ von 2 Block-Flöten von einem Balkon am Hang gegenüber…:-)

 

 

Heftige Böen vom Berg können uns nichts anhaben, aber ein Kissen geht beim Lüften über Bord und wird salzwassergefüllt wieder an Bord gezogen. Neben uns ankern Wasserschiffe. Die vielen Gäste überfordern bei Weitem die Wasserkapazität der Inseln. Die Tankschiffe kommen tief im Wasser liegend an, pumpen mit Getöse über Nacht ihre Wasserfracht in unsichtbare Zisternen und am Morgen ragt das Schiff 2 Meter höher aus dem Wasser, bevor es für den nächsten Transporter Platz macht. Auf keiner der Äolischen Inseln plätschert ein Bach.

 

Lebenssaft_wasser_28_std

 

Für 26. Juni sagen alle Wetterberichte ein Nachlassen des Windes voraus. Wir brechen nach Salina auf und segeln, obwohl der Wind nicht weiß, aus welcher Richtung er blasen soll. Die Berge stören ihn. Da, ein Knall: Der neue Großbaum springt vom Mastbeschlag. Eine Schraube hat sich gelöst und der gasdruckgefederte Niederholer drückt ihn mit Macht nach oben. Mit 3 Seilen und viel Kraft kann ich ihn wieder in Ausgangsposition bringen und sichern. Bei viel Wind – und meistens geschieht Unangenehmes gerade dann – wäre das ein echtes Problem geworden!

 

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Wir setzen erneut Segel und nähern uns Salina, der grünen Insel mit einer Kuppe aus Kiefernwald. Dazwischen Weingärten auf steilen Hängen. Unser Ankerplatz hat eine passable Wassertiefe von 5 Metern, ist aber mit kräftigem Seegras bewachsen. Es wogt im Takt hin und her und der Anker liegt darauf, kann sich nicht eingraben. Da hilft nur eine lange Kette und kein starker Wind nachts.

 

Abendlicher_blick_zuruck_zur_insel_lipari_von_salina_aus

 

So genießen wir den Abend. In der Ferne hustet der Stromboli, blutrot färbt sich der Horizont. Auf den Yachten ringsum leuchten die Ankerlichter. Gestört wird der Abend nur von den Schnellfähren. Sie fahren die Inseln alle halbe Stunden mit Hochgeschwindigkeit an, bremsen kurz vor dem Hafen und nach ein paar Minuten fahren sie, eine braunschwarze Rußwolke ausstoßend, weiter, „lustig“ schaukelnde Yachten zurücklassend.

 

Melanzane_viola_weifleischig_innen_violett_auen_furs_ratatouille

 

Gerdi kocht auf am Herd  festgezurrten Kochtöpfen Ratatouille. Schmeckt gut, Die Nacht bleibt friedlich. Anderntags segeln wir die Insel nach Westen entlang. Sie erinnert an das Lied „Eine Insel mit 2 Bergen…“ Rechts der Berg mit der bewaldeten Kuppe, links ein ganz ebenmäßiger, steiler grüner Kegel. Dazwischen malerisch das Dorf in einer Senke.

 

Ein_ebenmaiger_berg_auf_der_insel_salina
Das_felsentor_im_nordwesten_der_insel_salina

 

Alle Inseln haben ihren besonderen Reiz. Sie sind steil und schroff, aber durch die grünen Hügel und die schmucken Dörfer doch wieder lieblich. Viele steile und aufgelassene Terassenfelder deuten auf frühere intensivere, äußerst mühsame  landwirtschaftliche Nutzung hin. Die hat heute das Gastgewerbe ersetzt. Die Fähren spucken genügend Gäste aus, zumindest in der Sommerzeit. 

 

Filikuda, unser nächstes Ziel erreichen wir wieder unter Segeln! Schöner, gleichmäßiger Nordostwind treibt EOS voran, gesteuert vom Selbststeuer-Automaten. Nur unter Vorsegel. Das Groß bleibt unten, wir müssen nicht schnell sein. Auch in Filikuda ein steiler, ehemaliger Vulkankegel, auch dort Weinfelder und alte Terrassen. Der Ankerplatz fordert uns. In Ermangelung eines Besseren fällt der Anker in 12 m Wassertiefe zwischen Felsen. Wir ankern in einem Gewirr von mächtigen Felsen, was ein Tauchgang in diesem glasklaren Wasser zeigt. Wenn sich der Anker oder die lange Kette in dieser Tiefe zwischen den Blöcken verkeilt, dann wäre ich mit meinem Latein am Ende. Es duftet nach Tomatensoße mit Zucchini, Wein, Kapern, Zitrone, Spaghetti.

 

Eine Sternenpracht am dunklen Nacht-Himmel, Neumond,  die weißliche Milchstraße, Sternschnuppen horizontal über den Himmel….Am Horizont das ferne Lichtermeer von Sizilien. Abendlieder auf der Mundharmonika…

 

Am_abend_vor_anker

 

Ich schlafe draußen und darf mir bei jeder Sternschnuppe etwas wünschen. 5 Uhr anderntags: Es dämmert, erstes Morgenrot…der Anker lässt sich ohne Probleme bergen, Gott sei Dank. Kompasskurs 230° nach Termini Imarese. Geschätzte Zeitdauer 12 Stunden.

 

*Foto Gerhard. Morgenröte Filikuda beim Aufbruch

 

 6 Uhr: Die Sonne steigt neben dem Strombolikegel aus dem Meer. Die Äolischen Inseln liegen hinter uns. Auf nach Sizilien!