38. Letzte Tour 2010 unter Segeln: Kefalonia-Lefkas- Preveza!

Gerdi, 21.-24.Okt.2010

 

21. Okt: Sami, Kefalonia,kleiner Fischerhafen: Ich bade vielleicht zum letzten Mal im Meer, 21° – herrlich. Es ist wie 2009: Wie der Okt.-Tag so die Wassertemperatur. Die Sonne scheint am blauen Himmel, vergessen fast die Regenfluten, nur die großen seen-artigen Pfützen unter den aufgebockten Kaiken an Land sind Zeugen des Unwetters der letzten Tage.

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Um 10 Uhr segeln wir fast gemütlich in den warmen Morgen, Bikini, Shorts! An Backbord die dicht bewaldeten Hänge von Kefalonia, an steuerbord die Insel Ithaka, wo wir 1987 früh um 5 zum Kloster hochgefahren waren, um den prächtigen Sonnenaufgang mit den 2 Buben zu genießen (Erika kam erst 1 Jahr danach zur Welt). Ab 13 Uhr hebt und senkt sich die Eos in hohen langen Wellen, wie zwischen Sardinien und Sizilien vor einem Jahr! Ich sonne mich an Deck, viele Charteryachten begleiten uns. Meganissi, die Insel der Traumbuchten, wo wir dreimal waren. Der Kurs: Norden – leider! Noch ums Kap, dann zeigt sich die große Bucht vor Nidri: 17 Uhr – Anker ab in der Tranquil-Bucht. Viele ankern hier, manche den ganzen Winter, 3 Schweden, Engländer, die grünbemalte Alu_Yacht des Münchners Werner, der jede Yacht besucht, weil er einfach nicht „alloa“ sein kann!!!

 

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Fr.,22.Okt., Ankerbucht vor Nidri/Lefkas
Ruhig war die Nacht. Vollmond. Gerhard rudert raus zum Bäcker. Frische Croissants, Brot. Nachsaison, aber noch englische Chartercrews,rote Sonnenbrandhaut, Kein Wunder nach dem miesen Sommer. Ich lese an Deck in der warmen Sonne. Ein Tief mit Starkregen und Wind 6-8 ist gemeldet, ab Montag.
Wir finden ein Internetcafé, lesen Erikas spannenden blog über die Bergsteigerwanderungen (und Hütten mit Schnee auch innen) in Tasmanien! Beeindruckend! Und sagenhaft die Fotos. Gerhard denkt über ein Baum-Roll-Großsegel nach. Abends grillen wir in der warmen Abendsonne zum letzten Mal 4 Souflaki-Spieße am Heck-Grill.

 

Samstag, 23.Okt.
Wir verlegen die Eos rüber vors Dorf an den Skropios 4-Kai, zur Dunarea. Wir holen das Großsegel vom Mast, legen es an Land wie eine Ziehharminika zusammen. 12 Meter sind da ein ewig langes Drum! Tapfer hat es dem Wind getrotzt, die Reffbändsel im 2. Reff haben zwei kleine Löcher hinterlassen. Das forest-grüne Bimini wird abgebaut, die Solarzelle verlegt, zum Mast. Vorbereitung zum Kranen am Montag! Gerhard duscht das Deck der EOS mit Süßwasser ab. Ich finde einen Metzger, kauderwelsche mit Händen und Füßen, bekomme 400 g Fleisch für eine Thai-Pfanne bzw. Wokgericht. Und zwei Steaks. Und eine neue 28cm-Pfanne!  Als „Vor-Geburtstags-Mahl“ brate ich das fein marinierte, in 5×1 cm-Streifchen geschnittene Fleisch im Wok in 6 Chargen, dann nacheinander, rührgebraten, Zucchini-Aubergine-Paprika-Zwiebel mit Ingwer, Knoblauch, Curry und Thaigewürzen, Teriyakimarinade, Sojasoße, Sesamöl, Sesamsamen, Kokosflocken, Weißwein – Mmmmmh! Basmatireis dazu.

 

Um 24 Uhr : „Viel Glück und viel Segen…!“ und ein Zentimeter Ouzo zum Prosten auf Gerhards 63. Geburtstag.

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Sonntag, 24. Okt., Nidri, Lefkas
Sonnenschein, 16°,aber kühl war die Nacht.
Der Pope singt lautsprecherverstärkt, von 7.30 bis 10! Schönes Geburtstagsfrühstück mit Kerze, blauen Windenblüten, Goldpralinen. Um 10 Leinen los. Wir motoren in der Sonne nach Lefkas, versenken auf 50 m die vom Seegang und Scheuern nun „teflonfreie“ alte Pfanne (und die schwimmt wie eine Flaschenpost!). Warm und sonnig ist es, wie am Lago Maggiore!

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Um 13 Uhr tuckern wir behutsam durch die extra für uns geöffnete Klappbrücke vor wartenden Autos, erreichen um 16.30 Preveza Marine. Gleich legen wir die abgenommene Fock an Land fein zusammen, wollen gerade das Schlauchboot an Deck heben.

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Da mach ich 1 Schritt nach hinten und versinke! Mein rechtes Bein rutschte in den 12 cm-Spalt zwischen 2 Betonteilen des Schwimmpontons. 8×6 cm fast hautlose Aufschürfung, aber kein Bruch. Das Schienbein ist noch ganz. Betaisadonasalbe drauf, großes Cutiplast-Pflaster. Die tröstende, fachkundige Krankenschwester Vroni von der „Dunarea“ hilft uns. Glück gehabt. Am letzten Tag. Naja, Schwimmen ist jetzt nicht mehr dran.

 

Gedanken am Ende unsres Segeltörns

 

Einsam – zweisam – gemeinsam…

 

Zu zweit auf einem 10-m-Boot auf dem großen weiten Meer…Ja, manchmal fühlte ich mich freilich etwas ein-sam, aber gem-einsam haben wir diese lange Zweisam-keit gemeistert. auch bei Starkwind und hohem Seegang, in dem die Eos ächzte und stöhnte…

 

Mein Lieblingsspruch in der Bibel steht im 2. Brief des Paulus an seinen Sohn Timotheus(2.Tim,1,2):
„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

 

So hielt ich mich daran, die Furcht auf See nie zu groß werden zu lassen, an die Liebe zu glauben und Gerhards Besonnenheit zu bewundern, die er fast immer bewahrt, wenn bei mir schon mal die Adrenalinstöße ein Gebet explodieren lassen: „Bitte nimm 1 Windstärke weg, lieber Gott…“

 

So bin ich am letzten Tag auf See voller Dankbarkeit und tief empfundener Freude. Die zweiten 6 Monate dieses Segel-Lebens sind gelungen, 2010 über 5000 km gesegelt, viele traumhafte Landschaften erkundet, Meere besegelt, und wir sind bewahrt worden. Dank sei Gott – so oft etwas gedankenlos gehört, hier wird es zur Gewißheit. Voller Zuversicht blicken wir ins Jahr 2011, wo wir unsere Eos ab Mai zurücksegeln über Italien, Sardinien, Korsika und ab Marseille durch die Kanäle heimbringen an den Bodensee.

Wir haben mit Freude, auch Zeitaufwand und Anstrengung, diesen Blog geschrieben, 40 Artikel, haben Euch Leser mit den Fotos  teilhaben lassen an unseren Erlebnissen. Dabei fühlten wir uns verbunden mit euch in nah und fern! So freuen wir uns nun auf daheim, mit Schnee inzwischen! Und auf unsere 3 Kinder. Erika aber erst am 3. Advent.

 

Zu den Gedanken am Ende unseres Segeltörns

 

Auf dem Handy, das meine Verbindung zu den Kindern war, speicherte ich Erikas sms vom Beginn der Reise und die von Joachim am EndeSo trefflich, dass ich es zitiere:

12.Mai 2010:
Liebe Eltern! Heute geht es also wieder los!! Ich wünsche euch alles Gute, dass ihr euch gut versteht und dass ihr gesund bleibt. Genießt  es, jemanden zu haben, der solche Aktionen mitmacht, das ist soo viel wert.Habt eine unvergessliche Zeit. Ich hab euch lieb. Erika

 

25.Okt. 2010: Guten Morgen. Man kann also sagen, daß ihr den größten Teil eurer großen Segel-Reise geschafft habt. Gratuliere! Jetzt kommt noch heil wieder heim. Aber genießt jede verbleibende Minute! Auch das gehört noch zum Abenteuer. Alles Gute. Joachim.

Ja, nachdenklich werde ich. Und auch ein paar Tränen kommen vor Rührung. Und aus Dankbarkeit.

 

Im Logbuch steht am Anfang: Psalm 139,5:
Von allen Seiten umgibst du mich, und hältst deine Hand über mir.

 

...und aus Psalm 121,2:
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Und auch der Satz in Logbuch Nr. 2 stimmt:
„Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst!“ Das haben wir, zwei mal sechs Monate, 11000 km!


Die Bilder:

37. Die Blumen erleben den 2.Frühling auf Kefalonia

Nach dem Regen:
Der 2. Fr??hling in den G??rten!

 

GERDI am 20. Okt.2010

 

Nach einem zauberhaften Morgen ohne Regen und Starkwind, mit warmen Sonnenstrahlen auf ganz frisch ergrünten Hängen, machen wir uns auf den Weg zum „Melissani-Höhlensee“. Der 3 km lange Wanderweg ist gesäumt von gelb blühenden Johanniskrautstauden, Alpenveilchen, Wandelröschen, orange leuchtenden reifen kleinen Orangen und Mandarinen an den Bäumen, duftenden Rosen, Strelitzien, Flieder, sogar Alleebäume haben üppige weiße Blüten! Kikeriki! …Ich finde den stolzen Gockelhahn fast nicht in dem 30 cm hohen Gras der Wiese…Es hat 24°C und die Wanderung ist wie eine Belohnung nach dem Tief, das so viel Regen und böse Böen, Blitz und Donner brachte…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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36. Das Tief und die Höhlenwanderung danach

Alle Bilder, leider etwas verspätet (22.10.2010):

Es spricht sich herum, wenn wirklich Starkwind oder gar Sturm droht. Man selbst ruft im Internet Wetterberichte ab und tatsächlich: Windstärke 8 in unserem Bereich. Ag. Nikolaos müssen wir verlassen, das ist kein sicherer Hafen. Schon auf der Überfahrt nach Sami begleiten uns starker Wind, anstrengender hoher Seegang  und heftiger Regen. Obwohl wir weniger als 2 km vom Ufer entfernt fahren, verschwindet das Land. GPS und Tiefenmesser leiten uns aber sicher in ausreichender Landentfernung. Als wir Sami anlaufen: Windstille. Wir machen neben dem geräumigen Stadthafen einen kleinen Fischerhafen ausfindig und finden dort auch einen geschützten Platz. Nachts erreicht uns das Tief (955 Hektopascal, so tief stand das Barometer heuer noch nie hier) mit starken Böen von den hohen Bergen. Regen peitscht über das Wasser. EOS wird gegen den Kai gedrückt, ist aber gut abgefendert. Wir schlafen ruhig bei stürmischer Begleitmusik. Nur einmal müssen wir raus, weil ein losgerissenes kleines Fischerboot gegen die EOS treibt. Den ganzen nächsten Tag fallen weiter heftige Böen mit starkem Regen ein.

 

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Drüben im Stadthafen wird das Wasser gegen den Kai gedrückt und droht bis zum Rand zu steigen. Wie ein Skipper erzählte, fanden die Segler dort wenig Schlaf und waren  statt dessen mit dem Sichern ihrer Schiffe beschäftigt. Kein Segler hat an diesem Tag den Hafen verlassen. Anderntags ist alles vorbei, die Wolkendecke lichtet sich und der Wind schläft ein. Das Tief ist durchgezogen.

 

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Jetzt können wir beruhigt das Schiff verlassen und die beiden Höhlen in der Umgebung von Sami besuchen.

 

Gerhard, 20. Oktober

35. Überfahrt nach Kefalonia

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Am Sonntag, 17. Oktober rauschte die EOS auf ruppigen, hohen Wellen und unter Wolkenbruch, Blitz und Donner recht unsanft von der idyllischen Insel Zakynthos r??ber an die Ostk??ste der gro??en jonischen Insel Kefalonia nach Sami. Wir lassen mal die Bilder f??r sich sprechen:-)

 

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Der Optimismus vom K??ptn, der in der Bermuda blieb, wurde vom Regen eingeholt! ??lzeug, Gummistiefel, S??dwester!

 

 

 

 

Ein nasser Versuch mit der Kamera…

 

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Beim Ansteuern des Hafens, wo grad eine gro??e Strintzisf??hre ihren Riesenanker ins Meer rasseln lie??, sahen wir 3 kleinere Segelmasten. Vorsichtig tasteten wir uns in den kleinen Fischerhafen, fanden an der Kaimauer auf 2 m Wassertiefe ein Pl??tzchen f??r unsere EOS und hier machte uns der Reeeegen dann ??berhaupt gar nix mehr. Herrliche Ruhe. Im Stadthafen ca. 12 Yachten, rot und gelb leuchtet das nasse ??lzeug ….

 

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Wer schrieb da in der sms: „Du bist wohl immer nur der Koch an Bord?“ Bin ??fter an der Pinne, auch bei miesem Wetter…

 

Nun ist die Zeit f??r hei??e Eint??pfe. Ich mache aus 6 Gem??sen eine w??rmende Mahlzeit im Drucktopf…Und eine Laundry findet sich auch noch f??r das nasse Zeug an Bord. Segler’s Gl??ck!

 

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Gut aufgehoben im kleinen Hafen bei Sami

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34. Auf der Insel Zakynthos: Hoch ??ber Agios Nikolaos

Nach der Bootfahrt mit dem Wirt der Taverne zu den blauen Grotten an der Felsküste wanderten wir den Hügel hoch, 7 km zum Bergdorf KORITHI. Der Weg war gesäumt von unzähligen rosa-farbenen Alpenveilchen, ein stacheliger Busch mit Blättern wie Lorbeer trug reife braune große Eicheln, die Oliven reifen an knorrigen uralten Bäumen. Der Ausblick vom hochgelegenen Pinienwäldchen war wunder-bar, auch mit den Wolkengebirgen drüber. Gewitter kündigten sich an, auch über Kephalonia. Mit dem Regenschirm besuchten wir eine kleine Taverne, wo ein Octopus am Grill seinen Duft verströmte und wir die so  munteren Leute aus Guernsey wieder trafen, mit denen wir schon am Vorabend so nett plauderten. Morgen starten wir zur Überfahrt zur Insel Kephalonia. Es soll Regen und viel Wind geben…(GERDI)