der 28.September, es ist warm, die Wollmütze wandert schwungvoll zurück in die Kajüte. Wir fahren aus dem Hafenareal von Contrieu und sehen eine senkrechte kohlschwarze Rauchwolke. Schon düsen die Pompiers auf ihren schnellen Feuerwehrbooten heran, von weiter oben auf der Rhône. 3,4,5 Boote… Die Rauchsäule bleibt. ob ein Schoff brennt?? Hauptsache kein Reaktorunfall… Bald kommt die Schleuse.
Nähert man sich einer Schleuse, muß man sich über Funk (auf dem Schleusenkanal) in französischer Sprache anmelden, dann erfährt man, wie lange man warten muß oder ob ein bateau merchant oder ein Kreuzfahrtschiff Vorrang hat und wir erst hinter diesem einfahren. „Hallo, hallo! Bonjour, isi EOS. J’appel l’écluse Vaugris! Nous allons le Rhône amont avec notre bateau de plaisance avec douce mètres. Nous voulons entrer à votre écluse!“ Wenn man durchgeschleust wurde, ruf ich nochmal an und danke: „Ici EOS, je dis merci beaucoup pour votre travail/notre éclusage.“Hier kommen mal die Fotos, die zeigen, wie man an einer Schleuse am Ponton bei rotem Signal wartet. Es ist ein Extra-Ponton für „bateau de plaisance“.
Signal rot-grün: Schleuse wird vorbereitet/abgelassen. Warten/bereithalten. Schwimmwesten anziehenFestmachen am Ponton und warten aufs grüne Signal
Am Morgen des 27. September laufen wir los, vom Hafen über den breiten Fluß und auf zahllosen Serpentinen den 500 m hohen Hügel hoch. Die Weinlese ist in vollem Gange, Erntehelfer pflücken die in der heißen Sommersonne von 2016 zu starker Süße gereiften Trauben. Viele Rebhänge sind terrassiert, mit Stützmauern aus Felssteinen. Der Ausblilck auf die Rhône ist atemberaubend schön, die Flußschleifen schimmern in der Morgensonne. Mittags rasten wir oben am Berg neben einem hoch aufgerichteten Kruzifix. Neben uns stapelte man volle Weintrauben-Kisten, vor uns glänzt in der gleißenden Sonne die Rhône, das Stück bis zum Atomkraftwerk von gestern, und das Stück bis zur nächsten Schleuse morgen, dazwischen das Dorf Condrieu. Malerisch.
Unser Rastplatz mit Blumen und Kruzifix, wir danken, beten u. vespern
Dort hintenkann man im Winter Skifahren!
Wir folgen einem Schild „Cave de Mouton“, aber leider ist es kein Weinkeller und kein Beißerl wie in Österreich an der Donau… Wir fragen eine Frau vor einem Weingut. Mais oui, entrez! Drinnen verkosten wir 3 Weine, 2 rote, einen Weißen von edlem Aroma. 2 Flaschen kaufen wir. Dann finden wir einen schönen Feldweg zwischen den Weinhängen und schlängeln uns wieder nach unten. Bei einem Weinbauern können wir sehen, wie die Trauben bereits gepreßt wurden: der Traubensaft gurgelt durch die Leitungen, es duftet, die Zentrifuge, der große Tank- es ergibt 2016 eine ganz hervorragende Qualität, denn die enorm lange Sonnenperiode mit heißen Temperaturen jagte die Süße in die Trauben. Der Duft der Feigenbäume lockt uns immer wieder zu den reifen bläulich-grünen köstlich süßen Früchten.
Mit Tele kann ich La cigale, eine Zikade fotografieren. Oft sind sie Hauszeichen, aus Keramik, aus Kupfer, am Eingang der wunderschön am Hang hingeschmiegten Häuser mit Blick auf die Flußschleifen der Rhône. Auch der Abend im Hafen beschert uns noch einen roten Sonnenuntergang…
Diese blauen Trauben sind nun in einer Flasche an Bord!
Ein herrlicher Sommertag im späten September. Wir sind dankbar! Am Abend telefoniert Gh. mit einem Bootstransporteur aus Konstanz. Er hat grad massig zu tun, aber er wird unser Schiff ab Mulhouse nach Friedrichshafen fahren am Sattelschlepper.
Eine Marina heißt für uns Flußschiffer: was ganz Seltenes!! Sicher an 2-4 Leinen, ein Ponton zum Aussteigen vom Boot, eine (warme) Dusche, Mülltrennung, Wasser und Strom, Internet, und meist ein Boulanger fürs Brot früh und… ein Laden, ein Gemüse- und Obst-Markt oder Supermarkt .. die man zu Fuß erreichen kann.
Von Manuel hörten wir, daß die B.Cool auch Grund berührte!!! Bei km 74/75 müssen wir auf „Steine im Fahrwasser“ achten!! Warmer Südwind. Wir verlassen behutsam die Marina, ganz eng ist’s da vorne, nur 2,50 m Wassertiefe- geschafft. Der Wind wirft Wellen auf dem Fluß, von hinten. Beschaulich motoren wir entlang der roten Pfähle.
Sonntag: da ist mehr los in der Schleuse! Man ist stolz, etwas deutsch zu können auf den Lustschiffen
GERVANS. die 10. Schleuse. Bis Mulhouse sind es 130! Nur 15 Minuten braucht die Èclusage hier!Bald erreichen wir die 100 km-Tafel, noch 100 km werden wir die EOS auf der Rhône steuern…Bis Lyon. Gerhard putzt den wert-vollen Optimus-Petroleumkocher, ich das Clo. Mit Zahncrem als „Scheuermilch“ bekomm ich den Belag weg, der sich im Hafenbecken gebildet hat auf dem weißen Porzellan:-(
An Backbord präsentieren sich die Weinhänge, die wohl besten Lagen mit den kostbarsten Rebsorten Frankreichs! Tournon, St.Jean de Muzols… Crozes d’Hermitages, Paul Jaboulais-Ainé, Mauves, Vion… Wir kommen in die Ardèches, am Damm grasen Esel!
Als wir hinter km 94 den Anleger ansteuern, warnt und stoppt uns ein kurz davor liegender Amerikaner: „Stopp! No!! Too shallow!“Er hat ein Plattbodenboot…
Ich mach einen knackigen Gurkensalat mit Zitrone und Dill (in Avignon am Ufer gepflückt) zu Mittag. Wir versuchen Nähe Ponsas zweimal zu ankern, der Anker hält nicht.
Abenteuerlicher Platz… Biber? Ratten? Vampire?
Ganz links lag die EOS vorm Gebüsch, einsam und allein
km 79: Wir peilen einen Betonklotz am linken Ufer an, an dem ein Vorbesitzer der Rhônekarte schon mal gelegen hat (Kuli-Kringel). Wassertiefe 8m- 3 m, aufregende Sache… 3x muß ich Wind und Nehrstrom trotzen beim Anfahren, dann springt Gh. beherzt mit der Vorleine auf das Betonpodest und bindet die EOS am Geländer fest. Hier ist ein Unterflußkanal, 12 m unter dem Flußbett… Ich sag: das ist was für Ratten und Biber… und schon sieht Gh. einen schwimmen mit dem glatten Schwanz… Es donnert, es blitzt, es regnet. Wir baden beide an der Badeleiter am Heck, 19°. Dann lassen wir’s uns schmecken: Grünen Salat, Gulasch+ Kartoffeln… Lesen. Eine ruhige Nacht. Zum 1. Mal mit langärmeligem Shirt… Herbst.
So sehen das auch die Kreuzfahrtpassagiere
Sonntags ist mehr los in den Schleusen: man spricht stolz etwas deutsch mit uns!
Montag, 26.Sept.2016: Auf in die Champagne
Kühl, 17°. Graue Wolken. Baden im Fluß
Immer steiler werden die Weinberge, meist sind es nun Terrasssen, gestützt mit hohen Granitmauern. Teils sind die hohen Reben zu Rundbögen gewunden, wie Tore! Dann haben sie 14 Std. am Tag Sonne! Die Lese hat begonnen, man sieht die bunten Helfer zwischen den Reben-Zeilen. Aber nun erscheinen auch Neuanlagen, mit rechteckigen Flächen, Flurbereinigung.
Andance und Andancette, St. Vallier(km 75)… die Winzerorte links, rechts die Raffinerie, die Keramikfabrik, das x-te Atomkraftwerk…
Um 12 Uhr mittags begrüßte uns ein Schild auf dem Damm: Bonjour la Champagne! Ich fahre nach nettem Anmeldegespräch auf französisch („Madame!“) in die 11. hohe Schleuse dieser Flußreise ein: Sablons. Dann bereite ich eine orientalisch gewürzte Beluga-Linsen-Suppe zu. Wir müssen im Fluß „im Konvoi“ essen, denn einer muß ja steuern.
Die Orte um uns haben alle einen Heiligen zum Namen, besonders heiter macht mich „St.Pierre de Boeuf“ ist es nicht mehr weit zu einer kleinen Marina: Roches-de-Condrieu-„Port de plaisance“. 15.15 Leinen fest an schmalem Ponton, km 41… Auch Manu+Juliza sind noch nicht in Lyon..
Condrieu- Blick von der EOSBettelleute
Wir laufen ins Dorf. Menschenleer. Still. Nur Teerstraße und schmale Gehwege mit Müllcontainern u. Autos. Das Bellevue-Hotel als einziges Restaurant, kein Gast. Auch der Ortsteil auf der andren Flußseite: wie tot, auch das angepriesene Restaurant in einer Art Burg: geschlossen. Wir nehmen am Heimweg eine frisch für uns gebackene Pizza mit an Bord… Zugvogelschwärme machen ein wildes Geschrei in hohen Bäumen am Ufer. Ob die via Gibraltar nach Afrika fliegen?
Und nun lest Gerhards Gedanken (hinter dem Titel des Flickr-Albums auf „mehr anzeigen“ clicken und seht seine FOTOS an:
5 km Fußweg, teils auf dem Damm. Herrlichstes Sommerwetter, kurzer Rock, T-Shirt, Sandalen ohne Socken… Wir genießen den Stadtbummel, bewundern den Botanischen Garten, den wunderschönen Spielplatz, trinken ein Glas Weißwein, schnabulieren Mini-Croissants mit Fleischfülle, einen Espresso in der Altstadt,kaufen am Markt köstliche Sachen wie Watabi-Nüsse, Datteln, Aprikosen gedörrt, Aubergine, ein Sauerteigbrot, herrlich. Am Abend koche ich Rindergulasch! Der halbe Hafen duftet.
Mitten in der Stadt: ein wunderschöner Spielplatz mit so vielfältigen Geräten
dDer Windflügler drehte sich gemächlich, der kalte Wind war weg, Kormorane rasteten, im Laubufer hörte man Wasservögel, über uns zogen im Keil Wildgänse… So schön kann Flußfahren sein… Ein herrlicher Morgen unter blauem Himmel, wir baden an der Badeleiter. Nach dem Frühstück mit Bohnenkaffee und grünem Tee starten wir, viele Burgen ziehen an Backbord an uns vorbei, Beauchastel. Die Schleuse heißt auch so… Schlimme Vergangenheit: 1944 bombardierten die Deutschen die Stadt… Senkrechte düstere braune Felswände säumen die Rhône, Charmes sur Rhône, Castel Rouge… sicher Ziele der Passagiere der Kreuzfahrschiffe. Ob wir hierher mal zurück kehren- im Wohnmobil?
Portes les Valance... die ersten Alpenan der Steuerbordseite, die Dauphinés… Wolken säumen den zackigen Kamm. Vor uns Valence- da erinnere ich mich, daß ich 1973 mit dem VW-Bus durchkam, am Weg zur Tarn-Schlucht… nach Valencia, Sevilla… auf der 6000km-Landreise bis vor Gibraltar, nach Santander hoch und zurück…
Vorsichtig müssen wir steuern, es treiben Baumstämme im Wasser…
Wir steuern vorsichtig die Marina Éperviérean, auch hier Grundberührung beim Versuch die vorderen Liegeplätze zu nehmen. Aber wir finden einen schönen Platz weiter innen. Viele Deutsche, Schweizer sind da. Teilweise überwintern sie hier. Neben uns liegt wohl, dem Bewuchs nach schon sehr lange, ein Plattbodenschiff aus Holz, wunderschön, aber fast vergessen. Zum Einkaufen aber 30 min Fußweg. In die Stadt VALENCE sind es 5 km… Wir freuen uns auf die Stadt, die die Partnerstadt von Biberach ist.
Dann großes Einkaufen bei Giant, 2 Rucksäcke. Ich brate abends Champignons zum Lollo-Rosso-Salat. Gh. wäscht Frottées und Shirts mit Maschine und Dryer:-). Gut schlafen kann man in einem ruhigen Hafen…Früh gibt’s ne WARME Dusche…
Am Morgen hinter Viviers im Nordwind gegenan hatte ich warme Sachen an und Mütze samt Kapuze. Um 10 Uhr fahren wir in die Schleuse Chateauneuf du Rhône ein. Die Anmeldung via Funk in französischer Sprache klappt, aber die darauf folgende viel zu schnelle Antwort ist schwer zu verstehen… Mittags ließ der Wind nach und es wurde warm. Um 14 Uhr gab’s das Abenteuer mit dem Auf-Grund-Sitzen in der schmalen Einfahrt zu einer Marina… Gerhards Erfahrung ist Gold wert, er beschrieb das Manöver im Blog-Artikel Nr. 99. Ich war sehr dankbar, daß nichts passiert ist, weder ihm (puh, schwerste Winschkurbelei) noch dem Schiff. Um 15.35 konnten wir weiter den Fluß aufwärts fahren und auch gleich in die Schleuse Logis-neuf…Dann ankerten wir auf 8m Wassertiefe seitlich des Fahrwassers im Fluß, setzten den Ankerball(damit andre Kapitäne wissen, daß unser Boot „fest“liegt und nicht fährt oder manövrieren kann) , badeten im Fluß, denn inzw. war es warm draußen, ca. 27°! Das Wasser hat noch 19°, in der Sonne konnte man im Bikini auf Deck liegen… Goldener Herbstanfang. Am Abend koche ich aus 4 Hühnerbeinchen eine köstliche Suppe.
Lila-violett wie Lavendel, Provencefarbe.Kurs Nord, 0.00′
Wie ein in Falten gelegter Wollstoff reihen sich die Hügel aneinander
Nun ist das Schleusen schon fast Routine, aber man hat schon Respekt vor der Höhe der Mauern und der Wassermenge, die einströmt um unser Schiff -oder oft ein riesiges, wie ein Stöpsel gerade noch reinpassendes Kreuzfahrt- oder Frachtschiff -zu heben…
Eisigkalt sind die Temperaturen plötzlich, ich trage Skiunterwäsche, Fleecejacke, Wollsocken, Wollmütze und Anorak mit Kapuze… Eine neue TGV-Brücke sieht von Weitem aus wie ein Diadem. Die vielen Atomkraftwerke sind ganz nah an uns…
Als wir den Anker im Fluß werfen, fällt er auf guten Ankergrund, er hält fest im Sand. Dann brate ich den Rest Nudeln an,…. und wie früher bei Mutti gibt’s dazu in Butter geröstete Semmelbrösel und Kompott- zum Kaffee. Wir können wunderbar schlafen.