Albanien: Himara-Orikum-Tirana-Vlores

Gerdi schreibt nachträglich am 27.Mai, gesendet in Vlores

Himaras neue Promenade wird gebaggert (2)

Erikousa, Griechenland, so oft unser 1. Ziel nach der Adriaüberquerung mit der Marion!

1990, Schule an Bord, Monopoli-Korfu
1990 Letzter Tag Schule an Bord, Monopoli-Erikousa, auf unsrer „SY Marion“

Wir wollten von Sarande bis Palermo segeln, aber dann entschlossen wir uns, doch weiter zu fahren. Himara empfing uns mit gräßlichem Seegang, der beim Anlegen an dem viel zu hohen Kai eine derart heftige Stoßbewegung auf die Festmacherleinen ausübte, daß es bei einem Schlag die vordere Steuerbordklampe zerriß, das 3cm dicke Teakrundholz zerbrach wie ein Streichholz, die Stahlklammer riß aus dem neuen Teakdeck, Gottseidank hielt wohl das GFK-Deck stand…(10 große Traktorreifen schützen da die Fischerkutter, aber die kleine niedrige Eos liegt dann fast unter dem Betonkai. Keiner half, der Offizielle in Uniform wollte gleich die Papiere, anstatt uns zu helfen beim Befesstigen der 4 Leinen….. Nur mit Mühe kam Gh. so hoch hinauf auf den Kai um festzumachen, ich steuerte die EOS an die Mauer…..)

Nach dem Bruch rief ich: „Mach wieder los, sonst wird noch mehr kaputt! „Und 5 Min. später ankerten wir frei, vor der gerade im Neubau befindlichen Promenade. Zwei riesige Bagger buddelten große Felsbrocken aus dem Meeresgrund, 3-4 m tief, , ein Mammutlaster nach dem andern fuhr beladen mit Tonnen von Meeresboden weg.Eine neue Stadtpromenade?

Gh. lag mit 38,6°C Fieber im Salon, Darmgrippe.Himara Gh. 38,6°,Magen-Darmgrippe I

Ich legte Wadenwickel an, kochte Hühnersuppe. Da wußte ich noch nicht, daß ich 1 Tag später genauso litt an Erbrechen und Durchfall. Ein Virus? Mist! Grad wenn man einen Besuch bei jemand daheim im fremden Land macht.

23.Mai: Wir segeln in 9 Stunden nach Orikum

Schönes menschenleeres Albanien Himara-Orikum (4)Schönes menschenleeres Albanien Himara-Orikum (2)Schönes menschenleeres Albanien Himara-Orikum (3)Schönes menschenleeres Albanien Himara-Orikum (1)Orikum, Marina

Himara, 24. Mai. Früh am Morgen Anker auf um 5 Uhr. Die zauberhaft grüne, völlig menschenleere mit dichter Macchia bewachsene Hügelküste ist wunderschön. Wir können segeln, nach der Rundung des von Einmannbunkern übersäten Kap setzen wir Groß und Bullentaille und die Fock- wie ein stolzer weißer Vogel nähert sich die Eos dem roten Ziegelbau der uns schon bekannten Marina Orikum, die einzige an der Küste.(toll geplant, ital.-alban., wenig dahinter, defekte rostige Duschen+ WCs ohne Deckel, Brache rundum statt Grünanlage, kaum Schiffe am großen Landplatz…Schade!) Die netten jungen Australier sind auch da, die hatten eine furchtbare Sturmnacht vor Butrinti in einer dem Sturm ausgesetzten Bucht- mit drehendem Wind… und mußten nachts die Ankerbucht verlassen und zurück nach Sarande motoren, klagte eine der Mädchen.Wir fuhren ja nachts nach Ayos Stafano…
Gleich nach dem Anlegen backe ich frische Pfannkuchen zum Kaffee. Gh. ist im Büro, 1 Nacht kostet 40€+ 40€ für die Behörden!!!Am Abend gibt’s meine frische Gemüsesuppe…aber ich kann keinen Bissen essen. Übelkeit, Diarrhoe, Fieber, Bett…

Kap vor Orikum nach 9 Std. Segelei
Kap vor Oricum gerundet, jetzt Butterfly-Segeln vorm Wind, herrlich

Gjergjin inj Tirana m.d.Volvo

Unser Freund Gjergji, den wir im kleinen albanischen Küstenhafen Palermo 2011 als Helfer beim Festmachen kennen gelernt hatten, holte uns mit seinem Volvo ab. Über schlagloch- und rinnenreiche alte Straßen(Umleitung wegen Baustellen) und neue Autobahnstücke fuhren wir durch das schöne Hinterland zwischen Orikum und Tirana. Weinberge, Gärten, Olivenhaine…Viel Neues wird gebaut, wenig landwirtschaftlich bewirtschaftete Felder. Gj. erzählt uns, dass die Bauern lieber schnelles einfaches Geld wollen, ihr Land verkaufen und dann entstehen überall Häuser – und Gemüse und Getreide muß Albanien dann im Ausland dazukaufen. Verrückte Welt. Es werden Wohnblocks und Fabriken, Möbelhäuser, Supermärkte gebaut. Aber in den Städten pulsiert das quirlige lebendige Leben. Viel mehr junge Leute als in Deutschland, aber auch Alte, Arme, nur mit klapprigen Mofas und defekten Karren. Man sitzt gern im Café. Die Mädchen oft sehr hübsch und modisch kokett angezogen, Highheels, Décolleté…In Tirana spazieren die Leute unter herrlichen grünen Bäumen, an Boulevards, in Parks. Viele Autos, geschäftiges Treiben. Die Zeugen der Hodscha-Ära werden vernichtet, Albanien sucht einen Neu-Start, das ist gut so. Interessante, abwechslungsreiche Architektur, keine Lochfassaden wie bei uns, originelle Balkons, viele Rundbauten, bunte Fassaden! Spielerische Formen an Wohnblocks und neuen Geschäftsbauten. Hotels, Restaurants. Gj. führt uns um 2 in ein Strand-Restaurant, in dem mir die großen Störche (Skulpturen) gefallen, die Leleks. Fischsuppe, fritierte Calamari, Salat.


Bei Gjergi in seiner Wohnung ist es gemütlich, er hat aus dem Arbeitszimmer ein Gastzimmer gezaubert, Bettzeug mit Spitze, neue Frottées, Hausschuhe! Am Tisch stehen Kekse, Wein, Sekt, Erdnüsse, wie bei uns vor 40 Jahren für hohen Besuch….Es gibt gebrühten türkischen Kaffee mit Satz.

Die Mama Niqi ist eine ganz liebe kleine Frau, 83, Witwe. Leider können wir keine Frage beantworten, aber Gjergi spricht gut deutsch und ist unser Dolmetscher. Nach einer Stadtrundfahrt bummeln wir zu dem imposanten „Platz Genscher“, zu der Universität, dem Rathaus, dem Regierungssitz, wir sehen Gjs Arbeitsstelle bei der Universität(er ist Chemiker im Speziallabor und lehrt Studenten).

Tirana, die alban (1)

Tirana, die alban (2)
Grüme Alleen an den Boulevards
Tirana, die alban (3)
Uni f. Politische Wissenschaften 

Tirana, die alban (4)Tirana, die alban (7)

Tirana,Hübsche Kellnerin in ital. Restaurant
So hübsch, grüne Augen, Topfigur, wie viele junge Albanerinnen!

In einer auf Touristen gemünzten feinen Pizzeria treffen wir den Bruder mit Gattin, er ist Onkologe und hat viel Ärger mit ständig defekten Tomographen… Ein Jammer. Mir reicht eine Hühnersuppe, Gh. speist Pizza capricciosa. Dessert Limone-Parfait.
Nach einer geruhsamen Nacht (ich habe nun aber auch 38.6° Fieber und kann nix essen!) gibt es eine heiße Milch mit Zucker zum Frühstück und eine Scheibe Weißbrot mit Feta. Gj. brutzelt über der Gasflasche in der Pfanne ein Ei mit Käse für Gerhard. Der Backofen steht am Balkon, die Mikrowelle auf er Küchenanrichte.
Dann fahren wir um 8 los und sehen Dürres. Dort finden wir ein Taxi am Buswarteplatz, das nimmt uns beide und einen Italiener mit nach Vlora. Unterwegs viel Abbruch, Abrißbagger zertrümmern alle ohne Konzession erbauten Gebäude, kleine Shops, Autoreparatur, Waschplatz, Bäcker, Café, wo am Boulevard entlang nur diese windigen niedrigen Baracken standen, entsteht nun eine Allee, mit Blumenrabatten, Gehweg, Fahrradweg und breitem Bürgersteig- dahinter nur die Hochhäuser mit vielen Läden. Ein neuer Anfang. Aufbruch. Aber auch ganz große Hotels am Strand werden eingerissen, man schüttet gleich den Strand mit den Trümmern auf und errichtet eine feine Riviera. Nur vereinzelt „überlebten“ Strandcafés und Hotelanlagen diese gegen Korruption gerichtete Vernichtung. Gegen 13 Uhr erreichen wir unsere EOS. Einräumen, Blogschreiben. Ausruhen für die noch kranke, aber bald fieberfreie Gerdi. AmSamstag, 28.5. fahren wir mit dem Sammelbus nach Vlores, und wir lernen ein sehr nettes Ehepaar kennen, die beide deutsch gelernt haben und große Freude haben, es nun zu sprechen, sie Betriebswirtschaft, er Lehrer. Hoffentlich schreiben sie uns mal eine Email:-)

pfannkkuchen in orikum als einstandsessen zum kaffee

Hier die Bilder und der Bericht aus Gerhards Flickr-Album bis Orikum: Klick

Hier Gerhards 2. Flickr-Album, Tirana: Klick

 

 

 

 

 

 

8. Ruhige Tage bei Butrinti

Das hellgrüne Wasser fällt bei der Einfahrt in die Lagune sofort auf. Nicht mehr das Blau des Meeres. Nur zwei kleine Stangen markieren die Einfahrt. Man muss sie aus südwestlicher Richtung vorsichtig anfahren und sich dann scharf nach rechts wenden. Auf der linken Seite glotzen die beiden Schießscharten Enver Hodxas Einmannbunker an (das Wasser hat sie mittlerweile unterspült) und gegenüber erinnert das Fort der Sultans an den Einfall Napoleons.
Wir fahren noch etwas in der Lagune weiter und ankern in diesem stillen Wasser. Die Gegend vor dem Butrinti-See liegt abseits der Seglerrouten. Wir tun heute nichts mehr außer uns wohl fühlen.

EOS hinterm Sultanspalast (800x533)
Am nächsten Tag: mit unsrem Schlauchboot MICRO EOS besuchen wir das Fort und bekommen von den hohen Mauern einen Überblick. Wasser, flaches Schwemmland, die Örtchen Xari und Mursi auf Hügeln etwas abseits. Dahinter die noch grünen Berge und auf der anderen Seite die Gebirge Korfus. Dann trägt uns MICRO EOS zu den Bunkern auf der anderen Seite.

Der Hirte und seine Herde (800x533)

Ein schüchterner Hirte mit seinen Schafen grüßt durch kurzes Heben der Hand. Zwei Frauen vertreiben sich die Zeit, während die Männer in Taucheranzügen gegenüber Muscheln vom flachen Boden abkratzen. Wohl arme Leute, die Zeit hat sie nicht bevorzugt. Aber sie lachen fröhlich, singen die albanische Hymne mit Gerdi und genießen den Sonntag.

Das Schicksalsgesicht (800x743)

Frühlingswiese (800x533)

Noch blüht es am Wegesrand in allen Farben. Ein paar Wochen später wandelt sich der Boden in ein dürres Braun. Am Nachmittag verlegen wir EOS näher zu den Weltkulturerbe-Ruinen um im Restaurant Mails und Blogs zu erledigen und um etwas Brot zu bitten. Viele Busse bringen Gäste hin und fort. Die alte, quadratische Seilfähre auf 6 rostigen Pontons versieht ihren Dienst immer noch. Dann verlegen wir EOS zurück zum Fort. Die ersten Lichter auf Korfu leuchten, der Vollmond steigt rot über den Bergkamm während Jupiter als heller Punkt schon hoch am Himmel steht. Wir erwarten eine ruhige Nacht.

Hier alle Bilder: Klick

7 Ksamil, Flucht und ein wunderbarer Ankerplatz

Gut versorgt verlassen wir Sarande in Richtung Süden bis zu den beiden Inselchen hinter denen sich das Örtchen Ksamil noch verbirgt. Es regnet beim ankern auf gutem Sandgrund zwischen den Inselchen und dem Ort. Der Nachmittag liegt noch vor uns und so widmen wir uns via Internet Mails und Blogs. Solange bis unser Hotspot unerwartet den Dienst versagt und uns eine griechisch verfasste Sms mit rotem Ausrufezeichen erreicht. Kontoguthaben aufgebraucht? Lesen, abends Reste essen, lesen, schlafen bei angenehmen sanften Schaukeln.

Anderntags regnet es Bindfäden und wir spüren keine Lust weiterzufahren. Lesen geht nicht lange. Die Stille und das Schaukeln lassen bald die Lieder zufallen. Gerdi übt griechische und französische Aussprache, ich entrümple den Ersatzteilkoffer.  Gerdi bietet eine gute Tomatensuppe zu Mittag an. Lesen, durch regenfeuchte Scheiben sehen was draußen los ist. So gut wie nichts, höchstens  entfernt ein paar Schiffe. Der Betonmischer rattert nicht mehr. Kamil, der seelenlose, regellos und bunt bebaute Ferienort liegt wie verlassen hinter dem Regenschleier. Aus der Entfernung gar nicht mal hässlich. Natürlich lässt sich niemand an den Badestränden blicken.

Nach wie vor fehlt (mir) das Internet. So kehren alte Zeiten zurück, als diese Verbindung noch unbekannt war. Gar nicht übel, diese lange Weile. Verbindung besteht nur zur EOS und dem wenigen, das man sieht. Jede Eile ist fern.

Abends brutzeln 2 Halsgrats auf dem Heckgrill und wir können sie noch mit Genuss essen während sich im Südwesten ferne Gewitter zeigen und der Wind von der sicheren Nordseite auf die unsicher Nordostseite dreht und kräftig zulegt. Die Gewitter rücken näher und erinnern uns an eine Sturmnacht vor dem Acheron. Wir legen auf der elektronischen Seekarte die Route nach Ag. Nikolaos an. Es sind nur 3 sm. Ganz legal ist das nicht, verlassen wir doch ein nicht EU-Land ohne Abmeldung. Aber Gerdis Kalenderspruch von heute lautet „ Wenn man sich an alle Regeln hält, verpasst man den ganzen Spaß“.  Mit GPS-Hilfe ist es einfach, auch in eine enge Bucht einzulaufen. Man folgt einfach der angelegten Route, muss nur vor lauter Blick auf GPS und Tiefenmesser aufpassen, um nicht einen schwach beleuchteten Ankerlieger zu rammen.

Nachtfahrt - Kopie (800x533)

 

Mittlerweile ist es stockdunkel. Anker ab und fertig. Dann hat uns die Gewitterfront auch schon erreicht. Es prasselt und EOS neigt sich im Wind. Am alten Platz wär’s jetzt äußerst ungemütlich.

Im Regen - Kopie (800x533) - Kopie

Nach ein paar Stunden beruhigt sich das Wetter wieder.

Anderntags wieder, nicht ganz legal zurück nach Albanien. Am Berghang dreht sich das Radarauge. Ziel ist der Vivar Kanal, der den Butrinti See mit dem Meer verbindet Die Leute sagen, die Einfahrt sei zu flach. Eine Zeichnung bietet aber 2,3m Wassertiefe an. Mit großer Vorsicht nähern wir uns und stellen fest, der Fluss ist auf der Barre mindestens 3m tief. Vorbei, ganz langsam am Verfallenen Palast des Sultans und einiger Einmann- Bunkern aus üblen Zeiten und dann ankern wir inmitten einer wunderbaren, stillen, von Bergen umgebenen Flusswelt. Einer DER schönen Plätze, wo man nur schweigen kann.

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6. Mein Geburtstag auf See, Butrinti-Albanien

Gerdi schreibt, in Albanien

19.-21. Mai


Ein ganzer Tag Regen, kühle 15°C. Wir sind von Sarande über die große Bucht gesegelt und vor einem neu erstehenden Hotelstrand vor Anker gegangen. An dem verregneten Tag schreiben wir Blog und Emails- und leeren unbewußt unser Internetguthaben vom Cosmote-frog! Als am 20. eine Regenpause entsteht, würze ich eilends die 2 Steaks und Gerhard wirft den Grill am Heck an: gut, die Kohlen blieben trocken:-) Teils unterm Regenschirm gelingt das Grillen, ich dünste flugs im Wok Aubergine, Spitzpaprika und Tomaten, mit Wein und Zitrone und ganz frischem Origano.

In der Nacht vor meinem Geburtstag aber blitzt es heftig, der Wind brist auf, die Wellen schlagen an den Schiffsrumpf. Um 20 Uhr ziehen wir in geübter Bordroutine binnen 5 Minuten Ölzeug, Gummistiefel und Südwester an und los geht’s: mit Motor zum uns schon bekannten geschützteren Ankerplatz vor Ayos Stefanos(GR) Noch 2x die blauweiße griechische Gastflagge hissen. Es weht und schaukelt. 3 Boote im Regen… Leere Tavernen.

Gerdis Gebtg  (2)
Am Morgen hab ich Geburtstag und Gerhard malte mir einen Blumenstrauß. Er paddelte an Land und holte frisches Brot! Der Kalenderspruch von Ktherine Hepburn ist einfach schön, den kleben wir in den Salon. Ich bat Gh., mal ein paar Fotos von mir zu machen:

Am Mittag motoren wir vorsichtig in den Zugang nach Butrinti… 2011 mit dem Bus, heute auf eignem Kiel!

Gerdis Gebtg (2)
Einsam schaukelt die EOS vor Anker in der Strömung

 

Die EOS vor Anker in der Strömung, hinten ist die archäolog. Stätte Butrinti

Herzlich gratulieren wir dir zu deinem Geburtstag,
an dem du glücklich und bester Laune sein sollst!
Bleib gesund und munter, neugierig, aber auch vorsichtig. I+H

 Losung aus Psalm  84,12: 

Gott der Herr ist Sonne und Schild.
Wir wünschen Dir, dass Du diese Erfahrung, 
wie der Psalmist erfahren darfst 
und wünschen Dir alles Gute 
für das neue Lebensjahr.W+H

5. Albanien, wir kommen! Sarande wächst modern

Nach einer wunderbaren ersten Nacht vor Anker vor Ayos Stefanos/Küste Korfu- kühl bei 16°C – segeln wir nach gemütlichem Frühstück um 10 früh los und peilen Sarande, die schöne sonnen-beleuchtete große Küstenstadt in Albanien an. Bald müssen wir aufkreuzen, die Autohelm-Selbststeuerung wird getestet. Die GPS-Seekarte zeigt uns die Staatsgrenze: Flaggenwechsel, die griechische runter, die Albanienfahne und die gelbe Einklarierungsflagge hoch.

Sarande zeigt sich mit moderner Skyline, viele neue Hotels und 10stöckige Wohnblocks!

Sarande  Albanien 1 (3)Sarande  Albanien 1 (5)

Im Gegensatz zu 2011 Ende Juni sind wir nicht allein, auch 4 andere Segler- unter englischer, holländischer und australischer Flagge- steuern Sarande an! Ein ganz neues Amtsgebäude ist im Bau, der umgebaute Kai ist irgendwie „tiefer gelegt“ worden und blitzende Edelstahlringe laden ein zum Festmachen. Ich lasse erstmals den Anker fallen, stoppe ab mit der elektrischen Winde, lasse weitere Meter laufen, Gerhard bittet unsre Old Lady rückwärts zu fahren bis an die Kaimauer… Es klappt, mühsam. Helfende Hände an Land, eine fesche Zollbeamtin erbittet auf gutem Englisch unsere Schiffspapiere und Pässe, „half an hour, ok?“ Ich singe majestätisch die albanische Nationalhymne, die Dame staunt!

Sarande (5)

Port of Sarande, security level 1“ und „corruption stop“ – das steht auf den Schildern, 2 Zollbeamtinnen in Uniform wachen über uns.

Sarande (6)
Korfu… so nah…

Zwischen Neubauten auch unfertige Bauruinen, kleine Gärtlein, winzige Häuslein, liebevoll von Gartengemüse und Blumen umgeben.

Sarande (9)Sarande (8)

Sarande (10)
Mein erster roter Mohn 2016
Sarande (7)
Aha, der Lieferwagen war mal ein Bayer, aus dem Ammergau

Von 13 bis 18 Uhr machen wir einen ausgedehnten Spaziergang, rasten in einem der vielen Cafés an der langen Promenade, trinken einen Frappé, erkennen einen Lieferwagen der Schaukäserei Ammergau ;-), finden einen deutsch anmutenden Metzger, einen Bio-Käseladen. In der Markthalle werden die letzten heimischen Früchte und frisch geerntete Gemüse angeboten, draußen am Straßenrand die berühmten Butrinti-See-Muscheln, abgefüllt in leere Wasserflaschen, wie vor 5 Jahren. Die Stadt wird hoch auf die Hügel witer gebaut, fast wie Mallorca und die spanischen Küstenorte, viele Hochhäuser, aber auch viele Ruinen, mitten im Bau gestoppt, gigantische 10-stöckige Neubauten in hellblau oder ziegelrosa wuchsen wie Pilze aus dem Hang hinter dem Meeresstrand. Hotels, Apartmenthäuser zum Verkauf… Es gibt aber auch noch einige der ganz primitiv gebauten Mietblocks, an denen die Wasserleitungen, Stromkabel und Antennen gebündelt an Balkons hoch gebunden sind. Supermärkte, Getränkekiosks, Bäcker- und primitive Waschplätze für die ewig staubigen Autos. Übrigens nicht mehr zu 90% Mercedes! Es fahren auch viele Kleinwägen rum, Hyundai, Opel, VW-Golf,… Wir laufen bis ans „Ende“ wo der alte Pescatore-Fischerhafen, wo die Müllcontainer stinken und die Katzen mager herum streifen, wo die Fischerboote von Hand kalfatert werden und viel Wäsche auf den klapprigen Balkons flattert… Unter zusammengeflickten Wellblechdächern auf knapp 2m hohen 1-Zimmer-Wohnungen gibt es wohl viele kleine Kinder… Vor den ganz kleinen Häuschen wird Gemüse angebaut, Löwenmäulchen und Mohnblumen, Rosen und gelbe Kapuzinerblüten zieren Haus und Hof. Die inzwischen gerichteten Straßen wurden mit Bäumen bepflanzt am Rande, das wird nach Fertigstellung eine schöne Wohngegend sein. In Baulücken tief drunten wohnen aber auch Leute, zwischen leer in den Himmel ragenden Betontreppen hat einer 6 Waschmaschinen im Freien stehen, die Puppe liegt in der Mikrowelle… Grotesk. Aber Lolita stellt uns stolz ihre 2 Kinder vor und sie grüßen uns mit höflichem Handschlag.

Ein Eis krönt den Wandernachmittag, dabei erfahren wir, daß Albanien keine griechische Ortszeit hat, also OEZ, sondern wie in Deutschland oder Italien „nur“ die MEZ, also müssen wir unsere Uhren um 1 Stunde zurückstellen und hungrig warten, bis es 19 Uhr ist.

Dan laufen wir hoch zu Fredi’s TAVERNE. Natürlich essen wir nach der Fischsuppe die frischen kleinen Muscheln aus dem Butrinti-See, trinken das erste Birra Tirana. Die englische Crew freut sich über ein Tor der Liverpooler Fußballer gegen Sevilla. Ein bürgerlicher Abend geht sanft zur Neige, unser erster in Albanien. Morgen noch Brot und Obst kaufen, dann peilen wir eine Ankerbucht an. Gekocht ist schon;-): der Rest vom Pot-au-feu mit Rindfleisch ist noch im Kühlschrank. Müde sind wir, die 23 Uhr auf der Uhr sind in uns noch auf griechische Zeit eingestellte Körper ja Mitternacht beim Blog-Schreiben und Fotos laden. Gute Nacht. Miro pacim.

Hier Gerhards Bilder und Bericht: Klick

(auf das kleine Wort klick clicken :-)-Die Fotos sind sehr eindrucksvoll-:-)

Also unbedingt anclicken. Wenn man auf die einzelnen Fotos surft, kann man die Bildertitel lesen. Wer geschickt ist, kann auch die Diashow finden…. dann laufen sie nacheinander ab…

 

Abendlicht

 

4. Corfu adieu: Gerhards Bilder/flickr

Fahrt ins Wasser
Pause nach der Arbeit am Schiff
  • Um das Album zu sehen, erst auf das große Bild clicken.
  • Unter Gerhards Titel kommt sein Text. Wo das Wort „mehr“ steht, drauf clicken, um den Aufsatz weiter zu lesen
  • Um die Bildunterschriften zu sehen, wieder auf jedes einzelne Foto wandern mit dem Cursor.
  • Viel Glück! Wer’s 1x gelernt hat, kann es im folgenden Blog-Verlauf 🙂

3. Die EOS segelt – erste Ankerbucht: nach Korfu: Ayos Stefanos

Am 16.Mai, unserem letzten Abend auf Pfählen, noch ein Stadtgang, viele Fachgeschäfte haben in Griechenland am Montag zu. Im Supermarkt kann Gerhard die  griechische Simcard aufladen, ein Glas frisch gepresster Orangensaft. Eine Trachtengruppe tanzt in Folklorekleidern einen griechischen Volkstanz!

Einkaufen. Am Abend das Abschiedsessen in der Fischtaverne: Octopussalat, eine rosa Paste auf geröstetem Weißbrot, eine Art kleiner Thunfisch  in scharfer Paprikasoße, Spinat, frisch gefangener rot gepunkteter Kalamari fritiert, ein Bier, ein Espresso. Griechenland ade, Jassu Hellas!

Dienstag, 17.Mai: Corfu Shipyard. 8 Tage lang unser „Zuhause“ zwischen zahllosen andren Schiffen! Ganz schnell noch eine 30-min-Wäsche in der Waschmaschine, früh um 7, die Polierlappen, die Putzlappen, die Frottées… Draußen am Cruiser-Quai drängen sich bald 5 Mammutschiffe, es mögen wohl 12000 Touristen über die Stadt herfallen!!

Um 11 ruckelt es heftig, die Zugmaschine kommt angerattert und schon fallen die Holzpfähle zu Boden und der Kiel steht auf dem Schlepper. Lefteris kurbelt, der 2. Albaner klemmt den Schiffsrumpf in den alten Slipwagen( Traktor und Slipgerät haben sicher schon 1987 unsere gute alte Marion hochgezogen… dann läßt Lefteris die Seilwinde locker und das Heck rutscht sanft ins Meer- endlich schwimmt unser Schiff wieder ;-). Noch die Fixierleinen lösen, die beiden klettern rüber auf das Brett und winken fröhlich: Miro Pacim! Falimendérit (fürs Trinkgeld), Auf Wiedersehen! Gute Reise!…- und dann schwenke ich die deutsche Fahne und stecke sie am Heck ein. Der Törn beginnt!! Der Motor sprang brav an, das Bord-WC pumpt Seewasser zur Spülung (nach 7 Tg. Leiterklettern und alle auf 1 Arbeiterclo…:-[)

Gerhard gibt mir den Kurs, wir setzen beide Segel und die EOS hebt und senkt sich sanft auf den Meereswellen in Richtung Albanien. Sarande leuchtet im Sonnenlicht unter hoch aufgetürmten weißen Cumuluswolken über den Bergkämmen, die uns seit 33 Jahren so vertraut sind! Gegen 1 frischt der Wind auf, weiße Schaumkronen auf blauer See. Wir kreuzen auf, mal Hotelküste, mal unbebaute grüne Hänge. Um 15 Uhr laufen wir bei böiger Brise in die Bucht vor Ayos Stefanos ein und ankern vor Fels und Strand. Ein zum Touristen- und Tavernenort mutiertes kleines Fischerdorf. Bald ankern wir zu viert, Engländer, Franzosen, wir… Ich spüle meine verschimmelte Kunststoff-Flöte gründlich und blase die Hymnen, auch die schöne albanische!

Gegen 17 Uhr beginne ich zu kochen: Krautsalat, Rindfleisch mit Zwiebeln, Lauch, Karotten, Kartoffeln, Petersilie, vielen Gewürzen! Erst nach 45 Minuten im „Schnell“Kochtopf ist das Kuhfleisch zart genug… Es schmeckt lecker! Um 21 Uhr wird es dunkel, die kleine Eule ruft ihren monotonen Schrei: ü…ü..ü

Leise schaukelt die EOS, v.a. die großen Kreuzfahrtschiffe senden hohe Wellen in die verträumte Bucht… Wir müssen vorsichtig sein beim 1. großen Abspülen! Um 21 Uhr wird es dunkel. Ein silberner Halbmond glänzt zwischen ersten Sternen am Firmament. Ja, nun dürft ihr Blog-Leser uns beneiden! Ich hol meine Bloickflöte und denke an euch, wenn ich „Kein schöner Land in dieser Zeit“ flöte. Und danach griechische Hirtenlieder:

Prowatàkia stin playà- wenn die Schafe am Strand…

Leider haben wir noch keine Botschaft von Gjergji aus Albanien. Bald klarieren wir dort ein.