Kleiner Berg mit großer Sicht

Nail und Mustafa fügen die letzten Streifen Deck auf unserer EOS ein. Das Teakdeck ist bald vollendet. Die Aufgaben, die ich erledigen kann, sind fast alle getan. Also sehe ich mir die Gegend an. Gleich hinter der Werft beginnt der kleine Berg, etwa 300m hoch, ein Winzling also. Steinharte, rauhe Felsen, trockene, stachelige Büschchen hemmen den Aufstieg kaum. Der Blick weitet sich. Unter mir liegen die 3 Werften.

Unter dem kleinen linken Dach liegt unsere EOS (1500x1125)

Rufe, Hammerschläge, Sägegeräusche dringen hier rauf. Nur aus der riesigen Halle bleibt es still. Die Arbeiten an den 3 Luxusschiffen für reiche Ukrainer ruhen. Die Arbeiter sind entlassen worden, die besten Fachleute auf halbes Gehalt reduziert, das dem ukrainischen Volk gestohlene Geld fließt nicht mehr. In den beiden anderen traditionellen Werften brummt die Arbeit.

Der Mittelmeerherbst kommt. Aus den braunen Stachelbüschen wachsen winzige grüne Blättchen, kleine weiße und blaue Blümchen sprießen aus der Erde. Die weißen Blüten auf den langen Stängeln aus den großen Zwiebeln aber, die noch vor 2 Wochen so schön blühten, haben sich in grüne Samenkapseln verwandelt. Zwei Mandelhaine auf gepflegten Terrassen liegen auf halber Berghöhe.

Der Mandelhain (1500x1125)

Andere Terrassen verfallen und überwuchern. Vor dem Gipfel stellt sich noch ein Felswändle in den Weg, das ist aber leicht zu überwinden. Jetzt zeigen sich die beiden Sendemasten für Kommunikation. Abseits davon setze ich mich auf einen Fels und darf die überwältigende Sicht genießen.

Panorama (4) (1500x1125)

Auf einer Seite tief unter mir Bozburun mit Buchten, Inseln, Bergen und auf der anderen die Ebene mit den verstreuten Häusern und dazwischen die Werften. Wie Ameisen bewegen sich dort die Arbeiter.

Bozburun lebt von den Gulets. Jetzt bei Saisonende, liegen sie zahlreich vor Anker am Ufer oder stehen eng aneinander auf Pfählen in den Werften. Auch abseits vom Meer, in Hinterhöfen, auf Wiesen werden sie gebaut. Unter kleinen Dächern stehen Bohrmaschine, Hobelmaschine und Bandsäge. Davor das Gerippe einer werdenden Gulet.

Bootsbau an der Strasse

Die Leute von Bozburun leben gut davon. Wie eh und je werden sie gebaut nur jetzt mit anderen Materialien und elektrischen Werkzeugen, aber immer aus Holz.

Eine ländliche Gegend. Ich merke es am Kikeriki der Hähne und am Gackern der Hühner im Tal oder gelegentlich dem Blöken eines Schafs. An späteren Vormittag höre ich die Klänge einer Hochzeitskapelle, die schrille Flöte und die Trommel, kann aber nicht sehen, wo gefeiert wird. Ich war zu zwei dieser mittäglichen Hochzeitsmahle eingeladen. Immer das Gleiche: Auf einem Acker Tische und Stühle, einige Flaschen Wasser und die traditionellen Gerichte. Eine Suppe mit Knochenfleisch, Brei aus Gerste, gemischter Salat, Fritten kalt mit Joghurt oder ähnlichem und ein  süßer Brei aus Grieß. Ayran, das Getränk aus Joghurt, Salz und Wasser, kein Alkohol.

Dann mache ich mich wieder auf den Abstieg, diesmal nehme ich die Versorgungsstraße vom Sender. Hier im Schatten sprießen zarte Gräser, noch feucht vom Tau der Nacht.

Erstes Grün im Herbst (1500x1125)

Bei uns im Norden sprießt die Natur, wenn die Sonne nach dem Winter die Erde wärmt, hier lebt die Natur auf, wenn die Sonne ihre dörrende sengende Kraft verliert und mehr Regen den Boden wässert. Im Februar+ März sind die Berge dann grün, bevor ab Mitte Mai wieder die braune Farbe überwiegt.  Wo auch immer: alles ist ein Kreislauf, Werden und Vergehen. Ich freue mich, dass ich da mitten drinnen sein darf.

Ein Klick, und alle Bilder sind zu sehen

Die Schiffswerft auf dem Lande

Auf traditionelle Weise an Land

Drei Werften haben sich hier an einer Bucht südöstlich von Boznurun angesiedelt. Zwei ähnliche und eine vorzügliche in der großen Halle nebenan. Bei den zwei ersten brummt die Arbeit, die dritte musste Mitarbeiter nach Hause schicken (Siehe Blog …..). Im Sommer zeigen sich nur ein paar Schiffe hier, aber im Herbst, wenn die Gulet- Saison ihrem Ende zugeht, dann füllt sich der Platz. Wie mir Nail versichert, ist dann kein Platz mehr frei. Dann stehen sie nebeneinander auf Holzklötzen, in der Senkrechten durch schräg verkeilte hölzerne Pfähle gehalten. Das sieht zwar unsicher aus, scheint aber durch die bauchige Rumpfform doch sicher zu sein. Schon das an Land bringen, dieser weit über 100 Tonnen schweren Schiffe ist abenteuerlich und traditionell. Je nach Schiffsgröße stößt ein Schaufellader den Slipwagen ins Wasser, ein Taucher positioniert es und spannt die Wangen und dann geht’s gaaaanz langsam, entweder mit dem Schaufellader wie bei uns kleinem, oder mit fester Winde bei schweren Gulets an Land. Anmerkung: Während der Schaufellader ohne Fahrer  den Wagen im Schleichgang zu Wasser schiebt zieht er sich seinen Taucheranzug  an. An Land und in „Parkposition“ hebt ei hydraulischer Drücke das Schiff an, es wird unterpallt und abgestützt. Der Wagen fährt aus. Fertig.

Bilder hier

Hier geht’s ans Grobe

Sportboote, so wie unsere EOS sind wenige hier. Hier überwintern fast nur große Gulets. Frisch auf dem Trockenen zeigen sich bei den meisten kleine Rinnsale, die dem Kielbereich entspringen. Eine gewisse Undichtigkeit scheint üblich zu sein. Nicht jedes Schiff schläft hier still den Winter über. Nach technischer Begutachtung geht’s dann oft ans Grobe. Bei 5 cm starken Planken richtet die Stichsäge nichts au s. kommt  Da kommt Mehmet mit dem Roller an, die Kettensäge zwischen den Beinen, reißt sie an und trennt schadhafte Planken mit einem Stemmeisen  heraus. So öffnet sich ein Blick in den inneren Rott. Aber auf einmal ist das Schiff wieder zu, die Planke eingenagelt und wartet aufs Schleifen, kalfatern und anstreichen. Doch nicht alles geht so einfach… Einem Schiff fehlt fast das gesamte Heck.

Bilder!

Auch Chaos schafft Schönes

Hätten uns die beiden Bootsbauer, die an EOS arbeiten und deren Musterdeck und auch der Preis nicht überzeugt, wir hätten den Platz sofort verlassen. Ungewöhnlich primitive Verhältnisse in jeder Beziehung. Was nicht unmittelbar gebraucht wird bleibt liegen und wird von Staub bedeckt oder rostet oder fällt in sich zusammen. Das Erstaunliche: Inmitten dieser Umgebung arbeiten fröhliche, hilfsbereite Leute und ich versteh mich (außer der Sprache)mit ihnen bestens. Und ebenso erstaunlich: Hier entstehen schöne, elegante große Holzschiffe! Gerdi und ich, wir wünschen uns, dass EOS dicht und in alter Schönheit diesen Platz verlässt und dann nichts wie weg.

Nochmal Bilder

Shopping in Marmaris

Die Bucht von Bospurun (1000x750)
Bozburun, nur 1 von vielen Buchten!

Es beginnt schon am Abend zuvor. Mit dem Fischhändler von Bozburun und einigen anderen sitze ich im Werftbüro. Er will mich morgen um 7 Uhr bis zur Abzweigung nach Daca mitnehmen. Dort erwartet er eine Ladung Fische, die er in Bozburun verkaufen will. Ich kann dann mit der Dolmusch(kl.Bus) weiterfahren.

An dieser Abzweigung kehren wir ein, essen einen Teller Suppe (in der Früh, das machen viele Leute hier), bevor jeder seine Wege fährt. Dolmus: Man streckt, wenn ein Kleinbus vorbei kommt, die Hand raus und er hält an, falls noch Platz ist. Vorher kommt aber sein Freund vorbei und mit ihm fahre ich bis Marmaris. Eine kurvenreiche Straße. Runter zum Meer, dann wieder rauf in die Höhe und wieder ans Meer. Wunderbare Ausblicke.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Die letzte Bergkuppe öffnet dann unerwartet den Blick tief unten nach Marmaris. Schön liegt die Stadt, überschaubar mit ihren 31000 Einwohnern am Scheitel der herrlichen Bucht. Viele Schiffe ankern, 2 Cruising- Schiffe liegen am Kai. Alles umgeben von bewaldeten, felsigen Bergen. Schon von hier oben: Eine Stadt, übersichtlich, zum Wohlfühlen.

Ich habe meinen großen Rucksack dabei,  um einiges an der EOS zu reparieren und Defektes ersetzten  zu können. Hier hat alles seine Straßen. Die Straße der Schiffsausrüster, die ich als erstes ansteure, die der Edelstahlschmiede, die der Autowerkstätten und dazwischen immer wieder ein kleiner Döner-Salonu.  Schlauch, Toilettendeckel und Bilgenfarbe bekomme ich beim ersten und auch etwas „Rabatt“. Keine 20 Meter weiter gibt’s den Keilriemen, den Feinfilter, den Kohlefilter und den Impeller, natürlich auch mit Rabatt. Der Laden um die Ecke hat die Wasserabläufe fürs neue Deck, leider nur mit zu hohem Wulst. Nur die Torx- Schrauben gibt’s hier nicht, für die werde ich 2 Kilometer weiter ins Industriegebiet geschickt, zu den Edelstahlschmieden. Vorher kaufe ich aber noch genau gegenüber 5 m Elektrokabel und einen Stecker Beim Elektriker nebenan finde ich dann ein kleines LED- Licht und Kabelschuhe. Alles  keine 200 m im Umkreis. In Friedrichshafen gibt’s halt nur den Schiffsausrüster Kösling. Kein Wunder, dass wir viel im Internet kaufen. So lerne ich die Stadt kennen und erhalte in einer größeren schummrigen Garage meinen Sack voll Schrauben. Da kommt mir die Idee: wenn ich schon bei den Edelstahlleuten bin, könnten mir die in den Wulst der Wasserabläufe eine kleine Rinne einfräsen . Also unterhalte ich mich mit dem Edelstahlmann genau gegenüber in seiner Werkstatt. Das ist auch eine größere Garage. Schleif- und Polierbock und Schraubstock stehen im Freien. Die Drehbank dahinter vor dem Büroverschlag. In allen diesen winzigen Büros sitzen immer Leute und reden. Die Türken reden überhaupt gerne, auch laut über die Straße hinweg. Immer wieder eilen junge Burschen oder ältere Herren mit Teegläsern auf den besonderen „hängenden“ Tabletts in irgendwelche Büros.Elegant balancieren die Träger die dampfenden 5-8 Gläslein Chai von A nach B. Mein freundlicher Edelstahlmann stellt seine Drehbank ab, fräst mit der Flex die gewünschten Rinnen, glättet sie mit dem Fräskopf und poliert sie schließlich am Schwabbelbock. Alles glänzt wunderbar, als hätte ich es so gekauft. 4 kleine Meisterwerke.

Zum Busbahnhof laufe ich mit einen knappen Kilometer mit meinem gesammelten „Schatz“ im Rucksack, denn ich habe jetzt alles bekommen, und ich freue mich auf einen Wrap mit Kebab, bevor der Dolmusch losfährt. Aber der startet gleich. Schade. Jetzt geht’s wieder die schöne, nun bekannte Strecke zurück. An der Abzweigung zur Schiffswerft, bitte ich den Fahrer zu halten und bezahle umgerechnet 4 € für die 50 km. Ich will nicht gleich wieder zurück und setze mich noch mit einer Cola und einem süßen Riegel auf ein altes Schiffspolster  vor einem wirklich winzigen Minimarkt.

Ehe ich’s vergesse: Die Partnerstadt von Marmaris heißt Fürth. Neben Nürnberg!

Bozburun, das Ende der Träume?

Bozburun, das Ende der Träume?

Bozburun liegt auf der Halbinsel mit gleichem Namen, dort hört die asphaltierte Straße auf. Es geht noch ein paar Kilometer die Schotterstraße weiter, dann ist Schluss. 9 km über dem Meer beginnt Europa mit der griechischen Insel Simi.

Wir anken in der schönen großen Bucht vor  dem Hafen. Beim Einkaufen sehe ich mich auf einmal mehreren Polizisten mit Maschinengewehren und einer Reihe von Bussen gegenüber. Völlig ungewöhnlich an diesem friedlichen Ort. Ein Segelboot, kein Seelenverkäufer, mit 50 Migranten wurde von der Coastguard aufgebracht und hierher zurückgebracht. Da sitzen sie nun in den Bussen, still, traurig. Was mögen sie denken. Nur noch 9 km fehlen bis ans Ziel Europa. Sehr viel Geld bezahlt, eine lange ungewisse Reise hinter sich, umsonst, zumindest vorläufig.

Das „Schleppen“ hat sich zu einem Geschäft entwickelt mit einem eigenen Netz der Kontakte. Die Kapitäne der Schiffe seien international, auch hier, Türken, Engländer, Deutsche. 2000 bis 5000€ zahlt ein Flüchtling alleine für die Überfahrt. Ein hervorragendes Geschäft für den Kapitän, wenn’s klappt. Wenn nicht, stehen der Schiffsverlust und eine mehrjährige Gefängnisstrafe in Aussicht. Nail erzählt mir beinahe jeden Tag, wo wieder ein Schiff aufgebracht wurde: In Selimiye, in Orhaniye. Aber es seien die wenigsten, deren Reise in einer nächtlichen, stillen Bucht beginnt –  aber nicht am Ziel endet. Der Traum ist die EU! Jetzt ist mir auch klar warum mir an diesem ländlichen Ort so viele Polizisten und Uniformen auffallen. So enden im beschaulichen Bozburun  nicht nur die Wege, sondern auch viele Träume.

EOS steht in der Werft ca. 6 km weit weg vom Dorf, von senkrechten Pfählen gehalten und unter Dach. Draußen stehen lauter große Gulets, unter anderem die „LADY SOVEREIGN II“, auch ein ehemaliges Boot für illegale Geschäfte in dunkler Nacht. Die Handwerker machen Ihre Sache gut, aber der Werft selbst mangelt es gewaltig an Ordnung und Sauberkeit. In unmittelbarer Nachbarschaft ist eine riesige, saubere Halle entstanden.

Hier drinnen entsteht das größte hölzerne Segelschiff der Welt

Nail möchte dort das Holz für EOS‘ Teak -Deck kaufen, weil es trockener sei, als das aus Istanbul. Der Bootsbauer dort lädt mich zu einem Rundgang ein. Das größte hölzerne Segelboot ist hier im Entstehen, 158m lang und daneben zwei weitere, kleinere. Welch eine Arbeit! Geländer so dick wie ein Menschenkörper. Keine Schäftung ist zu erkennen. Die Kajüte: ein Traum in Holz, allerfeinste Arbeit, innen unvorstellbarer Luxus. Hier waren wohl nur die allerbesten Profis am Werk, Edel-Handwerker. Der Bootsbauer zeigt seinen Stolz. Allein der Bau der leeren Halle hat 12 Millionen Euro gekostet. Über den Preis der Schiffe schweigt er. Fotografieren nicht erlaubt. So öffnet sich mir ein kurzer Blick in die andere Welt der überaus Reichen. Der Haken an der Sache: Es ist zu still in der Halle, nur 2 Arbeitern begegne ich. Diese Werft hat eine russische Gesellschaft gebaut, wie ich einem Zeitungsartikel entnehme. Alle 3 Schiffe wurden von schwer-reichen Ukrainern in Auftrag gegeben. Jetzt stockt die Bezahlung, wie man sagt, wegen der Kriegswirren dort. Darum wird derzeit nicht weiter gearbeitet. Die ursprüngliche Aufbruchsstimmung ist verraucht. Viele Fachleute wurden entlassen. Vielleicht geht es nach einiger Zeit wieder weiter. Vielleicht ist aber auch hier der Traum für die Arbeiter der Werft zu Ende.

Alle Träume enden irgendwann. Wir aber hoffen, dass das Werk von Nail und Mehmet gelingt und wir unseren Traum von einem weiteren Sommer mit EOS auf dem Meer fortsetzen können.

EOS in der Werft

Durch das Deck unsrer Yacht dringt bei heftigem Regen oder hohen Wellen Wasser ins Schiff. Das Teakdeck hat mit 40 Jahren sein Lebensende erreicht. Das ist auch bei andren Schiffen dieses Typs so! Damit wir nächstes Jahr mit dichtem Deck die Reise fortsetzen können, lassen wir diese Arbeit hier in der Türkei ausführen. Der Preis ist sehr günstig, aber wie wird das Ergebnis ausfallen? Wir sehen uns eine Arbeit von Nail, dem Bootsbauer an und meinen: Dieses Deck ist o.k. Sauber verlegt, fachgerecht aufgeklebt und optimal abgedichtet. Außerdem gefällt uns das ruhige und freundliche Wesen des Bootsbauers, er spricht gut Englisch, mankann sich gut verständigen. Die Zustände auf dem Gelände sind allerdings -für uns Deutsche- erschreckend. Unordnung, die sanitären Verhältnisse verlottert. 1 kaputtes Clo für alle.(Nach 4 Tagen hier wurde tatsächlich ein neues installiert:-)

Auch das Ausfahren aus dem Wasser geschieht auf abenteuerliche Weise mit einem rostigen Slipwagen, gezogen von einer riesigen Baggerraupe. Senkrecht gehalten wird alles von Holzstützen, so wie alle Schiffe hier. Das Manöver geht auch nicht ganz ohne Kratzer ab. Die sollen aber wieder in Ordnung gebracht werden.
Gerdi fliegt am 21.10.heim und ich bleibe während der Arbeiten hier. Nach 3 Tagen sind alle Beschläge und Relingteile entfernt, das alte Teakdeck abgebrochen, Hunderte von Schrauben gelöst und alles abgeschliffen. 2 Tage braucht es, um eine Sperrholz- Zwischenschicht anzupassen und mit Epoxi- Kleber zu befestigen.

Die Zwischenschicht aus Sperrholz ist angebracht

Als nächstes werden dann die 5 cm breiten Roco- Stäbe mit gelbem Sikaflex aufgeklebt. Echtes Teak ist mittlerweile kaum noch zu bekommen und sündhaft teuer. So greift man auf Iroko zurück. Mit Schrauben befestigt man diese Decks schon lange nicht mehr. Ich bin gespannt auf die Fertigstellung und werde mit wachen Augen über die Ausführung wachen.
Die beiden Bootsbauer arbeiten schnell. Vormittags eine Viertelstunde Pause, nachmittags ebenso und mittags 30 Minuten. Da wird immer viel gelacht und ich fühl mich mitten drinnen.

Der Pausenraum

Es macht auch Freude. Die Arbeit geht wesentlich schneller voran, als ich gedacht habe. Sie arbeiten mit einfachen Werkzeugen und ich muss schon aufpassen, dass nichts am Kajütdach oder den Kajütwänden zerkratzt wird. In ein Paar Tagen weiß ich mehr.

Alle Bilder: Klick

Die ersten Tage in der Werft

Etwas wehmütig ist die Fahrt vom schönen Ankerplatz neben dem Hafen von Bozburun mit dem Schiff… Noch einmal lassen wir diese buchten- und bergreiche Gegend  an uns vorbeiziehen …

Die Fahrt zur Werft (1500x808)

Eigentlich wollten wir EOS in Kas(sprich „kasch“) in die Werft geben, aber die Fachkunde,  gelungene Decksarbeit , die Freundlichkeit der Handwerker und Bootsbauer und natürlich auch der Preis haben uns bewogen, hier zu überwintern.

Abenteuerlich war das „an Land ziehen“ schon und es ging auch nicht ohne Kratzer am Rumpf ab. Aber schließlich war EOS aus dem Wasser und der Mast gelegt. Gerdi hatte für Dienstag einen Flug gebucht und der Werftbesitzer fuhr uns am Montag im alten Mercedes auf der berg- und buchtenreichen Küstenstraße nach Marmaris. Eine wirklich schöne Gegend mit Berg, Fels, grünen Pinienwäldern und Wasser. Schaut von oben noch schöner aus als vom Meer aus. Zum Motel am Flugplatz gehts dann mit Dolmusch (Kleinbus) weiter. Eine kurze Nacht an Land schlafen, sogar ein beleuchteter Pool lädt zum Schwimmen ein, kalt! Gerdis Flug um 8 und ich im Dolmus zurück und Bootszubehör in Marmaris einkaufen. Bus zur Werft. Und am Nachmittag schon bin ich alleine an Bord in der Halle. Ungewohnte Ruhe, kein Gespräch. Es hämmert und kratzt an Deck. EOS im Operationssaal. Mehmet entfernt die alte Haut mit grobem Werkzeug. Nicht angenehm, das zu sehen. Holzbruch an Deck, Schrauben ragen heraus. Würdelos. Man muss schon an die Zukunft denken, wenn das neue, helle Teak-Deck aufgezogen wird und sich die die gewonnene Schönheit erahnen lässt.

Unter dem Teakdeck (1500x1125)

Die Umgebung füllt sich mit großen lackglänzenden Holz-Gulets. Viele davon sehen auf den ersten Blick edel und gepflegt aus, aus der Nähe aber zeigt sich Rott und Rost am Unterwasserschiff oder Brandspuren an Gräting oder Cockpit. Nebenan in einer riesigen Halle entsteht derzeit das größte hölzerne Segelschiff der Welt, 158m lang, für einen Eigner aus der Ukraine. Zwei weitere große Segler entstehen ebenfalls für Eigner der russischen Föderation. Ein Bootsbauer dieser Werft zeigt mir diese Schönheiten. Erstklassige Holzarbeiten, allerbeste Materialien, die Werft sauber wie eine Automobilfabrik. 12 Mio hat allein die Halle gekostet. Der Bootsbauer nimmt sich viel Zeit und erklärt mir die Qualitäten der Edelhölzer. Mit Nail, der sich um EOS kümmert, vereinbaren wir, dass er die Hölzer in dieser Werft und nicht in Istanbul kauft. Der Bootsbau dieser exklusiven Segelyachten hier hat nur einen Haken: Die politischen Wirren verhindern die Bezahlung und so ruht die Arbeit zum Teil. Diesen Luxus in Vollendung bezahlen die bettelarmen Leute. Da ballt sich die Faust von selbst.

So kehre ich zum fröhlichen Hämmern und Splittern auf die gemütliche und bezahlte EOS zurück. Auch die Handwerksarbeit wird von uns bezahlt: 50% in bar beim Beginn der Arbeit, der Rest nach Fertigstellung. Deutsche Sitte.

Alle Bilder:

Und Gerdis Blog