20 Von der stillen Bucht Pagania ins Mercedes- Land

Letzter Ankerplatz in Griechenland, die albanische Grenze 1 km nah. Nochmals zieht kräftiger Wind die halbe Nacht an der Ankerkette. Bei Sonnenaufgang verlassen wir die Bucht, so früh um dem angekündigten Starkwind am Nachmittag zuvor zu kommen. Links die grünen Berge Korfus, rechts kahle, unbewohnte Hügel von Albaniens. Bei der kleinen Insel Peristerai verlassen wir die griechischen Gewässer, setzen den schönen schwarzen albanischen Doppeladler auf rotem Grund und darunter die gelbe Flagge, die beim Anlaufen eines anderen Landes notwendig ist.

Wir_bereiten_das_einklarieren_in_albanien_vor

Sarande, die Stadt in einer elegant geschwungenen großen Bucht ist das Ziel. Was wird uns erwarten? Bei früheren Reisen mußten wir einen Abstand von 12 Meilen einhalten. Das Gebiet vor der Küste war als vermint gekennzeichnet. Sarande war aus der Ferne eine graue Stadt und und bei der nächtlichen Durchfahrt zwischen Albanien und Korfu wurde unsere Marion von starken Scheinwerfern angeleuchtet.

Zuerst können wir den Hafen nicht finden. Das Hafenhandbuch beschreibt ihn im Scheitel der Bucht. Wir steuern ein Tragflügelboot an und bemerken eine winkende Person. An einem hohen Kai mit dicken Autoreifen gehen wir längsseits. Der Winker ist unser „Agent“ und will uns die Behördengänge abnehmen. Eigentlich möchte ich das selbst erledigen. Man lernt in den Behördenstuben Menschen kennen. Aber er ist so freundlich und versorgt uns mit nützlichen Hinweisen. Handbücher und Internet geben nur spärliche und teilweise völlig falsche Auskünfte. Er nimmt Bootspapiere und Personalausweise mit, kommt nach 1 Stunde wieder und gibt alles zurück. 50 Euro haben wir ausgehandelt. Freies Anlegen in allen Häfen des Landes inbegriffen (es sind nur 4 und eine Marina, die kostet extra) für ein Jahr. Wir dürfen den abgesperrten Hafenbereich verlassen und holen die gelbe Flagge nieder.

Im_hafen_von_sarande

Alles ist ganz anders. Wir sind herzlich willkommen, die Leute helfen wo sie können, die Stadt hat die graue Trauer abgelegt, Hochhäuser entstehen überall, modern und in lockeren Farben und dazwischen eine Moschee mit Muezzin- Ruf.

Sarande

 Lunapark, Bars, Restaurants säumen den Badestrand. Uns gegenüber ein Hotel nach dem anderen. Die jungen Leute sprechen uns an, „do you like Albania?“, sie wollen wissen woher wir kommen, wie wir reisen. Es wird am Abend flaniert wie in Italien, die Mädchen fein aufgemacht.  Verläßt man das Zentrum oder die Uferpromenade, dann macht sich Verfall und Armut bemerkbar. Zu den hohen Häusern führen unbefestigte, staubige Straßen, metergroße Kanaldeckel fehlen, neben dem Bürgersteig geht es ungeschützt 10 m senkrecht in die Tiefe. Telefon und Strom erreichen die Häuser durch abenteuerlich verlegte Leitungen.

Sarandes_auenbezirk

Auf unserem Ausflug nach Butrintit fallen uns Häuser auf, die wie gesprengt aussehen. Und sie wurden tatsächlich gesprengt und stehen als Betonruinen da. Die Bauherrn hatten nicht die nötigen „Papiere“ und schwarz gebaut. Auch fallen in der Stadt die vergitterten Fenster und Balkone der Erdgeschoße auf. Es wird und auch nahegelegt, abzusperren. Das haben wir in Griechenland nie gemacht.
Mit dem großen Hafenkran möchte ich am Masttop 2 neue Seile einscheren. Alles ist klar, aber der Kranführer möchte mich nicht hochziehen. Ich habe Verständnis. Es ist schon ungewöhnlich, einen Menschen statt einer Palette zu einem schwankenden Mast zu liften.
Zwei Polen haben hier eine Tauchbasis eröffnet. Bei einem Bier auf der EOS erfahren wir Nützliches. In einem fremden Land saugt man Informationen begierig auf.
Am gleichen Tag mit uns hat noch eine französische Yacht und ein Niederländer einklariert. Viele kommen nicht hierher. Die langen Jahre der Abgeschlossenheit und Feindseligkeit wirken nach. Im Gegensatz zur Stadt ist der Hafen nicht besonders einladend, zwar modern wegen der Touristenfähren von Korfu-Stadt, aber für unsere kleine EOS arg schauklig. Vor Anker und mit 5 Landleinen versuchen wir einerseits nahe an die Betonpier zu kommen, andererseits ihr nicht beim schaukeln zu nahe zu kommen.
Bei Fredi, einem kleinen schattigen Restaurant essen wir gut zu Abend, Fischsuppe,Muscheln, Scampi, Aal, zwei Tirana- Biere und einen halben Liter Wein. 1000 Lek, etwa 15 Euro kostet alles.

Erstes_abendessen_in_albanien

Warum Mercedes- Land? Ich habe etwas Statistik betrieben: Von 40 vorbeifahrenden Autos waren 25  Daimler Autos. Ein Taxifahrer führt das auf die robuste Federung und den dauerhaften Motor zurück. Die Straßen sind oft sehr staubig und schlecht. Darum auch viele „Lavazhos“, einfache Autowaschanlagen, ein Druckstrahler, ein Stoffdach drüber, Abfluß über die Straße.

Auto-wasch-platz_in_sarande

 

Und dann der Markt! Das pulsierende Herz der Stadt am Vormittag. Alles an Früchten und Gemüse was angebaut wird und reif ist. Jede Marktfrau preist ihre Waren an. Wir fragen nach dem Preis in Lek und decken uns für die nächsten Tage ein. Sogar Muscheln aus dem nahen Butrinit See will ich nicht widerstehen.

Muscheln_vom_butrintit_see

Der_markt_in_sarande

Die Bilder:

19. Sivota-Valtou, Festlandküste vor Albanien

19. Von den Sivota-Inseln die Küste hoch 
     …und Erinnerungen an den Törn 1987 -mit der MARION und Martin,4, und Joachim,5J., 24 Jahre zurück

 

20. Juni 2011

 

In dem kalten Fluß ACHERON , in dem das Bier überm Kiel im „Kellerfach“ 17° kalt ist und man fast kalte Füße kriegt:-) flöte ich fast feierllich Morgenlieder…Im Schilf royal-blaue Libellen, zwitschernde Schwalben ziehen ihre Kreise über mir..

 

Dann dreht der Skipper  unsre flußbreite EOS kunstvoll in der Strömung um 180°.  Bald wühlt sich ihr Bug durch den Meeresschwell an der Mündung. Wir motoren eine gute Stunde rüber zur Bucht Joanniou. Hier gibt es unter Wasser eine Süßwasserquelle, bei der früher Schiffe ihre Wasservorräte mit Brackwasser aufgetankt haben. Am weißen Strand um 12 Uhr mittags  4-6 Sonnenanbeter, ein Kiosk, ein paar Stühle… Wir baden, machen mit dem Schlauchboot eine Paddel-Rundfahrt. Gerhard kocht Spaghetti pesto, im stark schaukelnden Schiff braucht er die Topf-Klemm-Halterung am Herd. Ungemütlich, ein Gast wäre längst seekrank…Dann bleibt viel Zeit zum Lesen der alten ZEIT vom 1.Juni…Top-Thema: Griechenlands Sparzwang. Protestaktionen in Athen, 120 Mrd. Kreditwunsch…
Es folgt nach dem langen Schiffschaukel-Tag noch eine lange wilde Nacht, in der ich bis früh um halbfünf nicht zum Schlafen komme, EOS liegt quer zum Schwell 😦
Alpträume, die es wert wären, als Buch zu erscheinen…Früh um 8: Ruuuuhe….

 

21.Juni: SOMMERANFANG. 1. „heißer“ Tag. Sivota-Valtou

 

Wir genießen einen köstlichen Segeltag, Leichtwind von vorn. Endlich denk ich mal daran, ein kleines Video zum Mit-Erleben der Leser zu drehen:-)!
An Backbord die dunstige Hügelkulisse der Insel Paxos, an Steuerbord die grünen Hänge des Festlandes Richtung Igoumenitsa, wo die große Minoan-High-speed-Fähre auf ihrer 24-Stunden-Express-Strecke ab Venedig nach Patras mal stoppt. Wir biegen ahnungslos ein in die enge Bucht hinter der Insel Nikolaos…keine Einsamkeit mehr wie 1987.
 Sivota…?
Erschlossenes_gelande_mit_meerblick

 

 Der ganze Hang ist nun bebaut mit Komfort-Häusern mit Natursteinfronten, Swimmingpool, Blumen, Rasen, und unten auf der Sandspitze hat sich ein lebhafter Sport-Animations-Club Neilson eingerichtet(..Heikell im Handbuch: „…which I guess will have its fans, though I am not one of them!“)…Alles spricht English, very British, junge Leute, alles in orange!! (:-) meine ödp-Parteifarbe)Die Surfsegel, die Kajakboote, die Laserjollen, die Katamarane, die T-Shirts…! Die sehr engagierten Animateure brüllen  vom Motor-Schlauchboot aus ihre Kommandos, loben die Anfänger, fotografieren jeden mit einem mächtigen 30 cm-Tele-Objektiv. Oh, what a fun!!!! Really!!!
Wir üben uns in Toleranz, freuen uns mit den Urlaubern, die sich mühen, zwischen den 5 ankernden Segelyachten durch zu kreuzen. Tourismus-Management. Das, was unsre Tochter studiert…

 

Paradiesisch ist sie, die Bucht, man kann durch nur 20 cm flaches Meerwasser über eine Sandbarre waten von der Club-Insel rüber zum Festland.( Besonders gespenstisch trottete da ein Hund im Mondschein nachts um 12, 1 Stunde lang…).

 

Club_nailson_sehr_ordentlich

 

 Wir staunen: all die Hektik endet urplötzlich. ..Um 17 Uhr „finished“! Die 6-8 Animateure(4-5 Mädels) räumen fein säuberlich alle Sportgeräte wieder auf, stapeln die Kajaks wie Toastscheiben, vertäuen die Jollen ordentlich an den Bojen, hängen die orangenen Surf-Segel wie Kleiderbügel in einer kleinen Markisen-Halle an die Stange, parken die Schlauchboote in Reih und Glied ein: „very british-continental“! Tourismus nach Plan. Dann eine Runde Ballspiel.Die Nacht bei Musik und drinks wird sicher lang…

 

Ich brutzle an Bord dank eines grünen Straußes ganz frischer, saftiger, unbeschreiblich aromatischer wilder, klein-blättriger Pfefferminze (von der Kapelle am Acheron) 15 leckere Zucchiniküchlein!

 

Frische_giminze_von_der_kapelle_fur_die_zucchini-kuchle

 

Ein vollbesetzter Khaike mit Lichterkette und klirrender Bouzuki-Musik an Bord pendelt hin und her und holt die Club-Urlauber am Steg ab zum Dinner..oder zum nahen Hafenstädtchen Mourtos, bis Mitternacht, immer dieselbe Sirtaki-CD…
Die Nacht haben wir zahlreichen Besuch: SCHNAAAAKEN…

 

22.Juni: Um 8 früh steigen wir mit Rucksack den steilen Hang hoch und drüben runter nach Mourtos, zum Einkaufen. Wir erkennen unser stilles, verträumtes Sivota-Dorf von 19
87 nicht wieder: Zahllose große Tavernen (Pizza, Toast, Filter coffee, continental breakfast…) , eine Marina-Mole mit ca. 15 Yachten, ein gepflegter Stadtpark mit Stein-Weglein zwischen Blumenrabatten und Palmen…Aber wir finden eine neue FAZ! Vor dem  Supermarkt redet temperamentvoll ein grellbunter Riesen-Papagei und antwortet über den ganzen Platz hinweg einem rufenden Griechen, witzig! Es klingt auf beiden (!) Seiten wie ein ärgerlicher temperamentvoller Disput.Der Kaufmann, mal in Deutschland als Arbeiter, freut sich, daß wir schon vor 24 J. hier waren und schenkt uns ein großes Glas Honig von seiner Mutter! Gerhard kauft eine Citronella-Kerze gegen die gierigen Bord-Schnaken.

 

Die_endbay_mit_ferienhausern_im_werden

 

Am Rückweg über den Hügel blicken wir stolz auf unsere schöne EOS hinab, die in der romantischen bewaldeten Bucht  ankert…
Um 12 tasten wir uns vorsichtig zwischen den Inselchen durch, 0,7 m Wassertiefe unterm Kiel! Draußen bizarre 30 m hohe Felsnadeln, Höhlen wie Dome, teils nun ohne Dachgewölbe. Bis auf 10 m wagen wir uns heran…Wie ein Gebiß eines Riesen ragendie Felsen-Säulen aus dem blauen Meer…Die Sonne wirft ihr Licht von oben hinein, gespenstisch.

 

Felsen_vor_sivota

 

Schönes Segeln entlang der Festlandküste, in der Ferne schon die hohen, braunen albanischen Berge! Links Korfu, das ich seit 1974 kenne, wo auch unsre gute alte Marion 1987 1x über Winter blieb, bevor ich schwanger wurde 88…

 

Sanft biegen wir ein in „unsere“ vor 24 Jahren so entlegene, einsame, verträumte Fischer-Bucht VALTOU…Vorbei der Zauber: 7 weiße Rotfock-Yachten der Flotille ankern hier, ein großer Musikdampfer legt grad ab, überfüllt mit der  während der Wasserschlacht (mit Eimern) johlenden Menge junger Leute („Hey!Deutsche!!! Juhuuuuuh!“). Und es ist wie in Mallorca oder Kusadasi und Cesme/Türkei.

 

Tiamos-_delta_und_remmi-_demmi-_ausflugsziel
Leider ist dieser Schnappschuß unscharf, aber doch eine Momentaufnahme aus dem Alltag der Fischer.
 An der Landspitze der Sandbarre vor der Lagune, die der mündende Fluß THIAMIS hier formte, gibt es nun leuchtend pinkrosa Schlauch-Ringkissen und Luftsofas, auf denen dann die Touristen lärmend übers Meer gezerrt werden, Moto-Scooter jagen in Kreisen vorbei, ein Boot schießt heran, im Schlepp die schreienden Gäste auf einem giftgrünen Luftkissen-Sofa. An Land 8 Barbecue-Grillpötte. Palmwedel-Schirme, Sonnenliegen…

 

Elegenter_wurf_des_netzes
Daneben die einfachen Fischer, wie damals.
Angler in kleinen Booten am Meer und am Ufer. Die lange Sandbarre ist mit Autos befahrbar. Gerhard rudert rüber und filmt einen Fischer, der in elegantem Schwung sein Wurfnetz auswirft, wie wir das schon 1987 beobachtet haben…Nachts angeln Fischer neben uns, die 2 Bootsbesatzungen unterhalten sich durch Zuruf, Um Mitternacht „Kalo! Kali nichta!“ Allein. Sterne ohne Zahl über uns.. Der große Wagen fast senkrecht hängend, links davon der helle Skorpion…
Unsere große uralte Petroleum-Ankerleuchte, die noch von Gerhards 100 Jahre alter eichenen LOUISA stammt, wirft ihren warmen Schein ins Cockpit…Drüben die Lichterkulisse der Küstenstädte von Korfu. Ruhig die Nacht, nur die stündlich fahrende Fähre schickt uns ihre Wellen…

 

ERINNERUNGEN aus dem kleinen Bonmots-Büchlein von 1987:  Ein Schatz…

 

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 *Martin war 4.Ich fragte ihn, ob er noch weiß, wie der Fischer in der Bucht Valtou geheißen hat, der uns die Fische schenkte. „Nein!“ Ich: Probiers mal: Vassi…Vassil…Vassili…“ Er: „ah ja, Basilikum hat er g’heißn!“(Er hieß Vassilikos)
*Jo, 5, fragte ganz nachdenklich, ob die viiiielen Sterne, wenn die Erde eine Kugel ist, dann auch unter der Marion leuchten. Martin wollte wissen, ob die Kühe, die in der Lagune wiederkäuten, „aufwachen, wenn ihre Glocke bimm macht oder schläft die dann weiter??“

 

*Martin sah lange in die Ecke der Hügelkette, hinter der „seine“ Sternschnuppe „verschwunden“ war. Dann sinnierte er: Wenn des Sternle rübergesaust ist und ins Meer fällt, ist da das Licht ausgegangen und hat es dann gezischt??“

 

*Papa schnitzte damals, nachdem Joachim schon seinen Zweimaster aus 2 grünen Spriteflaschen hatte mit Styroportrapez, für Martin ein U-Boot aus einem Brocken Mahagoni vom Poller fürs Mastlegen. Das Holz duftete für das Kindernäschen fremdartig. Jojo meinte, es riecht wie was zum Essen. Martin schnuppert, sucht vergeblich nach einem Vergleich. Da erklärt Papa: „Woisch‘, des isch a ganz besondres Holz, ein ganz gutes wertvolles Holz aus einem fernen Land auf der andern Seite des Erdballs. Es heißt Mahagoni!“ Darauf Martin mit dem Ausdruck des Verstehens und Wunderns zugleich: „Ach so! Makkaroniholz, also doch was zum Essen!“

 

*Wir wanderten in der noch kühlen Morgenfrühe. Einsam. Dunstig. Verzaubert. Da sagt Martin feierlich und geheimnisvoll in die Stille: „Jetzt war’s mir, als hätt‘ mich der liebe Gott ein Stückle hoch gehoben…!!“

 

*Wir erhielten „posta restante“ den 1.Brief vom Opa, reich bemalt und mit wunderschönen Sondermarken. Die Kinder können sich das nicht vorstellen auf See. Fragt Martin sinnig:“Ist der jetzt mit der Brieftaube übers Meer geflogen?“
Martins „Maria badet das Jesuskindlein – in ganz viel Schaum“ dürft ihr im Original hier lesen. Und Jojos Kommentar zum so „böse“ dreinschauenden Gott der Griechen-Kirchen….

 

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 *Eine Frauenstimme intonierte in der Taverne in einem kleinen Hafen ein griechisches Lied zur Bouzuki. Fragt der kleine Martin:“Wieso ist die Musik immer so weinerlich?“ Zurück an einem heißen Tag klettert Martin sofort behende über die Reling, ohne Schwimmflügel. Ich lenke ein: „Martin… Moment mal, was machst du?“ Er resolut:“Mich ab-kühlerrn!! Darf i des net?“

 

*Wir haben am 1.9.87 gleich 4 Becher Schafsjoghurt gekauft. Am Deckel ist das Schäfle, prowataki. Martin malt ein Bild auf Papier. Ich lobe ihn und will es haben. „Halt! Halt! Noch net!“ Neugierig gucke ich dem Kleinen über die Schulter und vermute, daß er noch das Glöckchen hinmalen will. Fertig. Martin erklärt:“Ich hab nur noch die rosa Melkerle hin-g’malt! Des is nämlich ein Mutterschaf!“
Später hat er Durst und will was trinken. Ich reiche ihm ein Glas Pfefferminztee. Nein- das will er nicht. Ja, was denn dann? „Des, was so stachlig ist beim Schlucken!!“ Er hatte zum ersten Mal im Leben ein sprudeliges Sprite in einer Taverne gekostet…:-) gab’s aber nicht an Bord 😦

 

*Vom Jojo fällt mir noch ein, wie er 1990 als Zweitklässer in Korfu direkt neben unsrer kleinen 8m-MARION ein riesengroßes graues Kriegsschiffder griechischen Marine anstaunte. Gerhard erklärte ihm, daß es ein Minensuchboot war. Bei Sonnenuntergang gegen 8 rief Jo:“Schau, beim Bienenfänger ist die Flagge eingeholt worden!“ Dazu ertönte eine Fanfare von der Trompete…

 

*Martin, am 13. August als Erstklässler, rätselte buchstabierend an einem Wort in Pula herum: Papa hilft: „Duty Free Shop“…Martin prompt:“Geht man da zum Frühschoppen wie ins Clubschiff am Bodensee?“

 

Inzwischen sind über 2 Jahrzehnte vergangen … Bei Martins Augsburger  Multimedia-Kunst-Firma „labbinaer “ läuft fast alles auf Englisch, und Erika studiert ganze Tourismus-Fachbereiche in Englisch…

 

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Am 23. Juni segelten wir bei leichtem Wind um die großen Fischfarmen herum zum letzten kleinen griechischen Hafen SAYIADHA, bunt, nett, gepflegt, neue Laternen aus Kunststoff(!) an der kleinen Hafenmauer, 6 Tavernen mit Holzstühlen, wie früher. Dahinter kommt nun gleich Albanien…!  GERDI

 

Hier alle Bilder „am Stück“:

Zum Lesen derBildinformationen klickt Ihr rechts oben auf das Feld „Bild Info einblenden“, dann kann man da mitlesen!

17. "Naturschutz-Zentrum Eriskirch" am Ambrakischen Golf?

Wir kommen nach Menidhi zurück von unserem Bus- Ausflug nach Arta (siehe Gerdi’s Blogbericht) und queren die Bucht, nur knappe 2 Seemeilen. Ein paar Häuser, ein Leuchtturm, flaches Deltaland, guter Ankergrund.
Ein Ausflug mit dem Schlauchboot zu den Häusern. Wie am Überlingersee steigt die Sonne über die bewaldeten Berge, morgendliche Kühle und Ruhe. An Land ein kleiner Hafen, geschützt durch eine lockere Steinaufschüttung.
Die Häuser: Eine Naturschutzstation, zwei Tavernen. Ich steige auf den Leuchtturm.

 

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Schöner Blick über den Fluss, der hier mündet, die weite Deltalandschaft und die Gebirge ringsum. Fischerboote fahren den Fluß hoch. Ich will sehen, was sie anlanden. Kleine Fische, Garneelen. Nur ein knapper Eimer voll. Die Boote, wie die im Hafen auch, ungepflegt und alt. Obwohl Garnelen ihr Leben teuer verkaufen (3 Stück 5 Euro in der Taverne), scheint nicht viel dabei verdient zu sein.
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Zurück zur EOS, Frühstück und nochmal rausrudern. Jetzt ist das Naturschutzzentrum geöffnet und Maria, die pädagogische Fachkraft führt uns liebevoll durch die Ausstellungen im Museum. Wie bei uns in Eriskirch! Schön aufbereitet mit Schulungsraum und Bastel-Arbeiten der Kinder an Tafeln. Delphine, Wasser- und Landschildkröten, und viele Vogelarten sind hier an der Mündung des Arachthos zu Hause oder überwintern hier. Zu Segelschiffzeiten war hier ein lebhafter Hafen. Reste einer gut gefügten Hafenmauer, Lorenschienen, die Zollstation sind erhalten und wurden wieder hergerichtet (mit EU- Geldern). Hier legten die Schiffe aus dem Ionischen Meer und der Ägäis kommend an, Waren wurden flußauf oder auf Straßen weitertransportiert. Danke Maria für Deine lebhaften Informationen!
Maria

Wir entern eine „traditionelle Taverne“, wie es im Naturschutzführer heißt. Sprachverständigung mit Dimitra, der Wirtin, fast unmöglich. In der Küche (hier steht auch das Bett) brutzeln 4 Fische in der Pfanne, in einem Eimer schwimmen Garnelen. Jetzt ist das Bestellen mit dem Zeigefinger leicht. Noch ein Tomatensalat? ja, die Zwiebeln werden direkt aus dem Fass mit den Geranien aus der Erde gezogen und am Tisch hineingeschnitten. Sehr gut alles. Dimitra legt uns noch 8 Eier und ein knappes Kilo Feta auf den Tisch. Geschenkt? Es geht ans Zahlen und sie berechnet doch alles. Na ja, normale Preise. Wir akzeptieren. Das sind die kleinen Überraschungen am Rande, wenn die Sprachkenntnisse fehlen. Verabschiedet werden wir von einer Gruppe fröhlicher albanischer Buben am Kai.(gern hätten sie eine Rundfahrt mit dem Schlauchboot gemacht:-)…
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Wir rudern zur ankernden EOS zurück, genießen den Abend, kurz unterbrochen durch einen heftigen Gewitterwind. Anderntags motoren wir in den Hafen von Karakonisi, aber nur bis knapp hinter die Einfahrt, dann sitzen wir im Schlick fest. Die 2 Meter Wassertiefe laut Hafenhandbuch stimmen nicht mehr. Der Hafen ist versandet. Mit Landleine und Motor arbeiten wir uns frei und laufen ersatzweise Vonitsa an. Kaum angelegt, bricht ein Gewitter mit Hagel über uns herein. Aber der Anker und 50 Meter Kette halten die EOS sicher. Eine halbe Stunde – und alles ist vorbei, Windstille.
Hagel_in_vonitsa

21:30 Uhr: Totale Mondfinsternis, gut zu sehen, nachdem sich die Gewitterwolken verzogen haben. Der Vollmond nur noch als schwach rot leuchtende Scheibe zu sehen Und : Auf dem spanischen Nachbarschiff ein einsamer Kurzbein-Tacko auf dem Cockpit- Tisch! Grau-silbern, in der Dunkelheit fast unsichtbar. Das Foto leider wegen der Entfernung unscharf. Wer kann uns Infos über dieses Tier geben? Körperlänge ca. 40 cm, spitzes Maul, langsame Bewegungen.

Der_kurzbein-_tappo

Die Bilder:

 

Die Reiseroute:

 

 

16. Brücke von Arta – Ein Ausflug mit dem Lokal-Bus

???GERDI’s Impressionen. 13. Juni 2011

 

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Pfingstmontag. Feiertag. Alle Läden dicht. Absolute Ruhe…

Die EOS liegt im kleinen Hafen vor Anker, nur Fischerboote bei ihr.

Auf den Telefonleitungen sitzen auf 5 Notenlinien wie schwarze Noten die Schwalben, dass man das Lied nachspielen könnte , aber die Melodie wechselt ständig.:-)

Vom kleinen Ferien-Bade-Ort Menidhion (viele Ferienwohnungen) mit schmalem Badestrand an der neu erbauten Promenade mit Tavernen fahren wir früh um 8 mit dem wider Erwarten tatsächlich noch eintreffenden Bus 20 km nach Arta…Verschlafen. Sogar die Kioske sind geschlossen. Keiner auf der Straße, keine vor den Läden ausgebreiteten Waren, Früchte, Souvenirs. Nichts.

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Wir wandern durch die stille Stadt ARTA und zur weltberühmten historischen Bogenbrücke am Fluß.Die Türken erbauten diese Brücke im Jahr 1621, auf den Fundamenten einer noch älteren Brücke aus Zeiten Alexanders des Großen. Grandios die Rundbögen. Der Fluß Arachthos mit seinen Kiesinseln erinnert an Bad Tölz . Er mündet bei unsrem 2.Ankerplatz gegenüber von Menidhion in einem Delta mit Schilf und Vogelparadies in den Ambrakischen Golf. Dort entstand mit europ. Hilfe ein Naturschutzzentrum, mit Museum und pädagogischen „guides“.  

MARIA, thank you for your nice „lesson“. Have a good time and care for the nice museum (and for your little son)

 

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Wir sind allein, als wir die Brücke mit den glattgelaufenen Natursteinen beschreiten und oben die Aussicht genießen auf die Weiten der Flußaue. Mir gefällt das handgemalte Schild über dem Eingang der Taverne, wo gerade ein großer Pott mit Kirschenkompott steht und Glas-Schüsselchen zum Verzehr einladen sollen.

Um 10 Uhr begeben wir uns sicherheitshalber schon mal zu der großen Bus-Station, um zu erfahren, ob wohl am Feiertag ein Bus zurück geht nach Menidhi. Früh waren wir mit dem Fahrer ganz allein…Nur ein „local bus“, ja, aber man sagt uns nicht wo er abfährt. Irgendwo an der Straße. Um 12. Um 13 Uhr…Die „historische“ Tafel mit von Hand aufgesteckten Zeit-Täfelchen für Stunde und Minuten hinter jedem Ziel ist reizvoll, ein Blick in vergangene Zeiten ohne Computer und Telefon. Die Anschlagtafel sieht aus wie die Lied-Nummern-Tafeln in der Kirche bei uns .

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Die geschlossenen Läden präsentieren Erstaunliches. Hier die mit Glitzer und Schmuck überfrachteten Corsage-Brautkleider, die oben eher wie Reizwäsche wirken und unten wohl der Traum eines griechischen Mädchens sind. Stephania in Episkopi gestand uns, dass allein das Fest für ihre 300 Hochz
eitsgäste im Mai 2011 auf 10.000 € kam. Dazu das Prinzessinenkleid, der Frisör, die Kosmetikerin, die Stöckel-Schuhe, der Schmuck, das Täschchen, der Edel-BH, der Spitzen-Rüschen-Slip. das Parfum, die Blumen …

Verführung pur, so muß es wohl sein bei einer „richtigen griechischen Hochzeit“!!!

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In einem Backstein-Dom mit vielen Kuppeln überraschte uns in der Hauptkuppel dieses wunderbare goldene Mosaik eines fast lebendig wirkenden Christus, der gar nicht steif ist wie die Darstellungen aus der Pantokratorzeit…Eine gütige Spende würde eine Instandsetzung ermöglichen.Aber es gibt soo viele Kirchen und Kapellen in Griechenland…

 

Nach unsrer Heimkehr nach Menidhion kosten wir in der bis auf den letzten Stuhl besetzten Fischtaverne einen großen Teller voller dünner Zucchini-Scheiben, in Mehl paniert, gebacken, aus der Pfanne. Total naturell. Mmmmh. Am Abend gibt’s den Rest vom selbstgekochten Ratatouille, Auberginen, Zucchini, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch,Tomate, griech. Kleb-Reis … und ich dünste mir ½ Gurke in Butter, Zucker, Salz und Zitronensaft.

Hier im Städtchen trägt aber keiner solche Schuhe wie in der Arta-Vitrine!!! Höchstens mal eine italienische Urlauberin, die ihrem Lamborghini entsteigt…Am Dorfrand lagern Zigeuner, die Kleinen nackt(alles wurde nass im Regen!), die Teenagermädels in feuerroten glänzenden Zipfelkleidern. Sie wühlen im Müll des Pfingsmarkttages nach brauchbaren Kartons, Kleiderbügeln, Stoffresten, tragen alles zum Auto, das als Heim für 8-10 Personen dient. Die Mamas alle schwanger und einen Säugling im Arm…Man lagert am Boden, überall auf den Felsen und Bäumen abgetragene Wäsche und Kleidungsstücke zum Trocknen ausgelegt. Welch ein Gegensatz zu diesem letzten Foto!

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Die Bilder:

15. Vonitsa

Preveza, 8.Juni, vor Anker

Wir bekommen Besuch von Seglern, die diese wunderschöne  Mistral 33 bewundern…und sich bedanken für mein abendliches Flötenmusik-Ständchen.Da wir hier noch das Internet der Marina nützen können, senden wir den blog, die Fotos, und dann geht’s los.Ankerauf und davon.
 

Sonnenuntergang_uber_preveza

Gleich packt uns eine steife Brise, Gerhard refft die Genua ganz klein und dann saust die EOS mit 6 kn Fahrt durch die Gischtwellen. Ich steuere von Hand an der Pinne, folge exakt jeder Bö. Sportlich legt sich der Rumpf ins lebendige Meer. Kräftig Gegenruder legen … es macht Spaß. Es ist wie am Chiemsee in dem ersten Jahr meiner Segelzeit, 1974, auf den Jollen. Die Region am Ambrakischen Golf erinnert auch ein wenig an den Bodensee. Fast wie der Blick zum Pfänder auf die grünen Höhenrücken des Bregenzerwaldes.

Nach 3 Stunden herrlichem Ritt laufen wir ein in eine Bucht Nähe VONITSA. 6 Segler sind schon vor Anker, heftiger Wind. 2 x ankern wir, dann greift er! Mit 2000 Umdrehungen/min „fahren wir den Anker ein“. Es bläst ein steifer 6er, 7er ! Den ganzen Nachmittag steht er durch.
Nach 7 Stunden flaut er ab, man kann hoffen, daß die Gasflammen am Kocher nun nicht mehr ausgepustet werden. Ich koche Spaghetti pesto mit Parmiggiano und viel Salat. Schwül- heiß und drückend. Am Ufer weiden Kühe mit bimmelnden Kuhglocken. Weiße Reiher schreiten majestätisch wm Ufer.

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Um 21 Uhr gehen plötzlich disco-blaue Leuchten an der neuen Fußgängerbrücke an, die man aus Naturstein mit 6 Bogentoren über das Flachwasser zu einer kleinen, auch angestrahlten Kapelle im Wäldchen auf der Insel erbaut hat, eine Verbindung von der Nehrung zur Insel. Ich spiele Mundharmonika unter dem gelben Halbmond und einem Sternenzelt, das einen beten läßt aus Dankbarkeit.
Über VONITSA erstrahlt die trutzige Burg aus dem 17. Jh., von den Venezianern auf byzantinischen Mauern errichtet. Unsere Bucht wurde benannt nmit einem für die griechische Zunge aussprechbaren türkischen Wort, Karavanserei, genannt nach den Zeiten türkischer Belagerung, Koukouvitsa.
 

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Am Morgen des 9. Juni …

…paddelt Gerhard an Land und bringt köstliches, frisches Brot mit vom Joggen nach Vonitsa. Seine Fotos sind wieder mal ein Leckerbissen.

 Um 10 motoren wir nach Vonitsa und ankern neben der stattlichen Heidelberger „Wallonia“ (41Fuß, ein Spezialbau aus Spanien) am Kai. Das Ehepaar ist über 80 und bestens in Form! Fast gemütlich die Promenade der Kleinstadt, unaufdringliche Tavernen…

 Ab 14 Uhr wieder heftige bissige Böen!! Wir gehen einkaufen, sogar 6 Päckle Marlboro für evtl. Helfer in Albanien, wo wir die Sprache nicht beherrschen 🙂
Wir haben Internet an Bord, dank „Café Tropical“. Michael von der Dunarea kann uns via Skype geduldig und fachmännisch helfen bei einigen Fehlren in der email-Bearbeitung. Dankeschön, super!(Firefox wurde statt thunderbird eingerichtet im googlemail).

Ich erfahre die Frohbotschaft aus Kiew, daß Anyas Mann Volodya virenfreies Blut hat nach einem Jahr böser Hepatitis-C und schwieriger Behandlung…Gottseidank.
 Große Freude auch über die politische Großtat in Deutschland: Der Atomausstieg ist BESCHLOSSEN!!!

 Am Freitag,10.Juni ist es erfrischend kühl, die Schwüle ist überstanden.

HANDWERKER-TAG

Gerhard konnte Teile für eine energie-sparende LED-Lichtquelle (mit Warmlichtton und nur 1,5 Watt!) für den Salon zum Zeitunglesen am Abend auffinden, in einem Laden „für alles Technische“(Stahlwaren, Farben, Elektro…)  und er baut wie ein patenter Handwerker an Bord alles um für den „Ausstieg aus dem Glühbirnen-Zeitalter!“
 

Schneiderei

Ich nehme mir ein von 30 Jahren UV-Bestrahlung und Hitzeeinwirkung morsch gewordenes Top vor, aus feinstem Batist, grün-magenta-blau gemustert, aus Indien. Ein Lieblingsstück, zu dem ich noch eine rockartige Bermuda und einen Crincle-Rock habe im selben Stoff. Ich trenne die beiden Hosentaschen aus der Bermuda, trenne die Doppelnähte auf, setze die entstandenen halbrunden 4 Flicken auf vordere und hintere Schulterpartie auf und nähe sie feinsäuberlich mit Rückstich und Saumstich auf. 2 Stunden brauch ich.:-( aber es sieht wieder tragbar auf. Einfach toll, wenn man die Fertigkeit im Gymnasium gelernt hat. Aus einem Taschentuch nähe ich eine neue Hosentasche in die Bermuda. Fertig.

Übrigens haben wir für Musestunden in der Marina
Preveza wieder 15 Bücher „getauscht“ am Regal „deutsch“, Viele haben Stempel drin von den Segelyachten der Vorbesitzer.

Die Bilder:

14. LEFKAS- WANDERTAG ( Gerdi), 6.Juni

LEFKAS- WANDERTAG ( Gerdi), 6.Juni

Am 2. Tag vor Anker im Hafenbecken von Lefkas/Stadt planen wir einen Wandertag in den Bergen. Uns gefällt Lefkas schon 28 Jahre lang, von Segeltagen mit der jkeineren „Marion“ mit unseren 3 kleinen Kindern( 1 ½ bis 8 J.), vom Landurlaub mit dem Auto, immer fühlten wir uns in dieser „normal gebliebenen“, lebhaften, schönen Stadt mit den engen Gassen und den vielen Blumen, umgeben von fruchtbarem Ackerland, so wohl. Das tiefgrüne Hinterland mit den Wäldern auf den Hügeln, die großen Olivenhaine, die reizvoll am Hang gelegenen Bergdörfer…ganz klar:da müssen wir noch mal hin!!

Gerhard erkundigt sich am Busbahnhof, wann ein öffentlicher Bus hochfährt nach KARIA.

Dann planen wir: 16 km Wandern,von Karia runter in den Urlauberort NIDRI, ca. 400 Höhenmeter, dann im Bus zurück.

(1987 machten wir diesen Ausflug mit unsren 2 kleinen Buben, großes Lob noch heute an euch zwei, diese Strecke im heißen August, klaglos, tapfer! Und Gerhard schnitt einen jungen Zypressenstamm ab, der uns als Bootshaken jahrelang gute Dienste leistete.)

Um 6 stehn wir auf, die Rucksäcke sind vorbereitet( 1 Souflaki-Spieß von abends, 1,5 l Wasser, 2 Äpfel, Sonnenhut), kleines Frühstück im Cockpit mit Joghurt und Nescafé. Dan rudern wir vom Ankerplatz an den Kai der Hafenmauer. Noch ruht die Stadt um 6.30 Uhr, einige kleine Cafés öffnen gerade.

Wir laufen 1 km zum neuen, modernen Busbahnhof. Um 7 fährt der Bus nach Athen, alle Altersklassen sind vertreten, bis zur Oma mit 85. Dann kommt unser Bus nach Karia, ein fast neuer schicker Mercedes! Nach 30 Minuten erreichen wir nach sehr vorsichtiger Langsamkeit und durch viele enge Kurven und Serpentinen das Bergdorf Karia.

Ein gemütliches Dorf, saubere Häuschen, viele bunte Blumen in großer Vielfalt, in den kleinen Vorgärten prächtige Rosen in allen Farben, Weinlaub als Schattendach, unzählige Zitronen vollreif, Birnen noch ganz klein, duftendes Geißblatt und Jasmin überm Gartentor. Liebenswert.

Dichter Misch-Wald umgibt das Dorf, Zypressen ragen wie dunkelgrüne Kerzen aus dem Silbergrün der Olivenhaine.

Urwald

Hier oben ist es noch Frühling: Wie Hecken säumen üppig gelb blühende Ginsterbüsche die Straße, auf der kein Auto kommt, grad mal 2 Taxen. Zauberhafte Schmetterlinge landen auf rosa Blüten oder gaukeln auf magenta-roten Lichtnelken. Wunderschön jede Art.

Falter_3
Der_zitronenfalter
Unbekannter_falter_2

 

Hoch über uns im Bergwald singen uns die Vögel ein vielstimmiges Konzert! Amseln, Nachtigall, Lerche? Im Tal am Meer unten hört man fast nur die munter zwitschernden Schwalben, das Gurren der Türkentauben, das Schwätzen der Spatzen! Am Himmelsblau zieht ein großer Greifvogel seine Kreise. Ein Adler? Ruhe. Ungestörte Natur.

Der helle karstige Fels des Berges wurde für die Straße gesprengt, in den freigelegten senkrechten Felswänden entdecken wir bizarre Tropfsteine!

Bis_jetzt_im_erdinneren_verborgen_nun_sichtbare_tropfsteine

Bei den ersten Kilometern öffnete sich der Blick auf das sehr fruchtbare, wassergesegnete Ackerland, von dem zur Zeit längliche hellgrüne Paprikaschoten, Salat, Zwiebeln, erste Kartoffeln, kleine Zucchini an Pflanzen mit riesigen gelben Blüten geerntet werden. Die berühmten Linsen von Lefkas kommen erst später.

Die_ebene_unter_karia

Alles sieht aus wie ein Garten Eden. Im 2. Wegabschnitt finden wir unter üppigen Platanen eine große Quelle mit historischem Waschplatz mit Steinbecken. Nah bei der Quelle ein kleines Kloster… und immer mal rauscht unter Brombeerdornen-Gestrüpp Wasser.

Wir biegen ab zum Bergdorf VAFKERI, ein winziges Dorf mit einer griechisch-orthodoxen großen Kirche, die auf Zeiten mit mehr Dorfbewohnern schließen läßt. Im weiträumigen Hof breitet eine riesige uralte Platane mit stammdicken Ästen ihr gewaltiges Blätterdach über den Platz, Laternen am Zaun, alles wunderbar geeignet für ein Gemeindefest …

Die_dorfplatane_in_vafkeri

Aber die Bürger sind weggezogen, viele verlassene einfallende Natursteinhäuser sind stumme Zeugen, vom üppigen Grün ganz zu gewachsen wie ein Dornröschenschloß! Die hübschen Ferienhäuschen der ins hochgelegene Dorf verliebten Neu-Bürger, meist Engländer retten Vafkeri. DAnk einer liebevoll gestalteten neuen Taverne einer Engländerin finden wohl doch Besucher hier herauf in diese Einsamkeit. Die Terra
sse hat Säulen, die von Jasmin überwuchert sind, ein Kiwibaum breitet seine Äste als Natur-Dach über die Tische. Sehr einladend und anspruchsvoll die handgemalte Speisekarte! Leider ist Ruhetag. Umwerfend der weitschweifende Blick aufs Meer mit den vielen kleinen Inseln, die wie Juwelen aus grüner Jade im azurblauen Meer schwimmen mit all den weißen Segelschiffen! Ein Traum…

Englische_taverne_leider_geschlossen

Nidri_und_die_inseln

Nach 5 Stunden Wanderung machen wir eine kurze Rast im Schatten eines Ölbaumes. Wasser, Grillfleischwürfel, 1 Tomate…das Brot haben wir leider vergessen  

Ab 12 Uhr ist es sommerlich heiß, obwohl es ja noch 15 Tage dauert bis zum Sommeranfang!

Talblick

Mein UV-Schutz-Sonnenhut schützt den Kopf. Wieder viel Wald, Weingärten, in denen Bauern mit einem kleinen Handpflug die Flächen unter den Olivenbäumen umpflügen.

Der Abstieg zieht sich gnadenlos in die Länge, wenn auch die schöne Aussicht die Mühe reichlich belohnt: Astokos, Skorpio, Meganisi…- herrliche jonische Inseln. Viele Segler lassen sogar im Winter in den Waldbuchten vor Nidri ihr Schiff vor Anker.

Nach 6 Stunden erreichen wir Nidri auf Meereshöhe. Viele Ferienwohnungen, britische Autos, aber auch welche aus Serbien, Rumänien, Kroatien, vor einfacheren Etagen-Ferienwohnungen. Alle Urlauber sind nun mit Badesachen unterwegs.

Um 14 Uhr gönnen wir uns in einem Café frisch gepressten Apfelsinensaft mit Eiswürfeln und ein kühles Bier vom Faß. Dann kommt der Bus nach Lefkas. Erschöpft von der Hitze erledigen wir noch den Einkauf. Halsgrat-Steaks, Rindfleisch für ein Bohnen-Kartoffel-Stew( es mundete uns köstlich!), Joghurt, Kalamata-Oliven.

Im Cafézinho erfrischt uns ein unbeschreiblich italienischer Espresso und weckt die Lebensgeister. An Bord der EOS lassen wir uns die gekühlten dunkelroten Kirschen schmecken. Am Abend unter dem zunehmenden Mond riecht es nach grünen Bohnen…Ein wunderschöner Tag. Wir bleiben noch 1 Nacht.

Die Bilder: