13. Fahrt mit Erinnerungen (Gerhard)

Von Astakos, der angenehmen Stadt vor dem Berg nach Mythika treibt uns leichter Wind nordwärts. Rechts die hohen Berge, knapp 1000 Meter hoch, links die Insel Kastos und dahinter die Insel Kalamos.

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EOS segelt vor dem Wind

Da kommen Erinnerungen an eine Segelreise mit unserem früheren Schiff MARION auf. Martin und Joachim waren in der ersten und zweiten Schulklasse, Erika, 1 ½ J., konnte gerade laufen.  Marions Motor lieferte statt Kraft am Propeller nur schwarzen Rauch aus dem Auspuff. Keinerlei Wind und Marion wurde immer mehr zum felsigen Ufer getrieben. Schließlich waren es nur noch ein paar Meter dort hin. Ich ruderte den halben Nachmittag mit aller Kraft mit unserem Zodiac-Schlauchboot, um die 5-t-„Marion“ von den Felsen wegzuschleppen, bis uns ein wenig Wind erlöste. Dann brach die Nacht herein. Alle schliefen und ich widmete mich dem Volvo-Benzinmotor. Immer wieder versuchte ich zu starten bis zum Wummm. Die Benzindämpfe hatten sich bei einer Verpuffung entzündet, der Motor stand in Flammen. Er befand sich im Salon unter dem Esstisch!!! “Feuer im Schiff“ rief Gerdi. Alle waren sofort hellwach. Die Buben flüchteten mit Schwimmweste im Arm durchs vordere Luk am Bug nach draußen, Gerdi zerrte Klein-Erika am Füßchen aus ihrer Hunde-Koje. Ich riss den Feuerlöscher von der Wand und im Nu war das Feuer gelöscht. Es war schon kurios: Alle 4 standen mit schreckgeweiteten Augen in dunkler Nacht im Cockpit und im Salon sah alles weiß aus als hätte es geschneit. Es duftete nach Bratkartoffeln, denn unterm Tisch bewahrten wir in einem Netz die Kartoffeln auf , die angeräuchert wurden! Nach oberflächlicher Reinigung setzten wir die Segelei fort und liefen unter Segel in den nachtschlafenden Hafen von Kastos ein.

Diesmal haben wir mehr Glück. Ohne Probleme ankern wir neben dem kleinen Hafen Mytika. Wir hätten auch im Hafen Platz, aber ankern ist schöner. Die Luft zieht durchs Schiff, wir haben wechselnde Aussicht, weil sich die EOS bewegt und der Anker hält sicher. Wir drücken ihn mit 2000 Motorumdrehungen  in den Schlickboden.

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Die Kapelle im Fels

Anderntags wandern wir zu einer kleinen Kapelle im schneeweiß gekalkten Fels auf halber Bergeshöhe. Gläubige haben am Hang in früheren Zeiten eine kleine natürliche Felsenhöhle vorne zugemauert. Der sakrale Raum im Inneren ist arg verkommen. Die Sicht auf Berg, Stadt und Meer ist grandios.

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Blick auf Mytika

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 Überhaupt gefällt uns diese typisch griechisch gebliebene kleine Stadt Mythika. Die Hauptstraße ist belebt, kaum Touristen und an 2 Seiten das azurblaue Meer. Ringsherum hohe Berge und hohe Inseln. Wie im Tessin! Erinnerungen treiben uns anderntags nur 2 Seemeilen weiter zum kleinen Hafen in Episkopi auf der Insel Kalamos,  Hier segelte Martin mit der 2m-Klapp- Banana. Eine kräftige Böe ließ das Mahagoni-Schifflein auf die Hafenmauer zuschießen. Der kleine Steuermann rief um Hilfe, die BANANA kenterte rechtzeitig, der Bub fiel mit Schwimmweste ins Wasser. Papa eilte im Gummiboot zu Hilfe.

Nun, 24 Jahre später,  geht alles glatt. Stephania und ihr Mann haben mittlerweile eine Taverne mit Mountainbike-Verleih (1 Stunde = 1 Euro) eröffnet, manche Häuser sind verfallen, manche dienen als Ferienwohnungen. Der Ort wirkt bescheiden, hat aber einen schönen Wald im Hintergrund, in den Gärten reifen Aprikosen, Mirabellen und Walnüsse, und morgens kräht der Gockel.

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Aprikosenbaum in Episkopi

 Wir lernen Joannis kennen, Chef der Marina in Mytilini ganz nah an der türkischen Küste. Er  hat in Deutschland studiert. Er lädt uns ein. Bei griechischem Kaffee in seinem Ferienhaus bitten wir um seine Ansicht, wie er die Wirtschaftskrise seines Heimatlandes sieht und wie die Griechen derzeit zu den Deutschen stehen.

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Im Garten bei Ioannis

Abends erfahren wir von der Ankunft einer Fähre anderntags ganz früh. Um Platz zu machen, drängen sich al
le drei Gastyachten in den hinteren Hafenteil. Die Fähre kommt aber nicht und die wenigen Fahrgäste ziehen mit Sack und Pack auf Schubkarre wieder ab. Wir wandern abends noch zu einem verfallenen Kloster und einer Quelle durch schönen, feuchten üppigen Wald. Anderntags legen wir noch einen Stopp in einer Bucht auf Meganisi ein. Charterjachten haben die Insel voll im Griff. Nichts wie weg. Mit beiden Segeln ausgebreitet wie ein Schmetterling steuert uns der Autopilot auf den Kanal von Levkas zu, einer schmalen ausgebaggerten Wasserrinne durch flaches Lagunengebiet.

Damals 1987,ankerten wir (unser Motor war ja immer noch kaputt) und nahmen Schlepphilfe durch einen holländischen Segler in Anspruch.  Uns zieht heute der Wind mit maximal erlaubter Geschwindigkeit durch den Kanal und wieder ankern wir im Hafen von Levkas, der umtriebigen Stadt. Für Marions Motor kam hier damals ein Fachmann zur Hilfe: Der Verteiler hatte sich gelöst und die Zündkerzen lieferten zum falschen Zeitpunkt den Zündfunken. In 10 Minuten war alles erledigt.

 Jetzt ankert EOS frei im Hafenbecken. Wir nutzen  den Tag zum Tanken, Wäsche-waschen-lassen und Einkaufen. Abends sitzen wir 2 Stunden im Internet-Café für den blog und lassen uns Souflaki und Gyros- Pita schmecken.

Morgen möchten wir mit dem Bus ins Inselinnere fahren und von dort nach Nidri runter wandern.

Die Bilder:

 

 

12. Zakynthos…(und weiter nach Norden)

 

Schöne grüne Insel…

 …die letzten 4 Tage im Mai

Gerdi, rückblickend

 

Nach dem 1. Frühstück im Cockpit (früh war’s immer noch kühl!), mit Duftrose, frischen Apfelsinen, Joghurt mit Honig und Zimt, legen wir ab in dem alten“ früheren, vor sich hin rottenden Hafenbecken. Auch die große Fähre nach Kefalonia tutet zum Start.

Ruhige wunderschöne Sternennacht. Gerhard besteigt früh den Hügel (über der gr. Geierhöhle) mit Bergstiefeln und bringt mir kleine blaue Kornblumen mit und rosa Windenblüten. Frühstück mit Vivaldis „4 Jahreszeiten“ von der CD. Dann segeln wir mit ganztägigem temperamentvollen Wind bis vor die Stadt Astokos, Festland.

Eos_in_ihrem_element

Wir ankern frei. Die kleine Stadt, unverfälscht griechisch geblieben, gefällt uns richtig gut.

Astakos-_der_fruchtladen

Astakos-_die_freundliche_bedienung_im_minimarkt

Die ersten dunkelroten Kirschen und gelben Aprikosen leuchten in den Körben, 3,20€/kg. Urige kleine Fachgeschäfte, Metzger, spezielle Hühnergeschäfte, in denen es nur „Kokinos“ zu kaufen gibt, im Ganzen oder zerteilt. Daneben der Bäcker, Kleiderladen, Schreibwarenladen, Fliesenleger, Schuster, Schneider (in der Reinigung), urige überfüllte Schlossergeschäfte mit Ziegenglocken (immer doppelt, eine kleine in der großen), Ketten, Grillrosten, Schrauben, Karabinerhaken, Schäkeln, Schläuchen, Eimern. Nur an der Kai-Promenade gibt es Bars und leere Tavernen. Gemütlich. Vorsaison.

Astakos_stadt_zwischen_meer_und_gebirge

 

Im Schlauchboot paddeln wir zurück, und nach 1 Stunde duftet es an Bord nach meiner deftigen Hackfleischsoße mit Spitzpaprika, roten Zwiebeln in Olivenöl gedünstet, Petersilie, Origano und Knoblauch, zu „Spaghetti Bolognese nach Art der EOS“.  Als Dessert die kalten Kirschen aus dem Kühlschrank.

Von 20 Uhr bis nach Mitternacht hören wir die nach außen übertragene „Sing-Messe“ eines stimmgewaltigen griechisch-orthodoxen Popen, dessen Gesang irgendwo aus den Zypressen und Pinien eines verborgenen Klosters aufsteigt und nie endet. Es wird für uns ein Schlaflied und ich denke dabei an die Zeit im Juni 1981, als wir auf unsrer Hochzeitsreise (mit dem Faltboot und dem Zelt, bei Sibenik an der Krka) auf dem süd-kroatischen Inselchen Visovac einer 3-stündigen Morgen-Messe beiwohnten und ich im 5. Monat schwanger war.

Die Bilder:

11. BORDLEBEN UND LIEGE-PLATZ-VIELFALT

 GERDI am 29.Mai 2011, Agios Nikolaos, Insel Zakynthos

Die_redakteurin

Lebt man ein halbes Jahr für immer am Boot, ist das Schiff das Zuhause, das einzige „Daheim“ – anders als eine gemietete Ferienwohnung auf La Palma oder ein Hotelzimmer auf Norderney, die Berghütte in der Schweiz, ein weißblaues griechisches Häuschen von Jassu-Reisen oder ein einfaches Zimmer im Olanda hoch über Locarno. Man kann nicht „weg“- und man ist fast täglich „woanders“ als am Vortag. Nach meinen ca. 15 Mittelmeertörns seit 1974 auf der Sindra( kroatische Adria..bis Malta), Gipsy(rund Korsika), Sunrise(Korinth-Brindisi), Marion(Venedig- Aegina-GR) und Eos(Nizza-griech.Inseln-Türkei) kenne ich schon manche der Inseln, Ankerplätze, Häfen des östlichen Mittelmeers- und manchmal sind es Erinnerungen an Zeiten mit kleinen Yachten, wenigen Touristen, nur vereinzelten Tavernen …Der Tourismus hat kräftig zugenommen.

Unsere EOS ist ein gemütliches Schiff, eine 6mx 2m kleine Ein-Zimmer-Wohnung, mit dunkelblauen Ledercouchen, einem großen Klapptisch im Salon. Es gibt Porzellangeschirr, handgetöpferte Tassen, Bierkrügle und Gläser ( kein Plastik!), 8 Schubladen, eine Navigationsecke mit Laptop, einen kleinen Kühlschrank (Strom von der Solarzelle), und eine Spülschüssel mit mechanischer Wasser-Fußpumpe), einen alt-ehrwürdigen (aussterbenden) Optimus-Petroleumkocher, kl. WC und eine 3. Koje im Vorschiff am Bug. Wir haben Fotos an den Mahagoni-Wänden vom Bodensee und den 3 Kindern, einen Kalender mit Bildern von Skitouren, Frühlingswanderungen, Bergtouren, dem Ägäis-Törn bis zur südlichen Türkei…, wir haben viele Bücher für die Muse-Stunden und einen 20 cm hohen Stoß großer Seekarten zum Planen der Reise-Strecke.

Unsere kleine schwimmende, immer schwankende Wohnung halten wir gemeinsam sauber und aufgeräumt, alles seefest verstaut.

Was sich täglich  ä n d e r t , ist die Aussicht, sowohl beim Segeln als auch beim Ankommen und „Liegen“, wenn wir die Eos ankern lassen oder sie an einer Hafenmauer mit Leinen „festmachen“.

Innen_duftende_rosen_joghurt_mit_honig

Ist der Hafen in einer Stadt, ist er am Nachmittag ruhig, wird aber am Abend immer lebendiger. Dann haben wir oft wenige Meter neben uns viele Tavernen und Passanten, die uns fotografieren und wohl auch beneiden. Oft aber ist der kleine Hafen am Ende eines Fischerdorfs, ein nicht touristisch „hergerichteter“ Ort, Sandflächen mit Unkraut, alten Trailern, defekten Fischerbooten, alten Mopeds, rostigen Mülltonne, vielen Angelhaken am Boden, Reste von Leinen und Drahtseilen, Abfall, Dosen, dazwischen Katzen aller Farbkompositionen, herrenlose Hunde(nie kastriert), Tauben, Möwen, sicher auch Ratten des Nachts…Aber es wirkt für einen Segler nicht abstoßend, denn es ist ein Rest naturbelassener Natur, ein Zusammenleben von Tier und Mensch, von alten einsamen Männern mit ihrer Angelschnur, stoisch in ihrer Ruhe, und den Seglern, ein Stück Freiheit und Ungebundenheit auf diesen abgelegenen Flächen, es riecht nach Fisch und manchmal auch nach Brot in einem Backofen… Da denke ich so manches Mal an das Buch von John Steinbeck: „Straße der Ölsardinen“, eine wunderbare „Fallstudie“.

Nähern sich neue Yachten, springt Gerhard an Land und übernimmt die Leinen, hilft beim Belegen an Land. Man macht small talk, italienisch, französisch, meist englisch. Woher? Wohin? Lebt ihr am Schiff? Charteryacht? Urlaub? Wie lange? Mal fragt einer nach der „Seekarte vom Kanal von Korinth“ oder nach einem Schiffsausstatter, einer Werkstatt, nach Benzin, Wasser, Supermarkt. Die Segler sind eine große Familie. Noch fehlen die großen Motoryachten im Mai.

Am Morgen weckt uns die Sonne, wir klettern über die Badeleiter am Heck und schwimmen im meist kristallklaren Meer, herrlich, türkisblau, Fische, Seesterne am Grund. Gerhard bereitet täglich das Frühstück vor, brüht mir 1 Tasse Filterkaffee oder Pfefferminztee auf, stellt sich eine Kanne grünen Tee hin, es gibt frische Blumen am Tisch, Joghurt mit Honig und Zimtzucker, dann sitzen wir wie am eignen Balkon – nur mit 360° Panorama.

Vor uns Kirchtürme, rote Ziegeldächer, blau gestrichene Fensterläden, üppige rote Geranien, cyclam-rosa Bougainvilea, weiße Mäuerchen, blühender Oleander, Orangen- und Zitronenbäume mit leuchtenden Früchten und gleichzeitig parfümartig duftenden Blüten.

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Ist man am Abend in einem Hafen, wird es nach der Siesta-Zeit immer lebendiger. Mütter mit Kinderwagen, sich neckende Teenager, flanierende Touristen, gemächlichen Schrittes, suchend nach Tavernen, vor denen eifrig um sie werbende Kellner lauern: „Italian?“ fragen sie mich meistens, wegen der dunklen Locken. „English? German?“ versuchen sie es beim bärtigen Gerhard. Dann folgt die ganze Menü-Liste vom griechischen Salat über Oktopus, Kalamar, Gyros, Souflaki vom Grill, Moussaka, fresh fish bis Kleftiko und Stifado, was Lamm- und Rindsgoulasch ähnelt, mit viel Nelken, Lorbeer und Zimt.

Nach 23 Uhr ebbt das Gewoge ab. Ruhe kehrt ein. (Im Juli /August wird das ganz anders sein in Italien!!! Da geht’s um 11 erst richtig los mit Disco-Musik und Karaoke-Gesang aus vollem Rohr..)

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 Sind wir vor in einer einsamen Bucht, dann dreht sich die EOS lautlos um ihren Anker, die Perspektive ändert sich ständig, mal offenes Meer, mal K&u
uml;ste. Dort umgibt uns unberührte Natur, Felsen, undurchdringbare dornige Macchia. Früh krähen um 6 die Hähne, Schafe blöken, auf den Felsen meckern Ziegen, und Zicklein springen übermütig zwischen Bock und Geiß, in braun, weiß, schwarz.

Dann sitzen wir am Abend unter Sternen. Ich suche meinen geliebten „Skorpion“ mit dem flackernden hellen Antares, träume unter dem Großen Wagen, spiele mit der Flöte Abendlieder. Dann ist die Welt in Ordnung. Und die Schuldenkrise der Griechen ist genauso weit weg wie Angela Merkel und der Atomausstieg, Ghadafi und Berlusconi….

 

 

9. Überfall !

In den Sommermonaten beginnt der Überfall am Morgen. Dann steuern ein oder zwei große Kreuzfahrtschiffe den Hafen an. Eine Wand aus Balkonen, Bullaugen und Rettungsboten bewegt sich ganz langsam an den Kai für die Riesenschiffe.

 

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Wohl geordnet setzt sich auch der Pulk aus Taxis und klimatisierten Bussen in Bewegung und steuern den Ankömmling an.

Noch ruht der Ort . Die Souvenirläden beginnen, ihre Warenständer auf die Straße zu rollen. Die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff genießen wohl noch ihr Frühstück. Am späten Vormittag ergießt sich ein Strom von Menschen aus dem Schiff. Sie werden an der Gangway von einem stilecht antik gekleideten Griechen (mit Lorbeerkranz und Turnschuhen) empfangen und wer will, posiert vor dem Fotografen.

Jetzt läuft das Geschäft in den Tavernen, Cafés und Souvenirläden an. In den Straßen schlendern die Ankömmlinge, bestaunen die Auslagen der Juweliere, der Boutiquen und der Souvenirshops. In einer Taverne wird ein Kurs im Sirtaki- Tanzen genutzt. Ein Bus nach dem anderen verlässt den Kai in Richtung Olympia. Einen Teil der Kreuzfahrer treffen wir dort, erkennbar an einer Nummer und dem Schiffsnamen auf einem Sticker. Im Laufe des Nachmittags signalisiert das Kreuzfahrtschiff seine Abfahrt durch dreimaliges Hornsignal. Schön hallt es über den Ort. Langsam und vorsichtig wie es eingefahren ist, verlässt es den Hafen wieder.

Gerdi und ich gehen nochmals in den Ort und – er ist leer! Kein Auto, kein Bus, alle Läden geschlossen, nur ein paar Gäste noch in Cafés. Katakolon pulsiert im Takt der Kreuzfahrtschiffe. Kein Schiff, kein Gast, kein Leben: Tote Hose.

Die Bilder:

http://www.flickr.com/photos/gerhards/sets/72157626695063181/

8. Von Argostolion nach Katakolon

Wieder einmal verlassen wir einen angenehmen Platz. Eigentlich möchte man gerne noch bleiben, aber auch gerne weiterreisen. Guter südöstlicher Wind, gerade noch ohne Reff zu fahren, bringt uns bis vor die Küste von Zakynthos. Das neue Segel (im Baum zu reffen) macht sich gut in Kombination mit der Genua. 


Vor der Küste schläft der Wind ein und wir fahren mit Motor ganz nah ans Ufer. Und was für ein Ufer! Senkrechte Felswände erheben sich direkt aus dem Meer. Im tieftürkisblauen Wasser sehen wir den Sandgrund noch bei einer Tiefe von 15 Metern.

Möwen kreisen vor den Felswänden, ihre Schreie hallen wieder. Langsam bewegen wir uns südwärts, immer ganz dicht vor den gewaltigen Felswänden.
Es gibt eine einzige Ankerbucht an der Westküste von Zakynthos: Vromi. Aber vorher passieren wir noch eine vermeintlich flache Passage zwischen einem Inselchen und Zakynthos mit nur 2m Wassertiefe. Ganz langsam tasten wir uns heran um festzustellen, dass die Passage 30 Meter tief ist. Also: Auch gute Handbücher sind nicht immer korrekt. Aber besser so als umgekehrt. Vromi ist ein eigenartiger Ort. Tief eingeschnitten ins Land. Viele kleine Boote liegen hier und haben am Grund ein Netz von Mooringleinen ausgelegt. Gottseidank ist das Wasser klar und frei von Wellen, sodass ich sehe wohin der Anker fällt. Am Bug der Anker, am Heck eine Landleine. Das reicht nicht. Heftige Böen drücken die EOS immer mehr ans felsige Ufer. So bringe ich noch eine lange Leine ans andere Ufer aus. Jetzt liegen wir sicher und auch ein Fischer, dem ich den Weg versperre, ist einverstanden. Gerdi brät am Abend noch 2 saftige Steaks und die Nacht wird friedlich. Anderntags um 5 Uhr früh weckt mich sein Knattermotor. Blitzschnell bin ich im Schlauchboot und hebe die Landleine, sodass er ohne Probleme unten durch kann. Uns hält es auch nicht mehr lange in dem Schlund. Wir heben den Anker und frühstücken draußen. Kräftiger Wind macht Reffs im Segel notwendig. Wir runden die Südspitze der Insel und gehen in der Bucht Keri vor Anker. Sandgrund. Der Anker sitzt felsenfest. Ein beruhigendes Gefühl. Wie so oft wurden die wenigen Fischerhäuser durch Tavernen und Souvenirläden ergänzt. Die Fischer sind zu Reiseführern mutiert und bringen Gäste zu den Felswänden und zu Wasserschildkröten, die hier in der Nähe ihre Kinderstube haben. Wir gehen mit einem sicheren Gefühl in die Kojen.
Anderntags weiter nach Katakolon, Nordwestecke Peloponnes, 100 Grad Kompasskurs. Die erste Hälfte Windstärke 4, ein Reff, dann schläft der Wind ein. Unser Volvo 29 PS wird aktiv. In Katakolon gehen wir nicht in den Hafen, sondern ankern nebenan auf exzellent haltendem Ankergrund. Gerdi kocht Aubergine- Zucchini- Tomaten-Pfanne. Sehr gut!

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Wieder dürfen wir ungestört schlafen. Unsere Petroleum- Ankerlaterne beleuchtet das Heck mit warmem Licht.
Mittwoch: Ein kurzer Schlenker in den Hafen, Anker fällt, Eos fährt rückwärts an den Kai. Festmachen, Logbucheintrag. Fertig. Unser Besuch des antiken Olympia scheitert. Den ersten Zug um 9 Uhr verpassen wir, die späteren um 10:30, 11 und 12 Uhr kommen nicht. Die Zeit lässt sich aber im schattigen „Bahnhofs-Café- Garten in Gesellschaft der netten Wirtin und des Popen angenehm überbrücken. Schön, dass der Zug nicht gekommen ist. Morgen versuchen wir´s nochmal.

Die Bilder und das Video:

7. OLYMPIA…

Gerdi, am 26. Mai 2011

 

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Mit dem Zug fahren wir in Begleitung der beiden reizenden (Englisch sprechenden)Franzosen von der „Houbibi“ über PYRGOS  nach OLYMPIA. Grüne Hügel, Weingärten, endlose Orangenhaine, Rosen in voller Blüte säumen die Strecke. Wir ahnen, dass die meisten Besucher mit den unzähligen Bussen anreisen, der Parkplatz erzählt von den deutschen Studiosus Reisen, Japanern, Polen aus Wrazlaw, vielen Spaniern von dem Kreuzfahrtschiff, griechischen Schulklassen zur Abschlussfahrt vor den großen Ferien….Man plaudert Wienerisch, Italienisch, Spanisch, Englisch, Deutsch in allen Dialekten, Vorarlbergerisch, Griechisch. Ein Treffpunkt der kulturell gebildeten Welt.

Olympia ist die Wiege der weltberühmten Olympischen Spiele. Hier wurde die Idee geboren, athletische Wettkämpfe auszutragen zur Ehre des Gottes Zeus, unter dem Eid für absolute Fairness und unter einer garantierten, zeitlich begrenzten geheiligten Waffenruhe für alle kriegerischen Kämpfe. Diese Institution wurde zum Symbol für ein Ideal des Friedens. Über Jahrhunderte versammelten sich alle 4 Jahre die Bürger der damaligen „Welt“ in Olympia und sahen den Wettkämpfen zu. Speerwerfen, Diskuswerfen, Laufen, Weitsprung, Ringkampf, Wagenrennen (bei König Nero später auch Sing-Wettbewerbe!)

45000 Zuschauer fanden im Stadion auf den ansteigenden Wiesen Platz, es gab keine Sitzplatzreihen, nur die Schiedsrichter hatten einige Steinblöcke.

Die Tempel, die Registratur, das Parlament, das Gymnasium, das Stadion, die Thermen mit einem diffizilen Warmwasser-System in den Steinwänden – all das wurde erbaut in einer majestätischen Landschaft, an einem Fluß zwischen Hügeln. Ausladende Baumkronen, Platanen, Pinien, Eukalyptus, Oleander geben dem ehemaligen heiligen Ort noch heute etwas Sakrales. 1000e von Statuen und Säulen wurden erschaffen, dorische, jonische, korinthische Kapitelle liegen verstreut nach zerstörerischen Erdbeben ( und der „christlichen“ Zerstörung der Göttertempel durch Theodosius 393 n. Chr.)

Nur 1 Säule konnte in Original-Höhe errichtet werden! Gewaltig! Die einfachen Leute nannten die Stätte nämlich „Steinbruch“ – sie gingen hin und „holten sich“ was sie zum eignen Hausbau brauchten! Zeus, Hermes, Nike, Hera – vorbei ihre Zeiten.

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Die Ablagerungen vom Fluß Kladhios und der Schlamm und Sand der Überschwemmungen verschütteten das antike Olympia unter einer 6 Meter dicken Schicht. Die archäologisch hochwertigen Ruinen wurden später akribisch ausgegraben, freigelegt, durchsucht, die Forscher setzten kleinste Tonscherben zu fantastischen Krügen, Schalen, Figuren zusammen, suchten nach Teilen von gewaltigen Statuen, Säulen, Tempeldach-Resten, Bronzefiguren. Die Ausstellungen in den Räumen des Archäologischen Museums sind eine einzigartige Schau auf 4 Jahrtausende Geschichte und Hochkultur.

Bei unseren Fotos sollte man versuchen, die „Info“ mit unseren Bildunterschriften anzuclicken, um die Ergänzung lesen zu können. Meist geht das mit der Maus im oberen Bildrand, wenn dort „Infos anzeigen“ aufleuchtet.

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Bei der Zugfahrt zurück nach KATAKOLO öffnet sich der dunkelgraue Himmel und es regnet…Gerhard spritzt die EOS mit dem Schlauch ab, sie war gelborange betropft, als wären wir im Wüstenwind gesegelt. Die Einheimischen sagen, das käme aus den Wolken nach Südwind. Feinster Staub.

Ich hole noch Feta-Schafskäse. Dazu gibt es die Kalamata-Oliven( in Essiglake) von dem Bauern, der am Kai einlud, zu seinem Haus „mit den blauen Fensterläden“ am Hang hochzusteigen und bei ihm Gemüse, Wein, Olivenöl, Eier zu kaufen. Zu seinen Gurken gibt es vermeintlichen wildwachsenden Dill von unserem Leuchthaus-Spaziergang, aber im Salat schmeckt er dann doch eher nach Fenchel J!

 

Im Hafen steht Schwell, gut, dass die EOS 3 Meter weit weg vom Ufer an Leinen hängt! Wir benützen unser Schlauchboot als Zubringer zum Land und klettern dann die Hafenmauer hoch.

Es regnet bis um 20 Uhr…Ruhe überm Dorf. Eine Weltumsegler-Yacht legt an, einige der Frei-Ankerer kommen von der 1-2 m flachen Bucht hinterm Hafen zu uns rein.

Zeit zum Schreiben unsres blog-Tagebuchs. Keine Sonne, wenig Solarzellen-Strom! Zum ersten Mal in diesem Urlaub kommt der Strom von der Steckdose draußen am Kai. Wir haben leider keine Internetverbindung!! Daher können wir wieder keine Fotos „hochladen“ und unsere Leser müssen auf den blog Nr. 8 warten, obwohl wir beide fleißig daran gearbeiet haben. Pech.

Dies als Antwort auf die sms-Anfragen bis 26.5.

„ Wo bleibt der neue blog????“

Die Bilder: