Früh um 8 fahren wir zur allerersten Schleuse, die uns ab heute „hinunter“schleust, also abwärts zum Rhein. Ein vnf-Mitarbeiter (voies navigables de France) kommt im Auto und schaut zu, wie wir erstmals die Leinen zum Hinunterfahren festmachen am Boot. Ich geb Gas und die EOS hält sich brav weg von der Mauer mit ihrem langen Mast vorne. Das Wasser sinkt schnell…Schon löst der Mann mit der Fernsteuerung die Öffnung des vorderen Tores aus, kaum Zeit, die Leine zu lösen… und ich fahre zartfühlend raus. Die nächste Schleuse ist 200 m nah. Schon wieder reintasten, stoppen, Leine… diesmal mittig, nach dem Rat der flußerfahrenen Schweizer von der edlen MY TASCO… Aus Versehen aber fixiert Gerhard diese Leine nicht nur an der Aufhänge-Öse, sondern auch an der Klampe. Also zwei Fixpunkte, statt ein Ende frei laufend in der Hand zu halten zum Anpassen an die sinkende Wassserhöhe….
Ein verhängnisvoller Fehler, denn GH unterhielt sich schmunzelnd mit dem englisch-sprechenden netten Schleusenmann. Da bemerkte ich am Heck, an der Pinne, daß ich seltsam nach links „hing“… immer mehr… das Schiff bekam schnell Schlagseite, EOS krängte wie beim Segeln, denn sie hing fest…an der Steuerbord-Klampe … mit der Festmacherleine, die oben an der Mauer um den Poller hing…. ! Wie eine Hängematte… Durch das große Gewicht (nicht mehr im Wasser schwimmender Rumpf) hatte sich im Nu das Seil total festgezogen an der Klampe… Keine Chance, es zu lösen. Ich schrie: „Stoooopppp! „Die beiden Herren konnten nicht gleich verstehen, was die Lady hat. Ich zeigte verzweifelt auf die Klampe, die Schräglage nahm schnell zu, da das Wasser ja schnell sank… da begriffen sie: Oh…!! Nun rannte der Mitarbeiter der vnf zum Schaltschrank, stoppte das Wasser-ablassen. Es dauerte bange 2 Minuten, bis das Wasser nun wieder in die Kammer einlief. Erst als der Rumpf endlich im Wasser schwamm, ließ sich die Leine am 2. Fixierpunkt von der Klampe lösen… Nun alles von vorne und schön die Leine fieren, locker lassen mit abnehmendem Wasserstand. Bei der nächsten Schleuse nahmen wir nun wieder 2 Leinen, eine am Bug, eine am Heck. Ich vorn, Gh. hinten… Das passiert uns nicht nochmal… Glück gehabt. Heute 14, morgen 30 Schleusen, dann ist diese Art Abenteuer abgeschlossen. Wir werden Mulhouse erreichen!
Angekommen in Dannemarie bekam der Schleusenmann ein Trinkgeld („Au revoir, à demain à neuf heure!“und wir machten am Ponton fest.Viele Winterlieger sind hier. Teils schöne Wohnboote.Keine Dusche…
Dannemarie im Elsaß, im SUNDGAU. Das Heimatland meines Großvaters!!!
Wir machten Brotzeit und eine Sonnenpause im Cockpit bei 18° C! Das Wasser hat 12° im flachen kleinen Hafen. Ich lüftete die Betten, die feuchten Klamotten, das Ölzeug, trockne den Schirm…Gerhard holte das beim Regen wieder durchs undichte Deck in die EOS gelaufene Wasser aus den Tiefen bei Kiel und Heckraum. Dann spazierten wir ins Dorf.

Stattliche Fachwerkhäuser sind lebendige Zeugen der deutschen Vergangenheit! Farbenfrohe Hausfarben, lila, hellblau, gelb, rosa. Üppige rote Geranien in Kästen, ganz deutsch. Ich bemerke die deutschen Straßennamen (Kirch Gass, Markt Stross) die Namen an den Türklingeln, der Pfarrhausname.
Und dann öffnet sich der Blick zum Gebirge: die Vogesen!! Beim Bäcker gibt es ab 4.30 früh schon Brot!! Die Buchhandlung „Il était une fois...“- „Es war einmal“ hat leider keine deutschsprachigen Romane. Wir haben alle von den Häfen am Meer eingetauschten Bücher ausgelesen… Aber der Buchhändler zeigt uns begeistert deutsche Reiseführer für Basel, einen zweisprachigen Band Schiller und ein Buch von Kafka. Nein danke, nicht im Urlaub. Zurück vom Spaziergang brate ich 10 Fleischküchle, dazu gibt’s Pellkartoffeln… und ein Bier.



















An einem großen ewig schwingenden Pendel mit einer Kugel wird die Erdbewegung demonstriert! Verschiedene Sonnenuhren zeigen Monat, Jahreszeit, Uhrzeit, Sternzeichen. Dazwischen gibt’s spielerische Angebote für Kinderund am Springbrunnen einen Pavillon, bei dem auch wir gern in der warmen Mittagssonne ein Glas Wein trinken.

Eine Skulptur der Kinder von Montbéliard und 
Daneben ein Labyrinth aus Thuja, seit 25 Jahren wächst hier die Baumfülle, 6000 Bäume auf 1,3km. Am meisten begeistert mich die Farbenpracht. Aus dem langen heißen Mittelmeer-Sommer katapultiert uns nun die Flußfahrt in die kühle Jahreszeit. Früh war dichter Neeeeebel, wie daheim am Bodensee, aber ab halbzehn lichtete er sich hier.


Wir steigen hoch zur Burg, die von den 


Am Weg zum Port de Plaisance und zur Eos sieht man nahe am Fluß im Park Nebelwolken aufsteigen und wabern…. Woher? Aus großen Töpfen springen Wasserstrahlen und aus winzigen Düsen staubt feinster Nebel heraus! Welch ein Schauspiel, eine Freude durch zu laufen. Was mag das im heißen Sommer für ein großer Genuß gewesen sein. Zurück an Bord gibt’s ein „Chasson“ (Blätterteig wie ein Laubblatt mit Apfelmus) und ein Gebäck mit knusprigen Mandelscheibchen zum Kaffee. Dann sitzen wir eine Stunde im noch warmen Sonnenschein im Cockpit! Im T-Shirt!












Während ich hier um 22.30 Uhr den Blog in mein surface-Notebook tippe, sinkt der arme müde Kopf des Käptns aufs Buch. Gute Nacht.





