117 Auf der Wassertreppe abwärts bis Dannemarie im Elsaß

Früh um 8 fahren wir zur allerersten Schleuse, die uns ab heute „hinunter“schleust, also abwärts zum Rhein. Ein vnf-Mitarbeiter (voies navigables de France) kommt im Auto und schaut zu, wie wir erstmals die Leinen zum Hinunterfahren festmachen am Boot. Ich geb Gas und die EOS hält sich brav weg von der Mauer mit ihrem langen Mast vorne. Das Wasser sinkt schnell…Schon löst der Mann mit der Fernsteuerung die Öffnung des vorderen Tores aus, kaum Zeit, die Leine zu lösen… und ich fahre zartfühlend raus. Die nächste Schleuse ist 200 m nah. Schon wieder reintasten, stoppen, Leine… diesmal mittig, nach dem Rat der flußerfahrenen Schweizer von der edlen MY TASCO… Aus Versehen aber fixiert Gerhard diese Leine nicht nur an der Aufhänge-Öse, sondern auch an der Klampe. Also zwei Fixpunkte, statt ein Ende frei laufend in der Hand zu halten zum Anpassen an die sinkende Wassserhöhe….

Ein verhängnisvoller Fehler, denn GH unterhielt sich schmunzelnd mit dem englisch-sprechenden netten Schleusenmann. Da bemerkte ich am Heck, an der Pinne, daß ich seltsam nach links „hing“… immer mehr… das Schiff bekam schnell Schlagseite, EOS krängte wie beim Segeln, denn sie hing fest…an der Steuerbord-Klampe … mit der Festmacherleine, die oben an der Mauer um den Poller hing…. ! Wie eine Hängematte… Durch das große Gewicht (nicht mehr im Wasser schwimmender Rumpf) hatte sich im Nu das Seil total festgezogen an der Klampe… Keine Chance, es zu lösen. Ich schrie: „Stoooopppp! „Die beiden Herren konnten nicht gleich verstehen, was die Lady hat. Ich zeigte verzweifelt auf die Klampe, die Schräglage nahm schnell zu, da das Wasser ja schnell sank… da begriffen sie: Oh…!! Nun rannte der Mitarbeiter der vnf zum Schaltschrank, stoppte das Wasser-ablassen.  Es dauerte bange 2 Minuten, bis das Wasser nun wieder in die Kammer einlief. Erst als der Rumpf endlich  im Wasser schwamm, ließ sich die Leine am 2. Fixierpunkt von der Klampe lösen… Nun alles von vorne und schön die Leine fieren, locker lassen mit abnehmendem Wasserstand. Bei der nächsten Schleuse nahmen wir nun wieder 2 Leinen, eine am Bug, eine am Heck. Ich vorn, Gh. hinten… Das passiert uns nicht nochmal… Glück gehabt. Heute 14, morgen 30 Schleusen, dann ist diese Art Abenteuer abgeschlossen. Wir werden Mulhouse erreichen!


Angekommen in Dannemarie bekam der Schleusenmann ein Trinkgeld („Au revoir, à demain à neuf heure!“und wir machten am Ponton fest.Viele Winterlieger sind hier. Teils schöne Wohnboote.Keine Dusche…

Dannemarie im Elsaß, im SUNDGAU. Das Heimatland meines Großvaters!!!

Wir machten Brotzeit und eine Sonnenpause im Cockpit  bei 18° C! Das Wasser hat 12° im flachen kleinen Hafen.  Ich lüftete die Betten, die feuchten Klamotten, das Ölzeug, trockne den Schirm…Gerhard holte das beim Regen wieder durchs undichte Deck in die EOS gelaufene Wasser aus den Tiefen bei Kiel und Heckraum. Dann spazierten wir ins Dorf.

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Stattliche Fachwerkhäuser sind lebendige Zeugen der deutschen Vergangenheit! Farbenfrohe Hausfarben, lila, hellblau, gelb, rosa. Üppige rote Geranien in Kästen, ganz deutsch. Ich bemerke die deutschen Straßennamen (Kirch Gass, Markt Stross) die Namen an den Türklingeln, der Pfarrhausname.

Und dann öffnet sich der Blick zum Gebirge: die Vogesen!! Beim Bäcker gibt es ab 4.30 früh schon Brot!! Die Buchhandlung „Il était une fois...“- „Es war einmal“ hat leider keine deutschsprachigen Romane. Wir haben alle von den Häfen am Meer eingetauschten Bücher ausgelesen… Aber der Buchhändler zeigt uns begeistert deutsche Reiseführer für Basel, einen zweisprachigen Band Schiller und ein Buch von Kafka. Nein danke, nicht im Urlaub. Zurück vom Spaziergang brate ich 10 Fleischküchle, dazu gibt’s Pellkartoffeln… und ein Bier.

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Wir sind in Dannemarie/ Alsace!

Gerdi am 18. Oktober:

Wir haben die ersten 15 Schleusen abwärts geschleust.

Nun sind wir in Dannemarie, an der Pforte zum Elsaß. Viele deutsche Straßennamen (Gass, Stross), Fachwerkhäuser, Blumengärten… das Land meines Großvaters mütterlicherseits…

Ein Wunderwerk der Technik, auf 40 Schleusenkammern wie auf einer Wassertreppe hinunter gelassen zu werden.

Aber aufregend ist es… man darf nicht aus Versehen die Leine fixieren auf der Klampe…Denn  wenn das Wasser abgelassen wird, hängt das Boot sonst frei und schräg an der Klampe… das hatten wir heute 1x… !!!!! Eine Katze hat 7 Leben, wie viele hat ein Segelboot??

Habt Geduld, das Internet will grad nicht. Auch für die gestrige Fahrt nach Montreux folgen noch schöne Fotos.

Wir haben mächtige anthrazitgraue Regenwolken am Himmel… Morgen müssen wir 30 Schleusen meistern… DANN sind wir in Mulhouse, am Ziel.

118 Zum Scheitelpunkt der Flußreise, 341,5 Meter ü.M.+Montreux

Gerdi am Montag, den 17.Oktober

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Hinter der EOS ist ihre Spur im Wasser des Kanals

Heute sind wir nochmal 4 Schleusen „hoch“-gefahren, das war gemein: man muß bei einer 4,5 m hochschleusenden Kammer ganz wahnsinnig schnell (sofort wenn man hinter die Schleusenportale gefahren ist, vom Bootsdach aus ein ca. 16m langes Seil nach oben werfen und da soll es genau auf einem von unten gar nicht sichtbaren Poller landen und ohne Schlingen brav wie ein Kragen schön hinter dem Poller landen. Lassowerfen ist viel einfacher, da hat man vorn eine Schlinge, den beschwerenden Knoten und kann 3-4x kreisen damit und dann zielen. Bei uns aber hat Gh. in  j e d e r  Hand einige Kauschen Seil und muß das mittlere lose Teil als runde Bucht hochwerfen…(das zw. den beiden Seilhälften). Dann bleiben nur noch Sekunden, um das eine Ende, das vorher ja noch nicht an der Bootsklampe belegt ist, vorn am Bug rasch festzumachen, dann gehn schon hinter einem die Stahltore zu. Heute verfehlte das geworfne Seil 3x den Poller, das Boot schwingt nach hinten, die Portale beißen fast in den 2 m hinten am Heck überstehenden Mast mit Radarreflektor und Toplampe… Grausig. Gh warf nochmal, dann verhedderten sich oben 2 Schlingen hinterm Poller. Der Schleusenmann guckte gar nicht, er hätte gut herlaufen können(er stand auf den vor dem Schiff geschlossenen Toren…) und er hätte gut das Seil fangen und um den Poller legen können. Wenn die Schleusenkammer niedriger ist (3m) sieht man auf dem Bootsdach stehend die Poller, so nicht.

Bisher haben wir ca. 80 Schleusen per Fernsteuerung selbst geöffnet und halt erst die Tore geschlossen (da schiebt man eine blaue Stahlstange in der Mauer nach oben und löst die Schließung der hinteren Tore selber erst aus, wenn das Boot sicher vertäut ist.

Heute sind wir am Scheitelpunkt unsrer 800 km langen Flußreise angekommen, in Montreux vieux (vorher kommt die Stadt Montreux Chateau), 341,5 m sind wir durch die Schleusen hochgepumpt worden. Für die 800 km brauchten wir 29 Tage. Nun geht es abwärts, morgen und übermorgen wie auf Treppen 40 Schleusen nach Mulhouse „hinunter“. Ein Monsieur l’èclusier wird mit dem Auto neben dem Kanal vorausfahren und die Schleusen bedienen mit der Steuerung, es warten hier 7 Boote, teils Richtung Süden. Wir sind das einzige Segelboot und mit unsrem 13 m langen gelegten Mast ein Hingucker. Kaum einer dieser Flachlandbewohner kann sich vorstellen, daß wir vom Meer kommen… und gar schon 6 Monate am Wasser leben in dem kleinen Schiff- seit Mai.

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Am Ufer duftet es wunderbar nach dem letzten Heu, in großen Ballen gerollt wird das letzte gemähte Gras in Folie verpackt, wie Kugeln, als Winterfutter. Die Häuser sehen inzwischen „deutsch“ aus, schützende Walmdächer, oft mit kleinem dreieckigem Krüppel-Walmdach am Firstgiebel. Noch steht die Maisernte an, die Äpfel werden wohl oft zu Most verarbeitet, ich liebe den Cidre! Die Kartoffeläcker sind geerntet und umgepflügt. Es riecht nach feuchter brauner Erde, Herbst. Auch die schnell zunehmende Färbung des Laubs der Bäume verblüfft, gelb, orange, rot. Wir sind nach dem heißen Sommertörn doch erstaunt, daß dies fast winterlichen Vorboten uns einholen, die Spaziergänger haben Daunenjacken an und Mützen, Schal und Handschuhe, Stiefel…

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Immer wieder stolziert ein majestätischer Graureiher am Ufer, wartet auf die EOS, fliegt voraus. Ein Schauspiel. Welch ein rassiger Vogel, groß wie ein Storch, elegant auffliegend mit beachtlicher Flügelspannweite. So hübsch die Farbzeichnung am Kopf, kräftig der Schnabel zum Fischefangen!

Der Himmel ist bedeckt, kein Blau wie gestern am Sonne-Sonntag. Ich hol das Ölzeug, grau in grau nun der Fluß, das Ufer...Es regnet. Aber bisher hatten wir echt großes Glück, denn es hat nie so heftig geregnet, daß es innen wieder durch unser undichtes Teakdeck in die Kajüte reinläuft. Bis Mulhouse sind es nun nur noch 33 km.

Gleich nach dem Festmachen an der kleinen Anlegestelle (mit Stromsäule an Land) hab ich um 3 Uhr Pfannkuchenteig gerührt und meinen Käptn zum Kaffee mit leckeren dünnen Pfannkuchen mit Orangenmarmelade und Zimtzucker beglückt. Er nahm mir dafür den Einkauf ab: Im Regen mit Schirm tigert er ins Städtle, um Äpfel und Butter, Bier und Trauben, Cidre und Hackfleisch für Frikadellenzu holen. Heute abend gibt’s Spaghetti von gestern, ich mach eine Sahnesoße mit Steinpilzen, die ich schon „eingeweicht“ habe. Gut, daß der Heizlüfter läuft: sonst kriegte ich all die nassen Anoraks, Ölzeugjacken, Mützen, … gar nicht trocken. Leider ist das Internetguthaben aufgebraucht (jaja, die vielen Fotos hochladen…)- so können wir die schönen Bilder noch nicht senden.

Was ich vermisse? Eine klitzekleine Dusche mit Warmwasser zum Haarewaschen, einen Backofen zum Brotbacken, eine wärmere Zudecke für nachts (da schweigt der Heizer), Das Walking, die Sauna, das Fitnessprogramm, verfügbares Internet. Gh. vermisst eine Leberkässemmel. Und sein Fahrrad.

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eine Schleuse nach der andren
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Ah, gut, Strom für den Heizlüfter
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vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 12

117 Montbéliard-Stadtpark, Science-Park, Burg+Altstadt

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unser Liegeplatz am kl. Hafen
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Frühstück am Sonntagmorgen, noch im Nebel

Sonntagsfrühstück am 16.Okt.: mit Rochefort, Terrine d’Alsace, Camembert, Comté-Käse,Mandarine, Kaffee, Blumen…

Neben unsrem Liegeplatz ist ein kleiner Garten, hinterm Gartenzaun wächst Gemüse, Tomaten, Petersilie, Rosenkohl, Majoran… blühen Kapuzinerkresse und Kamille.

Am Schild steht zu lesen: Bedienen sie sich. Kostenlos Gemüse für alle. Eine schöne Idee.

Wir spazieren in den Skulpturenpark, wo mit Modellen allerlei wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt werden. Direkt am Fluß ist ein Steg mit großartigen Fotos, die in fantastischen Nahaufnahmen Farn, Akelei, Flechten, Moose, Knospen, Samen zeigen. Am Ende steht die Tafel mit allen -aber keine Auflösung, die gäb’s in der Ausstellung. Leider war sie zu…science-parc-montbeliard-8science-parc-montbeliard-7

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science-parc-montbeliard-3An einem großen ewig schwingenden Pendel mit einer Kugel wird die Erdbewegung demonstriert! Verschiedene Sonnenuhren zeigen Monat, Jahreszeit, Uhrzeit, Sternzeichen. Dazwischen gibt’s spielerische Angebote für Kinderund am Springbrunnen  einen Pavillon, bei dem auch wir gern in der warmen Mittagssonne ein Glas Wein trinken.

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Lichtspiel und Liebe…

Im Garten der Düfte kann man den aromatischen Geruch der Kräuter erschnuppern, Dill, Rosmarin, Origano, Basilikum, Thymian, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Kamille. Daneben ein Garten mit verschiedenen Rosenarten, im Sommer sicher ein Zauber der Duftsorten.

science-parc-montbeliard-9Eine Skulptur der Kinder von Montbéliard und Ludwigsburg mahnt, daß die Wildbienen geschützt werden müssen. science-parc-montbeliard-10science-parc-montbeliard-11Daneben ein Labyrinth aus Thuja, seit 25 Jahren wächst hier die Baumfülle, 6000 Bäume auf 1,3km. Am meisten begeistert mich die Farbenpracht. Aus dem langen heißen Mittelmeer-Sommer katapultiert uns nun die Flußfahrt in die kühle Jahreszeit. Früh war dichter Neeeeebel, wie daheim am Bodensee, aber ab halbzehn lichtete er sich hier.

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stadtrundgangburg-9stadtrundgangburg-7stadtrundgangburg-10Wir steigen hoch zur Burg, die von den Württemberger Herzögen zeitweise bewohnt war. Nur heute ist sie nicht mehr so begehrt-das Musik-Konservatorium und ein Folklore-Verein teilen sich ein stattliches Gebäude mit Giebel mit Voluten am Sims wie in Nürnberg am Fembohaus.stadtrundgangburg-4

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Die Stadt hat eine Fußgängerzone, die gestern üppig begangen war, mit vielen Läden, Boutiquen, Bars und Cafés. Heute am Sonntag ist sie verlassen, ja menschenleer!! Die steilen Giebel der zur Gasse gewendeten Häuser erinnern mich an Kempten oder Nördlingen. Schön die Sprossenfenster, bunte Fensterläden, niedliche Dachgaupen, winzige Maisonettes in kleinen Dächern, teils schöne Haustüren…

Der Park dagegen ist beliebt und viele Familien mit Kindern tummeln sich hier, auch Jogger und Jugendliche mit Skatern.

science-parc-montbeliard-19Am Weg zum Port de Plaisance und zur Eos sieht man nahe am Fluß im Park Nebelwolken aufsteigen und wabern…. Woher? Aus großen Töpfen springen Wasserstrahlen und aus winzigen Düsen staubt feinster Nebel heraus! Welch ein Schauspiel, eine Freude durch zu laufen. Was mag das im heißen Sommer für ein großer Genuß gewesen sein. Zurück an Bord gibt’s ein „Chasson“ (Blätterteig wie ein Laubblatt mit Apfelmus) und ein Gebäck mit knusprigen Mandelscheibchen zum Kaffee. Dann sitzen wir eine Stunde im noch warmen Sonnenschein im Cockpit! Im T-Shirt!

Rrrr- das Smartphone ruft: elch ein Wunder, welch eine Freude: Emils erste eigne Schritte als Video. Emil kann laufen…Unser Enkel, der nun 13 Monate alte Emil, läuft 6 Schritte zur Mama und zum Papa zurück. BRAVOOO!

Ich flöte mit der Blockflöte Danklieder, Lobe den Herren, Emils Lieblingslied (Grün, grün, grün sind alle meine Kleider) und internationale Lieder wie Greensleeves, die Marseillaise, Freude schöner Götterfunken….und das bunt gemischte Spaziergängervolk am Hafen freut sich.

Morgen habe ich uns bei der Schleuse Nr. 8 angemeldet. Wer das versäumt, muß 24 Std. warten… Denn einige Schleusenfachleute werden an Bord kommen und uns begleiten. Mein Französisch bewährte sich erneut am Telefon. „Oui, Madame, d’accord, à demain à l’écluse numero huit -à quatorze heure, merci. Au revoir ,nous attendrons votre bateau , l’equipe des éclusiers voudrais accompagner vous.

Wir fahren auf dem Rhein-Rhône-Kanal bis Montreux vieux, da sei ein Anleger mit Strom. Gut, es ist kalt nachts so ohne Schlafsack…

117 Hüftschwung, Eisbad, Montbéliard…

Gerdi am 15.Okt., mach 8 Stunden Fahrt… ohne Grundberührung!!!:-)

Wenn ich an der Pinne stehe, stehe ich nicht exakt in der Mitte (wo die Pinne ist) sondern körperbedingt knapp daneben auf der linken Seite, wo der Schalthebel des Motors ist. Beim Nachsteuern im Kanal, wo nur genau in der Mitte zwischen den beiden grünen Ufern die Wassertiefe der Fahrrinne 0,5 bis 0,9 m Wasser unter unsrem Kiel bietet, genüben Nuancen, um in der Fahr-Rinne zu bleiben. Also genügt ein kleiner Hüftschwung, um die Pinne dahin zu bewegen, wo sie das Schiff nach links steuert.Nach rechts kann ich die Pinnenstange mit der Hand zu mir herdrücken. Eine Kunst nach 25 Tagen Flußfahrt.

Wir sind fröhlich aufgewacht, um Martin Luthers Morgensegen zu zitieren: Der Regen hat aufgehört, blauer Himmel, Sonn e ab halbneun Uhr. Vor uns liegt die kleine Motoryacht Ijrje aus Amsterdam. So nett die beiden, 4 Monate Amsterdam/Lyon/Amsterdam … Hilde spielt Harfe, er Trompete, er ist Discjockey und hat einen kleinen Schrank als Lautsprecher dabei, damit er gute Musik hören kann. Bei einem Sturz am Boot brach er sich vor 5 Wochen den Arm… Dder Gips nimmt ihm nicht die gute Laune…Lebenskünstler:

Als wir ablegen, höre ich die Schulkinder drüben am Schulhof schreien und lachen. Schön auch der Drei-Klang-Ton der Kirchenglocke von Île sur le Doubs…

Auf dem Kanal schwimmen grüne Seegrasinseln, ganze Apfelbäume,auch viele reife Äpfel. Dann aber verfängt sich eine solche Schlingpflanzenmenge in unsrer Schiffsschraube. Ich stuere eine Art Anlegesteg an und Gerhard zieht die Badehose an und die Taucherbrille… Er muß tauchen!! Von Hand holt er das „Gemüse“ aus der Schraube und klettert die Badeleiter wieder hoch. Brrr: 12° C Wassertemperatur. Tapfer. Ich steh mit 2 Frottéehandtüchern bereit und zu zweit rubbeln wir den kalten Frosch trocken. Mütze auf, Faserpelz an und weiter geht die Fahrt nach dem Eisbad…

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Zeugen des Tauchgangs bei 12° Flußtemperatur….
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Reife Äpfel schwimmen im Kanal…

 

Zweimal wird automatisch für die EOS die Hebebrücke gehoben, die Autos warten.

Zwölf Schleusen müssen wir heute ferngesteuert öffnen, innen die Leine wie ein Lasso über den oft hoch oben auf der Schleusenmauer stehenden Poller werfen, an einer glitschigen Stange einen Ruck nach oben geben, dann schließen die Tore hinter uns und das Wasser schießt ein. Den Bug steuere ich mit Motorkraft und gelegter Pinne von der Schleusenmauer, an der wir festgemacht haben, weg. Sind wir 4 m weiter oben, Gang raus, Leine lösen, langsam anfahren und wenn die vor uns liegenden Tore sich öffnen, rausfahren… Wieder schöne Namen, Colombe Chatelot, Colombine Fontaine, St. Maurice Echelotte……

Nach 8 Stunden und 12 Schleusen erreichen wir Montbéliard. Wir spazieren beim letzten Sonnenschein über die Brücke überm Doubs und in die City. Die Giebelhäusle in der Fußgängerzone erinnern mich an Kempten! Da es außer Boutiquen, Kebab, Cafés und Bierstuben kein interessantes echt französisches Restaurant gibt, kaufe ich Hackfleisch und um 19.30 duftet es an Bord nach Chili con Carne!

Wir bleiben morgen am Sonntag hier… Entspannen.

 

116 Neun Stunden anstrengende Steuerarbeit in der seichten Fahrrinne + 10 Schleusen

Gerdi schreibt, müde, am Freitag, 14.Oktober, nachts

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Alle Schifflesfahrer mußten 1 Tag abwarten, bis ein Fachmann die defekte Schleuse repariert hatte. Dann kam die Erfolgsmeldung der Éclusière-Dame: Vous pouvez aller!

Da wir am Abend von den andren Flußfahrern gehört hatten, daß der Hafen, in dem die EOS 2009 und 2011 noch rasten konnte, nicht mehr anzufahren sei wegen Versandung, hieß das. aufstehen um 7! Frühstück im Halbschlaf und Start um 9. Ablegen von der Tasco, dem edlen großen Motorboot der Schweizer aus der Nähe von Basel! Statt 14 km mußten wir 32 km schaffen, was durch die so langsame Fahrerei wegen der seichten schmalen Fahrrinne und und der je 20 minütige Schleuserei einfach unheimlich lange dauert.

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Gerhard steuert im Fluß.. abenteuerlich glotzen mich die bemoosten Steine knapp unter Wasser an, umspielt von meterlangen im Wasser schaukelnden Schlingpflanzen, Seerosen und umgefallenen Laubbäumen. Wie schön,mal eine andre lebendeKreatur zu sehen am Ufer außer bedrohlichen Felsen im Wasser: Gänse, Kühe, Eisvogel, Graureiher…

Furchterregend zeigt das Echolot die geringe Wasser-Tiefe unterm Kiel an: 0,6…0,5..0,4 Sofort Rückwärtsgeben… Gang raus, neue Möglichkeiten austesten. Es ist nervig… Es strengt an… Dann die nächste rote Ampel der Schleuse vor uns im wolkenverhangenen Ausblick… Fernsteuergerät raus und beten, daß es das Signal auch sendet… Oft muß man auf 40 m ranfahren, wo dann kaum Schiffsbreite herrscht beim ca. 8-10 minütigen Warten auf viel zu geringer Wassertiefe. Erlösend, wenn dann das rot+grün+Blinklicht erscheint und ich bald im Schneckentempo einfahren kann, nachdem sich gemächlich die 2 riesigen Stahltore geöffnet haben. Mittags rühre ich Quark mit Zitrone, Ruccola+Knoblauch zu einem leckeren Aufstrich… das Brot ist frisch vom Bäcker, (der um 8 zum Campingplatz kommt!)

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Gib eine Beschriftung ein
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Dramatisch nahe der Doubs mit dem Wasserfall neben der Schleuse
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Leine am Bug belegen…
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…und Pinne extrem einschlagen.. Vorwärts, die ganze Schleusendauer lang…

Wir haben eine professionelle Art des Schleusens gelernt: Schiff nur an 1 Leine vorn am Bug fixieren (da muß Gh. nicht die glitschige Leiter hochklettern und ganz oben in 4 m Höhe Seil an die Poller legen u. ich muß nicht mühselig ständig die Seillänge nachjustieren. Dann Gas geben: vorwärts fahren und dabei die Pinne maximal einschlagen „Bug weg von der Schleusenmauer“. Ein großes Dankeschön an Hilde, die Amsterdamerin von dem wirklich kleinen niedrigen Motorboot „Amsterdam“. Famos, wie die mit ihrem fröhlichen Engländer diese ganze Tour ab Amsterdam meisterte!!! Und nun zurück, einfach eine abenteuerliche Weise, 4 Monate am Fluß zu leben (Wohnungen vermietet, von der Miete den Törn finanzieren) Kompliment.

Eine Schleuse nach der andren… Einmal schleusen wir zu dritt, 1x und nie wieder, die EOS machte Sprünge im einschießenden strudeligen Wasser….!!! Interessant die Schleusen-Namen: Baumes. les Dames…Hyère-Magny, Haux de Clerval…Clerval…Île sur le Doubs…Mühsam ist die andauernde Konzentration, kaum einen Moment kann man auf die Landschaft blicken. Wolken hängen tief, es regnet, also Ölzeug, Gummistiefel, Handschuhe, Mütze, …und naß alles im Cockpit. Wäre nicht der Hafen Clerval versandet, könnten wir um 13 dasein. Aber so dauert es bis um 18 Uhr, 9 lange Stunden da draußen im Regen…Erst kurz vor der Dunkelheit legen wir am Kai in Îsle sur le Doubs an, oder fast, auch hier sumpft der Kiel unten im Schlamm… Aber Gh. kann eine Leitung legen und wir haben Strom für den Heizlüfter. Da kocht schon meine Hühnersuppe, denn ich begann zwischen den 2 letzten Schleusen Gemüse zu schnippeln. Dann brauch ich un-be-dingt eine heiße Wärmflasche unter den Eisfüßen. Gh. bereitet liebevoll den Nachtisch vor: sonnengereifte Mandarinen aus Spanien… Romantisch sieht’s heute nicht aus im Salon: überall hängen unsre nassen Klamotten zum Dörren…

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Ein voller Autozug bringt doppelstöckig die Autos aus der Renault-Fabrik zu den Autohäusern…

img_2505img_2508 Während ich hier um 22.30 Uhr den Blog in mein surface-Notebook tippe, sinkt der arme müde Kopf des Käptns aufs Buch. Gute Nacht.

 

 

114 Mit Fels am Bergufer und unterm Kiel…seichter Doubs bis Baumes les Dames

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Wieder ein Tag mit enormer Anspannung. Der Fluß führt einfach viel zu wenig Wasser. Gerhard steuert hochkonzentriert, trotzdem sitzt der Kiel 3x am Grund, mal knirscht der Fels, mal kann man nicht mal ohne Grundberührung in die für uns schon offene Schleusenpforte einfahren, ohne aufzusitzen. Es nervt. Jaja, Ruhe bewahren… machen wir. Wenn rückwärts motoren und Ruder-Wedeln nix nützt, schnappt sich Gerhard behende den 5 m langen (!!) Extra-Bootshaken und schiebt mit aller Kraft am Grund, der dann ja „nur“ unsere Kielhöhe und Bordwandhöhe bis Wasserpaß , also 1,50m weit weg ist. Man könnte im Wasser stehen neben der festgefahrenen EOS…

Ich geb dann zartfühlend mit dem Motor rückwärts. Mal dreht sich der Bug(Aha, Fels) – mal schiebt man doch etwas Sand weg oder wühlt ihn auf, wenn das Wasser braun wird neben der Schraube. Ich bete laut, ich hoffe, ich vertraue. Gerhard auch. Wir sind „Gottfroh“ wenn die EOS sich wieder selber bewegt und nicht mehr im Seichten hocken bleibt.doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-1doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-2doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-3doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-4

Am Ufer auf backbord wären die schönsten fast senkrechten Felsen, wohl auch zum Klettern. Aber wir können der Schönheit kaum einen Blick gönnen.

Als wir neben dem Campingplatz Baumes les dames anliegen wollen, sitzen wir erneut auf. Ein Schweizer zieht uns an sein Tasco- und dann hören wir, daß wir alle hier bleiben müssen, da die nächste Schleuse defekt ist….

Wir laufen ca. 3 km zum Einkaufen, gucken uns die regengraue Stadt an. Am ABend treffen wir uns alle zum Essen im Restaurant neben dem Campingplatz… Es regnet.img_2487img_2490