115 Von Besancon bis Deluz-wenig Wasser unterm Kiel…

Mittwoch, 12.10.16. Kalt war die Nacht am Ponton unter der Citadelle von Besancon. Kein Stromanschluß! Hoch über uns die Festungsmauern, aber wir können nicht hin. Der eigentliche Hafen ist in diesem Jahr zu flach, wir müssen „draußen“ bleiben vor dem fast 400 m langen Tunnel, der zur großen enge geschlungenen Flußschleife führt, der „Boucle de Besancon“.

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Ich schlafe im Faserpelzanzug wie im Winter in deiner unbeheizten Hütte. Die teddyfellige Hose diente mir 1982 in der Schwangerschaft mit Martin als Skitouren-Umstandshose ;-). Auch passende Socken hab ich an im kalten Bug-Bett, die hatte ich beim Wintersegeln früher am Bodensee in den Gummistiefeln an.

Naß beschlagene Schiffsfenster sind das Zeichen der kalten Nacht. Um 7 stehn wir auf, freuen uns auf heißen Kaffee und Tee und Knäckebrot. Um 9 will Gh. mit dem Fernsteuergerät dieTunnelschleuse aus, ein Helfer kommt und öffnet die Schleusentore. Aufregend: ein in nur 4 Jahren erbauter 388 m langer Tunnel (1878-1882 erbaut) verbindet die engste Stelle der „Boucle de Besancon“, die der Doubs hier bildet, mit der gegenüberliegenden Flußschleifenseite. Als Boot kann man die ganze Schleife auslassen und gleich auf dem Doubs weiterfahren. Anstrengend ist dieser Arbeitstag an der Pinne, das Echolot zeigt uns zwar die geringe Wassertiefe, aber der felszackige Untergrund macht eher Angst, wenn man liest, daß nur 30 oder 50 cm unterm Kiel sind…Oder wie gestern keine Handbreit am Fels…

Exakt steuert man, was vorgeschrieben ist in der Flußkarte, oder am Schild am Ufer angezeigt wird: 15 m Abstand zum rechten Ufer, oder 10 m zum linken, oder sehr waghalsig eng an den weit aus dem Flußwasser herausragenden bemoosten roten Dalben entlang…(normalerweise überflutet, nun beim niedrigen Wasserstand frei an den Befestigungen). Gh. hat die Warnmeldung (einen Pfeifton) von 0,3m auf 0,60m umgestellt. So bleibt mehr Zeit zum reagieren. Es weht wieder ein kalter Wind, aus Ost, erst um 10 schafft es die Sonne ins noch schattige Flußtal zu uns… An unsrer 4. Schleuse soll man sich vom rechten Ufer rechtwinklig zum linken begeben und dort am Ponton wartend auslösen. Doch da hat es weniger als unsre Kielhöhe und wieder sitzt er auf em eingespülten Kies+Sand auf… Beim 2. Versuch klappte es.

Die Doppelschleuse erfordert ganze Aufmerksamkeit, sie ist hoch und das Wasser spült uns stoßweise fast an die Gegenmauer… Gerhard hoch oben auf dem Schleusenrand wirkt wie ein Zwerg. img_2477Ich ziehe und zerre sobald das Wasser wieder angestiegen ist, an der Heckleine, damit EOS brav auf der Mauerseite bleibt, wo wir hoch droben an Dalben die Leinen über Poller legten und von unten fieren. Nach der 1. kommt gleich eine 2. Schleuse. Mein Arm (Fall am 10.Sept. in Martigny) schmerzt… Um halbzwölf steuert Gh, mit Anorak und Mütze.

Wieder ist der Doubs sehr flach-wir drosseln die Geschwindigkeit extrem und kommen so kaum vorwärts. Grad etwas schneller als die Spaziergänger in der Platanen-Allee mit den schönen alten dicken Stämmen. Traumhaft diese Baumriesen, daneben immer der E6, der Europa-Radweg.

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Wir sind inzwischen auf der geografischen Höhe von Zürich und Appenzell und Lindau. Thun und Jojo sind also südlicher (als wir im Fluß über Besancon). Konstanz ist fast querab, von dort kommt in 12 Tagen der Sattelschlepper und holt die EOS. Um halbeins übernehme wieder ich das Ruder, ganz schmal und eng ist der Kanal, das Echolot zeigt 0,8 und max. 1,0 an, da muß man noch die 1,5m vom Kielfuß bis zur Wasserlinie dazurechnen. Aber man bleibt angespannt und unruhig. Dann blitzen rot die ersten Dächer am linken Ufer auf: DELUZ. Eine neue kleine Ponton-Marina, mit Strom und neuer Capitaneria, mit Dusche(aber unbeheizt). Ich erfreue die Büroleute mit der Marseillaise auf der Mundharmonika, wir singen zu viert Au claire de la lune und dann gibt’s noch „Alle Vöglein sind schon da“ als deutsches Volkslied. Große Freude, die Melodie ist bekannt: …“aah, toutes les oiseaux sont là déjà! Bravo!“ Zurück an Bord brühe ich Couscous auf und mit Mais, Paprika, Tomaten ist im Nu ein Salat fertig. Gh. darf seinen geliebten Thunfisch mit Zwiebeln schmausen…

img_2480Ich brauch mal Magentee, Käsepappelblätter der Malve, denn irgendwas ist im letzten Trinkwasser (vom Ponton in Thoraise) drin gewesen, schmeckte schlimm nach Chlor statt nach Kamillentee am Morgen… Mit dem Bettbezug versperre ich dem böigen Wind den Zugang zum Eck imj Cockpit, wo ich die letzten warmen Sonnenstrahlen beim Lesen eines Ludlum-Wälzers genieße, mit Decke am Schoß. Am Abend koch ich eine feine Bolognese aus aufgetautem Rinderhack zu breiten Nudeln. Wir zahlten 11 € und lassen mal den Heizlüfter laufen.

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Gh. läuft ins Dorf, der Bäcker hat für immer geschlossen, einen Laden gibt’s nicht.

Hier Gerhards Flickr-Album: Klick

114 Abenteuer pur: am Felsen aufgesessen-im Fahrwasser!!! Bis Besancon.

Dienstag, 11.Oktober, den Tag vergesse ich nie!!!

Thoraise, Ponton.

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Ganz vorsichtig steuere ich um 10 Uhr durch den langen Tunnel! Gleich am Ausgang muß ich rechtwinklig, also 90°, abbiegen nach rechts. Es wird eng. An der Steuerbordseite liegen einige schöne Hausboote, also zur Wohnung umgebaute Frachtschiffe: „Nomadisch“, „Nemo“-teils mit roten Dahlien und Teak-Möbel-Gruppen an Deck, sehr gemütlich. Ich steuere mit kalten Pfoten eine Stunde, als Gh. mich ablöst gibt er etwas mehr Gas. … Ich sitz am Salontisch und da macht es einen Schlag. Rummmmms, Felsen unterm Kiel!!!!

Eos sitzt fest, der Kiel klemmt zwischen Felszacken. Mitten in der Fahrrinne, obwohl sie exakt vom Käptn gesteuert wurde, an den roten Bojen entlang und auch rechts haben wir genau diese vorgeschriebenen 10 oder 15 m Abstand zum Ufer eingehalten. Der Doubs hat wohl was gegen die frühen Segelschiffer…

Mein kleines Hy purzelte vom Tisch, denn die Eos machte einen Satz! Grch-ch-chh-chkkk…ein für Segler unheimlich abscheuliches Geräusch: Kiel am Fels… Sekunden werden da lang… dann stand das Schiff…Wäre es Sand oder Schlick, könnte man durch Wiegen und Ruder-hin-und-her das Boot freibekommen, aber im Felsgestein nicht, höchste Vorsicht, das Ruder darf nicht beschädigt werden…

Wir wußten, daß hinter uns ein Pfälzer mit dem Mietboot kommen wird, die hatten länger gefrühstückt am Ponton vor uns. Aber vorher kamen 2 junge Franzosen, Katamaran, gelegter Mast… sie nahmen bereitwillig unsre Leine, zogen mit aller Motorkraft, die Eos bewegte sich kaum, und es krachte enorm… bis deren Motor heiß lief. Also vergeblich. Leinen los… Dann kam der Pfälzer auf seiner Locaboat-Peniche. Die beiden Töchter belegten an Bord fachmännisch unsre Leine, verlängerten sie, Mama gab laut die Anweisungen von Gerhard weiter an den Käptn innen am Steuerrad…Er zog und mühte sich, mal am Bug, mal am Heck der EOS. Auch umsonst. Schade, viel Glück!….

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aufgesessen am Fels  im Fahrwasser
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Seht ihr die Fahrwassertonnen, am Ufer grün, im Fluß rot? Wir in der Mitte..!!

Nun pumpte Gerhard das Schlauchboot auf, paddelte 3 aneinander geknotete Leinen ans grüne Ufer...kam zurück… Ziehen half nix. Dann senkte er den Anker auf den nahen Grund, die Felsen kamen nun sichtbar näher, denn es war inzw. Wind… Neuer Versuch: Die lange Leine an den Bug, diese an die Ankerwinsch. Die ist elektrisch… Vorsichtig betätigte Gh. die Winsch… und die Eos kam tatsächlich -wenn auch knirschend mit dem Kiel- nun cm-weise nach hinten, am Heck, wieder Richtung Fahrwasser. Ich gab zart Motorkraft zurück… betete… und da schwenkte nun doch der Bug nach rechts und Richtung Ufer…. wieder 2 m Wassertiefe. Gh. paddelte zurück an den Busch, löste die Landleine, ich hielt die Eos am Platz, er zog sich an der Leine ganz vorsichtig zur Eos und dann holte ich noch den Anker hoch… dankbar konnten wir weiter fahren…. Gott sei Dank, daß wir keinen Kran o.ä.brauchten…

 

Leider hielt das Abenteuer an: Die nächste Schleuse muckte, ein Wärter kam und schloß die Schleusentüren hinter uns. Auch an der nächsten Schleuse Ärger. „Fehleralarm. Geduld!“ kam am Display der Fernsteuerung… „Fehlerbehebung im Gange„-Wieder flitzte ein VFN-Mitarbeiter im Auto heran und öffnete uns das Schleusentor. Sehr vorsichtig steuerten wir zum Ziel: ein Ponton vorm Tunnel, der zur großen Flußschleife führt: der Boucle de Besancon. Dort wollten wir am Ponton bleiben, glücklicherweise war es da 1,60m tief, grad genug für die EOS. Aber kein Strom, also kalt die Nacht, kein Heizlüfter.

Eigentlich haben wir ja eine schwedische Bordheizung, aber leider hat die das Salzwasser nicht überlebt und sie dient uns nun  nicht im kalten Herbst des 3. Törn-Jahres zum Heizen und Wärmen, wo wir das ja eigentlich gut geplant hatten. Und einen Schlafsack oder  luftkammermäßige Steppdecke haben wir auch nicht..

Wir bewahren unsre Zuversicht, danken Gott für den nicht eingetretenen Schaden am Boot, schließen alle Luken, um die Wärme zu halten. Dann koch ich Blumenkohl mit Buttersauce Hollandaise, also mit Eidotter und Sahne. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern…!!!

 

Fotos werden nachgeliefert, kein Internet in Besancon

112 In engsten Kanälen via Rochefort bis Ranchot

Dies als Info: kein Blog, keine Fotos.

Das Internet sendet keine Fotos… GEDULD:-)

Wir sind am 9. Oktober, unserem 19. Flußtag und dem 143. Törntag in Ranchot.

Nachts 2°C, tags 12-14°… Anlegen geht nur an kleinen Kais, da muß man vor Dunkelheit da sein. Die Schleusen machen Arbeit, mit der Fernsteuerung löst man sie selber aus, dann muß man innen die beiden Leinen an Bug und Heck dichtholen je nach einlaufendem Wasser und Abstand zur Schleusenmauerhöhe… Wir können nur mit 4 km/h fahren. Für 20 km brauchten wir heute von 10 bis 16 Uhr. Das konzentrierte Steuern (max. in der Mitte 2m WT) ist anstrengend!

Wir sind guter Laune: heute kochte ich mittags zwischen 2 Schleusen aus Bio-Rindfleisch von der Markthalle in Dôle mit Gemüse eine köstliche Suppe. Was Heißes ist nun immer richtig.

Am 24. kommt der Autokran und der LKW nach Mulhouse. Wir müssen eilen.

112 In engsten Kanälen via Rochefort bis Ranchot

Dies als Info: kein Blog, keine Fotos.

Das Internet sendet keine Fotos… GEDULD:-)

Wir sind am 9. Oktober, unserem 19. Flußtag und dem 143. Törntag in Ranchot.

Nachts 2°C, tags 12-14°… Anlegen geht nur an kleinen Kais, da muß man vor Dunkelheit da sein. Die Schleusen machen Arbeit, mit der Fernsteuerung löst man sie selber aus, dann muß man innen die beiden Leinen an Bug und Heck dichtholen je nach einlaufendem Wasser und Abstand zur Schleusenmauerhöhe… Wir können nur mit 4 km/h fahren. Für 20 km brauchten wir heute von 10 bis 16 Uhr. Das konzentrierte Steuern (max. in der Mitte 2m WT) ist anstrengend!

Wir sind guter Laune: heute kochte ich mittags zwischen 2 Schleusen aus Bio-Rindfleisch von der Markthalle in Dôle mit Gemüse eine köstliche Suppe. Was Heißes ist nun immer richtig.

Am 24. kommt der Autokran und der LKW nach Mulhouse. Wir müssen eilen.

111 In der schönen Stadt Dôle

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Neben uns am Ponton sind viele Péniche-Boote, Leihboote die man ohne Seepatent fahren darf. Am Ufer wächst üppig Pfefferminze, den ich für Tee gleich pflücke. Dann machen wir uns auf zum Markt. Eine große Halle gleich neben der riesigen Kirche Notre Dame birgt alle (eßbaren) Schätze des Jura, ich kaufe Bio-Suppenfleisch für eine Consommé, köstlichen 24 Monate gereiften Comté-Käse, eine andre Spezialität  ähnlich dem Munsterkäse, dazu schenkt mir der Fromagier einen kleine Kegel-ob das Ziegenkäse ist? Wieder ist nicht zu ergründen, ob die Franzosen Quark kennen. Beim Bio-Stand steht ein Eimer „fromage blanc“- das ist laut Wörterbuch eben Quark. Aber wie auch im Supermarkt ist das Joghurt… Käsekuchen steht auch in der Auslage, aber wir können uns nicht verständigen… Dann lockt mich ein Blumenkohl an und  frischer Rocette, Rukkola.Vor einer Bar spielt ein Mann Muzettewalzer und ich bitte Gh. mit mir zu tanzen. Geht noch:-) der Walzer.

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Beim Besuch der mächtigen Kirche nehmen mich sofort die fast orientalisch farbenprächtigen Deckenmalereien der Gewölbe der Seitenschiffe gefangen. Ich kann mich nicht sattsehen…

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Von der hohen Orgelempore erklingen zarte Klänge, am Sonntag ist ein Konzert, schade, am Abend um 17.30 sind wir nicht mehr da…

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Wir streifen durch die engen Kopfstein-Pflaster-Gassen, trinken ein köstliches Bier., gewöhnen uns allmählich an die dicken Wollstrickpullover und Kamelhaarmäntel, Stiefel und Pelzkrägen in den winterlich dekorierten eleganten Modegeschäften. Golden wärmt uns die Morgensonne, als wir auch noch auf die andre Seite des Doubs laufen. Dort ist in der alten Mühle ein feines***Hotel mit Restaurant gleich neben den Resten der römischen Bogenbrücke. Wie in Avignon nur noch 2 Bogen-Reste aus dem 4. Jh., die Brücke war mal 500 m lang! Hochwasser rissen sie eines Tages weg. Nun fischen Graureiher im Wasserfall, wo einst die Brücke stand…Lebendig und bunt ist diese Stadt. Wir bleiben noch einen Tag. Unsere EOS liegt nah am Haus des Louis Pasteur…

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Espace Louis Pasteur

 

110 Zambesi und Mauritius.. in St.Jean-de-Losne

Wir hatten 4 Tage kein Internet zum Blog bearbeiten. Hier am  8.Okt. in Dôle 5. Versuch:-)

Verdun sue le Doubs, 3-Flüsse-Stadt. 4.Oktober.

Eiskalt schrillt mir wieder der Nordwind ins Gesicht. Vroni schreibt in der SMS aus Korsika: „Hier ist immer noch Sommerwärme!“ Manuel u. Juliza rufen an: Sie sind am Ziel und lassen ihr Boot 20 km nördlich von St.Jean-de-Losne,. Er muß die B.Cool nun winterfest machen. Nach 3 J. auf See geht’s aufs Festland nach Basel:-).

Erika feiert ihren Geburtstag… wie so oft sind wir auf See oder weg…

RÜCKBLICK

Seurre sur Saône

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Herbstliches Seurre…

Am Abend des 5.Oktobers spazierten wir mit Schal und Kopftuch, Anorak und Fleecepulli in der kleinen Stadt Seurre, wo wir die ersten Fachwerkhäuser entdeckten: mit roten Ziegelsteinen ausgemauerte Gefache, sehr einfache „Muster“, Andreaskreuze und richtige Y und kopfstehende Ypsilon aus braunen Balken.

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Glasfenster-Farbenpracht

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Beim Vorbeifahren, mit der EOS bewunderte ich schon die große Steinrosette an der Front der Kirche. Grad als wir zum Seiteneingang liefen, drehte die Küsterin den großen Schlüssel im Schloß und sperrte die Kirche zu, 18 Uhr. „Pardon, s’il vous plait: Deux minutes, Madame, voulez-vous ouvrir pour nous? Nous sommes des Allemands, au bâteau à voile!…!??“ -„Ah, mais oui, d’accord! Entrez;-)! Deux minutes!!“ Dankbar treten wir ein, stehen bewundernd hinter den farbenprächtigen Glasfenstern! Ein tiefes Purpur-Rot wie bei den Gemälden in Florenz oder bei Dürer!! Leider kann ich die Rosette nur als Schattenbild dank der Abendsonne sehen, denn das herrliche Maßwerk ist durch eine gotische Orgel völlig zugestellt… An einer Schule ist am Dach ein Glöckner, eine Figur, die mit dem Hammer auf die Glocke der großen Uhr die Stundenzahl schlägt.

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Durchgepustet vom Nordwind koche ich einen Pott Gemüse wie daheim und es bleibt nur 1 Teller übrig.

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Donnerstag, den 6. Oktober: Seurre-St.Jean-de-Losne

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Bändel häkeln an 42 J. alte Skimütze, damit sie über den Ohren bleibt

Frostig kalt war es wieder bei der Fahrt nach St. Jean-de-Losne, wo wir den ersten Volvo-Service für den neuen Motor durchführen lassen wollen. Immer wieder kommen uns nun Mietboote entgegen, aber die Schiffsführer stehen windgeschützt und warm hinter Glas und unter Dach. Da uns aber der bissige Nordwind voll ins Gesicht pustet, hab ich die Idee, die Sprayhood mal hochzuziehen als Windschutz. In den „Ellenbogen“ bindet Gh. sie mit Leine hoch und legt diese über den Mast. Eine Wohltat, aber man hat natürlich nicht mehr so gute Sicht durch das Plastikscheibe.

Um 12 rufe ich wieder eine Schleuse an, Nr. 17 schon. „Deux minutes, Madame!“ Nicht weit dahinter kommt der Kirchturm von St.Jean.de-Losne in Sicht, sehr vorsichtig biege ich nach rechts ab und es hat nur noch 2,1 m Wassertiefe. Dann folgt die erste enge nicht-automatische Schleuse. Gerhard klettert an der senkrechte Leiter hoch und bedient mit einem Handrad die Tore. Als er auch vorne zu Gange ist, kommt ein bärtiger Schleusenwärter: Monsieur, regarde! Fermé/closed 12 a 13 h. Aha … Mittagspause… Als wollten sie uns den Eifer heimzahlen, läßt einer der 2 Schleusenmänner vorn an den Toren urplötzlich 10x so viel Wasser in die Kammer rauschen als in den ersten 5 Minuten. Eos saust mit der Rollrefftrommel am Mastfuß an die Mauer, ich kann sie nicht weghalten… Dabei muß ich ja ständig die Vorleine nachführen. Gerhard lief weg, fotografieren. In letzter Minute kommt der Bärtige zu Hilfe, packt die Heckleine und zerrt die Eos, die schon fast quer liegt, wieder an die Schleusenmauer. Einer allein kann eben nicht Vor- und Heckleinen nachführen…. Nach diesem Abenteuer tasten wir uns bei geringer Wassertiefe an die rechte Hafenmauer, vor der Werkstatt. Voll ist es hier, viele Motor-Boote warten aufs Herausheben. Wir machen an einem Frachter mit großem Kran drauf fest, Gh. klettert über diesen und mit einem Sprung an Land. Der Service kann schon heute statt morgen sein, aber wir müssen in einen allerletzten ganz engen Platz am Kai, knifflig anzulegen,weil der Mast vorn und hinten fast die senkrechten Wimpel oder Persenningstützen der Schiffe vor und hinter uns touchiert… Nur schräg klappt es… Von 2 bis halbfünf windet sich der junge Mechatroniker im Motorraum, säubert Filter, Deckel, Schrauben, ölt sie sorgfältig, nur sein Englisch ist mäßig… Im Dieseltank sei Schmutz, oder Algen, oder Rost. Hm, nach 42 J. kein Wunder… Keiner weiß, wie man den Tank säubern könnte, er ist innen nicht glatt sondern hat Streben und Schwellbremsen.img_2354

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Amüsiert lese ich die diversen Schiffsnamen:

Zambesi– ein Frachter direkt an der Schleuse, Mauritius– am andren Ufer, Tante Hanni und Schwalbe gegenüber der Eos

Ein Stadtrundgang zeigt uns eine sonderbare Kirche, wie ein Wehrturm(für die Bürger) und an der Seite 2 himmelhohe bleistift-dünne Türme wie Minarette. Ein italienischer Laden zieht uns mit seinen Leckereien an: sie sind aus Palermo und haben Köstlichkeiten aus Sizilien. Mein Italienisch erfreut die beiden und schon schneidet die Frau Mortadella sottile,sottile (fein), bringt hausgemachte Amaretti, schenkt uns 1 kg Muskateller Trauben und noch blaue dazu, Pesto und Nudeln… Uns kommen die siedend heißen Tage in Palermo ins Gedächtnis…img_2363

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An der Uferstraße sind alle Alleebäume bestrickt und behäkelt, jeder Poller hat Mütze und Schal

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Morgen verlassen wir die Saône und fahren ein in den „Canal du Rhône au Rhin“!! Unser Ziel ist Dôle. Die Kanäle sind nur in der Mitte mit 2,5 m tief genug, man muß exakt steuern, um nicht ans Schilfufer zu kommen. Viele Radfahrer genießen diese ebenen wunderschönen Natur-Radwege.

109 Von Chalon bis Verdun sur le Doubs

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Eisig kalt pfeift heute der Nordwind, 4. Oktober, vor 28 J. kam unsere Tochter zur Welt. Wir singen ihr über mein altes Hy ein Ständchen. Dann geht’s zurück an die Pinne, wieder mit Wollmütze, Kapuze,Skiunterwäsche+ Handschuhen. Nach 60 Minuten ist Ablösung, dankbar schenkt man sich heißen Tee ein. Es ist die Zeit der Herbsturlauber: viele Mietboote kommen uns entgegen, diese Locaboats kann man ohne Führerschein anmieten!

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Manchmal kommt ein Schubverband, da wird es ganz schön eng zwischen rotem und grünem Begrenzungspfahl, die die un-tiefen Regionen zum Ufer abgrenzen.

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Heute ist ein heftiger böiger Wind, der nicht nur die Bäume „umbiegt“, sondern Wellen aufwirft und Gischtkronen aufschäumt…

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Malerische kleine Inseln ziehen an uns vorbei… graue Reiher rasten, fliegen mit großer Flügelspannweite auf. Ein Haubentaucher begleitet uns, fliegt immer knapp überm Wasser 4 Schiffslängen voraus, landet, wartet, in Bughöhe „überholt“ er wieder, ein nettes Rennen. Er gewinnt, dank Flugkunst. Weiße Pferde grasen am Ufer… Falb-beige Kühe liegen wiederkäuend am Erddamm.

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Lauernder Graureiher

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Gegen 14 Uhr biege ich ein in den kleinen Flußarm , hier mündet der Doubs in die Saône, und schon kommen die weißen Schiffsrümpfe in den Blick. An einem Ponton kann man festmachen, nur mit Bugleinen, sehr ungewohnt!!! Gh. bringt am Heck sicherheitshalber den schweren Stockanker aus als Gewicht am Grund. Nur 2 m Wassertiefe.. Der Ponton ist an 10 m langen Stahlträgern befestigt, der wie Arme bei Hochwasser den Ponton hochhebt…Malerisch ducken sich die die Häuser am Flußufer… an dem großen Haus an der Brücke sehen wir beim Bummeln die Hochwassermarken: bis zu 10 m stand hier der Fluß, und das an Weihnachten 1981,82,85… 1955 war der Wasserstand sogar mehr als 10 m. Horror!!!img_2313img_2315

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Die EOS am Ponton weit unten, bei Hochwasser schwimmt er nach oben 

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Wir wandern fast ehrfürchtig staunend auf dem Hochwasser-Schutzdamm. Rechts der Fluß, so harmlos… links tief unten die Gärten hinter den Häusern…

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Gerhard auf dem hohen Damm