4./ 5.Juli: von Umea/Holmsund in eine fjordähnliche Bucht bei Norrbyskär gesegelt

Ruhetag im Segler-Hafen Holmsund/Umea, 4.Juli

Nachdem uns der Starkwind am 4.Juli wieder zurücktrieb in den Yachthafen, genossen wir einen Hafentag und Gerhard wanderte auf die andere Seite der Nase der Halbinsel Holmsund. Ich mußte 3 zusätzliche Leinen ausbringen, um die an stb nicht zu überlasten. Die Kletterei an der wackeligen Leiter mit Schlingenbündel um den Hals und Seilende zwischen den Zähnen war gar nicht so einfach, die Spring sichert das Abdriften, meine Schulter tut weh, als ich von Hand die ausgewanderte Boje dichter hole. Nach Ghs Rückkehr besuchen wir die kleine Sauna bei nur 55°C- mit Aufguß mit meinem chinesischen Minzöl :-). Im Sonnenschein können wir windgeschützt auf der kleinen Clubhaus-Veranda abkühlen und entspannen. Erst ab 17 Uhr schwächt sich der pfeifende Wind ab.

Am Abend brate ich 2 kleine Lachs-Steaks, rühre Crème frâiche mit viel Dill und Kurkuma an und koche kleine Pellkartöffele. Ruhige Nacht.

Abschied in Holmsund, 5.7. (Copy)

Abschied v. Holmsund, 5.7 (1) (Copy)
Mitternacht in Holmsund Yachthafen

Abschied v. Holmsund, 5.7 (2) (Copy)

Donnerstag, 5. Juli

Wie ein Fjord in Norwegen: Überfahrt nach Norrbyskär

Früh um 8.45 Uhr Start, sanfter Wind NNO, Barometer steigt,fleißig und zuverlässig fügt Gerhard die exakte Route ein ins GPS

Navigator in Norrbyskär (1) (Copy)

Mit Gr und F segeln wir gemächlich mit 230° südwestlich mit Ziel auf die fjordähnliche tief eingeschnittene Bucht Tanskär zum Ankern. 16°C, große weiße Cumuluswolken, auch 4 düster-violettgraue Regenschauer über der Küste. Mich fasziniert die „Vorstellung“ am Himmel und ich mache Fotos, denn das Schauspiel ändert fast minütlich seine Kulisse!Ich lege alles Ölzeug samt Gummistiefel und Südwester an, um gerüstet zu sein für den großen Regenguß… und er kommt nicht.

Segeln nach Norrbyskär (1)Segeln nach Norrbyskär (2) (Copy)Segeln nach Norrbyskär (3) (Copy)Segeln nach Norrbyskär (4) (Copy)Urnatur Norrbyskär Fjordtundra (1) (Copy)

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So steuern wir nach 13 Uhr die Bucht an, die an einen norwegischen Fjord erinnert, ringsum bewaldet. Vorsichtig tasten wir uns durch die Steine und kleinen Inselchen hinein. Große weiße Steinhäuser mit weißem Dach und Gaupen zeigen an, daß hier ein touristisches Ziel mit Fähranleger ist. Als wir den Anker bereit machen, sehen wir leuchtend rote Bojen und einen Holzsteg vor einem Picknickplatz auf dem runden Granitfelsen. Wir fassen die äußerste Boje kurz vor 14 Uhr und fixieren den Bug am Steg. Da ist wohl mal ein Anleger geplant. Das gegenüberliegende Ufer sieht etwas wüst aus, umgestürzte Birken recken ihre Wurzelballen meterhoch in die Luft, viele Stämme waagrecht. Leider hat das Meer nur 12°C-brrrr. Wir steigen hoch auf den Felsbuckel und genießen unter dunklen (dichten) Regenwolken eine grandiose Aussicht und um uns urige Natur mit dichtem Birkenwald, Flechten, Moosen, meterhohen feinen Gräsern und niedrigen Krüppelfichten.

 

 

Urnatur Norrbyskär Fjordtundra (11) (Copy)

Regenwolken und blauer Himmel… wunderschön.

Das Team 1 (Copy)

Norbyskär? Tannskär? Ein Schwede berichtete uns, es sei eine historische Ansiedlung mit Backsteinhäusern. Wir schlagen nach im Internet:

Die Inselgruppe hat 2 größere Inseln, Stuguskär und Länggrundet und noch 5 kleinere Inselchen. NorrbyskärsWärdshus und die ehemaligen Arbeiterwohnungen aus Backstein mit Kirche und Schule stammen aus der Zeit um 1895, als Frans Kempe ein dampfgetriebenes Sägewerk betrieb. Um seine Abholzungsrechte zu nützen, brauchte er Arbeiter und bot ihnen feste Häuser für die Familien an, einen Laden, eine Schule, eine Hebamme, eine Krankenschwester und einen Kartoffelacker, Holz, Zugang zu den Wasch- und Baderäumen, eine Werkstatt und eine Backstube. Die Arbeiter bekamen Renten-, Kranken- und Notkasse- und später eine eigene Kirche.1920 waren hier noch 1400 Personen. Die Rezension zwang zur Stilllegung 1952. Seit1980 wird das Dorf touristisch als Vorzeigeobjekt gut besucht und es gibt Freizeithäuser, christliche Konfirmandenlager, ein Museum, eine Gaststätte und auch Zimmer.( PS:Vergleichbare soziale Objekte sind die Fuggersiedlung in Augsburg und die Kramer Amtsstuben in Hamburg)

 

Am Nachmittag kommt die SY Jolene und legt neben uns an. Der Skipper ist allein und spricht feinstes „British English“. Gelernt in England, dann war Marcus Lagerfelt in der Schweiz, kann Französisch und Schwyzerdütsch und akzentfrei Deutsch. Wir laden ihn ein zum Abendessen: ich brate am Nachmittag ein 900 g-Stück Halsgrat an und mit den bayerischen 8 Gewürzen und Sellerie, Möhren, Lauch, Paprikaschoten, Wacholder, Lorbeer, Zimt, Majoran, Kümmel, Senf gibt das sicher im Fissler Drucktopf einen deftigen leckeren Schweinsbraten! Das Gespräch in E und D mit ihm war spannend und vielseitig bis um 22 Uhr. 

DSC_1350…an Boje und Holzsteg. Regen. 2. Tag geblieben.

Es folgt morgen gr. Blogartikel über das Museumsdorf. Sind auf Höhe des finn. Vaasa. Luft 17’C, Meer 12’C, Laune gut, Heizung läuft.

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ein köstlicher Braten, reichte für 2 Tage 🙂

Reisewege, länderübergreifend

Jetzt gehe ich ein paar Tage zurück. Damit Ihr Euch ein Bild unserer letzten beiden Reisestrecken, die letzte nach Schweden, sende ich Euch ein Google Earth bild und jeweils zwei Links, einen könnt Ihr in Google-Earth reinzoomen, den anderen in meinem Navionics Navigationsprogramm.

Reiseweg(1)

Die Strecke von Vaasa zum wilden Ankerplatz zwischen den beiden Inselchen:

http://tinyurl.com/y3ax2t85

http://tinyurl.com/y5vf2ek2

Die Strecke nach Umea. Wenn Ihr genau hinseht, findet Ihr eine Schleife. Dort wollten wir in einen Hafen, der sich aber in der Karte als zu flach erwiesen hat:

http://tinyurl.com/yy8a49vq

http://tinyurl.com/y2ptfmsx

 

Raus und rein… Rückzug bei Gegenwind und 5+bft,später bis 7…

DSC_1341Donnerstag, 4. Juli:  Gerdi schreibt:

4-fach warm angezogen, ein eisiger Wind im Hafen…Wolltroyer,voll Ölzeug,Mütze, Schal,Handschuhe, vor zur Tankstelle, dann liefen wir um 9.15 aus dem Hafen, als einziges Boot… Statt des angesagten SSW haben wir gleich 5 bft aus NNW dagegen, Gischt über bis ins Cockpit, die riesig herannahende Vaasafähre genau auf uns zu, deren Wellen machten erstmal alles nass, Wind pfeifend von vorn. Schwer für mich zu steuern, Eos nimmt kaum Fahrt auf. Segelsetzen gegenan nicht möglich. Der Skipper übernimmt – und steuert 180′ zurück, kontrollierte Umkehr u. Rückzug in den Hafen… Zum ersten Mal in beider Segelleben🤔.. Sicherheit geht vor, Eos hätte schwer zu kämpfen gehabt auf 20 sm… Hier scheppern die Fallen, rattert alles am Schiff, die Wanten singen und es winselt…. Lärm und Windmusik…😏sicher bald 6 bft.

Zeit zum Lesen. Das spannende Eiszeitbuch hatte 1000 Seiten😉 jetzt rhr ich Crème fraîche und Dill…zum Lachs.DSC_1346

 

Umea, Schweden: im Bus zur City

Wir liegen im Bootshafen Holmsund. Unser erster Hafen in SCHWEDEN.  Mit dem Bus fahren wir nach Umea (sprich Üü‘mia), das ist eine sehr lebendige Stadt, sie sei die am schnellsten wachsende Stadt in Schweden. Erstmals wieder ein Mc Donalds und Coca Cola in den Lokalen. Stattlich die rote Speicherstadt mit den Magazins und Kontoren. Durchaus sehenswert die Neubauten zwischen den verspielten präsentativen Bauten wie Rathaus und Bahnhof. Hohe Hotels, aber nicht Lochfassaden-Brocken, die die Straße wie Mauern abschließen, sondern fast elegant diagonal eingefügte Hochhäuser für feine Hotels oder Banken. Sehenswert.

Am Ufer des breiten Flusses begeistern mich Stückchen die ideenreichen Ruheinseln, Stufen am Ufer  zum Sitzen in der Mittagspause, Bänke, Stühle aller Art, Liegesessel. Relax-Zonen für die Einheimischen, keine endlosen Fresslokale für die Touristen.

Wir kehren in das schwimmende Restaurant ein und sehen Dinge, die mein Öko-Herz erfreuen: eine Coca-Dosen-Presse im Lokal, ein  Zapfhahn für kostenloses Trinkwasser und Gläser und Krüge… Als Stärkung lassen wir uns vom Kiosk eines fröhlichen Ägypters anlocken und verspeisen köstliche Pita mit Falafel und Kebab. Dohlen betteln diskret um einige Stückchen des Fladens 🙂

In einer Buchhandlung suchen wir vergeblich eine Seekarte, die noch fehlt und ich finde ein Buch mit Walen für Emils Geburtstag. Hier sind viele Inseln nach den Valen benannt, sie gibt es noch hier, 10 m lange….

Wir laufen vom Bus 2 km  zurück an den typischen hübschen rotweißen Holzhäusern und blühendem Flieder vorbei, die 17° erscheinen uns richtig warm. An Bord muss der Skipper die Auflage der Bugleiter neu fixieren. „Einem Ingenieur ist nichts zu schwör“. Nun können uns wieder Gäste vom Ponton aus besuchen:-)

Dank dem Merenkulkulaitos

Merenkulkulaitos? Das ist auf Deutsch die Maritime Administration. Ohne diese Institution sähen wir hier sehr alt aus. Sie sorgt für die wunderbare Kennzeichnung der Wasserwege. Überall kleine Inselchen und dazwischen überspülte, sichtbare und unsichtbare Riffe. Die Fahrwege sind durch Pricken markiert und meistens mit der garantierten Wassertiefe gekennzeichnet. Ohne diese Kennzeichnung lägen hier überall Wracks und wir wären gar nicht hier in diesem wunderbaren Segelgebiet. Darum: Herzlichen Dank den Leuten von den Bojenlegern!

Der Wetterbericht sagt für heute 5Bft voraus. Unser Ziel ist Umea in Schweden. Wir möchten es in den nächsten Tagen erreichen. Gerdi und ich zeigen Mut. Die 5 deutschen Segelboote in Vaasa fahren alle nach Norden um den nördlichsten Punkt der Ostsee zu erreichen. Wir dagegen wenden uns westwärts, verzichten gerne auf diesen ideellen Umkehrpunkt  150 sm weiter nördlich und genießen diese selten angefahrenen Inseln zwischen Finnland und Schweden.

Die 5 Bft stimmen. Wir motoren gegenan, das geht sehr gut, die vielen Inseln rundum halten die Wellen ab. Dann wenden wir uns nordwärts, stellen den Motor ab und lassen uns von der klein gerefften Fock mit 5 Knoten ziehen.

Die Brücke vom Festland zur Insel Sommarön

Gerdi bemerkt üblen Geruch im Schiff.  Windeleimer-Erinnerungen!!Durch Schräglage und Schaukeln läuft der Fäkalieninhalt vom Tank zurück in die Toilette. Wir hätten sie früher abpumpen müssen! Der Troubel ist kurz und bald liefern wir uns ein kleines Rennen mit einem Segler. Unter der mächtigen Brücke zwischen Festland und der Insel Sommarön durch, noch ein paar grüne Pricken rechts passieren, dann wenden wir uns genau westwärts in Richtung Hafen Replot. Fender, Bojenhaken mit Leine und Belegleinen klaren und anlegen. Ein nettes Örtchen. Ein in die Jahre gekommenes Feuerlöschboot liegt längseits. Die alten Fischerschuppen haben Ihre Funktion verloren. 6 Euro dürfen wir im netten kleinen Kiosk führ die Nacht zahlen. Ein paar Gäste schlendern hier und fröhliche Kinder angeln erfolgreich einen Braxen . Junge Mädchen springen vom Sprungturm. Mir scheint, als liefe die Zeit hier etwas langsamer ab.

Die wilde Ankerbucht

Malskersören und Malskäret sind zwei längliche Inselchen, liegen paralell nebeneinander und bilden in ihrer Mitte eine Art See. Das Besondere: Der Grund hält den Anker! Eine Rarität in den nördlichen Schären. Seht dieses Bild an!

In der Ankerbucht (Copy)

Unmöglich einen Weg in diese Bucht zu finden, wären da nicht die Seezeichen und eine Angabe über die garantierte Wassertiefe von 2,6 m. Mit Schleichfahrt winden wir uns um die Pricken. Auf beiden Seiten, ganz nah, Felsriffe. Eine leichte Brandung bricht sich dort. Die Einfahrt lässt sich nur ahnen. Erst ganz zum Schluss öffnet sich die Bucht im rechten Winkel. Am Ufer Steine, Fels und wildes Gebüsch. Ein winziges Häuschen auf der südlichen Insel. Wir ankern auf 7 m Wassertiefe mit 40 m Kette. Auch bei 1500 Upm rückwärts hält der Anker. Sehr beruhigend. Ich blase Microeos, unser Schlauchboot auf und putze die hässlicher braunen Flecken an der Bordwand weg. Gerdi zaubert unterdessen Kartoffelsalat und brät Ripperl. Grillen fällt wegen Regen aus. Der erste Regen seit Beginn der Reise. Abends brummt der Ostwind in den Wanten. Wir hören Musik, lesen und bearbeiten die Laptop-Tastatur. Draußen düstere wolkenverhangene Stimmung, passt irgendwie zu dieser verwunschenen Bucht.

Wir möchten nach Schweden, Kurs Nordwest. Wegen der vielen Schären müssen wir erst 5 Seemeilen nach Norden. Gerade aus dieser Richtung sind für heute, Dienstag 5 Bft vorausgesagt. Morgen soll er sich auf 3 Bft reduzieren. Also bleiben wir. Ich bin dankbar für diesen „gewonnenen“ Tag.

Mittwoch: Für Nachmittag ist Starkwind angesagt. Wir legen deshalb EOS an eine Boje und testen den Halt mit 1500 Upm Rückwärtsfahrt. OK. MICROEOS bringt mich die paar Meter zum Ufer. Auf der einen Seite ein schöner Blick auf die EOS, auf der anderen Seite über die vielen Granitblöcke. Dazwischen Heidelbeersträucher, Akazienbäume und kleine Blütchen. Ein kleines Schild begrüßt die Gäste und weist wohl auf Verhaltensregeln hin. Daneben eine Abfalltonne. Wie überall auf der Insel keinerlei Abfall, auch nicht auf den beiden winzigen Grillstellen. Ganz hinten die  vielen Felsen im flachen Meer. Viele Gäste kommen hier bestimmt nicht her.

Auf der gegenüberliegenden Insel stehen zwei winzige Ferienhäuschen zwischen den Büschen, außen etwas reparaturbedürftig, innen zeigt der Blick durchs Fenster eine gemütliche, einfache Wohnstube.

Nachmittags brummt der Wind in den Wanten, die Wellen plätschern leise und irgendetwas klappert immer an Bord. Auf der Nachbarinsel, beim Leuchtturm Valsörana zeigen die Messwerte der Windfinder App Bft 4 und in Böen Bft 6 an.

Anderntags nimmt sich der Wind zurück. Die Wellen kommen chaotisch, EOS schwankt heftig. Sonst ereignet sich auf der Überfahrt nach Umea nicht viel. Oder? Wir queren um 15 Uhr die Grenze zu Schweden, holen die finnische Flagge ein, setzen die Schwedische und trinken einen Schnaps auf diese friedlichen Länder.In Umea erreichen wir den nördlichsten Punkt mit 43° 43´.