Inzischen sind wir durch den Kanal v.Korinth gefahren, 20 Min. für 130 €…, ein Bungiespringer ließ sich fast auf die EOS fallen von einer der 4 Brücken. Die Ankerstelle hinter Loutraki ( mein 1. Allein-Urlaub im 3.Semester meines Studiums mit dem BLLV aus Cham 1968) bescherte uns grausig heiße 42°.
Am Abend kochte ich eine Linsensuppe mit Gemüse( und eine Welle ließ das Glas mit den schwarzen Alnatura-Beluga-Linsen auf den Teppich plumpsen…)- geschmeckt hat es prima, nach dem Aufklauben wie bei Aschenputtel…
Dann um 21 Uhr kam Wind und es schaukelte bis früh pausenlos, das Bett wie ein Schüttelsieb, ich hab fast gar nicht geschlafen, so lärmte und stürmte es an der Ankerkette,neben uns 500 m hohe Berge und ein schroffer senkr.Felsen… Drüber ein traumhafter Vollmond…Anler am Ufer…
Früh um 7 ließ der Wind nach, und als wir lossegelten, schlief nach 1/2 Std. der Wind ein….
Neun lange Stunden pflügte die Eos, nun auch mit langen Segel-Etappen, durchs kobaltblaue Meer, kein Delfin, kein Hai, Baden bei 31° erfrischte kaum…
Wir fanden in TRIZONIA, einer kl. Urlaubsinsel nah am Pelep.Festland, einen letzten Platz an der unwirtlichen Kaimauer, im Innenhafenbecken war ein Zweimaster war auf Grund gesunken und streckte bizarr seine Masten im 30°Winkel aus dem Hafenwasser.
Wir schliefen an Deck, zu heiß drinnen. Und am Morgen die Überraschung: fast kühl der Morgenwind ab 7, nur noch kalte 31° im Salon. Gh. nahm das Kärrele und holte mehrfach Wasser am einzigen Zapfhahn. Viele ließen hier ihre Boote allein, manche total verrottet. Der Müllberg ist ca. 20×20 m groß und nachts trug der Landwind den Gestank zu uns allen. Aber Ratte kam keine zu Besuch.
Wir werden 1 Tag hier „rasten“- die tropische Hitze macht mir sehr zu schaffen, mehr als 2010. Am Vorschiffluk haben wir einen Windsack =Luftfangsack aufgespannt, v.a. psychologisch ist jede kleine Luft-Bewegung eine Überlebenshilfe. Auch ist es hier ringsum grün, bewaldete Hügel, Pinien, der Wind, der übers Meer streicht, ist glücklicherweise nicht 40° heiß. Es ist wirklich erträglich.
Am Abend wanderten wir rüber zum kleinen Dorf, ein winziger Strand, aber sehr nette Tavernen, wo die Einheimischen flink und frundlich bedienen. Wir kauften das Nötigste im einigen winzigen Mini-Market (gleich in der Fisch-Taverna) ein und ließen uns von der gemütlichen Athmosphäre verlocken, an einem der kloeinen quadratischen Tischle Platz zu nehmen auf einen griech.Salat und 1 Tellerchen Tzatziki- und ein kaltes (!) frisch gezapftes Bier dazu. Geschlafen haben wir an Deck, innen ist es doch zu heiß.
Ein Zweimaster ist untergegangen…
Am Morgen ein schönes Frühstück, aber erst nach 9, das am Abend bestellte Brot gibt es erst nach Öffnung des Lädeles. Dann rollt Gerhard ein paar Mal mit dem Rollwägele und leeren Wasserbehältern zum einzigen Wasserhahn vor und füllt die Wasservorräte neu auf. Danke danke…
Wir werden 1 Tag bleiben, ausspannen… der Hitze entfliehen unter unserm 6m-Markisendach…
Gestern am Abend fiel der Anker in Kythnos. So eine kahle Insel! Kaum ein Baum, nur die stacheligen Bodendecker. Erinnert an die braunen Zimtzöpchen in den griechischen Bäckereien. Um hier zu leben braucht man schon große Heimatverbundenheit. Weiße kleine Feriensiedlungen als Einsprengsel inmitten einer braunen Einöde. Nur unten an manchen Buchten etwas Grün. Bemerkenswert sind nur die Diskos im Ort. Die Bässe wummern bis zum Morgengrauen übers Dorf. Um diese Zeit haben wir auch die Insel wieder verlassen. Die Morgenstunden gefallen. Ruhe, angenehme Kühle. Der nächtlich belebte Ort ist zur Ruhe gekommen. Kompasskurs 275°.
Etwas zusätzlich segeln, dann wieder Flaute. 100% Feuchtigkeit, schlechte Sicht. Ab und zu taucht ein Schiff auf und verschwindet bald wieder im Nichts.
Hier sind die Schiffe nach und von Piräus unterwegs. Die langsamen Schiffe sieht man früh, aber die Speedrunner, die mit 55 km/h Fahrzeuge und Personen an ihre Ziele bringen, die sind unheimlich schnell. Hoffentlich hätt die Brücke gut Ausguck nach draußen und auf ihren Radarschirm. Der Nebel hält sich an der Oberfläche. Von den Schiffen sehen wir zuerst die Masten. Schräg vor uns an Steuerbord taucht die kleine Insel Agios Georgios auf. Auch nur der Gipfel. Den Rest veschluckt der Nebel.
Ein Containerfrachter taucht urplötzlich 300 m vor uns auf und verschwindet gleich wieder. Gerhard, pass auf, bleib ständig im Ausguck!
Die Insel zeigt: wir sind auf Kurs. Kein Hexenwerk. Die elektronische Seekarte auf dem Smartphone zeigt den aktuellen Standort und die Richtung in die wir fahren. Früher, noch vor GPS- Zeiten hat man den Kurs der Karte entnommen, ein paar Berichtigungen eingepflegt und danach gesteuert. Wurde dann eine Landmarke sichtbar, konnte man wenn notwendig, den Kurs korrigieren. Man tänzelte immer zwischen Peilkompass, Karte und Steueranlage hin und her. Richtige Arbeit war das. Heute: Blick auf die elektronische Seekarte, einen Button an der Karte drücken, das wars. Seefahrt unserer einfachen Art ist unkomplizierter geworden aber es ist die gleiche Sorgfalt wie früher notwendig.
Jetzt kann man auch bei finsterster Nacht eine Bucht anlaufen und hat jederzeit den Ort und die Wassertiefe (nur unbeleuchtete Ankerer sind gefährlich). Die virtuelle Welt, in der wir uns bewegen.
Der Meltimi legt gerade eine Pause ein. Wir sind froh darüber. 3 Wochen immer Starkwind, das ist unangenehm und belastet auch die Seele. Dennoch schade, dass wir die Ägäisinseln verlassen. Ihre herbe Schönheit beeindruckt ebenso wie der kräftige Wind.
Wenn wir so mit 5 kn weiterfahren, dann werden wir in 7 Stunden in Poros auf dem Pepoponnes und damit im Saronischen Golf sein.
29. Insel Poros, Anker+Bojennacht
Poros. 26. Juli 2015, 67.Tag, Gerdis Blog
Delfine begleiteten uns, Kurs West, 270°… mit kleiner Fock…
Traumhaft schön! Erinnerungen an meinen 62. Geburtstag 2010, als es so sintflutartig geregnet hat und die Markisen über den Tavernentischen wie Swimmingpools voll Regenwasser liefen… Heute also eine Ankunft im besonnten Nachmittag, nach 10 Stunden unter Segel und Motor. Entspannt freuen wir uns an der Dorfsilhouette, suchen das Marineareal, wo der Trompeter immer so schön den Zapfenstreich bläst. Um 17 Uhr tuckern wir mit unsrer Mini-microeos ans „andere“ Ufer, 1 eiskalter Frapée, etwas Obst kaufen. Am Abend nehmen wir das Fährboot, eine Art Vaporetto, maximal 8 m „lang“, 10 Personen dürfen mit, tocktocktock- nach 3 Minuten sind wir drüben in Poros „Stadt“, wo unzählige große Segelyachten im Päckchen liegen, mit langen bunten Wimpel-Girlanden in allen Farben von allen Staaten, Neuseeland, Canada, Schottland, Frankreich, Italien, Schweden, Dänemark, Norwegen, Briten,Malta, Polen- wunderschön dieser bunte flatternde Fahnenzirkus. Fröhliches Lachen, cheers, prost, yamas und skol! Es ist grad die „Aegaean Week“- ein großes Segler-Event.
Wir bummeln über den Boulevard, die Promenade wurde 2010 damals neu gestaltet- die Baustelle ist also nicht mehr, Komliment den Griechen: breiter Weg an den Yachten entlang, 1 m tiefer die Straße, daneben die Tavernen mit den fast historischen (unbequemen) Holzstühlen, den quadratischen Tischlein, Teelichter im Glas- romantisch. Kaum einer ist unterwegs, erst ab 20 Uhr kommen die Menschen aus den „Höhlen“, schwirren die vielen Kinder mit ihren Dreirädle und Fahrrädern auf die Marmorplätze mit dem Denkmal mitten drin, eine tolle Rennbahn, fröhliches Schreien wie am Schulhof, hier fühl ich mich wohl. Zurück wieder mit dem kleinen Fährboot, ob es noch immer 35° Hitze hat? Die Nacht ist die erste un-erträglich schwüle, feuchte Nacht, ich „schwimme fast“ im Bug, Gerhard liegt im leichten Luftzug an Deck vorm Mast auf der ausgeklappten Gangway…;-) wie aufgebahrt,… Leider quälen mich ca. 87 gierige, durstige Schnaken, es ist trotz Autan ein Kampf, „flieg weg“ verstehn die nicht… Ich sitze von 1 – 3 im etwas luftigeren Cockpit, an Schlaf ist nicht zu denken. Nichts zu klagen, besser als Sturm…
Montag, 27,Juli. Poros.69.Tag:
WASSER- marsch!
Um 12 verlegen wir unsere salzstachelige, fast kristallweiß versalzene EOS rüber an den Kai- zum Wasserhahn! Unsere Wäsche bringe ich schnell zur Laundry, sie Hat DENSELBEN Geburtstermin wie Lucis u. Martins Baby. Mitte Sept.
Die großzügige Süßwasserdusche mit dem Schlauch dauert 12 lange köstliche Minuten, ich schrubbe die EOS mit der Bürste aus Kiew ab und poliere Lüfter, Relingstützen und Bugkorb. Dann lassen wir noch das mit Korken verschlossene Cockpit voll laufen und baden alle Schoten und Fallen, Festmacherleinen. Ich trete sie wie Sauerkraut, reine Salzbrühe! Aber die Eos glänzt wie ein Chevrolet- die Fenster wieder klar, die Sprayhood hat durchsichtige „Scheiben“, wir hoffen, daß sich der grüne Markisenstoff nass dehnt, denn wir bekamen die Spanngurte kaum mehr zu. Der Tankmann kommt grad und wir tanken 30 l Diesel.
Wonnig: 1 l kaltes Cola und ein Magnum-Eis wie früher für unsre 3 Kinder, nett…Noch eine Volldusche mit dem Schlauch für beide Skipper und dann mototoren wir entlang des heute fast „leeren“ Betonkais und besucherlosen Tavernen an eine freie Boje. Raus mit dem Schlauchboot, herrlich frisches Obst und Gemüse, 2x 12m postgelbe neue Festmacher-Leinen, ein Chromputzgel,Honigmelone, Aprikosen, 3 Pfirsiche, Kirschen, Tomaten-Paprika-Gurke-Zwiebeln, Knoblauch, Marmelade, eine Wucht! Wir gönnen uns eine Pita und 1 griech.Salat zu zweit. Zunehmender Mond nach der purpurroten Sonne…
Echt romantisch das Dorf im Abendlicht. Nun sind alle Tavernen voll besetzt. Von 22 bis 2.30 Uhr Discomusik wie früher, Gh. auf seinem Deckbett wendet sich ab, ich könnte jubeln: KEINE Schnaken!
Aber früh sollen wir die Boje frei machen, na gut. Um 8 sind wir weg. Wir motorten nach sanfter Sandgrundberührung beim 2.Bojenversuch wieder rüber zum andren Ufer und ankerten früh. Da stehn die ersten auf den vielen französ.Booten grad auf und hechten ins ca. 26° warme Meer. Die Kanuten drüben trainieren, laute Kommandos: wie in Budapest vor 1 Jahr…auf der Donau.
Dienstag, 28.Juli, noch 1 TAG POROS
Gemütliches Frühstück, am Bug etliche Sonnensegel, Windfach-Ideen. Gh. fertigt kunstvoll aus einer alten Leine eine ovale Matte mit großen Schlingen. Die letzte war aus angeschwemmten Fischertauen – aus Dimitrios, als Gh mit der kleinen Banana in einer hohen Welle kenterte… Die mag uns nun Glück bringen.
Starker Wind auf unserer Überfahrt von Paros nach Serifos. Die Wetterberichte: Keine Änderung in den nächsten Tagen. Unser Ankerplatz in der Bucht ist zwar geschützt, aber den Böen mit Sturmstärke ausgesetzt. Können wir es wagen, unsere EOS mit dem Beiboot zu verlassen? Am Morgen fährt eine Jacht hinter der Mole aus. Diesen Platz steuern wir an und legen bei steifer Brise mit Hilfe freundlicher Nachbarn an. Ohne Anker. Beide Nachbarschiffe haben ihre Anker nahe beieinander gesetzt. Würden wir auch noch ankern, wäre die Wooling wohl perfekt. So machen wir mit unserem kleinen Schiff an den mächtigen Nachbarschiffen sicher fest.
So ein Anlegemanöver ist wie eine Theatervorstellung. Wie kommt die Crew zurecht? Ist Hilfe erforderlich? Was hat nicht geklappt? Bei uns gabs trotz Rückwärtsfahrt bei steifer Brise keine Probleme. Zuschauer kommen immer.
Man kann über den nicht nachlassenden Wind hadern. Segler wollen weiter! Aber haben wir das nötig? Wir haben noch einen Sack voll Zeit. Warum drängen wir? Bleiben wir doch, bis der Wind nicht mehr mag! Die Insel ist doch so schön und wir liegen im Schutz einer Mole. Wir haben alles was wir brauchen. So besuchen wir einen Abend die Chora, die sich bis zur Bergspitze hochzieht. Eine Kapelle krönt den Gipfel und wir teilen uns einen Salat in einer Taverne mit überwältigender Sicht.
5 Uhr morgens. Ich breche zu einer Bergtour in den Tag auf. Kein Mensch auf der bequemen Treppe hoch in die Chora, nur der dauernde Ruf eines Käuzchens. Goldener Schimmer am östlichen Himmel und der kühle Wind umschmeichelt.
Oben zweigt ein Wanderweg, rot/weiß gekennzeichnet ab und quert eine schräge Felswand, fein mit den flachen Granitsteinen der Umgebung belegt, breit wie eine Straße.
Und immer die weite Sicht! Einen Kilometer wunderbar, während die ersten Sonnenstrahlen die Berggipfel erreichen. Natürlich führt der Weg zu einer Kapelle und weiter zur Straße. Ich wähle aber den weglosen Abstieg in ein kleines Tal. Zuerst geht’s ganz gut auf Ziegenpfaden, dann wird das Gelände steil und mit stacheligen, hohen Büschen bewachsen. Weit unten eine Kapelle. Die Stachelbüsche sind mein Gegner. Immer wieder muss ich umkehren und bessere Möglichkeiten suchen. Einmal rutsche ich einen schrägen Fels ab und finde mich von allen Seiten von Stacheln umgeben. Aber auch diese Schlüsselstelle ist überwunden und es geht einfacher über verfallene Terrassen zur Kapelle. Mittlerweile sind alle Kapellen im Gegensatz zu früher verschlossen. Weite Terrassen, jetzt alle ungenutzt ziehen sich den Hang hinunter. Ich folge einer kleinen Wasserleitung, immer wieder Terrassenmauern abkletternd. Unten im Dorf hat das Leben begonnen. Die ersten sitzen in Cafés beim Kaffee und ich freue mich auf ein gutes Frühstück.
am 22.7.,unsrem 62. Tag:
(schon 3 Tage u. Nächte stürmisch ohne Pause im Traumland der griech.Kykladen-Inseln)
Der kleinste Mast mit Radarwürfel ist die EOSPfannkuchen mit frischern PfefferminzblätternMilkshake und Lemoncake
Griech.Salat im Bergdorf auf ParosHuhn von Pepes Grill
Lahmacum im StrandlokalMorgen soll der Wind auf 4 bft flauen…Kali spera, Paros
Mit der schönen bunten Erinnerung an kleine Köstlichkeiten „an Land“ wie Milkshake, griechischer Salat, mein deftiges Ratatouillle, Pfannkuchen und ein gegrilltes Huhn wagen wir am Montagmorgen, den 20.Juli, bei Meteo Poseidon „etwas weniger Wind als 5 bft“ uns von unsrer sicheren Mooring in Paros los zu machen. Noch optimistisch an einen flotten Segeltag glaubend reffen wir die neu gesetzte kleine Fock und ziehen auch das Groß nicht ganz hoch. Doch es dauert keine Stunde und es packt uns der mit bösartigem Dröhnen und Heulen, die Wellen werden höher und wilder, kabbelig die schäumende See.
5 -6 Bft, sieht man nicht
Weiter einreffen, Schräglage, Ölzeug anziehn im wild schlingernden Schiff, Schwimmweste drüber, raus ins Nasse, Wellen über, Lifebelt einklinken, Pinne packen, wieder in den Wind und voll in die steigenden Wellen, wo der Bug wie ein Schöpflöffel das Meer bunkert und uns zum Heck spült – wie ein See am achteren Luk… Reffen am Rollgroß… alles klappt. Trotzdem irre Krängung… Wellen über Sprayhood und- klatsch- über das über 2 m hohe Biminidach… Am Bug kommt von irgendwo wieder Wasser rein und läuft unter den Verzierplatten, die die türkischen „versehentlichen“ Schraubenbohrlöcher am Himmel verdecken sollen, aufs Bett. Meine Koje ist vorsorglich mit Plastikplane eingepackt, nun läuft es salzweiß auf die bb-Koje und auf das Ablagefach an stb… Wir segeln tapfer, Meltemi fortissimo, alles fast von vorn, wie ein Frontalangriff auf unser niedriges mit 10 m für diese Seen zu kleine Schiff…Nach einer 10 minütigen Windpause braust der Meltemi mit neuer Kraft , 1,5 m hohe Wellen? Höher?… Um 15 Uhr notiert der Skipper lakonisch im Logbuch:6 bft, Motor dazu… Noch über 1 Stunde kämpfen wir richtig in dem Seegang- . fast mit Vollgas steuern wir an dem großen Buckelfelsen vorbei, mit gereffter Fock und Motor mit nur 2 kn , vorwärts, Meter für Meter gegenan… Dann quetsche ich die Pinne heftig nach Backbord zum Einbiegen in die Bucht vor Serifos, um die wunderschöne Insel SERIFOS zu erreichen mit ihrer dramatisch am steilen Felshang klebenden weißen Chora, der berühmten pittoresken Oberstadt .
Auch dann noch kräftig gegenan… ob wir’s schaffen? Stoßgebet zu unsrem Herrgott. Drinnen weißgischtig, aber etwas mäßigere Wellenhöhe. „Schützende Bucht“ ist bei dem Seegang etwas übertrieben….Schon viele Boote schwojen an den Ankern,, wir versuchen es 2x, dann hält unser großer guter Anker auf dem Sandgrund vor einem türkis-leuchtenden Meeresband und goldnem Strand… Am Steilhang neben uns ein Appartementbau, Pool, Bar, Blumen, Urlaub- keine Ahnung von Sturm…
Ankerblick, Bucht vor Serifos
Ab 16.15 zerrt die EOS wie wild an ihrer Ankerkette… Wir genießen den traumhaften Ausblick auf die Chora Serifos. Alle 30 Minuten fährt ein Bus die Touristen und Einheimischen hoch über die Serpentinen… Es wirkt rein optisch (!) fast filmreif und romantisch auf mich, doch ich höre, wie um uns der Nordwind heult und dröhnt. Gleich leg ich das salznasse Ölzeug ab und koche Risotto oder Reis-paprika-Pilav… Lecker. Danach kalte dunkle Kirschen aus Paros…Die ganze Nacht ohne Pause dieser Wind, fortissimo, presto… keine Minute Schlaf!!!! Ob es 6 oder 7 bft sind, wenn es so teuflisch pfeift und heult und das Schiff krachend und quietschend kreiselt, weiß ich nicht. Wie gerädert (auch vor Angst, daß der Anker ausbricht) kommt Gerhard früh an meine Koje: „Du, 2 Yachten sind aus dem kleinen Hafen raus, laß es uns versuchen, da rüber zu motoren.“
Mit Schräglage steuern wir rüber, ca. 1 km, mit 5 vorbereitet belegten Leinen und Anker und 8 Fendern in der Reling…. Im Höllenlärm des Sturms schreien uns Belgier am Kai zu: 1 Platz frei!!! Da!!!“ Helfende Hände sind bereit an Land. Wir zielen auf diese schmale freie Stelle zwischen großen Yachten, die hier ankern. Die Belgier schreien: „NO anquor! !!!!!“- denn dann wären wir mit Sicherheit „cross“ mit deren Ankern- also rückwärts in die schmale Lücke, am Bug schon fängt die Frau unsere Leine und hält uns fest im Gewell… Gerhard schafft es, die Heckleinen rüber zu werfen- gegen den Wind! Und dann schaffen es alle Männer und Frauen gemeinsam, die EOS festzumachen… Ich zurre die Vorleine nun am Bug fester, die am belgischen Nachbarn auf der Klampe befestigt ist. Gerhard springt auf den stilvollen 75 Jahre alten Zweimaster-Holzsegler an stb und legt einen Palstek auf dessen Bugpoller. Geschafft. Ohne Anker aber vom Heck mit 6 bft vom Kai weg geblasen liegen wir sicher, aber nie „still“ im Gebraus.
Schräglage, Sturmgeheul, Meer peitscht über den kleinen Betonkai. Gerhard läßt die an 2 Leinen an den Achterstagen aufgehängte Brett-Gangway ans Heck… Kurzer Ausflug auf festen Boden. Viele liegen schon länger da und warten auf weniger Wind… oft Charterboote, Polen, Russen, Österreicher, Holländer, Franzosen, Engländer, Deutsche….
1 cm Gin im Stamperl auf unsren nüchternen Magen, ein Morgengebet (Dank, und ein paar Kirchenlieder auf der Flöte für Martin!! Wer nur den lieben Gott läßt walten….)
Unser kl. Martin an Bord der 8m-MARION, vor 32 J., 4 Mon.alt. Jonische Inseln
Ganz liebe SMS von Vroni, Erika, Joachim, Martin, Micha. Ich sende das Foto von der weißen entzückenden Chora. Jeder wär gern hier…. Naja….lieber nicht. Es dröhnt und pfeift….
Serifos, Blick von oben auf den Hafen+BuchtDrüben unsere vorherige Insel: Paros
Frühstück um 11… heißer grüner Tee, 2 Tassen Eduscho-Bohnenkaffee, Käse und der Rest Rinderschinken von der Türkei, 2 kleine Birnen….
Die Bilge faßte wieder Seewasser, keine Ahnung wo. Gh hat inzw. Diesen 50×50-Heckluk-Deckel mit 5mm dickem Moosgummi abgedichtet und mit einem Splint niedergehalten… Im Salzwasser ist wohl unsrer Sprayhood Bj.2010 geschrumpft und wir bekommen die Riegel fast nicht mehr zusammen beim Spannen… Tapfer die Segel, hier laufen immer mal Skipper mit großen Segelsäcken zum Segelmacher, das Groß, die Fock…
Wir sind todmüde von der durchwachten Nacht und versuchen, bei dem Windlärm etwas zu schlafen.
Um 17 Uhr gibt‘s Nescafé und Honigmelone. Um 18 Uhr fahren wir mit dem Bus für 1,60€ in 12 Minuten hoch zur Chora. Wunderschön die weißen Würfelhäuser mit ihren hellblauen Fensterläden und Holztüren… Steil die Felsen, daran wie geklebt die App’s und Mini-Tavernen. Es bläst so heftig, daß mich Gerhard fest an der Hand führt, als wir die Stufen zur höchsten Kapelle hochsteigen. Traumhaft schön die engen Treppengässlein zwischen den winzigen Hauswürfeln… Unten die blaue Bucht mit den ca. 20 Ankerbooten und der EOS im winzigen Hafen des Dorfs neben dem Strand. Die Fähre tutet…
Sturmverweht erklimmen wir das Wegle zu der besucherlosen Taverne bei den 5 Windmühlen und trinken ein Bier und teilen uns einen köstlichen, knackigen Griechischen Salat mit Kapern und Feta. Das Brot dazu ist knusprig und schmeckt himmlisch.
Draußen Starkwind seit Tagen….Dem Felsen abgerungenWindmühlen neben uns
Abend in der windumtosten Taverne/ Chora
Dann geht die Sonne hinter die hohen Felsen und läßt die (ehemaligen?)Terrassenfelderstreifen am Hang rotbraun leuchten. Der Ortsbus um 20.30 Uhr bringt uns ins „Tal“, mutig in den Engstellen zwischen den vielen Rent-a-car-Autos am Rand.
Bei der 24 Std. geöffneten Bakery gönnen wir uns einen frisch gepressten Apfelsinensaft auf festem Boden, bevor wir wieder auf die schwankende EOS klettern…
Neue Yachten abenteuerlich am Anlegen… Der stürmische Wind mit Böen 8 soll bis Freitag anhalten, also keine „Linderung“ in Sicht.
Beten mit Meerblick…Kapelle…leider zu
So beschließen wir, mit den beiden Nachbarbooten auch bis Freitag oder Samstag hier auszuharren… -zur Schonung unsres schönen alten vergleichsweise winzig-kleinen Schiffes und auch meiner Nerven,die bei dem ewig gleichen Molto Fortissimo kaum Erholung spüren. Die Geduld-Reservoirs werden bei diesem Dauersturm nicht aufgefüllt- auch wenn ich hoffe, bete, flöte…
Ein Glas Retsina… Gerhard gelüstet es noch nach dem Rest Risotto, ich spiele einige Lieder auf der Mundharmonika, die aber nur ich allein höre in dem Windgebraus… Um Mitternacht zu Bett. Es stürmt die ganze Nacht und auch am Morgen. Die Wanderschuhe stehen schon bereit, Gerhard will um 5 früh vorm Sonnenaufgang zur Chora hoch wandern und beim Abstieg das Panorama ausgiebig genießen…
Samstag, 18.Juli, PAROS, an der Mooringleine im Hafen, starker Wind, hohe Wellen, keiner segelt raus…
Heute ist es 2 Monate her, daß wir mit dem Flugzeug von daheim weg geflogen sind, in die Südtürkei.
ca. 30 Tage sind wir erst gesegelt, aber schon mitten in den griechischen Kykladen. Wie 2010 heult der Meltemi mit 5-7 Windstärken, es hört einfach nie auf zu stürmen, auch nachts nie. Damals hingen wir 6 Tage auf Syros fest, mit 2 Ankern, mit 6 Leinen, 5m vom Kai weg weil die Wellen so hoch waren,nur im Schlauchboot kamen wir an Land.
Nun also PAROS- unser Notstop seit 5 Tagen. Wir machen das Beste draus, denn dieser hohe Seegang würde unserem 41 J. alten Schiff sicher schaden….
Am Morgen spielte ich nach längerer Pause wieder mal Flöte, Morgenlieder, Kirchenlieder. Dankbar.
Heute nahmen wir die FlyingCat, nein, keine Katze, sondern ein Schnellboot(Katamaran), das diese Strecke Paros-naxos in 30 min schafft. Aber das Schiff wurde schwer gebeutelt in den Wellen, es rauschte mit heftigen Bewegungen durch die See, kaum einer lächelte im Sitz….
Am Hafen mieteten wir „ein Auto für 1/2 Tag…“- es war ein klappriger uralter zitronengelber Hyundai, der 148200 km auf dem Buckel hatte. Doch ich schaffte mit dem Kerlchen 80 km auf kurvenreichen Bergstraßen und schmalen holperigen Wegen, vorbei an zahllosen weißblauen Kapellen und manch einer auf Bergzinnen thronenden Monastery zwischen süß duftendem blühendem gelben Ginster. Als wir in einem pittoresken Bergdorf parkten, stiegen wir viele steile Marmorstufen hoch und landeten vor einem reizvollen Kaphenion. Uns wurde der Lemon cake -macht meine Schwester selber-empfohlen, ein verführerisch sauer-süßer Traum aus Löffelbiscuits, Zitronensahne und oben drauf Limonenzesten. Ich ließ mich zu einem rosa Erdbeer-Milkshake und einer zauberhaft guten Kugel Erdbeereis verführen. Fast hätte ich über dem himmlischen Genuß den Wind und die Wellen „vergessen“. Bei all den haarnadelkurven öffnete sich der Blick auf einen ungeheuer steilen Marmor-Steinbruch.
Punkt 5 Uhr mußten wir durch das Labyrinth der engen Straßen zum Rent-a-car zurückfinden. Uff- geschafft. Noch ein Frappé am Hafen, dann schob sich die große Blue Star Ferry DELOS durch die weißgekrönten Wellen, die voll über die Straße schäumten. Noch 1 Stunde und wir waren zurück auf Paros bei unsrem Schiff. Inzwischen hatte die EOS ihre Mooring wieder alleine, die 2 Mitlieger waren weg, aber neben uns war ein neues Desaster: eine große Bavaria 45 lag da, man saugte mit dem gr. Staubsauger Wasser aus dem Schiff ins Cockpit, da lag eine ausgelöste Rettungsweste, 3 andere dörrten am Steuerrad, alle Matratzen der Kojen lagen durchnäßt im Wind, auch die Kissen…naß. Da war ich ganz schnell still… und aus dem großen Rest vom Grillhuhn zauberte ich einen leckeren Salat- draußen stürmt es. Wir laufen zu einer Taverne mit regionaler Volksmusik, Gesang, Bouzuki, Klarinette… tringken frisch gepressten Apfelsinensaft, laden unsre Bilder hoch in diesen Blog…. Der Wind läßt erst am Montagnachmittag nach…. Wir „müssen“ bleiben.