Zurück… zur Segel-Reparatur in Nynäshamn

Wir müssen wieder ein Stück zurück, 8 km von der Felsenbucht zur Stadt Nynäshamn. Gleich früh um 6.30 Uhr motoren wir rüber, tanken, telefonieren. Der antelefonierte Segelmacher hat Ferien. Aber der Schuhmacher könnte das Segel auch nähen. 🤔😕Ach je, das kennen wir schon von 1985 in Brindisi (SUNRISE-Überführung Rhodos-Brindisi) und von Carloforte auf Sardinien, 10 Std. Handarbeit, 100€…)

Fok, gerissen (Copy)

Als wir im Clubhafen in Nynäskär anlegen, bekommt Gh. von Regattaseglern den Tipp, es bei einer Segelmacherin im Ort zu versuchen. Sie kommt mittags gleich vorbei. „Na klar, das kann man flicken. Aber am besten auch gleich einen UV-Schutzstoff an Unter- und Achterliek drauf nähen, dann hält das Segel noch lange!“

„Wie lange brauchen Sie dazu?“fragt Gh vorsichtig. Da lacht die fröhliche patente Fachfrau: „Bis morgen nach dem Mittagessen!“ Sie packt unsere Fock im Sack ins Auto und weg ist sie. In der Werkstatt muß sie das Segel vermessen, die Stoffmenge bestimmen, die Flickstelle und die Arbeitszeit berechnen. Dann nennt sie uns den Preis: 350€. Geht klar, das hätte es daheim in Überlingen auch gekostet. Wir können die Segelmacherin empfehlen: Anneli Bergfeldt, +467333367937

Im Hafen vor uns lebhaftes Treiben: Kanu-fahren, Opti-Kentern u. wieder aufstellen, Segelunterricht auf den Optis, für Kids zwischen 6 und 10 Jahren. Im „Umkleideraum Damen“ helle Aufregung. „Huch, eine fremde Frau!!!“ Die Kleinen kommen aus der Sauna und gleich hocken 8 nackte Mädle qunter den 2 Duschen…:-) Da geh ich lieber wieder. Gerhard spaziert zur Stadt und zum andren Hafen, wo wir früh nur kurz tankten und die großen Fähren nach Gotland fahren. Er bringt von der Rökerei geräucherte Fischstückle mit, Fingerfood kalt für ein mittägliches Vesper.DSC_1480Wir laufen am milden Abend auf dem Strandvägen in die Stadt, es hat sommerliche 19°C. Richtig schöne Häuser, mit geknickten Walm-Dächern und originell eingefügten Gaupen. Architekten haben hier gute Ideen gehabt, die Dächer wirken beschützend und heimelig, die Fronten zeigen Wohlstand und Stolz der Bewohner. Ein Park mit gewundenen Pfaden und Rosenbeeten und einem plätschernden Bach lädt zum Verweilen und Laufen ein, die Prachtgänse futtern aber eifrig den Rasen ab (und kacken die Wege voll…)

Ganz oben auf dem ca. 50 m hohen Felsrücken thront eine rote Kirche, elegant der zierliche (später zugefügte) Turm mit dem girlandenhaften Bogen als Verzierung. Christen haben Geld gesammelt, bis genug für den Bau der Kirche da war, ca. 1930. Der Ausblick ist großartig, der ganze Hafen mit den Segelbooten als Panoramarund.

Wir kehren bei der kleinen Gaststätte der Rökerei ein und ich spar mir heute das Kochen: leckere geräucherte Lachsflossen, eine Makrele, 8 geräucherte Röker (Scampi) -die Platte zu zweit für 16€. Lecker.DSC_1478

DSC_1475DSC_1477 Dienstag, 13. August: Mauerbau 1961. So oft waren wir an diesem Gedenktag mit dem Boot auf Törn… Heute wachte ich mit Migräne auf😖😕…die blieb bis Mitternacht😟…

Trotzdem: Waschmaschine befüllen, 1,5 km nach Nynäshamn laufen zum Coop. Einkaufen, auch Hühnerschenkel und Gemüse und Kräuter für eine feine Hühnersuppe am Abend. Im Drucktopf ist sie in 20 min. fertig😉. Der Wäsche-Trockner (Bosch) hat auch funktioniert.

Um 15 Uhr kommt die Segelmacherin Annelie und bringt das reparierte Vorsegel mit. Genial, Sonderlob für saubere Arbeit und prompte Hilfe. Trotz Kopfweh bergen wir in einer Windpause die große Genua und setzen um 19 Uhr die Fock. An Land legen wir die Genua nach dem Tipp von Annelie raumsparend zusammen und packen den Segelsack unter die BB-Koje im Bug.

Morgen wollen wir weiter nach Süden und im Schärengarten mit Heckanker ankern und mit Landleine an einem Felsen oder Baumstamm festmachen. Es soll wieder 5 Windstärken haben, bei SSW also gegenan segeln. DSC_1479

DSC_1481 DSC_1484 Die Hühnersuppe war köstlich, reicht gut noch für morgen.

Acht Stunden gegenan… 11.+12. August ’19

Gerdi schreibt

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (3)
Grau sind Meer und Himmel… es regnet und stürmt

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (2)

In der Bucht Kalnäsviken auf Ormö brummte uns noch der Kopf vom Motorfahren. Hier seien im Sommer so viele Boote an Felsen und frei ankernd, dass man schwer einen Platz bekommt. Es regnete. Daher nicht so voll.

Rückblick

Törnstrecke: 1832 sm =  3425 km. Davon nur knapp 300 Std. unter Motor in 4 Monaten…

114. Törntag, Gerdis 62. Törntag. Reine Segeltage: 70.

*Wir beginnen das zweite Logbuch!*

 

Sonntag, 11.August 2019. Anker auf um 9.30 Uhr, Ziel Ostseite Bedarön, dichte Wolken, Ölzeug, wir müssen bei 5 bft aus SSW voll gegenan segeln. Gleich draußen empfängt uns lebhafter Gegenwind, begleitet von unangenehmem Seegang und erstem Regen. Lange weiße Gischtfahnen legen sich aufs Meer, wie Straßen mit Schnee…

Düster die Schären, EOS kämpft in den Wellen und mein akkurat die Navigation planender Käpt’n ändert um 11.30 Uhr den Kurs nach weiter innen, um im starken SW-Wind etwas Milderung durch die Landabdeckung zu erhalten zwischen den Schären. Die Wogen werden etwas niedriger und die EOS steigt nicht mehr so hoch am Bug wie ein bäumender Hengst.

Wir fahren an einem großen „Militärischen Sperrgebiet“ entlang. Kriegsflotte, riesige Tunnels in die Felsen gesprengt, Fotografieren streng verboten…

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (4)

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (5)
2 Busen-Inseln wie in Ciftlik in der Türkei:-)

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (6)

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (21)

Der Regen nimmt die Farben… schade, dass wir nicht mehr voll segeln können, der 5er aus SSW kommt fast immer von vorn. Nur wenige „sehr schräg“ kreuzende Segler sind heute draußen. Die Fähren fahren nach Gotland.

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (11)Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (10)Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (8)

 

Seezeichen säumen unsre Route, sie erinnern an Zeiten als es noch kein GPS gab…

Als ich nach 4 Stunden meine 2. Wache an der Pinne starte, riss unsere Fock am Achterliek ca. 1 m überm Schothorn ein… etwas zu dicht geholt, gab das mürbe Gewebe nach… ein „faden-scheiniges“ Loch ;- im UV-gepeinigten Segelrand: ein Schaden verursacht durch 6 Jahre Mittelmeertörn!

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (22)
Eng ist die Durchfahrt gewesen…und grad mal 2- 3 m WT…
Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (19)
Fast senkrecht wie die 3 Zinnen, im Fels blüht Erika
Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (24)
Seltene Begegnung auf unruhiger See…

 

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (26)
14 Uhr…fast senkrecht ragen die Schärenfelsen aus dem Meer, an der Nase geht’s  nach bb,

Zuletzt- copy- zur stillen Ankerbucht ) (26)

Und dann darf ich vorsichtig einbiegen in die friedliche waldgesäumte Ankerbucht:Zuletzt zur stillen Ankerbucht (2)EOS ruht  zwischen Wald, Inselchen, Holzhäuschen, Felsrücken…. ein Paradies:

Unser friedvoller Ankerplatz: BEDARÖN, Ostseite

Zuletzt- copy- zur stillen Ankerbucht ) (32)
15 Uhr: Eng und wenig tief ist die Durchfahrt beim Ankerplatz… Ein Russe ankert schon…
Zuletzt- copy- zur stillen Ankerbucht ) (31)
Das ist unsere Aussicht vom Ankerplatz aus, vorn rechts waren 2 andere Segler
Zuletzt- copy- zur stillen Ankerbucht ) (30)
2,5 – 2,7 m unterm Kiel neben diesen senkr. Felsen… dichtes Seegras u.ä., aber der Anker hält!

Zuletzt- copy- zur stillen Ankerbucht ) (28) Nur noch abgeschwächter Wind…Dunkle Gewitterwolken künden Regen an… Wir montieren am Bug an der Rollfockrolle die große Genua, ziehen sie zum Masttopp und scheren gewissenhaft die Schoten ein. Morgen suchen wir einen Segelmacher für den Riss in der Fock.

In der Nacht regnete es wieder…

Zuletzt- copy- zur stillen Ankerbucht ) (29) Eine asiatisch pikant gewürzte Gemüsesuppe gibt es für den Start in den Feierabend. Regen. Stimmung wie am Bodensee im September.

Wir machen uns beim Longtörn fast täglich die Freude eines selbst gekochten Mahls: In Stockholm war’s Chili con carne, gestern frischer Lachs mit Crème fraîche+Dill, heute der Eintopf:

 

Am Abend beschließen wir, doch zurück zu fahren in einen Hafen von Nynäshamn, um das Segel zur Segelmacherin zu bringen und ein längeres Heckankerseil zu kaufen, damit wir an den Schärenfelsen direkt anlegen können, wie das die Schweden gerne tun. Allerdings haben die am Heck eine flache 30 cm-Rolle mit dem flachen Band, das zum Heckanker führt… Vorne mit Seil an einen Baum an Land oder in einen Ring im Felsen. Originell fand ich zuletzt in Kalnäsviken, daß eine Baumstammscheibe vor einem Bug auf dem Felsen stand. Der war für die Bord-Katze, die da vom Bugkorb aus hinunter springen konnte… damit es nicht gar zu hoch ist, v.a. beim Zurück-an-Bord-Hüpfen:-)

Am frühen Morgen des 12. August stehen wir schon um 6 auf und motoren um halbsieben rüber zum Stadthafen zum Tanken und fahren dann weiter in den gemütlichen Clubhafen, der nur 6 Gastbooten Platz bietet. Opti-Regatta der Jüngsten, die nachher von den 2 Segeltrainerinnen auf 1,2,3 an Füßen und Händen geschwungen ins Wasser geschleudert werden. Welch ein Spaß.

Um 13 Uhr kommt die Segelmacherin und nimmt unsere Fock mit: “ Jaja, das ist ein typischer Sonnenbrand-Schaden… nur am Achterliek, der Randstreifen, der sich am Rollfock-Vorstag unbedeckt aufwickelt und der UV-Strahlung voll ausgesetzt war!“

Typisch? Beim Langzeittörn ist die Fock immer ohne Persenning ( daheim am See wird der blaue Persenningschlauch im Hafen über die aufgerollte Fock gezogen). Dadurch wird der Stoff dort mürbe, der Rest ist noch gut, meint die Segelmacherin Anneli Bergfeldt beim Anfassen. Sie wird einen breiten Schutzstreifen draufnähen, in ganzer Länge am Unterliek und am Achterliek. Ca. 350 €.

Mit 5 bft gegenan bis Ankerbucht vor Nyneshamn,11.8 (12)
Der eingerissene Stoff ist aber ca. 30×30 cm zerrissen, nicht die Naht. Für die Segelmacherin kein Problem…

Stockholm im Regen: mit Tram, U-Bahn und Schiff zu Tea-house, Espresso house+“Messing Mäster“

Gerdi erzählt:

Am Freitag, den 9. August fahren wir um 10 mit der Tram wieder zu der Slussen, denn da ist das Teehaus, wir brauchen Grüntee. Einmalig die Atmosphäre… herrlich der Duft nach blumigem Tee, Bergamotte und Darjeeling.

Aus d. Regen ins Teehaus) (1) (Copy)Ein Inder(?) füllt den Tee ab…Aus d. Regen ins Teehaus) (2) (Copy)Aus d. Regen ins Teehaus) (3) (Copy)

Aus dem Regen zum Teehaus (Copy)
Schöne Perspektive … vis-à-vis vom Teeladen

Wir steigen hoch zu Maria Hissen (Himmelfahrt) und staunen über die architektonischen Ideen, in Etagen übereinander in aller Enge Wohnungen zu schlichten… Die runden Kiesel bilden oft schöne Muster auf den alten Straßen am Berg.

Weit geht der Blick über die Altstadt, zum Stadthaus, zum Mälarensee… Unvergesslich. Fast wie der Blick vom Segelhafen San Giorgio in Venedig mit unsrer MARION rüber zum Markusplatz mit dem Campanile und den Arkaden am Dogenpalast…bei Maria Hissen droben (4) (Copy)der Ausblick v. oben, Maria Hissen (2) (Copy)der Ausblick v. oben, Maria Hissen (3) (Copy)der Ausblick v. oben, Maria Hissen (4) (Copy) Eck-Haus-Bar (Copy)Es regnet. Wir flüchten in ein kleines Joe & the Juice-Lokal und stärken uns mit Frucht-Vitamin-Smoothie…-ein Lokal ohne WC! Viele Damen suchen vergeblich mit Regenschirm und Cape…. Richtig schick die Ladies, keine ohne Knopf im Ohr und alle mit Smartphones oder Tablets…

Joe&the juice (Copy)

Neue Regenschauer locken uns unter ein Dach: in ein EH, ein „espresso house“. Hier arbeiten viele an ihren Tablets, oft bequem im Schneidersitz.  Originell die Anordnung auf einer Stufentreppe mit Polstern und kleinen Tischlein… Filmlampen, Hocker, dazu Kaffeeduft vom Feinsten. Es gibt große Bowls mit Salat, Kardamomschnecken, Sandwiches aus Roggenbrot… Die Gäste bleiben auch „stundenlang“ und zum Glas Kaffee können sie Leitungswasser aus einem Spender zapfen…

Espresso house als Regenschutz (1) (Copy)Espresso house als Regenschutz (2) (Copy)Espresso house als Regenschutz (4) (Copy)Espresso house als Regenschutz (5) (Copy) Regenpause. Wir tigern weiter und suchen den Messingmaster, der alle Lampen und Petroleumleuchten hat, denn unser Docht an unsrer alten Schiffslampe brennt nicht mehr richtig. Eine wahre Schatzkammer ist dieser Laden…

Lampenladen Messing Mäster zum Dochtkaufen (2) (Copy)Lampenladen Messing Mäster zum Dochtkaufen (3) (Copy) Die modernen Bauten schrecken zunächst ab, doch sie haben auch ihren Reiz bei den möglichen Durch-Blicken… Ob das mit den 1000 Stäben das Casino ist??

Wir laufen zum grandiosen Stadthuset, und viele Touristen mit uns… Die Kreuzfahrtschiffe spucken sie ohne Pause aus, Chinesen, Japaner, Amerikaner, Deutsche, Italiener, Spanier…Herrliche Mischung. Dazu die Stockholmer, alle Hautfarben, Frisuren, in Sari, afrikanischen Wickeltüchern, in glänzender Seide die Roma, schwarz-weiß die Dressmen und Manager.. alles da, viele Kinderwagen, Hausfrauen auf Fahrrädern, viele Leute auf den E-Rollern flitzen auf den eignen Radwegen unbehelligt von den Autos… am Zebrastreifen bleiben alle Autos sofort stehen. Einmalig.

Klickt 1 Foto an, dann erscheinen alle als Folge einzeln.

Stadthuset (14) (Copy)
Ein wenig wie Dresden…
Stadthuset (13) (Copy)
Alt neben neu…

Nirgends kann ich eine Wochenzeitung in schöner deutscher Sprache kaufen, auch nicht am Central-Bahnhof, wo wir aus der U-Bahn austeigen. Die Rolltreppen, die Glasdächer, die Blumen, die frischen Gemüse in den kleinen Imbißtheken… Großstadt!

U-Bahn-Kunst -Centralbhf(2) (Copy)

U-Bahn-Kunst -Centralbhf(3) (Copy)
Hauptbahnhof und Bus-Terminal draußen…

Am Weg zum Schiff zurück zum Djurgården finden wir einen feinen Fisch-Laden. Wir kaufen uns für den Ankerplatz morgen frischen Lachs, ganz große Matjes-Sill, ein Stück schwedischen Kräuter-Käse. Ein Schatzkästlein. Scampi, Krebse  und Muscheln lassen wir den feinen Damen, die hier einkaufen.Fischladen (Copy) Der Regen hat aufgehört. Wir fahren ein letztes Mal mit dem Passagierschiff zum Tivoli und zur EOS… Stockholm adieu.Zurück viaTivoli Grönalund Stockholm (3) (Copy)Zurück viaTivoli Grönalund Stockholm (4) (Copy)DSC_1456Am Abend duftet es nach Chili con carne an Bord…🤗

Stockholm erkunden :-) 6.+7.Aug.

Wieder mal eine Großstadt…immer ein Erlebnis auf einem Langzeit-Segeltörn. Danzig, Tallin, Estland, Helsinki, Vaasa, Umea, Stockholm…

Nach Tagen und Wochen allein auf dem Meer, ein Spielzeug des Winds,  in einsamen Waldbuchten vor Anker, in ganz kleinen Ortschaften… und dann:  eine Stadt! Stockholm empfängt uns friedlich, etwas regnerisch, wir im Ölzeug… Viele Ausflugsboote und Passagierdampfer kreuzen unsren Kurs, die Leute grüßen freundlich die deutsche Flagge am Heck und alle zücken ihre Smartphones für ein Bild: EOS ist der Star für ihre Urlaubsfotos. Ein Lotsenboot leitet ein Kreuzfahrtschiff, das hinter uns einlaufen wird. Wir biegen aber nach rechts ab und schon passieren wir viel Grün und die ersten schmucken Villen und palast-ähnliche Bauten. Rechtzeitig haben wir reserviert im Segelhafen, bei dem die Tram gleich nebenan hält, SWANSEN ist ganz nah (Tierpark u.a. Belustigungen)  Man sieht und hört das lebendige Treiben vom TIVOLI, einem großen Vergnügungspark, Überschlagsofas, Fahrgeschäfte mit hohen Spießen zum Rauf- und Runtersausen wie in einer Rakete, eine irre Art Achterbahn, ein Karussell, das die Gäste kirchturmhoch hinauf zieht und sich ständig dreht. Kreischen und Schreien… Spass pur. Stockholm, wir kommen.

Ankunft Stockh.) (Copy) Um 2 gibt’s eine leckere Tomatensuppe mit Sahne drauf. Dann zum Einkaufen.

Gleich in der Nähe ist zwischen alten, herrschaftlichen Häusern (Waldemarsudde, alte ehrwürdige Schulen, italienische Botschaft) ein ganz kleiner Laden, aber es gibt Datteln aus dem Iran, Rinderhack und rote Bohnen für Chili con carne, Milch, Joghurt, Butter. Da erklärt mir der Kaufmann: “ Welche? Die 80%ige in der Dose fürs Frühstück oder das ganze Stück?“ Ich erstaunt: „Ja, bitte das große Stück im goldnen Papier…“ – „Oh, die nimmt man aber in Schweden nur zum Kochen oder aufs Steak!!“ !

Bummel durch die Stadt am Abend

Wir erkennen manches wieder an der Silhouette, auf dem Rückweg von Norwegen waren wir 2 mit dem Dethleff-Wohnmobil mal hier. Das Schloß, die Kirchtürme… Viele Kräne künden von gewaltigen Baumaßnahmen: Man löst alte Straßen auf, verlegt U-Bahn-Röhren neu, in 5-7 Etagen wird gebaut bei den alten Schleusen. Ganze Dörfer von Baucontainern mehrfach übereinander lassen ahnen, wie viele Ingenieure, Bauherren, Facharbeiter hier planen und arbeiten! Uns zieht es in die Gamla Stan, die Altstadt! Enge Gassen wie in Palermo! Wir staunen. Mir gefallen die historisch belassenen Türen und Plätze, Brunnen und Parkrondelle mit kleinen festen Kiosk-Pavillons drin.

Baukunst Schloß Stockh (1) (Copy)Brückenarchitektur (Copy)Stockh. am Abend,6.8 (4) (Copy)Stockh. am Abend,6.8 (3) (Copy)Gamla Stan (7) (Copy)

Gamla Stan (1) (Copy)Gamla Stan (3) (Copy)Gamla Stan (4) (Copy)Gamla Stan (5) (Copy)

 

 

Gamla Stan (6) (Copy)Gleich neben dem Straßenschild zur deutschen Schule steht allerlei Krimskrams vor einer Ladentreppe, Flohmarkt? Exotisch! Verwinkelt, überfüllt, aber sehr originell… den „Clubkeller“ ganz unten hab ich nicht besichtigt…;-)

 

Nach der Rückfahrt mit der Straßenbahn, vorbei am ABBA-Museum und dem früh besuchten grandiosen Vasa-Museum, fahren wir nochmal zur Centralen, laufen an voll besetzten Lokalen vorbei (an einem Mittwochabend!), zweigen ab in eine Seitenstraße und lassen uns bezaubern vom Ambiente eines Thai-Restaurants, wo gerade 2 junge Leute aufstehn und ein Tischlein frei wird. Rattanstühle, Palmen, Orchideen… „Koh Panang“ mit der untergehenden Sonne, die sich im Meer orangerot spiegelt als Symbol! Lecker und chili-scharf unser Mahl: Gh speist knusprige Ente „hot“, ich das Chicken-Curry, hot. Mmmmh. Innen leuchten im schummrigen Dunkel grell-bunte Lichterketten, im Aquarium schwimmen farbige Fische. Weltstadt Stockholm.

Thai-Koh Phangan,Stockh (1) (Copy)Thai-Koh Phangan,Stockh Ente (Copy)Thai-Koh Phangan,Stockh,Huhncurry (Copy)

Die Gäste und Passanten edel bekleidet mit schicken Handtaschen und Schmuck dekoriert, oft teure Leinenkleider, Seidenstola, Lambswool-Pullover und feinen Mänteln und Strickjacken. Sehr modisch, auch die Herren und Seniorinnen. Bunt die Hautfarben und Kleidung, Verschleierte, Inderinnen, Thai, Afrikaner und Syrer, ein wunderbares Gemisch der Völker. Die Gäste der Kreuzfahr-Gruppen viele Japaner, Chinesen, Koreaner? Am Donnerstag dann ganz viele Deutsche von der AIDA PRIMA. 4500 Passagiere, 950 Personal… 300 m lang, 40 m breit… 10-12 Etagen…

Romantische Ankerbuchten zwischen Felsen, 4.+5.August

Gerdi:

Sonntagsfrühstück mit weichem Ei und Filterkaffee um 9 Uhr in Kapellskär, nur schwer trenne ich mich von der Naturwaldbucht… Sooo schön. Um 10 Uhr Anker auf, 3 bft Nordwind mit 16 kmh kalt, Wolken und Sonne. Herrliches Segeln, wenn auch in Skiunterwäsche und Faserpelz;-) In Norrtälje war’s daunenjackenkalt. Am 23. Juli hatten wir in Gävle 30°C- aber man kann sich ja kleidungsmäßig anpassen, viel angenehmer als die 40°-Gluthitze im östlichen Mittelmeer… Wir segeln -teils mit gerefftem Großsegel – 4 Stunden in den Fjord und freuen uns, die vom Skipper ausgesuchte Bucht zu finden. Zwischen Husarö und Längh fällt der Anker auf 6 m, um uns unberührte Natur und einige Ferienhäuser mit Stegen davor…

DSC_14185 bft zu den Schären (2) (Copy)5 bft zu den Schären (1) (Copy) Einige Motorboote sind an den steilen Felsen fest gemacht und haben den Heckanker draußen. Die Felsen haben davor zwischen 10 und 30 m Wassertiefe zu bieten… Wir suchten uns eine Stelle mit nur 6 m und ankerten frei.

IMG_5448 (Copy)DSC_1418DSC_1423 DSC_1422Sonnenschein, Baden (bei 18°…), Haarewaschen im Meer…

DSC_1421 Nach diesem zauberhaften Sonnenuntergang in den (Regen-)Wolken gab’s den früh schon angemachten Bohnensalat zu Nürnberger Bratwürstle und Pellkartoffeln.

Montag, 5. August: Inzwischen sind wir fast 3400 km gesegelt! (1798 Seemeilen)

Um 10 Uhr Anker auf in Husarö, wenig Wind. Wir durchqueren diese Schärenwelt mit dem Ziel Galnö und staunen über die mächtigen Granitfelsen zu beiden Seiten unsrer Route. IMG_5449 (Copy)IMG_5453 (Copy)IMG_5455 (Copy)IMG_5456 (Copy)IMG_5457 (Copy)IMG_5458 (Copy)

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Wunderschön…

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Segelspass mit gutem Wind…IMG_5466 (Copy)IMG_5468 (Copy)IMG_5469 (Copy)IMG_5470 (Copy)

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Wie es unter der warnenden roten Pricke wohl aussieht??

Nach fast 5 Stunden genauem Steuern nach dem GPS-Kurs fällt der Anker in der Bucht Kalko-Kalfet, dem nördlichen Teil von GALLNO. Nun sind wir südlicher als Oslo. 1800 nautische Meilen gesegelt. Ca. 3400 km…Das war wie die ganze Donau (2200km)+Schwarzes Meer und Marmarameer und die türkische Westküste südwärts…

Gerhard liest Thomas Manns Erzählungen. Ich staune über den Wolkenhimmel…IMG_5487 (Copy)IMG_5488 (Copy)IMG_5490 (Copy)IMG_5491 (Copy)

Morgen, am 6. August, wollen wir die EOS bis Stockholm segeln. Diese Weltstadt möchten wir uns 2-3 Tage lang ansehen, wir waren mal mit dem Wohnmobil hier… nach der Norwegenreise… Die VASA werden wir im neuen VASA-Museum studieren. Welch  großartige Leistung, das gesunkene Schiff nach 300 Jahren aus dem Schlamm zu heben und zu restaurieren…

Natur-Reservat Riddersholm: Wandern 3.8.19-Gerdi

Waldpfad 2.Tag-3.8 (19) (Copy)Waldpfad 2.Tag-3.8 (1) (Copy) Der Wind gebärdet sich heftig, 5 oder 6. Wir bleiben gerne noch einen 2. Tag in diesem Naturhafen und nehmen uns nach dem Frühstück gleich eine erneute Wanderung in dem Sturmwald vor. Die Gewalt des Sturms zeigt sich in den vielen gefallenen Riesen! Die Baumscheiben sind bis 8m breit und oft nur 30 cm „dick“ und es ist ein Wunder, wie sich diese Hochstämme mit den oft nur waagrecht(!) durch große Steine, Felsen und losen Sand vorgearbeitet haben und nun im Klimawandel Opfer der Stürme werden…

Baumwurzel-Scheibe

Wir wandern durch dunklen Märchenwald, wundern uns über die großen Waldameisen, die oft zu Tausenden genau auf dem schmalen Pfad wuseln oder auf der 4 cm dicken Wasserleitung krabbeln und eilen… So schöne Bäume liegen flach, oft rundrum gedreht und zerborsten… Hier nun die Fotos, als Serie, damit ihr virtuell mit uns laufen könnt.

Am Fährehafen (Tallin, Ålandinseln, Finnland) endet ein Weg zum Ufer an einem großen Gedenkkreuz für die 860 Opfer des Untergangs der Fähre ESTONIA im Jahr 1994… eine nicht ganz geschlossene Bugklappe wurde zum tödlichen Verhängnis.

Waldpfad 2.Tag-3.8 (8) (Copy)

Wacholder- die Beeren sind immer im süß-sauer eingelegten Sill-Hering!

 

Waldpfad 2.Tag-3.8 (11) (Copy)Waldpfad 2.Tag-3.8 (12) (Copy) Unberührt von Menschenhand… Seen, Urwald, Himbeeren

Waldpfad 2.Tag-3.8 (17) (Copy)Waldpfad 2.Tag-3.8 (18) (Copy)

Waldpfad 2.Tag-3.8 (14) (Copy) Am Campingplatz erfreute mich Nils Holgersohn, Von 10 bis 14 Uhr sind wir gewandert. Und am Schiff hab ich Pfannkuchen gebacken, für Gh mit Speck und für mich mit Kardamom:-)

Wilder Naturwald Kvarnudden, 2.8.19

Kapellskär, Naturpfad Wald (11) (Copy)

Gerdi schreibt:

Im kleinen Naturhafen Kapellskär laufen wir über unsren Holzbrettersteg im Hafen zum Waldrand. Eine Tafel weist auf einen Pfad durch den der Natur überlassenen Wald hin, in dem die Kühe weiden. Wir biegen in die düstere grüne Wildnis ein und lassen  alle Zivilisation hinter uns. Nur noch wir und der Wald, die im Sturm umgestürzten Bäume, die senkrecht hochragenden ausgerissenen flachen Wurzelballen, die kirchen-hohen Stämme der majestätischen Laubbäume, himmelhoch. Die Kiefern hielten mit ihren tiefen Pfahlwurzeln dem Sturm stand.

Der Pfad ist schmal, ein Trampelpfad der Naturliebhaber, keine Bank, keine Info-Tafeln, nur das kleine Tierle auf Schildchen zu einem blauen Punkt auf den Baumstämmen weist uns weiter. Ich bin begeistert. So war das ganz früher mal: Ein Wald fürs Vieh, das hier Sträucher und Unterholz beweidet, ans Ried zum Saufen kommt und sich kreuz und quer durch den Wald bewegt. Ein Paradies. Wir klettern über umgefallene Stämme, unter tief hängenden Ästen wie Bögen durch, essen reife Himbeeren (die stacheligen Pflanzen rühren die zarten Kuhmäuler nicht an;-), Ameisen rasen herum, ganz winzige mm-flache Blättchen auf dem Waldboden, Flechten auf Brettern und morschen Ästen…

Über schlichte lange Bretterstege überqueren wir das Feuchtgebiet neben dem See mit hohem Riedgras und blühendem Schilf. Hagebuttensträucher, Mädesüß, bunte Disteln, entrindete Bäume, Opfer der Parasiten und Käfer.

Bitte in der Galerie das 1. Bild jeweils anklicken (vergrößern) und dann auf den rechts sichtbaren kleinen Pfeil klicken und die Serie weiter fördern.

„KVARNUDDEN wurde von 1700 an als Viehweide genutzt -eine magere Wiese auf trockenem Land. Im 119. Jh. wurde es von Laubwald dominiert. Eine Laubweide ist eine baum- und strauchreiche Wiese, auf der neben Heu auch Laub als Winterfutter für das Vieh geerntet. Heute wird die Weidehaltung fortgesetzt, um die Landschaft offen zu halten.Bis zu 50 Pflanzenarten pro Quadratmeter beherbergen diese Weiden, gedüngt vom Kuhdung, als einzige „Pflege“. Es gibt so eine eigene Flora, die vom Beweiden profitiert.“

Ein Paradies, ein Garten Gottes. Wir kehren berührt von dieser Naturbegegnung auf dem Rundweg zurück zum Hafen. Dann setzt sanfter Regen ein.

Zwischen Kühen und kl. Booten,0,5m Wasser unterm Kiel (1) (Copy) Die Kühe am Meeresrand… Erinnerungen an meinen Ostschwedentörn 1976… Da grasten sie auf Öland auch „neben“ der Segelyacht.