Auf dem Sulina- Arm ins Delta: Vorbei an Moldawien und leider auch der Ukraine

Gerdi: 27.-29. August 14

Verlassen der Stadt Galati bis Lipowanerdorf Mila im Delta

Nach windiger Nacht wie am Meer, mit Gebraus und Gewell Frühstück um halbacht. Wir wollen alle Restarbeiten erledigen, damit wir endlich segeln können.

  1. Alle Schoten und Fallen einscheren, Segel setzen. Mastrutscher ölen
  2. Grünes Markisen-Dach, das Bimini überm Cockpit, montieren
  3. Blaues 6m-Schattendach neu fixieren.

Um 13 Uhr mit dem Taxi zum Dedeman, einer Art OBI am Stadtrand. Verblüffend groß das Angebot an Bau-,Reparatur-, Metall+Holzsachen, Closchüsseln, Whirlpoolbadewannen,  Gardinen, Gartenartikeln, Klebstoffen,nur das Sicaflex, das Gh. sucht gibt’s nicht . Aber was fast Gleiches. Ich suche Fliegengitter und Klettband-selbstklebend. Einer der jungen Burschen kann Englisch, und er ist sehr bemüht zu helfen: „Wait a second!“ Und schon spurtet er los und findet was wir suchen. Auch die 2 Aluschienen mit 90°-Winkel. Damit wird Gh. die Befestigung unsrer Solarzelle am Stahlrohr am Heck verstärken. Super.

Weiter geht’s zur Wäscherei, alles frisch, herrlich nach 6 Wochen nur Handwäsche! Besonders die Bettbezüge und Frottéelaken sind „wie neu“ und die verschwitzten T-Shirts der heißen Wochen mit über 40° sind nun wieder „rein“. Gerhard werkelt mit Handbohrer, Metallsäge, Schraubenzieher und Lineal im Cockpit und am frühen Abend ist die Verstärkung fertig. Prima. Ich hab inzw. Hosengummis in 30 J. alten Jerseyhosen erneuert, Knöpfe nachgenäht, Shirts geflickt und die 5 kg wieder verstaut!!! Am Abend gehen wir auf ein kaltes Starenpramen-Bier aus Prag und eine Pizza ins Marco Polo und bald zu Bett.

Am Donnerstag, 28.August Leinen los in GALATI bei fast deutschen 22° und wolkigem Himmel…erstes Mal SEGELN seit 11.Juni (am Bodensee):„Heiß auf die Segel“- zum 1. Mal nach 2400 km Motor-Reise mit dem zuverlässigen VOLVO! Wir segeln unter Genua und das recht flott: 12-15 kmh! Die Ukraine und Rumänien teilen sich den Fluß, die Grenze verläuft – unsichtbar!- in der Mitte der DONAU. Links viele Wachtürme, Soldaten mit Feldstechern und Gewehren, Kasernen, Stacheldraht…. Ich schreibe an Anya in Kiew eine SMS. Eigentlich wollten wir uns auf ukrainischem Boden treffen, ihr Urlaubsort Odessa wäre nur knapp 200 km weit weg… Meine Brieffreundin seit 1992!

Um 11 Uhr haben wir die Grenze von Moldawien erreicht, die nur 700 m lang am Donauufer verläuft. Der Wind nimmt zu, wir drehen ein Reff ins Vorsegel, setzen den Motor ein wegen der Böen und Kurven.

Zitat aus der SMS in die Heimat: „2400 km gefahren auf der DONAU! Hatten deftige 6 Windstärken, weiß von Gischt die Wellen im braunen aufgewühlten Fluß. Stadt und Hafen RENI hinter uns…Das Delta ist nah.“ Wir flüchten nach 56 km um 16 Uhr in einen Donauarm hinter einer kleinen schmalen Insel Nähe Isaacea, ankern da auf 10m Wassertiefe, die Bäume stehn im Wasser, drüben ein Kran, 4 Männer- ohne Arbeit. Ich spiele ihnen ein Abendkonzert auf der Blockflöte. Die Wolken verziehn sich… Abendröte. Der Wind bleibt, wir liegen geschützt. Am Ufer Bienenkästen in Reih und Glied… Rinder…Schnakenfreie aber kühle Nacht. 2. Decke!

Freitag, 29.Aug. 2402 km auf der Donau gefahren

Um 9 Anker auf. Wolkenlos, kaum Wind. Um12.25 biegen wir erstmals in den SULINA-ARM ein! Ab jetzt beidseitig Rumänien. Der Ukraine kehren wir den Rücken, die Nachrichten über die Waffengänge im Osten sind beunruhigend… Links Lehmufer, ca. 50 cm trockenfallend nach dem Hochwasser. Als ich Nudelsalat mache, sieht Gh. ein !!Segelboot (ohne Mast) am Ufer, hochgeholter Schwertkiel, toll. 2 Männer an Bord, einer spricht etwas Deutsch, er handelt mit GEWÜRZEN! Begeistert sieht er in meine üppige Gewürzschublade: ah, Fuchs, Ostmann- kennt er alles. Er sei oft in Deutschland. Seine Gewürztüten haben nur den Aufdruck „ALEX“! Er kommt an Bord, bietet uns himmlischen roten Wein aus Schattenmorellen an, läßt mich sein köstliches Chili dulce und Chili hot probieren, sehr aromatisch und fruchtig. Auch die Kräutermischung für Fischsuppe und Borscht schenkt er mir. Und seine Emailadresse: alexandrescu_danaie@yahoo.com

Weiter geht’s, die Kräne, Schlöte und Windflügler von TULCEA sehen wir schon, aber wir müssen noch eine 180°-Kurve fahren, wie an der Mosel! In Tulcea (sprich: Tultscha) muß Gh. die Permit, die Erlaubnis zum Befahren des Sulina-Arms durchs Delta, kaufen.

EOS flirtet mit dem Donau-Grund…

Es ist kein Ponton frei, keine Möglichkeit, irgendwo im Fluß anzulegen, Ankern geht nicht: 25 m Wassertiefe. Wir versuchen es bei einem Motorschiff, auf dem uns ein Mann herwinkt, längsseits zu kommen. Ich fahre weit links von einer kleinen roten Boje, keine Ahnung, was sie bedeutet… Ich übergebe die Pinne an meinen Käptn, denn er will die EOS seitlich an das Dickschiff anlanden… Ich mache die Vor- und Heckleine klar, da schlingert unser Schiff und ich sehe braunes Wasser rings um uns…Auf Grund gelaufen…bei 20 m Wassertiefe??? Kunstvoll kann Gh. die EOS wieder freibekommen. 2. Versuch. Der Mann zeigt uns, daß wir ganz nah bei ihm entlangfahren sollen. Gerhard steuert langsam hin…und wieder sitzt der Kiel fest. Kein Freimotoren klappt, kein Gewichtverlagern. Ein Motorboot kommt heran, nimmt unsere Heckleine, schleppt uns frei… Neben uns ein großes 150 Personen-Ausflugsschiff, alle an der Reling und zugucken, wie eine deutsche Segelyacht nicht mehr weg kommt. Der Kapitän ruft: I must go now. I cannot wait!!

Da drehn wir ab und steuern die Tankstelle und dann einen Ponton am Ende der Stadt an, der mit den Lettern Marina wirbt-…Irre wildes Gewell durch unzählige Vollgas fahrende Motorboote und all die Ausflugsschiffe ins Delta…8 Fender und 2 Motorradreifen sichern die BB-Seite der EOS, es quietscht und schabt und schaukelt bei jedem Vorbeifahrer…Wir wandern den nahen Hügel zum Superlior-Denkmal mit dem Obelisk und geflügeltem Löwen hoch und genießen die grandiose Panorama-Aussicht. An der Promenade unten hat man die Plattenbauten in Pastelltönen bemalt, Springbrunnen, Museen mit Fisch- und Vogelwelt. Heute ist ein „FEST“: die Ruderer feiern und nach der Jazzsängerin gibt’s Reden in Englisch, serbisch und rumänisch. Zurück am Schiff keine Schnaken!!! Zum 1. Mal können wir  ohne Schnakennetz im Cockpit sitzen, die Sterne am Firmament bewundern und dem roten untergehenden Sichelmond zuschauen. Erika sieht nun den gleichen im hohen Norden am Meer in Norwegen. Und sie sieht sogar grüne Nordlichter!!!

Samstag, 30. August: TULCEA-Mila 23

Nach 9 Aufbruch, bevor all die Ausflugsboote und schnellen Flitzer uns durchschütteln. Nach  einer guten Stunde biegen wir in den SULINA-Arm und ins Delta ein. Ab hier wird nur noch in Seemeilen gemessen, das Schwarze Meer ist nur noch 45 cm tiefer als wir. Anfangs etwas kanalartig… Aber als wir um 14 Uhr abzweigen in den Delta-Arm Dunarea Veche sind wir wie verzaubert von der Schönheit der urwüchsigen Natur…Kleine Gehöfte mit niedrigen Dächern aus Reetdach, denn Schilf gibt es in Massen hier. Graue hochbeinige elegante Kraniche stehen im Schilf, picken rasend schnell ins Wasser nach Schlangen, wie uns ein Einheimischer später erklärt. Es gäbe viele davon. Störche bilden große Wolken am Himmel, erst weiß das Gefieder in der Sonne, dann schwarz alle beim Fliegen der Kurve. Lang die roten Beine, kaum ein Flügelschlag. Runde fast stehende Vogelschar, nie so gesehen. Sicher sammeln sie sich, um zu den Dardanellen und nach Afrika zu fliegen. Geheimnisvoller Vogelzug. Faszinierend. Hinter gelben Seerosenknospen staksen silberweiße Reiher, aber wenn ich den Kranich fotografieren will mit seinem Augenfleck und dem roten Punkt, dem schwarzen Halsstreifen und der weißen Linie am Brustgefieder…husch fliegt er auf, und ich hab ihn WIEDER NICHT erwischt.

60 km bis ins Paradies gefahren

Wir fahren unter Motor langsam und staunend bis zum Lipowanerdorf MILA und machen bei Seemeile Nr. 23 an einem behäbigen Motorschiff fest. Überall Fischerkähne am Ufer, kleine Lokal-Terrassen auf einfachen Pontons. Dahinter liebevoll farbig bemalte kleine Häuser der Lipowaner, Holzverzierung an den Giebeln, himmelblaue Fensterkreuze, leuchtend grüne sauber getünchte Wände, üppiger Blumenschmuck an den einfachen Sandpfaden, in den Gärten Tagetes zu Hauf, Rosen, meterhoher weinrot blühender Rhizinus (früher gab es riesige Felder hier), Sonnenblumen… eine Pracht. Wir kaufen in 2 winzigen Läden ein, Tomaten gibt’s keine. Da vermittelt uns ein engl.sprechender Rumäne eine Frau, die für uns in ihrem Garten einen Eimer voll erntet. Ganz frisch, große Ochsenherztomaten, kleine knallrote Tomaten, 2 Paprika. So lecker wie vom Biobauern. Als wir –von Hand gezogen- die Glocke der kleinen Kirche läuten hören, gehen wir dem Klang nach. Drinnen wird das Abendgebet vorbereitet. Alte Männer nur. Im Allerheiligsten der 2-Ton-Singsang eines Popen, im mittleren Raum bei den vielen Heiligenbildern bekreuzigt sich ein Alter mit langem weißen Bart3x schlägt er mit großer schwingender Bewegung das Kreuzeszeichen, dann zündet er feierlich mit einer handgezogenen Kerze die vielen Öllampen an. Ein 2. Alter kommt, auch er mit dem bunten Gebetsgürtel um die Taille über einem Hemd. Vorne nun 3 Männer im Wechsel. Dann tritt eine Frau (Rock, Jacke, Blumenkopftuch) an das Pult, das sie in die Mitte getragen hat und beginnt aus der uralten Bibel zu lesen. Neben uns liegen auf der einzigen einfachen hellblauen Holzbank diese zauberhaften Gebetskissen, Patchwork aus Damast und Seide. Die Frauen dürfen wohl nur im hintersten Raum der Kirche beten…Tief beeindruckt laufen wir die schmalen Sandwegle zurück. Roter Sonnenuntergang. An Land Musik wie in Griechenland… Wohl eine Hochzeit.

Hier die Flusskarte bis Sulina, Klick

und hier alle Bilder: Klick

 

 

 

Stadtbummel durch Galati

GERDI- 26.-27.Aug.14

Hier die Bilder, erst am 6 September gibts ein Internet am „Ende der Welt“ in Sulina.

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2350 km ist die EOS unter Motor gefahren, Sonderlob für den alten Volvo, ca. 12 Jahre hat er auf dem Buckel. Meist sind wir ja nur gesegelt, und die 3 Törns 2009+2010+2011 am Mittelmeer fast 80% von den 22.000 km Segelreise. Nun also ist der Mast gestellt, die Schoten und Falle eingeschoren, das Bimini mit seinen Alustangen versehen, die Solarzelle bekam eine Rahmenverstärkung mit Hilfe von Vierkant-Alustangen, ein 2. Fliegengitter fürs mückenreiche Delta ist gesucht und gefunden, nur die Montage macht noch Kopfzerbrechen am gewölbten Vorschiffsluk…überm Bett. Schnaken finden mich IMMER L…

Sensation nach 9 Wochen: Wir haben eine Wäscherei gefunden!!! Wunderbar, die Frottéelaken+Bettbezüge, die Hand- und Geschirrtücher, die verschwitzten x-mal von hand gewaschenen T-Shirts, Spültücher, Shorts, Arbeitskittel, die 2 Tischdecken, 2 Kleidle,…Nach 24 Std. holen wir unsere Wäsche wieder sauber ab, nur 1 Reißverschluß an einem Kissen hat den Trockner nicht überlebt…

Bummel durch GALATI

Wir klettern über die 3 anderen Schiffe, meist unten rostig, oben nett angemalt für die Angler. Adrett und ordentlich aufgeräumt, nur Fisch haben sie keinen gefangen! Die Stadt ist lebendig und voller (fast neuer) Autos, an die maroden Plattenbauten haben wir uns längst gewöhnt, uns erfreuen die freundlichen Menschen. Es gibt große gepflegte Parkanlagen, viele bunte Blumen, Springbrunnen aller Art, mal Mosaik, mal eine Nixe als Skulptur, eine schlanke Mädchengestalt zwischen den Bäumen. Wir treten in eine griechisch-orthodoxe Kirche ein, entziffern die griechisch geschriebenen Namen der Apostel und Jünger unter den großen Glasfenstern. Draußen bin ich beeindruckt von etlichen von Hand gemalten Theaterplakaten mit wunderschönen kalligraphischen Buschstaben in Silber und Gold. Luci hätte ihre Freude dran. Echt kunstvoll. Sie laden ein zu Kindervorstellungen wie Der gestiefelte Kater, Der kleine Muck, Aschenputtel und Pinocchio, sooo liebevoll mit Farbpinsel gemalt. Abseits der breiten Straßen bummeln wir in den Seitengassen, wo so mancher vefallener Barockbau mit kunstvollen Simsen und Figuren an alte Zeiten erinnert, als die Bürger noch Herrenhäuser bauten mit Säulen, geschwungenen Balkons und Freitreppen vor großzügigen Portalen, Blick in längst verschwundene eigne Gärten. Vorbei.

Auch eine der ganz alten Holzgebäude entdecken wir- rumänische Baukunst mit walmartigem Holzschindeldach und verzierten Fronten ganz aus Holz.

Am Abend kehren wir ein in einem historisch angehauchten Lokal „Marco Polo“. Holzbalken an der Decke, Gewölbe, große Gemälde an der Wand: Pferde im Innenhof einer Karawanserei, Meer mit hohen Wogen, Reiter und Gesinde vor arabischen Palästen.

Mich fasziniert das Ornament des Boden-Mosaiks am Eingang. Das Essen war aber nicht dem guten Eindruck entsprechend, ich hielt die Tocchata eher für Whiskasbröckele vom Schwein in Dosentomaten, dazu Polenta mit einem ! Spiegelei drauf und geriebener salziger Hartkäse… Zu spät entdeckten wir hinter dem pausenlos laufenden Fernseher (Telenovelas mit rumän. Untertiteln, nonstop) das Holzofen-Feuer für die Pizza. Am 2. Abend haben wir sie verspeist, gut.

Mit dem Taxi waren wir ca. 6-7 km vor die Stadt gefahren zu einer Art „OBI“, der Dedeman-Markt hatte echt alles! Gerhard konnte an Bord gleich loslegen und reparieren und anbauen, wo nötig (Solarzelle).

Nachts beständig starker Wind von vorn, mir blies er direkt in die Koje, kühl und frisch. Es gurgelte und plätscherte derart laut von den Donauwellen, daß ich einen Schlafwandler-Traum hatte: Ich stellte mich auf die Matratze, guckte raus, sah direkt neben der EOS ein grünes Positionslicht, sah voraus die riesige PERSEUS, unser Vorstag und das Motorschiff ganz nah, wir mit Seilen irgendwie dran fest… Als ich voller Schreck Gh. wecken wollte, weil ich meinte, wir hätten uns in einem Schiff verfangen und das fährt nun mit uns dran weiter, kam die Erinnerung: Ah, wir sind ja festgemacht an einem stillgelegten Schiff…nur die starke Strömung der Donau machte mir den Eindruck, daß wir „beide“ flott fahren… Schon witzig, was das Gehirn nachts alles „denkt“.. Hallunzinationen seien meist bei Menschen mit viel Phantasie, erklärte mir mal ein Psychologe. Am Morgen rief der Nachbar“ „Don’t be panished! I will just go one or 2 meters forward with my boat, ok?…motor check!“ Und ich antwortete:”Of course, do it. I just had the same dream!!”

Die Tagesstrecken werden immer kürzer

Die Flusskarte: Hier

und hier die Bilder: Klick

Ja, warum? Die Reise auf der Donau nähert sich dem Ende. Noch 228 km. Für Montag haben wir das Stellen des Mastes in Galati vereinbart. Heute ist Mittwoch. Wir könnten auch morgen schon in Galati sein aber irgendwie zögern wir das Ende auf dem Süßwasser hinaus. Die letzte Brücke haben wir gestern unterfahren, jetzt ankern wir am spitzen Ende der Insel Varsatura. Der Platz ist günstig, wir sehen den Donauarm Manusoaia ein Stück weit hinauf und die Donau rauf und runter, 10 km von Kurve zu Kurve. Eos liegt in der Mitte. Die übermächtige Hitze scheint gebrochen.  Draußen wird ein großer Baumstamm mit einem Ruderboot transportiert. Der Ruderer scheint kräftig. Er hebt ihn alleine an Land. Fischer setzten ihre Netze am Ufer oder werfen sie im Fluss aus. Zum Abendessen gibt’s Kartoffelsalat und gegrillte Kotelets. Blutrot senkt sich die Sonne. Wir gehen ein Risiko ein und verzichten aufs Schnakennetz. Fehler! Auf einmal sind sie da, massenhaft.  Und auch unter dem Netz. Kein Abendgenuss. Gerdi flüchtet ins Vorschiff und ich entwickle mich zum Massentöter.

Anderntags liegt Nebel über dem Strom. Nur die Ruderschläge der Fischer und die Außenborder der „schnelleren“ Fischen durchbrechen die Stille. Eine wunderbare Tageszeit. Der kräftige Holztransporteur hebt einen Fisch hoch. Ich winke ihn zu mir und er verkauft mir einen. Ich weiß nicht, wie er heißt, wie er schmecken wird, aber man kann ihn gut grillen, wenn ich ihn recht verstehe. Eine Schachtel Marlborough und 7 Lei (ca. 1,6€).

Sonnenaufgang bei km 228 (2) Statt ein Sprinter ein Boot zum Holztransport Unser Fisch, war aber im Geschmack nicht der Hit

Ganz unten erkenne ich einen Schubverband. Gerdi schreibt am Blog. Ich öffne den C+P Kompass. Günter hat ihn so schön repariert, aber leider ist er undicht. Diese Feinarbeit dauert, ist aber angenehm in der Kühle. Der Schubverband ist immer noch klein zu sehen.  Dann putze ich noch EOS an der Wasserlinie. Als ich längst wieder trocken bin arbeitet sich der Verband an uns vorbei. Ein angenehmes Geräusch, tock- tock- tock. Leicht und doch kraftvoll. Ein Verband unter deutscher Flagge aber mit rumänischem Standort, Basel und Lenzerheide sind überstrichen. Das verstehe ich nicht ganz. Nur im Marschtempo bewegt sich die Einheit gegen den Strom. Die Steuerleute müssen mit Geduld gesegnet sein. Aber auch dieses langsame Fahrzeug erreicht das Ziel. Er schafft ja doch 100 km am Tag, wenn er durchfährt, dann ist er in einem Monat in Regensburg.

Wir genießen diesen wunderbaren Platz. Am Nachmittag kommt nochmal ein Fischer und gibt uns Sardinen. Gerdi spielt auf der Mundharmonika und der Fischer lässt sie sich reichen und spielt einen flotten rumänischen Tanz.

BEGEGNUNGEN mit Menschen andrer Sprache

BEGEGNUNGEN mit Menschen andrer Sprache(km200 – vor BRAILA:20.-25.August, GERDI

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Auf unseren bisherigen Segelreisen im Mittelmeer, ca. 12 seit 1981, hatten wir nie so viele Begegnungen mit einheimischen Menschen in den vielen durchfahrenen Ländern- es ist ein großes Erlebnis für uns, die so verschiedenen Mentalitäten aus persönlicher Begegnung zu er-leben, ganz besonders nett nun in Rumänien auf der doch längeren Donaustrecke. Selbst wenn wir kein Rumänisch sprechen, können wir uns wunderbar verständigen, mit Winken kommen sie her, mit Gestik laden wir sie ein, mit Zeichensprache ordert man einen Fisch, mit Skizzen auf einem Stück Papier verdeutlichen wir was wir brauchen oder dringend suchen(z.B. in einem Laden, einer Werft) oder beantworten“ die „Fragen“ der Leute: Wo kommt ihr her? Ah, Germania. Schiff euer eigenes? Ohoh, sicher sehr teuer. Euer Wasser hier am Wasserhahn gut? „Da! DA! potabile, si, buna!“ Ich grüße immer passend zur Tageszeit, das schafft sofort Kontakt und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht: Buna zijua! Buna diminata, nuopte buna, Salut heißt Hallo und noroc Prost. Immer fragen die Leute: Hast du Kinder? Sehen sie, daß ich 2 Söhne habe, kommt ein Kompliment! Oh, drei Kinder??!! Buna, buna!

In einem Supermarket erfuhr ich , daß die Frau nur 100 € im Monat verdient, es war ein französischer Carrefour….Ein Taxifahrer war Koch und Bäcker (auch Pizza), als er das Gehalt gekürzt bekam, hat er den Job quittiert und nun fährt er Taxi, aber seinen eignen Wagen! Stolz ist er.

In einem Flußarm der Donau Nähe BRAILA kamen Forstarbeiter längsseits, angelockt durch meine Musik mit der Flöte am Abend vorher, die sie bis an Land gehört hatten. Nun grüßte ich mit dem Spiel meiner Mundharmonika. Begeistert bat er, darauf spielen zu dürfen. Ein rumänischer Tanz! Er hatte dieselbe HOHNER ECHO daheim, nun zeigte ich ihm meine neue chromatische DIAMOND. Er war hingerissen. Er bat mich, ihm so eine aus Deutschland als Päckchen mit der Post zu senden. Er schrieb die Adresse auf, mit zauberhaft schöner Schrift, Kalligraph war er als Matrose auf See. Studiert habe er 4 Semester, dann habe der Vater das Geld gestoppt- und er wurde kein Ingenieur, sondern ein Forstarbeiter, für 900 ha ist er zuständig. Sein Herz pochte, er wollte unbedingt diese Harmonika. Und er spielt: I come from Alabama with my banjo on my knee…Oh Susanna!“ Und da legte ich sie ihm in die Hand und schenkte sie ihm.” Ja, sie ist dein!” Er schlug die Hände vors Gesicht und konnte sein Glück nicht fassen…. Ohne Sprache…wie soll man da danken?? Eine Umarmung, ein sanfter Bruderkuß. Balkan halt, er würde uns sofort wochenlang Urlaub machen lassen in seinem Haus, klar. Wir müssen weiter!

In Braila hat Gerhard Fieber, 38,8°, steigend. So geh ich zum 1. Mal allein an Land, Müll weg, Einkaufen! Aufregend. Wir sind weit weg von der City. Ich steuere auf 3 hübsche Mädels zu auf einer Bank am Hafen, vor dem Auto mit offnen Türen und Disco-Musik.Prima Englisch, College abgeschlossen, sie wird Dental Keramik als Job lernen. Da es zu umständlich ist, mir den ca. 3 km-Weg zu erklären, bietet ANNA mir spontan ihr Auto an! Alle 4 steigen wir ein und los geht’s!!  Am Carrefour nimmt sie meinen Korb und bedeutet mir: I will join you and help you shopping. Come!

Ich finde Nescafé, Gasanzünder, Joghurt, die erste ¼ Melone(sie fährt mich ja zurück, bisher war uns das zu schwer bei den langen Fußmärschen. Sie räumt an der Kasse alles in den Korb, ich zahle 60 Lei, sie will keinen einzigen 10Lei-Schein, „No, no,no gift… never. It’s my adventure to help you, sure!“

ANNA, my little angel. Lilli und Elena sind begeistert, als ich sie an Bord bitte am Ponton, um einmal im Leben auf einem Segelboot gewesen zu sein. Herzliche Umarmung, großer Dank.

Gh. hat um 17 Uhr über 39° Fieber, in der Capetania ruft man ihm ein Taxi. Nach 3 Stunden ruft er an, jetzt sei er dran. Bluttest, Lunge geröntgt. Nach 4 Std. Entwarnung, keine gefährliche Entzündung, ein Virus vielleicht… Er bekommt (exakt wie Okt.2011 in Sardinien!!!) Ibuprofen, Parazetamol, Vitamin C  verordnet. Ich mache ihm Wadenwickel mit Eis-Gel-Kissen und im Kühlfach gekühlten Waschlappen. Das Fieber sinkt auf 38,8°… Gott sei Dank.

Inzw. hatte ich mit einem Hühnerschenkel eine Hühnersuppe gekocht. Die ißt mein Schatz nun, zur 1. Medizin, und kann schlafen…Früh ist er fast „gesund“ mit 38.0°, ab zur Farmacia…

Um 14.30 brechen wir auf zu unserem letzten Trip mit horizontalem Mast, um 16 Uhr finden wir bei GALATI nach etlichem Fragen in einem alten Hafenbecken die Navrom-Werft, die sich den Platz mit der holländischen DAMEN-WERFT teilt.

Rostig der kleine Ponton, zerquetschte Altreifen, eine Ruine wohl ehem. Getreidespeicher dahinter. Keine Strömung, ich kann richtig lang schwimmen!!! Herrlich. Für meinen Rekonvaleszenten brate ich 16 Frikadellen, schon türkisch mit Sumac gewürzt, dazu Krautsalat.

 Wir sehen erstmals große hohe See-Schiffe, mächtige Kräne. Am Montagmorgen (25.8.-in 4 Monaten ist Weihnachten!) heftiges Hämmern, Klopfen, Kräne fahren, es klingelt, ruft und man sieht Schweißarbeiten. Ich steuere die EOS an den himmelhohen Kran an den Kai. Und dann beginnt wieder dieses herrliche Kauderwelsch mit den Arbeitern, mancher kann Englisch, die es nicht können, fragen aber viel mehr. Einer kommt an Bord, so selig, so ein Schiffsinneres mit den wunderbaren Mahagony-Teilen zu sehen. „Thank you for your hospitality, I am glad“ Um 9 ist der Mast gehievt und an Land, ich löse unzählige sehr feste Zurrknoten von der Mastbefestigung, alle Schoten schieße ich ordentlich auf, Gerhard montiert RadarReflektor und Windex, tauscht eine Leuchte aus, bereitet alles vor zum Maststellen. Jungfräulich zitronengelb die breiten Gurte für Mast und Kranhaken. Jetzt hoffen wir, daß alles alles klappt und wir bald mit einem Segelschiff statt einem Lastwagen weiter fahren können. Wir wollen Galati ansehen.

Die Bilder: Klick

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Lipowaner und Sinti – Gerdi

Nach „Kilometer 300“ beginnt die Steppe!

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Gleich hinter Cernavoda ändert sich das Landschaftsbild, die DOMBRUDSCHA beginnt! Die Ufer der DONAU  säumen steile gelbe und rosafarbene Sandfelsen, die mit zartem Grün bewachsen sind. Weite Flächen nur Gras. In den kleinen Gehöften stapeln die Bauern das dann braune gebündelte Gras übereinander zu einer Art Giebelhaus, oben immer schmäler werdend wie ein Hausdach! Der Fluß aber gebärdete sich wild, mittags starker Wind von vorn, halbmeterhohe Wellen rollen an, weiß bekrönt von Gischtschaum, echt Arbeit an der Pinne, damit ich das Schiff auf Kurs halten kann, denn die Untiefentonnen zu beiden Seiten gewähren nur eine enge Fahrrinne! Unter uns mögen viele Sandinseln verborgen sein, vom Hochwasser überspült. Am linken Ufer graugrüne Erlen, die ca. 30 cm dicken Stämme tief im Hochwasser stehend. Am rechten Ufer aber senkrechte Sandwände, rostbraune Steppe und frei laufende wunderschöne Pferde, schwarz-glänzende Rappen, rotbraune Stuten mit Fohlen, weißschimmernde Schimmel! TOPALU böte uns einen Anlegeponton, aber die Wellen sind viel zu hoch, der gelegte Mast wäre schwer gefährdet. Wir wenden uns einem Seitenarm links zu und hoffen, am nächsten Morgen weniger „Seegang“ zu haben, um in einem der Lipowanerdörfer an Land zu rudern, um die weithin goldglänzenden Kirchen zu besuchen!

Nachts angenehme fast „deutsche“ 23°, nach den 40°-Nächten friert‘s mich so, daß ich die 2. Decke hervorsuche! Nach dem erfrischenden Bad (an der Badeleiter ohne Schwimmzug!) im Fluß genießen wir zum 1. Mal in diesem Donauurlaub das Frühstück im Cockpit! Um 10 queren wir den Fluß und ankern bei km 362 vor dem flachen Grasufer des 1. Lipowaner-Dorfes, Gerhard pumpt das kleine Schlauchboot Microeos auf, wir paddeln ans nasse Grasufer und die 100 schnatternden Gänse treten den Rückzug an…

Ein braunes Zigeunerpferd steht angebunden an einen Kahn im Fluß, stampft vergnügt, badet, wälzt sich im Wasser. Die Zigeunerpferde haben ein rotes Band in den Schwanz geknüpft, der klapprige Holzwagen ist beim Müllberg, wo auch die braunen barfüßigen Kinder „schutteln“ und Plastikflaschen in Säcke sammeln.

Hinter kleinen Gemüsegärten voller Tomatenstauden, Kohlköpfe, Bohnenstangen und Zwiebeln erstrahlt blendend hell und golden die orthodoxe Kirche. Die 2 Glocken (von Hand angeschlagen) läuten ein Zwei-Ton-Gebet, wohl 10 Minuten lang.

Ghindaresti, das Lipowanerdorf!

Wir laufen den Trampelpfad zwischen Mais und Gärtlein mit Obstbäumen, Wein und Kartoffeln hoch zum Dorf. Neben der prächtigen großen Kirche steht eine kleine einfache Kirche der russisch-orthodoxen Lipowaner-Gemeinde, der russisch sprechenden streng gläubigen einst vertriebenen Siedler. Im Donaubuch lasen wir bereits, daß sie im 18.Jh. vom damaligen Zar aus ihrer Heimat verjagt wurden und nach der Flucht sich hier und bis zum Delta ansiedelten. Sofort sehen wir es an den blauen Augen, den blonden Haaren, Alte mit langen Bärten, die Frauen mit typisch „russischen“ schwarzen Kopftüchern mit leuchtend-roten Rosen drauf! Die Häuser nur niedrig, meist 1-3 Zimmer, rotes Walmdach, Vorgärten mit üppigem Blumenschmuck, sauber angemalte Zäune, liebevoll gepflegte Türen und Fenster-ganz anders als in der „Großstadt“ Cernavoda!!!

Als wir die Stufen zur kleinen Kirche hochsteigen, begrüßt uns ein junger Mann, von einem Unfall gehbehindert, nun als Ferien-Kirchdiener und Vorbeter f.d.Kinder hier. Er erlaubt uns einzutreten, aber  wir dürfen nur nur bis zum Allerheiligsten/der Ikonen-Altarraum f.d.Popen/, Fotos verboten. Das höchste Kleinod der russischen Gläubigen ist eine meterhohe Ikonentafel, sicher Jahrhunderte alt, bei der Flucht mitgenommen aus ihrer Heimatkirche, hier verehrt, geziert mit zarten weißen Spitzen. Der Mann erklärt uns auf Englisch die Gebetsketten, die an Haken an der Wand hängen, darunter bunte handgearbeitete bestickte Kniekissen. Es ist wohl im Ritus eine Art Dauergebet im Knien wie bei uns der Rosenkranz, nur keine Perlen, sondern kleine Stäbchen oder flache Lederriemchen, an einer Kordel. Ja, 20 Minuten dauert so ein Gebet schon, die Mutter stünde daneben und halte die Kinder an, es wirklich ernsthaft fertig zu beten, Stirn am Boden…Der Kirchhelfer war nach einem Autounfall querschnittgelähmt, nun humpelt er an einem Dreibein, ich singe für ihn zu unsrem gemeinsamen Gott, er verbeugt sich, ist unendlich dankbar, glaubt, es helfe ihm, wieder zu gehen… Als wir vor der Kirche ein gemeinsames Foto machen dürfen, kommen 2 kleine Buben, mit bunter Gebetskordel um die Taille, sich 3x bekreuzigend unter der Kirchgarten-Pforte, in der ich in der Verzierung einen Violinschlüssel vermute. Alle im Dorf seien Lipowaner, sprechen auch alle russisch! Die Kinder adrett und sauber, ja, man ist stolz auf die eigene Schule! Wir wollen ein wenig mehr erfahren, setzen uns vor den kleinen Laden zu den Männern mit ihrem Bier, kaufen auch 2 Flaschen, Glas gibt’s keines dazu. Einer spricht italienisch, er hat in Turin gearbeitet. Die andren älteren Männer sprechen nur russisch. Da fällt mir ein, daß sie meine russischen Volklieder kennen könnten. Ich stimme das Schlaflied „Schlaf mein Söhnlein,schlaf ein Schläfchen, Bajuschki baju! an – sie summen verträumt mit, sehr erstaunt, daß die deutsche Madam es kennt!!! Dann singe ich (J sehr temperamentvoll!) „Kaljinka, Kalinka, Kaljinka moja, sado jagoda Malinka, Malineka moja, Eida ljuli, ljuli…“ man singt mit, klatscht sich auf die Schenkel. Mein 3. Lied kennen sie auch, sie singen den russischen Text: „Als zum Wald Petruschka ging….“ So geht Verständigung ohne Russisch-Kenntnisse!

Bei der Post steht eine Schlange Frauen und Männer an. Ob es hier Rentenauszahlung gibt? Die schattigen Lauben vor den Eingängen der Häuser hängen voller dunkelblauer süßer Trauben! Gemächlich schlendern wir den Sandpfad zwischen den Holzstaketen aus Ästen hinab zum Fluß, wo unsere EOS am Anker hängt wie ein treuer Diener.  Keiner hat die Paddel „geklaut“-wir rudern zurück. Kaum an Bord, kommt ein geteerter  kohleschwarzer Kahn (wie verbranntes Holz, nun wasserdicht )  gegen den Strom angerudert, 5 hübsche 17 Jährige an Bord. Gerhard darf ihren Nachen rudern!  Ein bittender Blick, dann ziehn sie sich freudestrahlend an der Bordwand hoch, Klimmzüge wie Sportler und – schwuppdiwupp- hechten sie vorn vom Bug. Behände klettern sie über die Badeleiter, und dann folgt Salto auf Salto, das größte Vergnügen. Nur 1-2 können Englisch, aber sie stellen sich wohlerzogen vor: Valentin, Aleksander, Julian, Mihail,Stefan, Markus… und wieder one,two,three ein Doppelsprung . Sie lachen als ich sage sie sehen am Foto aus „like frogs“! Gesunde, schöne Jungs mit BLAUEN AUGEN und schlanken durchtrainierten Körpern, auch ohne Turnhalle…Höflich bedanken sie sich für den Spass des „Sprungbretts“, welch reizender Besuch! Unvergeßlich.

Nach Norden auf der Donau

Um 13.45 Uhr Anker auf und im eng von Untiefen-Tonnen begrenzten Fahrwasser weiter „gen Norden“. Auf der Europakarte fahre ich mit dem Finger eine waagrechte Linie entlang und nenne die Namen der auf unsrer Höhe liegenden Städte: Erstaunlich nördlich!

 Bordeaux, Lyon, Genf, Turin, Mailand, Padua, Venezia, Pula  (Istrien), Rjieka, Novi Sad, Braila,  Halbinsel KRIM, Sevastopol, Sotschi,Rußland….

Gerhard hat inzwischen via SMS und Telefonat und EMAIL Kontakt nach Galati zu einer uns empfohlenen Schiffswerft, die uns den Mast stellen wird. Dann haben wir endlich mehr Fußfreiheit und beim Anlegen nicht mehr den überstehenden Spieß an Bug und Heck! Noch 100 km dahin.

Am frühen Nachmittag (Dienstag, 19. August) dürfen wir am Ponton der Hafenmeisterei  HIRSOVA anlegen!  Welch seltener sicherer Anlegeplatz im Fluß! Wir gehen in die 10.000Ew.-Stadt, viele große EUROPA-Schilder bezeugen eine Förderung der regionalen Entwicklung, Parks mit Springbrunnen und Bänken, aber die Plattenbauten ähnlich wie in Cernavoda. Nein, es gibt kein Internet, sagt uns der Gastwirt. Also einen der herumstehenden jungen Burschen fragen. Er führt uns zu einem kleinen Sportwetten-Office. Da hängen auch die vielen Bus-Fahrpläne aus, nach Belgien, Malmö, nach Zürich, Turin, Belgrad. Flinke Finger am Tablet, dann funktioniert die Internetverbindung und wir können den Blog und unsere Fotos von Cernavoda senden. Ihr unsere Leser könnt euch nicht vorstellen, wie mühsam diese Senderei sich immer gestaltet, oft stehn wir in seltsamen Spelunken und Kneipen  2-3 Stunden lang und versuchen unser Bestes. Oft fliegt man aus dem Internet, muß neu anfangen, das Passwort erfragen, Manche Bedienung lief zum Nachbarlokal und holte deren Internet-Passwort, weiter probieren. Ihr habt keine Ahnung, wie Blogs manchmal „entstehen“!!!

Pferd im Strassenverkehr (1200x1600)

Am Rückweg zum Schiff begegnen uns große Gruppen Sinti,  viele Frauen, oft sehr junge Mütter, mit vielen Kindern. Sie betteln nicht! Wir hören später, daß die Männer mehrere Frauen haben und daher immer viele Mamas und Kinder jeden Alters mitlaufen. Die Kirche ist schon fast im Dunkeln, als wir hoch oben stehen und in die Abendsonne schauen, umwerfend das orangene Spiegelbild in der Donau, der Blick weit weit über’s flache Land, -zig Windflügler am Horizont. Als ich mich zum Nebenportal der Kirche umwende, glänzen die goldenen Apostelbilder über dem Portal im warmen Abendlicht, ganz sicher exakt so nach Westen vom Architekten geplant, ein fast mystisches Bild, der Tympanon im göttlichen Goldschein… Dahinter direkt am Bergeshang die sehr einfachen Zigeunerhäuschen, Plumpsclo im Bretterverschlag, Elektroherd im Freien, oft auf 1 Seite ganz fensterlos. Viele fröhliche Kinder, barfuß, oft Kleidchen die Mädle.

Sehr erstaunt ist man in der Stadt, wenn man vor den 2 gewaltigen mehrgeschossigen Palästen der Roma steht, üppig verziert mit feinsten Ornamenten. Da spürt man doch die Herkunft aus dem Erdteil im fernsten Osten, Indien, Pakistan,…mit dem ornamentreichen indischen Baustil. Die reichen Besitzer seien nun in Deutschland, mit 4 Mercedes… In den Gassen noch einmal solch ein verziertes Häuschen, mit unbeschreiblichen Dachformen wie in einem indischen Palast, hier oft 3-fache Türmchen, mit glänzenden Zinkplatten silbergrau gedeckt, völlig fremdartig in ihrer architektonischen Bauart.

Sehr nett und versiert englisch-sprechend der Hafenbeamte, einst Offizier zur See, Hamburg, Kiel, Rostock…Das Problem mit den Sinti 1000 etwa, sie ziehen in Sippen her und weg, zahlen nie Steuern, die Kinder gehen nicht zur Schule, auch Geburten daheim da sie keine Krankenversicherung haben. Sie halten Pferde im Garten, die auch auf den Straßen laufen, Schweine im Haus, kochen im Garten, all das sei nicht üblich in einer rumänischen Stadt! Er sei kein Rassist, aber als Stadtrat findet er („Only my opinion!I‘m not a racist…“), daß Bürger nicht nur Rechte haben, sondern auch DIE GLEICHEN PFLICHTEN – und die erfüllen die Sinti nicht, sie fordern nur ihre Gleichberechtigung. Der Bürgermeister braucht ihre Wählerstimmen, und so erlaubt er immer mehr, …auch Deutschland würde den Roma sehr viel zusichern, deshalb verlassen die Roma in Scharen Rumänien und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Ich erwähne, daß bei uns doch keine unbewohnten Vororte frei wären für so viele Menschen und keine  unbewirtschafteten freien Ufer an unsren deutschen Flüssen. Er meint, die wären hervorragend vernetzt und bekämen schnell raus, wo sie „bleiben“ können… Daß bei uns viele Bettler hocken und die Städte voll von musizierenden „Rumänen“ seien, wußte er nicht. Ich verspreche, ein Botschafter zu sein daheim, denn wir haben nur sehr freundliche, kultivierte, strebsame und äußerst höfliche und hilfsbereite „Rumänen“ kennengelernt auf der langen Flußfahrt auf der Donau.

Er bedankt sich sehr herzlich. Zurück an der EOS, spiele ich in die Abenddämmerung Lieder auf der Flöte. Das lockt Zuhörer an: Es besuchen uns an Bord unterm Moskitonetz 7 Jugendliche, Roxana, Aura, Stefan, Adrian,… sie sind flink am Smartphone, schießen Fotos, bieten ihre Facebook-Adresse an. Wieder so hübsche Gesichter, jedes Mal eine Überraschung. Alle wären sofort integrierbar in GERMANY, man würde keinem ansehen, daß er weit aus dem Osten Europas kommt. Sie erzählen von der Schule, daß sie nun lange 3 Monate (!) vacanza haben. Sie schätzen Deutschland, das Schulsystem, daß alle Englisch lernen bei uns, daß Korruption nicht ungestraft bleibt dort, sie wollen fleißig lernen, um ebenbürtige EU-Bürger zu werden. Herzliche Verabschiedung! Sie werden unsren Blog verfolgen, die FOTOS und später die Segelparadiese in der Türkei kennenlernen.

Am Morgen besuchen wir die Gold-Kuppel-Kirche am Hügel. Ein gigantisches Bauwerk. Eine Frau läßt uns hinein, stellt alle 3 großen Lüster an(schrecklich die kaltblauen Sparlampen zu dem warmen Gold der Ausmalung und Ikonenwand!!!) Unter der himmel-hohen Kuppel singe ich „Magnifikat“, Jubilate deo, Laudate omnes gentes. Sie ist dankbar. Dann wagen wir uns trotz der Warnung vor den wilden Hunden (bissig!) in die Zigeunergassen. Hier wird ein Perserteppich mit Seifenschaum gebürstet, dort hängen 20 indische lange Röcke, in einem Steintrog wird ein geschlachtetes Schwein entborstet, ein Pferd teilt sich eine halbe Melone mit dem Jungen. Ein einfach gemauerter Brotbackofen unterm Quittenbaum, eine Frau streut Kürbiskerne immer wieder in die Luft und läßt sie auf einer Plane am Gartenboden in der Sonne dörren. Lache ich ein kleines barfüßiges Mädle an, kommt die Mama mit einem 2. Und 3. Kind ans rostige Blechtor. Freundlich, herzerfrischend die Unterhaltung mit Mimik, Gestikulieren und ein paar Wörtern in Italienisch, Französisch, so erfährt sie, dass auch ich 2 Söhne und 1 Tochter habe, sieht das Foto vom Segelschiff und die Landkarte von Europa, ja, Germania, Dunarea, Sulina-Constanta. Kein Hund beißt, kein Kind flüchtet. Gerhard darf an ihrem Wasserhahn am Zaun trinken, potabile, si.

Ein Veterinär (in Deutschland auf Engl. Studiert!) schickt uns vage zum ehem. Castell, aber es ist total zerfallen und alles voller PET-Flaschen und Picknicktüten. „We citizens of Harsova are very stupid. We didn’t anything to  save our history.. We’ve a little museum, but doesn’t matter, have a look at the golden church, ok. This big ruin-building was the only important big high-school of the region, now damaged, home of the rats…”

Kontakte zu andren Europäern? Nein, nur die AMADEUS kommt alle 2 Wochen, legt nur an, alle Touristen steigen in Busse und gucken kleine andre Dörfer an. Hirsova nicht….Ist billig für die Reeder…Aha.

Als wir zurück an Bord sind, hievt Gh. unseren kleinen Beibootmotor, den wir auf Warnung vor nächtlichen Dieben (die kommen mit der langen Stahlschere!) im Salon hatten wieder an Deck und an das Heck-Gestänge.

Im Logbuch notiere ich: gefahrene Kilometer: 2260. Noch 3 Meter über dem Meeresspiegel des Schwarzen Meers.

Hier alle Bilder: Klick

In einer anderen Welt

Die Flusskarte findest Du hier

und die Bilder hier

 

Wir verlassen den Hafen von Cernavoda nachdem uns die Werftmeister noch zu 2 Fachmärkten in die Stadt gefahren haben. Dem vergangenen Wolkenbruch hat EOS nicht standhalten können und ich musste Dichtmasse beschaffen. Es war mir nicht möglich eine Gegenleistung auch für den Liegeplatz zu geben. „Wenn wir Ihnen helfen konnten, dann ist das genug“. Wir sind immer wieder über die Hilfsbereitschaft überrascht.

Dann fühle ich mich wie in einer anderen Welt. Linksseitig begleitet uns der Urwald, flach, rechts sanfte Hügel und dann wieder senkrechte sandfarbene Felswände. Trockenes Grasland, steppenartig. Pferde, Schweine und Kühe weiden am Ufer, mal ein Auto und immer wieder Pferdewagen.

Viele Pferdefuhrwerke

Ab und zu ein Dorf oben am Hügel. Eines heißt Dunarea. Ob es der Dunarea ihren Namen gegeben hat? Ich stehe an der Pinne und nehme die Ruhe der Gegend auf, obwohl das gleichmäßige Pochen des Motors ja alles übertönt. Eigentlich hätte der Strom noch 60 km zum Schwarzen Meer, aber die Hügel, an die er sich drängt zwingen ihn zu einem Umweg von 170 km nach Norden. Er hat auch seine enorme Breite wieder verloren, nicht mehr als 1 km misst er von Ufer zu Ufer. Die kleinen Boote haben Bug und Heck hochgezogen.

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Der Wind wirft hier erhebliche Wellen auf. Und die Boote haben keinen Motor, sondern werden mi schweren Riemen gerudert! Dennoch findet ein reger Verkehr von Ufer zu Ufer statt. Bei km 263 biegen wir in einen Seitenarm ein um zu ankern. Fröhliches Reden und Lachen umfängt uns und immer das Gebell der vielen Hunde. Dann wieder der lockere Galopp eines Pferdefuhrwerks am nahen Ufer. Wir fragen einen Ruderer nach Fischen, können uns aber wohl nicht verständigen. Ersatzweise kocht Gerdi eine herrliche Grießnockerlsuppe.

Die Mücken sind ohne Chance, das Netz über dem Cockpit hält sie ab. So verfolgen wir wie’s Nacht wird. Die fröhlichen Geräusche der Leute verstummen, dann ein kurzes Froschkonzert, ein Tiergeräusch, das wir nicht zuordnen können und wie immer die nimmermüden Hunde. Gerdi spielt noch auf der Mundharmonika und vielleicht öffnen wir noch eine Flasche Wein.

Wir schlafen gut in der kühlen Nacht. Am Morgen liegt Nebel über dem Strom. Das Tuck Tuck Tuck eines unsichtbaren Schiffes verklingt ganz langsam. Ein vollkommen vergessenes Geräusch wird lauter: Das Rattern von Wagenrädern und der Galopp eines Pferdes. Gleich darauf ist beides wieder verklungen. Zwischen den Büschen hinter der Insel blinzelt die rote Sonne durch. Immer noch fliegen die Mücken gegen unser Netz an.

Cernavoda – Eindrücke von GERDI

Die Bilder von Gerdi: Klick

Vor Anker in einem der vielen Nebenarme (um eine schmale Flußinsel der Donau herum)…40km nördlich von Cernavoda, wo wir nah am Atomkraftwerk lagen und ich dauernd „Cernobyl“ statt Cernavoda(Schwarzes Wasser ) „dachte“, eine unheimliche Stadt, nachts sahen die ca. 10 aneinandergebauten Plattenhochhäuser aus wie ein Hundertwassergemälde, weil die Fenster beleuchtet waren, aber tags doch marode, geflickt und zusammengeschustert mit Mörtel, Alufolie und Abfallholz, die Fenster oft kaputt und mit Klebeband geklebt. Viele viele Strampelhösle an den Leinen vor den Fenstern, Denn Kinder „kriegt man immer“- um Adenauer zu zitieren…

Cernavoda

An den Müllplätzen tummeln sich Katzen aller Farben und Lebensalter, akrobatisch heben sie zum Sprung an und mit bangem Blick prüfen sie, ob sie oben in den tiefen Schlund des Stinkemülls runter sollen, aus Hunger, aber wie wieder hoch und raus? Man hat immer 4 Müllcontainer, wohl eigentlich für Plastikflaschen, Metalldosen, Papier und Restmüll (ménagerie)…aber man trennt fast nicht…Ähnlich ist es im Taxi: man hat Gurte, vorn und  hinten, aber keiner außer uns legt einen an.

In Cernavoda war Stadtfest, wohl 3 Tage ab Mariä Himmelfahrt… und dann goß es einen halben Tag wie aus Kübeln, Wasserfälle sprudelten über die maroden Straßen, auf den  Kanaldeckeln stand das Wasser, bald waren Plätze, Höfe und der ganze Park 50 cm unter Wasser, nur noch die Bühne mit der toll aufgebauten Diskoband schaute raus. Abbruch der Veranstaltung…. Die Straßen hatten am Sonntag Mulden und Abbruchstellen mit ausgespülten Gräben, 50 cm breit, 30 cm tief, nur noch Geröll. Der Taxifahrer lapidar: That’s Romania!!! Am Morgen Fortsetzung des Fests: Kühlschränke wieder raus, Grillfleisch in Wannen hergeschafft, Sonnenschirme aufgeklappt,  dann wischten alle geduldig die 100 Bierbänke, bauten ihre Grillroste wieder auf und ein Junge schippte mit einer Schneeschaufel (!!) das Pfützenwasser vorm Trampolin in einen Putzeimer u. Papa kippte ihn auf die nahe Straße. Der Sonntag war gerettet, nachts um 10 gab’s sogar 10 Minuten Feuerwerk.

An Bord der EOS war auch nicht alles wie sonst: Erstmals zeigte unser liebes Schiff Alterserscheinungen. Nein..keine Falten, aber Inkontinenz! Das 40 Jahre treu dienende Teakdeck hielt nicht mehr überall die Verbindung zum GFK der Schale, das herabprasselnde Regenwasser im Hagelunwetter suchte sich einen Weg „unten durch“ und im Nu war auf dem Bug-Bett ein gr. Fleck, wie ihn nicht mal unsere 3 Kinder je machten. Dann ging alles ganz schnell, es lief an einer Stelle munter wie aus einem kl. Schlauch, Schüssel drunter, Gerhard kämpfte wacker mit Lappen und Schwamm gegen das eindringende holzbraune Wasser.

Am Vorschiff zeigt sich entlang der Bugkante des Aufbaus, daß da die allererste, 80 cm lange Sicaflex-Fuge nicht mehr dicht ist, es regnet in Strömen, tritt man auf diese 1 Planke, sprudelt es leicht in Blasen. Aha. Stelle entdeckt. unteriridisch dann rein und durch die Lämpchen fließt es wie ein kl. Bach.

Auch in der Küche lief es hinter dem Topffach an der inneren Bordwand entlang und ich merkte es, als ich beim Kochen auf einem schwamm-nassen Teppich stand… Bei uns an der Marienschlucht hatte es auch schon lange Stunden Regen, aber die „Marion“ war nur „draußen“ nass und nicht innen! Bei näherem Untersuchen zeigte sich gesplittertes GFK, schon mal in den Ecken notdürftig vom Vorbesitzer nachgeklebt…Auch im Schrank lief Wasser rein und „ergoß“ sich über die paar Kleider auf den Bügeln. Bei Meerwasser wär alles voller Salzränder… Gh. klebte aufgeschnittene, großflächige Mülltüten unter das „Dach“, auch da scheint das Deck undicht zu werden.

Nun macht uns Sorge, daß bald Salzwasser beim Segeln in den Meereswellen reinkommt. Gerhard hat nun kleine Mahagoni-Holzkeile formgerecht „geschnitzt“ und mit Sicaflex in diese maroden Ecken geklebt… Müßte dicht sein. Wären wir schon in der Werft ( in Fischbach) auf diese marode Stelle unterm Bug-Luk aufmerksam geworden oder auf das doch nicht mehr gute Teakdeck, hätten wir so bequem alles neu machen lassen… nun aber? Törn unterbrechen? Eine türkische Werft finden, die Gulets baut? Wir überlegen…

Nicht vergessen möchte ich, daß alle alle Rumänen unbeschreiblich freundlich sind, hilfsbereit, ja sie fahren einen mit dem eignen Auto dahin, wo Hilfe möglich sein könnte…aber sie nehmen niemals einen Geldschein oder Zigaretten als Dank , sie lehnen Bier und Slivovitz ab („im Dienst“, freuen sich riesig, wenn sie ihr bissele Deutsch anwenden können („Ich gearbeitet in Deutschland!!“) und sprechen ein gewandtes Englisch. Ein junger Forstingenieur hat sogar in Dtld. studiert (in engl.Sprache) und seinen Ing. gemacht. Fließendes Englisch. Sie wollen immer helfen, und sie behandeln uns wie Bruder und Schwester! Ist wohl wirklich eine Sache der Gene bei den südöstlichen Völkern. Die können gar nicht anders.

Heute sind wir ein sehr originelles Donaustück gefahren, 40 km stromab – nun umgibt uns die Dombrudscha, eine Steppenlandschaft mit Sandufern senkrecht fast aus der Donau ragend, hellgelb und fremdartig, das andre Ufer grün von Erlen und Weiden, alle Stämme stehen metertief im Hochwasser. Im Steppenland viele Pferde, Rappen,. Schimmel, oft braune Fuchsstuten. Ohne Zaun weiden sie an den Ufern, besuchen die Rinderherden, die brusttief im Fluss baden. Einmal war eine dicke Sau mit rosa Ohren beim Baden am Ufer, dahinter giebeldach-artig geschichtete braune Heublöcke.. Eine neue Farm hatte nun bereits wie bei uns jene zu riesigen Rollenwalzen aufgerollten Grasballen, gestapelt unter einem Blechdach.

Wir hatten heute 5-6 Windstärken, fuhren mit Motor gegen meterhohe aggressive Wellen an, dazu hatten wir Fischerhemd und Pulli an, denn nach Tagen mit 40° war die Temperatur sturzartig auf nur 20° gefallen!!! Weiße Gischtkämme zierten die Wellen, das Steuern war echte Arbeit und ich fühlte mich fast wie am Meer. Gerhard telefonierte mit einer Werft in GALATI, die unsren Mast stellen soll. Geht nicht, aber man vermittelt uns eine 2.Werft am Ort. Scheint doch sehr selten zu sein, daß ein Segler kommt!

Heute möchte ich mal was Nettes zitieren:

Auf einer Tafel „HEIDI“-Schokolade (wie die feine Lindt-Orangen-Schokolade dark 85% Kakao aussehend) eines rumänischen Herstellers stand folgender Vers:

HEIDI Dark Orange is about seeing the colours

    where others only see shades of grey“

 

Über die Dombrudscha-Landschaft steht im Donau-Flußführer:

Die Dombrudscha erstreckt sich bis zum Schwarzen Meer und behindert die Donau auf ihrem Weg nach Osten.

Ihre grasbewachsenen Sandhügel kann der müde gewordene Fluß nicht durchbrechen. Er fließt deshalb weiter nach NORDEN (!!),

um schließlich gen Osten ins Meer zu münden. (Das ist für uns in Sulina)

Wären wir an Land, kämen wir nun durch in der öden mit feinem Gras bewachsenen Steppe an kleine Lipowanerdörfer mit ihren weißen Kirchen und den silber-glänzenden Kuppeln . Die Lipowaner wurden im 18 Jh. vom Zar aus Russland vertrieben, strenggläubige Orthodoxe, mit blonden Haaren, blauen Augen, dicken Zöpfen  und langen Bärten. Sie leben in ärmlichen Hütten,  sind aber gute Fischer, auch im Delta.

Wir ankern gerade nahe dem Dorf TOPALU. Leider sind die Wellen zu hoch und der Wind zu heftig, um an dem im Fluß sooo seltenen Anlegerponton festzumachen, zu gefährlich mit dem am Bug lang überragenden Mast! So ankern wir in einem Flußarm, wenige Wellen nur, um 2 machte ich eine gr. Schüssel frischen knackigen Weißkohlsalat mit Estragon und roter Zwiebel, wir leben ähnlich wie die Flußleute: Kohl und Weißbrot. Aber ein Ruderer in einem teerschwarzen Kahn verstand uns: „Du willst Fisch? OK. Warten. du schlafen hier? Gut gut!“ Auch er hat mal in Dtld. gearbeitet.

Wie immer: freundlich und zu jeder Hilfe bereit.

Noch 260 km bis zum Meer…

(Die Fotos sind ganz am Anfang 🙂