Beamtenabenteuer

Nachträglich noch eine Story, erlebt in Serbien

Reist man per Schiff von einem Nicht Schengen- Staat in einen Schengenstaat klariert man zuerst aus und bei der Einreise ein.

Wir fahren die Drau hoch und beabsichtigen das in Osjek zu tun. Hier die Geschichte in Kurzform:

  • Wir versuchen die Polizei auf Vhf Kanal 14 zu erreichen. Keine Antwort.
  • Wir steuern den Ponton der Polizei an. Geht nicht, zu flach und vollkommen verfallen
  • Erneuter, erfolgloser Anruf auf Kanal 14
  • Wir steuern den Hafen an. Nach mehreren Telefonaten des Hafenwartes können wir auf dem Landweg zur Polizei kommen. Wir fahren mit Taxi dort hin
  • Da ist aber nur Der Zoll. Die netten, freundlichen Damen rufen die Polizei an und erfahren, wir müssten doch mit dem Schiff kommen. Übrigens seien wir illegal im Land. Wir fahren mit Taxi zurück zum Hafen.
  • Wir steuern erneut den alten Ponton an und ich rudere mit dem Schlauchboot zum Ponton und stehe – wieder vor dem Zoll -. Erneuter erfolglosrer Anruf auf Kanal 14
  • Wir fahren wieder kurz flussab zum Schiff des Hafenmeisters. Da liegt auch ein Kriegsschiff. Wir sind auf Militärgelände. Die außerordentlich freundlichen Soldaten rufen erneut die Polizei an. Wir sollen wieder hochfahren und am Ponton ankern, es käme jemand vorbei. Sollten wir weiter Probleme haben, können wir gerne wieder zu den Militär kommen
  • Wir fahren wieder hoch und warten. Es kommt niemand
  • Wir fahren wieder zurück und der Soldat telefoniert erneut mit der Polizei. Sie hätten uns nicht gesehen und wir sollten direkt vor dem Blauen großen Kran ankern. Es käme jemand
  • Wir fahren das dritte mal hoch und ankern im vollen Strom in der Fahrrinne. Es kommt niemand. Dafür geht ein Gewitter nieder.
  • Wir können hier nicht bleiben, zu gefährlich und verlegen uns wieder vor den Ponton und ich gehe an Land, die Polizei zu suchen. Kein Mensch kann mir weiterhelfen. Hier ist keine Polizei. Mittlerweile dunkelt es ein und wir verbringen die Nacht hier
  • Da wir u.U „illegal im Land sind“ brechen wir beim ersten richtigem Licht auf und eilen die Drau wieder abwärts in Richtung Serbien

Wie wir später erfahren, kommen hier höchstens 3 ausländische Schiffe im Jahr rauf. Sicher nur ein kleines, aber für uns doch unangenehmes Missverständnis.

Letzter Ankerplatz in Serbien- auf nach RUMÄNIEN: Drobeta Turnu Severin

Die Flusskarte. Hier

GERDI

Sonntag, 3.August 2014: Wie viele Jahre  wir da schon auf See: Der Hochzeitstag meiner Eltern. Heuer ist es das erste Jahr, wo auch Vati nicht mehr lebt. Kein Anruf, kein Ständchen mit der Flöte „Nun danket alle Gott“!

Wir liegen vor Anker im Fluß, unser Blick geht zurück zum großen Schleusentor und zu dem mächtigen Wasserkraftwerk, eine Sperre in der Donau! Von Rumänien dröhnt pausenlos der Autobahnverkehr, viele LKWs. Eine Raststätte hat auf dem Dach 4 rot beleuchtete WeihnachtsbäumeJ. Auf der serbischen Seite ein kleines Bauerndorf, Kühe stapfen in die Donau und saufen. Fischer stehn mit Gummistiefeln mit der Angel im Wasser. KEINE SCHNAKEN in der Nacht,  um 5 weckt mich Hahnenschrei: Kikerikiiiii! Seit Dimitrios am Peloponnes hörte ich das nicht mehr, schön! Der Wasserstand ist um 1 m gefallen, die Ufer zeigen die Nässe an. Unser Echolot spinnt, zeigt keine Tiefe an, Gerhard taucht zur Schraube, nix. Also Anker auf und sanft losmotoren, und da geht es wieder. Es war irritiert von den ewiglangen dunkelgrünen Schlingpflanzen in der Strömung…! Dann sehen wir ein großes schwarzes Segelschiff mit gelegtem Mast heranfahren, traumhaft schöne Linie, Flagge der Niederlande. Gerhard ruft es per Funkkanal 10 an: „Hallo, SY EOS ruft Segelschiff mit gelegtem Mast, wohin geht die Reise? Kladovo? Ausklarieren??“ Sofort kommt die freundliche Antwort auf Deutsch mit reizvollem holländischem Akzent: „Hier SY MARKANT.Ja, wir wollen nach Kladovo, noch ankern die Nacht.“ Und weg sind sie. Hans und Thea Kwak!

Glockenläuten vom rumänischen Ufer! Am Ufer entlang motoren wir um 8 Uhr zu einer kleinen neuen „Marina“von KLADOVO. Naja…4,5 m Wassertiefe, aber „windige“ kleine Pontons an Betonschwimmstegen. Sehr vorsichtig manövriere ich unsre EOS an diese für den lang überstehenden Mast gefährlichen Steg, Gerhard nähert sich sogar rückwärts, da ist der gelegte Mast kürzer… Millimeterarbeit. Mit Heckleine und Mittelleine an der Boje eines kleinen Motorboots kommt die EOS zum Stehen.Über 2 Blockkissen klettere ich 1 m höher über den Heckkorb auf den Steg…Wir wollen ausklarieren und suchen wieder mal Polizei und Zoll. Französisch sendet uns ein freundlicher Mann in die Innenstadt, eine Serbin, die inzwischen mit ihren 3 Kindern in Nürnberg-Johannis wohnt, hilft dolmetschen, wir müssen zur D ogana, Zoll, andres Stadtende, am Ende der Promenade am Strand ganz vorbei. Heißßßß! Bis 13 Uhr ist auch das geschafft. Mit den letzten 3200 serbischen Dinar gehen wir in einem winzigen Marketladen einkaufen, Kartoffeln, Zwiebeln, Bananen(!), Äpfel, die gute geräucherte 40 cm lange Salami, 1 Milkaschokolade, 5 Bierdosen und 1 Flasche Wein der Region. Bei Suzana  trinken wir in ihrer kleinen Cafébar ein kaltes serbisches Jelen-Bier(das mit dem Hirsch mit Geweih) zum Abschied.

Gegenüber von Kladova sehen wir schon die großen Kräne der ersten rumänischen Stadt Drobeta Turnu Severin. Da müssen wir ein-klarieren! In einer halben Stunde sind wir drüben, suchen den Zoll. An der Tankstelle hängt die glänzende Yacht Markant. Hans winkt, zeigt uns, wo wir anlegen können für die Zollformalitäten. Eine Dame wieder mal ist die einzige, die Englisch kann. Der freundliche charmante Kollege kann sich nur via Fotos mit mir „unterhalten“, er bewundert die Flußstrecke, die geplante Segeltörn-Etappe. Die Ukraine? Krieg! Dann kommen 3 Beamte an Bord der EOS, Formulare ausfüllen. Nach 1 Stunde ist es geschafft, im Strom an der sog. Marina anzulegen ist unmöglich, da die Fingerstege quer zum Strom sind!!! Doch Hans und Thea winken, kommt längs an unsre MARKANT, aber gerne. Wir hören, daß sie dringend Diesel tanken müßten, aber die versprochene Menge sei nicht da trotz Telefonbestellung. Sie müssen 1 Tag warten! Wir 4 unterhalten uns wunderbar, halb deutsch, halb englisch, beide sind Mathematiker und unglaublich freundlich. Sie kommen von Holland durch die Kanäle und Flüsse und nun sollten sie bis 15.Sept. im Schwarzen Meer sein und bis Ende Sept. in Lefkas!!! Ein Enkelkind wird dann geboren, also heim!

An Bord koche ich abends im Wok Reispfanne mit Gemüse und einem Glas Huhn in Brühe, curry-scharf und lecker. Raus aus dem Tankstellenbereich sollen wir besser nicht allein, die wilden Hunde beißen schon mal… Wir bestellen für uns alle 4 für früh um 10 ein Taxi, das uns zum Einkaufen in einen Markt fährt.

Montag, 4. August: TURNU SEVERIN/Rumänien

Im Taxi geht’s  zu einem 1. Bankautomaten: 500 rumän.Lei=125€, gleich weiter in einen Carrefour-Markt am Rand der Stadt. Der Taxifahrer kommt mit rein und hilft…Es gibt alles. Ich nehm eine Packung frisches Bio-Huhn, 3 Schenkel, kaufe 2 Koteletts, Milch, Sellerie, Frühlingszwiebeln, Paprikaschoten, Ingwer, Knoblauch, Honigmelone, Karotten und Petersilienwurzel.

Um 13.40 legen wir ab von der SY Markant. Ich mach mich trotz der Hitze gleich ans Kochen, brate das Huhn an und mit Zimtstange, Kardamom, Nelken, Zitrone und Thaicurry zu all dem obigen duftet es bald wie in einer Gourmetküche nach  orientalischem Huhn.

Wir passieren um 16.40 die km-Tafel „900“: nur noch 900 km zum Meer! An Land erstaunlich „moderne“ sehr einfallsreich konstruierte Dachformen, teils wie 4-6 Flügel über diverse Hausteile gebreitet. Zimmermannskunst. Grellbunte Hausfassaden: geha-tintenblau, knallorange, himbeer-rot, maisgelb, violett und gerne türkis und giftgrün. Dann suchen wir uns einen Platz zum Ankern für die Nacht, in einer Flußmündung fällt der Anker, beim serbischen Dorf rechts der Donau: Velesnica. Verträumt, alte Häuser,viel Grün…  Hundegebell. Gerhard errechnet 1585 gefahrene Kilometer bislang. Ganz ruhige Nacht, leichter Regen um 5, wieder der Hahnenschrei!

Dienstag, den 5.August 2014 Velesnica- Insel Chichinetele/Rumänien

 Aufstehen um 8, Frühstück, Anker auf in stillem Wasser (wie in einem See) um 9.Die Ufer wieder flach, Sand, Dünen, Steilküsten, kaum Häuser in Rumänien, Scahfe, Ziegen, Zelte am Ufer, Campingfamilien. Auf der serb.Seite teils größere Orte, schmucke Kirchen.

Mir gefallen die rumänischen Ortsnamen: Isvoru Frumos, Vrancea, Crivina, Tismana, Batoti, Ostrovo Corbutlui…Wie Musik!

Unser neue Kühlschrank funktioniert nicht mehr L!! ‚Er verbraucht endlos Strom, rattert dauernd trotz Stufe 1 und wir müssen ihn abstellen. Aber es gibt grad Wichtigeres: Unsere letzte Schleuse! Ein Polzeiboot informiert uns: „The Romanian Lock is in repair. Use the Serbian one!“

Schleuse Prahovo! Um 12 Uhr warten wir an der Vorkammer, km 863, Ein Kreuzfahrer unter Schweizer Flagge schleust hoch, wir runter. Um 13 Uhr ist alles geschafft. Gemächliches Tuckern, dann: große behäbig langsame Flügelschwingen, ellenlanger Schnabel… Unser 1. Pelikan!  Ab 15 Uhr ist die rechte Flußseite nun die Grenze zu BULGARIEN!

Bei der Flußmündung des Flusses Timok entdeckt Gh. Einen geeigneten geschützten Ankerplatz. Ich steuere hinter das kleine Inselchen Chichinetele un d um 15.20 fällt unser Anker. Girla Mare heißt der nächste Ort. Kühe steigen in die Donau, es sieht aus wie auf einem Landschaftsbild der holländischen Maler. Das Gegenufer grün bewaldet, wie an der Mainau in der Güll-Bucht. Als Gh. Den Grill vorbereitet, sehen wir auf der Donau draußen die schöne MARKANT. Funkruf. Und dann ankern sie  neben uns. Wir müssen unsere Hühnersuppe essen, der Kühlschrank streikt…Noch 30 km bis CALAFAT.  Unter dem Moskitonetz erwarten wir die ersten kühlren Böen nach einem heißen geruhsamen Tag. Kerzenlicht im Cockpit. Ein Glas Wein… SMS von Erika: Reeeegen in Norwegen bei Mehrtagestour, auch bei Joachim bei Berg-Radeln Regen. Da haben wir Glück!

 

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Eisernes Tor, Abschnitt 2

Die Flusskarte: Hier

Das Barometer steigt leicht, Der Wolkenhimmel zeigt Lücken, also verlassen wir das freundliche Donij Milanovac. Diesel und Wasser sind gebunkert und Lebensmittel vom Markt auch.  Die Regattateilnehmer warten noch (Regatta? Ein Segelboot und ca. 20 weitere hübsche, kleine Motorboote auf einer „Wasserwanderung bis vor Kladovo und wieder nach Belgrad oder Novi Sad). Kein Wind, das Wasser glatt und ringsum Waldhügel, dazwischen Felder, Weiler, Bauernhöfe. Und da fällt Mir ein: Wie eine Reise vor dem Schweizer Ufer bei Heiden!

Schaut aus wie bei den Hügeln von Heiden am Schweizer Ufer (1000x750) - Kopie
Wie bei uns am Bodensee

Das gestrige Unwetter hat hier gewütet. Eine Mure reißt einen Wohnwagen mit, umwandert ein Haus und blockiert Straßen.  Vor uns wieder eine Kerbe in der Gebirgswand. Der Obere Kazan beginnt mit einem Paukenschlag. Breite der Donau: 100 m, Tiefe  über 80 m. Zu beiden Seiten mächtige, senkrechte Felswände. Einbahnverkehr für die großen Schiffe. Eine beeindruckende Felswand nach der anderen, vielleicht 300 m hoch.

Erika, Sammy, Kletterfelsen (1000x750)
Erika, Sammy: Kletterfelsen

An den Flusskrümmungen kleine Gebäude, ehemalige Signalstationen. Als die Donau noch nicht gestaut wurde, was muss das für ein Höllenabschnitt gewesen sein! Jede Fahrt talab ein Risiko, nur mit besten Kenntnissen zu bewältigen. Bergauf gab es hier eine Eisenbahn um die Schiffe hochzuziehen. Jetzt liegt alles 30 m unter dem Wasser und wir genießen diese Gebirgsstrecke.

Naturschönheit zieht Gäste an. Sie werden mit kleinen schnellen Booten hier hochgefahren (alle tragen Schwimmwesten).

So viel schöne Natur zieht Gäste an (1000x707) - Kopie
Gäste bewundern die Naturschönheit

Dann öffnet sich die Donau zu einen riesigen Badewanne und lässt sich gleich wieder auf 150 m zusammendrücken. Der Untere Kazan. Nicht mehr ganz so wild, aber gleichfalls beeindruckend. Ein Erlebnis, diese 10 km. Dann öffnet sich das Land. Beidseitig sanfte Hügel, Dörfer zu beiden Seiten und viel Treibholz, aber auch jede Menge Plastikflaschen. Öfters schalten wir den Gang aus um unsere Schiffsschraube nicht zu beschädigen. Bei km 951 (Die Kilometerangaben nur noch dreistellig!) eine Biegung und 7 km vor uns das riesige Stauwerk Djerdap 1 (Eisernes Tor 1). Hinter uns ein Kreuzfahrer, die River Adagio aus Malta. Man speist dort gerade zu Mittag. Wir geben Gas, vielleicht können wir noch mit ihr geschleust werden. Die Schleuse bestätigt auf Kanal 10: Es geht. Gerdi steuert einen Schwimmpoller an, ich lege eine Bucht um den Poller und wir beide halte EOS mit Stäben von der Wand ab. Motor aus. Das Tor schließt sich hinter uns und ganz langsam geht’s 16 m abwärts. Dauert fast eine ¾ Stunde. Dann öffnet sich das vordere Tor, River Adagio fährt in die 2. Kammer und wir in ordentlichem Abstand auch. Nochmal Schwimmpoller anfahren, festmachen. Das hintere Tor der 2. Kammer schließt sich und ab geht’s, nochmal 16 m. diesmal schneller. Dann geht das vordere Tor auf. Unser Kreuzfahrer legt ab und wir auch. Das gewaltige Bauwerk, 2 Schleusen, eine auf der Rumänischen, eine auf der Serbischen Seite, je 2 mal 310 x 34 m, eine mächtige Staumauer und Hochspannungsleitungen für den Transport von 11 Mrd. Kilowattstunden lassen wir hinter uns.

Das war die serbische Schleuse Eisernes Tor 2 (1000x750)

Einige km weiter unten ankern wir, jetzt wieder im Strom. Einige Stunden später überholt und die Markant, ein schöner Segler, gleichfalls mit gelegtem Mast. Wir unterhalten uns kurz auf Kanal 10. Er Ist etwas in Eile und nimmt den kürzeren Donau- Schwarzmeerkanal von Cernavoda. Gute Reise!

Der Anker scharrt über den kiesigen Grund und Gerdi bereitet das Abendessen, Pellkartoffeln und Krautsalat und dazu ei Jelen!

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32 Stunden im Starkwind vor Anker im Strom…

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Gerdis Memories: 29.-31.Juli 2014 hinter Inselchen Moldova/Golobac

Der Abend begann bürgerlich: rosa Kartoffeln, Rahmgeschnetzteltes vom Metzger daheim und Krautsalat…Dann briste es auf, es heult, es rauscht, die ruhigen Seerosenflächen beginnen zu wabern und sich in Hügel zu verwandeln… Weiß die zwischen den Schilfinseln durchscheinende rumänische „See“-Fläche, gischtsprühend…Die hohen Windflügler drehen sich wild, 6 bft, 7? Immer höher die Wellen, EOS überholt den eignen Anker, Gerhard bringt 2 Eimer an Tauen im Schlepp aus. Der Wind nimmt zu. Es wird eine schaukelige Nacht, im Bug rolle ich und ziehe lieber um in den etwas „stabileren“ Salon überm Kiel…

30.Juli: Viel Wind auch nach der stürmischen Nacht mit wenig Schlaf… Schaukelei wie 2010 im Hafen von Syros(Kykladen)!! Wenig Appetit. Meteo via Smartphone: weiter 7-8 bft, auch die Nacht wieder starkwindig. Wir werden bleiben… Der Anker hält, aucwenn es irritiert, daß er so wenig Zug auf der Kette hat…Alles verzurren, die Solarzelle wird mit 3 Seilen gebändigt gegen die starken Vibrationen, die große blaue Stoffpersenning, die um einen Ast gewickelt quer überm Mast schwankt und sich aufbläht wie ein Spinnaker, wird mit Seil umwickelt wie ein Paket. Die serbische zastava wird eingeholt und die deutsche Nationalflagge (11.Aug.2011 Palermo) wird eingerollt, die Clubfahne zerfasert zappelnd im Wind. Notessen mangels Einkauf: die letzte kleine Gurke mit Dill, eine Dose Fisch für Gh., wir haben kein Obst(gab keins in den Miniläden), wenig Wasser…

Heftiger Wind stürmt den ganzen Tag lang, weiße Gischwellen brettern über den aufgestauten „See“, das Wasser wird in Wogen getrieben entgegen der Strömung der Donau. Bei diesem Seegang können wir es nicht wagen, in die Katarakt-Enge zu fahren! Dösen, Lesen, Die 2. Nacht vor Anker im Starkwind, laut Meteo Romania wieder 7-8 Bft.

Am Abend gegen 20 Uhr wieder die große Versammlung der weißen Silberreiher auf der einen Baumgruppe einer Nebeninse im Flachwasser bei der großen Steinplatte. Wir beäugen aufmerksam kontrollierend unseren Ausblick, mal liegt die Eos längs dem Ufer, mal mit dem Bug rechtwinkelig im Wind… Gespenstisch. Abends macht sich Gh. 300 g Spaghetti mit Parmesan und Öl. Das Schiff rollt und schaukelt ohne Unterlass, aber man gewöhnt sich sohl allmählich an diese Un-Ruhe. Schon um 9 legen wir uns in die Koje, länger sitzt auch kein Schreibtisch-Angestellter! Liegen geht aber nur in Bauchlage bei dem Seegang… wir schlafen relativ gut, alle Stunde Ausguck und unsere „Ankerwatch“ ist an. Ganze Nacht wilder Seegang und Lärm von heftigen Donnerschlägen nach taghellen Blitzen, riesengroß über den ganzen Himmel. Starkregen prasselt aufs Schiff, es braust und schlägt am Bug. Um 5 Uhr hört das Brummen in den Zurrgurten am gelegten Mast auf, das Pfeifen wird stiller, Eos schweigt. Wurde ich bislang wie in einem zu schnell fahrenden Auto in die Matratze gepresst bei den schnellen Schiffsbewegungen,als wäre das Schiff in voller (Segel)fahrt, kiann ich nun auf der Seite liegen und sogar das Luk öffnen. Stille. Wir sehen uns an und können es kaum glauben. Nach vollen 36 Stunden Starkwind am Anker RUHE. Um 6 stehn wir auf, kleines Frühstück, violett-anthrazitgrau der Himmel hinter uns, wir wollen hier weg!! Um 6.45 Anker auf und Richtung Stadt Golubac und Katarakt. Doch dann verschwinden alle Windflügler in dicken Wolken und der 1. Regenschauer prasselt auf uns nieder. Blitze ringsum, auch in Rumänien drüben… Wir drehen ab und wllen das Gewitter im treibenden Schiff abwettern. Um 8.30 Uhr verbessert sich die Sicht und ich stuere zwischen die Felsenenge, beeindruckend die senkrecht neben uns aus dem Wasser aufragenden Naturfelsen unterm Kastell…

Dann ändert sich die Landschaft, landwirtschaftlich bearbeitete Flächen breiten sich am rumänischen Ufer über die sanften Hügel, Mais, Kartoffeln, Heumandeln auf hohen Stöcken auf sehr steilen Wiesen, von Wald umgeben. Wohl noch viel Hand-Arbeit mit Sensen und Rechen und gebundenen Garben auf den kleinen Getreidefeldern, Obstbäume, kleine Rebhänge. Am rechten serbischen Ufer senkrechte Felswände wie in den Pyrennäen! Unsere elektronische Seekarte am Tablet zeigt die Enge der Durchfahrten und die doch schmale befahrbare Fahrrinne,mal rechts mal links, mal in der Mitte…Mal 10m, mal 62 m tief… DUNAREA steht da, wie das Segelboot von Micha und Vroni hieß(2011)! Wir fahren fast 60 km mit durchschnittlich 8,7 kmh im Strom. Wieder drohen dunkle Gewitterwolken am Himmel, so steuere ich um 13 Uhr die Stadt Donji Milanovac an! Am Anleger (altes Pontonschiff) hängt die Aida-riva. Gerhard erkennt kleine Pontons, ein neuer Hafen???? Nur 2 Schiffe, aber die Tiefe reicht aus, ein Mann hilft im Regen beim Anlegen. Gerhard holt mit dem kleinen Kärrele mit rädle Benzin, Wasser gibt’s an einem Brunnen überm Parkplatz. Und dann gehen wir ins Städtle, da regnet es schon, Es schüttet wie aus offnen Schleusen, 7 Stunden ohne Pause…Im Café Dionys schreiben wir Mails und Blog, die Straße wird zu einem braunen strömenden Fluß, die Randsteine überspült, die Autoreifen halb im Wasser… Fußgänger waten durch die Brühe, Schirme helfen nichts mehr. Wir staksen zu einer Taverne, essen Cebab und Raznici… Dann leiht sich Gh beim Wirt einen Schirm und „geht“ zurück zum Schiff, inzwischen hat sich ein Rinnsal in einen Sturzbach von 2 m Wassertiefe verwandelt. Rennend holt er mich, bringt mir Gummistiefel und Öljacke und 2 Schirme mit. Wir spurten zum Dorfende und durch strömenden Sand und wilde Wasser gelangen wir auf den Ponton. Die Nacht brüllt das vom Hang stürzende Wasser, das in den Bach fällt… Unheimlich das sich immer mehr steigernde Rauschen und Röhren. Naturgewalten. Wir hören, daß es in ganz Serbien so regnet. Am nächsten Morgen kann man wieder auf der Straße laufen… Keller werden ausgepumpt, die vielen vielen Rosen in den Gärtlein hängen triefnaß die wunderschönen Blüten… Die Kreuzfahrpassagiere laufen etwas ratlos herum, die Tischdecken und Stickereiblusen unter den Plastikplanen der fahrenden Händler finden wenig Absatz. Wir kaufen am Markt Gemüse. Am Ufer kocht heute ein Koch Serbische Bohnensuppe: ein tragbarer Holzofen mit Ofenrohr wird angeheizt, und dann köchelt die Suppe im 40 l-Kessel stundenlang. Es kommen 20 Motorboote, Regatta nennt sich dieses alljährliche internationale Treffen, alle kommen mit einem eignen Topf und bekommen Suppe geschöpft und Brot und Krautsalat. Nach dem Schmaus gibt’s einen Slobowitz! Sauber und picobello gespült in der Donau wird um 5 alles zum Auto gebracht, kein Müll, super! Leider regnet es schon wieder. Es ist schwülheiß, das Hemd klebt am Körper beim Stadtbummel, wir müssen die Suppe kosten, sie schmeckt köstlich!Fröhliches Gespräche an Bord der einfachen niedrigen kleinen Schiffe am Steg. Ein Erlebnis. Die Nachbarn kamen 6 Tage von Novi Sad!

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Zu neuen Ufern auf dem Weg zum Eisernen Tor

Die Flusskarte:Hier

Gerdi’s Bericht ab 27.Juli:

Begleiteten uns hinter Grocka und Mala Grokanske noch buschige grüne flache Ufer mit Sommerurlaubern, kleinen Fischerbooten, einfachen Häusern und Hütten, so finden sich nun auch neue Häuser mit roten Dächern, Terrassen mit Säulen und Steintreppen und Blumen in kleinen Gärten. Wir hatten nachts starkes Gewitter, tags viel Wind, Wellen und Gischtkämme, 9 kmh. Große Sandfrachter überholen uns, wohl 300 m lang! Dann tauchen Bastionen, Zinnen und schiefe Türme auf: die ehemalige Hauptstadt Serbiens: Smederevo (1427 wurde die imposante Festung fertig, knapp 30 J. später eroberten die Türken, die sie aufhalten sollte, die Stadt und besetzten sie 350 J. lang! Im 2.Weltkrieg stürzten die noch erhaltenen Mauern ein, als ein Munitionslager explodierte. Heute spielt man in den Ruinen Fußball und feiert Pop-Konzerte. Der berühmte Smederevska-Wein sei ausgezeichnet, unsrern aber (Jg.2013) mußten wir wegkippen, er war wie Essig.

27.Juli: Noch 1100 km bis zum Delta! Wir steuern am rechten Ufer in den Kanal von Kostolac. 4-5 m Wassertiefe, eng, Wasserlinsen und Schilf, vor uns ein Kohlekraftwerk…nicht romantisch! In der 1. rechtwinkligen Biegung kehre ich vorsichtig um und steuere im Kanal zurück zur Donau. Am Ufer hängt ein großer rostbrauner alter Sandfrachter. Gegen den Strom lege ich sanft an seiner Seite an, Gerhard befestigt mit Tauen und Spring die EOS. Wir klettern an Land und essen etwas Fisch mit kalten Kartoffeln+Zwiebelringen (!!) –dazu ein Jelen-Bier. Ein „Bicikl“Händler unterhält sich in Englisch mit uns, über Handelsprobleme, Schwarzgeld und Schule, die Tochter lernt Englisch und Italienisch! Sie wollen nach Wien, besser leben…

Mir bekommt der fritierte Fisch gar nicht. Wachliegen, um halbzwei wieder taghelle Blitze, Donnergrollen und scheppernde-prasselnder Regen.

Beim Anlegen muss man nehmen, was da ist (1000x750) Etwas breitbeinig wegen der Wellen (750x1000)

Anleger (1000x750)

28.Juli, gestern fast 40 km gefahren. Start um 9 Uhr früh, grau verhangen der Himmel, Wind, immer höher werden die Wellen und es ist Seegang wie am Bodensee. Die Donau weitet sich see-artig. Um 11 Uhr eröffnet sich der erste Blick auf die hohen Berge der Karpaten!  Der Wind brist auf, meer-iger Seegang, Gischt über Deck, Regen, 6 bft. Arbeit an der Pinne!! Gegen Mittag steuern wir die Ruinen der Festung RAM an.  Das Kastell wurde im 1. Jh. von den Römern erbaut und auf den Namen Armata getauft, zuletzt diente es den Türken als Bastion,2013 spendete die Türkei Scheinwerferbeleuchtung, sie ging nicht bei uns …Gegenüber die Theiß.

Das „Anlegen“ ist eine intelligente Kapitänsleistung, denn es gibt nur einen alten Fähreteil und an dem müssen wir quer zum Strom anlegen. Das kleine fest an ihm hängende Schubschiff macht uns nur wenig Platz zum Festmachen. Ich befolge Ghs Kommandos, Vorwärts-Rückwärts-Schub kräftig nach vorn, Ruder legen achte auf unseren Mast! Der nähert sich bedenklich dem Fähreanker, der bösartig hoch über der Reling aufgestützt lehnt…Millimeterarbeit…Gh. klettert von der Eos, vorne schon ist ihr Bug fixiert, aber hinten muß er nun gegen die starke Strömung das Heck der EOS an den Fährekoloss heranziehen…Und es gelingt. Wir werden ein Flußschiffer-Team!! Das Fährelokal ist in einem Bau, der aussieht, als wäre es eine Kirche gewesen, hohe Rundfensterbögen mit griechisch anmutenden Ziergiebeln drüber. Bei einem Turkish Kaffee senden wir mit wackligem Internet Mails und Bilder zum Blog (Belgrad). Wir gehen hügelan zum Dorf, die Häuser einfach(im Gegensatz zu dem monströsen Palazzo am Anleger!),finden den kleinen blitzsauberen Lebensmittelladen von der hübschen Marina(sie lacht, als ich ihr spontan den 60 Jahre alten Schlager vorsinge!) Ihr Schatz ist auf Urlaub, arbeitet in Wien. Es gibt das letzte Weißbrot, eine gute angeräucherte dünne Salami und Milch.Im Kastell Bauarbeiten, Wildnis, wunderbare bunte Blümle für den Strauß an Bord. Schafe mit Hirt weiden am Straßenhang. Ich röste Brotwürfel in der großen Pfanne, frischen Rosmarin und Salbei, Knoblauch dazu und mageren Bauchspeck (Budapest!), Wela-Brühe- fertig ist eine köstliche Brotsuppe. Nachts knarzen die Taue im Strom, die EOS stöhnt und die grünen Spanngurte brummen tierisch im Wind.

Dienstag,29.Juli, RAM

Schon früh um 7 aufstehen, Kaffee im Stehen, dann konzentrieren wir uns auf das knifflige Ablegen im Strom! Der am Bug vorstehende Mast ist immer gefährdet… Leinen vorn verlängern, dann hinten von hand locker führen, Vorwärtsgang damit das Heck nicht auf das alte Schiff aufläuft… Staunende Fährpassagiere vor ihren paar Autos…Geschafft. Nur weg! Die Donau wieder breit und mächtig, viel Wind und Wellen, dann ein gesunkenes Wrack… Aufpassen! Um 9 Uhr passieren wir die Grenzlinie, an der Rumänien sich den Fluß  bei der Insel Calinovac(rumän.) mit Serbien in der Mitte teilt. In Rumänien wäre es jetzt 1 Std. später (OEZ)! Nun ändert sich die Landschaft, wie in einem neuen Film ziehen am linken grünen hügligen Ufer Berge vorbei, bewaldet, beweidet, weiter unten Felder mit Mais, Kartoffeln, Wein, die Hausdächer alle längs wie der Strom, wohl Straßendörfer, kein Giebel grüßt uns, aber die barocken dominanten Kirchtürme recken fast lieblich ihre grünlichen Zwiebelkuppeln ins Grün der landwirtschaftlichen Flächen. Die Berge und Wiesenhänge erinnern an die Alb, an Oberfranken, später an die Holledau und die Gäuboden-Ufer in Bayerns Süden. Schroffe Schluchten bei kleinen Flüssen, Steinbrüche. Ab jetzt nah an Rumänien funktioniert erstmals unsere digitale Flußkarte am Tablet wieder, die in Serbien nicht zur Verfügung stand. Wir versuchen auszuklarieren in Veliko Gradiste, aber man schickt uns weiter.(km 1059)…

Und dann der große Moment: braunfelsig und senkrecht recken sich die hohen Felsen aus der Donau und bilden eine gespenstische Schlucht hinter einem großen weiten Staubecken: Der Eingang zum früher berüchtigten schwierigsten 110 km langen Flußabschnitt durch die Schlucht:

Das Eiserne Tor! Unglaublich- mit Worten kaum zu beschreiben: eine Enge wie die Fjorde in Norwegen, Weltenburg ist klein dagegen. Davor die serbische Stadt Golubac. Anlegen nicht möglich, der kleine „Hafen“ flach und grün von Bewuchs, nix wie weg. Wir motoren gegen den Strom zurück, 6 kmh statt 9. Vorsichtig steuere ich zwischen Untiefen und Insel, hier war mal die Heimat von 20000 Menschen, deren Dörfer samt Kirchturm versank im künstlich geschaffenen Staubecken. 40 m höher erbaute man neue Dörfer… Böiger Wind, wir versuchen in Abdeckung einer Sandinsel zu ankern, erst nah an den Seerosen weniger als 8m. Wir sind begeistert, ja sprachlos: auf kleinen teichähnlichen Buchten stehen Wasservögel, ein Graureiher erhebt sich schwerfällig wie in Zeitlupe und breitet sein mächtiges Gefieder mit wohl 2m Flügelspannweite aus… silbrig weiße Reiher staksen zwischen Seerosenblättern, Seemöven grüßen uns mit ihrem Ruf, braune Seevögel fliegen auf, Enten fliegen in Keilformation davon… Bei uns wäre das ein Naturreservat… Fast wagen wir nicht, den Anker auf 5m WT zu senken, überwältigt von der Naturschönheit. Über die Schilfinseln sieht man in die gischtweiße rumänische Flußseite… Ein Traum die hohen Berge davor, auf ihrem Kamm silbern die mächtigen ca. 15 himmelragenden riesigen Windflügler!!

Ein knackiger Krautsalat holt uns kurz aus der romantischen Stimmung. Ein Bad am Heck und ….:-) Das Leben ist so schön.

Vom Schiff aus blicken wir über die raschelnden Schilfhalme auf die senkrecht aus dem Stausee ragenden Felsen der Schlucht und die im 14. Jh. auf römischen Ruinen errichteten Burg nah der nach dem Stauseebau neu erbauten Stadt Golubac(die nun 40 m weniger hoch aus dem Donauwasser ragt). Auch diese Burg wurde 1428 von den Türken erobert für 250 Jahre.  Dahinter die nur 150 m schmale Enge mit den schroffen Felsen, wie ein Fjord in Norwegen…

Die früher gefährlichste Flußstrecke von 110 km ist nun mit meist 30 m WT weniger dramatisch für die Schiffer, aber es wird für uns ein großes Abenteuer, mit dem eigenen 10m-Boot hindurch zu steuern.  4 Strom-Engen werden passiert, vor dem eigentlichen Eisernen Tor breitet sich die DONAU zu dem weiten Becken von Orsova aus! Auf beiden Seiten ist ein Nationalpark, 100 km weit!

(PS: Wir hatten 36 Std. durchstehend Starkwind 7-8 (Meteo Romania) und es war eine Schaukelei wie am Meer, daß unser Anker das Schiff sicher am Platz hielt im Strom grenzt an ein Wunder, kaum Zug auf der Kette… ich schreib darüber einen extra Blog.

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In Ram, nach windiger Überfahrt

Die Flusskarte: Klick

Seit die Save ihr Wasser der Donau zur Verfügung stellt wird sie noch mächtiger und breiter. Im Kanal von Costolac, eine Art Blinddarm der Donau gefällt es uns nicht. Kein Anleger, aber eine Powerstation. So belegen wir an einem alten Frachter vor dem Kanal. Wir müssen nehmen, was kommt. Zu Abend essen wir im benachbarten Lokal, natürlich Fisch. Ist aber aus der Fritöse. Der Kartoffelsalat ist kalt. Aber alles liebenswert angerichtet und serviert. Nachts wieder das übliche Gewitter.

Wieder Fisch... (1000x750)
Wieder Fisch

Anderntags weiter. Es macht sich der Stau vom Kraftwerk „Eisernes Tor 1“ bemerkbar. Die Donau wird zum See. Am Horizont zeigen sich die Karpaten. Aber rechts zeigt der Himmel Regen an und der kommt nicht ohne Wind. Gerade da, wo die Donau zum See wird. Im Fernglas ist Gischt zu sehen. Das Lee der Insel Cibuklija bei km 1081 böte Schutz zum Ankern. Aber u.U müssen wir da den ganzen Tag bleiben. Also weite nach Ram, einem kleinen Dorf am Seeende. Gischt fliegt übers ganze Schiff. Ist aber angenehm warm. Wie verhält sich der Mast bei dem Auf und ab? Er ist eisenfest gezurrt und bewegt sich kein bisschen. Gute Arbeit Reiner! Ich schätze den Wind auf 7 Bft. Eos kommt nur mehr mit 3,5 km/h voran, statt mit 8 oder 9. In Ram, in Windabdeckung rührt sich fast kein Lüfttchen mehr. Der angekündigte Anleger ist nicht mehr da. Dafür eine alte kleine Fähre, die liegt aber quer zum Strom. Längseits anfahren geht nicht. Wir würden sofort abgetrieben. Also fahren wir quer au und verholen in aufwendiger Arbeit mit Tauen und Motor quer. Das dauert fast eine Stunde. Fertig. Gerdi macht Brotsuppe und der Himmel grummelt schon wieder.

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Unser Ankerplatz bei Stromkilometer 1128

 

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Zuerst wollten wir hinter der 3 km langen Insel Grokanska ankern, aber die Donau ist hier bis nahe ans Ufer 8 m tief. Falls sich der Anker unten verhakt, könnte ich ihn durch Tauchen nicht mehr befreien. Also wechseln wir zur linken Flusseite und finden auf 4 m Tiefe am unteren Spitz der Insel Mala Grocanska bei km 1128 guten Grund. Dann schweigt der Motor. Noch ein Eintrag ins Logbuch: 41 km gefahren, Durchschnitt 9,1 km/h. Der Strom hat mitgeholfen. Ein kurzer Fahrtag heute. Gerdi trägt ein, was sich sonst noch ereignet hat.

Unser Ankerplatz bei km 1128 (1000x750)
Der Ankerplatz

Am linken Ufer dichter Laubwald, am rechten Ufer auch. Dort zieht sich der Wald die Hügel hoch, unterbrochen von Obstgärten und Rebflächen. Auf einem der grünen Hügel thront ober ein Haus mit spitzem Dach und an allen Sichtseiten Giebeln. Ein wunderbarer Wohnort.

Das Haus auf dem Logenplatz (750x1000)
Das Haus

 Unser Blick reicht einige km stromab bis zur nächsten Biegung. Ab und zu erscheint als Punkt ein Schiff, das dann unendlich langsam größer wird. Irgendwann hört man das gleichmäßige Tuckern der Maschine. Man meint, das Schiff käme nur im Schrittempo gegen den Strom  vorwärts. Flussfahrer brauchen viel Geduld, wenn sie zu Berge fahren. Kommt ein Talfahrer vorbei, dann wirkt das leichtfüßig und während der Bergfahrer sich noch an uns vorbeischiebt verschwindet der andere schon an der Biegung.

Wir steigen ins warme Donauwasser. Ein Fender am Seil sichert uns. Wir ankern ja im Strom und es erfordert viel Kraft, dagegen anzuschwimmen.

Gerdi macht Schaschlik und ich bereite den Grill am Heck vor.

Spießle drauf, herlich (1000x750)

 Wir möchten vor 20 Uhr essen, denn dann kommen die Schnaken und dann endet die Freude. Drinnen essen ist auch nicht angenehm. Es speichert sich dort die Tageshitze (über 30°C). Gut schmecken die Spieße und der Tomaten- und Gurkensalat auch und das Jelen- Bier rundet alles ab. Das Moskitozelt über der Plicht schützt uns fast vollkommen. Draußen schwirren die Insekten. Ein Licht an der Seite macht uns für andere Flussfahrer erkenntlich. Natürlich liegen wir außerhalb der Fahrrinne. Um 22.30 hat der Schnakenspuk ein Ende. Ich baue das Netz ab und wir haben eine friedliche Nacht vor uns. Bis mich Gerdi um 3 Uhr auf ein nahendes Gewitter aufmerksam macht. Das setzt dann auch mit viel Wind, Regen und Getöse ein. Die Frachter fahren unbeeindruckt weiter. Nur ihre Lichter, sind zu sehen. Rot oder grün und vorne 3 weiße für Verbände oder eines für Einzelfahrer. Das Gewitter kommt in Schüben. Als der Tag anbricht können wir die Regenfronten als weiße Wände auf uns zukommen sehen. Es wird wohl ein Regentag werden. Um 8 Uhr donnert und regnet es immer noch. Lustig: Eos richtet sich nach dem viel kräftigeren Strom aus und nicht nach dem Wind.

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