Etwas wehmütig ist die Fahrt vom schönen Ankerplatz neben dem Hafen von Bozburun mit dem Schiff… Noch einmal lassen wir diese buchten- und bergreiche Gegend an uns vorbeiziehen …
Eigentlich wollten wir EOS in Kas(sprich „kasch“) in die Werft geben, aber die Fachkunde, gelungene Decksarbeit , die Freundlichkeit der Handwerker und Bootsbauer und natürlich auch der Preis haben uns bewogen, hier zu überwintern.
Abenteuerlich war das „an Land ziehen“ schon und es ging auch nicht ohne Kratzer am Rumpf ab. Aber schließlich war EOS aus dem Wasser und der Mast gelegt. Gerdi hatte für Dienstag einen Flug gebucht und der Werftbesitzer fuhr uns am Montag im alten Mercedes auf der berg- und buchtenreichen Küstenstraße nach Marmaris. Eine wirklich schöne Gegend mit Berg, Fels, grünen Pinienwäldern und Wasser. Schaut von oben noch schöner aus als vom Meer aus. Zum Motel am Flugplatz gehts dann mit Dolmusch (Kleinbus) weiter. Eine kurze Nacht an Land schlafen, sogar ein beleuchteter Pool lädt zum Schwimmen ein, kalt! Gerdis Flug um 8 und ich im Dolmus zurück und Bootszubehör in Marmaris einkaufen. Bus zur Werft. Und am Nachmittag schon bin ich alleine an Bord in der Halle. Ungewohnte Ruhe, kein Gespräch. Es hämmert und kratzt an Deck. EOS im Operationssaal. Mehmet entfernt die alte Haut mit grobem Werkzeug. Nicht angenehm, das zu sehen. Holzbruch an Deck, Schrauben ragen heraus. Würdelos. Man muss schon an die Zukunft denken, wenn das neue, helle Teak-Deck aufgezogen wird und sich die die gewonnene Schönheit erahnen lässt.
Die Umgebung füllt sich mit großen lackglänzenden Holz-Gulets. Viele davon sehen auf den ersten Blick edel und gepflegt aus, aus der Nähe aber zeigt sich Rott und Rost am Unterwasserschiff oder Brandspuren an Gräting oder Cockpit. Nebenan in einer riesigen Halle entsteht derzeit das größte hölzerne Segelschiff der Welt, 158m lang, für einen Eigner aus der Ukraine. Zwei weitere große Segler entstehen ebenfalls für Eigner der russischen Föderation. Ein Bootsbauer dieser Werft zeigt mir diese Schönheiten. Erstklassige Holzarbeiten, allerbeste Materialien, die Werft sauber wie eine Automobilfabrik. 12 Mio hat allein die Halle gekostet. Der Bootsbauer nimmt sich viel Zeit und erklärt mir die Qualitäten der Edelhölzer. Mit Nail, der sich um EOS kümmert, vereinbaren wir, dass er die Hölzer in dieser Werft und nicht in Istanbul kauft. Der Bootsbau dieser exklusiven Segelyachten hier hat nur einen Haken: Die politischen Wirren verhindern die Bezahlung und so ruht die Arbeit zum Teil. Diesen Luxus in Vollendung bezahlen die bettelarmen Leute. Da ballt sich die Faust von selbst.
So kehre ich zum fröhlichen Hämmern und Splittern auf die gemütliche und bezahlte EOS zurück. Auch die Handwerksarbeit wird von uns bezahlt: 50% in bar beim Beginn der Arbeit, der Rest nach Fertigstellung. Deutsche Sitte.
Bozburun. Eos bekommt ein neues Teakdeck! Der Vertrag ist unterschrieben, am 20. Okt. wird ein Trailer ins Meer geschoben, die EOS darauf „gesetzt“ und an Land gehievt. Aus Marmaris kam ein Autokran und legte den Mast. Dann schob ein riesiger Bagger die Eos (auf ihren untergeschobenen Rädern) in die luftige Werkhalle. Hier kann der Skipper auch noch am Boot wohnen und einige Reparaturen an Bimini, Wasserleitungen, Beschlägen und Klampen vornehmen. Nachts ist er aber nicht „ganz“ allein: viele Hühner+Gockel jeden Alters rennen rum, 3 Hunde mit Hütte gibt’s und Katzen, auch junge. Der Ausblick ist atemberaubend.
Im Meer der Trailer
Bootshalle f. EOS und GerhardDa wartet ein Gulet aufs RausziehenGeschafft!Mobiler Autokran zum MastlegenMast mit Roll-FockEr begann sofort mit der Demontage an Deck!!
Rucksack schon 2 Tg. vorher gepackt
Mein Rucksack war schon in der letzten sehr windreichen Nacht vor Anker gepackt. Bissige Böen zerrten wieder am Anker, das Ratatouille mit Reis war ein Adieu-Menü. Ich bekam noch einen Platz im Flieger Dalaman-Istanbul u. von da nach Friedrichshafen(an Bord auch die Gulet-Crew mit Jan :-). Gerhard fuhr mit mir im Dolmus-Bus nach Marmaris, nach Dalaman, mit dem Taxi zu einem kleinen Motel, sogar mit Pool. Mini-Frühstück um halbsechs früh, kühl im Freien. Abschied am Airport um 7.30… Er nach Marmaris zum Einkaufen Bootszubehör, ich nach Norden. Beste Sicht auf diese paradiesischen Buchten, in Istanbul unsere Brücken und danach die Donau! Um 3 war ich daheim.
Mitte Juli bis Mitte Oktober 2014: Es war ein gutesVierteljahr für mich, voller tiefer Eindrücke von vielen wechselnden Landschaften, mit herzlichen einfachen Menschen, den fröhlichen Ungarn, den bescheidenen Serben in all ihren noch misslichen Lebensumständen, schlechten Wohnungen, rostigen Autos, den selbstbewußten kleinen Unternehmerinnen in den Läden, den naturverbundenen Rumänen– nie klagend, nur freundlich und hilfsbereit. Das Donaudelta mit den unbeschreiblichen stillen Tagen im Schilf, das rauscht, mit den Seerosen, Reihern und Kranichen…. Die Begegnungen mit den Fischern, die heranruderten, wenn die EOS im Strom festgekrallt lag …die 2 großen lebendigen Hechte, der große weiße Wels…Der Forstmann Georghe, der meine diatonische Mundharmonika als Geschenk erhielt. Die streng-gläubigen russisch-orthodoxen Lipowaner, blaue Augen, blondes Haar, in ihren kleinen schmucken himmelblauen Häuslein, Blumen drum herum, viele Kinder. Die üppig mit Gold bedeckten russisch-orthodoxen Kuppelkirchen, die Frauen mit leuchtend rotem Rosenmuster auf den russischen Kopftüchern, die Männer mit langem, weißem Karohemd und Gebetskordel um die Taille, die von 3 Männern gesungene Andacht in der Gebetsstunde im Schein der kleinen Öl-Lampen in den Hängeampeln. Die Zigeuner mit ihren kohlschwarzen Pferden, in deren Schweif rote Satinbänder eingeflochten waren, die Brotbacköfen in den Gärten neben den niedrig hingeduckten winzigen Häusern, Kinder davor, barfuß alle, nie haben sie Schule, immer frei. Pferdekarren mit Schrott oder tonnenschweren Wassermelonen.
Wir haben 100 Tage auf unsrer kleinen EOS gelebt, zu zweit auf nur außen 10 m und max. 5 m innen. So lange, wie schon 5x früher mit unsren 2 und später 3 kleinen Kindern auf der Adria mit dem 8m-Stahl-Schiff „Marion“, 1983-90.
EOS, die Halberg-Rassy Mistral 33, Baujahr 1974 in Schweden, ist unser Heim-auf-Zeit seit 2006. Vor 40 J. begann ich mit dem Segeln! Jetzt ist das Schiff 40 Jahre alt. Und dieser Törn ist schon der 4. mit ihr! Wenn wir so einfach leben, alles gemeinsam machen, die Aufgaben verteilen, die stillen Abende nach dem Essen- mit einem Glas Wein und ein paar Pistazien und meinen Abendliedern auf der Flöte… dann glaubt man oft, in der Stille, das läßt sich nicht überbieten an Ruhe und Sorglosigkeit. Tobt aber der Sturm und reißt höllisch am Anker, Tag und Nacht, oder wie in Foca(„Fodscha“) gleich 3 Nächte mit Getöse und Gerassel, dann heißt es Geduld haben, Angst überwinden, beten, sich gegenseitig Kraft geben, vertrauen, nicht zagen und jammern, sondern den Naturgewalten trotzen und gewissenhaft tun, was nötig ist, auch bei einer einsamen Nachtfahrt zwischen Rumänien und Bulgarien… wenn man 4 Stunden da draußen sitzt im Ölzeug, mit Schwimmweste und eingehakter Lifeline, und der Partner schläft bis zum Ruderwechsel früh um 2 oder 3 Uhr in finsterer Nacht, …aber zur Kartenarbeit und GPS-Prüfung muß er immer wieder aufstehn…. Man muß sich vollkommen auf den andren verlassen. Ist kein andrer da- und weglaufen geht nicht.
Drei zauber-hafte Vollmonde haben wir erlebt, dieses Licht am Sternenhimmel, der so unbeschreiblich viele Sterne funkeln läßt, daß man den Atem anhält vor all der Schönheit…
Gott bewahrte uns erneut vor Unfall und Havarie, nicht aber vor Gefahren. Die mußten wir schon meistern! Doch Seegang und Windgebraus, störrische Segel-Reff-Manöver in Sturmgeheul und Nachtgewühl am umtosten Meer, auch ein 3-cm-Tau in der Schiffsschraube(!) haben wir überstanden- mit Gottes Hilfe und der nötigen Zuversicht. Unsere Kinder freuten sich über unsere Berichte und die Fotos im Blog, wenn auch diese „Hausaufgaben“ oft mit viel Zeitaufwand und auch Ärger verbunden waren (Internet war oft eine sehr „brüchige“ Verbindung) .
Foto anklicken, dann wird’s groß, danach auf „zurück-Pfeil“
Nun blicken wir zurück auf unvergessliche Erlebnisse, 4200 km, davon 2550 km auf der Donau, diesem großen erhabenen Fluß Europas(mit 2-3 m mehr Wasser wegen der Hochwasserlage,die Bäume waren im Wasser fast verschwunden, Inseln auch), dann ab dem Schwarzen Meer noch über 1600 km Segeln am Meer…die windreichen Tage hinter Nessebar, im Bosporus, bei Istanbul und nördlich von Samos und Cesme/Izmir…
Nun aber wurden wir auch belohnt mit den 2 Wochen schönem Segeln zwischen Gözek und Bozburun in herrlich blauen Buchten, die wohl die krönende Bezeichnung „PARADIES“ verdient haben. Manchmal sitze ich im Cockpit, habe die Bibel auf dem Schoß, lese einen Psalm und singe vor mich hin: „Gute Nacht, Kameraden, bewahrt euch diesen Tag,..“ Oder „Nun danket alle Gott“ und „Großer Gott, wir loben dich“. Und es steigt aus tiefem Herzen empor… denn wir beide wissen, daß es ein Geschenk von oben ist, die Nähe auszuhalten, diese wundervollen Morgen am Boot zu erleben, die Sternenfülle am tiefschwarzen geheimnisvollen Nachthimmel auf dem offenen Meer zu erblicken, die gewaltige Bewegung des Meers zu fühlen und auch auszuhalten, das Schiff in seiner Kraft und Fähigkeit zu bestaunen, das mit Wellen und Wind diese Fahrten möglich macht zu neuen Gestaden, zu fremden Inseln, zu Völkern so verschiedener Sprache und Glaubensrichtungen. Wir fühlten uns beschenkt, wie schon 2009+10+11… zwischen Rhein+Rhône, Sardinien, Sizilien, Italien, Albanien, Griechenland, Troja und Türkei. Wir sind voller Dankbarkeit und auch froh, daß wir uns „aushalten“- demütig und frei, in aller Angewiesenheit auf solch einem Segeltörn über Monate.
Schon denkt man an Weihnachten, und es ist schon nah. Die Quitten warten aufs Marmeladekochen. Der ÖDP-Parteitag rückt näher. Das Gospelkonzert in Langenargen, das Kirchenchor-Singen beim Festkonzert am 14. Dezember. Vorher aber mal wieder unsre Kinder treffen, Erika nach 7 Monaten auf Klettertour mit dem VW-Bus von Spanien bis zum Nordlicht der Lofoten….Jojo+P. mit dem Bike rund Kreta, Martin+L. mit dem neuen Lastenfahrrad von Dijon zum Bodensee und nach Venedig. Wir sind wieder neugierig auf daheim. Und doch erwärmt uns auch schon die Vorfreude auf den 2.Teil der Segelreise, Mai 2015 bis in den November?
„Hast du nie Angst?“ fragen mich manche. Doch…Dazu lese ich im Logbuch Gedanken wie diese:
Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird kommen?
Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vor hat.
Auch ist mir der Psalm 31 gegenwärtig:
Seid stark und mutig,alle, die ihr eure Hoffnung auf den Herrn setzt.
Warum macht ihr das denn schon wieder? auch so eine Frage…
„Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst,
sondern wenn du es ausprobierst“
Beim Segeln habe ich einen Wahlspruch geschätzt:
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, das eine vom andren zu unterscheiden.
Das gilt auch für unsere EHE. Seit 33 Jahren.
So planen wir voll Vertrauen den nächsten Törn, wie seit 1983!
Wandern über die felsigen Hügel hinter Bozburun /Felsenhafen(2)
Gerdi, am 17. Okt.14
Wenig Wind. Wir lassen die Eos vor Anker schwojen, tuckern mit dem Schlauchboot in den nahen Hafen und wandern gemütlich hinterm Dorf hoch in die Hügel. Nachts war ein großes Segelboot gekommen, das die Polizei aufgegriffen hat beim Versuch, 50 Emigranten aus Syrien zur griechischen Insel Simi zu schmuggeln… Der Bug beschädigt, das Holz der Planken zerschunden…in 5 kleinen Bussen wurden die Enttäuschten abtransportiert… Noch stehen Polizisten in Uniform mit Waffe am Hafen. Wir wandern hinters Dorf und freuen uns am sonnigen Morgen! In Deutschland kehrt der Herbst ein und hier hängen die prallen Früchte reif am Baum: Zitronen, Orangen, blaue und grüne Oliven, rotbackige Granatäpfel, süße Weintrauben in grün-rosé und blau… Der Blick schweift weit über die zackigen Felsgipfel und über die blaue Meeresbucht . Kein Fuß-Gänger, nur Mopeds und Roller. Ein Widder mit gedrehten Hörnern bockt, stolze bunte Gockel krähen (das hör ich soo gern am Morgen, noch bevor der Muezzin sein Lied in alle Täler und Gassen singt. Disteln und grüne Kohlblätter genügen den Ziegen, dunkelgrüne Steineichen säumen die Straße nach nirgendwo. Und dann erheben sich fast senkrecht die Felswände neben uns, bizarr steigen sie direkt aus dem blauen Meer! Kleine Fischerboote tauchen auf, mit handgeknüpften Teppichen wird das Holz an Deck abgedeckt.
Ein kleiner Schutzhafen, Naturfels, Steine, Beton- und davor dieses unbeschreibliche Meer so blau! In der Schlucht tapfere Büsche und unten in Felsnischen die untergestellten staubigen Motorräder der Fischer… Der Rückweg wieder mit ganz neuen Ausblicken. Was für ein schöner Ausklang für unseren Segeltörn. Die EOS hat einen pittoresken Platz zum Überwintern, die Werft liegt in einer anderen ebenso schönen Felsenbucht, 8 km mit dem Fahrrad… Wenn das alte Teakdeck abgerissen wird, will Gerhard noch 2-3 Wochen am Boot wohnen und einige Arbeiten erledigen- und ein Auge auf die Bootsbauer und Schreiner werfen…
Am Abend hole ich frisches Rindfleisch beim Metzger, bei dem die Tierkörper an Haken sichtbar im Schaufenster hängen…Gerhard darf wählen: Fleisch-Soße Bolognese+Nudeln oder Fleischküchle türkisch (Köfte)mit griechischem Tomatensalat und Kartoffeln. Der Strom wird schwach, also speisen wir romantisch beim gelben Schein der Petroleum-Lampe. Als Dessert gibt’s rote Wassermelone und süßes Halva natur. Tipp fürs Foto-Album v. Flickr:
Wenn ihr mit dem Cursor auf ein Foto wandert, könnt ihr die Bild-Unterschrift lesen!
Heute ist noch Starkwind 5-6 angesagt. Nach dem Frühstück am Ankerplatz bringt uns die kleine „micro eos“ ins Dorf. Wir lassen das türkische Telefon mit 4 MB aufladen und wandern hinaus aus dem Tal in die Berge. Dornig, distelig, staubig. Aber die Olivenbäume tragen schöne Früchte, die Ernte beginnt. Wir folgen der Straße Richtung Nordost, nach Selimiye. Fast allein sind wir, nur einige VW-Transporter und Pritschenwagen mit Gemüse sind unterwegs in die abgelegenen kleinen Bergdörfer. Schafe, Hammel, ein Esel, Ziegen mit gedrehten Hörnern und lustigen Ziegenbärten. In den Dörfern erstaunlich „stattliche „ große Häuser, alle Balkon- u. Treppengeländer aus makellosem glänzendem Edelstahl, flotte neue Autos unter ordentlichen Schattenmarkisen, überall wird angebaut, Wand gemalt, Zaun befestigt und zementiert an den Hauseingängen. Fast wie ein Puppenhaus wirkt da ein aus alter Zeit noch übriges, nicht verändertes kleines Natursteinhaus, vor dem eine Oma ihre Wäsche einweicht. Katzenkinder drängen sich um ihre Beine, das Kopftuch schützt vor der noch sommerlichen Hitze. Leuchtend magenta-rot blühen üppig Geranien, reife Granatäpfel hängen schwer an den müden Ästen. Im Schatten einiger Ölbäume setzen wir uns auf Felsen, beäugt von Schafbock und 2 Schafen. Ein Dorfbewohner spendet uns frisches Brunnenwasser, dann treten wir den Rückweg an, immer diese Berge im Blick, die mich manchmal an das Paschtunenland im Norden Afghanistans erinnern. Unvorstellbar, mit welcher Mühe die früheren Generationen in dieser steilen Felslandschaft diese Terrassen geebnet und von Steinen befreit haben, um Brotgetreide anzubauen. Gesättigt von den wunderbaren Ausblicken erreichen wir das Tal. Ich will nicht in ein Restaurant… der Wind frischte bereits kräftig auf, man wird sicher nass im Schlauchboot… So kaufe ich Auberginen, Zucchini, Tomaten und Paprika für ein Ratatouille in der Pfanne. Gerhard entdeckt den guten Wein „Angora“ aus dem Anbaugebiet um Bodrum. Wir werden im Cockpit sitzen und auf den Wind warten. Morgen soll er mit 6 Beaufort blasen… Am Montag soll die EOS in der Werft sein und mit dem Traktor aus dem Wasser gezogen werden, da wird er abflauen… Abends müssen wir nach Marmaris. 1 Nacht im Hotel in Dalaman. Früh um 8.35 Uhr startet mein Flieger, mit der Gulet-Crew und Jan, mit dem wir schon 2x Ende Oktober hier im Gulet die herrlichen Buchten besuchten…
Die Bilder:Klick (immer auf dieses Wort klicken, dann kommen die Fotos von selber)
Seit 7.Oktober hatten wir beschauliche Ankertage, frei schwojend in der Bucht vor einem ruhigen Dorf, weit weg vom dazugehörigen kleinen engen Hafen, in dem täglich neue Mietyachten einlaufen und nach Strom, Wasser, Restaurant, Läden, Souvenirs und Wein verlangen…Mal 12 gleiche Nelson-Orange.Fock.Yachten in 1 Stunde…wer die 50 Lire nicht berappen will, bleibt „draußen“ in der runden Bucht- und das sind nicht wenige. Hier kreisen auch mal „besondere“ Segelschiffe um ihre Anker, solche mit Rettungsinsel, 2-4 Solarzellen, Windräder f.d. Generatoren an Bord für die Stromerzeugung, mit alten Schlauchbooten, die Sonnenschutz-Mäntel haben und mit Fahnen, die nicht USA (Delaware-aus Steuerflucht-Gründen) zeigen, sondern England, Schweden, Dänemark, Südafrika, Schweiz oder Neuseeland. Heute dankte ein Ehepaar aus Bremen für mein Abendlieder-Ständchen auf der Flöte. Die haben ihre weiße Yacht schon vom Mittelmeer durch Rhône, Mainkanal usw. bis nach Bremen gebracht und vor 2 Jahren durch die Donau und hierher an die südliche Küste der Türkei. Große Gelassenheit strahlen diese Paare aus, sie leben am Boot- für Monate… anders als die Hektik der Hanseaten-Familien, die nun mit Kind und Kegel hier schnell mal für 8 Tage eine 53-Fuß-Yacht mieten und die Herbstferien hier verbringen. Die Jungs röhren in jeder Bucht sofort mit den Schlauchbooten los und jagen sich in Wettrennen…
Nachdem wir hier drei Tage die Ruhe genossen, haben wir bei einigen Besuchen bei der Werft am Ende der Bucht die Fertigung eines neuen Teakdecks bestellt (samt Auswassern, sauber abstrahlen,Auto-Kran zum Mastlegen in Marmaris bestellen, Halle zum Abbruch des alten Decks mieten, Verkleben der alten Schraubenlöcher, Aufbringen eines Sperrholzdecks, Draufkleben der Zucht-Teakholz-Leisten usw.(kein Regenwaldbaum muß sterben!!), Winterlager, Maststellen…).
Am 11. Oktober zieht es uns aber doch hinaus aufs Meer! Um 9 Uhr früh hievt die (seit heuer elektr.) Winsch unseren tapferen 24 kg-Anker hoch, ein letzter Besuch bei der Schiffswerft. Dann ist es endlich wieder soweit: wir setzen die Segel. Blau das Meer, drüben die Berge blaugrau im Morgenlicht, wie hintereinander geschlichtete Stoffkulissen… Zauberhaft faßt der leichte Wind in unsere Genua und schon rauschen wir hinaus auf die leicht gewellte blaue Pracht. Im Logbuch notiert Gerhard kurz „Fahrt nach Sicht, Genua/Groß „Lust-segeln“!
Mit wenigen Wendemanövern nähern wir uns dem ersten Kap. Immer wieder überraschend, wie der Wind der Küstenlinie folgt, man schnell die Segelstellung ändern oder den Kurs wechseln muß. Friedlich segeln wir entlang der felsigen Küste, einige „Brocken“ liegen im Meer, aufgepaßt! Dann gegen 14 Uhr rum ums 2. Kap, Kap Karaburun. Zwischen 75 und 150 m Wassertiefe… Wir steuern die traumhaft geformte Bucht BOZUK BÜKÜ an, Ziel vieler Yachten. Ganz am Ende der von hohen Bergen gesäumten Bucht fällt unser Anker auf 6 m. 20 Seemeilen Tagesetappe, insgesamt aber sind wir ab Sulina, wo die Donau mündet ins schwarze Meer, doch schon 880 km gesegelt. Also 2550 km Fluß +1680km am Meer! Das sind knappe 4200 km …
Traumhaft die Kulisse, einfach unbeschreiblich schön. Fast lautlos, um uns die steilen Berge, als wäre man nach einer 5 Stunden-Bergtour in den Dolomiten kurz vorm Gipfel.
Bucht-Erlebnis: Spaghetti mit Käfer!
Bozuk Bükü, Traumbucht. Die Dünung rollt herein vom Meer und es wird recht schaukelig: also keine Pfannkuchen heute. Gerhard freut sich auf Spaghetti, läßt die in Varna/Bulgarien bei Kaufland gekauften Nudeln ins kochende Wasser gleiten, reibt Parmesan. Als ich den Teller voll häufe, frage ich ob da Pfeffer aus der Mühle drauf ist. Nein. Oh oh, dann…. Dann sind das 5, 10, 30 Getreidekäfer oder was diese 3mm-Tierlein sind, 6 Beine, hart wie Ameisen. Nach dem kurzen Mahl verschwinde ich in der Kajüte, klappe das Steuerbordbett hoch und räume dieses einzige Vorratsfach total leer. Nudeln, Linsen, Couscous, Pinienkerne,Graupen, Kaffee, Glasnudeln, Pürree, Basmatireis, Pilav-Reis, alles muß raus. Dann auswischen, alle 3 neuen türkischen Nudelpäckle inspizieren- nur in dem 2. Kaufland-paket war Tierbesuch… Alles wieder rein, Abenteuer überstanden.
Alles landet in Dosen. Die Nacht bleibt schaukelig. Am Morgen paddelt Gh. an Land und besteigt den kargen Felsberg. Um 11 Uhr kommt die SMS von Jan,der mit 9 Freunden wieder Gulet-Urlaub macht wie mit uns 2012+13. Sie kommen mit der Harnikarnaslim gerade ums Kap in die Bucht. Obwohl erst seit 1 Tag an Bord, sind alle begeistert vom bequemen Schiffsurlaub auf dem großen Holzsschiff. Wir werden zum Essen eingeladen, und die mit Käse überbackenen Auberginenscheiben mit Nudeln schmecken wie 2012 mit uns vorzüglich. Der „Angora“-Wein mundet auch- welch nette Überraschung.Herzliche Umarmung mit Käpt’n Nebil und Koch Shalach. Dann wieder märchenhaftes Schwimmen im türkisblauen glasklaren Meer, 24° hat es immer noch. Am Nachmittag verlegen wir die EOS zu dem mittleren Restaurant, bekommen eine Mooringleine am Steg und fahren mit
dem Schlauchboot rüber in die Nachbarbucht. Wir wandern hoch zu dem Kastell, das aus großen Felsquadern gebaut ist, laut Wikipedia 700 v.Chr.! Die Aussicht von hier oben läßt sich kaum mit Worten beschreiben, weit geht der Blick übers etwas dunstige Meer, nur 2 Kaps grenzen den Blick seitlich ein, und auf die anderen Seite der Landzunge aus schroffem hellem Fels erstreckt sich diese zauberhaft kobalt-blaue Bucht Bozuk Bükü, in die wohl alle Segelschiffe aus Marmaris herein kommen. Riesige Schiffe legen noch neben der EOS an, 4 jüngere Briten mit 53 Fuß-Boot, ein gigantischer von 50 Lichtern erhellter türkischer Katamaran, einige Sunsail-Mietschiffe, Bavarias. Der Wirt erwartet natürlich, daß man zum Abendessen kommt. Er hielt Gh. am Morgen für einen syrischen Flüchtling. Na, das wollen wir als Ehepaar schon klarstellenJ. Die 8 Vorspeisen sind lecker, Ezme (Chili-Zwiebel-Knoblauch-Petersilie), Auberginen in Mehlteig, mit Reis gefüllte Paprikaschoten, Couscous pikant, Knoblauch-Joghurt wie griech.Tzatziki,Nudelsalat,… Aber die Köfte (Lamm-Frikadellen) find ich dann nicht so gut wie meine eigenen, für die ich in Bozburun bei „unsrem“ Metzger (2010) leckeres frisches Lamm bekam. Neu aber sind ganz scharfe Salatblätter, die schmecken wie Radieschen oder Rettich, dunkelgrün. Die kaufte ich mir gleich nach unsrer Rückkehr im Laden. In der Biokiste hatte ich diese rundlichen gebuchteten Blätter mal, hieß es Rauke? Oder Barbarakraut?
Die 2. Nacht in der Zauberbucht sternklar, aber über der griechischen Insel Rhodos erhellen heftige Blitze die Nacht, rosa bis hagelgelb leuchten Gewitterwolken wie Türme auf, wir aber bleiben verschont von Kapriolen des Windes.
Nach einem köstlichen Morgen-Schwimmen gehen wir am Montag, den 13.Oktober Anker auf. Wohl unsere letzte Segeltour mit dem alten Deck. Gerhard gibt mir die Chance, unter seiner Anleitung mal mehrere Rückwärts-Anlege-Manöver unter Motor an die Boje zu üben. Die EOS fährt sehr eigensinnig rückwärts, also nicht „auf Befehl“ in einer Linie, sondern in doch etwas boshaften Schlingerkurven, die mir nicht geheuer sind, wenigstens in engen Häfen überlasse ich diese Manöver gern dem Kapitän und bleib vorn am Anker… Vorwärts bei den 2000 km Donau war ich aber fit, kein Problem beim Anlegen, auch im 4-6km-Strom und an abenteuerlichen Anlegestellen. Nun also „EOS rückwärts an die Boje“. Ich schaffe es wohl gar nicht mal so schlecht, denn Gh. zeigt mir auf dem GPS-Gerät später meine Fahrlinien, die doch ziemlich gut getroffen haben ohne allzu abenteuerlich „Ausschläge“. Ein gutes Gefühl…
Dann segeln wir mit leichtem Wind ums Kap. Ich leg mich sogar mal an Deck in die Sonne… UUUUURLAUB. Gegen 16 Uhr passieren wir unter Segeln die Werft. Da steht eine halbfertige 150m-Segelyacht im Bau, die ein „reicher“ (?) Ukrainer sich bauen lassen wollte- und nun kommt kein Geld mehr. Tückisch für eine kleine türkische Werft!!! Und gemein…
Wir legen für 1 Stunde im Hafen von Bozburun an, ein liebenswertes Städtle, dessen Muezzin mehrfach am Tag seine Sure vom Minarett in alle Richtungen schallen läßt, mit einem Echo von den Bergen, das fast 1 Sekunde verzögert zurück hallt- bei der Melodie dieser Rufe exotisch. Wir tanken Wasser, kaufen ein. Und schon sind wir (20 Lira trotzdem zu zahlen) wieder in der großen Ankerbucht, in der einige uns bekannte Boote immer noch liegen. Sternenhimmel, Wetterleuchten hinter den Bergen, Cumuluswolken. Wir grillen Lamm-Spießle und der mit jenen scharfen Blättern gewürzte Bauernsalat schmeckt köstlich, als Nachtisch gibt’s das süße türkische Sesam-Honig-Halva. Dann spiele ich auf der Flöte Abendlieder- schon etwas wehmütig, denn unser Segelulaub geht zu Ende: am 20.Oktober kommt die EOS in der Werft aus dem Wasser! Wir lassen es beschaulich ausklingen. Ich vermesse die eingerissene Persenning des Schlauchboots, räume die Körble schön ein mit T-Shirts, Shorts und Faserpelz für Mai 2015… Gerhard tuckert noch 1x zur Werft. Wenn ich einen Flug bekomme, werde ich wohl alleine heimkehren an den Bodensee, mit Turkish Airlines Dalaman-Istanbul und nach Friedrichshafen. Und mein Schatz ist wie soo oft am Geburtstag fern der Heimat, am Meer. Da ist es sogar im November noch 15-18°warm und die Handwerker arbeiten im T-Shirt.
Zauberhafte blaue Berge am Morgen des 11.Oktobers…Nähe Werft
Der 10. Oktober überraschte uns in unsrer so friedlichen Ankerbucht von Bozburun mit einem fast dramatisch schönen Regenbogen, der vom Gewitter kündete. Unser Wanderberg strahlte hell auf, die Guletparade strahlte im Abendlicht… Als es regnete, nahm Gerhard den Schirm als Dach über den Grill, um die Lammkoteletts zu braten 🙂
Am Samstagmorgen zogen wir nach 3 Tagen den Anker hoch, besuchten noch kurz die Schiffswerft, um unser Kommen für den Einbau des neuen Teakdecks zu organisieren. Dann segelten wir mit weißen vom Wind geblähten Segeln 5 Stunden über das „offne“ Meer hinüber zu unsrem südlichsten Punkt dieses Törns: Hinter das Kap südwestlich von Marmaris, und im Dunst zeigten sich zart die Umrisse der griechischen Insel RHODOS…
In einer felsigen Bucht, Bozuk Bükü, schaukelte die Eos in der Dünung…. Morgen wollen wir nach Ciftlik zu den 2 Busen-Bergen.