12. (2) Ohne Ruhm (1) und Rum (2) segeln wir nur so rum (3)- v.Gerh.

(1) Zu Ruhm kommen Gerdi und ich sicher nicht, wenn wir hier an der Südwestecke segeln. Viele tun das Gleiche. Die meisten mit erheblich größeren, modernen Schiffen. Sie lassen sich leichter manöverieren (besonders rückwärts) und bieten den Seglern mehr Raum und Komfort. Moderne Schiffe sind auch viel breiter. Vermutlich sind über die Hälfte aller Boote gechartert. Man erkennt das an den Wimpeln der Firmen unter der Saling.
Manche finden unser Schiff schön (wie wir auch). Gepflegte Nostalgie ist immer schön.
Eine kleine Besonderheit war unsere Fahrt auf der Donau letztes Jahr. Das machen wirklich nur wenige. Dafür könnten wir ein klein wenig Ruhm ernten.

(2) Rum bewahren wir im Barfach nicht auf. Statt dessen Gilbey’s Gin. Wir fühlen uns auf der EOS üblicherweise gesund und wohl. Nur gegen 11 Uhr befällt uns immer ein Anflug von Unwohlsein. Dann öffnen wir diese Medizinflasche und nehmen ein Stamperl. Das hilft. Und hat auch schon früher auf Britischen Schiffen geholfen.
(3) Rumsegeln
Gestern sind wir nur so rum gesegelt. EOS‘ Motor verliert Kühlerflüssigkeit, weil ein Schlauch gebrochen ist. Ich habe einen neuen bestellt, der hier nicht vorrätig ist und aus Istanbul am Mittwoch Abend kommt. So überbrücken wir die Wartezeit mit Segeln bei steifer Briese in der herrlichen, großen Bucht von Marmaris. Als Ankerbucht für die Nacht wählen wir eben diese Kumlu Bükü am Ende eines wilden, mit Kiefern bewaldeten Tales mit einem Dorf hoch und nah über einer senkrechten Felswand. Die ganze Zeit wechseln Windstille und starkwind- Böen ab. Dann brummt es für eine Minute in den Wanten und EOS wird am Anker von einer Richtung in die andere gezogen. Im Sandboden hält der Anker sehr sicher. Nachts schlafe ich draußen und lasse mich vom warmen Wind umwehen, bis dann um 6 Uhr die Sonne über dem östlichen Bergzug explodiert.

Der Morgen strahlt Segeln vor dem Wind

12. (1) Segeln im türkisblauen Meer (Gerdi)

Gerdi, am 12./13.Juni

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Am Morgen verlassen wir mit schnurrendem Motor unsere Lieblingsbucht, unser „Zuhause“ für 3 Wochen. Ein Schwenk nach Steuerbord… ganz vorsichtig tasten wir uns über teils nur 2,5m Wassertiefe vorwärts über hell leuchtendem weißem Sand, das Meer leuchtet wie echter Türkis-Edelstein… – dieses sagenhafte helle türkisblaue Meer habe ich seit 2 Jahren als auf dem Mobiltelefon…!! Und dann der Ruf: „Heiß auf Großsegel!“ Mit Worten kann ich es nicht beschreiben, dieses Gefühl, als wir nach 7 Monaten endlich wieder die rote Großschot ergreifen und das Groß zum Masttopp hochziehen. Wir setzen die Genua und die Winschen quietschen lustvoll ! Schon blähen sich die weißen Segel im Wind! MOTOR AUS! Nur noch das Rauschen der Wellen an der Leeseiote des Schiffsbauches, wenn die EOS sich durch die hier royalblaue über 150 m tiefe See wühlt, weißer Schaum gischtet über den Bug… – stolz nimmt die EOS Fahrt auf: endlich darf sie wieder das tun, was sie am besten kann: durch die Wellen pflügen, nur mit der Kraft des Windes vorwärts jagen, zu neuen Buchten mit türkischen Namen und altgriechischen wie Apolotheka, Loryma, Phalarus (Chiftlik, unser 2. Ziel) oder Physkos, wie Marmaris zu alten Zeiten hieß. Im Mobiltelefon meldet sich „Cosmote“, der Grieche! Aber nur zeitweise. (Billig, statt 50cent nur 7Cent nun SMS-EU-Land!) Wir umrunden das Kap unter der stolzen Citadelle, bergen die Segel und lassen am Nordende der tiefen, fjordartigen Bucht den Anker in Bozuk Bükü fallen, fahren ihn mit 1500 U/min ein. Zu allen Seiten Felshänge wie in den Dolomiten, 10 Yachten schwojen wie wir um den Anker, andere machten an den Holzstegen der kleinen Restaurants fest, deren Wirte fahnen-schwenkend locken… Gulets haben lange Leinen an Land fixiert… Ein Esel ruft- es riecht streng nach Ziegenbock. Schafe mähen, Zicklein meckern. Nachts schaukelt uns der Schwell ohne Pause, Sternenhimmel ohnegleichen… Am Morgen Schwalben am Bug, um 6 geht das 1. Gulet Anker-auf, die 20 (!) Solar-Zellen der Loryma-Taverne warten auf die ersten Sonnenstrahlen. Im Bordradio kommt griechische Bouzuki-Musik. Urlaub….IMG_9280

Hier seht Ihr unsere gesegelte Strecke: Klick

11. Mit neuem Motorklang unterwegs

Gestern abend habe ich noch die fertigen 4 Wasserauslässe vom Schlosser abgeholt. Sie seien jetzt fertig, hat er gemailt. Die erste Ausgabe, gefertigt von seinem wohl noch unerfahrenen Mitarbeiter war nicht gelungen. „Nein, das kann ich Ihnen nicht anbieten, das lässt meine Ehre nicht zu“, sagte er vorgestern. Jetzt sind sie wunderbar glänzend und sauber geworden.

Die feine Schlosserarbeit

Anderntags verlassen wir unsere schöne „Heimatbucht“ der letzten 2 Ankerwochen. Nach 2 Seemeilen setzen wir Segel, erfreut, weil der Motor mit einem neuen, viel weicherem Klang arbeitet. Wenn ich die Verkleidung abnehme, kann ich keinen Fehler erkennen. Die Segel nehmen wir erst wieder in der Zielbucht  Bozok Bükü weg. Guten Wind hatten wir, auch wenn wir fast bis zur griechischen Nachbarinsel Simi kreuzen mussten. 2 Seemeilen mit Motor und 16 Seemeilen unter Segel.

Zum ersten mal wieder mit Segeln unterwegs

Bozok Büki gefällt uns. Letzten Herbst trafen wir hier Jan und seine Freunde auf deren Gulet- Tour. „Winker“ von 2 Restaurants in dieser sonst einsamen Bucht winken mit großen Flaggen die ankommenden Yachten zu ihnen. Heute ziehen wir aber (wie meist) das Ankern vor.

Bozuk Büki, das erste Segelziel

10. Bozburun. Ankerzeit, kleine Reparaturen mit Nadel und Faden

Bozburun-Bodrum-Dalaman
So herrliche Buchten gibt es hier im Südwesten!! Unten Mitte ist Bozburun, im Westen die griech.Insel Kos, neben uns gleich die grch. Insel Simi. Im Osten käme bald Antalya…

Die Motor-Reparatur dauerte nun doch länger als gedacht, seit 3 Wochen üben wir uns in der orientalischen Kunst der Geduld. Während der geruhsamen Zeit vor Anker erblicken die wachsamen Augen der Bordfrau Dinge, die repariert oder verbessert werden könnten. Hier eine kleine zerschlissene Stelle am Salon-Vorhang( „Killer“=ewiger Sonnenschein!), dort der vom Salzwasser klebrig aufgelöste Gummi am Bikinihöle, länger als 3 Jahre hält dieses mit angenähte zarte Gummiband nämlich nicht. So trennte ich ein Stück ab, säumte mit 100 kleinen Stichen neu um und zog ein dünnes Gummiband ein. Denn das Oberteil ist ja noch schön. Zu Hause würde man schnell einen neuen im Kaufhaus kaufen.

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Süßer Duft des Oleander, immer so schön beim Morgenspaziergang
Süßer Duft des Oleander, immer so schön beim Morgenspaziergang
Maulbeeren
Nilüfer bot uns frische Maulbeeren aus ihrem Garten an!

Der  irische Reisesegen klebt nun als tägliches Morgengebet im winzigen 60cm-Raum zwischen Salon und Bugschlafkoje, also bei morgendlichem Waschschüsselplatz, WC, Schrank. Ähnlich wie in einem Wohnmobil. Gestern fand ich beim Souvenirladen ein lachsfarbenes Tüchlein mit vielen kleinen bunten Holzperlen. Das ziert nun wie ein luftiges Röcklein unsere Lampe für den abendlichen Schmaus im Cockpit draußen. Heute hle ich zum 2. Mal unsere frisch gewaschene Wäsche bei der Laundry-Frau vom Lokal Akvaryum. Am Abend gibt es aus dem Kochtopf den Rest der Lammkeule, die der Metzger gestern mit Sachverstand und einem scharfen Messer in 8 kleine Steaks für den Grill schnitt, indem er ganz vorsichtig Schmetterlingsteile abtrennte und sie aufklappte, um sie schließlich zwischen Folie zart flach zu klopfen wie ein dünnes Wiener Kalbsschnitzel…

scschnitt und aufklappte, um sie schließlich zwischen Folie zart flach zu klopfen. zauberte. Unglaublich.

10. Ankerzeit-Zeit für kleine Nebensachen

Bozburun-Bodrum-Dalaman
So herrliche Buchten gibt es hier im Südwesten!! Unten Mitte ist Bozburun, im Westen die griech.Insel Kos, neben uns gleich die grch. Insel Simi. Im Osten käme bald Antalya…

Die Motor-Reparatur dauerte nun doch länger als gedacht, seit 3 Wochen üben wir uns in der orientalischen Kunst der Geduld. Während der geruhsamen Zeit vor Anker erblicken die wachsamen Augen der Bordfrau Dinge, die repariert oder verbessert werden könnten. Hier eine kleine zerschlissene Stelle am Salon-Vorhang( „Killer“=ewiger Sonnenschein!), dort der vom Salzwasser klebrig aufgelöste Gummi am Bikinihöle, länger als 3 Jahre hält dieses mit angenähte zarte Gummiband nämlich nicht. So trennte ich ein Stück ab, säumte mit 100 kleinen Stichen neu um und zog ein dünnes Gummiband ein. Denn das Oberteil ist ja noch schön. Zu Hause würde man schnell einen neuen im Kaufhaus kaufen.

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Bikini Reparatur Gummi.

Süßer Duft des Oleander, immer so schön beim Morgenspaziergang
Süßer Duft des Oleander, immer so schön beim Morgenspaziergang
Maulbeeren
Nilüfer bot uns frische Maulbeeren aus ihrem Garten an!

Der  irische Reisesegen klebt nun als tägliches Morgengebet im winzigen 60cm-Raum zwischen Salon und Bugschlafkoje, also bei morgendlichem Waschschüsselplatz, WC, Schrank. Ähnlich wie in einem Wohnmobil. Gestern fand ich beim Souvenirladen ein lachsfarbenes Tüchlein mit vielen kleinen bunten Holzperlen. Das ziert nun wie ein luftiges Röcklein unsere Lampe für den abendlichen Schmaus im Cockpit draußen.

Lampenschirm f.CockpitHeute hle ich zum 2. Mal unsere frisch gewaschene Wäsche bei der Laundry-Frau vom Lokal Akvaryum. Am Abend gibt es aus dem Kochtopf den Rest der Lammkeule, die der Metzger gestern mit Sachverstand und einem scharfen Messer in 8 kleine Steaks für den Grill schnitt, indem er ganz vorsichtig Schmetterlingsteile abtrennte und sie aufklappte, um sie schließlich zwischen Folie zart flach zu klopfen wie ein dünnes Wiener Kalbsschnitzel…

scschnitt und aufklappte, um sie schließlich zwischen Folie zart flach zu klopfen. zauberte. Unglaublich.

10. (2) Über die Berge und dann noch die Motor-Renovierung: Ventile!

Mit dem ersten Bus um 7 fahre ich „nach Marmaris“. Die elektronische NAVIONICS- Karte zeigt mir, an welcher Kurve ich den Fahrer bitten soll, zu halten. Das ist praktisch, Busse halten auf Wunsch überall am Weg. Jetzt geht’s etwas runter nach Selemye. Noch liegt morgendliche Ruhe über dem Dorf. Riesige Platanen werfen Schatten, Immer wieder spenden Brunnen gutes Wasser (aber nicht so geschmackvoll wie unser mineralreiches Alpen-Quellwasser). Dann steigt der weg an, vorbei an kleinen aber schicken Apartements und Pensionen. Weiter oben führt der Weg durch ein Kiefernwäldchen und dann die üblichen harten, niederen Büsche. Bis zur Passhöhe. Der Wind pfeift und graue Morgenwolken deuten einen schönen Tag an. Eine alte Schäferin redet auf mich ein und ich auf sie und keiner versteht den anderen.

Die Schäferin

Oben breitet sich eine Ebene aus. Kühe fressen das wenige, dürre Gras. Die hellen kurzen Rufe einer Frau gelten ihren paar Ziegen. Dann senkt sich der Weg in Richtung Bozburun in ein steiles Tal mit roten Oleanderbüschen.

Das Tal in Richtung Bozburun

Sie sind die einzigen großen Farbtupfer im Graugrün der Umgebung.

Begegnung beim Abstieg

Ich nehme einen „Abschneider“ direkt dem Tal zu um später eine Asphaltstrasse zu vermeiden. Wie üblich weglos. Dann stehe ich plötzlich vor einer Markierung Rot-Weiß, ziemlich neu und dicht gesetzt. Bald bin ich unten bei ein paar Häusern. Ein Rollerfahrer bietet mir die Mitfahrt an und husch, bin ich im Dorf am Hafen und beim Schlauchboot.
Am Mittag legen Sardar und Tunc( =Tuntsch, zu deutsch „Bronze“) mit den Ersatzteilen für den Motor an EOS an. Tunc macht sich an die Arbeit. Er arbeitet gezielt und sauber. Stück für Stück baut er wieder an. Neue Ventile, neue Einspritzdüsen, eine neue Zylinderkopfdichtung, die mit Schrauben genau nach Vorgaben angezogen wird.

Motorreparatur 3

Ein kleines Problem mit der Elektrik, aber dann läuft der Volvo und spuckt hellen Rauch bis er rund läuft. Mittlerweile ist es 21.30 Uhr und zu dunkel für eine Probefahrt. Die holen wir anderntags am Morgen nach. Mit voller Kraft düsen wir über die Bucht und kehren zum Ankerplatz zurück. Der Motorcheck ergibt keine undichte Stelle. Sehr gut: Wir sind wieder beweglich.

Hier der Track auf Google Earth: Klick

Hier alle Bilder und auch die vom Markttag: Klick

Noch ein Nachtrag, was mir auffällt: Wenn ihr Personen auf den Bildern seht, dann hab ich vorher um ihr Einversändnis gefragt und habe es auch immer, meist erfreut, erhalten. Bei uns zu Hause möchten viele nicht abgebildet werden, meist weil sie Angst haben, es könnten ihnen Nachteile entstehen. Sind wir nicht arg ängstlich und verschlossen unseren Mitmenschen gegenüber?

10. (1) Sonntag am Meer mit Morgenmusik

Gerdi schreibt:

Ein Sonntag am Meer- mit Morgenkonzert live – an Bord

Wir hier haben noch keine tropische Schwüle, die 30° fühlen sich ganz aushaltbar an, ein sanfter Wind bläst mehrfach am Tag und so sind wir fast nur „drinnen“ wie in einer Wohnung. Seit gestern flankieren uns 2 schöne alte Schiffe, eins mit Schweizer Flagge, eins aus Britannien mit südafrikanischem Skipper. Ich flötete christliche Abendlieder, bissele Bach, Schubert, Brahms, und sie gaben nicht nur Applaus, sie sangen auch mit. Heute früh also kam nach der Schweizer Hymne und „Greensleeves“ gleich „Lobet den Herren“, und die 4. Strophe hab ich vorgelesen, so schön: „…der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.“ Hier in der Moschee von Bozburun (Bj.2002, Minarett 2007) singt ein Imam mit echt gutem, klangvollem Tenor 5x am Tag und spät nachts im Dunkeln seine Anbetungsgesänge. Da sende ich unsrem Gott auch welche.Ganz hinten in meinem zum Teil von Hand notierten Notenbüchlein hab ich auch einen „Gruß von Waltraud, 22.Mai 2011, Preveza“- das war unser 3. Törn, rüber nach Apulien,Kalabrien,Sizilien, Sardinien, Korsika, Nizza, Rhône und heim. Ich setzte es mit Bleistift in Noten:

Herr, weil mich festhält deine starke Hand vertrau ich still. Weil du voll Liebe dich zu mir gewandt, vertrau ich still. Du machst mich stark, du gibst mir frohen Mut, ich preise dich, dein Wille Herr, ist gut.

Eines meiner Lieblingslieder hab ich heute in das Notenheft geklebt, aus Schweden, leider auf der Blockflöte mit cis'(das tiefe geht ja nicht),gis“, fis: Du, großer Gott, wenn ich die Welt betrachte, die du geschaffen durch dein Allmachtswort, wenn ich auf alle jene Wesen achte, die du regierst und nährest fort und fort, Dann jauchzt mein Herz dir großer Herrscher zu wie groß bist du, wie groß bist du!

Bei einem herrlichen Frühstück mit weichem Ei, grüner Gurke, Käse, Joghurt mit Zimt, echtem Filterkaffee, grünem Tee und frischem Weißbrot saßen wir gemütlich im sanften Wellengang, dabei trug ich mein neues pink-farbenes Oberteil, das ich mit leuchtendem Orange etwas größer gehäkelt habe. Wir haben ja so viel Zeit- wir warten geduldig auf die neuen Ventile für den Motor, unser 20.Tag in der Türkei!!!!