25 Naxos ohne EOS: Lemoncake, Erdbeermilch und Marmorfelsen

Samstag, 18.Juli, PAROS, an der Mooringleine im Hafen, starker Wind, hohe Wellen, keiner segelt raus…

Heute ist es 2 Monate her, daß wir mit dem Flugzeug von daheim weg geflogen sind, in die Südtürkei.

ca. 30 Tage sind wir erst gesegelt, aber schon mitten in den griechischen Kykladen. Wie 2010 heult der Meltemi mit 5-7 Windstärken, es hört einfach nie auf zu stürmen, auch nachts nie. Damals hingen wir 6 Tage auf Syros fest, mit 2 Ankern, mit 6 Leinen, 5m vom Kai weg weil die Wellen so hoch waren,nur im Schlauchboot kamen wir an Land.

Nun also PAROS- unser Notstop seit 5 Tagen. Wir machen das Beste draus, denn dieser hohe Seegang würde unserem 41 J. alten Schiff sicher schaden….

Am Morgen spielte ich nach längerer Pause wieder mal Flöte, Morgenlieder, Kirchenlieder. Dankbar.

Heute nahmen wir die FlyingCat, nein, keine Katze, sondern ein Schnellboot(Katamaran), das diese Strecke Paros-naxos in 30 min schafft. Aber das Schiff wurde schwer gebeutelt in den Wellen, es rauschte mit heftigen Bewegungen durch die See, kaum einer lächelte im Sitz….

Am Hafen mieteten wir „ein Auto für 1/2 Tag…“- es war ein klappriger uralter zitronengelber Hyundai, der 148200 km auf dem Buckel hatte. Doch ich schaffte mit dem Kerlchen 80 km auf kurvenreichen Bergstraßen und schmalen holperigen Wegen, vorbei an zahllosen weißblauen Kapellen und manch einer auf Bergzinnen thronenden Monastery zwischen süß duftendem blühendem gelben Ginster. Als wir in einem pittoresken Bergdorf parkten, stiegen wir viele steile Marmorstufen hoch und landeten vor einem reizvollen Kaphenion. Uns wurde der Lemon cake -macht meine Schwester selber-empfohlen, ein verführerisch sauer-süßer Traum aus Löffelbiscuits, Zitronensahne und oben drauf Limonenzesten. Ich ließ mich zu einem rosa Erdbeer-Milkshake und einer zauberhaft guten Kugel Erdbeereis verführen. Fast hätte ich über dem himmlischen Genuß den Wind und die Wellen „vergessen“. Bei all den haarnadelkurven öffnete sich der Blick auf einen ungeheuer steilen Marmor-Steinbruch.

Punkt 5 Uhr mußten wir durch das Labyrinth der engen Straßen zum Rent-a-car zurückfinden. Uff- geschafft. Noch ein Frappé am Hafen, dann schob sich die große Blue Star Ferry DELOS durch die weißgekrönten Wellen, die voll über die Straße schäumten. Noch 1 Stunde und wir waren zurück auf Paros bei unsrem Schiff. Inzwischen hatte die EOS ihre Mooring wieder alleine, die 2 Mitlieger waren weg, aber neben uns war ein neues Desaster: eine große Bavaria 45 lag da, man saugte mit dem gr. Staubsauger Wasser aus dem Schiff ins Cockpit, da lag eine ausgelöste Rettungsweste, 3 andere dörrten am Steuerrad, alle Matratzen der Kojen lagen durchnäßt im Wind, auch die Kissen…naß. Da war ich ganz schnell still… und aus dem großen Rest vom Grillhuhn zauberte ich einen leckeren Salat- draußen stürmt es. Wir laufen zu einer Taverne mit regionaler Volksmusik, Gesang, Bouzuki, Klarinette… tringken frisch gepressten Apfelsinensaft, laden unsre Bilder hoch in diesen Blog…. Der Wind läßt erst am Montagnachmittag nach…. Wir „müssen“ bleiben.

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Weitere Bilder hier: Klick

23 Mit viel Wind bis auf die Insel Paros

Wir verlassen die Bucht von Lakka auf der Insel Leros um 6 Uhr. Levita, unser Ziel können wir nicht direkt anfahren. Zuerst unter Segel, dann motoren wir die letzten 7 Meilen gegen den Wind. Levita, die kahle Insel bietet wieder eine Boje und am Abend eine Taverne. Da lebt eine Familie das ganze Jahr über ohne Strom und bietet am Abend den Bootsfahrern Essen und Trinken an. Diese Ruhezone 20 Seemeilen von der nächsten bewohnten Insel entfernt ist bekannt und beliebt. Nachts nehmen wir den Rückweg von der Taverne unter dem grandiosen Sternenzelt.
Anderntags glatte See. Der Motor bringt uns in die Kalados- Bucht auf der Südseite der Insel Naxos. Um 1 Uhr nachts hat der Wind ausgeschlafen und weht immer kräftiger. Das veranlasst uns zur Ankerwache. Um 5 Uhr mäßigt er sich etwas und wir verlegen an die Stirnseite eines Anlegers im kleinen Hafen. Jetzt weht der Meltimi in Böen mit Sturmstärke. Wir liegen aber sicher, dennoch erzittert EOS und singt in den Wanten. Abends steigen wir zu Sofia und Dimitri in der „Kantina“ über dem Hafen hoch. Ein umgebauter Verkaufsanhänger gutes Essen und nette Wirtsleute.
Der Morgen lockt mit leichtem Wind. Als wir aber in die Passage zwischen Naxos und Paros einbiegen hat er uns bemerkt und legt ein paar Zähne zu. Wir motoren dagegen, aber beim Kap Kouvopas schießt das Wasser am Bug übers Schiff und am Heck wieder ins Meer. Wir flüchten in die weite Bucht hinter dem Kap und liegen dort sicher. Blaues Meer, weiße Schaumköpfchen, am sichelförmigen Strand Ferienanlagen und dahinter die wilden, kahlen Inselberge. Eine schöne Gegend und mich stört dieser erzwungene Aufenthalt nicht.
Der Start tags darauf um 5 Uhr früh schön in die Morgendämmerung hinein ist zwar nett, aber der Wind brist wieder auf. Nochmal mit dem Motor und starker Bootswäsche dagegen. In Naxos ist im Hafen keinerlei Platz, darum ankern wir geschützt und bequem hinter der Außenmole. Ein paar Meter vor uns paddeln die Griechen im Wasser und unterhalten sich dabei fast stundenlang mit Hut auf dem Kopf. Der beliebte Sport der älteren Generation. Eine Fähre nach der anderen spuckt Gäste und Fahrzeuge erst aus um dann neue zu verschlucken. Alles fest in Touristenhand. Um jedes Eck in der schönen, engen Altstadt, die sich den Hang hochzieht, tritt eine Gruppe Touristen hervor. Eine katholische Messe bringt Ruhe. 3 alte Damen, wir und dann noch junge 3 Gäste beehren die beiden Priester. Schön. Überall Restaurants, die sich mit den zahlreichen Gästen füllen. Wir haben keine Lust darauf und nehmen lieber bei Torres vor seinem Kebab-Salon Platz. Da beobachten wir den wilden Verkehr und Gerdi beeindruckt mit griechischen Liedern. Das bringt immer Freunde. Torres schenkt uns 2 Bierkrügle mit dem Brauereiaufdruck Mythos.
Der griechische Wetterbericht verspricht für morgen ein Schwächeln des Windes. E hat halb Recht. Zuerst kräftiger Wind und Wellen gegenan, dann können wir abfallen und mit halbem Wind nach Paros laufen. Bald schläft der Wind ganz ein. Wir ankern der schönen Bucht weil der Hafen belegt ist. Am anderen Tag um 7 Uhr laufen 2 Jachten aus dem Hafen und wir dort einen Platz ein. Kurz darauf dreht der Wind wieder auf. Wir liegen sicher, aber die Ankerer an der Außenmole verlassen teilweise die Plätze.

Hier alle Bilder: Klick

und hier unsere Reisestrecke auf Google Earth: Klick

Hier noch ein Gedicht von Gerdi:
*d.h. meine Bug-Koje ist naß, die Kleider im kl. Schrank sind einzeln auf Bügeln in unten zugebundnen Müllbeuteln,der Atlas säuft mal ab, mal das Fach mit Handtasche und Papieren,mal alles Nähzeug oder die Schuhe…. aber wir schaffen das. Nur romantisch find ichs nicht….
Auf steigt der Bug
und fallend schlägt er
in des Meeres weiß Gewog‘.
Es schäumt 3 Meter hoch zur Seit,
der Weg zum Ziel ist noch so weit….
Voll gegenan Windstärke sieben…
Wo sind die Urlaubsgefühle geblieben?
In Ölzeug, Lifebelt und Südwester
sind beide nur wie Bruder und Schwester,
trotz Sternenpracht und Mond des Nachts:
das Liebesleben? Man veracht’s….
Anstrengend ist das Pinnesteuern
in Seegang und Sturm Gefahren lauern.
So schütz uns Gott,
straf uns nicht Neptun,
zu beten bleibt das beste Tun.
Ich grüß die Lieben in der Heimat,
da wär ich gern jetzt- in der Tat.

                                                      (so, ihr seht, wir haben noch Humor!!!)

22. NAXOS Nur als Info: viel Wind, starker Seegang tagelang, Naxos, Paros

Zwischenbericht Naox-Paros. von GERDI.
Am 14. Juli 2015, am 15.7. ein paar Fotos eingefügt

Wir sind von Levita, der kleinen Insel mitten in der Ägäis, in 11 Stunden bis vor Naxos gesegelt.
Leider erweist sich die Ägäis inzwischen für unser absolut kleinstes aller Schiffe( und das einzige mit Pinne statt Steuerrad!) als zu energisch, wir fassen bei dem heftigen Seegang auch Wasser, im Schiff, die Bilge schwappt dann schon mal Seewasser in die gute Stube, irgendwo ist immer was nass… bald steckt alles in Plastiksäcken. Aber wir bemühen uns, das alles zu meistern und guter Laune zu bleiben. Das Deck ist leider in der Türkei nicht so fachgerecht ausgefugt worden, wie in einer deutschen Werft… Gerhard löst ständig undichte Sikaflexfugen raus und mach mit Primer und neuem Sika die Fugen dicht. Mit Erfolg, aber auch die Relingstützenschrauben sind nicht dicht. Es bleibt aufregend.

Die Kykladen sind zauberhaft, aber wenn man tags 10 Stunden gegenan kämpft und mit dem Nordwind, dem Meltemi ,seinen Wettstreit führt, ist an Land gehen und Inselwanderungen machen nicht drin. Oft gehn wir früh um 5 Anker auf und streben das nächste Ziel an. Ich hätte schöne Fotos, aber das ist auch nur selten möglich, die hoch zu laden… Internet ist hier langsam und unzuverlässig.
Eine Nacht war echt Sturm, also fürchterlich starker Wind. In einer Bucht ankerten wir, aber wir mußten Nachtwache sitzen draußen. Früh im ersten Morgenschein nach 5 Uhr unter Sternen Anker auf in heftigstem Gewell, wir motorten zum kleinen Häfele und Gerhard gelang es kunstvoll, an der winzigen Quai-Spitze anzulegen…. Mit 8 Fendern wurde die EOS auf den Beton gequetscht, mit 6 Leinen und Springtauen wurde sie gefesselt, es war ein Getöse und Gebrumm, ein hohes Pfeifen… das wünsch ich keinem von euch Bloglesern… Aber mit Zusammenhalten und Zuversicht und nüchterner Einschätzung der Gefahren iwar es zu meistern. Nur für 4 Stunden war mal weniger Wind… Dann alles von vorn.

Zuletzt auf Naxos Zum Fotografieren-antikes Bogentor auf Naxos u. irre Brandung dahinter

Hier auf Naxos brummt der Bär, erstaunlich viele Franzosen sind da, Italienerinnen in Designerkleidchen und irre tuer aussehenden Schuhen… Noch fehlen die Kinder über 6, denn erst ab 1. August sind Schulferien dort.
Da bei diesen starken Winden die Häfen total überfüllt sind, ankern die Boote vor den Häfen dicht an dicht. Gestern mußte eine Tauchergruppe den Anker einer gr. ital. Zweimasteryacht befreien.

Bei uns fiel eine der kostbaren neuen Nirostangen des Sonnenschutz- Biminis, vom Cockpit ins Meer auf 6m Tiefe, beim Einrollen der Persenning… nach 1 Stunde aber half uns ein schnorchelnder Französe sie rauszutauchen… Gh. hatte einen in Tuch gewickelten Stein an der Schnur dort abgelassen, wo sie lag…mit schwimmendem Brettchen oben.

Am goldenen Abend ruderten wir an Land, unter den mächtigen Steinbogen, der am Felskap steht wie der Tempel von Kap Sounion. Alle pilgern hin zum Sonnenuntergang, Foto in der Hand.
Wir wanderten die engen steilen schneeweißen Treppen im Dorf hoch, das nicht umsonst Labyrinth heißt. Erst eine orthodoxe Kapelle, wo wir andächtig 2 handgezogene Kerzlein entzündeten, dann ganz oben bei der venezianischen Festung ein katholischer Gottesdienst im Abendsonnenschein. Mathäusevangelium. Halleluja-Melodie die ich mitsingen konnte, die in köstlichen süßen schweren Rotwein getunkte Oblate, die einem der Priester auf die Zunge llegt. 3 alten Frauen und 3 Touristinnen.

Zwei neue Krügle, Souvenir v.Naxos
Eine Pita, ein Mythosbier beim Gyrosmann, der mit mir griechische Lieder sang, und dann schenkte er mir die 2 als Souvenir gewünschten 2 Bierkrügle! Die 2 Krügle vom Leipziger „Bayr.Bahnhof“ haben nun Geschwister aus Naxos!!
Neben unsrem Beiboot war eine nette Strandbar, da genossen wir mit Blick auf die beleuchtete Festung und all die 10 schaukelnden Boote den ersten Retsina, den mit dem Männle mit dem Schlüssel im Bauch, unsre Kinder erinnern sich bestimmt an das Bild am Etikett.
Dienstag, der 14. Juli, Unsere Gedanken sind heute in Augsburg, bei Martin, und dem kleinen „reifenden“ Enkelsohn, der in 8 Wochen das Licht der Welt erblicken darf.
Wir machen uns jetzt bereit die Überfahrt zur Insel Paros. Da möchten wir vor der gr. Reise Richtung Saronischer Golf. Viele große Fähren, hier alle 10 Min. eine, sie entlädt Massen von Touristen mit Rollkoffern, und welche mit Rucksack und Isomatten.

Isomatten.In 6 Std. gegenan Leros-Levita In 6 Std. gegenan bis Levita Die schmale Klamm von Vathi-Kalymnos
Wir kamen nach 6 Stunden hier auf Paros an- rundeten zwei spektakuläre Felsenkaps und hielten erneut hohe Wellen aus, 90° wurde die EOS geworfen hin und her, wenn uns eine Yacht überholte, tauchte auch deren Bug tief in die Wellentäler ein, um sich danach ganz hoch aufzurichten… Vor uns nun türkisblaues Meer mit kleinen Wellen am Ankerplatz in der weiten goldenen Sandstrand.
Ich hatte zur Kaffeestunde gleich 6 süße Pfannkuchen gebacken mit frischen Pfefferminzblättern. Das hebt die Stimmung…

Baden im Meer, seit langem ohne diese aggressiven Wellen.

21. Kalymnos Vathi +Levita+ Lakka auf Leros

Von Kalymnos via Insel Leros und in 6 Std. gegenan bis Insel Levita

Seekarte v.GPS Seekarte bis Naxos, rote Sturmböen-Pfeile Die Abendwanderung Kalymnos Felsklamm Vathi Der frische Fisch in Vathi Die gebratene Dorade, Vathi Die Hühner im Baum

Gerdi schreibt:

7.Juli: Mit den sanften Bildern der grünen Dorflandschaft beim Abendspaziergang in der engen Felsenklamm von Vathi (Kalymnos) , den Hühnern im Baum, der gebratenen Dorade und dem Duft vom blau-violett blühenden Thymian bei all den uralten christlichen Kirchlein…aber auch dem Bild der Flüchtlinge der Nacht…. gehen wir auf Segelfahrt zur Ankerbucht auf der Insel Leros,4 Stunden… Wir grillen zum 1. Mal Souflaki aus Schweinefleisch, nach 6 Wochen Abstinenz im Muslimland. Dazu dünste ich grüne Paprikaschoten von Jannis, dem Gemüsebauern.Halva als Dessert. –Das Meer hat kalte 19°C… Ruhige Nacht.

Mittwoch, 8.Juli: unser 50. Tag

Frühstück ohne Sorgen. In Deutschland hat es 38°C, anstrengend. Das schildern die Mails von Fabienne, Inge, Jojo- so schön mal was zu lesen von daheim. Ich male mit edding-Stift endlich den verblassten Namenszug „micro eos“ aufs Schlauchboot. Danach 2 Std. Arbeit mit dem Internet und dem 20.Blog und unsren Fotos im Café. Ich schneide die neu gekaufte Plastikfolie zu zum Abdecken für Vorschiff-Bett und Kleiderschrank… wegen des Eindringens von Meerwasser übers Deck….

Mit dem frisch geernteten Gemüse koche ich Ratatouille: Auberginen, Zucchini, Paprika, Tomaten. Dazu Reis.

Donnerstag, 9.Juli, Lakki/Leros

Ruhige Nacht, aber um 3 lautes Palaver an Land, vielleicht erneut Anlanden von Flüchtlingsbooten…

Noch vor Sonnenaufgang um 6 Uhr früh Anker auf. Poseidon Meteo meldet Wind 3-4, aber ab 8 Uhr müssen wir bei Westwind 4 heftig gegenan segeln! Genua gerefft, Hunger hat bei dem Seegang keiner…

· In 6 Std. gegenan Leros-Levita In 6 Std. gegenan bis Levita

Schräglage, die Eos wird stark gefordert, der Bug knallt in die hohen Wellen und teilt die Wogen, daß es 2-3 m hoch aufspritzt beim Eintauchen… Seitlich Flüsse an Deck, am Heck umkreisen mich Seen und brausen durch die Festmacherklüsen hinaus. Hart am Wind. Insel Levita in Sicht, aber wir können es so nicht erreichen. Innen im Schiff knarzt, ächzt und quietscht es laut, Pfeffermühle, Schere und Tee-Ei spielen hämmernd Schlagzeug, wenn der Bug auf die Wellen knallt…

+ Foto Gh Felswand? Levita

+ Foto Gh Bugwellen

Zunehmender Wind, 4-5, daheim wäre Sturmwarnung. Nach 4 Std. harter Segelei schalten wir den Motor dazu und stemmen uns gegenan … Wir biegen ein hinter die 1. Felsnase und gleich fegen stramme Fallböen von der Höhe auf uns herab, kaum kann ich die Pinne halten. Drinnen sind bereits 6 Segelyachten, zwar an Bojen, aber wild kreisend. Vorleinen am Bug belegen, Gerhard mit dem Enterhaken bereit, jetzt geht alles im Team, knappe schnelle Kommandos…Exakt gegen den Wind auf die rote Gasflasche zusteuern.. Dann kann Gh die freie Boje fassen(große Gasflaschen mit Ring und Seil)- Motor leichte Vorausfahrt… gegen den Wind und die Zugkraft… dann noch rausschwimmen und eine 2. Leine anbringen…

9 Yachten kreisen wild um die Bojen

Ich koche Bohnenkaffee, grünen Tee, brate Spiegeleier mit der letzten türkischen Rindswurst, dazu grüne Gurken. Es faucht und braust… aber die Bucht leuchtet wie ein Smaragd: türkis-blau-grün… Wir sind hier „am Ende der Welt“: kein Handy-Empfang. Die griechischen Fischer arbeiten in ihren bunt bemalten Kaiken. Wenn noch offen, werden wir am Abend mit dem Beiboot an Land gehen und dort oben essen, 2010 gab es Bio-Lamm und Ziege, die Tiere laufen frei herum. Ein Idyll. Aber sturmumtost.

Wir liefen mit Stirnlampe hoch zu dem Biobauern, speisten gebackenen Schafskäse, griechischen Salat, „Casserol“ mit Lamm+Ziege, tranken das erste Mythos-Bier, eine kleine Kupferkanne Retsina… Den traumhaft hellen Sternenhimmel mit der Milchstraße und rechts vom Ende mein geliebter Skorpion…

Am Morgen noch ziemlich stille See, also los um 5 und dann segelten wir 11 Stunden weiter…bis in die südliche Bucht von Leros.

Gerhards Foto folgt demnächst…

20. (3) Letzter Tag in der Türkei und dann nach Griechenland

Nochmal einen Döner im Lieblings-Döner-Salonu, ein Spaziergang über den Markt in nächtlicher Auflösung. Wir geben die letzten türkischen Lire aus. Bei den Behörden waren wir gestern schon.

Ein letzter Döner im Lieblings-Döner-Salonu
Anderntags stehen wir früh auf, verlassen den feinen Hafen und uns empfängt gleich wieder der Meltimi mit Kraft. Bei den letzten türkischen Inseln reffen wir kräftig und dann liegen die kahlen Berge Griechenlands vor uns mit den Klöstern als Einsprengsel. Keine Bäume mehr.

Der Kontrast, wir sind in Griechenland
In Kalimnos legen wir mit dem Heck zum Kai an. Wir machen das nicht gerne. Der Wind bläst nicht mehr so zügig durchs Schiff und als niederes Boot sieht uns jeder vom Nachbarschiff und vom Kai auf die Teller. Ein Taxi bringt uns zu einem Kloster hoch oben am Berg über der Stadt. Ein wunderbarer Blick bietet sich und statt den Moscheen, die wir doch scheuen zu betreten, stehen die Türen der Kirchen offen und zeigen ihre etwas schwermütig schönen Gemälde auf denen keine Person ein Lächeln zeigt. Auf der Strasse kommen wir langsam wieder auf Niveau Null.

Kalimnos
Kalimnos ist eine laute, lärmende Stadt, jeder scheint hier Auto oder Moped zu fahren. Die Fußgänger quetschen sich an die Häuser und parkenden Autos. Ununterbrochen fließt der Verkehr. Stadtbusse sind mir nicht aufgefallen. Wir beschaffen eine türkische SIM- Karte. Die Installation nimmt eine gute Stunde und die Nerven des Verkäufers in Anspruch. Als wir anderntags ablegen und der Lärm hinter uns zurück bleibt sind wir froh, aber draußen warten schon die ersten Schaumkronen. Nur mit kleinem Vorsegel laufen wir über 6 Kn. Die Hälfte der Strecke geht mit Motor gegenan. Der Wind singt in den Wanten in den heftigen Böen. Erst als wir zwischen den hohen Felsen nach Vathi einfahren glättet sich das Meer. Etwas tricky gehen wir längseits an den Kai und später legt sich noch ein großer Segler mit Polen längseits an uns, benutzt uns kleines Zwergenschiff als Fender. Auch am Kaispitz ein gr. Charterboot mit jungen Polen. Viel Wind die ganze Nacht.

Nacht im Hafen
enger Naturhafen zw. Felsen: VATHI

Als sich abends die Hitze legt machen wir noch einen Spaziergang im Dorf. Da umfängt uns wieder die Ruhe. Die schmale Strasse ist eingefasst von blühenden Mauerblumen. Immer wieder zeigt sich eine der blau-weiß gestrichenen kleinen Kirchlein, im Gegensatz zu früher, geschlossen.
Am anderen Morgen, als ich gerade um 6 im Naturbecken neben uns schwimme, zieht ein vollkommen mit Menschen überladenes, kleines Fischerboot ein teilweise geplatztes Schlauchboot in den Hafen. Flüchtlinge nach einer wilden Überfahrt von der Türkei, etwa 40 junge Leute, Männer, Frauen, Kinder. Da sind sie nun in Europa. Niemand kommt, keiner begrüßt sie, nur Brot und Melone bringt die Wirtin (sie ist aus Neuseeland…) Die Flüchtlinge trocknen Ihre Kleidung an der Mauer. Stunden später, als uns ein Bauer mit seinem Auto mitnimmt, begegnen wir ihnen. Sie fragen nach dem Weg zur Polizei. Die 4 Kilometer nach Kalimnos nehmen sie zu Fuß.
Der Bauer fährt uns zu seinem Acker und beschenkt uns überreichlich mit Gemüse. Gutes und schlechtes liegt so nahe beieinander.

Die Flüchtlinge sind angekommen
Früh kamen Boote mit Flüchtlingen… 100…auch kleine Kinder…sie marschierten 4 km über die landstraße zur Stadt/Polizei in Kalymnos.
Er beschenkt und überreichlich mit Gemüse
Reich mit Gemüse beschenkt: Aubergine, Zucchini, Tomaten, Paprika, Zwiebeln…

Hier ist unsere Segelroute: Klick

Hier sind mehrere Bilder Klick

20. (2)Turgut Reis Marina – unser letzter türkischer Hafen

Gerdi schreibt über 2.+3.+4.Juli 2015

Turgut Reis-Marina :  d.h. Mooring, warme Duschen, Kunstobjekte

2. Juli: Nachdem es nachts am „wilden“ Ankerplatz vor dem feinen rasenbegrünten Apparthotel ein heftiges Gewitter gab, wurde EOS von Süßwasserschauern gespült, die Tropfen schossen aufs Deck wie Hagel, die Blitze zuckten und erhellten das Schiffsinnere wie ein Foto-Blitzlicht. Es donnerte, als wäre jemand erzürnt ob unseres hoffnungsvollen Ankerns trotz Starkwind und Dünung…. Wenig Wasser kommt rein, das Kombüsenfenster geht nicht mehr so gut zu… Das Schiff reißt knarrend an der Ankerkette…. Der Anker hält… neben uns wie ein schwarzes Dreieck der Kegelberg, der Vollmond scheint hinter den Regenwolken…
Nach kurzer Nachtruhe stehn wir um 6.30 auf, ein Nescafé und raus aus der Bucht, bevor der angekündigte Wind mit 19 kmh und 4-5 bft anrückt. Noch hat es Dünung, wir motoren um das kap. Die „Grabsteinhügel“, wie ich respektlos diese gleichförmigen, weißen Feriendörfer nenne, kommen in Sicht. Kurz nach 8 früh laufen wir ein in den schützenden, letzten türkischen Hafen, zwischen 2 mächtigen richtigen Leucht-Türmen: Marina TURGUT REIS, benannt nach dem berühmtesten General.
Tanken. Warme Dusche im feinen Hygieneblock. Hibiscusblüten, Oleander, Bougainvillea… Einkaufen beim Migros. Gerhard klappert mit mir viele Schlosserbedarfsläden ab, um einen „Stechbeitel“ zum Herauskratzen der undichten Holzdeck-Fugen im stb-Deck zu kaufen. Vergeblich. Dann muß es ein 3mm-Schraubenzieher halt schaffen…! Dann weihe ich den in Marmaris erstandenen neuen Haar-Schneide-Apparat ein, Gerhard sieht fesch aus. Die vielen Barbiere werden nicht reich mit uns…
Am Abend suchen wir über 1 Stunde nach dem Fischlokal, bei dem man im Fischgeschäft daneben seinen Fisch auswählen kann. Nach einigen Wander-Runden führt mich meine Intuition doch noch hin. Gh ßt diese 40 cm langen 3cm dünnen „Bleistift-Fische“, die uns in Griechenland auffielen neben der Eos, ich lasse mir einen Fisch filetieren und in der Pfanne braten. Auberginensalat dazu, Seegras sauer angemacht, der Hummus aus Kichererbsenmus enttäuscht, keine Säure, keine Würze. Ramadan, andre essen noch nicht. Erst als zum offiziellen Sonnenuntergang ein Kanonenschlag ertönt, bringen die kellner wieder Chai, Ayran(salzige Joghurt-Wasser-Mischung) und Kebab, Fisch und Köfte… Die tags fastenden Bürger wirken matt, wenn sie vor ihren kundenlosen Läden kauern. 3.Juli, ruhige Nacht, herrlich das Duschen! Gerhard startet gleich früh das Auskratzen der Fugen, wo wohl Wasser eindringt, über meiner Koje, im Kleiderschrank. Primer, Sikaflex… Draußen wieder 4-5 Windstärken, es heult, es pfeift in Masten und Wanten.
KUNST IM PARK

alles Flaschendeckele
alles Flaschendeckele
rote Schraubdeckel und Bierflaschen-Glasscherben
rote Schraubdeckel und Bierflaschen-Glasscherben
Treibgut wird zum Fisch
Treibgut wird zum Fisch
blaue Verschlkußdeckel, Kronenkorken,Trinkhallme
blaue Verschlkußdeckel, Kronenkorken,Trinkhallme

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Gleich hinter der Marina mit ihren Bars und feinen Restaurants hat man mit Müll Kunstobjekte geschaffen. Aus Treibgut wurde ein 6m langer und 2 m hoher Fisch geformt. Aus unzähligen leeren Pet-Wasserflaschen, ineineandergeschoben, entstanden zwei Fisch-Torsos, nachts blau von innen beleuchtet. Ein Profilporträt wurde gefügt aus lauter blauen Flaschen-Schraubdeckeln, ein lachendes Gesicht entstand aus roten Flaschenverschlüssen, Kronenkorken und braunen Bierflaschen-Scherben. Die Palmen am Weg sind umringt von blauen und weißen nachts leuchtenden Reifen. Sie erinnern an Martins erstem labbinaer-„Blaue-Nacht“-Kunstobjekt in Nürnberg, der mobile Leuchter aus LED-Licht-Reifen.
Nachmittags gibt’s wieder gekühlte Wassermelone und kalte Kirschen, ganze Ladeflächen voll werden angeliefert vor den Marktständen. Weiter windig. Morgen werden wir ausklarieren. In Griechenland geht das Wechselgeld aus, es fehlen inzwischen kleine Scheine, alle wedeln mit 50ern. Die Rentner bilden Schlangen vor den Banken -mit Warte-Nummern über 100… E-Karten werden auch von Touristen nicht mehr

genommen, alle wollen Bargeld. Die Geld-Automaten sind kaum mehr zu bestücken…

Am Stadtstrand: Sunset
Am Stadtstrand: Sunset
Döner Lammkebeb in Pide, Ayran.
Döner :Lammkebab in Pide, Ayran.

Sonnenuntergang bei nachlassendem Wind, Rottöne am Himmel. Jupiter nun rechts von der hellen Venus. Wir suchen eine kleine Kneipe auf, deren Wirtin mir früh mit ihrem fröhlichen Lachen schon auffiel vor ihrem blitzsauberen Kebab-Lokal. Lamm-Kebab, in Pide.Ayran+Chai, es gibt keinen Alkohol. Dann machen wir noch einen langen Spaziergang am Strand hoch, wohl gepflegt. In einem feinen Spa-Wellness-Hotel mit kreisrundem Pool führt eine Tänzerin mit wehenden Röcken einen turbulenten Bauchtanz vor. Ein Tässchen türkischen Kaffee, eine Kugel Eis im selbstgebackenen Waffelhörnchen… Der wilde Lärm vom TERMINATOR-Film im Openair-Kino verebbt …
Ruhige, fast kühle Nacht, dank Moskitonetzen diesmal keine Schnaken. In Dtld. Ist es heißer als hier, wir haben 30-33°, in Bayern hat’s 37-38°, Erika ist im Schnee in den hohen Bergen im Zillertal(mit Bergstiefeln). Martin+L. machen einen Käsekurs im Allgäu .