64 Warten

Schöner Segelwind nach der Ausfahrt aus Ajaccio und um die anmutigen Inselchen Sangunaires. Aber dann schläft er und macht einer Dünung Platz, die immer stärker wird. Mächtig schiebt sich eine Woge nach der anderen unter EOS durch. Segeln ist nicht mehr möglich. Sie geigt von einer zur anderen Seite. Unser Ziel, die Bucht von Sagone scheint ausreichend Schutz zu bieten. Die Dünung denkt aber nicht daran, an diesem Liegeplatz vorbei zu laufen. Sie schwenkt mit Macht herein. EOS liegt zwar an einer kräftigen Boje sicher, aber wirft sich von einer Seite auf die andere.

Am Heck grillen? Unser Grillmeister schafft das mit einem neuen Verfahren. Wir legen zwar rutschfeste Decken auf den Tisch, aber es wird dennoch ein schöner Abend vor dem breiten Tal und dahinter den zackigen hohen Bergen.

Ich schlafe auf der schmalen Bank in der Plicht und stelle fest: Auch im Schlaf kann man sich festkrallen. Und ich schlafe nicht schlecht. Nur in einem Alpträumchen gehe ich im Takt der Schaukelbewegungen. 3 Schritte schnell, dann bremsen mich die nächsten 3 Schritte und so fort. Meine Freunde waren von dieser Nacht nicht begeistert.

Samstag. Wenig Wind, noch Dünung. Wir laufen aus und in der Ferne werden Schaumkämme sichtbar. Von einer Minute auf die andere sind wir im Windbereich. 5 Bft (= 7 Clubhaus Bft) aus nördlicher Richtung, in die wir wollen. Eine kräftige Dünung hat sich aufgebaut. Wie ist das erst, wenn wir ums Kap und dem Wind voll ausgesetzt sind. Wir haben kein Zips darauf und steuern Cargese an. Die Bucht davor bietet Schutz vor der Dünung und wir ankern in türkisfarbenem, klaren Wasser. Sandstrand am Ufer. Ein schöner Platz! Immer wieder fegen Böen fast mit Sturmstärke vom Berg vor uns. Dann erzittert EOS und schwenkt sich schnell am Anker. Unser Koch zaubert eine tolle Fleischkreation in der Pfanne, bisher ohne Namen trotz der Dünung.

Und die folgende Nacht? Schaukelig wie die vorige.

Starkwind bis Vignarella/Girolata 7.8.16

Ein heftiger, fordernder Segeltag, Männerarbeit! Um 16 Uhr stürmte die EOS in die Bucht von Vignarella ein Traum in Blau! Naturschutzgebiet

Gerhard schrieb:

42°20’58.4″N 8°36’49.3″E  Vignarella, 20147 Osani, France

Wir sind in Girolata nach Starkwind-Segeln bis nix mehr ging…Herrlich hier. Das wissen viele andere auch.

https://www.google.com/maps/place/42%C2%B020’58.4%22N+8%C2%B036’49.3%22E/@42.1798309,8.5203076,10z/data=!4m5!3m4!1s0x0:0x0!8m2!3d42.3495525!4d8.6136914

.

4524779717779713548-account_id=1

Hier mal die Karte mit unsrer ganzen Reiseroute seit Mai 2016:

Korfu-Albanien-Italien-Sizilien-Sardinien-Korsika-Nizza: draufklicken–>

https://www.google.com/maps/@42.2564757,12.4748634,6z

Warten bei Cargèse,6.Aug.16

Der starke Wind schaukelte die EOS heftig durch an der Boje vor Cargèse… Nun ist Warten angesagt. Westwind angesagt…

28785671856_c5c5c23745_c
Zwei große Pakete auf Deck: blaue Rettungsinsel, vorm Mast an stb grüne Schlauchboot-Tasche, an bb ein Reifenfender, schon schade ums elegante Profil…
Das Deck vom Bug aus…
28785691116_c30c8988c6_z
Eine scharfe Bö saust von den Bergen auf die EOS am Anker, es schaukelt auch nachts heftig…

Aber das Grillen klappt trotzdem…

28817493435_1cef4dcf9e_cNächstes Ziel weiter nördlich sind die rotbraunen Felsformationen der Girolata im Naturschutzgebiet . Wir hatten 2011 danach unser vorletztes gemeinsames Ziel(vor Nizza): Calvi. Zum Abschied malte ich dort mein Aquarell von der Burg:

Gerdis_aquarell

Neugierig? Ihr könnt euch den Bericht + Fotos vom 17.Sept. 2011 ja ansehen, auch damals Westwind! Und wir mußten ebenfalls warten!

https://eossegeltoern.wordpress.com/2011/09/17/48-zu-den-roten-felsen-korsikas-naturschutzge/

63 Weiter nach Norden bis Sargone+Cargèse (6.8.16)

Bonifacio

Das Feuerwerk am Abend über Bonifatio war grandios. Auch durch die knalligen Farben der illuminierten mächtig aufstrebenden Bastion. Die Stadt schläft noch lange nicht. Warum am Montag den 1. August ein Feuerwerk und einige Kapellen? Wir bringen es nicht in Erfahrung.

Wer denkt, am anderen Morgen schläft der Ort noch, der irrt. Als wir um 10 Uhr ausfahren, stauen sich die Schiffe. Megajachten blockieren beim Ablegen die Ausfahrenden im engen Hafenschlauch. Schnelle Tripboote drängen sich vor. Wellen werfen uns hin und her. Draußen löst sich das Chaos auf und es bleibt nur die Dünung des abgeklungenen Mistral.

Bucht an Bucht

Schwacher Wind, Dünung, der Motor treibt uns vorwärts. Kaps mit vorgelagerten Riffen müssen umfahren werden. Kein Problem mit GPS. Da und dort ein ankernder Segler in einer Bucht. Dahinter die mächtigen Berge, fast ganz mit undurchdringlicher Maccia bedeckt. Wie unterscheiden sich doch die Berge hier zu denen in Sardinien! Dort frei mit niederem Bewuchs, einladend zum Bergwandern, hier nahezu unbegehbar durch den dichten Bewuchs. Tizzano, die schlauchartige Bucht, steuern wir an. Schon am Eingang hemmt uns Flachwasser. Wir ankern auf Sandboden. Das gesamte Ufer ist in Privatbesitz, auch die Burg wenige Meter dahinter. Ein Ausflug mit MICRO EOS bringt mir wenig.

Porto Pollo

Porto Pollo (Hühnchenhafen). Warum heißt er so? Wir binden EOS an einer der vielen Bojen an. Mein Ausflug mit dem Schlauchboot bringt wieder wenig, auch ein Spaziergang in die Höhe bietet keine Sicht auf Meer und Umgebung. Villen oder Maccia stehen im Weg. Der Eigentümer einer Villenbaustelle gestattet mir nach eingehender Gesten-Diskussion, seine Baustelle mit Meersicht um weitere 5 m zu betreten.

DSC04027 (800x533)

Die zweite Fahrt mit MICRO EOS an Land gelingt nur in Schleichfahrt. Das Schiffchen ist mit 3 Personen -gewichtmäßig -überladen. Die Fahrt gelingt mit nassen Hosenböden .Wir kaufen ein und ich kann in einer Bar mit Internet endlich meine Nachrichten abrufen.

Der Bord-Grillmeister grillt wieder einwandfrei und der Salatmeister zaubert gemischten Salat. Genuss-Essen während die untergehende Sonne die Berge am Horizont und die entfernte Stadt Propriano in ein zauberhaftes rotes Licht taucht. Später bedeckt das Sternenzelt – wie schon so oft vorher –  den Himmel. Immer wieder ein göttliches Wunder, das mich draußen in den Schlaf begleitet

Ajaccio

Die Hauptstadt der Insel. Voller Leben, abends die Kneipen im Zentrum voll besetzt.

DSC04032 (800x533)DSC04034 (800x533)

Ich bin wieder mit der Welt verbunden: SIM-Card machts möglich. Großeinkauf und nächtlicher Bummel und als Abschluss Weißwein im Straßencafe.

Wetterprophet Lamma droht

Lamma rete“ ist unser bevorzugter Wetterbericht. Er sagt Starkwind voraus, von Westen. Ab Ajaccio motoren, segeln. Um die Inseln Sanguinaires, die markanten Vorposten auf dem Weg nach Ajaccio brist der Wind auf 5-6 Bft auf. Gerefft saust EOS mit halbem Wind vorwärts.

DSC04039 (800x533)
Viel Wind, viel Wellen-die EOS mit Maximaltempo-und nass

Wunderbares Segeln – bis dem Wind die Puste ausgeht. Aber jetzt baut sich aus Westen eine Dünung auf, die an Macht immer mehr zunimmt. Ich kontaktiere Lamma, den Wetterbericht. Das Display zeigt an: Blutrot im Westen, Bft 7, daher die Dünung! An der Boje in der Bucht von Sagone läuft die Dünung auch genau herein. Und packt die EOS…Ein schaukeliger Platz.

https://www.google.com/maps/@42.1318025,8.6125652,10z

Dies ist der Ankerplatz vor Cargèse, Samstag-Mittag, 6.8.:Sehr starke Böen hier vor Anker. Eigentlich wollten wir weiter kommen, aber der Wind ist stark und dagegen.

http://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157672074533575

Alle Bilder hier:                 (aufs 1.Bild des Albums clicken)

Am Morgen

62 Die Stadt auf der Klippe

Bonifacio

Enormer Schiffsverkehr an diesem Sonntagabend. Alle laufen wieder nach dem Wochenende in den Hafen ein, oder auch wegen des bevorstehenden starken Mistrals? Die Einparkhelfer in ihren schnellen Flitzerbooten haben alle Hände voll zu tun. Es entsteht ein richtiger Bootsstau. Aber jeder findet schließlich seinen Platz. Nach den Zirren am Himmel fängt der Wind zu blasen an. Das Sonnensegel darf nicht länger aufgespannt bleiben. Unser Koch zaubert, ja was zaubert er? Eier sind drin, Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln und obendrauf Tomaten. Es schmeckt jedenfalls gut.

Sie Stadt auf der Klippe

Die ADAC Straßenkarte sagt dazu:  „Der wellenumtoste Fels vor der Küste löste sich vor 800 Jahren von der Felsklippe. Für die Bewohner der halsbrecherisch nah am Klippenrand gebauten Häuser der Oberstadt eine ständige Warnung“. Stimmt. Manche Häuser stehen praktisch über Luft.

Häuser am Abgrund (800x533)

Früh am Morgen, die Sonne steht erst kurz am Himmel, besuche ich die Klippe. Ein schöner Naturweg führt an ihr entlang und bietet Aussicht auf Meer und Hafen. Auf der anderen Seite drücken sich die Häuser eng aneinander, die ersten Waren werden angeliefert, Ladenbesitzer, vorwiegend Souvenirverkäufer , beginnen, Ihre Waren zu präsentieren. In den ersten der vielen Restaurants werden Tische und Stühle nach außen getragen. Eine behäbige Ruhe. Am Mittag gehen wir alle zusammen in die Oberstadt. Jetzt ist von der morgendlichen Ruhe nichts mehr zu spüren. Jeder Tisch ist besetzt, die Ober wetzen, in den Gassen schieben sich die Menschen im Besichtigungstempo übers Pflaster. Der Ort lebt von den Gästen.

Enormer Gästebetrieb (800x533)

Im Hafen treffen sich Megajachten, alle liegen nebeneinander.

Auf dem Achterdeck wird getafelt. Früh am Morgen bereiten die Matrosen das Frühstück (meist Müsli) für die Herrschaft vor, bringen den letzten Glanz auf die Chromteile und saugen Böden. Ein Tag mit Glanz für Eigner und Gäste kann beginnen…

http://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157670787120780

Ein Klick auf das Bild und Du siehst alle Bilder:

... und das letzte italienische Riff

61 Ins Nachbarland: Sardinien-Korsika

Hier nun Gerhards Original-Bericht(61 war als Interim von Gerdi daheim)

Bei Maddalena, Sardinien:

… Tagsüber ist in der Bucht Santa Maria „der Bär los“. Yachten, Tripboote, Schlauchboote um uns.

Zu wenig, die Insel nur vom Wasser aus zu sehen. MICRO EOS bringt mich an Land. Dann ist der wunderbare harzige Geruch der Maccia um mich. Keine Blume hat bei dieser Hitze noch die Kraft zu blühen. Um mich stumpfes Grün, Grau und das Grau der schönen, runden Felsen. Natürlich kein Mensch unterwegs. Die andere, westliche Buchtseite, dem Seegang ausgesetzt spült Holz und Unrat auf den Strand. Ein Felsen bietet etwas Übersicht über die Insel. Unsere Vase am Heck der EOS blieb seit langem leer, es gibt in der Hitze einfach keine haltbaren Blumen. So breche ich Gräser und bin überrascht über die Vielfalt. Sie stecken jetzt als Trockenstrauß in der Vase.

Gegen Abend zieht sich eine Verwandlung durch. Die Boote verlassen unseren Ort, das letzte Tripboot an der nahen Boje ruft die Schwimmer auf Deck zurück und rauscht ab. Die Sonne nähert sich dem Horizont und verliert an Kraft. Eine wunderbare Ruhe kehrt ein. Unser Heckgrill heizt, der Tisch ist gedeckt, das Essen schmeckt. Auch der letzte rote Streifen verschwindet im Westen, stattdessen zeigen sich die Sterne in ihrer Pracht.

Nacht in der Bucht (800x533)

Möwen, oder sind es andere Tiere stimmen einen leisen Gesang an, als würden Kinder streiten.  Da passt so recht der Rotwein und als einmalige Zugabe eine Zigarre bis die Augen müde werden. Ist diese Nacht nicht zu schade um in der Plicht durch zu schlafen? So bin ich gar nicht böse, wenn ich immer wieder aufwache.

Der Wind schläft über Nacht vollkommen ein. So überfahren wir die Grenze zwischen Italien und Frankreich mit Motor. Der letzte Leuchtturm in Italien und drüben der erste in Frankreich.

Die neue Insel, ein neues Land: Frankreich! Vor Bonifacio schaukeln uns die schnellen Ausflugsschiffe mächtig durch und im langen Hafenschlund gibt es so etwas wie einen Schiffsstau. Rechts, links, quer, überall haben große und kleine Schiffe ihr Ziel. Wir winden uns durch und mit Unterstützung der freundlichen Einweiser liegen wir bald am Steg.

Hier alle Bilder: 

https://www.flickr.com/photos/gerhards/albums/72157670787120780

Auf das folgende Album-Titel-Bild clicken:

 

... und das letzte italienische Riff

Tizzano, Westküste 2.8.

Tizzano? …Und morgen nach Porto Pollo, wie 2011   🙂

Gerdi: Ich lese bei google nach:

Nirgendwo auf Korsika ist die Dichte an prähistorischen Fundstätten derart hoch wie im Sartenais. Die Region war bereits vor 9000 Jahren verhältnismässig stark besiedelt. Zahlreiche Menhire und Menhirstatuen sowie Dolmen und torreanische Burgen sind Zeugen jener Zeit.

Die Eos sandte um 18 Uhr den neuen Ankerplatz. Für einen Ausflug zu den Dolmen und Menhiren wird die Zeit nicht reichen.. Wie Stonehenge!

Und so sah’s am 11.Sept.2011 in Porto Pollo aus: