117 Montbéliard-Stadtpark, Science-Park, Burg+Altstadt

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unser Liegeplatz am kl. Hafen
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Frühstück am Sonntagmorgen, noch im Nebel

Sonntagsfrühstück am 16.Okt.: mit Rochefort, Terrine d’Alsace, Camembert, Comté-Käse,Mandarine, Kaffee, Blumen…

Neben unsrem Liegeplatz ist ein kleiner Garten, hinterm Gartenzaun wächst Gemüse, Tomaten, Petersilie, Rosenkohl, Majoran… blühen Kapuzinerkresse und Kamille.

Am Schild steht zu lesen: Bedienen sie sich. Kostenlos Gemüse für alle. Eine schöne Idee.

Wir spazieren in den Skulpturenpark, wo mit Modellen allerlei wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt werden. Direkt am Fluß ist ein Steg mit großartigen Fotos, die in fantastischen Nahaufnahmen Farn, Akelei, Flechten, Moose, Knospen, Samen zeigen. Am Ende steht die Tafel mit allen -aber keine Auflösung, die gäb’s in der Ausstellung. Leider war sie zu…science-parc-montbeliard-8science-parc-montbeliard-7

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science-parc-montbeliard-3An einem großen ewig schwingenden Pendel mit einer Kugel wird die Erdbewegung demonstriert! Verschiedene Sonnenuhren zeigen Monat, Jahreszeit, Uhrzeit, Sternzeichen. Dazwischen gibt’s spielerische Angebote für Kinderund am Springbrunnen  einen Pavillon, bei dem auch wir gern in der warmen Mittagssonne ein Glas Wein trinken.

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Lichtspiel und Liebe…

Im Garten der Düfte kann man den aromatischen Geruch der Kräuter erschnuppern, Dill, Rosmarin, Origano, Basilikum, Thymian, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Kamille. Daneben ein Garten mit verschiedenen Rosenarten, im Sommer sicher ein Zauber der Duftsorten.

science-parc-montbeliard-9Eine Skulptur der Kinder von Montbéliard und Ludwigsburg mahnt, daß die Wildbienen geschützt werden müssen. science-parc-montbeliard-10science-parc-montbeliard-11Daneben ein Labyrinth aus Thuja, seit 25 Jahren wächst hier die Baumfülle, 6000 Bäume auf 1,3km. Am meisten begeistert mich die Farbenpracht. Aus dem langen heißen Mittelmeer-Sommer katapultiert uns nun die Flußfahrt in die kühle Jahreszeit. Früh war dichter Neeeeebel, wie daheim am Bodensee, aber ab halbzehn lichtete er sich hier.

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stadtrundgangburg-9stadtrundgangburg-7stadtrundgangburg-10Wir steigen hoch zur Burg, die von den Württemberger Herzögen zeitweise bewohnt war. Nur heute ist sie nicht mehr so begehrt-das Musik-Konservatorium und ein Folklore-Verein teilen sich ein stattliches Gebäude mit Giebel mit Voluten am Sims wie in Nürnberg am Fembohaus.stadtrundgangburg-4

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Die Stadt hat eine Fußgängerzone, die gestern üppig begangen war, mit vielen Läden, Boutiquen, Bars und Cafés. Heute am Sonntag ist sie verlassen, ja menschenleer!! Die steilen Giebel der zur Gasse gewendeten Häuser erinnern mich an Kempten oder Nördlingen. Schön die Sprossenfenster, bunte Fensterläden, niedliche Dachgaupen, winzige Maisonettes in kleinen Dächern, teils schöne Haustüren…

Der Park dagegen ist beliebt und viele Familien mit Kindern tummeln sich hier, auch Jogger und Jugendliche mit Skatern.

science-parc-montbeliard-19Am Weg zum Port de Plaisance und zur Eos sieht man nahe am Fluß im Park Nebelwolken aufsteigen und wabern…. Woher? Aus großen Töpfen springen Wasserstrahlen und aus winzigen Düsen staubt feinster Nebel heraus! Welch ein Schauspiel, eine Freude durch zu laufen. Was mag das im heißen Sommer für ein großer Genuß gewesen sein. Zurück an Bord gibt’s ein „Chasson“ (Blätterteig wie ein Laubblatt mit Apfelmus) und ein Gebäck mit knusprigen Mandelscheibchen zum Kaffee. Dann sitzen wir eine Stunde im noch warmen Sonnenschein im Cockpit! Im T-Shirt!

Rrrr- das Smartphone ruft: elch ein Wunder, welch eine Freude: Emils erste eigne Schritte als Video. Emil kann laufen…Unser Enkel, der nun 13 Monate alte Emil, läuft 6 Schritte zur Mama und zum Papa zurück. BRAVOOO!

Ich flöte mit der Blockflöte Danklieder, Lobe den Herren, Emils Lieblingslied (Grün, grün, grün sind alle meine Kleider) und internationale Lieder wie Greensleeves, die Marseillaise, Freude schöner Götterfunken….und das bunt gemischte Spaziergängervolk am Hafen freut sich.

Morgen habe ich uns bei der Schleuse Nr. 8 angemeldet. Wer das versäumt, muß 24 Std. warten… Denn einige Schleusenfachleute werden an Bord kommen und uns begleiten. Mein Französisch bewährte sich erneut am Telefon. „Oui, Madame, d’accord, à demain à l’écluse numero huit -à quatorze heure, merci. Au revoir ,nous attendrons votre bateau , l’equipe des éclusiers voudrais accompagner vous.

Wir fahren auf dem Rhein-Rhône-Kanal bis Montreux vieux, da sei ein Anleger mit Strom. Gut, es ist kalt nachts so ohne Schlafsack…

117 Hüftschwung, Eisbad, Montbéliard…

Gerdi am 15.Okt., mach 8 Stunden Fahrt… ohne Grundberührung!!!:-)

Wenn ich an der Pinne stehe, stehe ich nicht exakt in der Mitte (wo die Pinne ist) sondern körperbedingt knapp daneben auf der linken Seite, wo der Schalthebel des Motors ist. Beim Nachsteuern im Kanal, wo nur genau in der Mitte zwischen den beiden grünen Ufern die Wassertiefe der Fahrrinne 0,5 bis 0,9 m Wasser unter unsrem Kiel bietet, genüben Nuancen, um in der Fahr-Rinne zu bleiben. Also genügt ein kleiner Hüftschwung, um die Pinne dahin zu bewegen, wo sie das Schiff nach links steuert.Nach rechts kann ich die Pinnenstange mit der Hand zu mir herdrücken. Eine Kunst nach 25 Tagen Flußfahrt.

Wir sind fröhlich aufgewacht, um Martin Luthers Morgensegen zu zitieren: Der Regen hat aufgehört, blauer Himmel, Sonn e ab halbneun Uhr. Vor uns liegt die kleine Motoryacht Ijrje aus Amsterdam. So nett die beiden, 4 Monate Amsterdam/Lyon/Amsterdam … Hilde spielt Harfe, er Trompete, er ist Discjockey und hat einen kleinen Schrank als Lautsprecher dabei, damit er gute Musik hören kann. Bei einem Sturz am Boot brach er sich vor 5 Wochen den Arm… Dder Gips nimmt ihm nicht die gute Laune…Lebenskünstler:

Als wir ablegen, höre ich die Schulkinder drüben am Schulhof schreien und lachen. Schön auch der Drei-Klang-Ton der Kirchenglocke von Île sur le Doubs…

Auf dem Kanal schwimmen grüne Seegrasinseln, ganze Apfelbäume,auch viele reife Äpfel. Dann aber verfängt sich eine solche Schlingpflanzenmenge in unsrer Schiffsschraube. Ich stuere eine Art Anlegesteg an und Gerhard zieht die Badehose an und die Taucherbrille… Er muß tauchen!! Von Hand holt er das „Gemüse“ aus der Schraube und klettert die Badeleiter wieder hoch. Brrr: 12° C Wassertemperatur. Tapfer. Ich steh mit 2 Frottéehandtüchern bereit und zu zweit rubbeln wir den kalten Frosch trocken. Mütze auf, Faserpelz an und weiter geht die Fahrt nach dem Eisbad…

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Zeugen des Tauchgangs bei 12° Flußtemperatur….
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Reife Äpfel schwimmen im Kanal…

 

Zweimal wird automatisch für die EOS die Hebebrücke gehoben, die Autos warten.

Zwölf Schleusen müssen wir heute ferngesteuert öffnen, innen die Leine wie ein Lasso über den oft hoch oben auf der Schleusenmauer stehenden Poller werfen, an einer glitschigen Stange einen Ruck nach oben geben, dann schließen die Tore hinter uns und das Wasser schießt ein. Den Bug steuere ich mit Motorkraft und gelegter Pinne von der Schleusenmauer, an der wir festgemacht haben, weg. Sind wir 4 m weiter oben, Gang raus, Leine lösen, langsam anfahren und wenn die vor uns liegenden Tore sich öffnen, rausfahren… Wieder schöne Namen, Colombe Chatelot, Colombine Fontaine, St. Maurice Echelotte……

Nach 8 Stunden und 12 Schleusen erreichen wir Montbéliard. Wir spazieren beim letzten Sonnenschein über die Brücke überm Doubs und in die City. Die Giebelhäusle in der Fußgängerzone erinnern mich an Kempten! Da es außer Boutiquen, Kebab, Cafés und Bierstuben kein interessantes echt französisches Restaurant gibt, kaufe ich Hackfleisch und um 19.30 duftet es an Bord nach Chili con Carne!

Wir bleiben morgen am Sonntag hier… Entspannen.

 

116 Neun Stunden anstrengende Steuerarbeit in der seichten Fahrrinne + 10 Schleusen

Gerdi schreibt, müde, am Freitag, 14.Oktober, nachts

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Alle Schifflesfahrer mußten 1 Tag abwarten, bis ein Fachmann die defekte Schleuse repariert hatte. Dann kam die Erfolgsmeldung der Éclusière-Dame: Vous pouvez aller!

Da wir am Abend von den andren Flußfahrern gehört hatten, daß der Hafen, in dem die EOS 2009 und 2011 noch rasten konnte, nicht mehr anzufahren sei wegen Versandung, hieß das. aufstehen um 7! Frühstück im Halbschlaf und Start um 9. Ablegen von der Tasco, dem edlen großen Motorboot der Schweizer aus der Nähe von Basel! Statt 14 km mußten wir 32 km schaffen, was durch die so langsame Fahrerei wegen der seichten schmalen Fahrrinne und und der je 20 minütige Schleuserei einfach unheimlich lange dauert.

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Gerhard steuert im Fluß.. abenteuerlich glotzen mich die bemoosten Steine knapp unter Wasser an, umspielt von meterlangen im Wasser schaukelnden Schlingpflanzen, Seerosen und umgefallenen Laubbäumen. Wie schön,mal eine andre lebendeKreatur zu sehen am Ufer außer bedrohlichen Felsen im Wasser: Gänse, Kühe, Eisvogel, Graureiher…

Furchterregend zeigt das Echolot die geringe Wasser-Tiefe unterm Kiel an: 0,6…0,5..0,4 Sofort Rückwärtsgeben… Gang raus, neue Möglichkeiten austesten. Es ist nervig… Es strengt an… Dann die nächste rote Ampel der Schleuse vor uns im wolkenverhangenen Ausblick… Fernsteuergerät raus und beten, daß es das Signal auch sendet… Oft muß man auf 40 m ranfahren, wo dann kaum Schiffsbreite herrscht beim ca. 8-10 minütigen Warten auf viel zu geringer Wassertiefe. Erlösend, wenn dann das rot+grün+Blinklicht erscheint und ich bald im Schneckentempo einfahren kann, nachdem sich gemächlich die 2 riesigen Stahltore geöffnet haben. Mittags rühre ich Quark mit Zitrone, Ruccola+Knoblauch zu einem leckeren Aufstrich… das Brot ist frisch vom Bäcker, (der um 8 zum Campingplatz kommt!)

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Gib eine Beschriftung ein
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Dramatisch nahe der Doubs mit dem Wasserfall neben der Schleuse
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Leine am Bug belegen…
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…und Pinne extrem einschlagen.. Vorwärts, die ganze Schleusendauer lang…

Wir haben eine professionelle Art des Schleusens gelernt: Schiff nur an 1 Leine vorn am Bug fixieren (da muß Gh. nicht die glitschige Leiter hochklettern und ganz oben in 4 m Höhe Seil an die Poller legen u. ich muß nicht mühselig ständig die Seillänge nachjustieren. Dann Gas geben: vorwärts fahren und dabei die Pinne maximal einschlagen „Bug weg von der Schleusenmauer“. Ein großes Dankeschön an Hilde, die Amsterdamerin von dem wirklich kleinen niedrigen Motorboot „Amsterdam“. Famos, wie die mit ihrem fröhlichen Engländer diese ganze Tour ab Amsterdam meisterte!!! Und nun zurück, einfach eine abenteuerliche Weise, 4 Monate am Fluß zu leben (Wohnungen vermietet, von der Miete den Törn finanzieren) Kompliment.

Eine Schleuse nach der andren… Einmal schleusen wir zu dritt, 1x und nie wieder, die EOS machte Sprünge im einschießenden strudeligen Wasser….!!! Interessant die Schleusen-Namen: Baumes. les Dames…Hyère-Magny, Haux de Clerval…Clerval…Île sur le Doubs…Mühsam ist die andauernde Konzentration, kaum einen Moment kann man auf die Landschaft blicken. Wolken hängen tief, es regnet, also Ölzeug, Gummistiefel, Handschuhe, Mütze, …und naß alles im Cockpit. Wäre nicht der Hafen Clerval versandet, könnten wir um 13 dasein. Aber so dauert es bis um 18 Uhr, 9 lange Stunden da draußen im Regen…Erst kurz vor der Dunkelheit legen wir am Kai in Îsle sur le Doubs an, oder fast, auch hier sumpft der Kiel unten im Schlamm… Aber Gh. kann eine Leitung legen und wir haben Strom für den Heizlüfter. Da kocht schon meine Hühnersuppe, denn ich begann zwischen den 2 letzten Schleusen Gemüse zu schnippeln. Dann brauch ich un-be-dingt eine heiße Wärmflasche unter den Eisfüßen. Gh. bereitet liebevoll den Nachtisch vor: sonnengereifte Mandarinen aus Spanien… Romantisch sieht’s heute nicht aus im Salon: überall hängen unsre nassen Klamotten zum Dörren…

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Ein voller Autozug bringt doppelstöckig die Autos aus der Renault-Fabrik zu den Autohäusern…

img_2505img_2508 Während ich hier um 22.30 Uhr den Blog in mein surface-Notebook tippe, sinkt der arme müde Kopf des Käptns aufs Buch. Gute Nacht.

 

 

114 Mit Fels am Bergufer und unterm Kiel…seichter Doubs bis Baumes les Dames

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Wieder ein Tag mit enormer Anspannung. Der Fluß führt einfach viel zu wenig Wasser. Gerhard steuert hochkonzentriert, trotzdem sitzt der Kiel 3x am Grund, mal knirscht der Fels, mal kann man nicht mal ohne Grundberührung in die für uns schon offene Schleusenpforte einfahren, ohne aufzusitzen. Es nervt. Jaja, Ruhe bewahren… machen wir. Wenn rückwärts motoren und Ruder-Wedeln nix nützt, schnappt sich Gerhard behende den 5 m langen (!!) Extra-Bootshaken und schiebt mit aller Kraft am Grund, der dann ja „nur“ unsere Kielhöhe und Bordwandhöhe bis Wasserpaß , also 1,50m weit weg ist. Man könnte im Wasser stehen neben der festgefahrenen EOS…

Ich geb dann zartfühlend mit dem Motor rückwärts. Mal dreht sich der Bug(Aha, Fels) – mal schiebt man doch etwas Sand weg oder wühlt ihn auf, wenn das Wasser braun wird neben der Schraube. Ich bete laut, ich hoffe, ich vertraue. Gerhard auch. Wir sind „Gottfroh“ wenn die EOS sich wieder selber bewegt und nicht mehr im Seichten hocken bleibt.doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-1doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-2doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-3doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-4

Am Ufer auf backbord wären die schönsten fast senkrechten Felsen, wohl auch zum Klettern. Aber wir können der Schönheit kaum einen Blick gönnen.

Als wir neben dem Campingplatz Baumes les dames anliegen wollen, sitzen wir erneut auf. Ein Schweizer zieht uns an sein Tasco- und dann hören wir, daß wir alle hier bleiben müssen, da die nächste Schleuse defekt ist….

Wir laufen ca. 3 km zum Einkaufen, gucken uns die regengraue Stadt an. Am ABend treffen wir uns alle zum Essen im Restaurant neben dem Campingplatz… Es regnet.img_2487img_2490

115 Von Besancon bis Deluz-wenig Wasser unterm Kiel…

Mittwoch, 12.10.16. Kalt war die Nacht am Ponton unter der Citadelle von Besancon. Kein Stromanschluß! Hoch über uns die Festungsmauern, aber wir können nicht hin. Der eigentliche Hafen ist in diesem Jahr zu flach, wir müssen „draußen“ bleiben vor dem fast 400 m langen Tunnel, der zur großen enge geschlungenen Flußschleife führt, der „Boucle de Besancon“.

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Ich schlafe im Faserpelzanzug wie im Winter in deiner unbeheizten Hütte. Die teddyfellige Hose diente mir 1982 in der Schwangerschaft mit Martin als Skitouren-Umstandshose ;-). Auch passende Socken hab ich an im kalten Bug-Bett, die hatte ich beim Wintersegeln früher am Bodensee in den Gummistiefeln an.

Naß beschlagene Schiffsfenster sind das Zeichen der kalten Nacht. Um 7 stehn wir auf, freuen uns auf heißen Kaffee und Tee und Knäckebrot. Um 9 will Gh. mit dem Fernsteuergerät dieTunnelschleuse aus, ein Helfer kommt und öffnet die Schleusentore. Aufregend: ein in nur 4 Jahren erbauter 388 m langer Tunnel (1878-1882 erbaut) verbindet die engste Stelle der „Boucle de Besancon“, die der Doubs hier bildet, mit der gegenüberliegenden Flußschleifenseite. Als Boot kann man die ganze Schleife auslassen und gleich auf dem Doubs weiterfahren. Anstrengend ist dieser Arbeitstag an der Pinne, das Echolot zeigt uns zwar die geringe Wassertiefe, aber der felszackige Untergrund macht eher Angst, wenn man liest, daß nur 30 oder 50 cm unterm Kiel sind…Oder wie gestern keine Handbreit am Fels…

Exakt steuert man, was vorgeschrieben ist in der Flußkarte, oder am Schild am Ufer angezeigt wird: 15 m Abstand zum rechten Ufer, oder 10 m zum linken, oder sehr waghalsig eng an den weit aus dem Flußwasser herausragenden bemoosten roten Dalben entlang…(normalerweise überflutet, nun beim niedrigen Wasserstand frei an den Befestigungen). Gh. hat die Warnmeldung (einen Pfeifton) von 0,3m auf 0,60m umgestellt. So bleibt mehr Zeit zum reagieren. Es weht wieder ein kalter Wind, aus Ost, erst um 10 schafft es die Sonne ins noch schattige Flußtal zu uns… An unsrer 4. Schleuse soll man sich vom rechten Ufer rechtwinklig zum linken begeben und dort am Ponton wartend auslösen. Doch da hat es weniger als unsre Kielhöhe und wieder sitzt er auf em eingespülten Kies+Sand auf… Beim 2. Versuch klappte es.

Die Doppelschleuse erfordert ganze Aufmerksamkeit, sie ist hoch und das Wasser spült uns stoßweise fast an die Gegenmauer… Gerhard hoch oben auf dem Schleusenrand wirkt wie ein Zwerg. img_2477Ich ziehe und zerre sobald das Wasser wieder angestiegen ist, an der Heckleine, damit EOS brav auf der Mauerseite bleibt, wo wir hoch droben an Dalben die Leinen über Poller legten und von unten fieren. Nach der 1. kommt gleich eine 2. Schleuse. Mein Arm (Fall am 10.Sept. in Martigny) schmerzt… Um halbzwölf steuert Gh, mit Anorak und Mütze.

Wieder ist der Doubs sehr flach-wir drosseln die Geschwindigkeit extrem und kommen so kaum vorwärts. Grad etwas schneller als die Spaziergänger in der Platanen-Allee mit den schönen alten dicken Stämmen. Traumhaft diese Baumriesen, daneben immer der E6, der Europa-Radweg.

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Wir sind inzwischen auf der geografischen Höhe von Zürich und Appenzell und Lindau. Thun und Jojo sind also südlicher (als wir im Fluß über Besancon). Konstanz ist fast querab, von dort kommt in 12 Tagen der Sattelschlepper und holt die EOS. Um halbeins übernehme wieder ich das Ruder, ganz schmal und eng ist der Kanal, das Echolot zeigt 0,8 und max. 1,0 an, da muß man noch die 1,5m vom Kielfuß bis zur Wasserlinie dazurechnen. Aber man bleibt angespannt und unruhig. Dann blitzen rot die ersten Dächer am linken Ufer auf: DELUZ. Eine neue kleine Ponton-Marina, mit Strom und neuer Capitaneria, mit Dusche(aber unbeheizt). Ich erfreue die Büroleute mit der Marseillaise auf der Mundharmonika, wir singen zu viert Au claire de la lune und dann gibt’s noch „Alle Vöglein sind schon da“ als deutsches Volkslied. Große Freude, die Melodie ist bekannt: …“aah, toutes les oiseaux sont là déjà! Bravo!“ Zurück an Bord brühe ich Couscous auf und mit Mais, Paprika, Tomaten ist im Nu ein Salat fertig. Gh. darf seinen geliebten Thunfisch mit Zwiebeln schmausen…

img_2480Ich brauch mal Magentee, Käsepappelblätter der Malve, denn irgendwas ist im letzten Trinkwasser (vom Ponton in Thoraise) drin gewesen, schmeckte schlimm nach Chlor statt nach Kamillentee am Morgen… Mit dem Bettbezug versperre ich dem böigen Wind den Zugang zum Eck imj Cockpit, wo ich die letzten warmen Sonnenstrahlen beim Lesen eines Ludlum-Wälzers genieße, mit Decke am Schoß. Am Abend koch ich eine feine Bolognese aus aufgetautem Rinderhack zu breiten Nudeln. Wir zahlten 11 € und lassen mal den Heizlüfter laufen.

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Gh. läuft ins Dorf, der Bäcker hat für immer geschlossen, einen Laden gibt’s nicht.

Hier Gerhards Flickr-Album: Klick

114 Abenteuer pur: am Felsen aufgesessen-im Fahrwasser!!! Bis Besancon.

Dienstag, 11.Oktober, den Tag vergesse ich nie!!!

Thoraise, Ponton.

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Ganz vorsichtig steuere ich um 10 Uhr durch den langen Tunnel! Gleich am Ausgang muß ich rechtwinklig, also 90°, abbiegen nach rechts. Es wird eng. An der Steuerbordseite liegen einige schöne Hausboote, also zur Wohnung umgebaute Frachtschiffe: „Nomadisch“, „Nemo“-teils mit roten Dahlien und Teak-Möbel-Gruppen an Deck, sehr gemütlich. Ich steuere mit kalten Pfoten eine Stunde, als Gh. mich ablöst gibt er etwas mehr Gas. … Ich sitz am Salontisch und da macht es einen Schlag. Rummmmms, Felsen unterm Kiel!!!!

Eos sitzt fest, der Kiel klemmt zwischen Felszacken. Mitten in der Fahrrinne, obwohl sie exakt vom Käptn gesteuert wurde, an den roten Bojen entlang und auch rechts haben wir genau diese vorgeschriebenen 10 oder 15 m Abstand zum Ufer eingehalten. Der Doubs hat wohl was gegen die frühen Segelschiffer…

Mein kleines Hy purzelte vom Tisch, denn die Eos machte einen Satz! Grch-ch-chh-chkkk…ein für Segler unheimlich abscheuliches Geräusch: Kiel am Fels… Sekunden werden da lang… dann stand das Schiff…Wäre es Sand oder Schlick, könnte man durch Wiegen und Ruder-hin-und-her das Boot freibekommen, aber im Felsgestein nicht, höchste Vorsicht, das Ruder darf nicht beschädigt werden…

Wir wußten, daß hinter uns ein Pfälzer mit dem Mietboot kommen wird, die hatten länger gefrühstückt am Ponton vor uns. Aber vorher kamen 2 junge Franzosen, Katamaran, gelegter Mast… sie nahmen bereitwillig unsre Leine, zogen mit aller Motorkraft, die Eos bewegte sich kaum, und es krachte enorm… bis deren Motor heiß lief. Also vergeblich. Leinen los… Dann kam der Pfälzer auf seiner Locaboat-Peniche. Die beiden Töchter belegten an Bord fachmännisch unsre Leine, verlängerten sie, Mama gab laut die Anweisungen von Gerhard weiter an den Käptn innen am Steuerrad…Er zog und mühte sich, mal am Bug, mal am Heck der EOS. Auch umsonst. Schade, viel Glück!….

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aufgesessen am Fels  im Fahrwasser
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Seht ihr die Fahrwassertonnen, am Ufer grün, im Fluß rot? Wir in der Mitte..!!

Nun pumpte Gerhard das Schlauchboot auf, paddelte 3 aneinander geknotete Leinen ans grüne Ufer...kam zurück… Ziehen half nix. Dann senkte er den Anker auf den nahen Grund, die Felsen kamen nun sichtbar näher, denn es war inzw. Wind… Neuer Versuch: Die lange Leine an den Bug, diese an die Ankerwinsch. Die ist elektrisch… Vorsichtig betätigte Gh. die Winsch… und die Eos kam tatsächlich -wenn auch knirschend mit dem Kiel- nun cm-weise nach hinten, am Heck, wieder Richtung Fahrwasser. Ich gab zart Motorkraft zurück… betete… und da schwenkte nun doch der Bug nach rechts und Richtung Ufer…. wieder 2 m Wassertiefe. Gh. paddelte zurück an den Busch, löste die Landleine, ich hielt die Eos am Platz, er zog sich an der Leine ganz vorsichtig zur Eos und dann holte ich noch den Anker hoch… dankbar konnten wir weiter fahren…. Gott sei Dank, daß wir keinen Kran o.ä.brauchten…

 

Leider hielt das Abenteuer an: Die nächste Schleuse muckte, ein Wärter kam und schloß die Schleusentüren hinter uns. Auch an der nächsten Schleuse Ärger. „Fehleralarm. Geduld!“ kam am Display der Fernsteuerung… „Fehlerbehebung im Gange„-Wieder flitzte ein VFN-Mitarbeiter im Auto heran und öffnete uns das Schleusentor. Sehr vorsichtig steuerten wir zum Ziel: ein Ponton vorm Tunnel, der zur großen Flußschleife führt: der Boucle de Besancon. Dort wollten wir am Ponton bleiben, glücklicherweise war es da 1,60m tief, grad genug für die EOS. Aber kein Strom, also kalt die Nacht, kein Heizlüfter.

Eigentlich haben wir ja eine schwedische Bordheizung, aber leider hat die das Salzwasser nicht überlebt und sie dient uns nun  nicht im kalten Herbst des 3. Törn-Jahres zum Heizen und Wärmen, wo wir das ja eigentlich gut geplant hatten. Und einen Schlafsack oder  luftkammermäßige Steppdecke haben wir auch nicht..

Wir bewahren unsre Zuversicht, danken Gott für den nicht eingetretenen Schaden am Boot, schließen alle Luken, um die Wärme zu halten. Dann koch ich Blumenkohl mit Buttersauce Hollandaise, also mit Eidotter und Sahne. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern…!!!

 

Fotos werden nachgeliefert, kein Internet in Besancon

112 In engsten Kanälen via Rochefort bis Ranchot

Dies als Info: kein Blog, keine Fotos.

Das Internet sendet keine Fotos… GEDULD:-)

Wir sind am 9. Oktober, unserem 19. Flußtag und dem 143. Törntag in Ranchot.

Nachts 2°C, tags 12-14°… Anlegen geht nur an kleinen Kais, da muß man vor Dunkelheit da sein. Die Schleusen machen Arbeit, mit der Fernsteuerung löst man sie selber aus, dann muß man innen die beiden Leinen an Bug und Heck dichtholen je nach einlaufendem Wasser und Abstand zur Schleusenmauerhöhe… Wir können nur mit 4 km/h fahren. Für 20 km brauchten wir heute von 10 bis 16 Uhr. Das konzentrierte Steuern (max. in der Mitte 2m WT) ist anstrengend!

Wir sind guter Laune: heute kochte ich mittags zwischen 2 Schleusen aus Bio-Rindfleisch von der Markthalle in Dôle mit Gemüse eine köstliche Suppe. Was Heißes ist nun immer richtig.

Am 24. kommt der Autokran und der LKW nach Mulhouse. Wir müssen eilen.