Am Abend des 28. August bummeln wir an der Promenade entlang, ein runder natürlicher Hafen mit Befestigung, am Kai 20 große alte, liebevoll renovierte Holzschiffe mit 2 Masten und Segeln, viele türkisch beflaggt, ca. 20 m lang, 6 m breit, Kreuzfahrtschiffe alter Zeit.Man lädt auf deutsch ein zum Tagesausflug, nur 1 Stunde nach Bodrum – oder zur griechischen „3-Insel-Fahrt mit Barbecue und Baden“.Kos ist grün, hat viel Wald, man bewässert die Parks, es duftet nach feuchter Erde, nach Gras, es gibt historische Ausgrabungen, stattlilche Insula-Häuser, griechisch und römisch. Die Innenstadt aber ist ein einziger „Touristensumpf“ – schade. Wie es hier wohl im Winter aussieht? Alles geschlossen?Beim Einkaufen erzählt ein junger Mann aus Bangladesh, dass er mit dem Lohn von 3 Monaten Hilfskraft im griechischen Shop daheim 9 Monate leben kann.Am frühen Samstagmorgen kaufe ich bei einem in den Wohngassen entdeckten Metzger wunderbar ein: frische Hühnerbrust, Kalbfleisch, 2 Halsgratsteaks. Um 9 segeln wir mit fast „leichtem Wind“ rüber zum fjordähnlichen engen Schlund vor dem kleinen Hafen Vathy auf Kalymnos. Doch zwischen senkrechten Felswänden geht plötzlich „nix mehr“ im Vorwärts/Rückwärtsgang! Mitten im Fahrwasser. Im Nu fällt der Notanker…Gerhard kriecht hinter den Motorblock: Gaszug gerissen. Er baut das defekte 3m-Stahlkabel aus und zieht eine dünne Leine ein, vom Schaltgestänge bis zur Treppe am Niedergang, wir geben nun von Hand Gas. Dann geht’s zurück nach KOS. Auf der Überfahrt E-Mail an unsern Joachim im Büro in Österreich: Wo ist eine Volvo-Werkstatt? Telefon: auf der Insel LEROS. Da waren wir grad, es ist neben Kalymnos.Wir ergattern sogar einen Platz in der Marina Kos und ich freu mich noch eine Nacht an der tollen flotten Musik der Beachball-Europa-Meisterschaft. Grosse Begeisterung. Siegesfeier. Ich koche in Anlehnung an Erikas Thailandreise im Wok marinierte Hühnerbrust, feines Gemüse mit Aubergine,Zucchini,Paprika,Tomate, Thaicurry, Basilikum, Chili, Ingwer, Knoblauch, Sojasauce. Dazu Basmati-Reis.
Kategorie: Reisen vor 2014
Mit viel Wind gen Osten: Von Syros via Naxos nach Dendro, am Weg nach KOS
Gerdi7 Tage Ermoupolis. Im Nobelhotel HERMES gehen wir ab und zu ins Internet, sitzen in der Lounge, laden Fotos auf Flickr, senden einen Blog ab, sehen den Seglerwetterbericht. Immer gleich, 7-8 bft. Der Kellner, der unser Schiff seit einer Woche im Blickfeld hat, wild schaukelnd, sagt, dass der Meltemi schon 45 Tage aus Nord bläst! Kein Gast auf der umtosten Terrasse vor den bis an die Hotelfenster hochgischtenden mit Autotempo anrasenden Wellen. Man nimmt den Tee auf der windgeschützten Eingangshalle ein.Viele Engländer.Ein Abendspaziergang führt uns den zweiten, wie ein Dreieck bebauten Hügel hoch, im letzten Licht banne ich die Aussicht mit rosa Himmel über der bereits beleuchteten Kirche aufs Foto, unten im Hafen ganz links ist die Eos das erste Schiff! Viele Treppen, oft 10 m breit, bis zu 100 m in die Höhe führend. Bougainvillea, reife gefallene Feigen auf dem schmalen Weg zwischen den Häuserzeilen.

Beim Abstieg finden wir das romantische MARITZA, ein Genießerlokal, in dem so richtig gekocht – nicht nur gegrillt – wird. Die meisten Gerichte kommen direkt aus dem „oven“, das verspricht delikate Rezepte. Gerhard wählte Lamm, ich das fast märchenhaft gut gewürzte Kalbfleisch mit Aubergine (al dente!), mit Feta überbacken im Ton-Töpfchen, glutheiß serviert. Melitzane karyogolos hieß es wohl, ein Traum mit dem Aroma der Gewürznelke. Dazu ½ l Wein mit feinem Bouquet (siehe Foto), ein handgemachter Sahnepudding als Dessert. Nur 25€ für alles. Es wurde unser Abschiedsessen von Insel Syros. Früh um 6 geht’s Anker auf. Gen Osten, Richtung Türkei. Da hat es nur 2-4 bft. Das wär echt wieder mal schön!Noch bevor der Anker vor der smaragdgrün bis dunkel-türkis fast amazongrün leuchtenden Bucht ins Meer fällt, sag ich zum Skipper: „So, jetzt zieh ich die Gummistiefel und die Ölhosen aus und koche Linsensuppe – arabisch gewürzt!“.Nelke, Koriander, Zimt, Muskat, Chili aus der Mühle, Zwiebeln in Zucker gebräunt, Lorbeer, Weinessig, Fleischbrühe. Eine leckere Belohnung nach der stürmischen Überfahrt. Abends kocht der Chef: Spaghetti und Pesto Gemüse, Parmesan, Melone! Das gegen-den-Wind-Rudern macht hungrig.Die ganze Nacht reißt der Wind am Mast, Stärke 7? Die Ankerkette knarrt vor meinen Füßen am Bug. Ich brauch ne Decke, so kühl ist es, 20°. In Deutschland hat es 28°-35°! Erika konnte nicht in der Galerie unsrer Wohnung schlafen vor Hitze.

Es folgt ein Anker-Tag: siehe Foto aus der Kajüte! Email an Erika, ein Brief an meinen ev. Gemeindepfarrer daheim am See, an den Segelverein, an Bekannte. Wir lesen die aktuelle Süddeutsche Zeitung von vor vier Tagen! Gerhard liest friedlich ein 5 cm dickes Buch, ich in der Bibel die Markus-Geschichte von der Stillung des Sturms:
Und er bedrohte den Wind und sprach zum Meer: „Schweig und verstumme!“ Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille…
Eine hinreißende Geschichte, auf See gelesen.Ich spiele „alte Lieder“ auf der Flöte, auf der Mundharmonika.:Im schönsten Wiesengrunde, Am Brunnen vor dem Tore, Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, Abendstille überall, Weißt du wie viel Sternlein stehen, Wind, Wind, sause…, Kein schöner Land in dieser Zeit als hier das unsre weit und breit, Nun wollen wir singen das Abendlied, und beten, dass Gott uns behüt’…, Guter Mond du gehst so stille durch die Abendwolken hin, Großer Gott wir loben dich, Schlaf mein Prinzchen, Und jetzo kommt der Abendschein und alle Menschen schlafen ein, Laudate omnes gentes, laudate domino – Jubilate deo omnis terra, servite domine in laeticia, Herr, gib uns deinen Frieden Ruhet von des Tages Müh, es will Abend werden, laß die Sorg’ bis morgen früh, GOTT BEWAHRT DIE ERDEN! Unter dem Sternenhimmel denkt man, da oben kommt nun mein Gebet an.

Bei unserer abendlichen Wanderung auf den Hügel schweift der Blick weit über die Meeresbuchten und nahen Inseln Mykonos und Delos, gischtweiß das vom Nordwind gepeitschte Meer, tiefblau mit grünen Säumen die etwas windabgewandten Buchten. Siehe Fotos- ein Traum.

Doch wir wagen früh um 6 die Weiterfahrt. Wieder jagen uns 2-3 m hohe Wellen halb von hinten, ich versuchte das Schauspiel zu fotografieren, aber nur ein bewegter Film mit Ton könnte das veranschaulichen. Heftig rollend in dieser See läuft die EOS pflichtbewusst und zuverlässig 5-6 kn und meistert die wilde Querdünung, 7 Stunden steuern wir zwei im Ölzeug – und erreichen gegen 14 Uhr die kleine Insel zwischen Naxos und Kos gelegen, Dendro oder auch Dhenoùsa genannt. Gewöhnt an die ewige Schiffsbewegung auch noch vor Anker koche ich Risotto, mit Corned Beef, violetten Zwiebeln, roten dicken Bohnen, gelber Paprika- wer so tapfer segelt, soll auch gut essen.
Wieder unterwegs
Nachdem der Wind auf 7 runterging holten wir um sieben Uhr beide Anker hoch und liefen am 8. Starkwindtag in Ermoupolis aus. Vorhergesagte 7-8 bft erwarteten uns draußen und weißgischtige hohe lange Wellen. Die Insel Syros im Heck warf sich die Eos mutig hinein. Zwei Reffs im Groß. Ein kleines Dreieck Fock lief sie mit halbem Wind unter Sturmgeheul hinein. Die Böen wohl 8! 80km/h von der Seite, starke Krängung. Wellen über. Wir im vollen Ölzeug, Schwimmweste, Lifebelt, Südwester, Gummistiefel.Nach 4 Stunden Kurs Ost, 18 Seemeilen Anker ab in einsamer türkisleuchtender Bucht. Gerhard paddelt gegen den Wind (!!) und bindet eine Landleine um einen Felsen. 8 bft sind nicht zu unterschätzen. Und jetzt koch ich Linsensuppe. Die Linsen von Lefkas sind berühmt. Ein Ouzo – und einen Schluck für Rasmus, den Windgott.
Erikas “ Reise in die Zeitlosigkeit“
Heiß, entspannt und interessant – mit diesen Worten lässt sich mein zwölftägiger Aufenthalt auf der EOS am besten beschreiben. Ich hatte recht klare Vorstellungen von dem, was mich nun erwarten würde: Die meiste Zeit würden wir auf See verbringen und – bedingt durch den sehr geringen Platz auf der kleinen Eos – würde sicher nicht alles völlig reibungslos ablaufen; aber auch, dass es bei ungünstiger Wetterlage schnell ungemütlich werden kann, ganz besonders in der ohnehin für ihre starken Winde berüchtigen Ägäis.
Und trotzdem hielt der Urlaub natürlich zahlreiche Überraschungen offen: Zum Beispiel die unglaublich großen, pompösen und teilweise schon lächerlich luxeriösen Yachten, bei denen häufig schon eines der vier Stockwerke eine größere Grundfläche hat als meine geräumige Wohnung in Kempten. Im Hafen verschwand die Eos durch ihre geringe Höhe oft gänzlich im Schatten der großen Artgenossen. Und trotzdem fühlte ich mich sehr wohl, vielleicht gerade durch den begrenzten Platz. Wir Spengler-Kinder haben durch Segeltörns, Hüttenaufenthalte und Wohnmobilurlaube schon früh gelernt mit wenig zurecht zu kommen – ob nun nur mit einem Liter Wasser die langen Haare zu waschen oder ein Aufenthalt ohne fließend Wasser, Dusche oder elektronische Unterhaltung. Auf der Eos hatte ich niemals das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, im Gegenteil. Viel mehr freut man sich, dass diese Art von Leben einem selbst so leicht fällt, während andere nach wenigen Minuten nach dem Kleiderschrank und der Klimaanlage fragen würden. Und doch ist der Verzicht auf das Unterhaltungsmedium Nr. 1; den Laptop manchmal nicht ganz leicht, besonders wenn man den dritten Tag Flaute hat und die Sonne unbarmherzig auf das Deck brennt. Man entdeckt die Zeitlosigkeit, versucht durch stundenlanges Lesen und kurze Schlummerphasen die heißesten Stunden rumzubringen. Auf der anderen Seite zählte ich, als wir vor Kos in ungemütlichem Gegenwind und in einem ausgewiesenen Wellengebiet kämpften… bei der Ansteuerung der berüchtigten windreichen Insel Kea— , die Stunden die das GPS angab bis wir eine sichere Bucht erreichen würden. Letztendlich drehte sich alles um die Zeit – und gleichzeitig auch gar nichts. Die Zeit bis die Wellen wieder weniger werden oder der Wind abnimmt, die Zeit bis es nicht mehr gar so heiß ist, die Zeit bis ich wieder meinen Freund in Armen halten konnte. Und gleichzeitig ist es im Grunde unerheblich ob man nun 9 oder 12 Stunden fährt, heute oder eher morgen die nächste Insel ansteuert oder einfach mal nichts tut. Eine Lebensweise, die in unserem terminbestimmten, gehetztem Leben oft zu kurz kommt. Es kommt, wie´s kommt!
Ich bin froh, diesen Spontanurlaub doch noch in meine etwas volle Ferienplanung gepackt zu haben. Ich komme mit wunderschönen Fotos, ein paar neuen Bekanntschaften und zahlreichen neuen Eindrücken nach Hause, von dem Alltag auf einem Törn (an den ich mich – im Gegensatz zu meinen Brüdern – kaum noch erinnere), der griechischen Lebensweise und der Versicherung, dass man auch ohne die Sprache sprechen oder lesen zu können seine Ziele erreichen kann, sei´s nun bei der Zugfahrt durch Athens Vorstädte oder auf der Suche nach bestimmten Ersatzteilen.
Ich komme aber auch mit großem Respekt für meine Eltern nach Hause. Die Mama, die beim größten Seegang mal für ein paar Minuten in der Kajüte verschwindet und mit einem vollwertigen Mittagessen zurückkehrt oder aus zwei Thunfischfilets – einfach so – ein romantisches Dinner bei Kerzenlicht und mit griechischem Salat zaubert. Und der Papa, der Ingenieur, den nichts aus der Ruhe bringt, weder ein versunkener Tankdeckel noch ein zerrissenes Sonnensegel. Er macht sich gleich im nächsten Hafen auf um ohne ein Wort Griechisch zu sprechen eine Dichtung, einen Docht für die Petroleumlampe oder gleich ein ganzes Schlauchboot zu kaufen. Und wenn Pantomime und Kauderwelsch nichts mehr bringen, löst die Mama mit ein paar schnellen Zeichnungen jedes Missverständnis.
Ich verlasse Griechenland ohne traurig zu sein, es war eine schöne Zeit, aber nun lasse ich die zwei Segeleltern wieder allein ihren Weg ziehen – und ich freue mich umso mehr auf zu Hause, auf die etwas angenehmere Temperatur und nicht zuletzt auf meinen liebsten Freund, mit dem ich bald für einige Wochen Thailand erkunden werde.
Erika
Früh gehen wir fein gewandet zur orthodoxen Kirche
Wir haben bei heftiger Schaukelei zeitweise geschlafen.Früh gehen wir fein gewandet zur orthodoxen Kirche, die Popen in festlichem Ornat, einer in Goldbrokat, der zweite mit üppiger griechischer Kreuzstich-Stickerei auf Mantel und Stola. Die Kirche übermäßig geschmückt mit Kronleuchtern und viel Muranoglashängern, zusätzlichen Seidenbändern, die 1,5 m hohen Ikonen aus Silber und Gold mit zahllosen Blüten besteckt, große Sträuße von Lilien, meterhohe Büsche von Oregano, üppiger Bilderschmuck. Am Ausgang gibt es geweihtes Weißbrot in Körben, das wohl für die Angehörigen mit heim genommen wird.Wir steigen viele viele Stufen und Treppen hoch zur kath. Kirche, die dem Hl. Georgos geweiht ist. Vorbei an idyllischen Hauseingängen mit Blumenkübeln, Keramik, kleinen Ruheinseln mit Steintisch und Stühlen, Oasen im Schatten, immer wieder eine winzige Taverne mit Panoramablick auf die Bucht. Unten tobt der Meltemi, der Nordwind der Kykladen.Am Gipfel zelebriert der junge Priester die Heilige Messe. Wunderbar der mehrstimmige Gesang der Kirchbesucher, eher gregorianische Melodien, viele kenne ich aus unsrem Gesangbuch und von den Weltgebetstagen. Fast alles in Moll. Aber alle singen fröhlichen Gesichts, besonders der Priester. Er lädt uns herzlich ein zum anschließenden Kirchenkaffee und es ist ein Vielvölker-Sprachgemisch, Deutsch, Französisch, Griechisch, Israelis sind da, die verbindende Sprache ist Englisch. Hinter allen der „deutsche Papst Benedikt“.Ich wunderte mich über die wie bei uns Protestanten in Weißwein getauchte Oblate bei der Eucharistie, das gibt es wohl nur hier in Griechenland.Erfrischt von der so freundlichen Tischgemeinschaft steigen wir die vielen verwinkelten Treppen, weißgekalkt, wieder hinunter in den Hafen. Windumtost und im Schwell erwartet uns unser Schiff, die neue Sonnen-Persenning hielt die 4-5 bft Wind aus. Jetzt lockt mein griechischer Bauernsalat und der Skipper holt sich von nebenan eine Pitá mit Gyros……und hier die Bilder (Gerdi hat eine neue – DIGITALkamera, Canon IXUS 80! Ihre Fotos sind mit „M“ gekennzeichnet.
Erikas Fotos vom Urlaub
Hier findet Ihr Erikas Fotos von Ihrem Besuch auf der EOS:
Hin und her, auf und nieder
KythnosFrüh um 6 Anker auf, an Kap Kefalos vorbei, ab 10 hat es 5 bft, beide Segel Doppelreff. Unser Ziel Insel Syros ist in Sicht, 14.30 beißt sich unser Heckanker fest im Hafenrund der Hermes-Stadt ERMOUPOLI, Syros. Es sind für die Folgetage 6-8 Windstärken angesagt, so scheuen wir uns, in der so schönen Ankerbucht im Süden zu bleiben….Hoher Schwell schleudert die Eos hin und her, auf und nieder. Wir kommen kaum an Land, um die Leinen festzumachen. 2m vor uns die Stühle der Gäste der Taverne!!! Wir verlängern die Leinen, und ab jetzt wird unser neues (luftgefülltes) Beiboot eingesetzt als Tender to Eos. Ich nehme traditionsgemäß die TAUFE vor, mit landestypischem Ouzo, dem Anisschnaps der Griechen:
„Ich taufe dich auf den Namen MICRO EOS. Diene uns treu, bring uns immer heil zurück und entferne dich nie zu weit von uns….“
Stadtbummel. Reizvoll an 2 Hängen erbaut, wirkt die Stadt sehr südländisch, fast muß ich an Israel denken bei den vorwiegend kubischen Häusern in Weiß.
