Mit kräftigem Wind nach Griechenland

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Durch den Sturm ging es bei 6 Windstärken vom Stiefel in Richtung Griechenland. Bei der Insel Othoni wird der Wind schwächer. Der Käptn liegt in der Koje, die Ruderfrau ist am Ruder. Eine Schublade hat’s rausgehauen und eine Woge hat sich bei einem Reffmanöver durchs Vorluk gepresst. Wie damals vor Venedig, als Joachim 2-jährig im Bugbettle schlief und Bub, Bär und Bettle nass wie ein Schwamm waren. Das Ganze mit Blick auf den Dogenpalast…Jetzt haben wir im Stadthafen von Korfu lägsseits an einem großen englischen 18-m Segler angelegt.

Segeln nach KORFU = Kerkyra

9.45 Uhr bis 17 Uhr. Segeln nach KORFU = Kerkyra. Ab 14.50 mit gutem Wind. Im Fischerhafen unter der Bastei laden uns sehr freundliche Leute eines schönen alten Zwei-Masters ein, bei ihnen längsseits zu gehen, dahinter schon eine Hallberg-Rassy 41 aus Dänemark. „C’est la vie“ heißt unser Nachbar, sie leben immer am Schiff.

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Bastion Korfu. Am Weg zum Einkaufen, immer mit 2 Rucksäcken , 33° um 18 Uhr
Korfu!!! Es ist wie heimkommen. Wohl zum 11.Mal bin ich hier, wenn man die Delanta Fahrten der siebziger Jahre und das Hin und Her der 7 Törns zählt. Die „Eule“, Joachim, ist grad eingerüstet, der Leuchtturm.Wir gehen bummeln. Eine lebendige Stadt. Viele Juweliere, Schuhgeschäfte (ganz andere Mode als in Italien), Ein Kanal für Fischerboote hinter der Bastion, Im roten Abendlicht gehen wir in unserer ersten griechischen Taverne zum Essen: Calamares, Moussaka. Der Kellner ist Schlagzeuger im Korfu Philharmonic Orchestra.

Wisst ihr Jungs das noch?

Endlich starten wir. Früh um 05.15 Uhr, auch die jungen Schweizer laufen aus. Und nach ½ Stunde legt es uns beide schräg rein. 6 bft., Seegang. Weißgischtig kommen die Wellen über. Ich krieg zum 1.Mal Angst…! Im Schlafanzug ohne Brille helfe ich beim Reffen, eine flinke Woge quetscht sich durchs Vorluk und durchnässt alle Kissen. So leg ich mich in die Steuerbordkoje im Salon und gib zu dass ich bete:  „Nimm eine Windstärke weg“ – und dann schlaf ich 1 Stunde da ein!!!Um 10 Uhr 2 Reffs. Es kracht und wütet. Im Lifebelt und Ölzeug und Südwester will ich raus und da purzelt der seit Milazzo gesuchte Bikini aus der Schwimmweste. Schon witzig in dem „Getümmel“ – eine Überraschung. Um 11 wird der Wind gnädiger und wir setzen uns ½ Stunde rein zum Frühstück. Die 1. griechische Insel, Othonoi, ist in Sicht. Als Martin 4 Monate alt war, blieb ich nach dem Stillen 1983 auch mal unten und schwor: „Die Mama kommt erst wieder raus, wenn einer Land in Sicht ruft!“ Da hatten wir auch heftigen Seegang…

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Erikousa ist erreicht,von früh 5 bis abends 5.viel Wind .Schule und Kirche, Erinnerungen an 5 Törns mit 2 Buben, schwanger, und Erika
Um 13 Uhr mach ich ganz schönes Mittagessen: Mozzarella in Zitrone und Knoblauch-Olivenöl auf einem grünen Bett aus knackig frischem Basilikum und kalabrischen kleinen Pomodore, einen Teller Hähnchenbrust mit Zitronensaft und Majonnaise auf Kopfsalatblättern. Wir essen genüsslich und hopp! Da ist er wieder, der Wind. Es fetzt ab 14 Uhr. Aber jetzt sind wir sogar froh, beschließen gleich weiter zu segeln bis Erikousa. Sooo viele Erinnerungen! Die Buben, 1988 als ich im 7. Monat schwanger war mit Erika, droben auf der Klippe, die Ärmchen ausgestreckt wie eine „Vogelscheuche“, winddurchpustet die langen Pulloverärmel, sie konnten kaum stehen vor lauter Wind…Um 17.15 Uhr fällt der Anker in der Sandbucht von Erikousa. Auch die 2 jungen Schweizer haben es geschafft und wir ankern nebeneinander. Kalt ist es. Ich brauche beide Decken um einzuschlafen! Nach der Hitze sind 20° eisig. Beim Baden früh messe ich die Meerestemperatur: 18°. Das ist wie Bodensee im Juni oder Oktober. Ganz klares türkis-farbenes Salzwasser aber! Alles an Land „vertraut“. Die Schule frisch getüncht, nachts angestrahlt, neben der Kirche. Der Pope damals unterrichtete 7 Schüler – und es waren alles seine eigenen Kinder!!! Die Kraftwerkstation. Das große Sandrund. Die Agaven. Die Mole, wo uns damals fast bei Sturm die Allessandro zerquetscht hätte an der Hafenmauer, wisst ihr Jungs das noch?Die Kneipe, in der die Albaner-Schmuggler (Zigaretten) täglich den Wetterbericht im TV schauten, und in ihren tarngrau gestrichenen niedrigen Booten hatten sie 10 verschiedenen Kennzeichen-Tafeln. Finstere Gesichter alle. Heute liest man, dass Albanien ein beliebtes Segelrevier geworden ist, englisch sprechende Tourismusleute und reizende Hafenbüros… So ändern sich die Zeiten. Wir wurden damals mit ihren Scheinwerfern angestrahlt, von den hohen Albaner Bergen! Und man musste 20-30 sm Abstand einhalten und fuhr fast auf der Mitte der Adria drumrum. Kommunistisches Hoheitsgebiet! Und damals kam eine Robbe an die Marion herangeschwommen, nachts.

Immer noch derselbe Wind

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Pollo allo spiedo - Grillhähnchen in Leuca
Und immer noch derselbe Wind. Blauer Himmel. Da es Nordwind ist, hat es kräftig abgekühlt von 35 auf 24° im Salon um 22.30 Uhr. Die Italiener kommen in langen Jeans zu ihren Schiffen und sind in Pullovern und Strickjacken. Wir kaufen Obst und finden einen Metzger mit „pollo alla spiedo“- also gibt’s um 20 Uhr frisch gegrilltes Hähnchen! Eine sehr leckere Abwechslung.

Rückblick: Über den Golf von Taranto

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Dieser Golf liegt an der „Sohle“ des italienischen Stiefels und bildet die Einbuchtung zwischen „Zehen“ und „Stiefelabsatz“, Calabrien und Pulien. Etwa 90 Seemeilen lang ist die Querung. Es war eine arbeitsreiche Fahrt und fing ganz harmlos mit leichtem Gegenwind und drückender Hitze an. Während der Nacht briste der Wind auf angenehme Stärke auf . Um 02 Uhr nahm der Wind an Stärke zu und wir refften das Großsegel. Nach Gerdis Nachtwache wurde der Wind weniger. Ich reffte aus und fuhr mit Motor. 5 Minuten später kam der Wind mit alter Stärke zurück. Wieder war Reffen angesagt. Der Wind hatte aber noch mehr zu bieten. Er nahm zu und die Wellen wurden mächtiger EOS legte sich stark zur Seite und Gerdi rollte in ihrer Koje im Vorschiff wie auf einer Achterbahn. gegen die Steuerbordwand. Es war arg unangenehm. Jetzt war das 2. Reff fällig. Bei diesem Schiff älterer Bauart sind diese Tätigkeiten mit Turnen am Mast verbunden. Eine gefährliche Arbeit nachts und bei höheren Wellen gegenan. Schon gegen 3 Uhr nachts war der Leuchtturm von Leuca auszumachen. Er leuchtet 25 Seemeilen weit.Bei all der Arbeit ist eine Fahrt durch die Nacht immer ein Erlebnis. Der Sternenhimmel steht überwältigend über dem Schiff. Ringsum ist ja kein einziges künstliches Licht zu sehen. Die Milchstraße zieht sich als Band über das Firmament und der große Wagen steht fast senkrecht. Wir waren schon froh, als der Anker vor dem Hafen in Leuca fiel. Ankerplätze haben einen großen Vorteil: Das Schiff richtet sich in den Wind aus und der bläst durch das Vorluk, verstärkt noch durch den Windsack am Luk. So werden die 43° Außentemperatur erträglicher.

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Schon während der Nachtfahrt begann das Barometer stark zu fallen. Zuerst waren die Wetterprognosen annehmbar. Wir wären nach dem Tanken anderntags nach Griechenland losgefahren, hätte uns nicht die junge Frau vom Nachbarschiff an der Mole mit Handzeichen Winstärke 8 angezeigt. Das hat uns doch veranlasst, den Hafen aufzusuchen und abzuwarten. Die Nacht über steigerte sich das Rauschen in den Wanten zu einem Pfeifen. Die 8 Windstärken waren angekommen.Und die Bilder…

Hoch zur Klippe…

Wir wandern hoch zur Klippe, die an Irland erinnert und an Erikas tolle Fotos. Man weist uns zum Internetpoint, einem kleinen Kiosk. Der studierte 22 jhr. Informatiker steckt einen Stick in Gerhards Notebook und es klappt. Wir laden Fotos und Blog hoch. Dann finden wir nach einem lebensbedrohlich schwülen Supermarket einen kühlen kleinen Laden, durchblasen vom frischen Wind, erstehen ganz frischen Mozzarella, ½ Wassermelone, rot und süß, Oliven. Abends ist wieder „Corso“, das Flanieren an der Promenade und es gibt soooo hübsche Mädchen, schwarzglänzende Kulleraugen und atemberaubende Figur, sehr leicht „bekleidet“ und für katholische Verhältnisse sehr durchsichtig und offenherzig.Viel Wind in der Nacht. Es pfeift und heult und scheppert in den Masten.