EOS!!! Stopp!! Wind 8!!!

Wir tanken und wollen los. Jo sagte uns Wind 4-5 voraus. Dann Rufe von der Molenspitze in Englisch: EOS!!! Stopp!! Wind 8!!! Und mit den 8 Fingern zeigt die junge Schweizer Ankernachbarin die Windstärken an. Also zurück, Ankern. Um 12 ist der Meteo ebenso und wir laufen in den Hafen, ergattern den letzten freien Platz: 35€ pro Nacht. Ohne Du/WC. Der Strom am Steg ist defekt. Gh. Beginnt sein Bastelwerk mit allen Steckern und Verlängerungen. Schafft es.

5 Tage in Leuca wegen Starkwinds

Vor Anker zunächst erkennen wir an Land prunkvolle Villen in allen Baustilen und schroffen Fels am Strand. Erinnert mich an Malta und Gozo! Terrassen wie Plattformen, darauf stehen in langen Reihen Liegestühle. Es hat 40° und ist dämpfig schwül. Der Skipper „schläft nach“ nach der anstrengenden Zeit am Steuer ab 3 Uhr früh. Dann paddeln wir mit der MARONI an Land, wo diese Nussschale aus Holz der absolute Filmstar ist. Die begeisterten Männer klettern samt ihren sandigen Sandalen in das Mahagoniboot…!Die Stadt hat ein erstaunliches Konglomerat an Architektur-Ideen! Mal ein rot-weiß quergestreifter maurisch anmutender Palast mit zwei seitlichen Türmen, dann eine Art schneeweißer Tempelbau mit ionischen Säulen und flachen Giebeln wie die Akropolis, als Tourismusbüro genützt. Dazwischen eine hellblaue Rundvilla mit Rundtürmchenaufsatz wie ein Pavillion auf dem Dach, der an eine Sternwarte denken lässt. Auch weiße Hotels im Zuckerbäckerstil und Flachbauten mit Ferienwohnungen ohne Zahl. Viele hohe Palmen, geschüttelt vom Wind, Rubinien mit schattenspendendem dichtem Blätterdach, Steineichen, riesige Schirmkronen von Gummibäumen, üppige 4 m hohe Oleanderbäume mit 25 cm Stammdurchmesser. Es muß viel Wasser geben. Ein Flussbett ist total umwuchert von Grün und schickt Kühle hoch, köstlich erfrischend.Am Strand diese Bademöglichkeiten auf Stelzenpaneelen mit Teppichrasen drauf, drunter zackig und kantig und igelartig die Felsstacheln. Abends wandern wir über 1 km Holzstege mit Tauen als Geländer zum Porto Vecchio und von da 100 Steinstufen hoch zum Leuchtturm, der 25 sm weit leuchtet und dessen rundumdrehender Lichtfinger wie ein Dolch in den dunklen Nachthimmel sticht. Daneben üppig angestrahlt die monumentale Klosterkirche Santa Maria di Léuca, wo innen ein furchtbar schwieriger Chorsatz geprobt wird. Auf der großen Piazza davor die ionische hohe Säule, oben drauf die fromme Madonna. Und: Furchtbar kitschige Devotionalien-Stände, Diddel neben Maria, tibetanische Gebetsmühlen neben Ice-Age-Anhängern, Elfenbeinbuddhas neben Pieta in rosa was-weiß-ich. Ich flüchte…

Auf der Überfahrt von Roccella Ionica zum Cap Rizzuto, ca. 50 Meilen

GerhardVom Reisen mit SegelschiffenMit dem Segelschiff zu reisen ist schön, ganz besonders wenn dazu eine nahezu unbegrenzte Zeit zur Verfügung steht. Und wenn der Wind mit uns ist. Ist er zu schwach oder kommt von vorne, dann liefert der Motor den Vortrieb und dazu den Lärm wie in einer Fabrikhalle. Die Verständigung leidet, die Ruhe schwindet. Beides lebt erst wieder im Hafen auf, wenn alle Manöver beendet sind und der Motor ruhen darf.

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Jetzt ist man also am Ziel, aber was ist das Ziel? Der Hafen, die nächste Stadt, ein schöner Berg, die weitere Umgebung. Unser Schiff ist wie eine unsichtbare Leine, die eine größere Entfernung vom Liegeplatz verhindert. Das mag bei einer größeren Mannschaft besser laufen, da kann sich ein Teil der Besatzung absetzen und Erkundungen in der weiteren Umgebung durchführen. Aber zu zweien? Man lässt den Partner nicht gerne alleine, insbesondere vor Anker. Erstens hat er kein Beiboot mehr und ist ans Schiff gebunden und zweitens könnte ja der Wind auffrischen und eine kritische Situation eintreten, die ein sachgerechtes Handeln erfordert. In einem sicheren Hafen sind die Möglichkeiten schon besser, da kann man sich auch mal ein Auto mieten und der Radius der Bewegung wird größer. Das ist aber die Ausnahme.Als Reisender mit dem Schiff darf man sich mit einem Frosch vergleichen: Er sieht die Welt einseitig von der Ebene des Wassers aus, sieht also nur von unten waagerecht oder nach oben und das noch aus einiger Entfernung. Details werden nicht erfasst, man bewegt sich ja in einiger Entfernung zum Ufer. Angenehm ist das langsame Vorbeiziehen der Landschaft, das, was man erfassen kann, erfasst man und hat Zeit, es zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Wenn man allerdings ein entfernteres Ziel ansteuert, dann kann das geringe Tempo zur Belastung werden. Gott sei Dank erfordert das Steuern eines Schiffes kein ununterbrochenes Handeln. Wenn man das Umfeld im Blick hat, und der Automat steuert, dann bleibt Zeit für ein Buch oder anderweitige Tätigkeiten.Der eigentliche Genuss liegt im Segeln selbst. Jetzt z.B.: Der Wind kommt mit 2 Windstärken schräg von vorne und schiebt die EOS mit 5 Knoten dem Ziel entgegen. Das GPS errechnet eine Ankunftszeit um etwa 18 Uhr. Es bleibt genügend Zeit um den Abend zu genießen – falls sich die Windsituation nicht zu unseren Ungunsten ändert. Ins Gegenteil kehrt sich die Situation, wenn Wetter und Schiff nicht mehr harmonieren, wenn Wind und Wellen so mächtig werden, dass Segeln zu Arbeit ausartet. Segel verkleinern auf schaukelndem Deck, Spritzwasser schlägt ins Gesicht, dauerndes Festhalten wird notwendig und die Kajüte schaukelt und lärmt. Kochen ist nicht mehr möglich. Es ist arg ungemütlich. Freude empfindet man höchstens im Nachhinein im Hafen oder nach Besserung derWettersituation.Der erste Reiseabschnitt verlief auf Flüssen und Kanälen. Das ist eine feine Sache! Wind und Wetter haben meist nicht den chaotischen Einfluß auf das Schiff. Sofern genügend Wasser unter dem Kiel verbleibt, fährt man den Baken oder Bojen nach oder hält sich in der Fahrwassermitte. Die Natur zieht ganz nah in einem Tempo vorbei, das ein Erfassen und Verarbeiten zulässt. Gelegentlich kommt ein Gespräch mit Passanten am Ufer zustande. Das Anlegen gegen den Strom stellt überhaupt kein Problem dar. An den Ufern bleibt genügend Platz zum Anlegen und in Abzweigungen zu Nebenwässern bieten sich wunderbare Ankerplätze an. Leider haben auch Stechmücken gleiche Vorlieben für diese Plätze. Und es fließt angenehmes, der Haut schmeichelndes Süßwasser! Uns sind auf Flüssen und Kanälen überwiegend ältere Menschen begegnet. Jüngere schätzen wohl die Herausforderung, die das Meer bietet höher. Im Alter wird man abgeklärter.

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So hat jede Art des Reisens Vor- und Nachteile. Wenn sich die Möglichkeit bietet, soll man sein Schiff für einen längeren Abstecher verlassen, um Interessantes zu erkunden. Das hebt den Wert einer Reise.

Nach der Nachtfahrt von Sizilien an die Stiefelspitze von Kalabrien

GERDI

Die 2.Nacht in Milazzo/Sizilien lagen wir, schaukelig, vor Anker in der lebendigen (touristenfreien?!)Stadt, vor dem gr. überfüllten Hafen, wo die vielen Fähren zu den Vulkaninseln starten, nach einer ersten, 60€ teuren Nacht in der vornehmen Marina Garibaldi!!! Der Stadthafen war überfüllt…

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Draußen diese üppig mit Bäumen bepflanzte ewig lange Promenade, wo ab 19 Uhr „alle“ promenieren, „CORSO“ heißt das auf italienisch, man macht sich fein, also modisches Outfit, schmale Röhrenjeans, echt chic die Kleidchen, Stilettos mit 7-10 cm Höhe oder die aktuellen hohen Kork-Plateau-Sandaletten mit viel Strass, Perlen, Blumen drauf, ein absoluter Hingucker die großen Umhängetaschen mit so typisch italienischem Design!! Die Bambini alle ganz adrett, die Mädle ganz in rosa, die Jungs mit shorts und feschen Shirts, die Teenager mit teuren dessous und exquisitem Haarschmuck, die Jungs zeigen ihre braungebrannten Oberkörper mit knappen Achseltops und Hawaii-Bermudas mit großen Blüten. Man hat die Buggies mit den Sprösslingen dabei, alle essen Eis, man promeniert hin und her, die stockende Autoschlange in der Mitte. An den Brunnen mit den im Licht der Scheinwerfer funkelnden Wasserfontänen drängen sich die Jugendlichen, der Auto-Corso knapp an den Zehen vorbei, das Telefonino am Ohr, die Zigarette lässig in der freien Hand. Vor 1 geht keiner heim. Sie genießen die Kühle nach der sengenden Sonne des Tages, oder sie fliehen die engen Wohnungen und die jungen Leute sicher auch die wachsamen behütenden Kontrollblicke der „famiglia“….die Enge der schmalen Wohnungen…..Am Abend vorher, nach unsrer Bus- und Tramfahrt nach und in Messina, wo wir endlich die Volvo-Ersatzteile ergatterten!!!, waren wir mal in einem Speiselokal, in dem ausschließlich Sizilianer alla cena versammelt waren. Großfamilie mit süßen ragazze(Mädchen), man aß die typische Speisefolge, Antipasti, primi piatti, secondo, carne/pesce, i dolci, frutta, caffè….Dazu sang ein alter Herr zu CD-Musik wirklich sonor alte Liebeslieder, Rumba, Tarantella, Mazurka – ganz reizvoll. Wir kosteten den hier so typischen „espada“- also Schwertfisch, den sie draußen auf See mit ganz besonderen Booten fischen, am Mast ein Korb mit dem Mann im Ausguck und ein langer Ausleger, auf dem wohl die Fischer sitzen. Als Vorspeise wählte Gh einen Pulpo mariniert, also Octopus, der mit den Saugnoppen an den 8 Fangarmen.Früh wollten wir los, durch die Straße von Messina!!Um 6.30 Anker auf. Es gab zum 1.Mal seit Wochen… WOLKEN!!! Und einen kl.Regenschauer mit REGENBOGEN!!!Mit Groß und Fock 2 rein in den Schlund. Gleich schob uns mächtig der Strom, mit 6-7 kn (sm/h) rauschte die EOS unter geblähten weißen Segeln am letzten Stück Siziliens vorbei, viel Schiffsverkehr, Tanker, Fähren, Segler, einer wohl 25 m lang unter stolzer englischer Flagge, Echt königlich! Bald kreuzen wir mit dem Wind, Richtung Bocello, runden segelnd die „Zehen“ des italienischen Stiefels…2 Reffs im Groß, es fetzt, viel Ruderdruck, aber meine heilende Hand schafft es inzwischen wieder . Tankstopp in Reggio Calabria.Gerhard empfiehlt, schön Abstand zu halten von einer bestimmten Bucht, wo der Hafen aufgegeben wurde und etliche Segler überfallen und ausgeraubt wurden.

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Gegen 19 Uhr wird der Wind und der Seegang weniger, dreht von achtern auf vorlich. Also kann ich kochen: Tomaten, rote Zwiebel, Knoblauch, Origano, Chili aus der Mühle, Olivenöl, dazu Maccaroni-Hörnchen. Ich dichte ein Abendlied um, das ich so oft den 2 Buben, später der kl.Erika vorgesungen hatte :

Und jetzo bricht die Nacht herein,und alle Menschen schlafen ein, sie machen ihre Äuglein zu und schlafen ein in schönster Ruh’.

Und jetzo kommt der Abendschein und auch der Wind schläft wieder ein,er stellt das Blasen ein und ruht, was auch das Segel und die EOS tut.

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Noch 45 Meilen, also noch ca. 12- 14 Stunden. Haben aber toll Wind gehabt bisher….Um 22 Uhr nach der Kartenabeit am Navigationstisch legt sich Gerhard in die Koje. Total klare Sicht ans ferne Ufer, hell erleuchtet Dorf um Dorf, ganz besonders reizvoll die in den Bergen aufleuchtenden kleinen Dörfer…Auf See ganz große Fischerschiffe, die ihre gr.Netze mit hell blinkenden Bojen markieren. Ein Wechsel von Segeln und Motoren bis um halbdrei. Dann übernimmt Gerhard die Ruderwache und ich sinke in Schlaf. Erst sein Anlegen in einem neuen Hafen, „Roccella Ionico“ weckt mich….. Frühstück. Und dann dieses sonderbare Gefühl zwischen Schlafen und Wachen, typisch für die Zeit nach den Nachtfahrten:

HALBWELT nach der Nachtfahrt…Dieses halb Schlafen, halb Wachen..Dieses Lesen ohne Konzentration…Dieses“Ich will jetzt“ und nicht wissen was…Dieses „Durst“ und nicht löschen können…Dieses „hab kein’ Hunger“ und doch mechanisch essen…Dieses ER schläft-Sie wacht auch tags danach im Wechsel…Dieses „Wo ist die Zeit geblieben“, gestern, heute?…Dieses nach der Uhr sehen, weil der Körper desorientiert ist…Dieses genießen: 4 Leinen fest am Ponton- keine Sorge…Dieses „Mir ist heiß, aber draußen ist ein Wasserschlauch…Dieses „Ich mach uns mal Kaffee“. „Das ist lieb!“…Dieses: Ich geh mal rüber…den blog ins Internet stellen. Ja gut.Dieses Dösen im leichten Wind… Stille im Cockpit und kein Seegang…Dieses Ruhen der Segel, Schoten und Fallen…Das lautlose schwingende Ruder – nach geleisteter Schwerarbeit…Dieses Loslassen. Kraftreservoir auffüllen…Dieses Laissez-faire, Wegschauen,Vorbeiziehen lassen…Dieses Sehen ohne Registrieren. Pinien an Land. Oder was?…Dieses Zeitlose: Vor 12? Nach 12? Abend?Ein Windhauch – köstlich.Ein Streicheln für Haut und Seele…..

Insel Vulcano

Vulcano

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Nur 370 Meter hoch, aber auch ein Berg
Kein Wind auf der Überfahrt von Cefalu auf Sizilien nach Vulcano. 60 Grad und immer geradeaus, 13 Stunden und 50 Meilen mit Motor, nur ab und an kräuselt sich die Wasseroberfläche leicht. Dann suche wir einen freien Platz zwischen den ankernden Schiffen in der Bucht Ponnente. Der Gran Cratere ist das Prunkstück dieser Insel. Gerdi und ich waren nachmittags noch oben. Es ist zwar etwas beschwerlich im feinen Sand hoch zu laufen, aber es sind nicht ganz 300m zum Kraterrand. Von dort reicht der Blick in den Krater. Der Boden dort ist fest. Anderntags bin ich nochmals zum Sonnenaufgang hochgestiegen. Das Dorf lag noch in voller Nacht, Nichts außer die fröhlichen Stimmen in der Backstube war zu hören. Oben war volle Rundsicht im Norden auf den Stromboli, ohne Rauchwolke, im Süden bis zum Ätna. Überwältigend!

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Der Gran Cratere
Der Wind trieb die schwefelhaltigen Dämpfe in eine Richtung und so konnte ich mich den Fumerolen bis auf wenige Zentimeter nähern. Leicht zischend entweicht der heiße Dampf der Erde, bildet weiße, feine Beläge auf den Steinen und gelbe spitze Schwefelkristalle. Die Dämpfe sind kochend heiß, die Felsen ringsum aber kaum heißer. Ganz allein war ich am höchsten Punkt des Kraters zu so früher Morgenstunde. Unten, nach dem Abstieg entrichtete ich meine 3 Euro „Besteigegebühr“, bei der freundlichen Kassiererin, Das Dorf war erwacht.