Gerdis Foto-Kaleidoskop – 29.7.-2. August

Abenteuer 2.Kanal Boje Norrtälje,30.7 (7) (Copy)
Wilde Schaukelei, aber sicher gehalten wie wir an der Boje vorm Hafen Norrtälje
Abenteuer 2.Kanal Boje Norrtälje 30.8 (3) (Copy)
Schauspiel am Himmel vor Norrtälje

Abenteuer 2.Kanal Boje Norrtälje 30.8 (2) (Copy)

Weiter durch die Schären. Der Meteo meldete wenig Wind, wir hatten 5 Beaufort…, in Böen 6. Nord. Es pfeift und singt… Faserpelz, Merinounterwäsche, Ölzeug, Stiefel, Mütze. aber beide finden wir, dass dieses Klima leichter zu segeln ist als die ewigen 40° im Mittelmeer..

 

Wir versuchen ab 14 Uhr 3x mit dem Heckanker und einer Leine zu einem Fels fest zu machen, was uns nicht gelingt. Einige schöne Buchten müssen wir leider wieder verlassen. Gegen  16 Uhr hält der Anker dann schließlich doch – in einer idyllischen Meerenge zwischen großen Felsen…auf  9m hält unser Buganker. Wunderschön! Und der Jupiter ist der helle Stern am nun immer dunkleren Nacht-Himmel. Ein Traum. Ich brate Fleischküchle und es gibt knackigen Gurkensalat mit viel frischem Dill und neue Kartoffeln.

der wunderschöne Ankerplatz zw. Felsen, 1.Aug.b (4) (Copy)

der wunderschöne Ankerplatz zw. Felsen, 1.Aug.b (1) (Copy)

 

 

2. Aug.: Freitagmorgen ist der Ankerplatz ein Paradies. Kein Hauch. 100% Spiegelbild der göttlichen Natur um uns. Baden bei 18°. Wir frühstücken im Cockpit in der Sonne.der wunderschöne Ankerplatz zw. Felsen, 1.Aug.b (2) (Copy) Gisslingö… Adieu. Wir segeln mit SSO am Wind nach GPS. Eine große Fähre zu den Ålandinseln kommt uns entgegen, ein großer Kutter mit Gaffelsegel und 2 Focks bietet ein hübsches Motiv. Mit gutem Wind biegen wir schon um 12 Uhr ein in unsere Zielbucht Kapellskär, einem kleinen sehr flachen Naturhafen. Zwischen engen wenigen Pricken rot und grün schlängeln wir uns im Schneckentempo hinein …O,8…0,5 m unterm Kiel. Ah-Gästhamn, und sogar kleine Fingerstege zum Festmachen, ein Schweizer hilft uns mit den Vorleinen, hinten ein Campingplatz im Wald. Morgen soll es wieder „düsen“ mit 5-6 Windstärken…Zwischen Kühen und kl. Booten,0,5m Wasser unterm Kiel (2)Zwischen Kühen und kl. Booten,0,5m Wasser unterm Kiel (1) (Copy) Muuuuh! 10 Kühe kommen ganz nah ans Ufer… Sie grasen hinterm Schilf und im Wald.

Eine Fahrt wie auf dem Fluss

Reiseweg(1)Man könnte die Strecke von Öregrund nach Stockholm auch „außen rum“, also zum großen Teil außerhalb der Schären fahren, das ginge sicher schneller. Wir haben aber Zeit. Quer durchs Land zu fahren bietet mehr Ausblicke und mir fehlen für das südliche Schärengebiet noch zwei Seekarten. Die soll es in Norrtälje geben.

Grisslehamn ist ein quirliger Hafen, besonders jetzt kurz vor der Ferienzeit. Der Ort hat zwei Häfen, einen auf der Schärenseite, wo EOS liegt, und einen auf der Seeseite, von dort hat Joachim die Fähre zu den Ålandinseln genommen zur Kajakfahrt.

Wir legen ab und fahren ein kurzes Stück mit Motor, dann biegen wir in den Vardö-viken ein und setzen Segel. Langsam lassen wir uns vor dem Wind durch den schmalen Sund treiben. Wie immer begleiten uns glatt geschliffene Schären und kleine schnuckelige, aber auch mächtige, ja protzige „Ferien“-Häuser. Auf dem Wasser begegnen wir langsamen Segelbooten und rasenden Motorbooten. Sie bringen uns zum Schaukeln. Es ist ganz normal hier, mit unverminderter Geschwindigkeit vorbeizufahren. Das Boot ist in diesem Revier mit den vielen Wasserwegen normales Transportmittel. Der Wind will uns necken, immer bläst er aus der Richtung, in die wir fahren. Schließlich bergen wir die Segel. Die erste Brücke stellt mit 17 Meter Höhe kein Hindernis dar. Zur zweiten Brücke in Älmsta kommen wir gerade zur vollen Stunde als sie geöffnet wird. Die dritte und letzte Brücke zeigt auch grünes Licht und ist zur Seite geschwenkt. Jetzt noch ein paar Minuten und wir biegen in den Granösundet, unsere Ankerbucht ein. Der erste Ankerversuch scheitert, irgendwie ist ein Hindernis unter Wasser im Weg. In einer anderen Ecke der Bucht klappt das Ankern. Wenn der Anker mit 1500 Upm rückwärts nicht ausbricht, hält er auch heftigem Wind stand.

Der Wetterbericht sagt 5-6 Bft voraus. Ich fahre den Anker nochmals mit 2000 Upm ein, sicherheitshalber. Gerdi brät feine Halsgrats, dazu gibt’s fränkischen Kartoffelsalat und ein Restbier aus Estland. Wie vorausgesagt frischt der Wind nachts auf, EOS aber schwoit sicher am Anker. Granösudet, die Blätter der Bäume am nahen Ufer rauschen angenehm. Wir haben ein gutes, sicheres Gefühl.

Am anderen Morgen, 30.7., starten wir mit kurzer Motorfahrt und wechseln dann zum gerefften Vorsegel. Der Wind kommt böig und seitlich. Dann die Abzweigung in den engen Vätö-Sundet. Wir verkleinern die Fock, brausen aber dennoch mit 5 Knoten dahin. Auf beiden Seiten Ferienleben, viele Häuschen, Anlegestege mit Motorschiffen. Jeder hat hier wohl seinen Wasserflitzer. Kein Wunder bei den vielen Wasserwegen. Draußen auf See wärs jetzt ungemütlich, hier aber haben wir den Wind, aber keine Wellen. Also lockeres Dahincruisen. Noch eine letzte Biegung, ein letzter Stein in Wassermitte drängt uns Segler ans Ufer, dann sind wir im breiten Fjord. An dessen Ende liegt unser Ziel Norrtälje. Der Wind frischt noch mehr auf. Der Hafen ist dem Wind voll ausgesetzt. Seegang. In den schmalen Hafen ohne Kenntnisse einzufahren ist zu riskant. Wenn etwas nicht klappt, haben wir keine Möglichkeit zu wenden. Wie am Bodensee zwischen zwei Pfählen an die Hafenmauer fahren wollen wir auch nicht. Wenn da etwas schief geht, stecken wir auch dort in der Klemme. Wie entschließen uns zurück zu fahren und uns an eine der Bojen vor dem Hafen zu legen. Da liegen wir dann in der tanzenden EOS und der Wind brummt in den Wanten.

Am anderen Morgen legt der Wind eine Pause ein und wir verlegen um 7 früh in den Gästehafen von Norrtälje bevor der Wind wieder zulegt. Auch in dieser Stadt hat sich „Lidl“ ausgebreitet. Wir können da nicht widerstehen und nutzen das deutsche Angebot. Nürnberger Rostbratwürstle, Emmentaler Käse, durchgebackenes Brot, gemischtes Schwein+Rind-Hackfleisch und haltbare H-Milch, die hat Gerdi in Schweden noch nie entdeckt, trotz Hausfrauenbefragung, unbekannt! Schwer bepackt treten wir den Rückweg an und wandern am Nachmittag in die entgegengesetzte Richtung zu einem Marine-Laden. Eine Seekarte, Reinigungszusatz für Toilettentank und Pillen für den Trinkwassertank.

Irgendwie ähneln sich die Städte um den Bottnischen Meerbusen.  Sie entstanden im 18. Jahrhundert und wurden im vorletzten Jahrhundert von den Russen oft niedergebrannt. Die Häuser der Stadtkerne sind aus Holz, die Strassen gepflastert. Alles macht einen heimeligen Eindruck. Außenrum breiten sich wie überall Wohnblöcke und Einkaufszentren aus. In Norrtälje plant man einen riesigen neuen Wohn-Park mit Appartementhäusern, Freibad, Liegewiesen, Hochhäusern und architektonisch gewagten Anlagen am Fluss.

Die warme Temperatur der letzten Woche ist ins Gegenteil umgeschlagen. Statt 30 Grad nur noch 14 Grad. Nur noch die ganz abgebrühten Schweden tragen kurze Hosen. Statt dessen sieht man die ersten Daunenanoraks. Shorts und Kurzarm-Hemden hängen zu Sonderpreisen vor den Läden.

 

Ankerfreuden in einsamen Buchten

Gerdi schreibt: 28.7.19 in Grisslehamn: 100. Törntag, mein 50. Segeltag

Björn, Gh paddelt zur Insel
Insel Björn, Gh im Beiboot, rundrum Vogelschutzschären

Björn, Sundown 26.7 (2)Björn, Sundown 26.7 (1)

Vom 26.-28.Juli haben wir geruhsames sonniges Segelwetter, immer genug Wind und herrlich sommerliche Temperaturen. Wir segeln jeden Tag unsere 4-6 Stunden und genießen, dass es nun mit Sandalen und T-Shirt geht statt mit Ölzeug und Wollpullover.

Heute am Sonntag sende ich nur den Rückblick und anschauliche Foto-Impressionen.

Unser 1. Anker-Stopp nach der Stadt Geffle war vor der Leuchtturm-Insel BJÖRN, wo Gerhard mit dem Schlauchboot sportlich gegenan zur Insel ruderte, in 20 min hin und mit dem Wind in 15 zurück zur ankernden EOS. Am Abend erleben wir wieder einmal einen richtigen roten Sonnenuntergang, bisher waren immer Häuser oder Waldinseln vor dem versinkenden Sonnenball. Nachts entdeckt Gh. den 1. Stern nach den hellen Nächten…

Am Tag drauf segelten wir mit Sonnenschein und blauem Himmel zur Stadt Öregrund, wurden dauernd umkreist und gejagt von diesen lärmenden Doodoos, Motorscootern, solo oder zu zweit, meist Vollgas, Vollbremsung, aufheulende Motoren, kreischende Mädels, wie beim Galoppieren stehende Männer über den Satteln… komischer Sport. Als wir den allerletzten Liegeplatz am Gästepier in Öregrund-Hafen ergattern und uns die Hafenmeisterin in eine Lücke presst und die Mooring übergibt, gefällt uns das gar nicht.

Übervoll die Boote, gleich am geradezu vollgestopften Hafen ein großes Festzelt, das auf laute Popmusik life hinweist… Gerhard erfährt, dass am Sonntag  eine Weltmeisterschaft für diese Motor-Scooter stattfindet, und zugleich eine große Segelregatta Stockholm-Öregrund hier endet. Nix wie weg, ist mein Gedanke. Und 15 Min. später lassen wir auch die Mooring- Leine los und flüchten. Der Marineshop für das 1 fehlende Seekarten-Buch hatte eh zu.

 

Wir segeln weiter und ankern in einer nahen langen Fjord-Bucht, ein Traum. Schwimmen im bodenseewarmen Meer, 21°C-herrlich. Ich bereite Schinkennudeln mit Sahnesoße zu und Salat! (PS: Ein Lübecker Segler, Jürgen,  rief uns noch an, er habe sein Schiff vibrieren spüren im Festivalkrach und entnervt nachts um 1 den  Hafen verlassen und auch in der Nähe geankert…!)

 

 

 

Am Sonntag segelten wir bei schönem Wind durch wirklich paradiesische Waldschären. Unsere 2 Ankerversuche scheiterten am felsigen Untergrund, so blieb uns nichts anderes übrig, als gegen 17 Uhr doch in den Hafen von Grisslehamn zu gehn…

Zum Hafen Grissleham (4)
Sportboothafen Grissleham, auch viele Wohnmobile am Ufer

Zum Stadthafen Grisslehamn (1)Zum Stadthafen Grisslehamn (2)Zum Stadthafen Grisslehamn. (1)Zum Stadthafen Grisslehamn. (2)

Unser Abend-Bummel führt uns zum Fähranleger, der Urlauber und die vielen Wohnmobile zu den Ålandinseln bringt. Am Abend kommt lebhafter Wind auf, Eos schaukelt im Hafen und es ist viel un-ruhiger an der Boje als am Anker… Kühl ist der Wind, ich hol mir Wollsocken und lange Hosen….! Auch morgen ist Wind 4-5 angesagt. In Deutschland hat es endlich keine Tropen-Temperaturen mehr, die 38-42°C sind vorerst überstanden. Wir haben 25°.

Bootsbauer am Werk

Früher war der Gavlean an seiner Mündung ein lebhafter Handelshafen mit Lagerhäusern auf der einen Seite und Fabriken auf der anderen. Schiffe kamen und fuhren wieder. Aber Kleintransporte und manche Industrien lohnten nicht mehr. Jetzt ist die Mündung des Flusses schön sauber in Beton gefasst, Sportboote haben hier ihren ruhigen, zentralen Platz und auf der Nordseite wuchsen moderne Häuser. Die Südseite ist von Industrieruinen befreit und liegt brach. Wie lange noch? Halt, ganz am Ende des Flusses, dort wo er in das weite Hafenbecken mündet, hat sich ein besonderes Plätzchen erhalten. Kleine Schiffe, vor langer Zeit erbaut, haben hier ihren Liegeplatz gefunden und mit ihnen Menschen, die wenig mit uns modernen Skippern gemeinsam haben. Sie versuchen, ihr Schiff zu erhalten. Ob ihnen das gelingt, bezweifle ich manchmal. Einiges macht einen Eindruck als wären Profis am Werk. Anderes wiederum lässt Fachwissen vermissen. Es scheint auch nicht nur Arbeitsstätte zu sein, sondern auch Haus oder Wohnung. Die liebevolle Gestaltung an Deck und in der Umgebung lässt das vermuten. Wichtige Ausrüstungsteile, durch Wetter und Salzwasser gealtert warten auf Verwendung, nicht auf Abtransport.

Wie lange wird sich dieser aus der Zeit gefallene Ort halten? Sicher haben Immobilienfirmen ein Auge auf dieses Gelände mit der wunderbaren Aussicht geworfen. Vielleicht bleiben die Stadtväter und Stadtmütter noch lange standhaft. Ich wünsche es den Flussbewohnern.

Restaurant im 11. Stock

 

Am letzten Abend wollen wir 1x essen gehen und fahren im Lift in den 11. Stock. Wunderbar der Panoramablick und unsre EOS ganz weit unten.

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Gerhard speiste speziell zubereiteten Thunfisch, dessen Fleisch fest und fast durchscheinend war, mir reichte ein Starter mit Shrimps-Salat und Roggentoast. Immer Natur-Wasser in gr. Flasche am Tisch.

Mich faszinierten auch die reizvoll verschachtelten edlen Flusshäuser und einfallsreichen Appartementblocks, die Parkanlagen dazwischen, der viele Freiraum.