26 Windiges Serifos und eine Bergwanderung

Starker Wind auf unserer Überfahrt von Paros nach Serifos. Die Wetterberichte: Keine Änderung in den nächsten Tagen. Unser Ankerplatz in der Bucht ist zwar geschützt, aber den Böen mit Sturmstärke ausgesetzt. Können wir es wagen, unsere EOS mit dem Beiboot zu verlassen? Am Morgen fährt eine Jacht hinter der Mole aus. Diesen Platz steuern wir an und legen bei steifer Brise mit Hilfe freundlicher Nachbarn an. Ohne Anker. Beide Nachbarschiffe haben ihre Anker nahe beieinander gesetzt. Würden wir auch noch ankern, wäre die Wooling wohl perfekt. So machen wir mit unserem kleinen Schiff an den mächtigen Nachbarschiffen sicher fest.
So ein Anlegemanöver ist wie eine Theatervorstellung. Wie kommt die Crew zurecht? Ist Hilfe erforderlich? Was hat nicht geklappt? Bei uns gabs trotz Rückwärtsfahrt bei steifer Brise keine Probleme. Zuschauer kommen immer.
Man kann über den nicht nachlassenden Wind hadern. Segler wollen weiter! Aber haben wir das nötig? Wir haben noch einen Sack voll Zeit. Warum drängen wir? Bleiben wir doch, bis der Wind nicht mehr mag! Die Insel ist doch so schön und wir liegen im Schutz einer Mole. Wir haben alles was wir brauchen. So besuchen wir einen Abend die Chora, die sich bis zur Bergspitze hochzieht. Eine Kapelle krönt den Gipfel und wir teilen uns einen Salat in einer Taverne mit überwältigender Sicht.
um 5 Uhr am Morgen (1024x683)
5 Uhr morgens. Ich breche zu einer Bergtour in den Tag auf. Kein Mensch auf der bequemen Treppe hoch in die Chora, nur der dauernde Ruf eines Käuzchens. Goldener Schimmer am östlichen Himmel und der kühle Wind umschmeichelt.
Es tagt (1024x683)
Oben zweigt ein Wanderweg, rot/weiß gekennzeichnet ab und quert eine schräge Felswand, fein mit den flachen Granitsteinen der Umgebung belegt, breit wie eine Straße.
Der alte Weg (1024x683) Tiefblick (1024x683)
Und immer die weite Sicht! Einen Kilometer wunderbar, während die ersten Sonnenstrahlen die Berggipfel erreichen. Natürlich führt der Weg zu einer Kapelle und weiter zur Straße. Ich wähle aber den weglosen Abstieg in ein kleines Tal. Zuerst geht’s ganz gut auf Ziegenpfaden, dann wird das Gelände steil und mit stacheligen, hohen Büschen bewachsen. Weit unten eine Kapelle. Die Stachelbüsche sind mein Gegner. Immer wieder muss ich umkehren und bessere Möglichkeiten suchen. Einmal rutsche ich einen schrägen Fels ab und finde mich von allen Seiten von Stacheln umgeben. Aber auch diese Schlüsselstelle ist überwunden und es geht einfacher über verfallene Terrassen zur Kapelle. Mittlerweile sind alle Kapellen im Gegensatz zu früher verschlossen. Weite Terrassen, jetzt alle ungenutzt ziehen sich den Hang hinunter. Ich folge einer kleinen Wasserleitung, immer wieder Terrassenmauern abkletternd. Unten im Dorf hat das Leben begonnen. Die ersten sitzen in Cafés beim Kaffee und ich freue mich auf ein gutes Frühstück.

Hier alle Bilder der Tour: Klick

…und hier der „Weg“. Klick

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26. Meltemi fortissimo: Paros-Serifos, 20.Juli 15

Gerdi schreibt rückblickend nach Logbuch,

am 22.7.,unsrem 62. Tag:
(schon 3 Tage u. Nächte stürmisch ohne Pause im Traumland der griech.Kykladen-Inseln)

Der kleinste Mast mit Radarwürfel ist die EOS
Der kleinste Mast mit Radarwürfel ist die EOS
Pfannkuchen mit frischern Pfefferminzblättern
Pfannkuchen mit frischern Pfefferminzblättern
Milkshake und Lemoncake
Milkshake und Lemoncake

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Griech.Salat im Bergdorf auf Paros
Griech.Salat im Bergdorf auf Paros
Huhn von Pepes Grill
Huhn von Pepes Grill

Paros,1.Mal Souflaki

Lahmacum im Strandlokal
Lahmacum im Strandlokal
Morgen soll der Wind auf 4 bft flauen...
Morgen soll der Wind auf 4 bft flauen…
Kali spera, Paros
Kali spera, Paros

Mit der schönen bunten Erinnerung an kleine Köstlichkeiten „an Land“ wie Milkshake, griechischer Salat, mein deftiges Ratatouillle, Pfannkuchen und ein gegrilltes Huhn wagen wir am Montagmorgen, den 20.Juli, bei Meteo Poseidon „etwas weniger Wind als 5 bft“ uns von unsrer sicheren Mooring in Paros los zu machen. Noch optimistisch an einen flotten Segeltag glaubend reffen wir die neu gesetzte kleine Fock und ziehen auch das Groß nicht ganz hoch. Doch es dauert keine Stunde und es packt uns der mit bösartigem Dröhnen und Heulen, die Wellen werden höher und wilder, kabbelig die schäumende See.

5 -6 Bft, sieht man nicht
5 -6 Bft, sieht man nicht

Sichern und einstemmen (800x533)
Weiter einreffen, Schräglage, Ölzeug anziehn im wild schlingernden Schiff, Schwimmweste drüber, raus ins Nasse, Wellen über, Lifebelt einklinken, Pinne packen, wieder in den Wind und voll in die steigenden Wellen, wo der Bug wie ein Schöpflöffel das Meer bunkert und uns zum Heck spült – wie ein See am achteren Luk… Reffen am Rollgroß… alles klappt. Trotzdem irre Krängung… Wellen über Sprayhood und- klatsch- über das über 2 m hohe Biminidach… Am Bug kommt von irgendwo wieder Wasser rein und läuft unter den Verzierplatten, die die türkischen „versehentlichen“ Schraubenbohrlöcher am Himmel verdecken sollen, aufs Bett. Meine Koje ist vorsorglich mit Plastikplane eingepackt, nun läuft es salzweiß auf die bb-Koje und auf das Ablagefach an stb…
Wir segeln tapfer, Meltemi fortissimo, alles fast von vorn, wie ein Frontalangriff auf unser niedriges mit 10 m für diese Seen zu kleine Schiff…Nach einer 10 minütigen Windpause braust der Meltemi mit neuer Kraft , 1,5 m hohe Wellen? Höher?… Um 15 Uhr notiert der Skipper lakonisch im Logbuch:6 bft, Motor dazu… Noch über 1 Stunde kämpfen wir richtig in dem Seegang- . fast mit Vollgas steuern wir an dem großen Buckelfelsen vorbei, mit gereffter Fock und Motor mit nur 2 kn , vorwärts, Meter für Meter gegenan… Dann quetsche ich die Pinne heftig nach Backbord zum Einbiegen in die Bucht vor Serifos, um die wunderschöne Insel SERIFOS zu erreichen mit ihrer dramatisch am steilen Felshang klebenden weißen Chora, der berühmten pittoresken Oberstadt .
Auch dann noch kräftig gegenan… ob wir’s schaffen? Stoßgebet zu unsrem Herrgott. Drinnen weißgischtig, aber etwas mäßigere Wellenhöhe. „Schützende Bucht“ ist bei dem Seegang etwas übertrieben….Schon viele Boote schwojen an den Ankern,, wir versuchen es 2x, dann hält unser großer guter Anker auf dem Sandgrund vor einem türkis-leuchtenden Meeresband und goldnem Strand… Am Steilhang neben uns ein Appartementbau, Pool, Bar, Blumen, Urlaub- keine Ahnung von Sturm…

Ankerblick, Bucht vor Serifos
Ankerblick, Bucht vor Serifos

Ab 16.15 zerrt die EOS wie wild an ihrer Ankerkette… Wir genießen den traumhaften Ausblick auf die Chora Serifos. Alle 30 Minuten fährt ein Bus die Touristen und Einheimischen hoch über die Serpentinen… Es wirkt rein optisch (!) fast filmreif und romantisch auf mich, doch ich höre, wie um uns der Nordwind heult und dröhnt. Gleich leg ich das salznasse Ölzeug ab und koche Risotto oder Reis-paprika-Pilav… Lecker. Danach kalte dunkle Kirschen aus Paros…Die ganze Nacht ohne Pause dieser Wind, fortissimo, presto… keine Minute Schlaf!!!! Ob es 6 oder 7 bft sind, wenn es so teuflisch pfeift und heult und das Schiff krachend und quietschend kreiselt, weiß ich nicht. Wie gerädert (auch vor Angst, daß der Anker ausbricht) kommt Gerhard früh an meine Koje: „Du, 2 Yachten sind aus dem kleinen Hafen raus, laß es uns versuchen, da rüber zu motoren.“
Mit Schräglage steuern wir rüber, ca. 1 km, mit 5 vorbereitet belegten Leinen und Anker und 8 Fendern in der Reling…. Im Höllenlärm des Sturms schreien uns Belgier am Kai zu: 1 Platz frei!!! Da!!!“ Helfende Hände sind bereit an Land. Wir zielen auf diese schmale freie Stelle zwischen großen Yachten, die hier ankern. Die Belgier schreien: „NO anquor! !!!!!“- denn dann wären wir mit Sicherheit „cross“ mit deren Ankern- also rückwärts in die schmale Lücke, am Bug schon fängt die Frau unsere Leine und hält uns fest im Gewell… Gerhard schafft es, die Heckleinen rüber zu werfen- gegen den Wind! Und dann schaffen es alle Männer und Frauen gemeinsam, die EOS festzumachen… Ich zurre die Vorleine nun am Bug fester, die am belgischen Nachbarn auf der Klampe befestigt ist. Gerhard springt auf den stilvollen 75 Jahre alten Zweimaster-Holzsegler an stb und legt einen Palstek auf dessen Bugpoller. Geschafft. Ohne Anker aber vom Heck mit 6 bft vom Kai weg geblasen liegen wir sicher, aber nie „still“ im Gebraus.
Schräglage, Sturmgeheul, Meer peitscht über den kleinen Betonkai. Gerhard läßt die an 2 Leinen an den Achterstagen aufgehängte Brett-Gangway ans Heck… Kurzer Ausflug auf festen Boden. Viele liegen schon länger da und warten auf weniger Wind… oft Charterboote, Polen, Russen, Österreicher, Holländer, Franzosen, Engländer, Deutsche….
1 cm Gin im Stamperl auf unsren nüchternen Magen, ein Morgengebet (Dank, und ein paar Kirchenlieder auf der Flöte für Martin!! Wer nur den lieben Gott läßt walten….)

Unser kl. Martin, vor 32 J., 4 Mon.alt. Jonische Inseln
Unser kl. Martin an Bord der 8m-MARION, vor 32 J., 4 Mon.alt. Jonische Inseln

Ganz liebe SMS von Vroni, Erika, Joachim, Martin, Micha. Ich sende das Foto von der weißen entzückenden Chora. Jeder wär gern hier…. Naja….lieber nicht. Es dröhnt und pfeift….

Serifos, Blick von oben auf den Hafen+Bucht
Serifos, Blick von oben auf den Hafen+Bucht
Drüben unsere vorherige Insel: Paros
Drüben unsere vorherige Insel: Paros

Frühstück um 11… heißer grüner Tee, 2 Tassen Eduscho-Bohnenkaffee, Käse und der Rest Rinderschinken von der Türkei, 2 kleine Birnen….
Die Bilge faßte wieder Seewasser, keine Ahnung wo. Gh hat inzw. Diesen 50×50-Heckluk-Deckel mit 5mm dickem Moosgummi abgedichtet und mit einem Splint niedergehalten… Im Salzwasser ist wohl unsrer Sprayhood Bj.2010 geschrumpft und wir bekommen die Riegel fast nicht mehr zusammen beim Spannen… Tapfer die Segel, hier laufen immer mal Skipper mit großen Segelsäcken zum Segelmacher, das Groß, die Fock…
Wir sind todmüde von der durchwachten Nacht und versuchen, bei dem Windlärm etwas zu schlafen.
Um 17 Uhr gibt‘s Nescafé und Honigmelone. Um 18 Uhr fahren wir mit dem Bus für 1,60€ in 12 Minuten hoch zur Chora. Wunderschön die weißen Würfelhäuser mit ihren hellblauen Fensterläden und Holztüren… Steil die Felsen, daran wie geklebt die App’s und Mini-Tavernen. Es bläst so heftig, daß mich Gerhard fest an der Hand führt, als wir die Stufen zur höchsten Kapelle hochsteigen. Traumhaft schön die engen Treppengässlein zwischen den winzigen Hauswürfeln… Unten die blaue Bucht mit den ca. 20 Ankerbooten und der EOS im winzigen Hafen des Dorfs neben dem Strand. Die Fähre tutet…

Sturmverweht erklimmen wir das Wegle zu der besucherlosen Taverne bei den 5 Windmühlen und trinken ein Bier und teilen uns einen köstlichen, knackigen Griechischen Salat mit Kapern und Feta. Das Brot dazu ist knusprig und schmeckt himmlisch.

Draußen Starkwind seit Tagen....
Draußen Starkwind seit Tagen….
Dem Felsen abgerungen
Dem Felsen abgerungen
Windmühlen neben uns
Windmühlen neben uns

Serifos, Windmühlen m.Gerdi Serifos, Windmühlen m.Gerdi, verweht

Abend in der windumtosten Taverne/ Chora
Abend in der windumtosten Taverne/ Chora

Dann geht die Sonne hinter die hohen Felsen und läßt die (ehemaligen?)Terrassenfelderstreifen am Hang rotbraun leuchten. Der Ortsbus um 20.30 Uhr bringt uns ins „Tal“, mutig in den Engstellen zwischen den vielen Rent-a-car-Autos am Rand.
Bei der 24 Std. geöffneten Bakery gönnen wir uns einen frisch gepressten Apfelsinensaft auf festem Boden, bevor wir wieder auf die schwankende EOS klettern…
Neue Yachten abenteuerlich am Anlegen… Der stürmische Wind mit Böen 8 soll bis Freitag anhalten, also keine „Linderung“ in Sicht.

Beten mit Meerblick...
Beten mit Meerblick…
Kapelle...leider zu
Kapelle…leider zu

So beschließen wir, mit den beiden Nachbarbooten auch bis Freitag oder Samstag hier auszuharren… -zur Schonung unsres schönen alten vergleichsweise winzig-kleinen Schiffes und auch meiner Nerven,die bei dem ewig gleichen Molto Fortissimo kaum Erholung spüren. Die Geduld-Reservoirs werden bei diesem Dauersturm nicht aufgefüllt- auch wenn ich hoffe, bete, flöte…
Ein Glas Retsina… Gerhard gelüstet es noch nach dem Rest Risotto, ich spiele einige Lieder auf der Mundharmonika, die aber nur ich allein höre in dem Windgebraus… Um Mitternacht zu Bett. Es stürmt die ganze Nacht und auch am Morgen. Die Wanderschuhe stehen schon bereit, Gerhard will um 5 früh vorm Sonnenaufgang zur Chora hoch wandern und beim Abstieg das Panorama ausgiebig genießen…

25 Naxos ohne EOS: Lemoncake, Erdbeermilch und Marmorfelsen

Samstag, 18.Juli, PAROS, an der Mooringleine im Hafen, starker Wind, hohe Wellen, keiner segelt raus…

Heute ist es 2 Monate her, daß wir mit dem Flugzeug von daheim weg geflogen sind, in die Südtürkei.

ca. 30 Tage sind wir erst gesegelt, aber schon mitten in den griechischen Kykladen. Wie 2010 heult der Meltemi mit 5-7 Windstärken, es hört einfach nie auf zu stürmen, auch nachts nie. Damals hingen wir 6 Tage auf Syros fest, mit 2 Ankern, mit 6 Leinen, 5m vom Kai weg weil die Wellen so hoch waren,nur im Schlauchboot kamen wir an Land.

Nun also PAROS- unser Notstop seit 5 Tagen. Wir machen das Beste draus, denn dieser hohe Seegang würde unserem 41 J. alten Schiff sicher schaden….

Am Morgen spielte ich nach längerer Pause wieder mal Flöte, Morgenlieder, Kirchenlieder. Dankbar.

Heute nahmen wir die FlyingCat, nein, keine Katze, sondern ein Schnellboot(Katamaran), das diese Strecke Paros-naxos in 30 min schafft. Aber das Schiff wurde schwer gebeutelt in den Wellen, es rauschte mit heftigen Bewegungen durch die See, kaum einer lächelte im Sitz….

Am Hafen mieteten wir „ein Auto für 1/2 Tag…“- es war ein klappriger uralter zitronengelber Hyundai, der 148200 km auf dem Buckel hatte. Doch ich schaffte mit dem Kerlchen 80 km auf kurvenreichen Bergstraßen und schmalen holperigen Wegen, vorbei an zahllosen weißblauen Kapellen und manch einer auf Bergzinnen thronenden Monastery zwischen süß duftendem blühendem gelben Ginster. Als wir in einem pittoresken Bergdorf parkten, stiegen wir viele steile Marmorstufen hoch und landeten vor einem reizvollen Kaphenion. Uns wurde der Lemon cake -macht meine Schwester selber-empfohlen, ein verführerisch sauer-süßer Traum aus Löffelbiscuits, Zitronensahne und oben drauf Limonenzesten. Ich ließ mich zu einem rosa Erdbeer-Milkshake und einer zauberhaft guten Kugel Erdbeereis verführen. Fast hätte ich über dem himmlischen Genuß den Wind und die Wellen „vergessen“. Bei all den haarnadelkurven öffnete sich der Blick auf einen ungeheuer steilen Marmor-Steinbruch.

Punkt 5 Uhr mußten wir durch das Labyrinth der engen Straßen zum Rent-a-car zurückfinden. Uff- geschafft. Noch ein Frappé am Hafen, dann schob sich die große Blue Star Ferry DELOS durch die weißgekrönten Wellen, die voll über die Straße schäumten. Noch 1 Stunde und wir waren zurück auf Paros bei unsrem Schiff. Inzwischen hatte die EOS ihre Mooring wieder alleine, die 2 Mitlieger waren weg, aber neben uns war ein neues Desaster: eine große Bavaria 45 lag da, man saugte mit dem gr. Staubsauger Wasser aus dem Schiff ins Cockpit, da lag eine ausgelöste Rettungsweste, 3 andere dörrten am Steuerrad, alle Matratzen der Kojen lagen durchnäßt im Wind, auch die Kissen…naß. Da war ich ganz schnell still… und aus dem großen Rest vom Grillhuhn zauberte ich einen leckeren Salat- draußen stürmt es. Wir laufen zu einer Taverne mit regionaler Volksmusik, Gesang, Bouzuki, Klarinette… tringken frisch gepressten Apfelsinensaft, laden unsre Bilder hoch in diesen Blog…. Der Wind läßt erst am Montagnachmittag nach…. Wir „müssen“ bleiben.

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Weitere Bilder hier: Klick

23 Mit viel Wind bis auf die Insel Paros

Wir verlassen die Bucht von Lakka auf der Insel Leros um 6 Uhr. Levita, unser Ziel können wir nicht direkt anfahren. Zuerst unter Segel, dann motoren wir die letzten 7 Meilen gegen den Wind. Levita, die kahle Insel bietet wieder eine Boje und am Abend eine Taverne. Da lebt eine Familie das ganze Jahr über ohne Strom und bietet am Abend den Bootsfahrern Essen und Trinken an. Diese Ruhezone 20 Seemeilen von der nächsten bewohnten Insel entfernt ist bekannt und beliebt. Nachts nehmen wir den Rückweg von der Taverne unter dem grandiosen Sternenzelt.
Anderntags glatte See. Der Motor bringt uns in die Kalados- Bucht auf der Südseite der Insel Naxos. Um 1 Uhr nachts hat der Wind ausgeschlafen und weht immer kräftiger. Das veranlasst uns zur Ankerwache. Um 5 Uhr mäßigt er sich etwas und wir verlegen an die Stirnseite eines Anlegers im kleinen Hafen. Jetzt weht der Meltimi in Böen mit Sturmstärke. Wir liegen aber sicher, dennoch erzittert EOS und singt in den Wanten. Abends steigen wir zu Sofia und Dimitri in der „Kantina“ über dem Hafen hoch. Ein umgebauter Verkaufsanhänger gutes Essen und nette Wirtsleute.
Der Morgen lockt mit leichtem Wind. Als wir aber in die Passage zwischen Naxos und Paros einbiegen hat er uns bemerkt und legt ein paar Zähne zu. Wir motoren dagegen, aber beim Kap Kouvopas schießt das Wasser am Bug übers Schiff und am Heck wieder ins Meer. Wir flüchten in die weite Bucht hinter dem Kap und liegen dort sicher. Blaues Meer, weiße Schaumköpfchen, am sichelförmigen Strand Ferienanlagen und dahinter die wilden, kahlen Inselberge. Eine schöne Gegend und mich stört dieser erzwungene Aufenthalt nicht.
Der Start tags darauf um 5 Uhr früh schön in die Morgendämmerung hinein ist zwar nett, aber der Wind brist wieder auf. Nochmal mit dem Motor und starker Bootswäsche dagegen. In Naxos ist im Hafen keinerlei Platz, darum ankern wir geschützt und bequem hinter der Außenmole. Ein paar Meter vor uns paddeln die Griechen im Wasser und unterhalten sich dabei fast stundenlang mit Hut auf dem Kopf. Der beliebte Sport der älteren Generation. Eine Fähre nach der anderen spuckt Gäste und Fahrzeuge erst aus um dann neue zu verschlucken. Alles fest in Touristenhand. Um jedes Eck in der schönen, engen Altstadt, die sich den Hang hochzieht, tritt eine Gruppe Touristen hervor. Eine katholische Messe bringt Ruhe. 3 alte Damen, wir und dann noch junge 3 Gäste beehren die beiden Priester. Schön. Überall Restaurants, die sich mit den zahlreichen Gästen füllen. Wir haben keine Lust darauf und nehmen lieber bei Torres vor seinem Kebab-Salon Platz. Da beobachten wir den wilden Verkehr und Gerdi beeindruckt mit griechischen Liedern. Das bringt immer Freunde. Torres schenkt uns 2 Bierkrügle mit dem Brauereiaufdruck Mythos.
Der griechische Wetterbericht verspricht für morgen ein Schwächeln des Windes. E hat halb Recht. Zuerst kräftiger Wind und Wellen gegenan, dann können wir abfallen und mit halbem Wind nach Paros laufen. Bald schläft der Wind ganz ein. Wir ankern der schönen Bucht weil der Hafen belegt ist. Am anderen Tag um 7 Uhr laufen 2 Jachten aus dem Hafen und wir dort einen Platz ein. Kurz darauf dreht der Wind wieder auf. Wir liegen sicher, aber die Ankerer an der Außenmole verlassen teilweise die Plätze.

Hier alle Bilder: Klick

und hier unsere Reisestrecke auf Google Earth: Klick

Hier noch ein Gedicht von Gerdi:
*d.h. meine Bug-Koje ist naß, die Kleider im kl. Schrank sind einzeln auf Bügeln in unten zugebundnen Müllbeuteln,der Atlas säuft mal ab, mal das Fach mit Handtasche und Papieren,mal alles Nähzeug oder die Schuhe…. aber wir schaffen das. Nur romantisch find ichs nicht….
Auf steigt der Bug
und fallend schlägt er
in des Meeres weiß Gewog‘.
Es schäumt 3 Meter hoch zur Seit,
der Weg zum Ziel ist noch so weit….
Voll gegenan Windstärke sieben…
Wo sind die Urlaubsgefühle geblieben?
In Ölzeug, Lifebelt und Südwester
sind beide nur wie Bruder und Schwester,
trotz Sternenpracht und Mond des Nachts:
das Liebesleben? Man veracht’s….
Anstrengend ist das Pinnesteuern
in Seegang und Sturm Gefahren lauern.
So schütz uns Gott,
straf uns nicht Neptun,
zu beten bleibt das beste Tun.
Ich grüß die Lieben in der Heimat,
da wär ich gern jetzt- in der Tat.

                                                      (so, ihr seht, wir haben noch Humor!!!)

22. NAXOS Nur als Info: viel Wind, starker Seegang tagelang, Naxos, Paros

Zwischenbericht Naox-Paros. von GERDI.
Am 14. Juli 2015, am 15.7. ein paar Fotos eingefügt

Wir sind von Levita, der kleinen Insel mitten in der Ägäis, in 11 Stunden bis vor Naxos gesegelt.
Leider erweist sich die Ägäis inzwischen für unser absolut kleinstes aller Schiffe( und das einzige mit Pinne statt Steuerrad!) als zu energisch, wir fassen bei dem heftigen Seegang auch Wasser, im Schiff, die Bilge schwappt dann schon mal Seewasser in die gute Stube, irgendwo ist immer was nass… bald steckt alles in Plastiksäcken. Aber wir bemühen uns, das alles zu meistern und guter Laune zu bleiben. Das Deck ist leider in der Türkei nicht so fachgerecht ausgefugt worden, wie in einer deutschen Werft… Gerhard löst ständig undichte Sikaflexfugen raus und mach mit Primer und neuem Sika die Fugen dicht. Mit Erfolg, aber auch die Relingstützenschrauben sind nicht dicht. Es bleibt aufregend.

Die Kykladen sind zauberhaft, aber wenn man tags 10 Stunden gegenan kämpft und mit dem Nordwind, dem Meltemi ,seinen Wettstreit führt, ist an Land gehen und Inselwanderungen machen nicht drin. Oft gehn wir früh um 5 Anker auf und streben das nächste Ziel an. Ich hätte schöne Fotos, aber das ist auch nur selten möglich, die hoch zu laden… Internet ist hier langsam und unzuverlässig.
Eine Nacht war echt Sturm, also fürchterlich starker Wind. In einer Bucht ankerten wir, aber wir mußten Nachtwache sitzen draußen. Früh im ersten Morgenschein nach 5 Uhr unter Sternen Anker auf in heftigstem Gewell, wir motorten zum kleinen Häfele und Gerhard gelang es kunstvoll, an der winzigen Quai-Spitze anzulegen…. Mit 8 Fendern wurde die EOS auf den Beton gequetscht, mit 6 Leinen und Springtauen wurde sie gefesselt, es war ein Getöse und Gebrumm, ein hohes Pfeifen… das wünsch ich keinem von euch Bloglesern… Aber mit Zusammenhalten und Zuversicht und nüchterner Einschätzung der Gefahren iwar es zu meistern. Nur für 4 Stunden war mal weniger Wind… Dann alles von vorn.

Zuletzt auf Naxos Zum Fotografieren-antikes Bogentor auf Naxos u. irre Brandung dahinter

Hier auf Naxos brummt der Bär, erstaunlich viele Franzosen sind da, Italienerinnen in Designerkleidchen und irre tuer aussehenden Schuhen… Noch fehlen die Kinder über 6, denn erst ab 1. August sind Schulferien dort.
Da bei diesen starken Winden die Häfen total überfüllt sind, ankern die Boote vor den Häfen dicht an dicht. Gestern mußte eine Tauchergruppe den Anker einer gr. ital. Zweimasteryacht befreien.

Bei uns fiel eine der kostbaren neuen Nirostangen des Sonnenschutz- Biminis, vom Cockpit ins Meer auf 6m Tiefe, beim Einrollen der Persenning… nach 1 Stunde aber half uns ein schnorchelnder Französe sie rauszutauchen… Gh. hatte einen in Tuch gewickelten Stein an der Schnur dort abgelassen, wo sie lag…mit schwimmendem Brettchen oben.

Am goldenen Abend ruderten wir an Land, unter den mächtigen Steinbogen, der am Felskap steht wie der Tempel von Kap Sounion. Alle pilgern hin zum Sonnenuntergang, Foto in der Hand.
Wir wanderten die engen steilen schneeweißen Treppen im Dorf hoch, das nicht umsonst Labyrinth heißt. Erst eine orthodoxe Kapelle, wo wir andächtig 2 handgezogene Kerzlein entzündeten, dann ganz oben bei der venezianischen Festung ein katholischer Gottesdienst im Abendsonnenschein. Mathäusevangelium. Halleluja-Melodie die ich mitsingen konnte, die in köstlichen süßen schweren Rotwein getunkte Oblate, die einem der Priester auf die Zunge llegt. 3 alten Frauen und 3 Touristinnen.

Zwei neue Krügle, Souvenir v.Naxos
Eine Pita, ein Mythosbier beim Gyrosmann, der mit mir griechische Lieder sang, und dann schenkte er mir die 2 als Souvenir gewünschten 2 Bierkrügle! Die 2 Krügle vom Leipziger „Bayr.Bahnhof“ haben nun Geschwister aus Naxos!!
Neben unsrem Beiboot war eine nette Strandbar, da genossen wir mit Blick auf die beleuchtete Festung und all die 10 schaukelnden Boote den ersten Retsina, den mit dem Männle mit dem Schlüssel im Bauch, unsre Kinder erinnern sich bestimmt an das Bild am Etikett.
Dienstag, der 14. Juli, Unsere Gedanken sind heute in Augsburg, bei Martin, und dem kleinen „reifenden“ Enkelsohn, der in 8 Wochen das Licht der Welt erblicken darf.
Wir machen uns jetzt bereit die Überfahrt zur Insel Paros. Da möchten wir vor der gr. Reise Richtung Saronischer Golf. Viele große Fähren, hier alle 10 Min. eine, sie entlädt Massen von Touristen mit Rollkoffern, und welche mit Rucksack und Isomatten.

Isomatten.In 6 Std. gegenan Leros-Levita In 6 Std. gegenan bis Levita Die schmale Klamm von Vathi-Kalymnos
Wir kamen nach 6 Stunden hier auf Paros an- rundeten zwei spektakuläre Felsenkaps und hielten erneut hohe Wellen aus, 90° wurde die EOS geworfen hin und her, wenn uns eine Yacht überholte, tauchte auch deren Bug tief in die Wellentäler ein, um sich danach ganz hoch aufzurichten… Vor uns nun türkisblaues Meer mit kleinen Wellen am Ankerplatz in der weiten goldenen Sandstrand.
Ich hatte zur Kaffeestunde gleich 6 süße Pfannkuchen gebacken mit frischen Pfefferminzblättern. Das hebt die Stimmung…

Baden im Meer, seit langem ohne diese aggressiven Wellen.

21. Kalymnos Vathi +Levita+ Lakka auf Leros

Von Kalymnos via Insel Leros und in 6 Std. gegenan bis Insel Levita

Seekarte v.GPS Seekarte bis Naxos, rote Sturmböen-Pfeile Die Abendwanderung Kalymnos Felsklamm Vathi Der frische Fisch in Vathi Die gebratene Dorade, Vathi Die Hühner im Baum

Gerdi schreibt:

7.Juli: Mit den sanften Bildern der grünen Dorflandschaft beim Abendspaziergang in der engen Felsenklamm von Vathi (Kalymnos) , den Hühnern im Baum, der gebratenen Dorade und dem Duft vom blau-violett blühenden Thymian bei all den uralten christlichen Kirchlein…aber auch dem Bild der Flüchtlinge der Nacht…. gehen wir auf Segelfahrt zur Ankerbucht auf der Insel Leros,4 Stunden… Wir grillen zum 1. Mal Souflaki aus Schweinefleisch, nach 6 Wochen Abstinenz im Muslimland. Dazu dünste ich grüne Paprikaschoten von Jannis, dem Gemüsebauern.Halva als Dessert. –Das Meer hat kalte 19°C… Ruhige Nacht.

Mittwoch, 8.Juli: unser 50. Tag

Frühstück ohne Sorgen. In Deutschland hat es 38°C, anstrengend. Das schildern die Mails von Fabienne, Inge, Jojo- so schön mal was zu lesen von daheim. Ich male mit edding-Stift endlich den verblassten Namenszug „micro eos“ aufs Schlauchboot. Danach 2 Std. Arbeit mit dem Internet und dem 20.Blog und unsren Fotos im Café. Ich schneide die neu gekaufte Plastikfolie zu zum Abdecken für Vorschiff-Bett und Kleiderschrank… wegen des Eindringens von Meerwasser übers Deck….

Mit dem frisch geernteten Gemüse koche ich Ratatouille: Auberginen, Zucchini, Paprika, Tomaten. Dazu Reis.

Donnerstag, 9.Juli, Lakki/Leros

Ruhige Nacht, aber um 3 lautes Palaver an Land, vielleicht erneut Anlanden von Flüchtlingsbooten…

Noch vor Sonnenaufgang um 6 Uhr früh Anker auf. Poseidon Meteo meldet Wind 3-4, aber ab 8 Uhr müssen wir bei Westwind 4 heftig gegenan segeln! Genua gerefft, Hunger hat bei dem Seegang keiner…

· In 6 Std. gegenan Leros-Levita In 6 Std. gegenan bis Levita

Schräglage, die Eos wird stark gefordert, der Bug knallt in die hohen Wellen und teilt die Wogen, daß es 2-3 m hoch aufspritzt beim Eintauchen… Seitlich Flüsse an Deck, am Heck umkreisen mich Seen und brausen durch die Festmacherklüsen hinaus. Hart am Wind. Insel Levita in Sicht, aber wir können es so nicht erreichen. Innen im Schiff knarzt, ächzt und quietscht es laut, Pfeffermühle, Schere und Tee-Ei spielen hämmernd Schlagzeug, wenn der Bug auf die Wellen knallt…

+ Foto Gh Felswand? Levita

+ Foto Gh Bugwellen

Zunehmender Wind, 4-5, daheim wäre Sturmwarnung. Nach 4 Std. harter Segelei schalten wir den Motor dazu und stemmen uns gegenan … Wir biegen ein hinter die 1. Felsnase und gleich fegen stramme Fallböen von der Höhe auf uns herab, kaum kann ich die Pinne halten. Drinnen sind bereits 6 Segelyachten, zwar an Bojen, aber wild kreisend. Vorleinen am Bug belegen, Gerhard mit dem Enterhaken bereit, jetzt geht alles im Team, knappe schnelle Kommandos…Exakt gegen den Wind auf die rote Gasflasche zusteuern.. Dann kann Gh die freie Boje fassen(große Gasflaschen mit Ring und Seil)- Motor leichte Vorausfahrt… gegen den Wind und die Zugkraft… dann noch rausschwimmen und eine 2. Leine anbringen…

9 Yachten kreisen wild um die Bojen

Ich koche Bohnenkaffee, grünen Tee, brate Spiegeleier mit der letzten türkischen Rindswurst, dazu grüne Gurken. Es faucht und braust… aber die Bucht leuchtet wie ein Smaragd: türkis-blau-grün… Wir sind hier „am Ende der Welt“: kein Handy-Empfang. Die griechischen Fischer arbeiten in ihren bunt bemalten Kaiken. Wenn noch offen, werden wir am Abend mit dem Beiboot an Land gehen und dort oben essen, 2010 gab es Bio-Lamm und Ziege, die Tiere laufen frei herum. Ein Idyll. Aber sturmumtost.

Wir liefen mit Stirnlampe hoch zu dem Biobauern, speisten gebackenen Schafskäse, griechischen Salat, „Casserol“ mit Lamm+Ziege, tranken das erste Mythos-Bier, eine kleine Kupferkanne Retsina… Den traumhaft hellen Sternenhimmel mit der Milchstraße und rechts vom Ende mein geliebter Skorpion…

Am Morgen noch ziemlich stille See, also los um 5 und dann segelten wir 11 Stunden weiter…bis in die südliche Bucht von Leros.

Gerhards Foto folgt demnächst…