Gestern war der Motorman auf der EOS und hat die Ventile neu nachgestellt.
Heute, noch vor Sonnenaufgang rattert mich der Suzuki an der MICRO EOS ans Ufer und ich schlängle mich zuerst auf Ziegenpfaden um den Berg, dann weglos über Fels und durch hartes Gestrüpp auf den Ulusuluk Dag. Der ist nur 209m hoch. Sagt nicht, das sei kein Berg! Für hier ist er hoch und er schenkt eine Aussicht in das weite Rund aus Wasser und Land.
Angenehme Morgenkühle erleichtert den Aufstieg. Die Vögel zwitschern und die schönen kleinen Röslein halten ihre Köpfe noch geschlossen. Lavendel bleibt an Schuhen und Hosen hängen und verbreitet einen angenehmen Geruch. Der Aufstieg ist nicht so heftig wie zu unseren Gipfeln aber dennoch wunderbar. Gelegentlich bietet sich ein Ziegenpfad an, sonst gehts vorsichtig über trittfestesten Kalkstein und durch hartes Gestrüpp. Wegen drohender Fehltritte ist der Blick streng nach unten gerichtet. Da fallen die winzigen Blüten und die kleinen Spinnennetze und die Grashüpfer bei ihren weiten Sprüngen auf.
Unsere saftigen, bunten Alpen-Matten sind kraftvoller und bieten mehr Lebensraum für kleine Tier-Geschöpfe.
Nach dem Gipfel gehts langsam mit Händen und Füßen über den harten Fels abwärts zur Micro-EOS und wieder zum Schiff zurück. Ein Bad im warmen Meer und Frühstück mit Gerdi. Der Tag beginnt angenehm.
Erika hat so schön geschrieben: Liebe Mama, ich wünsch Dir alles, alles Gute für das kommende Jahr. Auf dass ihr gesund bleibt und in guter Stimmung auf dem Meer herumschippert. Behaltet euch immer im Kopf, dass es ein riesiges Privileg ist – nicht nur dass ihr auf solch eine tolle Art Reisen könnt, sondern auch, dass ihr so gesund seid und euch gegenseitig habt. Das ist so viel wert! Habt eine gute Zeit und genießt jeden Tag.
…den wirklich guten Bootsbauer, ich habe ihn hier nur noch nicht gefunden“, sagt mir ein deutscher Gulet- Eigner, der sein Schiff in der Werft überholen lässt.
Hier an diesem Ort begegnen sich 2 Kulturen. Die Deutschen, auf saubere Arbeit, korrekte Absprachen und Sicherheit bedachten und hier die liebenswerten Bootsbauer, die manches vergessen und bei denen eine wirklich schöne Arbeit nicht ganz oben steht. Aber unser Deck ist gut geworden und war preiswert.
Manche Schwachstelle nehmen wir in Kauf: Die Löcher im Bootshimmel zum Beispiel, die Überraschung, dass Wasser in der Bilge steht, weil Relingstützen nicht fest angezogen sind und der Traveller, der beim Ziehen an der Schot hoch springt, weil bei den Schrauben die Mutter fehlen. Die innere Verkleidung, die man sauberer befestigen könnte. Kleinigkeiten im Gesamtbild, das wir in Kauf nehmen.
Gestern wurde unsere EOS wieder zum Wasserfahrzeug. Das geht nicht so einfach, wenn der 5-Achser Transportwagen unter das Schiff fährt und immer wieder Transportstützen entfernt werden.
Die Leute leisten gefährliche Schwerarbeit zwischen Schiff und Wagen. Aber irgendwann sitzt alles und der Schaufellader zieht das Ganze, gesteuert mit viel Kraft an Seilen. An der Schräge ins Wasser stößt der Vorderlader mit einem langen Naturbalken den Wagen ins Wasser und bremst gleichzeitig mit einem dicken, zerschlissenen Stahlseil. Nicht auszudenken, wen mal der Balken weggeschleudert wird oder Stahllitzen in eine Hand dringen oder ein schweres Rad über Sandaletten und Fuß fährt. Was macht ein Rücken nach 30 Jahren Schwerarbeit? Aber schließlich rollt die Chose von selbst ins Meer, ich starte den Volvo, ein letztes Winken zur Landmannschaft und dann wird die Werft achteraus immer kleiner.
Ich hatte eine schöne interessante Zeit mit den freundlichen, offenen Arbeitern dort aber jetzt bin ich froh, dass Gerdi wieder aufs Boot kommt und die Arbeit abgeschlossen ist. Wir ankern neben dem Ort, den wir lieb gewonnen haben beseitigen den Staub innen und außen und machen EOS wieder seeklar.
Am 21. Mai wurde früh mit dem Autokran der Mast gestellt!
Dank-Menü mit den Werftarbeitern Nail u. Mustafa
Nachdem wir an meinem Geburtstag mit den Werftarbeitern Nail und Mustafa beim „Fisherman“ frischen Fisch vom Grill und köstliche Vorspeisen gespeist hatten, piesakten uns nachts die Schnaken, die unter den Türen (ohne Schwellen) reinkamen, die schönen Fliegen-Schutz-Schiebefenster halfen da wenig…
Gerhard radelte früh mit einem geliehenen Schiffsklapprad die 7km zur Werft. Mit sehr ungewöhnlicher Technik, einem Monster von Radlager und viel Vertrauensvorschuß wurde die EOS ins Meer gezogen. Ich packte im Appartment die 3 Rucksäcke, trug sie auf die Sonnenterrasse vor der Pension YILMAZ und gegen 14 Uhr kam unser liebes Schiff stolz angeschwommen! Das Fahrrad wurde rasch am Gulet der Friedrichshäfler Freunde („Carolin“) übergeben, dann legte Gerhard ganz kurz am Badesteg an und übernahm Gepäck und mich.
Anker ab in der schönen Bucht, leichter Wind, dann 4 Stunden Einräumen, Umräumen, Aufräumen. Die EOS ist wieder unser Nest für die nächsten 4-5 Monate…
Die Eos in ihrem Element
23.Mai: PUTZTAG… alles ist mahagoni-staub-braun, innen und außen, allein die vielen vertieften Knöpfe im Nappa-Ledersofa mit den vielen Fältchen…die Lampen, alle Gläser, Tassen, Teller, Betten, der Staub durchdrang jeden Winkel… Aber ich mach es gern. Zwischendurch Baden imMeer…Am Abend gibt es den ersten Bauernsalat, davor Rindsbouillon mit Grieß, Weißbrot, ab nun immer:-(
Leider spinnt unser Bord-Kühlschrank erneut. Erst 2 Jahre ist er alt, die Garantie liegt daheim! Wir hatten gehofft, der im Herbst neu eingebaute Thermostat wäre die Rettung, denkste.
Der Muezzin ruft „Allah akbar! Allah ekmez!“ Ich spiele „Großer Gott wir loben dich!“ auf der Mundharmonika.
Gerhard hat einiges „ausgesondert“, auch die 3 Feststoff-Schwimmwesten werden wir verschenken. Morgen werden die Ventile am Volvo-Motor neu eingestellt,… der Monteur hörte ein leises Klopfen, auch würde er dann leiser laufen und noch weniger Sprit verbrauchen. Recht so…
Wir haben 33°C in der Kajüte, das Schwimmen im Meer ist himmlisch bei wohl mehr als 20°und in Deutschland hat es 10°, die Kachelöfen sind angeheizt…und es regnet… Ihr Armen.
Hier blüht der Oleander, die Geranien sind ein Farbenmeer und die Leute suchen den Schatten unter den großen Sonnenschirmen. Jetzt gönnen wir uns nach dem Putztag einen ANGORA-Wein aus der Region. Den kennen wir von den beiden Oktoberurlauben mit JAN auf dem Gulet.
Sternklar, zarter Sichelmond. Wie der auf Moschee-Kuppel!
Unser Abenteuer beginnt am Montag, den 18. Mai- 8 Wochen nach meinem Armbruch.
Das Flugzeug startet um 16 Uhr in Friedrichshafen, wir genießen die herrliche Sicht auf die grafischen Muster der fruchtbaren landwirtschaftlichen Flächen, die dunklen deutschen Wälder, die sattgrünen Weiden im Allgäu, da ist der Grünten, darunter Erikas Wohnort Rettenberg… Dann wie gemalt die noch schneebedeckten Gipfel der Alpen… Salzburg? Bald die Donau. Kaum eine Wolke versperrt den Blick auf unsere große 80-tägige Flußfahrtstrecke mit unsrer EOS 2014: Österreich,Ungarn, Bulgarien, Rumänien,… Bei der Zwischenlandung in Istanbul schweben wir über die 3 Bosporusbrücken, unter denen wir selber schon mit der EOS durchgefahren sind! 3 Stunden Warten. Verspätung. Gate-Wechsel von 102 auf 111- aufregend! Unser moderner Airbus ist fast voll besetzt, neben mir eine Frau, müde von 24-Std-Flug ab San Francisco über Nürnberg! Die Monsterstadt Istanbulein Lichtermeer…! Kurz vor Mitternacht landen wir in DALAMAN, ein riesiger Flughafen, wo wir mit dem Bus zum Transitgepäck kutschiert werden müssen! Im Taxi geht’s zu unsrem einfachen kleinen Hotel in der Stadtmitte. Keinerlei Touristen hier. Gerhard wird wie ein Freund umarmt-man kennt sich vom Herbst. Duschen im offnen WC-Raum, alles nass, aber wir fühlen uns frisch, schlafen gut – es gibt noch keine Schnaken;-)
Nach dem schlichten Frühstück lässt Gerhard eine türkische Simcard in sein Zweit-Handy einsetzen. Im Taxi gehtszur Busstation, von da im neuen Mercedes-Bus nach Marmaris- auf einer neuen 4-spurigen Autobahn, Pinienwälder, Obsthaine, kobaltblau strahlt das Meer aus der Tiefe… In Marmaris steigen wir in einen kleinen Dolmusbus um, an Ständen bieten die Obstbauern Portokali an, reife Orangen in großen Steigen. Rosa blüht der Oleander, Bougainvillea rankt sich pinkrot an den Hauswänden hoch. Zauberhaftes Kleinasien.
In Bozborun bietet uns der Wirt vom „Fisherman“ ein Zimmer in seiner neuen Pensionan. 2.Etage, direkt am Meer(viele Schnaken nachts…unterm Türspalt durch, trotz Moskitonetz also), wir hätten sogar 25 Liegen auf einer Paneelplattform auf den Felsen, aber mir fehlt der Badeanzug. Im Haus quirliges Leben, viele Verwandte mit kleinen Kindern sind aus traurigem Anlaß aus Leutershausen, Ansbach , Nürnberg und Berlin gekommen: Todesfall.
Ich kann zusehen, wie Börökzubereitet wird: ein ganz leichter Teig aus Mehl und Wasser wird hauchdünn mit einem Besenstiel x-mal ausgerollt, bis er durchsichtig ist. Schon die 6-Jährige beherrscht die Kunst, die tuchartige Teigplatte auf den Stiel zu hängen, zurück auf den niedrigen Holztisch zwischen den Beinen (bedeckt mit einem weißen Laken)zu werfen und immer wieder zu rollen. Dann wird Spinat und und zerbröselter Schafkäse aufgestreut und mit einer zweiten hauchdünnen Teigplatte abgedeckt. Mit dem Holzschieber wandert der Fladen auf den glühend heißen Steintisch im vorne offenen Holzbackofen.
…hängend auf dem Stiel und erneut auf die Platte werfen…-zig mal neu ausrollenSpinat+FetaFertige BörökMein 67.Geburtstag mit 25°,Kirschen,Aprikosen, Orangen
Der Nürnberger Krankenpfleger kommt an unsre Tür und schenkt mir mit ur-fränkischem Leutershäuser Dialekt ein Börök-so köstlich. Am Balkon genießen wir ein Glas Rotwein, sehen die helle Venus und den strahlenden Jupiter, Castor und Pollux und die erste zarte Mondsichel am Himmel…
Türkisches Frühstück: grüne Gurke aus dem Beet nebenan, geschälte Tomaten, 1 hart-gekochtes Ei, Pecorinokäse und Feta, Butter, Honig, selbst kandierte dicke Orangenstücke statt der total flüssigen käuflichen Orangenmarmelade, 2erlei Oliven, Nescafé und Cai, Weißbrot (=ekmez).
Gerhard läuft am Morgen die 7 km zur Werft, duscht die EOS ab, entdeckt ein einziges „vergessenes“ Loch (der Atlas im stb-Schapp ist wieder mal nass, diesmal Süßwasser 🙂 und er sucht vergeblich nach fehlenden Schrauben, die die Heckreling fixieren müssen. Müssen wir in Marmaris kaufen… Am 21. Mai, meinem 67.Geburtstag, kommt der bestellte Autokran aus Marmaris und stellt in 1 Stunde den Mast an Deck. Alle Wasserbehälter werden aufgefüllt mit dem kostbaren Nass. Ich bleibe an meinem Geburtstag im Appartement, lese, gucke stundenlang auf diese zauberhafte Bucht. Gh kann sich bei einem Deutschen aus Friedrichshafen dessen Klapprad ausleihen und ist um 17 Uhr bei mir. Heute früh kaufte ich beim Bummeln im Dorf ein. Statt Geburtstagskuchen essen wir am Balkon unter der schützenden Markise rote Kirschen, reife Aprikosen, gelbe Birnen zum Nescafé…Um 20 Uhr sind wir verabredet mit Nail und Mustafa von der Schiffswerft: Wir 4 gehen zu Yilmaz ins „Fisherman“ zum Essen. Gemischte Vorspeisen mit Sardellen, Auberginen mit Pinienkernen, rote Bohnenkerne, grüne Bohnen, Tomaten, reisgefüllte Paprikaschoten, Börök, Am Nachmittag gefangener Fisch.Dazu ein kühles Efes-Bier. Als Abschluß türkischen Mokka in zierlichen Silbertässchen mit Deckel.
Der Segeltörn kann beginnen. Traumhaftes Wetter, vor uns ankern inzwischen wohl 18 Segler, der Hafen ist fast voll. Paradies pur…Morgen wird die EOS ins Wasser gezogen!
Gerdi schreibt: Meine am Schweizer Skischlepplift gebrochene Schulter (16.3.) heilt wunderbar. Die manuelle Physiotherapie hilft viel. So wagen wir es, an den 2. Teil unsres großen Segeltörns zu denken. EOS wartet auf uns, im fernen Süden der Türkei. Das Winterlager für Nov. 2015 in Korfu ist bestellt.Meinen 67.Geburtstag werden wir am 21. Mai schon am schwankenden Boot feiern… Das Kap von Bozburun, die Grau-Nase, werden wir dann umrundet haben… Kurs Südküste Türkei, Juni+Juli die Ägäische Inselwelt Griechenlands, der Kanal von Korinth..die Jonischen Inseln im Oktober…Hoffentlich ist das neue Teakdeck auch dicht…!!!
Am Bug
Aber jetzt ist Gerhard. noch 1 Woche mit dem Rucksack auf Wandertour auf der vorletzten Etappe seiner Fern-Wanderstrecke auf 18° Nord zwischen Eriskirch und Insel Rügen! Täglich 30 – 40 km laufen. Hoffentlich findet er in dem dünn besiedelten Raum zwischen Mecklenburger Seenplatte und Vorpommern auch täglich ein Bett für die Nacht.
Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.
Hier ist ein Auszug:
Ein New York City U-Bahnzug fasst 1.200 Menschen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 7.300 mal besucht. Um die gleiche Anzahl von Personen mit einem New York City U-Bahnzug zu befördern wären etwa 6 Fahrten nötig.
Die EOS hält nun Winterschlaf in der Türkei, an Land.
Das Teak (Iroko)- Deck ist fertig. Es schaut gut aus. Die innere neue Decken-Verkleidung unter den Fenstern, die wegen zu langer Schrauben notwendig wurde, ist im Salon angebracht. Der „Himmel“ sieht wieder unversehrt aus. Die Plicht wurde mit Sikaflex abgedichtet und muss bis zum Schleifen noch trocknen. Am Lukdeckel wurden die Iroka- Leisten aufgeklebt.
Was ist noch zu erledigen? Die inneren Verkleidungen an der Decke im Vorschiff anbringen, die Plicht schleifen und die offnen Fächer* über der Cockpitbank abdichten( *Winschkurbel, Nebelhorn, Wäscheklammern, Sonnencremes, Brille). Am Lukdeckel den Lüfter anbringen und vorher die Fugen mit Sikaflex ausfüllen und verschleifen. Alle großen Plichtdeckel mit Scharnieren wieder anschrauben. Zum Schluss alle Oberflächen säubern.
Die Arbeit war nicht immer einfach, weil der Qualitätsstandard doch nicht dem unseren entspricht. Gemeinsam mit den beiden Bootsbauern ergab sich aber doch ein gutes Ergebnis.
Damit schließen wir unseren Blog für dieses Jahr. Hoffentlich haben wir Euch beim Lesen nicht gelangweilt.
Danke, dass Ihr unsere Beiträge verfolgt habt und auch Danke für Eure gelegentlichen Kommentare.
Im Mai 2015 werden wir unsere Reise in der Ägäis und im Ionischen Meer fortsetzen.
Seid Ihr als Leser wieder dabei? Dann setzt „eossegeltoern.wordpress.com“ in eure Lesezeichen!