Unsere erste Meerfahrt nach 80 Tagen Flußfahrt auf der Donau!

Von GERDI (wie auch fast alle Stadtbilder und die Meerbilder)

Hier die Bilder von den Stunden auf dem Meer: Klick hier

Mit großer Freude sahen wir unserem 1. Tag „auf See“ entgegen. Traumhaft sanft begrüßte uns um 6 Uhr früh die rote Sonne wie ein Feuerball… Der Melonenhändler erwachte neben seinem Kahn unter der Weide und winkte uns noch lange nach… Erwartungsvoll näherten wir uns dem offenen Meer… wir hörten es schon im Kanal gegen die Steine donnern…wir konnten es riechen… der Pelikan war wie ein Abschiedsgeschenk der Donau… Gänse zogen im Keil am Himmel, immer neue Vogelflugscharen… die letzten Bojen… und dann hat uns das Meer wieder: nach 3 Jahren sind wir zurück im Element unsrer Langzeit-Törns, wie 2009,2010,2011. Uns erfüllt große Freude, als die langen Wellen den Bauch unsres Schiffes erfassen und gleich hin und her wiegen. Der Seegang nimmt zu. So sind wir es gewöhnt. Stumm vor Glück genießen wir unter Segeln die Fahrt ins Nichts. Endlich wieder weiter Horizont, ganz weit weg die Kimm. Kein Schilf begrenzt den Blick, kein Ufer engt die Fahrstrecke ein. Wir werden wieder vom Wind getrieben, raumer Wind. Warm. Angenehm… Mittags gibt’s Melone. Jeder hängt seinen Gedanken nach… Sehnsucht nach dem, was kommt… Inseln, blaue Buchten…

Blauwasser und Salzmeer Kunststücke neben der EOS Mein Schatz am 1. Meerabend

Um 13 Uhr kommt der Wind voll gegenan und wir bergen die Genua. Den Rest des Tages hilft uns der Volvo… Gegen 17 Uhr erblickt Gerhard den ersten Delfin, es werden 2, 3,4, am Ende wohl 7. Manche sind erstaunlich groß, sie tauchen direkt neben dem Rumpf auf und springen im Duett und Trio vorm Bug, überholen uns, rasen auf der andren Seite von hinten heran… eine ganze Stunde vergnügen sie sich mit dem großen weißen EOS-Bauch. Herrlich. Leider kann ich das Video nicht hochladen in den Blog…

Wir verspeisen den letzten Rest des himmlischen Schweinebratens vom Abschiedsessen in der Donau… dann bietet sich uns ein Schauspiel, das Segler nie satt haben: der rote Sonnenuntergang, in dem die Sonne im Meer versinkt. Genau gegenüber der versinkenden Feuerkugel erhob sich groß und silbern der riesige Vollmond!!! Eine lange Lichtstraße glitzert auf dem nächtlichen Meer… Traumhaft. Es zieht sich hin mit dem Ziel CONSTANTA, wir fahren ab 21 Uhr auf die Lichter der Stadt zu. Port TOMIS… Mitternacht. 18 Stunden und 160 km sind wir seit Sulina gefahren.

Fast unscheinbar blinkt ein höheres grünes Ansteuerungslicht, daneben rot und grün. Ich steuere vorsichtig hinter die mit Betonkegeln bewehrte Mole, wohl gegen die Stürme. Dann legt sich der Seegang und wir suchen an der Kaimauer hinter einem Fischer einen Liegeplatz, binden die EOS zum ersten Mal an richtigen Pollern fest. Eine rumänische „Autorität“J mit Uniform begrüßt uns und will auch jetzt um Mitternacht alle Papiere sehen. An Land Jazz, Didjeridoo, Trommeln. Bis um halbdrei am Morgen. Früh um 9 ordentliche Anmeldung, 4 Seiten Vertrag mit Stempel der EOS und von der Behörde. Wir bekommen einen neuen Liegeplatz angewiesen am Ponton. Dort gibt es Strom und Wasser… und- oh Wunder- auch Internet an Bord. Suuuper. Mal am Salontisch Blog und Mails tippen und gleich versenden samt Fotos.

Jetzt die Bilder von Constanta, Klick

Nachmittags repariert Gh. die abgebrochenen Angeln an der Clo-Brille des kleinen Schiffs-WC… Dann spazieren wir in die Stadt. Marode wunderschöne alte Fassaden, teils barocke Verzierungen, teils klassische Säulen, meist verfallene Balkons, kaputte Fenster, bröckelnder Verputz, brechende Treppenstufen, herunterhängende Balkongeländer… Zigeunerkinder betteln, bieten rote Rosen an, üben Krieg mit Stöcken…Mit Geld und Spendern wäre das eine wunderschöne Altstadt, wie Prag, Dresden oder Odessa.

Nacht in Constanta (2) (1500x1125)

Wir bummeln. Wir staunen. Wir hoffen – für Rumäniens Mut und Kraft zum Wiederaufbau all der schönen Bauten, oder doch eines Teils der Altstadt. Die Promenade hat bereits eine neue Pflasterauflage, die Treppen sind neu vorm schloßartigen Prachtbau, aber das ehem. Casino ist noch am Verfallen. 200 Gäste konnten da früher auf der Empore dinieren und Champagner genießen… vorbei. Die Moschee steht fast brüderlich neben der kath. Und der orhodoxen Kirche. Der Muezzin rief schon zweimal mit lautem Gesang… Allah akbar, Gott, de Erhabene ist groß… (Meiner auch!)…

Der Muezzin ruft Allah akbar

Zum Ausklang des Tages sitzen wir noch mit einer Flasche kühlem Weißwein (von der Donau) in einem Hafenlokal und müssen dann um die mit einem Fahrradschloß versperrte Ponton-Gittertür klettern, um zu unsrem Schiff zu kommen. Vollmond, Sternenhimmel… Unser 2. Teil der Reise hat begonnen.

Wein aus der Region (1500x1125)

Die Karte mi unserem Standort: Klick

Unsere Reise auf der Donau, Ereignisse und was uns wichtig erschien

 

Vorab:

Die erste Zeit mit Rainer und Günter war fröhlich, problemlos. Wir haben uns gut verstanden. Zu dritt war auch niemand an der Pinne überfordert. Eine Stunde steuern, zwei Stunden frei. Jeder hat selbstständig die Kurse gefahren.

Gerdi kam in Budapest an Bord und wir hatten eine sehr sehr schöne gemeinsame Abenteuerzeit. Die Anlegemanöver im Strom waren gelegentlich knifflig. Gerdi hat sie meist gesteuert und ich band an. Nie gabs Schäden. Essen war immer eine Freude. Eine Stunde steuern, eine Stunde frei. Da war auch niemand überlastet. Wir waren ein gutes Team und haben besonders gegen Flussende die Tagesstrecken kurz gehalten. Wir wollten die Reise genießen. Die Ankerabende waren trotz Mücken ein Genuss.

  • Start am 12. Juni in Saal bei Kelheim, Ende in Sulina am 8. September
  • 16 Fahrtage auf der oberen Donau von Saal bis Budapest
  • 64 Fahrtage mit Gerdi von Budapest bis Sulina
  • Insgesamt 80 Fahrtage und 2543 km, das ergibt einen Durchschnitt von ca. 42 km/Tag (Paddler, die wir in Sulina trafen, „schafften“ ca. 70km/Tag (ab Ulm!).
  • Längste Tagesstrecke 110 km von Osjek an der Drau nach Backa- Palanka an der Donau
  • 340 Liter Diesel verbraucht, das ergibt einen Durchschnitt von 11,2 Litern/100 km bei einer Drehzahl von 1200 upm (mit Strömung von ca. 3-7 km/h)
  • Größte Stromgeschwindigkeit bei Deggendorf an der Isarmündung und bei Hainburg mit ca. 7 km/h
  • Störungen: Echolot ab Belgrad neu, Kühlschrank defekt
  • Mücken wären im Juli+ August+ Anfang September eine Plage, hätten wir nicht ein Netz übers Cockpit und den Niedergang und überm Bug-Luk. Vor Sonnenuntergang geht die Plage los und endet nach Sonnenaufgang noch nicht ganz!

Das fiel uns auf:

  • Betonnung im Ober- und Mittellauf sehr gut, im Unterlauf weniger Bojen, aber nie Orientierungsprobleme mit dem älteren Papierkartensatz in 9 Spiralbuchbänden: „Donau“ von Pierre Verberght.  Unsere elektronische Karte der „DORIS“ war hilfreich. Das Buch „Die Donau“(Haselhorst/Dittmann) ist gut und anschaulich bei der täglichen Routenplanung.
  • Ausnahmslos freundliche und hilfsbereite Leute, kein schlechtes Gefühl beklaut oder übervorteilt zu werden. Keiner nahm je Geld als Backschisch an!
  • Ab Belgrad kaum Infrastruktur für Sportboote im EOS- Format. Anlegen, wo es günstig erscheint, teils an wackeligen, rostigen Anlegern, meist Pontons. Aus- und Einsteigen erforderte manchmal sportliches Geschick, auch Klettern über 4-5 Frachter usw. Ab Belgrad selten Strom in der Nähe.
  • Ankern im Strom, wir hatten im Mittel- und Unterlauf hohen Wasserstand durch die Überschwemmungen im ersten Halbjahr 2014, Wassertiefe beim Ankern ca. 5- 10m. Außer im Oberlauf bei Kiesgrund immer bestens haltender Lehm oder ähnlichen Grund. Kein Bewuchs. Schwimmen wegen der Strömung auch in Flussarmen selten möglich und bei 4-6 kmh Tempo der Donau richtig gefährlich!
  • Maststellen problematisch, da nur weit überdimensionierte und dadurch teure Krane da sind. Bei uns mit 100 to- Kran und 600€. Es wär vielleicht unter der Hand auch billiger gegangen
  • Bulgarien ist noch kein Schengen-Staat, hat aber gemeinsame Grenze mit Rumänien. Seitenwechsel korrekt nur mit Aus- und Einklarieren möglich

Einige Ereignisse:

  • Viele Abendessen, Grillen, Suppen von Gerdi, Gerdis Schweinebraten in Sulina und ihre Gemüsesuppe in der Dunarea Veche. 2 lebendige Hechte aus der Reuse bei den Lipowanern. Fischsuppen in Serbien und Ungarn
  • Durchfahrt durch das linke, engste Joch der Steinernen Brücke nur mit voller Kraft möglich. Ganz langsam, war spannend
  • Strecke von Straubing nach Deggendorf ist naturbelassen und kurvenreich. Wir hatten ca. 0,2 bis 0,5m Freiwasser und 3 Grundberührungen
  • Krems und Hainburg: Sehr nette Rädlewirtschaften mit bestem Wein und guter Brotzeit
  • Nach Bezdan in Serbien. Sehr starkes Gewitter mit Wolkenbruch und schwieriger Orientierung. Mussten ankern
  • Belgrad: Anlegen und Verweilen längsseits bei Ducan, dem Stand-up-Paddler. Neues GARMIN-Echolot gekauft
  • Drau- Abenteuer. Unerklärlich, warum wir die Policja stundenlang nicht fanden und „flüchten“ mussten. Kein Einklarieren in Kroatien möglich.
  • Eisernes Tor, 2 Abschnitte, eindrückliche felsige, bergige Flusspassage. Muss früher der Horror für Steuerleute gewesen sein
  • Donji Milanovac: Wolkenbruch, Dorf überschwemmt, Dauerregen 1 Tag lang und dadurch Wasser im Schiff, auch auf Gerdis Koje. „Regatta“: Sehr liebenswerte Serben mit ca. 20 teilweise einfachen Motorbooten kamen die Donau runter –stundenlang kochten 2 Männer für sie typische serbische (weiß)Bohnensuppe!
  • Im Unterlauf werden die Schubverbände immer größer. Rekord an Breite: 6 Schuten mit je 11m ergibt über 60m Breite. Länge bis 3 Schuten + Schubschiff 3 x 80m + 40m = 280m und bis 3 Schuten nebeneinander. Es hat aber alles Platz zum Begegnen.
  • Ghindaresti: Ankern und m.d. Schlauchboot ans Ufer: Besuch des Lipowanerdorfes(russ., blond, blauäugig, streng orthodox gläubig) und 6 höfliche Burschen zum Springen vom Bug an Bord
  • Ich wegen 39,2° Fieber ambulant im Krankenhaus. War aber anderntags weg.
  • Aufregend und politisch brisant: entlang der ukrainischen Grenze, die in der Mitte der Donau eingezeichnet ist, unter Segeln, aber am Ufer all die Wachtürme, Gewehre, Ferngläser, freundliches Winken hinterm Stacheldraht
  • Tulcea, Eingang zum Delta. Starkes Schaukeln durch enormen Bootsverkehr. Grundberührung beim Anlegen neben vollbesetztem Passagierschiff. Hilfe durch Freischleppen von freundlichem Motorbootfahrer.
  • Unsere Ankerplätze, unsere Schlauchbootfahrt mit der kleinen „micro eos“ zum Seerosen-See, die geführte Bootstour nach Letea und das Gasthaus in Crisan mitdem köstlichen Essen und im Steinbackofen gebackenem, warmem Brot. Herrliche Natur bei der geführten Exkursion zu prähistor.Wald, feinsandiger Donaudüne und den Wildpferden bei den Dörfern mit den Minderheiten aus Rußland und Ukraine mit den winzigen Häusern in strahlendem Blau und Grün
  • Das Flötenspiel am Abend und bei Sonnenaufgang lockte immer wieder Fischer in ihrem Kahn heran, sie kauderwelschten mit uns, musizierten mit unsrer Mundharmonika, schenkten Wein, Honig und Sardinen
  • 3 Tage abwarten in der alten Donau wegen Starkwind einsam beim Schilf der alten Donau!
  • Und Sulina, die Stadt „am Ende der Welt“.
  • Zum Schluss an der Ausfahrt ins Schwarze Meer doch noch ein Pelikan.
  • Die einfache Lebensweise der Donauleute färbte auf uns ab, wir aßen wie sie Krautsalat, Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Paprika+Chili, Weißbrot, Fisch, nur selbstgekochte Suppen, rosa-gekochten Speck, Käse, Honig – und nur 4x Spaghetti J
  • Sprache: wer etwas Italienisch und Französisch kann, versteht viel in Rumänien. Englisch ist im Kommen, die Jungen können es oft verblüffend gut und akzentfrei, viele sprechen Russisch.

 

Die letzten Meilen zum Meer

Eine glückliche Zeit auf dem Strom findet hier ihr Ende. Im Oberlauf mit meinen Freunden aus Augsburg, fröhlich, problemlos, dann ab Budapest mit Gerdi, über 2000km. Wir waren ein gutes Team, kein Unfall, eine Eintageskrankheit, eine kleinere technische Störungen, aber was ist das schon auf einer Abenteuer- Reise von diesem Format?

Gerdi steuert die letzte Strecke auf der Donau (1500x1125)Ein Pelikan, unser einziger der Reise (1500x1125)

Noch vor Sonnenaufgang legen wir in Sulina ab, Vorbei an der Tafel mit der Seemeile „0“, Dann am alten Leuchtturm. Die Donau hat ihr Delta mittlerweile weiter hinausgeschoben. Wir sehen doch noch ganz nah einen Pelikan! Schließlich der neue, mächtige Leuchtturm mit allem technischen Gerät hoch oben. Und jetzt, jetzt spüren wir den Puls des Meeres. Die Wogen, im Gegensatz zu den Wellchen des Stromes. Noch weisen uns Bojen den Weg, dann ändern wir den Kurs südwärts. Das flache Schilfland tritt zurück und erinnert nur noch als ganz schmaler Streifen. 
 

Sulina, die Stadt am Ende der Donau

Sulina: Jetzt kommt nur noch das Schwarze Meer. Ein langer Kai auf der linken Donauseite. Da ist die Stadt. Ganz vorne die Schauseite mit Bars, Restaurants, Läden, gepflastert. 100m dahinter die 2. Straße, auch gepflastert, meist alte heruntergekommene Wohnhäuser, viele Plattenbauten. Wieder dahinter die 3. Reihe, die Straßen unbefestigt, die kleinen Häuser wackelig. Dann kommt das Schilf. Alle 3 Straßen laufen längs der Donau.

Das ehemalige Gebäude der Donaukomission Sonntag am Abend Verfall und Neues (2)

Es war mal eine wohlhabende Stadt. Man erkennt das an den schönen, aber verfallenden Häusern. Die Verwaltung der Donaukommission, zuständig für ALLE Donauanrainer- Länder war hier. Dann kam die Verwaltung nach Budapest, weg vom Ende der Welt, vor 30 Jahren dann der Schwarzmeer- Kanal der 300 km früher direkt nach Constanza führte, da brach viel Arbeit weg und der Sozialismus war auch nicht förderlich. Jetzt kommen die Touristen und die bleiben eben in der „ersten Reihe“ an der Donau hängen. So verfallen ein Großteil der Häuser, Werften, Fabriken, Schiffe. So angenehm die Leute sind und so einmalig das gewaltige Hinterland ist, die Gegend ist nur mit dem Schiff zu erreichen. Die EU hilft, aber ohne Wirtschaft geht nix.
Die Bilder hier

Die Bilder: Hier

EOS wird zum Segelschiff. Nachtrag, ist schon lange her, 26. August in Galati

 

Wird der Mast auf dem eigenen Schiff aufgerichtet, ist das immer eine spannende Angelegenheit. So auch diesmal.

Wir fahren in das alte Hafenbecken bei Galati ein  Große, aufgelassene Speichergebäude, rostige Schwerlastkräne und in einer Hafenecke 3 Schwimmdocks, ein mächtiger Schwimmkran und einige Schubschiffe. „Ja, das ist die Navrom Werft“, informiert uns ein Fischer. An einem kleinen Ponton verbringen wir die Nacht.

Früh wecken uns Werftgeräusche, laute, hohle Hammerschläge, das Surren fahrender Kräne und die gewohnt laute Unterhaltung der Arbeiter. Man erwartet uns und wir sollen direkt am 100t- Schwimmkran anlegen. Ich geh hoch zum Direktor, der stellt mich dem Meister und dem Kranführer vor. Wir legen fest, wo der Mast zum Vorbereiten liegen soll. Dazu gesellt sich noch eine Gruppe Arbeiter. 2 neue gelbe Heißstrops ( Tragkraft 50 t, unser Mast wiegt mit allem 0,2t) legen wir um den Mast und der riesige Arm des Krans schwenkt unseren Mast auf das neu verlegte Holzdeck des Schwimmkrans. Sehr souverän und ruhig verläuft alles. Da liegt er nun und ich entschnüre ihn. Die Leute packen überall mit an, fachgerecht aber doch zu viele. Auf der Reise fiel uns immer auf, dass alles mit vielen Personen erledigt wird, zu vielen, für unsere Begriffe. Gerdi klart in der Zwischenzeit das nun wieder wunderbar leere Deck unserer EOS auf. Der Radarreflektor erhält seinen Platz am Masttop, alle Wanten werden sortiert und die Wantenspanner an Deck befestigt. Wir prüfen die Funktion von Anker- und Dampferlicht und die Beleuchtung des Windpfeils. Das alles sitzt für später unerreichbar ganz oben im Mast. Kurze Aufregung weil das Dampferlicht dunkel bleibt. Entwarnung, nur ein Stecker hat sich gelöst.

Der Kran ist für den Mast unterfordert Der Mast am Kran

            Jetzt nimmt der Kranführer wieder seinen Platz hoch oben in der Kanzel ein. Wir legen eine Schlinge um die Saling und wieder hebt sich der Mast. Ich staune über die ganz feinen Bewegungen des riesigen Auslegers. Ich habe etwas ruckartiges, grobes erwartet. Jetzt kommt Bewegung in alles. Rufe, Anweisungen, die Kranhupe, wenn sich der Führer oben bemerkbar machen will. Wir versuchen das Rollreff des Vorsegels im Bugbeschlag zu fixieren. Dabei fällt mir ausgerechnet der Spezialbolzen ins 10m tiefe Hafenwasser. Eine Schraube wird zum Ersatz. Jetzt findet der Mastfuß seinen Platz an Deck. Hin und her eilen die Leute. Nun befestigen wir die Wanten an den Spannern und jetzt steht der Mast. Kleines Problem noch beim Ablassen der Seilschlinge von der Saling. Das lässt sich aber mit unserem 5m- Bootshaken lösen.  Die ganze Gruppe beruhigt sich wieder. Gerdi und ich trinken ein Glas Schnaps auf die gelungene Arbeit. Aber fertig sind wir noch lange nicht. Den Mast richtig verspannen, alles aufräumen, nimmt noch Stunden in Anspruch. Im Büro bei der Bezahlung gibt’s noch eine finanzielle Überraschung. Den Schwimmkran bekommt man nicht für einen Apfel und ein Ei. Aber ich habe auch nirgends einen kleineren Kran so wie am Bodensee gesehen.

Nächtliche Einfahrt ins Dock

            Noch eine Nacht verbringen wir zwischen Kran und Schwimmdocks. Eines davon wird geflutet und ein Passagierschiff schwimmt auf. Nachts fährt ein Schubschiff ein und wird angehoben. Ganz langsam hebt sich sein Unterwasserschiff aus der Donau. An dieser Art von Schiff vermissen wir jede Eleganz. Wie ein Boxer mit der flachen Schnauze, ein reines Arbeitstier. Ein Mitarbeiter flitzt in dem ablaufenden Wasser und fängt Fische mit der Hand, die sich nicht mehr ins Tiefe retten konnen. Als er alle Hände voll hat, nimmt er den letzten am Schwanz in den Mund. Lustig, dem zuzusehen. Dann ist endlich Stille, um Mitternacht. Nur die grellen Scheinwerfer tauchen alles in ihr weißes Licht. Anderntags verabschieden wir uns, drehen noch eine Runde im Hafenbecken. Die Arbeiter winken uns. Eine etwas aufregende, aber angenehme und fachgerechte Arbeit ist zu Ende.

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Nach 80 Tagen am Ziel vor Sulina

Zauberhafter, einsamer Donau-Ankerplatz im Schilf, km 9, vor Sulina: 3.-6.Sept.2014

Wir tuckern friedlich bis zu „KM 9“ und biegen vom kanalisierten Sulina-Donauarm nach links ab in die alte Donau, die Dunarea veche. Schilf, Seerosen , gelbe Kugelblüten, weiße Zackenrosetten, Haine mit großen Weidenbäumen hinter dem rauschenden Schilf.

...und ewig rauscht das Schilfmeer

 Möwen (die heißen Pescarus auf rumänisch) braungoldene Stork, weiße Reiher, Froschgequake…. Ende der Welt. Nur noch wenige  Delta-Touristen, ein paar Kajakpaddler, Ruhe.

Fischer kommen und bergen ihre großen Reusen, golden-grün leuchtende Hechte…2 kaufen wir. Lebendig. Blutrote Kiemen… 30 cm lang…

Wir schlafen wunderbar. Früh startet der Großputz: Böden, Teppich, im Cockpit kommt die Teak-Gräting raus, Scheuermilch, Bürste, Schwamm. Hygiene mit Sagrotan im WC, alle Vorratsfächer ausräumen… Gerhard prüft alle Segel, Beschläge, Schoten, Fallen, Spibaumbefestigung, macht Motor-Check. Klarmachen fürs Meer, fürs Segeln, für die 1. Nachtfahrt nach Constanta….

Der Wind braust, er gewinnt an Stärke, wir schätzen 5-6. Wir „müssen“ hierbleiben, wie schönJ…Ein zauberhafter Platz zwischen den 3-5 Meter hohen Schilfrohrhalmen, die rascheln und rauschen und sich wiegen im Wind, sich niederbeugen und wie die großen alten Weiden sich fast demütig im Wind neigen.

Mein selbst gemachtes neues Moskitonetz am Bug-Luk bewährte sich im Wind, das zarte Gazenetz im Cockpit müssen wir aber nachts abmontieren. Husch – schnell rein, die Schnaken sind gierig.

Mittags gibt’s Suppe mit in Butter angeröstetem Grieß und tags drauf einfache Kartoffelsuppe mit Kohl, Zwiebeln, Tomaten und roter Paprika, dazu Salat und Ziegenkäse. Im Lipowanerdorf Mila 23 gab es in einem 4 qm kleinen Laden die ersten Pfeffernüsse mit weißem Zuckerguß, eine nette Abwechslung zum 3-Uhr-Nescafé – am 5. September!!!

Erika schickt uns ne SMS: 100 km nördlich vom Polarkreis am Weg zum letzten Ziel LOFOTEN. Noch 14 Tage bleiben von 7 Monaten im VW-Bus! Hurtigrouten bringt die 2 zurück in den Süden…Am 7.Okt. 1.Arbeitstag im Allgäu!

Unser letzter Abend im Fluß? Ich kann mich nicht losreißen von dem Idyll: Sonnenuntergang überm Schilf. Sooo schön die kleinen grau-blauen Schäfchen-Wolken, der orange-rote Schein am hohen Himmel über den windbewegten Wellen der Donau…Von 12 Fotos setze ich 5 in diesen Blog. Verzaubert.

DANKE Dunarea veche f.d. Sunset (5)

Am Morgen wache ich um 6 vom 1. Fischerboot auf und erlebe so wie ein Gebet den pinkrosa Sonnenaufgang am 6. September, fast demütig vor Glück schaue ich auf Knien von der Koje aus dem Schauspiel der aufgehenden Sonne zu, singe leise ein Kirchenlied und genieße den Blick zum Himmel am Morgen … nun hinüber zum  „anderen“ gegenüberliegenden Ufer. Die letzten Stunden am Fluß….

In 80 Tagen die Donau runter bis zum Meer

Mit tiefer Dankbarkeit bedenken wir die zurückgelegten 2525 Kilometer, 80 Tage unfallfrei… und all die Erlebnisse der letzten fast 3 Monate. Wir haben so viel Zeit gebraucht- und es war gut so. Wir beide haben einen Traum Wirklichkeit werden lassen. Dafür sind wir dankbar! Und reich beschenkt.

Karges Frühstück ..letzter Einkauf vor 15 Tagen in Braila

Die Bilder. Hier

Paradies Donaudelta. Schlauchboot- Ausflug von Mila 23 am 31. August

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Mit dem Schlauchboot – und erstmals mit dem 2-5PS-Motor:-)- machen wir einen Ausflug in die kleinen Nebenarme hinter dem Dorf MILA 23. Zauberhafte idyllische Uferzonen, ganz nah die weißschimmernden Reiher (Égrette), Störche, Kormorane, Seeschwalben, Lachmöwen, Wildenten, … wir berühren mit zarter Hand die gelben dicken Seerosenkugeln u. weißen Seerosen, fotografieren die Wasserschnecken, und Frösche… Dann öffnet sich der weite Blick über den See! Stille. Schilfrascheln. Rosa Orchideenbüschel… Zurück lassen wir uns geräuschlos treiben. Ein tiefer Eindruck! Wir waren im (Natur)Paradies.

Hier die Bilder 

Gerdis Bilder:Hier