Hier ohne Text, mal nur Bilder vom Gerhard. Klick Die Flusskarte: Klick hier


Hier die schönen Fotos: Klick
CRISAN. Wir fahren unter Motor aus dem Altarm von Mila 23 heraus und suchen eine Möglichkeit, unsere Blogs ins Internet zu senden. 3 vergebliche Anlegversuche, nirgends Wifi. Dann überqueren wir den Kanal und legen an einem hübschen einladenden überdachten Fischlokal-Ponton an. Freundliche Begrüßung, herzlich Willkommen!
Das Internet war extrem langsam, wir luden in 30 Minuten 8 Fotos hoch…L Gh. verkleinert daraufhin alle schönen Fotos und setzt sie in sein Flickr-Fotoalbum. Netter Besuch von Luka an Bord, er spricht fließend und akzentfrei Deutsch, ein ernsthafter Junge, der eine deutsche Schule besucht. Hervorragend auch das Englisch der Mama! Um 20 Uhr speisen wir in einem verblüffend schön ausgestatteten „richtigen“ Restaurant mit Holzmöbeln und deltatypischer Deko ganz frischen Fisch: Fischsuppe, im eignen Steinbackofen frisch gebackenes Brot, Fisch mit delikater Knoblauchsoße, Grillfisch-Scheiben… Am Tisch machen wir die Bekanntschaft mit der deutschsprechenden Diane, einer reizenden Gynäkologin, und ihrem künftigen Mann, einem Architekten serbischer Abstammung. Wir erfahren viel über Rumänien, über das mangelnde Bedürfnis, die Ukraine zu besuchen (Visumpflicht), über die Zeit nach Ceaucescu und den starken Willen, neu anzufangen. Deutschland interessiert, viele kennen Frankfurt, Nürnberg, Düsseldorf… Diane war sogar in Nürnberg und Konstanz. Sie lädt uns ein, am nächsten Tag mit ihnen eine Kahn-Expedition ins Schilf zu machen, um Pelikane zu sehen. Leider zeigte sich bei dieser Kahn-Fahrt keiner…aber Stork, der hellbraune Vogel, der auf den glänzenden Seerosenblättern stehen kann, Seeschwalben, große weiße Seereiher, graue Kraniche, Kormorane, die mit ihrem Kot die Brut- und Rast-Bäume zum Absterben bringen. Im Lipowaner- u.Ukrainerdorf steigen wir aus dem Boot aus und fahren nun in einem VW-Pritschenwagen weiter, sehen die kobaltblauen Häuschen der aus Rußland hergeflohenen tiefgläubigen orthodoxen Lipowaner, die leuchtend grün gestrichenen Giebelhäuser der ukrainischen Minderheit. Überall bestimmen dichte Zäune das Bild. Man wohnt in nur zwei Zimmern, die Küche befindet sich im Freien, gegen Regen überdacht, da bleibt der tägliche Fischrauch draußen! Es gibt Strom fürs Licht, aber keinen Komfort wie Waschmaschine oder Staubsauger. Eine kleine Schule, eine kleine Wirtschaft im Freien… Die landwirtschaftlichen niedrigen Scheunen sind wie die Wohnhütten mit 30 cm dickem Schilf gedeckt wie ein Reetdach in Mecklenburg oder Holstein. Kühe grasen, wir sehen frei laufende wilde Pferde. Kinder laufen barfuß auf den Sandwegen. Unsere Touristen-Autos empfinde ich als massive Störung in diesem Dorf, in dem die Menschen wohnen wie in alten Zeiten: 1907,1919, 1927 ist mit Holzbrettchen am verzierten kleinen Giebel der kleinen Häuser zu entziffern. Dann bringt uns das Auto an einen versperrten Zaun, das Naturreservat, Unesco-Kulturerbe. Hier erzählt der (ehem.Mathematik-)Professor über prähistorische Pflanzen, über die nur noch hier vorkommenden Lianen an riesigen Bäumen, führt uns zu einem 400Jahre alten mächtigen Stamm von 6 Metern Umfang, eine Eiche! Wir laufen durch die Waldpfade zu einer 15 m aufragenden Düne aus feinstem Sand, das sei typisch im gesamten Delta- Zeugen der Dunarea vecha, diese Dünen zeigen noch heute, wo die Ur-Donau vor allen menschlichen Eingriffen(Kanalbau, Deich, Damm…) ihre Flußrinnen zog, er zeichnet das Delta in den Sand, die 3 heutigen Hauptarme, die nach Osten strebenden Dünen wie ein Fächer. Auch endemische Urzeitpflanzen sind nachweisbar. Dann gibt’s Picknick, mit selbst gesammelten Pilzen und Ei einen Auflauf, in breite Sauerrampferblätter gewickelte Hackfleischbällchen, Tomaten aus dem eignen Garten, Fisch in Mehl-Ei-Hülle, Apfelstrudel.
Der Rückweg irritiert mich, denn das Boot „rast“ durch diese einmalige Idylle…die Möwen fliegen hysterisch und aufgeregt voraus… Herr Kersting vom Naturschutzzentrum daheim in Eriskirch am Ried wäre entsetzt… Am Abend kredenzt uns das Fischlokal nochmal Fischsuppe und Pfannenfische. Wir unterhalten uns mit Diane, ihr Mann ist fasziniert von Gh’s App mit den Sternennamen auf dem Smartphone. Das muß der seinem Vater zeigen, ein Professor, ein Astronom! Am Mittwochmorgen starten wir um 9 und suchen uns nach Seemeile 9 einen neuen Altarm der Danube. Schon nach 12 km fällt der Anker in zauberhaftem Seerosenland. Ein Fischer holt seine 15m-Reuse und bietet uns 2 noch sehr lebendige Hechte an… Sie landeten am Grill am Heck.Lecker.Viel Wind in der Nacht… Die Kunde vom Segelwind am Meer.
Gerdi: 27.-29. August 14
Verlassen der Stadt Galati bis Lipowanerdorf Mila im Delta
Nach windiger Nacht wie am Meer, mit Gebraus und Gewell Frühstück um halbacht. Wir wollen alle Restarbeiten erledigen, damit wir endlich segeln können.
Um 13 Uhr mit dem Taxi zum Dedeman, einer Art OBI am Stadtrand. Verblüffend groß das Angebot an Bau-,Reparatur-, Metall+Holzsachen, Closchüsseln, Whirlpoolbadewannen, Gardinen, Gartenartikeln, Klebstoffen,nur das Sicaflex, das Gh. sucht gibt’s nicht . Aber was fast Gleiches. Ich suche Fliegengitter und Klettband-selbstklebend. Einer der jungen Burschen kann Englisch, und er ist sehr bemüht zu helfen: „Wait a second!“ Und schon spurtet er los und findet was wir suchen. Auch die 2 Aluschienen mit 90°-Winkel. Damit wird Gh. die Befestigung unsrer Solarzelle am Stahlrohr am Heck verstärken. Super.
Weiter geht’s zur Wäscherei, alles frisch, herrlich nach 6 Wochen nur Handwäsche! Besonders die Bettbezüge und Frottéelaken sind „wie neu“ und die verschwitzten T-Shirts der heißen Wochen mit über 40° sind nun wieder „rein“. Gerhard werkelt mit Handbohrer, Metallsäge, Schraubenzieher und Lineal im Cockpit und am frühen Abend ist die Verstärkung fertig. Prima. Ich hab inzw. Hosengummis in 30 J. alten Jerseyhosen erneuert, Knöpfe nachgenäht, Shirts geflickt und die 5 kg wieder verstaut!!! Am Abend gehen wir auf ein kaltes Starenpramen-Bier aus Prag und eine Pizza ins Marco Polo und bald zu Bett.
Am Donnerstag, 28.August Leinen los in GALATI bei fast deutschen 22° und wolkigem Himmel…erstes Mal SEGELN seit 11.Juni (am Bodensee):„Heiß auf die Segel“- zum 1. Mal nach 2400 km Motor-Reise mit dem zuverlässigen VOLVO! Wir segeln unter Genua und das recht flott: 12-15 kmh! Die Ukraine und Rumänien teilen sich den Fluß, die Grenze verläuft – unsichtbar!- in der Mitte der DONAU. Links viele Wachtürme, Soldaten mit Feldstechern und Gewehren, Kasernen, Stacheldraht…. Ich schreibe an Anya in Kiew eine SMS. Eigentlich wollten wir uns auf ukrainischem Boden treffen, ihr Urlaubsort Odessa wäre nur knapp 200 km weit weg… Meine Brieffreundin seit 1992!
Um 11 Uhr haben wir die Grenze von Moldawien erreicht, die nur 700 m lang am Donauufer verläuft. Der Wind nimmt zu, wir drehen ein Reff ins Vorsegel, setzen den Motor ein wegen der Böen und Kurven.
Zitat aus der SMS in die Heimat: „2400 km gefahren auf der DONAU! Hatten deftige 6 Windstärken, weiß von Gischt die Wellen im braunen aufgewühlten Fluß. Stadt und Hafen RENI hinter uns…Das Delta ist nah.“ Wir flüchten nach 56 km um 16 Uhr in einen Donauarm hinter einer kleinen schmalen Insel Nähe Isaacea, ankern da auf 10m Wassertiefe, die Bäume stehn im Wasser, drüben ein Kran, 4 Männer- ohne Arbeit. Ich spiele ihnen ein Abendkonzert auf der Blockflöte. Die Wolken verziehn sich… Abendröte. Der Wind bleibt, wir liegen geschützt. Am Ufer Bienenkästen in Reih und Glied… Rinder…Schnakenfreie aber kühle Nacht. 2. Decke!
Freitag, 29.Aug. 2402 km auf der Donau gefahren
Um 9 Anker auf. Wolkenlos, kaum Wind. Um12.25 biegen wir erstmals in den SULINA-ARM ein! Ab jetzt beidseitig Rumänien. Der Ukraine kehren wir den Rücken, die Nachrichten über die Waffengänge im Osten sind beunruhigend… Links Lehmufer, ca. 50 cm trockenfallend nach dem Hochwasser. Als ich Nudelsalat mache, sieht Gh. ein !!Segelboot (ohne Mast) am Ufer, hochgeholter Schwertkiel, toll. 2 Männer an Bord, einer spricht etwas Deutsch, er handelt mit GEWÜRZEN! Begeistert sieht er in meine üppige Gewürzschublade: ah, Fuchs, Ostmann- kennt er alles. Er sei oft in Deutschland. Seine Gewürztüten haben nur den Aufdruck „ALEX“! Er kommt an Bord, bietet uns himmlischen roten Wein aus Schattenmorellen an, läßt mich sein köstliches Chili dulce und Chili hot probieren, sehr aromatisch und fruchtig. Auch die Kräutermischung für Fischsuppe und Borscht schenkt er mir. Und seine Emailadresse: alexandrescu_danaie@yahoo.com
Weiter geht’s, die Kräne, Schlöte und Windflügler von TULCEA sehen wir schon, aber wir müssen noch eine 180°-Kurve fahren, wie an der Mosel! In Tulcea (sprich: Tultscha) muß Gh. die Permit, die Erlaubnis zum Befahren des Sulina-Arms durchs Delta, kaufen.
EOS flirtet mit dem Donau-Grund…
Es ist kein Ponton frei, keine Möglichkeit, irgendwo im Fluß anzulegen, Ankern geht nicht: 25 m Wassertiefe. Wir versuchen es bei einem Motorschiff, auf dem uns ein Mann herwinkt, längsseits zu kommen. Ich fahre weit links von einer kleinen roten Boje, keine Ahnung, was sie bedeutet… Ich übergebe die Pinne an meinen Käptn, denn er will die EOS seitlich an das Dickschiff anlanden… Ich mache die Vor- und Heckleine klar, da schlingert unser Schiff und ich sehe braunes Wasser rings um uns…Auf Grund gelaufen…bei 20 m Wassertiefe??? Kunstvoll kann Gh. die EOS wieder freibekommen. 2. Versuch. Der Mann zeigt uns, daß wir ganz nah bei ihm entlangfahren sollen. Gerhard steuert langsam hin…und wieder sitzt der Kiel fest. Kein Freimotoren klappt, kein Gewichtverlagern. Ein Motorboot kommt heran, nimmt unsere Heckleine, schleppt uns frei… Neben uns ein großes 150 Personen-Ausflugsschiff, alle an der Reling und zugucken, wie eine deutsche Segelyacht nicht mehr weg kommt. Der Kapitän ruft: I must go now. I cannot wait!!
Da drehn wir ab und steuern die Tankstelle und dann einen Ponton am Ende der Stadt an, der mit den Lettern Marina wirbt-…Irre wildes Gewell durch unzählige Vollgas fahrende Motorboote und all die Ausflugsschiffe ins Delta…8 Fender und 2 Motorradreifen sichern die BB-Seite der EOS, es quietscht und schabt und schaukelt bei jedem Vorbeifahrer…Wir wandern den nahen Hügel zum Superlior-Denkmal mit dem Obelisk und geflügeltem Löwen hoch und genießen die grandiose Panorama-Aussicht. An der Promenade unten hat man die Plattenbauten in Pastelltönen bemalt, Springbrunnen, Museen mit Fisch- und Vogelwelt. Heute ist ein „FEST“: die Ruderer feiern und nach der Jazzsängerin gibt’s Reden in Englisch, serbisch und rumänisch. Zurück am Schiff keine Schnaken!!! Zum 1. Mal können wir ohne Schnakennetz im Cockpit sitzen, die Sterne am Firmament bewundern und dem roten untergehenden Sichelmond zuschauen. Erika sieht nun den gleichen im hohen Norden am Meer in Norwegen. Und sie sieht sogar grüne Nordlichter!!!
Samstag, 30. August: TULCEA-Mila 23
Nach 9 Aufbruch, bevor all die Ausflugsboote und schnellen Flitzer uns durchschütteln. Nach einer guten Stunde biegen wir in den SULINA-Arm und ins Delta ein. Ab hier wird nur noch in Seemeilen gemessen, das Schwarze Meer ist nur noch 45 cm tiefer als wir. Anfangs etwas kanalartig… Aber als wir um 14 Uhr abzweigen in den Delta-Arm Dunarea Veche sind wir wie verzaubert von der Schönheit der urwüchsigen Natur…Kleine Gehöfte mit niedrigen Dächern aus Reetdach, denn Schilf gibt es in Massen hier. Graue hochbeinige elegante Kraniche stehen im Schilf, picken rasend schnell ins Wasser nach Schlangen, wie uns ein Einheimischer später erklärt. Es gäbe viele davon. Störche bilden große Wolken am Himmel, erst weiß das Gefieder in der Sonne, dann schwarz alle beim Fliegen der Kurve. Lang die roten Beine, kaum ein Flügelschlag. Runde fast stehende Vogelschar, nie so gesehen. Sicher sammeln sie sich, um zu den Dardanellen und nach Afrika zu fliegen. Geheimnisvoller Vogelzug. Faszinierend. Hinter gelben Seerosenknospen staksen silberweiße Reiher, aber wenn ich den Kranich fotografieren will mit seinem Augenfleck und dem roten Punkt, dem schwarzen Halsstreifen und der weißen Linie am Brustgefieder…husch fliegt er auf, und ich hab ihn WIEDER NICHT erwischt.
60 km bis ins Paradies gefahren
Wir fahren unter Motor langsam und staunend bis zum Lipowanerdorf MILA und machen bei Seemeile Nr. 23 an einem behäbigen Motorschiff fest. Überall Fischerkähne am Ufer, kleine Lokal-Terrassen auf einfachen Pontons. Dahinter liebevoll farbig bemalte kleine Häuser der Lipowaner, Holzverzierung an den Giebeln, himmelblaue Fensterkreuze, leuchtend grüne sauber getünchte Wände, üppiger Blumenschmuck an den einfachen Sandpfaden, in den Gärten Tagetes zu Hauf, Rosen, meterhoher weinrot blühender Rhizinus (früher gab es riesige Felder hier), Sonnenblumen… eine Pracht. Wir kaufen in 2 winzigen Läden ein, Tomaten gibt’s keine. Da vermittelt uns ein engl.sprechender Rumäne eine Frau, die für uns in ihrem Garten einen Eimer voll erntet. Ganz frisch, große Ochsenherztomaten, kleine knallrote Tomaten, 2 Paprika. So lecker wie vom Biobauern. Als wir –von Hand gezogen- die Glocke der kleinen Kirche läuten hören, gehen wir dem Klang nach. Drinnen wird das Abendgebet vorbereitet. Alte Männer nur. Im Allerheiligsten der 2-Ton-Singsang eines Popen, im mittleren Raum bei den vielen Heiligenbildern bekreuzigt sich ein Alter mit langem weißen Bart3x schlägt er mit großer schwingender Bewegung das Kreuzeszeichen, dann zündet er feierlich mit einer handgezogenen Kerze die vielen Öllampen an. Ein 2. Alter kommt, auch er mit dem bunten Gebetsgürtel um die Taille über einem Hemd. Vorne nun 3 Männer im Wechsel. Dann tritt eine Frau (Rock, Jacke, Blumenkopftuch) an das Pult, das sie in die Mitte getragen hat und beginnt aus der uralten Bibel zu lesen. Neben uns liegen auf der einzigen einfachen hellblauen Holzbank diese zauberhaften Gebetskissen, Patchwork aus Damast und Seide. Die Frauen dürfen wohl nur im hintersten Raum der Kirche beten…Tief beeindruckt laufen wir die schmalen Sandwegle zurück. Roter Sonnenuntergang. An Land Musik wie in Griechenland… Wohl eine Hochzeit.
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GERDI- 26.-27.Aug.14
Hier die Bilder, erst am 6 September gibts ein Internet am „Ende der Welt“ in Sulina.
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2350 km ist die EOS unter Motor gefahren, Sonderlob für den alten Volvo, ca. 12 Jahre hat er auf dem Buckel. Meist sind wir ja nur gesegelt, und die 3 Törns 2009+2010+2011 am Mittelmeer fast 80% von den 22.000 km Segelreise. Nun also ist der Mast gestellt, die Schoten und Falle eingeschoren, das Bimini mit seinen Alustangen versehen, die Solarzelle bekam eine Rahmenverstärkung mit Hilfe von Vierkant-Alustangen, ein 2. Fliegengitter fürs mückenreiche Delta ist gesucht und gefunden, nur die Montage macht noch Kopfzerbrechen am gewölbten Vorschiffsluk…überm Bett. Schnaken finden mich IMMER L…
Sensation nach 9 Wochen: Wir haben eine Wäscherei gefunden!!! Wunderbar, die Frottéelaken+Bettbezüge, die Hand- und Geschirrtücher, die verschwitzten x-mal von hand gewaschenen T-Shirts, Spültücher, Shorts, Arbeitskittel, die 2 Tischdecken, 2 Kleidle,…Nach 24 Std. holen wir unsere Wäsche wieder sauber ab, nur 1 Reißverschluß an einem Kissen hat den Trockner nicht überlebt…
Bummel durch GALATI
Wir klettern über die 3 anderen Schiffe, meist unten rostig, oben nett angemalt für die Angler. Adrett und ordentlich aufgeräumt, nur Fisch haben sie keinen gefangen! Die Stadt ist lebendig und voller (fast neuer) Autos, an die maroden Plattenbauten haben wir uns längst gewöhnt, uns erfreuen die freundlichen Menschen. Es gibt große gepflegte Parkanlagen, viele bunte Blumen, Springbrunnen aller Art, mal Mosaik, mal eine Nixe als Skulptur, eine schlanke Mädchengestalt zwischen den Bäumen. Wir treten in eine griechisch-orthodoxe Kirche ein, entziffern die griechisch geschriebenen Namen der Apostel und Jünger unter den großen Glasfenstern. Draußen bin ich beeindruckt von etlichen von Hand gemalten Theaterplakaten mit wunderschönen kalligraphischen Buschstaben in Silber und Gold. Luci hätte ihre Freude dran. Echt kunstvoll. Sie laden ein zu Kindervorstellungen wie Der gestiefelte Kater, Der kleine Muck, Aschenputtel und Pinocchio, sooo liebevoll mit Farbpinsel gemalt. Abseits der breiten Straßen bummeln wir in den Seitengassen, wo so mancher vefallener Barockbau mit kunstvollen Simsen und Figuren an alte Zeiten erinnert, als die Bürger noch Herrenhäuser bauten mit Säulen, geschwungenen Balkons und Freitreppen vor großzügigen Portalen, Blick in längst verschwundene eigne Gärten. Vorbei.
Auch eine der ganz alten Holzgebäude entdecken wir- rumänische Baukunst mit walmartigem Holzschindeldach und verzierten Fronten ganz aus Holz.
Am Abend kehren wir ein in einem historisch angehauchten Lokal „Marco Polo“. Holzbalken an der Decke, Gewölbe, große Gemälde an der Wand: Pferde im Innenhof einer Karawanserei, Meer mit hohen Wogen, Reiter und Gesinde vor arabischen Palästen.
Mich fasziniert das Ornament des Boden-Mosaiks am Eingang. Das Essen war aber nicht dem guten Eindruck entsprechend, ich hielt die Tocchata eher für Whiskasbröckele vom Schwein in Dosentomaten, dazu Polenta mit einem ! Spiegelei drauf und geriebener salziger Hartkäse… Zu spät entdeckten wir hinter dem pausenlos laufenden Fernseher (Telenovelas mit rumän. Untertiteln, nonstop) das Holzofen-Feuer für die Pizza. Am 2. Abend haben wir sie verspeist, gut.
Mit dem Taxi waren wir ca. 6-7 km vor die Stadt gefahren zu einer Art „OBI“, der Dedeman-Markt hatte echt alles! Gerhard konnte an Bord gleich loslegen und reparieren und anbauen, wo nötig (Solarzelle).
Nachts beständig starker Wind von vorn, mir blies er direkt in die Koje, kühl und frisch. Es gurgelte und plätscherte derart laut von den Donauwellen, daß ich einen Schlafwandler-Traum hatte: Ich stellte mich auf die Matratze, guckte raus, sah direkt neben der EOS ein grünes Positionslicht, sah voraus die riesige PERSEUS, unser Vorstag und das Motorschiff ganz nah, wir mit Seilen irgendwie dran fest… Als ich voller Schreck Gh. wecken wollte, weil ich meinte, wir hätten uns in einem Schiff verfangen und das fährt nun mit uns dran weiter, kam die Erinnerung: Ah, wir sind ja festgemacht an einem stillgelegten Schiff…nur die starke Strömung der Donau machte mir den Eindruck, daß wir „beide“ flott fahren… Schon witzig, was das Gehirn nachts alles „denkt“.. Hallunzinationen seien meist bei Menschen mit viel Phantasie, erklärte mir mal ein Psychologe. Am Morgen rief der Nachbar“ „Don’t be panished! I will just go one or 2 meters forward with my boat, ok?…motor check!“ Und ich antwortete:”Of course, do it. I just had the same dream!!”
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Ja, warum? Die Reise auf der Donau nähert sich dem Ende. Noch 228 km. Für Montag haben wir das Stellen des Mastes in Galati vereinbart. Heute ist Mittwoch. Wir könnten auch morgen schon in Galati sein aber irgendwie zögern wir das Ende auf dem Süßwasser hinaus. Die letzte Brücke haben wir gestern unterfahren, jetzt ankern wir am spitzen Ende der Insel Varsatura. Der Platz ist günstig, wir sehen den Donauarm Manusoaia ein Stück weit hinauf und die Donau rauf und runter, 10 km von Kurve zu Kurve. Eos liegt in der Mitte. Die übermächtige Hitze scheint gebrochen. Draußen wird ein großer Baumstamm mit einem Ruderboot transportiert. Der Ruderer scheint kräftig. Er hebt ihn alleine an Land. Fischer setzten ihre Netze am Ufer oder werfen sie im Fluss aus. Zum Abendessen gibt’s Kartoffelsalat und gegrillte Kotelets. Blutrot senkt sich die Sonne. Wir gehen ein Risiko ein und verzichten aufs Schnakennetz. Fehler! Auf einmal sind sie da, massenhaft. Und auch unter dem Netz. Kein Abendgenuss. Gerdi flüchtet ins Vorschiff und ich entwickle mich zum Massentöter.
Anderntags liegt Nebel über dem Strom. Nur die Ruderschläge der Fischer und die Außenborder der „schnelleren“ Fischen durchbrechen die Stille. Eine wunderbare Tageszeit. Der kräftige Holztransporteur hebt einen Fisch hoch. Ich winke ihn zu mir und er verkauft mir einen. Ich weiß nicht, wie er heißt, wie er schmecken wird, aber man kann ihn gut grillen, wenn ich ihn recht verstehe. Eine Schachtel Marlborough und 7 Lei (ca. 1,6€).
Ganz unten erkenne ich einen Schubverband. Gerdi schreibt am Blog. Ich öffne den C+P Kompass. Günter hat ihn so schön repariert, aber leider ist er undicht. Diese Feinarbeit dauert, ist aber angenehm in der Kühle. Der Schubverband ist immer noch klein zu sehen. Dann putze ich noch EOS an der Wasserlinie. Als ich längst wieder trocken bin arbeitet sich der Verband an uns vorbei. Ein angenehmes Geräusch, tock- tock- tock. Leicht und doch kraftvoll. Ein Verband unter deutscher Flagge aber mit rumänischem Standort, Basel und Lenzerheide sind überstrichen. Das verstehe ich nicht ganz. Nur im Marschtempo bewegt sich die Einheit gegen den Strom. Die Steuerleute müssen mit Geduld gesegnet sein. Aber auch dieses langsame Fahrzeug erreicht das Ziel. Er schafft ja doch 100 km am Tag, wenn er durchfährt, dann ist er in einem Monat in Regensburg.
Wir genießen diesen wunderbaren Platz. Am Nachmittag kommt nochmal ein Fischer und gibt uns Sardinen. Gerdi spielt auf der Mundharmonika und der Fischer lässt sie sich reichen und spielt einen flotten rumänischen Tanz.
BEGEGNUNGEN mit Menschen andrer Sprache(km200 – vor BRAILA:20.-25.August, GERDI
Auf unseren bisherigen Segelreisen im Mittelmeer, ca. 12 seit 1981, hatten wir nie so viele Begegnungen mit einheimischen Menschen in den vielen durchfahrenen Ländern- es ist ein großes Erlebnis für uns, die so verschiedenen Mentalitäten aus persönlicher Begegnung zu er-leben, ganz besonders nett nun in Rumänien auf der doch längeren Donaustrecke. Selbst wenn wir kein Rumänisch sprechen, können wir uns wunderbar verständigen, mit Winken kommen sie her, mit Gestik laden wir sie ein, mit Zeichensprache ordert man einen Fisch, mit Skizzen auf einem Stück Papier verdeutlichen wir was wir brauchen oder dringend suchen(z.B. in einem Laden, einer Werft) oder beantworten“ die „Fragen“ der Leute: Wo kommt ihr her? Ah, Germania. Schiff euer eigenes? Ohoh, sicher sehr teuer. Euer Wasser hier am Wasserhahn gut? „Da! DA! potabile, si, buna!“ Ich grüße immer passend zur Tageszeit, das schafft sofort Kontakt und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht: Buna zijua! Buna diminata, nuopte buna, Salut heißt Hallo und noroc Prost. Immer fragen die Leute: Hast du Kinder? Sehen sie, daß ich 2 Söhne habe, kommt ein Kompliment! Oh, drei Kinder??!! Buna, buna!
In einem Supermarket erfuhr ich , daß die Frau nur 100 € im Monat verdient, es war ein französischer Carrefour….Ein Taxifahrer war Koch und Bäcker (auch Pizza), als er das Gehalt gekürzt bekam, hat er den Job quittiert und nun fährt er Taxi, aber seinen eignen Wagen! Stolz ist er.
In einem Flußarm der Donau Nähe BRAILA kamen Forstarbeiter längsseits, angelockt durch meine Musik mit der Flöte am Abend vorher, die sie bis an Land gehört hatten. Nun grüßte ich mit dem Spiel meiner Mundharmonika. Begeistert bat er, darauf spielen zu dürfen. Ein rumänischer Tanz! Er hatte dieselbe HOHNER ECHO daheim, nun zeigte ich ihm meine neue chromatische DIAMOND. Er war hingerissen. Er bat mich, ihm so eine aus Deutschland als Päckchen mit der Post zu senden. Er schrieb die Adresse auf, mit zauberhaft schöner Schrift, Kalligraph war er als Matrose auf See. Studiert habe er 4 Semester, dann habe der Vater das Geld gestoppt- und er wurde kein Ingenieur, sondern ein Forstarbeiter, für 900 ha ist er zuständig. Sein Herz pochte, er wollte unbedingt diese Harmonika. Und er spielt: I come from Alabama with my banjo on my knee…Oh Susanna!“ Und da legte ich sie ihm in die Hand und schenkte sie ihm.” Ja, sie ist dein!” Er schlug die Hände vors Gesicht und konnte sein Glück nicht fassen…. Ohne Sprache…wie soll man da danken?? Eine Umarmung, ein sanfter Bruderkuß. Balkan halt, er würde uns sofort wochenlang Urlaub machen lassen in seinem Haus, klar. Wir müssen weiter!
In Braila hat Gerhard Fieber, 38,8°, steigend. So geh ich zum 1. Mal allein an Land, Müll weg, Einkaufen! Aufregend. Wir sind weit weg von der City. Ich steuere auf 3 hübsche Mädels zu auf einer Bank am Hafen, vor dem Auto mit offnen Türen und Disco-Musik.Prima Englisch, College abgeschlossen, sie wird Dental Keramik als Job lernen. Da es zu umständlich ist, mir den ca. 3 km-Weg zu erklären, bietet ANNA mir spontan ihr Auto an! Alle 4 steigen wir ein und los geht’s!! Am Carrefour nimmt sie meinen Korb und bedeutet mir: I will join you and help you shopping. Come!
Ich finde Nescafé, Gasanzünder, Joghurt, die erste ¼ Melone(sie fährt mich ja zurück, bisher war uns das zu schwer bei den langen Fußmärschen. Sie räumt an der Kasse alles in den Korb, ich zahle 60 Lei, sie will keinen einzigen 10Lei-Schein, „No, no,no gift… never. It’s my adventure to help you, sure!“
ANNA, my little angel. Lilli und Elena sind begeistert, als ich sie an Bord bitte am Ponton, um einmal im Leben auf einem Segelboot gewesen zu sein. Herzliche Umarmung, großer Dank.
Gh. hat um 17 Uhr über 39° Fieber, in der Capetania ruft man ihm ein Taxi. Nach 3 Stunden ruft er an, jetzt sei er dran. Bluttest, Lunge geröntgt. Nach 4 Std. Entwarnung, keine gefährliche Entzündung, ein Virus vielleicht… Er bekommt (exakt wie Okt.2011 in Sardinien!!!) Ibuprofen, Parazetamol, Vitamin C verordnet. Ich mache ihm Wadenwickel mit Eis-Gel-Kissen und im Kühlfach gekühlten Waschlappen. Das Fieber sinkt auf 38,8°… Gott sei Dank.
Inzw. hatte ich mit einem Hühnerschenkel eine Hühnersuppe gekocht. Die ißt mein Schatz nun, zur 1. Medizin, und kann schlafen…Früh ist er fast „gesund“ mit 38.0°, ab zur Farmacia…
Um 14.30 brechen wir auf zu unserem letzten Trip mit horizontalem Mast, um 16 Uhr finden wir bei GALATI nach etlichem Fragen in einem alten Hafenbecken die Navrom-Werft, die sich den Platz mit der holländischen DAMEN-WERFT teilt.
Rostig der kleine Ponton, zerquetschte Altreifen, eine Ruine wohl ehem. Getreidespeicher dahinter. Keine Strömung, ich kann richtig lang schwimmen!!! Herrlich. Für meinen Rekonvaleszenten brate ich 16 Frikadellen, schon türkisch mit Sumac gewürzt, dazu Krautsalat.
Wir sehen erstmals große hohe See-Schiffe, mächtige Kräne. Am Montagmorgen (25.8.-in 4 Monaten ist Weihnachten!) heftiges Hämmern, Klopfen, Kräne fahren, es klingelt, ruft und man sieht Schweißarbeiten. Ich steuere die EOS an den himmelhohen Kran an den Kai. Und dann beginnt wieder dieses herrliche Kauderwelsch mit den Arbeitern, mancher kann Englisch, die es nicht können, fragen aber viel mehr. Einer kommt an Bord, so selig, so ein Schiffsinneres mit den wunderbaren Mahagony-Teilen zu sehen. „Thank you for your hospitality, I am glad“ Um 9 ist der Mast gehievt und an Land, ich löse unzählige sehr feste Zurrknoten von der Mastbefestigung, alle Schoten schieße ich ordentlich auf, Gerhard montiert RadarReflektor und Windex, tauscht eine Leuchte aus, bereitet alles vor zum Maststellen. Jungfräulich zitronengelb die breiten Gurte für Mast und Kranhaken. Jetzt hoffen wir, daß alles alles klappt und wir bald mit einem Segelschiff statt einem Lastwagen weiter fahren können. Wir wollen Galati ansehen.
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Nach „Kilometer 300“ beginnt die Steppe!
Gleich hinter Cernavoda ändert sich das Landschaftsbild, die DOMBRUDSCHA beginnt! Die Ufer der DONAU säumen steile gelbe und rosafarbene Sandfelsen, die mit zartem Grün bewachsen sind. Weite Flächen nur Gras. In den kleinen Gehöften stapeln die Bauern das dann braune gebündelte Gras übereinander zu einer Art Giebelhaus, oben immer schmäler werdend wie ein Hausdach! Der Fluß aber gebärdete sich wild, mittags starker Wind von vorn, halbmeterhohe Wellen rollen an, weiß bekrönt von Gischtschaum, echt Arbeit an der Pinne, damit ich das Schiff auf Kurs halten kann, denn die Untiefentonnen zu beiden Seiten gewähren nur eine enge Fahrrinne! Unter uns mögen viele Sandinseln verborgen sein, vom Hochwasser überspült. Am linken Ufer graugrüne Erlen, die ca. 30 cm dicken Stämme tief im Hochwasser stehend. Am rechten Ufer aber senkrechte Sandwände, rostbraune Steppe und frei laufende wunderschöne Pferde, schwarz-glänzende Rappen, rotbraune Stuten mit Fohlen, weißschimmernde Schimmel! TOPALU böte uns einen Anlegeponton, aber die Wellen sind viel zu hoch, der gelegte Mast wäre schwer gefährdet. Wir wenden uns einem Seitenarm links zu und hoffen, am nächsten Morgen weniger „Seegang“ zu haben, um in einem der Lipowanerdörfer an Land zu rudern, um die weithin goldglänzenden Kirchen zu besuchen!
Nachts angenehme fast „deutsche“ 23°, nach den 40°-Nächten friert‘s mich so, daß ich die 2. Decke hervorsuche! Nach dem erfrischenden Bad (an der Badeleiter ohne Schwimmzug!) im Fluß genießen wir zum 1. Mal in diesem Donauurlaub das Frühstück im Cockpit! Um 10 queren wir den Fluß und ankern bei km 362 vor dem flachen Grasufer des 1. Lipowaner-Dorfes, Gerhard pumpt das kleine Schlauchboot Microeos auf, wir paddeln ans nasse Grasufer und die 100 schnatternden Gänse treten den Rückzug an…
Ein braunes Zigeunerpferd steht angebunden an einen Kahn im Fluß, stampft vergnügt, badet, wälzt sich im Wasser. Die Zigeunerpferde haben ein rotes Band in den Schwanz geknüpft, der klapprige Holzwagen ist beim Müllberg, wo auch die braunen barfüßigen Kinder „schutteln“ und Plastikflaschen in Säcke sammeln.
Hinter kleinen Gemüsegärten voller Tomatenstauden, Kohlköpfe, Bohnenstangen und Zwiebeln erstrahlt blendend hell und golden die orthodoxe Kirche. Die 2 Glocken (von Hand angeschlagen) läuten ein Zwei-Ton-Gebet, wohl 10 Minuten lang.
Ghindaresti, das Lipowanerdorf!
Wir laufen den Trampelpfad zwischen Mais und Gärtlein mit Obstbäumen, Wein und Kartoffeln hoch zum Dorf. Neben der prächtigen großen Kirche steht eine kleine einfache Kirche der russisch-orthodoxen Lipowaner-Gemeinde, der russisch sprechenden streng gläubigen einst vertriebenen Siedler. Im Donaubuch lasen wir bereits, daß sie im 18.Jh. vom damaligen Zar aus ihrer Heimat verjagt wurden und nach der Flucht sich hier und bis zum Delta ansiedelten. Sofort sehen wir es an den blauen Augen, den blonden Haaren, Alte mit langen Bärten, die Frauen mit typisch „russischen“ schwarzen Kopftüchern mit leuchtend-roten Rosen drauf! Die Häuser nur niedrig, meist 1-3 Zimmer, rotes Walmdach, Vorgärten mit üppigem Blumenschmuck, sauber angemalte Zäune, liebevoll gepflegte Türen und Fenster-ganz anders als in der „Großstadt“ Cernavoda!!!
Als wir die Stufen zur kleinen Kirche hochsteigen, begrüßt uns ein junger Mann, von einem Unfall gehbehindert, nun als Ferien-Kirchdiener und Vorbeter f.d.Kinder hier. Er erlaubt uns einzutreten, aber wir dürfen nur nur bis zum Allerheiligsten/der Ikonen-Altarraum f.d.Popen/, Fotos verboten. Das höchste Kleinod der russischen Gläubigen ist eine meterhohe Ikonentafel, sicher Jahrhunderte alt, bei der Flucht mitgenommen aus ihrer Heimatkirche, hier verehrt, geziert mit zarten weißen Spitzen. Der Mann erklärt uns auf Englisch die Gebetsketten, die an Haken an der Wand hängen, darunter bunte handgearbeitete bestickte Kniekissen. Es ist wohl im Ritus eine Art Dauergebet im Knien wie bei uns der Rosenkranz, nur keine Perlen, sondern kleine Stäbchen oder flache Lederriemchen, an einer Kordel. Ja, 20 Minuten dauert so ein Gebet schon, die Mutter stünde daneben und halte die Kinder an, es wirklich ernsthaft fertig zu beten, Stirn am Boden…Der Kirchhelfer war nach einem Autounfall querschnittgelähmt, nun humpelt er an einem Dreibein, ich singe für ihn zu unsrem gemeinsamen Gott, er verbeugt sich, ist unendlich dankbar, glaubt, es helfe ihm, wieder zu gehen… Als wir vor der Kirche ein gemeinsames Foto machen dürfen, kommen 2 kleine Buben, mit bunter Gebetskordel um die Taille, sich 3x bekreuzigend unter der Kirchgarten-Pforte, in der ich in der Verzierung einen Violinschlüssel vermute. Alle im Dorf seien Lipowaner, sprechen auch alle russisch! Die Kinder adrett und sauber, ja, man ist stolz auf die eigene Schule! Wir wollen ein wenig mehr erfahren, setzen uns vor den kleinen Laden zu den Männern mit ihrem Bier, kaufen auch 2 Flaschen, Glas gibt’s keines dazu. Einer spricht italienisch, er hat in Turin gearbeitet. Die andren älteren Männer sprechen nur russisch. Da fällt mir ein, daß sie meine russischen Volklieder kennen könnten. Ich stimme das Schlaflied „Schlaf mein Söhnlein,schlaf ein Schläfchen, Bajuschki baju! an – sie summen verträumt mit, sehr erstaunt, daß die deutsche Madam es kennt!!! Dann singe ich (J sehr temperamentvoll!) „Kaljinka, Kalinka, Kaljinka moja, sado jagoda Malinka, Malineka moja, Eida ljuli, ljuli…“ man singt mit, klatscht sich auf die Schenkel. Mein 3. Lied kennen sie auch, sie singen den russischen Text: „Als zum Wald Petruschka ging….“ So geht Verständigung ohne Russisch-Kenntnisse!
Bei der Post steht eine Schlange Frauen und Männer an. Ob es hier Rentenauszahlung gibt? Die schattigen Lauben vor den Eingängen der Häuser hängen voller dunkelblauer süßer Trauben! Gemächlich schlendern wir den Sandpfad zwischen den Holzstaketen aus Ästen hinab zum Fluß, wo unsere EOS am Anker hängt wie ein treuer Diener. Keiner hat die Paddel „geklaut“-wir rudern zurück. Kaum an Bord, kommt ein geteerter kohleschwarzer Kahn (wie verbranntes Holz, nun wasserdicht ) gegen den Strom angerudert, 5 hübsche 17 Jährige an Bord. Gerhard darf ihren Nachen rudern! Ein bittender Blick, dann ziehn sie sich freudestrahlend an der Bordwand hoch, Klimmzüge wie Sportler und – schwuppdiwupp- hechten sie vorn vom Bug. Behände klettern sie über die Badeleiter, und dann folgt Salto auf Salto, das größte Vergnügen. Nur 1-2 können Englisch, aber sie stellen sich wohlerzogen vor: Valentin, Aleksander, Julian, Mihail,Stefan, Markus… und wieder one,two,three ein Doppelsprung . Sie lachen als ich sage sie sehen am Foto aus „like frogs“! Gesunde, schöne Jungs mit BLAUEN AUGEN und schlanken durchtrainierten Körpern, auch ohne Turnhalle…Höflich bedanken sie sich für den Spass des „Sprungbretts“, welch reizender Besuch! Unvergeßlich.
Nach Norden auf der Donau
Um 13.45 Uhr Anker auf und im eng von Untiefen-Tonnen begrenzten Fahrwasser weiter „gen Norden“. Auf der Europakarte fahre ich mit dem Finger eine waagrechte Linie entlang und nenne die Namen der auf unsrer Höhe liegenden Städte: Erstaunlich nördlich!
Bordeaux, Lyon, Genf, Turin, Mailand, Padua, Venezia, Pula (Istrien), Rjieka, Novi Sad, Braila, Halbinsel KRIM, Sevastopol, Sotschi,Rußland….
Gerhard hat inzwischen via SMS und Telefonat und EMAIL Kontakt nach Galati zu einer uns empfohlenen Schiffswerft, die uns den Mast stellen wird. Dann haben wir endlich mehr Fußfreiheit und beim Anlegen nicht mehr den überstehenden Spieß an Bug und Heck! Noch 100 km dahin.
Am frühen Nachmittag (Dienstag, 19. August) dürfen wir am Ponton der Hafenmeisterei HIRSOVA anlegen! Welch seltener sicherer Anlegeplatz im Fluß! Wir gehen in die 10.000Ew.-Stadt, viele große EUROPA-Schilder bezeugen eine Förderung der regionalen Entwicklung, Parks mit Springbrunnen und Bänken, aber die Plattenbauten ähnlich wie in Cernavoda. Nein, es gibt kein Internet, sagt uns der Gastwirt. Also einen der herumstehenden jungen Burschen fragen. Er führt uns zu einem kleinen Sportwetten-Office. Da hängen auch die vielen Bus-Fahrpläne aus, nach Belgien, Malmö, nach Zürich, Turin, Belgrad. Flinke Finger am Tablet, dann funktioniert die Internetverbindung und wir können den Blog und unsere Fotos von Cernavoda senden. Ihr unsere Leser könnt euch nicht vorstellen, wie mühsam diese Senderei sich immer gestaltet, oft stehn wir in seltsamen Spelunken und Kneipen 2-3 Stunden lang und versuchen unser Bestes. Oft fliegt man aus dem Internet, muß neu anfangen, das Passwort erfragen, Manche Bedienung lief zum Nachbarlokal und holte deren Internet-Passwort, weiter probieren. Ihr habt keine Ahnung, wie Blogs manchmal „entstehen“!!!
Am Rückweg zum Schiff begegnen uns große Gruppen Sinti, viele Frauen, oft sehr junge Mütter, mit vielen Kindern. Sie betteln nicht! Wir hören später, daß die Männer mehrere Frauen haben und daher immer viele Mamas und Kinder jeden Alters mitlaufen. Die Kirche ist schon fast im Dunkeln, als wir hoch oben stehen und in die Abendsonne schauen, umwerfend das orangene Spiegelbild in der Donau, der Blick weit weit über’s flache Land, -zig Windflügler am Horizont. Als ich mich zum Nebenportal der Kirche umwende, glänzen die goldenen Apostelbilder über dem Portal im warmen Abendlicht, ganz sicher exakt so nach Westen vom Architekten geplant, ein fast mystisches Bild, der Tympanon im göttlichen Goldschein… Dahinter direkt am Bergeshang die sehr einfachen Zigeunerhäuschen, Plumpsclo im Bretterverschlag, Elektroherd im Freien, oft auf 1 Seite ganz fensterlos. Viele fröhliche Kinder, barfuß, oft Kleidchen die Mädle.
Sehr erstaunt ist man in der Stadt, wenn man vor den 2 gewaltigen mehrgeschossigen Palästen der Roma steht, üppig verziert mit feinsten Ornamenten. Da spürt man doch die Herkunft aus dem Erdteil im fernsten Osten, Indien, Pakistan,…mit dem ornamentreichen indischen Baustil. Die reichen Besitzer seien nun in Deutschland, mit 4 Mercedes… In den Gassen noch einmal solch ein verziertes Häuschen, mit unbeschreiblichen Dachformen wie in einem indischen Palast, hier oft 3-fache Türmchen, mit glänzenden Zinkplatten silbergrau gedeckt, völlig fremdartig in ihrer architektonischen Bauart.
Sehr nett und versiert englisch-sprechend der Hafenbeamte, einst Offizier zur See, Hamburg, Kiel, Rostock…Das Problem mit den Sinti 1000 etwa, sie ziehen in Sippen her und weg, zahlen nie Steuern, die Kinder gehen nicht zur Schule, auch Geburten daheim da sie keine Krankenversicherung haben. Sie halten Pferde im Garten, die auch auf den Straßen laufen, Schweine im Haus, kochen im Garten, all das sei nicht üblich in einer rumänischen Stadt! Er sei kein Rassist, aber als Stadtrat findet er („Only my opinion!I‘m not a racist…“), daß Bürger nicht nur Rechte haben, sondern auch DIE GLEICHEN PFLICHTEN – und die erfüllen die Sinti nicht, sie fordern nur ihre Gleichberechtigung. Der Bürgermeister braucht ihre Wählerstimmen, und so erlaubt er immer mehr, …auch Deutschland würde den Roma sehr viel zusichern, deshalb verlassen die Roma in Scharen Rumänien und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Ich erwähne, daß bei uns doch keine unbewohnten Vororte frei wären für so viele Menschen und keine unbewirtschafteten freien Ufer an unsren deutschen Flüssen. Er meint, die wären hervorragend vernetzt und bekämen schnell raus, wo sie „bleiben“ können… Daß bei uns viele Bettler hocken und die Städte voll von musizierenden „Rumänen“ seien, wußte er nicht. Ich verspreche, ein Botschafter zu sein daheim, denn wir haben nur sehr freundliche, kultivierte, strebsame und äußerst höfliche und hilfsbereite „Rumänen“ kennengelernt auf der langen Flußfahrt auf der Donau.
Er bedankt sich sehr herzlich. Zurück an der EOS, spiele ich in die Abenddämmerung Lieder auf der Flöte. Das lockt Zuhörer an: Es besuchen uns an Bord unterm Moskitonetz 7 Jugendliche, Roxana, Aura, Stefan, Adrian,… sie sind flink am Smartphone, schießen Fotos, bieten ihre Facebook-Adresse an. Wieder so hübsche Gesichter, jedes Mal eine Überraschung. Alle wären sofort integrierbar in GERMANY, man würde keinem ansehen, daß er weit aus dem Osten Europas kommt. Sie erzählen von der Schule, daß sie nun lange 3 Monate (!) vacanza haben. Sie schätzen Deutschland, das Schulsystem, daß alle Englisch lernen bei uns, daß Korruption nicht ungestraft bleibt dort, sie wollen fleißig lernen, um ebenbürtige EU-Bürger zu werden. Herzliche Verabschiedung! Sie werden unsren Blog verfolgen, die FOTOS und später die Segelparadiese in der Türkei kennenlernen.
Am Morgen besuchen wir die Gold-Kuppel-Kirche am Hügel. Ein gigantisches Bauwerk. Eine Frau läßt uns hinein, stellt alle 3 großen Lüster an(schrecklich die kaltblauen Sparlampen zu dem warmen Gold der Ausmalung und Ikonenwand!!!) Unter der himmel-hohen Kuppel singe ich „Magnifikat“, Jubilate deo, Laudate omnes gentes. Sie ist dankbar. Dann wagen wir uns trotz der Warnung vor den wilden Hunden (bissig!) in die Zigeunergassen. Hier wird ein Perserteppich mit Seifenschaum gebürstet, dort hängen 20 indische lange Röcke, in einem Steintrog wird ein geschlachtetes Schwein entborstet, ein Pferd teilt sich eine halbe Melone mit dem Jungen. Ein einfach gemauerter Brotbackofen unterm Quittenbaum, eine Frau streut Kürbiskerne immer wieder in die Luft und läßt sie auf einer Plane am Gartenboden in der Sonne dörren. Lache ich ein kleines barfüßiges Mädle an, kommt die Mama mit einem 2. Und 3. Kind ans rostige Blechtor. Freundlich, herzerfrischend die Unterhaltung mit Mimik, Gestikulieren und ein paar Wörtern in Italienisch, Französisch, so erfährt sie, dass auch ich 2 Söhne und 1 Tochter habe, sieht das Foto vom Segelschiff und die Landkarte von Europa, ja, Germania, Dunarea, Sulina-Constanta. Kein Hund beißt, kein Kind flüchtet. Gerhard darf an ihrem Wasserhahn am Zaun trinken, potabile, si.
Ein Veterinär (in Deutschland auf Engl. Studiert!) schickt uns vage zum ehem. Castell, aber es ist total zerfallen und alles voller PET-Flaschen und Picknicktüten. „We citizens of Harsova are very stupid. We didn’t anything to save our history.. We’ve a little museum, but doesn’t matter, have a look at the golden church, ok. This big ruin-building was the only important big high-school of the region, now damaged, home of the rats…”
Kontakte zu andren Europäern? Nein, nur die AMADEUS kommt alle 2 Wochen, legt nur an, alle Touristen steigen in Busse und gucken kleine andre Dörfer an. Hirsova nicht….Ist billig für die Reeder…Aha.
Als wir zurück an Bord sind, hievt Gh. unseren kleinen Beibootmotor, den wir auf Warnung vor nächtlichen Dieben (die kommen mit der langen Stahlschere!) im Salon hatten wieder an Deck und an das Heck-Gestänge.
Im Logbuch notiere ich: gefahrene Kilometer: 2260. Noch 3 Meter über dem Meeresspiegel des Schwarzen Meers.
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