6. Von Insel zu Insel: Von Thassos nach Samothraki

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17. Mai 2010, Insel Samotraki

Zufall?

Längseits am Kai in Thassos Stadt: Hinter uns liegt die UBENA aus Regensburg. Dieses kleine Schiff kommt mir irgendwie bekannt vor. Anderntags treffen die Besitzer aus Deutschland ein (Die UBENA hat hier überwintert). Im Gespräch ergibt sich, dass ich bei Würzburg auf diesem Schiff gesessen bin. Ich hatte einen Lehrgang dort gehalten und die UBENA kam über die französischen Kanäle und Flüsse vom Mittelmeer zurück nach Regensburg. Dem früheren Besitzer habe ich bei dieser Gelegenheit die Flusskarten für Frankreichs Wasserstraßen abgekauft. Das ist aber noch nicht genug: Dasselbe Schiff segelte früher auf dem Bodensee in Friedrichshafens BSB-Hafen, wo auch mein Eichenholzschiff „Louisa“, Baujahr 1929, lag. Und ich hatte damals ein Auge darauf geworfen: Ich wollte es kaufen. Daraus wurde nichts, andere Interessenten haben es vom Bodensee weggekauft. Zufall, oder? Nun segelt ein Regensburger, der durch die Donau schipperte, die UBENA nach Marseille und durch die Rhône zurück.

Unsere Bergtour auf der Insel Thassos

Der erste Ausflug führte uns zum Amphi-Theater, mit Nachtigallengesang.

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Sonnenaufgang vor der Busabfahrt um 6 Uhr

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Thassos - entdecken Sie die smaragdgrüne Insel

Thassos ist eine “grüne Insel“ mit viel Wald und schönen Wegen in der Natur. Gerdi und ich lassen uns um 6 Uhr früh mit dem Bus nach Agios Georgios fahren. Das ist eines dieser malerisch gelegenen Bergdörfer, die abseits der Küste erbaut wurden, um sich vor Piratenüberfällen zu schützen. Noch umfängt uns die Kühle des jungen Morgens. Wir suchen den Weg, finden ihn nicht und erst eine freundliche Bewohnerin zeigt uns den Startpunkt und die Abzweigung „nach der 2. Marmorfabrik“. Nun ist alles klar. Die Fabriken sind nicht zu übersehen, sie zersägen den hier abgebauten rein weißen Marmor zu Blöcken und Scheiben. Umgeben von dichten Laubbäumen, Platanen meist, hallt der Wald hier vom vielkehligen Gesang der Nachtigallen! Ein Zauber…

Es geht 2 Stunden leicht aufwärts und nach der Pause am höchsten Punkt sollte es wieder abwärts nach Thassos / Stadt gehen.

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Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden

Der Blick schweift weit über die Bergdörfer und in die hohen Berge, und auf der Nordseite gegenüber über liegt im milchigen Dunst das Meer und die Thrakische Küste.

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Das Bergdorf Rachoni

Der weitere Weg wird immer mühsamer. Die Sonne brennt. Eine Kurve folgt der anderen, was in der Landkarte als gerader „Karrenweg“ eingezeichnet ist, entpuppt sich als Sträßchen, das jedem Taleinschnitt folgt. Immer wieder Ziegen, die zu einer der Quellen kommen. Am Wegrand stehen Imkerkästen für die berühmten Bienenvölker mit dem Thassos-Honig.

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Ein liebevoll gestalteter Brunnen

Die Gegend ist sehr vielfältig, riesige Platanen breiten ihre Kuppeln über uns, Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden, aber oben grün austreibend, blühende Büsche und viele bunte Blumen, aber kein Wasser (wir haben genügend mitgenommen). Langsam wird aus dieser Wanderung ein echter „Hatsch“, der kein Ende nimmt. Eine Abzweigung führt uns endlich ins Tal und von dort dürfen wir noch kilometerweit auf der belebten Straße laufen, nur unterbrochen durch eine Einkehr auf ein kühles Helles in einer kleinen Strandbar am Meer. Also: Manche Wanderungen dauern länger als geplant und werden langweiliger als gedacht und billige Karten lohnen sich nicht.

Abends belohnen wir uns mit einem Teller Souflaki bei unsrem netten Wirt der kleinen Faros-Taverne, dessen Sohn hervorragend Deutsch spricht. Spezial-Sprachenschule.

Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

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Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

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Die Insel, der Berg und das Meer

Manche der nördlichen griechischen Inseln, wie Thassos, Samothraki oder auch die Halbinsel Ägion Oros mit dem Berg Athos erreichen eine Höhe von über 1500m. Hört man den Wetterbericht, dann liest man derzeit von schwachen Winden um 2 Bft aus unterschiedlichen Richtungen. Als wir um 7 Uhr von Fanari zur Insel Samothraki starten, wundere ich mich über eine Dünung aus Südost. Schon die ganze Nacht vor Anker war eine Schaukelei.

Wie kann das sein? In der Nordägäis sind überall schwache Winde vorausgesagt. Auch auf der Überfahrt nutzen wir zeitweise den Motor.

Um 13 Uhr etwa zeichnet sich vor uns im Dunst die Insel Samothraki ab und die Dünung wird immer heftiger. Jetzt nimmt auch der Wind zu und wir binden ein Reff ein. Das Wasser wird richtig ruppig. Hohe Berge stören den Wind auf seinem Weg über das Wasser, er wird eingeengt, folgt der Inselküste und nimmt an Stärke mächtig zu. Das Wasser vor der Hafenmauer ist mit Schaumkämmen übersät und ich bin überzeugt, dass 10 Meilen von der Insel entfernt nur eine Dünung an den starken Wind hier erinnert.

GERHARD

18. 6. Samothraki

Von Gerdi:

Wir sichern das Schiff mit 5 Leinen, legen Kette vor, um ein Durchscheuern an der Kaimauer zu verhindern, bringen 7 Fender aus, setzen 2 Springs, und die EOS zerrt an ihren Fesseln. Am Abend dreht der Wind um 180°, aber er bläst angenehm kühl durch die Kajüte. Wir folgen beim Landgang im Dorf dem köstlichen Duft: am Spieß drehen sich 6 prächtige Hühner, sicher 2 kg schwer. (13 €)

Wir laden CHRIS, den 2.Segler von seiner britischen kleinen Westerly zum Essen ins Cockpit ein und er erzählt, dass er seit 15 Jahren hier segelt und im Winter Englisch unterrichtet und viel mit dem Rad fährt. Spannend. Er segelt allein, war schon im Libanon.

Am Freitag, 18. Juni fahren wir 2 mit dem Bus hoch in das idyllisch am Berg liegende Dorf Chora, kühl und vom Wind durchpustet, unglaublich viele Blumen vor den kleinen Häusern in den engen Gassen, rosa Horthensien, üppige Geranien in Pötten, rankende orangene Trompetenblumen, Kletterrosen, Dahlien, Jasmin, mal eine Quelle mit Platanen und wildem Wein, Oasen in schattiger grüner Laube, die Stufen der Steintreppen weiß gekalkt oder mit Marmor belegt, kleine Gemischtwaren-Läden, die keinen Schimmer einer Ähnlichkeit mit einem Supermarkt haben, ein buntes unüberschaubares Sammelsurium, dazwischen der Ladenbesitzer und seine kleine Rechenmaschine für den Verkaufsbon.

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Schattiges Plätzchen an der Quelle

Gegen 10 Uhr treffen sich die Dorfleute, auf einen griechischen Kaffee oder einen Frappé, mit der Gebets-Perlenkette in der Hand. Die Frauen kehren die Blätter und Knospen weg vorm Haus, alles soll blitzsauber sein. Und überall Katzen in allen Farben. Das Castell, auf Felsen errichtet. Dahinter noch weit rauf bis zum Bergeskamm. Wir genießen den Ort, die Kühle, das Fehlen der touristengemäßen Ferienwohnungen, die original belassenen Häuser.

Wunderbar die Ausblicke, gelbe abgemähte Felder, teils noch die im Wind bewegten Ähren vom Weizen. Grün aufleuchtend auch Weinfelder, Olivenbaum-Gärten, mitten im Feld eine große Schule.

Das Meer auch mittags noch weiß schäumend, die Wellen preschen mit langen Schaumkronen vom Wind gejagt zur Hafenmauer. Die EOS unruhig am Kai, Gerhard legt noch einige Ketten an die Leinen. Ich geh einen Laden suchen, keine Urlauber, nur Dorfbewohner. Die Tavernen gut besetzt.

Mit Orangen, Tomaten, Basmati-Reis für unseren Rest Huhn von gestern laß ich mich vom Wind zum Schiff „blasen“.

Samstag, 19, Juni, Gerhard

Top of Samothraki

2 Tage liegen wir hier im geschützten Hafen von Kamariotissa auf Samothraki und ich vereinbare mit dem Solo-Engländer Chris vom Segelschiff hinter uns eine Bergtour auf den Fegari, den höchsten Inselberg mit 1611m Höhe.

Anderntags um 5 Uhr früh bringt uns ein Taxi nach Therme an der Nordküste zum Ausgangspunkt. Wir folgen der Karte und einer Ortstafel und finden den Einstieg nicht. Nach 2 Versuchen kehren wir um und erfahren den rechten Weg von einem Bewohner. Tatsächlich 200 m über dem Dorf beginnt plötzlich eine hervorragende Markierung mit „E6“- Täfelchen und roten Punkten und Steinmännchen. Ihr folgen wir zuerst durch Maccia, dann durch lichten Steineichenwald und später wandern wir unter mächtigen, uralten Steineichen.

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Die uralte Steineiche

Vogelgezwitscher begleitet uns. Teilweise umgeben uns Wolken und ein angenehmer kühler Morgenwind umfängt uns. Trotzdem schwitze ich gewaltig und unsere Wasservorräte schrumpfen. Wir rechnen mit der Kalamithiriaquelle, in der Karte verzeichnet. Auf ca. 1000 m Höhe wendet sich der Pfad einem Tälchen zu und tatsächlich hören wir Wasser plätschern.

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Eine Quelle: Köstliches, kühles Wasser!

Aus Steinen springt es hervor, kalt. Jetzt wünschen wir uns nichts anderes, als daraus zu trinken. Wie wenig man doch braucht! Kein Bier, keine Cola nur dieses reine, kühle Wasser. Wir rasten und füllen unsere Wasserflaschen auf. Und ich schaue beeindruckt, wie das Wasser aus dem Stein fließt. Der Himmel bringt es, der Fels gibt es angereichert mit Geschmack wieder zurück. Jetzt verlassen wir den Wald und laufen durch Farnwiesen, dann sind auch diese zu Ende und über große Steinblöcke kommen wir langsam höher. 1600 Höhenmeter kosten Kraft. Da ist der Grat und wir sehen nach Westen zum Hafen, wo unsere Schiffe liegen. Noch ein paar Meter und wir sind am Gipfel.

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Auf dem Gipfel des Fegari, 1611m

Braungraue schroffe Grate umgeben uns, ganz, fast wie in den heimatlichen Bergen. Hier ist die Brotzeit fällig, ich mit Wurst und Brot, Cris mit Paximadi, das steinhar
te, getrocknete Brot, das erst mit Wasser zu essen ist.

Der Abstieg auf gleichen Pfaden zieht sich, 2 Biere unten in der Taverne schmecken wunderbar und eine Dose trinken wir auf dem Rückweg. Heute ist Wochenende und da fahren keine Busse. 12 km Rückmarsch oder Taxi oder Autostop warten auf uns. Wir entschließen uns für letzteres und schon der erste Autofahrer nimmt uns zu seinen Fischen auf der Pritsche mit. Glück gehabt.

Noch eine Anmerkung:

Cris vom Nachbarboot hat nur ein geliehenes Gummiboot als Tender. Wir haben ihm unsere MARONI geschenkt und er hat sie mit Freuden in Empfang genommen.

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Die MARONI, unser selbstgebautes Klappboot hat den Eigner gewechselt: Chris aus Southampton

Hier weitere Fotos. Um die Bildinformationen zu lesen klicke auf „show info“ am rechten oberen Bildrand

5. In 12 Stunden nach Chalkidiki und weiter nach Thassos

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Zwischen Insel Skiathos und Halbinsel Chalkidike

GERDI

Kali mera, guten Morgen daheim in Deutschland,es ist der 8. Juni, auf See geschrieben. Seit 5 Uhr früh richtet die EOS ihren Bug nach Norden, wir rauschen mit 5 Knoten durchs leicht bewegte Meer. Wie „schnell“ unsre hier absolut zu den kleinsten und schmalsten Schiffen zählende 10m-Yacht dann „fährt“? Das sind 5 sm/h oder 8-10 km/h ( für Landratten:  Geschwindigkeit von 1 kn=1 sm /h und 1 sm = 1,852 km)

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Ich lese endlich  wieder mal eine deutsche, anspruchsvolle FAZ vom 5./6. Juni, „Futter fürs Hirn“. Fragt man in einem mit „International press“ beschilderten Laden nach deutscher Zeitung, gibt es meist nur die BILD-Zeitung. Vielseitig die Themen, grad bei Kultur, Geschäftsleben, Städtebau, Fußball-WM, neuer Bundespräsident.Noch ist es nicht richtig heiß, auch nicht an Land. Es hat oft geregnet, die unbebauten Brachen sind knallgrün und es blüht üppig, am Wegrand und hinter unbewohnten Häusern blüht die pinkrosa-violett gestreifte Urform der Geranie, Dazu lila leuchtende hohe Disteln, fuchsiarote Löwenmäulchen, wild auch kleinblütige rubinrote Geranien, orangefarbene Ringelblumen, natürlich überall Oleander, weiß, champagnergelb, rosa, koralle, tiefrot. An den Bäumen die Orangen, Zitronen, die Granatapfelbäume in voller Blüte, teils auch schon abgeblüht, mit dem sternartigen Ansatz für die Frucht. Schon auf 100 m Entfernung (und oft auch schon beim Ansteuern am Schiff zu erschnuppern) riecht es fast parfümhaft nach Jasmin, der über die Mauern und Zäune quillt.

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Unglaubliche Farborgien produziert die Bougainvillea, die sich oft bis in den 3. Stock an Balkons hochrankt oder aber an Felsen vom Garten oben runterwirft wie ein Wasserfall, auch an eindeutig leerstehenden Ferienwohnungen, die wohl erst ab Juli die Fensterläden öffnen. Gestern fanden wir, was ganz selten ist, einen Supermarkt am Rande des Städtchens, wo es mal ein etwas dunkleres Brot mit knuspernder Kruste gab, ein Fest, nach all dem weiß-gelben Weizenbrot. Auch konnte ich den Metzger überreden, die kleine Lammkeule, schlachtfrisch, mit dem Beil in 8 Scheiben zu hacken, was ihm natürlich das Herz brach, denn sie gehört im Ofen geschmort. Ich legte das köstliche Fleisch in Marinade ein:

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  • 500 g Lamm
  • Saft von 1 Zitrone
  • 1/2 Glas Retsina-Wein
  • Gyrosgewürz
  • Oregano
  • 1 Zweig Rosmarin
  • Salbei
  • 4 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1/2 Tl Chili-Samen
  • 1 Tasse natives Olivenöl

Den Deckel drauf und nur manchmal die Keule wenden. Schmeckte unserem Besuch (Nachbarcrew aus Ingolstadt, Radler, Bergsteiger, Lieselo u. Franzl) wunderbar, dazu Griechischer Salat mit Kalamata-Oliven, Schafskäse, und ein gekühlter Obstsalat! Als Krönung dazu die Musik mit Franzls chromatischer Mundharmonika, Wiener Lieder, die ich alle mit Text konnte, da sie seit Jahren zu meinem Geige-Repertoire gehören.Wir haben heute unsere erste Langstrecke vor uns, denn es werden je nach Kreuzen so 50 Seemeilen, also über 100 km sein, die wir hinter uns bringen müssen, um oben am mittleren der 3 Finger der handartigen Halbinsel Chalkidiki anzukommen. Nachmittags soll es frische 4-5 Beaufort geben.

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Seit das Wasser über 500 Meter tief ist, begleiten uns Schwärme von silberblitzenden Bonitos, metallisch glänzende sportliche Langzeitschwimmer, bläulich aufscheinend wie ein Vollmond nachts oder wie Messerklingen, wie Thunfische, nur schlanker, stromlinienförmig, ca. 60 cm groß. Unglaublich, sie überholen die EOS nie, sie sausen neben ihr her, hintereinander, in Reihen nebeneinender, immer mit unserer Geschwindigkeit. Diese am Rücken mit Zebrastreifen gemusterten Fische weichen erst nach 11 langen Stunden von unsrer Seite.Samstag, den 12. Juni, Insel ThassosWir zwei segeln inzwischen vom Süden zum Norden der Insel Thassos, also auf Höhe Thessaloniki und Alexandropolis im Osten, was der nördlichste Punkt der griechischen Ägäis wäre. Der Wind meinte es gut mit uns, nicht zu viel gegenan.

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Wir träumten eine Nacht in einer ur-romantischen Ankerbucht auf der Insel Diaporos, umgeben von grünem Wald, Olivenbäumen, lautlos Still und staunend lagen 3 HallbergRassy-Yachten verschiedenen Lebensalters wie Geschwister beieinander. Wir wanderten über die Hügel und hatten freien Blick nach zwei Seiten Meer. Die Insel Amouliani bescherte uns einen Gang durch ein zauberhaft blumenreiches Dorf, üppige Bäume an den ungeteerten Gassen, Schwalben überall, 10 Nester unterm roten Ziegeldach, und schon mal ein Karton mit Nest unter der Markise eines Gemüseladens aufgehängt. Glückliches Griechenland. Tags drauf segelte die EOS an der „verbotenen“ Küste der kleinen Mönchsrepublik des Heiligen Bergs ATHOS entlang. Nur auf 500 m darf man sich nähern, an Land nur Männer!

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Der Berg Athos, ein gewaltiger Berg, 2033 Meter hoch, wunderbar in seiner Form. Hunderte von Klöstern kleine und große – in steile Hänge und an unzugängliche Felsen geklebt. Im steilen Kar noch große Schneefelder. Wütend stürzen die Fallböen auf uns herab, wir reffen und stabilisieren die EOS mit Motorhilfe auf Kurs. Auch während unsrer 13- stündigen Überfahrt nach Thassos, bis 6 abends, bleibt der Heilige Berg majestätisch im Heck zu ahnen. Thassos, grün bewaldet, wunderbar die vielfach hintereinander geschlichteten Hügelketten, reizvoll auf halber Höhe sich an den Berg schmiegende Bergdörfer. Eine Insel zum Genießen.GERDI

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4. Zwischen zwei Küsten, wie durch einen Fjord. Ziel: Skiathos

Segeln wie in einem Fjord- zwischen 2 Küsten

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GERDI’s Blog-Bericht

29.Mai 2010

Das Tief aus Tunesien tobt sich derzeit bei Kreta aus, 8 Windstärken und hohe Wellen. Wir genießen noch einen „Wandertag“ in der verträumten ruhigen Bucht der Büffelherden: Boufalo Bay. Am Abend treffen sich die 4 deutschen Segler-Crews an Land, mit 4 ganz unterschiedlichen Bord-Grills, Steaks und Kartoffelsalat. Wir haben beste Stimmung, der Franz spielt wunderbar Mundharmonika und erst als der Vollmond um halb eins über den Windflügler-Hügel kriecht, paddeln wir zum Schiff zurück, alles natürlich pieksauber am „Lagerfeuer“ am Leuchtturm.

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30.Mai

Am Morgen laufen wir zwischen vielen brachliegenden ehemaligen Feldern in der weiten Ebene, Kamille, Mohnblumen, hohe Disteln, es brummt und summt von Käfern, kleinen Hummeln, Bremsen, Mücken, Bienen.

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Versiegte Tiefbrunnen in den Feldern, früher pumpten sie das Wasser noch aus nur 15 Metern, inzwischen müsste man 70 m tief bohren, um bewässern zu können.

Bald biegen wir um eine Kurve, Feigenbäumen nahmen uns die Sicht – nun weitet sich das breite Tal und gibt den Blick frei wie auf eine Arena, das „Schilfmeer“ des versumpften großen Sees liegt vor uns wie im Film „Herr der Ringe“ das Tal. Dunkelgrün, nur am Rand blitzt zwischen den Binsen Wasser auf. Bei einer Kapelle steht wie ein Gott ein riesenhafter uralter Olivenbaum.

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Oleander blüht, Eukalyptusblätter rascheln im leichten Wind. Wir genießen am Heimweg die Panorama-Aussicht auf die kreisrunde Ankerbucht und unsere EOS, essen Griechischen Salat in der Taverne, ein Fischer nimmt grad einen 70 cm langen Fisch aus, rosa Fleisch wie ein Lachs.

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31.Mai, 11.Tag auf See

ENDLICH um 11: Anker auf. Wunderschöner, raumer Wind, 3-4 Beaufort, 6 Stunden herrliches Segeln, Aufkreuzen, teils mit Bullentaille (Leine die den Großbaum bei achterlichem Wind am Bug fixiert, damit er nicht eine Gefahrenhalse startet und plötzlich 180° überkommt und über die Köpfe der Crew im Cockpit „sägt“). Noch vor 17 Uhr segeln wir zwischen den Leitbojen unter der großen Autobrücke (Klein-Puttgarden) mit den vielen Stahltrossen als „Aufhängung“ durch und legen am Betonkai der entstehenden Marina Chalkida an. 2 Springs, der Wind ist lebhaft.

Großeinkauf mit den 2 Bergsteigerrucksäcken. Lauter kleine Läden, Krämer, Gemüsehändler, Bonbonladen, Mandeln, Feigen, Nüsse, Karamelle, ein Weinabfüll-Laden. Der Fachmann erzählt von Messen und Fachtreffen in ganz Europa, er schätzt die feien deutschen Reben, Riesling, und hier sei ein Wein aus Deutschland, aus dem 4. Jahrhundert. Mönche brachten ihn übers Meer, kreuzten mit griechischen Reben, veredelten die Weine.

Hier sind die Kirschen und Aprikosen nun im Angebot, aber auch diese köstlichen Natur-Orangen, die Portokali – ein Augenschmaus und Gaumengenuss. Am Abend ertönt von der nahen Kaserne mit Trompetenklang der Zapfenstreich. Wir laufen ins Internetcafé „Breeze“, um den 3.Blog und die Fotos einzustellen. Auffällig schick und hübsch herausgeputzt die Mädels, Mini-Kleidchen, Zipfellook, sehr hohe Schuhe nach italienischem Chic, sie zeigen viel Bein und Décolletée, große Ohrringe, bunte Farben, Sommer eben, und Sonntag ist wohl der Flirt- und Ausgehtag. Man flaniert, sitzt in den sehr einladenden großen Cafés am Ufer, sehen und gesehen werden, Männer spielen Backgammon, das auf etlichen Tischen in schönen Intarsienholzkisten bereit steht. In Deutschland immer noch nass und kalt, viel Regen. Heizung an usw.

Nach unsrer Blog-Übertragung finden wir ein Ristorante-Pizzeria an der Promenade, Il porto di pasta, und die vegetarische Pizza u. Calzone sind vorzüglich, allerbeste frische Zutaten. Schon der Koch ist ein Hingucker, wenn er die Teigfladen hochwirft und kreisend drehend in der Luft sie ihre zauberhaft luftige Endform annehmen. Im Holzbackofen wunderbar locker und knusprig gebacken. Die Hälfte tragen wir in der Box heim! 20 € für 2 Tage feines Essen!

Nachts ab halbelf geht über uns ein heftiges Gewitter nieder. Es ist taghell von den pausenlos zuckenden Blitzen, gewaltige Donnerschläge erschrecken das Ruhe-verwöhnte Ohr, Einschläge wie Bombenlärm, es regnet und ¼ Stunde hagelt es aufs Deck. Es ist ein Lärm, dass man nicht mal mehr die pausenlos auch nachts röhrenden Schiffsmotoren der großen Frachter vom gegenüber liegenden Kai hört.

Vom Radio erfahren wir vom Rücktritt unsres Bundespräsidenten, die Tiefseebohr-Stelle in USA sprudelt weiterhin ungebremst, ein Hilfsgüterschiff für die Palästinenser wurde von den Israelis angegriffen mit 6 Opfern und politischer Isolierung Israels.

2.Juni: Nochmals ins Internetcafé, wir müssen Rechnungen bezahlen, lesen Post, die un
s Martin scannt und in die „Dropbox“ lädt. Ich finde endlich die ersten Ansichtskarten. An der Promenade scharenweise junge Leute, wohl mit Schulrucksäcken als Schüler zu erkennen, aber was machen die um halbzehn, um 11, um 12 alle hier? Sie rauchen, plaudern, essen Gyros-Pitá, trinken in den polstercouch-möblierten Cafés Cola und Frappé, den aufgeschäumten, gesüßten eiskalten Nescafé, auch Hausfrauen plauschend unter den Markisen der Lokale, bei Garnelen oder süßen Törtchen.

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Gegen 20 Uhr Leinen los und rüber zum Kopfbahnhof, wo wir bei den Fischern vor Anker gehen, die EOS quer zum Wind in der Strömung. Wir müssen standby liegen, um nach Mitternacht nach Funk-Aufruf durch die aufgeschobene Straßenbrücke zu fahren.

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Der Himmel färbt sich fast dramatisch gold-orange, die sich auflösenden Cumuli werden fast pinkrosa von unten angestrahlt, ein Schauspiel. Ich spiele Abendlieder auf der Flöte, die „Albatros“ und die „Erika“ neben uns.

3. Juni,Mitternacht:

Unter vielen Zuschauern neben der sich öffnenden Brücke schiebt sich die EOS unter Motor und meiner Pinnenführung durch die Engstelle, der Ebbstrom macht es uns heuer leichter als 2009. Wir motoren noch 3 Seemeilen nordwärts bis in eine große Bucht und ankern auf 8 m Wassertiefe neben der ALBATROS. Laut die Straße mit viel Schwerlastern und aufheulenden Motorrädern.

Fronleichnam in Deutschland, Blumenteppiche und weißgewandete Kommunionkinder hinter der Monstranz, Prozessionen, Feste

Herrlicher Sonne-Wonne-Morgen. Baden im kühlen Meer. 9 Uhr Anker auf und kreuzen unter prall gefüllten Segeln. Die Ufer zu beiden Seiten, als würde man in einem Norweger Fjord segeln. Die Festlandseite 100% landwirtschaftlich bewirtschaftet, Olivenbäume in Reih und Glied, oft neu angelegt in geometrischer Form, in Linien gesetzt und wohl bewässert und gepflegt, Weinhänge dazwischen, wie am Bodensee bei Meersburg. Oben Aufforstung, dazwischen richtiger grüner Wald, Pinien mit hohen Stämmen, Zedern, Laubbäume wie Steineichen, Eukalyptus, Pappeln,

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Wir segeln 7 ¼ Stunden lang auf leicht bewegtem Meer mit prachtvollem, zunehmendem Wind, flott und hübsch gekrängt, der Wind fast kühl. Es gibt Lores Geschenk, eine Ananas mit Mandeln, ein Glas Wasser.

Um 5 fällt der Anker in der Bucht vor THEOLOGOS, gegenüber die Insel Atalantis.

Samstag 5. Juni: GERHARDs blog

Wir ankern in der Orei-Straße am Kap Lichades, der östlichsten Ecke der Insel Euböa. Neben uns liegt wieder die Albatros. Der nächtliche Friede endet um 4 Uhr früh mit Gewitter und heftigem Regen.

Der Wind bleibt mäßig, sodass wir uns keine Sorgen um die Haltekraft des Ankers machen müssen. Wenn wir den Anker ablassen, dann geben wir 4 mal Wassertiefe Kette und fahren mit höchster Motorkraft rückwärts. Wenn der Anker dann nicht ausbricht, hält er auch starken Winden stand. Dicke Wolken begleiten heute unsere Reise. In der Orei-Straße bläst der Wind mit 4 Bft dagegen. EOS hat ihr altes Segel gesetzt und wir können schlecht aufkreuzen. Gegen Nachmittag briest es auf 5-6 Bft auf und so suchen wir nach nur 33 km eine kleine, enge Bucht auf. Ringsum entladen sich Gewitter und ich erwarte starken Wind aus unbestimmbarer Richtung. Darum packe ich das Beiboot mit 50+25 m Landleinen voll, um wenn notwendig, die EOS durch „ Landfeste“ am Abtreiben zu hindern. Der Regen war Gott sei Dank stärker als der Wind.

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Wir sammeln in Schüsseln unter der Solarzelle einige Liter weiches Regenwasser. Im Schlauchboot kann man ein Bad nehmen.

Sonntag 6. Juni

Heute verlassen wir das an einen Binnensee erinnernde Revier zwischen Attika und der Insel Euböa. Die Gegend erinnert an den Lago Maggiore, und ist genau so von hohen Bergen eingeschlossen. Auch die schmucken Dörfer an den Hängen erinnern ans Tessin.

Jetzt macht sich eine angenehme Dünung bemerkbar. Die EOS hebt und senkt sich. Der Wind kommt schräg von vorne und nimmt stetig zu. Zuerst binde ich ein Reff ins Großsegel. Als aus den „Katzenpfoten“ breite mittlere Brecher werden, ist auch ein Reff im Vorsegel notwendig. So rauschen wir trotz Reffs mit 6-7 Knoten unserem Ziel Skyathos Hafen entgegen. Ein herrliches Segeln, wie man es sich wünscht. EOS legt sich auf die Seite und hinterlässt eine schnelle weiße Schaumspur am Heck.

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Munter flattert die Nationale. Im großen Hafen von Skyathos gehen wir nicht an den Kai. Dort liegt eine Jacht neben der anderen und man kommt sich vor wie auf einem Parkplatz. Statt dessen ankern wir im Hafenbecken und benutzen unsere MICRO EOS, das Schlauchboot
als Shuttle zum Land. Die Landebahn des Flughafens beginnt unmittelbar am Ufer. Man darf wegen der Masten nicht in der Einflugschneise ankern. So donnern die Düsenvögel in doppelter Masthöhe knapp an uns vorbei. Viele kommen allerdings noch nicht. Vorsaison. Auch unter den Sonnenschirmen der Hotels liegen kaum Sonnenanbeter, keiner badet, Wasser 19-20°.

Am Abend treffen wir wieder Lore und Franz mit ihrer UTANA II und wir sind bei ihnen zum Abendessen eingeladen. Es wird ein netter, fröhlicher Abend. Nebenan liegt die EOS und zeigt Ihr mildes Ankerlicht. Die Stadt ist um Mitternacht ruhig, nur “Europas beste Disko“ donnert ihre Musik in die Nacht. Auch um 3 noch.

Hier anklicken, dann seht Ihr die Bilder:

3. Unter Segeln zur Westküste von Euböa

Porto Rafti, vor Anker 25. Mai 2010

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Mit einer weiteren Hallberg Rassy, der „Albatros“,  liegen wir nach einem sanften Nachmittagssegeln und herrlichem leichten Wind im Wellenschutz sicher hinter einer kleinen Insel. Das Meer leuchtet wie ein Smaragd grün-türkis im plätschernden Flachwasser am Felsensaum…

Ein Ausflug in die Politik:

2009 segelten wir ein halbes Jahr im Mittelmeer und  4 Monate davon in Griechenland,  und nun sind wir voraussichtlich wieder für weitere 6 Monate Gäste dieses Landes, das inzwischen von der EU aus dem finanziellen Disaster geholt werden muss.

Zeitung und Fernsehen berichten von Griechen, die über ihre Verhältnisse leben und jetzt, da die Geldvorräte des Staates aufgebraucht sind und Sparmaßnahmen beschlossen werden, sich erlauben, zu demonstrieren und zu streiken.

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In den Häfen, die wir anlaufen, habe ich nicht den Eindruck von großem Reichtum und wenig Arbeitswillen. Die Leute fahren ganz normale Autos, sind nicht teuer gekleidet und Häuser und Wohnungen deuten  auf keinen Luxus hin. Wir stellen fest, dass alles etwas langsamer abläuft und Pausen häufiger sind als in unserem Land üblich. Dafür kann man an 6 oder 7 Tagen einkaufen.

Uns fällt auf, dass in den Banken nicht nur das Geld streng bewacht wird, sondern auch die dort angestellten gleichfalls. Vor vielen Banken stehen kugelsichere Wachhäuschen und in jede Bank wird immer nur eine Person nach Aufforderung und wenn gleichzeitig eine weitere Person die Bank verlässt, durch kugelsichere Schleusen eingelassen. Wiederholte Anschläge sind der Grund dieser Maßnahmen. Kann es sein, dass nicht Einbrecher Geld stehlen wollen, sondern brutal eingestellte Landsleute mit den Verhältnissen unzufrieden sind? Weisen nicht die Verwüstungen gerade von Banken in den letzten Wochen darauf hin, wo eine Ursache der klammen Finanzlage liegen könnte, für die auch die weniger Reichen finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen? Ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier die klamme Lage ihres Landes deutlich erkennen und auch persönliche Einschnitte in Kauf nehmen. Aber sie klagen die Beamten und Wohlhabenden in den Großfirmen und die Politiker an, die ihrer Meinung nach Ursache des jetzigen Zustandes sind oder durch Vertuschung und Korruption zusahen, wie der Bankrott sich anbahnte. Wenn wir in einen Hafen mit großen, sauberen, weißen Jachten einlaufen, dann habe ich von deren Eignern doch gelegentlich den Eindruck von Hochnäsigkeit. Das ist aber eben nur ein un-gutes Gefühl, und eher selten.

Die liebenswerte Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft aber ist unverändert, der Monteur nimmt mich im Auto mit und erledigt spontan seine Arbeit, 8 € will er, und das ist eigentlich nur der Preis für den Dieselfilter.

Gerhard

Pfingstwoche, 26.Mai 10, Nähe Rafti: GERDI

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Ruhig blieb die Nacht. Am goldenen Morgen ein Bad im Meer…6 Stunden seidenweiches Segeln und 1. Sonnenbad an Deck mit einem Buch. Nach 16 Uhr fällt der Anker hinter der  Insel, die Bucht ein Juwel von blau und türkis bis hellgrün! Einige pompöse weiße Villen zwischen Pinien. Harzduft liegt in der warmen Luft des Nachmittags…

Ich koche 750 g Gulasch aus reinem Rindfleisch, so wenigstens entziffere ich mit Hilfe des Alphabets im Wörterbuch das Artikelschild mit den griechischen BuchstabenJ! Bandnudeln, Ruccolasalat mit reichlich Dill (der hier pfundweise gebündelt verkauft wird), Honigmelone.

Ein traumhaft roter Sonnenuntergang begleitet mein Flötenspiel, das mit Echo vom Inselrücken zurückkommt. Erste Sterne. Gelb die helle Venus. Gerhard studiert erstmals den neuen scheibenförmigen Sternatlas… Überm Mast steht der Große Wagen, und dann geht der Mond auf, fast voll schon.

Lautlos die Nacht, kein Wellenschlag, nur 1 Frosch quakt am Ufer. Auch der Morgen ist voller Zauber. Ich flöte „Die güldne Sonne“ und „Es tagt der Sonne Morgenstrahl, weckt alle Kreatur…“ und „jeden Morgen geht die Sonne auf und die schöne,scheue Schöpferstunde, jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf.“ Ein Lobgesang. Auch für Vati, der nach einem Sturz auf Reha verlegt wurde in Nürnberg für 14 Tage.

27. Mai, 6 Stunden, meist unter Segeln

Wir nützen den Wind, der anfangs wieder voll dagegen weht, folgen der Inselküste, an der meist der lokale Wind entlangstreicht oder „der Küste folgt“, kreuzen auf, zählen die endlos in Reihen stehenden fleißigen Windflügler am Kamm. Kaum eine Segelyacht unterwegs. Doch dann: eine blaue kleinere. Ich sag so vor mich hin: Wär doch toll, wenn uns mal dieses junge Paar aus der Schweiz wieder treffen würden, das wir in Leuca („Stop! Don’t go out. 8 Beaufort and more!“) kennenlernten und die mit uns nach Ericousa segelten im stürmischen Seegang. Und da stoppt das Schiff, die rote Fahne mit dem Schweizer Kreuz drin, Rufe vom Bug, „Hey, EOS!!!“. Sie steuern zurück und kommen her, welch eine Freude des Wiedersehens. Sie kommen vom Norden, wo wir hin wollen, haben erneut Zeit bis Oktober. Ein Paar des Glücks.

Dann schwenken wir ein in die uns wohlbekannte Boufalo Bay, die uns am 4. Oktober 09 so friedlich umarmte nach heftigem Gebraus und Gewell. Das kleine Rund des Naturbeckens in der Bucht, die vertrauten paar Häuser, die gepflegten kleinen Kaiken der Fischer. Wir grüßen das Schiff „Prima vera“ mit der vermeintlichen Italienerflagge grün-weiß-rot am Heck mit „Buon giorno“ und schmunzelnd antwortet der bärtige Skipper: Okay, but that’s Ireland, my flag is green-white-orange, my port is DUBLIN!“ Ich flöte ihm nach dem Ankern „Should old aquaintance…“ und er freut sich sichtlich darüber.

Die Franzosen lauschen meinem „Au clair de la lune“ und „Au jardin de mon père les lilas sont fleuris“, ein Verstehen ohne Worte.

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An Land bummeln wir durchs Dorf und 3 alte schwarz gekleidete Frauen, die Jajas, Omas, erkennen mich wieder, die Frau mit der Flöte. Gut, dass mir alle
Zeilen des griechischen Textes vom Schäferlied einfallen: “Prowatakia stin plaja, aspra, mawra, kastana, din din din.“

Wir wandern den Hügel hoch, gesäumt von großen Olivenbäumen, hier blüht noch der stark und süß duftende goldgelbe Ginster, 2 Meter hoch. Daneben mannshohe Disteln, auf denen sich große,metallisch- schillernde grüne Käfer tummeln, gierig zu zehnt nach dem Nektar tauchend, taumelnd umflattert von weißen Schmetterlingen, gemustert wie bei uns der „Admiral“.

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Im nächsten Dorf erkennt uns in der kleinen Bar ein Fischer wieder, ja, Oktober, im letzten Jahr. Die Unterhaltung gelingt nicht recht, dann auch die 5 Frauen reden nur griechisch. Eine war in Tübingen, das verstehen wir. Aber dann kommt eine 15-jährige Schülerin, und die dolmetscht vorzüglich in Englisch. Das dicke Kompliment wird sie der Lehrerin erzählen.

Als wir am Abend im Cockpit im warmen Licht der Petroleumlampe unser Kotelett aus der Pfanne verspeisen, schallt von Land eine Flöte. Virtuos gespielt ein Stück. Ein liebes Geschenk. Ruhig die Nacht. Früh bekommt Gerhard beim Wasserholen einen 40 cm-Thunfisch geschenkt, 6 cm dick der silbrig glänzende Rumpf. Der kommt aufs erste Grillfeuer.

Abends schleicht noch der schmucke Taiwan-Klipper in die Bucht. Nun sind wir 5 deutsche Schiffe. Augsburger, Mannheimer, die mit 50 „aufgehört haben zum Schaffen“ und seitdem Nordsee, Kanal, Biscaya, Tunesien, Griechenland für jeweils 6 Monate besegeln. Nett das mit dem Wein immer fröhlichere Lachen im Cockpit. Man kennt sich, von der Winterlager.

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Am Morgen des 29. Mai kündigt der Wetterbericht für Montag / Dienstag ein kräftiges Tief aus Tunesien kommend an, mit 8-9 Windstärken und 3-4m hohen Wellen. Dieser Blog-Bericht bleibt wohl bis dann im Notebook gefangen, denn bis Chalkida haben wir kein Internet.Diesen Link für die Fotos anklicken

Artikel 2: Unser T??rn beginnt!

Vom Winterlager zum Kap Sounion unter Segeln

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EOS wird sanft zu Wasser gelassen, sie ist dicht, Motor und Echolot funktionieren. Nach einem ölreichen Abschiedsmahl (Sardinen,Calamares, griech. Salat mit Feta) in einer Taverne im Dorf Kilada liegen wir noch eine ruhige Nacht vor Anker in der geschützten und schönen Bucht. Anderntags unternehmen wir einen kurzen Törn in eine ähnliche Bucht bei Porto Heli. Wir durchstreifen dieses Örtchen und kaufen ein. Hotels geschlossen, Vorsaison, nur die Chartersegler sind schon da…

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Der nächste Tag führt uns in eine wilde Bucht bei Kap Skillaion. An den mächtigen Klippen brechen sich die Wellen und bilden mit den Gewitterwolken die richtige Stimmung für uns. Eos schaukelt mächtig, da die Wellen in die Bucht dringen. Der Anker und die neue Ankerkette halten das Schiff aber sicher. Nach einem kurzen Regen am Morgen steigen wir ins 20°C warme Meer. Hoch über uns steht auf einer Klippe ein kleines kalkweißes Kloster. Wir rudern mit MICRO EOS, unserem Schlauchboot, an Land und steigen hinauf. Natürlich findet sich kein Mönch mehr, der hier abseits jeder Siedlung leben möchte. Dennoch wird das Kloster gepflegt. Ein kleines Haus als Wohnung für höchstens 4 Mönche, ein Kirchlein, eine Zisterne und um alles eine Mauer. Herrlicher Ausblick über die türkisblau leuchtende fjordähnliche Bucht, drüber schwere graue Regenwolken.

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Nächste Station unserer Reise: Poros. Erika war vor einem Jahr hier auch dabei. Poros steht für Regen und Ankerprobleme. Letztes Jahr haben wir mit viel Kraft unseren Anker von der benachbarten Ankerkette befreit, diesmal geriet unser Heck-Ankertau bei einem nächtlichen Anlegemanöver um 2 Uhr in die Schiffsschraube der rückwärts fahrenden Charteryacht. Nach einer komplizierten „Befreiungsaktion“ mit Taucheinsatz regelten wir die Sache anderntags in aller Freundschaft und mit neuem Ersatztau, durch den griechischen Skipper bezahlt. Das Anlegen ist an dieser Stelle nicht einfach, da eine Strömung seitlich verschiebt, wenn die Yachten quer zum Strom ankern. Wir hatten anderntags gleichfalls Probleme beim Verlassen des Platzes.

Gerhard

20./21.Mai 2010, Ankerbucht

Um Mitternacht weckte mich mein Schatz, um mit mir bei Kerzenschein und 5mm Ouzo auf meinen 62. Geburtstag anzustoßen. Lieb! Frühstück vor Anker. Im Kirchlein am Felsenrücken zünden wir 3 handgezogenen Kerzen an für unsere 3 Kinder. Ein schöner orthodoxer Brauch. Mit schönem Wind kreuzen wir übers beschauliche Meer.

In Poros ist der neue Kai an der Promenade fertig, mit Blumenrabatten und stiefmütterchen-umrankten Müllcontainern…Es wurde kühler, nur noch 18°C. Wir laufen 1 Stunde hügelan und rund ums Dorf, erwerben 22m dünneres Fockfall, gehen in eine Taverne und sofort geht ein Wolkenbruch nieder, es lärmt der unaufhörliche Starkregen, prasselt auf die Tavernen-Markisen, stürzt wie ein Wasserfall durch Risse und Lücken, in Strömen zwischen die Tische, die Gäste flüchten. Wir sitzen einigermaßen geschützt, speisen Kleftiko (Lamm im Tontopf mit Gemüse, aus dem Rohr), trinken Retsina und Kaffee und staunen über die gewaltigen Wassermengen. Kalt. Lange Hosen, Pullover, die Griechen in Trenchcoats und Anoraks. Gerhard holt 2 Schirme und so kehren wir im Regen (wie im Oktober 2009!) zurück zum Schiff. Das war mein Geburtstag, unvergesslich J !

Früh kaufen wir in der blitzsauberen Markthalle einen 30 cm-Thunfisch und lassen ihn längs halbieren, damit er in der Pfanne gar wird. Marinieren werde ich ihn in Zitrone, Dill, Olivenöl, Knoblauch! Auch ½ Huhn lasse ich in 4 Teile hacken, die maisgelben, krallenbewehrten Hühnerfüße behält der Händler… Für Köchinnen:In Marinade aus Olivenöl, Knoblauch, Rosmarin und Zitrone wird es mit Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln ein Schmorhuhn, 20 Min. im Drucktopf).

Wir wandern hoch zur höchsten Kapelle, über zahllose weiß gekalkte Treppen, vorbei an schmucken Häuschen mit karminroter Bougainvillea, leuchtend gelben Zitronen an den Bäumen, Geranien in zahlreichen Pötten vor den hellblauen Türen und die Treppen hoch, Weinlaub-Dächer über den engen Gärtlein, 3 m hohe „Hasenohren-Kakteen“ mit gelben Blütenzapfen wie Kerzen auf den Rändern, Palmen rascheln im Wind, unten dicht an dicht die Yachten, oft wehen stolz die großen Fahnen der Norweger, Schweden, Finnen, Engländer, Franzosen. Noch wenige Deutsche sind da. Wir werden den Kai verlassen und frei ankern vor dem Kloster.

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Gerhard montiert an Stelle der havarierten Heckanker-Leine die ehemalige Buganker-Kette am Heck.

Um 20 Uhr ertönt dieses uns schon bekannte Trompeten-Solo und der Ruf zum Fahne-Bergen zum Zapfenstreich auf dem Turm der Kaserne.

Am Morgen ertönt das Glockengebimmel des Klosters und von halbacht bis halbzehn Uhr singt der Pope wunderschön die Pfingstzeremonie. Was für ein Morgen! Blau das Meer, weg die düsteren Wolken, leichter Wind… Wir sind dankbar für den Urlaub….

Martin rief aus Erfurt an, wo er seine Multimedia-Installation für die Augsburger Puppenkiste abfbaut, übermorgen in Eisenach, Erika freut sich nach 2 arbeitsreichen 15-Std-Tagen im Hotel auf eine Radtour und das neu erlernte Kajakfahren, Jojo macht eine Bergtour, I+H sind in Südtirol auf Wanderurlaub und Vati freute sich putzmunter über mein morgendliches Flötenständchen („Lobe-den-Herren“)-und so sind wohl heute mal alle glücklich. Liebe Grüße nach Deutschland, wo es ja inzwischen auch endlich wärmer ist!

Pfingstsonntag, 23.5.,

vor Anker unter dem ehrw&uuml
;rdigen Tempel auf dem Felsenkap Sounion, dem wohl nach der Akropolis berühmtesten Foto-Motiv aller Griechenlandurlauber. Die EOS schwojt zwischen (meist viel größeren!) Yachten diverser Nationalitäten. Es schaukelt hin und her und ich bin froh, dass ich den Drucktopf habe zum Huhngericht, denn der Deckel bleibt hermetisch zu und dicht auch wenn der Topf recht voll ist.

Ich wurde im letzten Jahr gebeten, doch öfter auch das Rezept zu schreiben zum Nachkochen. Hier also aus dem Kopf dieser Schmortopf mit Huhn und Gemüse, dessen türkischer Name in einem früheren Kochbuch mediterraner Küche diesen romantischen Namen trug:

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HUHN, „ Der Sultan war entzückt“

4 bis 6 Hühnerteile, 1 Tag mariniert in Zitrone, Olivenöl, Knoblauch, Rosmarin, Paprika u.Curry

1 Zwiebel, gespickt mit 2 Nelken

6 Pfefferkörner

3 Wacholderbeeren

½ Tl Chili-Samen

½ Tl Kreuzkümmel

1 Tl Zimt

Thymian + Rosmarinnadeln

Selleriesalz

Pfeffer aus der Mühle, reichlich

3 Kartoffeln, 3 Möhren, in Stücke schneiden

1 Tasse Weißwein

Zwiebel anbraten, Knoblauch dazu, Huhn anbraten und danach rausnehmen.

Gemüsewürfel anbraten, Gewürze dazu, mit Weißwein ablöschen( ich nahm den geharzten Retsina)

Braunen Bodensatz losköcheln, noch 1 Tasse Wasser dazu u. evtl. einen Hühnerbrühwürfel

Im Drucktopf 15-20 Minuten, im Backofen bei 160° ca. 45 Min.

Nachwürzen mit Salz, Zitronensaft, etwas Wein, evtl. etwas braunen Zucker.

Kali orexi, Guten Appetit! Danach 1 Glas Ouzo und 1 Tasse Kaffee!

Tip: Möglichst ein „gutes“ Huhn kaufen, keines aus der TK-Truhe nehmen, hier gibt es vollfleischige köstliche mit etwas Fett unter der Haut.

GERDI, inzwischen im Fährhafen Loutrion, Ausgangspunkt vieler Charterskipper

Hier die Bildershow:

Den folgenden Link anklicken, falls Ihr die Slideshow sehen wollt, anschließend über den Fotos auf „Slideshow“ klicken

Die bisherige Reiseroute könnt Ihr hier sehen.

EOS wird vorbereitet

Wieder bei der EOS

Wir lassen die Eisheiligen im kühlen Norden zurück und fliegen ins sonnige Griechenland. Dort in Kilada, südlich von Athen, hat unsere EOS den Winter vollkommen unbeschadet überstanden.

Schlagartig legte der Wind gestern am Abend auf 6 Bft. zu und das hielt er 24 Stunden durch. Dabei strahlte die Sonne aus stahlblauem Himmel, 28°C. In Böen vibriert das gesamte Schiff auf seinem Stahl- Gestell an Land.

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Arbeit an den Schiffen an Land

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An dieser schönen Bucht hat die EOS den Winter verbracht

50 Meter zusätzliche Ankerkette füllen den Ankerkasten, die Solarzelle steht wieder am Heck und lädt die Batterien fleißig und das Unterwasserschiff wirkt mit dem neuen frischen schwarzen Anstrich ganz edel. Ich habe im Herbst einige Dreikantmuscheln am Propeller übersehen, eigenartige Tiere, die sich immer im Kreis drehen, ohne Schaden zu nehmen. Auch andere vorbereitende Arbeiten sind jetzt erledigt, Stahl und Messing  glänzen in der Sonne. Morgen wird  die EOS zu Wasser gelassen. Das ist für uns ein spannender Augenblick: Haben wir nichts übersehen? Dringt kein Wasser ein? Funktionieren Motor und Echolot?

Hier einige Bilder vom „shipyard“: