Nordwärts mit Gegenwind und wie ein Anker verloren geht

Die Sonne bleibt uns treu, der Nordwind/Nordostwind auch. Beim Segeln ist’s kühl. Und er weht immer aus der Richtung in die wir segeln möchten. Wenn das GPS 30 Meilen anzeigt, werden daraus durch Aufkreuzen leicht 50 Meilen. Bei 4-5 Bft segelt EOS auch nicht trocken. Der Steuermann wird zwar nicht nass, aber das Deck ist fast immer überspült. Selten haben wir alle Segel oben.

Nach Ventspils wechseln wir von Lettland nach Estland. Immer hart am Wind mit 2 Kreuzschlägen vor der Rigaer Bucht. Ich möchte hinter einer langen Sandinsel ankern. Es weht immer noch kräftig. Die Ankerkette klirrt, sie schleift also über Stein. Beim nächsten Versuch ebenso. Dann ein kleiner Ruck, ich hole die Kette ein – und der Anker fehlt! Keine Chance, den Anker zu finden: 8 m Wassertiefe, ohne Sicht nach unten und lebhafte Wellen. Unglaublich, dass ein so starker Original-Stahlschäkel am Anker brechen kann! Keine Lust für weitere Versuche zum Ankern mit dem Ersatzanker. Warum habe ich nicht bedacht, dass am Bodensee der Sandboden im Echolot als gerade Linie dargestellt wird. Dieses Bild gab aber lauter Hügelchen wieder. Jetzt weiß ich: Das sind Steine! Mit Unerfahrenheit bezahlt man manchmal-… Lehrgeld. Aber nach dem Abenteuer haben wir keine Lust mehr weiter zu segeln und starten den Motor. Wir umfahren die Sandinsel und eine vorgelagerte Riffzunge und steuern im letzten Tageslicht den Hafen Montu  an. Ein Leitfeuer weist uns den Weg in den Hafen, der ganz neu ist! Der  Nordostwind drückt die Dünung herein –  es schaukelt, aber nicht unangenehm. Hunger!! Um 23 Uhr braten wir noch zwei Halsgratsteaks und machen uns einen Salat. Ein langer Reisetag neigt sich.

Am anderen Morgen kommt der Wind endlich mehr aus Osten. Einen Schlag weg vom Land und dann können wir den Zielhafen Roomassaare auf der Insel Saaremaa direkt ansteuern. Mit gerefften Segeln fährt EOS fast von selbst. Die Sonne scheint. Ein herrlicher Segeltag.ReisewegKl. Datum-Fehler: Start ab Danzig war am 7. Mai- nach der Rückreise(2.5.) zur Hochzeit.

 

Pech vor estnischer Insel

Beim Ankern an einem Fels…ein Ruck… Der gr. Anker…war weg!!!! Muß der Skipper in Tallin mal nach einem neuen suchen. War unser bestes Stück auf all den Törns…

Sonntag nach Kingissepp. Südostküste der größeren Insel im Rigaer Meerbusen.DSC_0915

Meldung am Sonntag:

Wir sind in Roomassaari auf der Insel Saareema. Kleiner stiller Hafen. Da haben wir heute erstmals einen Segler getroffen.

Nach Riga und ein Seestück weiter

Reiseweg

Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage Windstärke 5 und mehr aus Nordost voraus. Das sind richtige 5 Bft und keine „Clubhaus-Windstärken“. Dazu die kurzen Wellen der flachen Ostsee, die mag die kleine EOS nicht. Wir bleiben im Hafen und besuchen mit dem Bus Riga, die Hauptstadt Lettlands. Abfahrt um 03.50, Ankunft 08 Uhr, Preis 8Euro.

Ein großer Busbahnhof, Busse nach überall im Land und weiter nach Europa. Kommt man in eine unbekannte große Stadt und möchte das Zentrum sehen, peilt man am besten den größten Kirchturm an und geht dann in das Infozentrum. Aber zuerst genießen wir noch ein kleines Frühstück. Riga hat offensichtlich keine argen Kriegsschäden erlitten. Die Straßen grob gepflastert und schmal und mit Autoverkehr. Laut Plan mit sehenswerten Gebäuden. Man sieht sie, liest und vergisst. Was bleibt in Erinnerung? Natürlich die Busfahrt in den Morgen, durch weite Wälder, Felder mit jungem Getreide und kleinen Häusern oft aus Holz, viele verlassen und am Verfallen. Warum haben die Leute Ihre Heimat verlassen? Wir lesen von Zwangsumsiedelungen nach dem ersten Weltkrieg. In Riga dann der Markt, es sei einer der größten Europas. Sechs große Hallen und dazwischen überall Marktstände. Es gibt alles, aber kein Grünzeug und Sellerie, das wir für die Gemüsesuppe brauchen. Dafür Heidelbeeren und Erdbeeren in Mengen. Alle wohl aus südlicheren Ländern. Bemerkenswert ist auch die Bibliothek am anderen Ufer der Daugava. In kühnen grauen Schwüngen zieht sie sich gen Himmel. Das schönste war aber das Orgelkonzert im Dom mittags um 12 Uhr. Ein überaus mächtiges und filigranes Instrument mit 4 Manualen und vielen Registern. Die Organistin wird mit Bildübertragung auf eine Leinwand übertragen. Eilig hüpfen ihre Finger über die Tasten. Viele Besucher genießen wie wir dieses Klangerlebnis.

Besuchergruppen überall. Lustig die Leute aus Asien. Ihre Handies und Selfie-Stangen richten sich gegen sich und alles was irgendwie Verzierungen aufweist.

Abends geht’s die gleiche Strecke wieder heim. Noch einmal machen wir Bus- Sightseeing durchs halbe Land. Alles huscht zwar vorbei, aber man erhält einen groben Eindruck vom Land.

Anderntags zeigen sich auf dem Meer keine Schaumkämme. Also Weiterfahrt. Als wir uns klar machen brist es auf. Ziel Ventspils können wir nicht anliegen. Groß gerefft, Genua stark gerefft und hart am Wind. Gelegentlich nehmen wir noch den Motor zur Hilfe. Je weiter wir vom Land weg kommen, desto höher werden die kurzen Wellen. Wir machen einen Schlag aufs Land zu um die hohen Wellen zu vermeiden. Es zieht sich, obwohl EOS mit 5-6 Knoten die Wellen anfährt. Nach 7 Stunden funke ich Ventspils Traffic an und wir können einlaufen. Den Sportbooten hat man die letzte, versteckte Ecke an Mooringbojen zugeteilt.

Jetzt gibt’s die Gemüsesuppe statt mit Wurzelgemüse und Grünzeug heute mit Brokkoli. Der Hafenmeister ist sehr freundlich und hilfsbereit. 40 Sm zeigt das GPS für den heutigen Tag an, ca. 75 km in bewegter See und max. Tempo.

 

 

 

 

 

Pavilosta, der kleine, stille Ort

 

Am Dienstag Mittag haben wir EOS in diesem schönen ruhigen, kleinen Hafen angebunden. Ein freundlicher Hafen (der Hafen auf der Nordseite!) mit einem ebenso freundlichen jungen Hafenmeister. Strom, Waschmaschine, Trockner, alles da. Auch Diesel auf der anderen Hafenseite.

Das war mal ein Fischerdorf und hieß Paulshafen, nach dem Bruder Otto Lilienfelds, der hier im 13.  Jahrhundert Baron des Kurlandes war.

Ehemals ein Fischerdorf mit kleinen Häuschen und großen Gärten. Zu klein für heutige Ansprüche. Darum verfallen sie. Reiche Letten kaufen diese Gebäude und richten sie als Ferienwohnungen her. Gings unseren Alm-Hütten nicht ebenso? Ja, das Örtchen nimmt einen Aufschwung. Die Werft läuft gut, der Hafen in dem wir liegen auch. Es sind ja nur wenige Stege. Die Mauer der Hafeneinfahrt wurde gerade verlängert. Am Samstag ist Einweihung mit großem Fest. Viel Natur hier, zwei Supermärkte (des selben Besitzers) und kein Gasthaus.

Am Abend nimmt der Wind zu. Die Wetterberichte sagen 5-6 Bft voraus. Liebe Bodenseesegler, das ist wesentlich mehr als wenn bei uns die Warnleuchten anfangen zu blinken! Da fahren wir nicht raus, zumal wir gegenan müssen.

Ein Ruhetag anderntags. Wir durchstreifen den Ort. Viel ist nicht los. Aber muss denn viel los sein? Ist der Strand, wenn die Wellen dort andonnern nichts besonderes? Der wandernde Sand bildet elegante Formen. Richtige kleine Dünen! Es gibt einen Fischladen. Wir nehmen uns einige Sorten Räucherfisch mit und haben eine schöne Brotzeit auf der EOS. Die Fische schmecken ausgezeichnet. Den Nachmittag verbringen wir in Ruhe. Rainer löst Sudoku und filmt am Strand. Ich beschäftige mich mit dem Blog. Zwei Mechaniker bereiten zwei große Leuchtbojen vor und zwei Zöllner besichtigen kurz den Steg.

Das Windwetter soll anhalten. Um 03.40 Uhr fährt der Bus nach Riga. Den werden wir morgen nehmen und die Stadt anschauen.

Ein Sprung nach Litauen und dann nach Lettland

Klaipeda, der quirlige Hafen: „Border Control“ schreit uns mit Lautsprecher an und möchte wissen woher, wohin, Staatsangehörigkeit. Große Seeschiffe fahren die Memel ein und aus. Wir mitten drin. Dann krächzt wieder ein Lautsprecher. Wir verstehen nur „Sailingboat stop immediately“. Vor uns rasen Schlauchboote mit aufgepflanztem Gewehr. Aha, eine Militärübung. Wir biegen ab. Die Brücke zum Hafen drehen die beiden Hafenmeister für die EOS auf Stellung „auf“. Nett hier im Zentrum im ehemaligen Wassergraben der Bastille. Die Altstadt ganz nah. Uralte, roh gepflasterte Straßen. Ein Lokal mit einheimischer Kost lockt. Gegrillter Bauch auf Kartoffelstampf, dazu Sauerkraut und Gurken. Vorher Rote-Beete-Suppe. Sehr gut.

Anderntags wieder abmelden bei der Border Control per Funk und dann nordwärts nach Liepaia in Lettland. Kaum Wind, wir bemühen den Volvo. Dann dreht der Wind auf West und wir setzen alle Segel. Jetzt können wir auch die Selbststeueranlage automatisch steuern lassen, weil das Boot ruhig liegt. Ich möchte nicht, dass er dauernd bei zu viel Seegang jede Welle auskorrigieren muss. Da sitzen wir, lesen, ich schreibe Mails für später, wenn wir wieder Empfang haben. Liepãia am Sonntag: Still, kein Frachter. Es riecht nach Holz, das hier verladen wird: Dünnes Verschleißholz und Hackschnitzel und Kohle. Vorbei an überholungsbedürftigen Fischtrawlern und Fregatten. Die Marina besteht aus einem Holzsteg, Steckdosen und einem Bürocontainer. Der freundliche Hafenmeister weist uns ein und wir besuchen die Altstadt. Ich persönlich empfinde die Stadt als schön, auch mit dem Verfall hie und da. Die Häuser strahlen etwas Heimeliges aus. Kein Protz, aber doch die Gediegenheit früherer wohlhabender Zeiten. Einige Trinkfreudige in zerlumpter Kleidung. Ich vermisse die vielen Cafés anderer Städte. Etwas Trauer liegt in der Luft. Vielleicht empfinde nur ich das  so. Zaghaft macht sich auch Neues breit. Ein Casino und Hotel in einem ehemaligen Speicher, Lofts mit viel Glas über einem Speicher am anderen Ufer und das runde gläserne Konzerthaus, sehr futuristisch. Gerade eine ärmere Stadt braucht etwas für ihre Würde. Das kennen wir schon von der Donau in Rumänien. Vier Jugendliche wollen das Schiff sehen und kommen rüber. Ohne Worte sind wir fröhlich.

Abends gibt’s Bremer Knipp, den hat Jan mitgebracht. Liegt etwas gewöhnungsbedürftig in der Pfanne, schmeckt aber gut.

Montag weiter nach Pavilosta:anfangs noch mit Motor, dann können wir gut segeln. Endlich ein netter kleiner, stiller Hafen. Die Marina ist einfach, aber hat alles, sogar Waschmaschine und Trockner. Den Fluss begleiten winzige kleine Häuser. Da wohnten mal einfache Fischer. Der Hafenmeister erzählt von den Problemen seiner Eltern zu DDR-Zeiten. Das war ja hier Grenzgebiet. Fischer durfte nur werden, wer verheiratat war und Kinder hatte. Wegen der Fluchtgefahr… Ein Kilometer des Strandes stand nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zur Verfügung.

 

 

 

An Russland vorbei

 

Im „Gdanska Restauracja“ bedient ein Ober in einer Art Uniform mit Epoletten. Die Einrichtung ist in ihrer historischen Art auch aus der Zeit gefallen. Das Essen jedoch schmeckt sehr gut, ausgezeichnet. Die Suppe wird in einer beheizten Schüssel serviert. Man kann sich zum Genießen Zeit lassen.

Den Katzensprung zur Landzunge Hel zu segeln ist bei halbem Wind eine Freude. Der Wetterbericht verkündet für die Fahrt nach Klaipeda abends nachlassenden Wind mit 6 Bft. Am anderen Morgen aber herrscht seltsame Ruhe im umtriebigen Fischerhafen. Der Zöllner besucht uns und rät von einer Ausfahrt wegen 7-8 Bft ab. Deswegen bleiben auch die Fischer im Hafen. Da bleiben wir wo wir sind. Es kommt aber kein besonders starker Wind. Also noch ein Wandertag durch den Touristenort, den wunderbar weißen Strand und die alten Verteidigungseinrichtungen.

Am Vormittag darauf reisen wir nach Klaipeda. Man muss die Enklave Kaliningrad mit 12 Seemeilen Abstand runden. Wir wählen 15 Seemeilen. Mit den Russen ist nicht zu spassen. Der Wind schläft sich aus. Fast alles motoren wir. Starker Dunst mindert die Sicht, nicht aber zu den Sternen. Der Mond sinkt rotglühend in den Dunstschleier. So richtig vollkommen dunkel wird es nicht mehr. Ein schwacher heller Streifen zieht sich die ganze Nacht von Westen nach Osten. Am anderen Morgen tauchen vor der Küste Litauens geisterhaft vor Klaipeda Frachtschiffe aus dem Dunst auf und verschwinden wieder. Wir finden Platz im Hafen beim Klaipeda  Old Castle, nachdem die alte Schwenkbrücke zur Seite gefahren ist.

 

Die Eos muß in Hel warten…

 

 

Der Skipper war im Zug von Danzig heim gereist…zur Hochzeit unsrer Tochter am 4. 5. im Allgäu. Am 6. Mai fuhr er mit dem Augsburger Freund zurück nach Polen. Der kennt die Eos seit 2007 auf Fluß und Mittelmeer.

Sie segelten zurüch zur Sandhalbinsel Hel. Starkwind-Warnung. Kein Schiff, kein Fischer verließ heute den Hafen.

Morgen oder übermorgen wollen sie die russische Enklave bei Königsberg umsegeln. Ziel Klaipeda.